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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Marburg

Freitag. 26. Oktober 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck Md Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversitätS-Buchdrucktrei 41. Jahrg.

Marburg, Markt 2L Telephon a5.

Neueste Telegramme.

' Essen, 24. Okt. Eine erhebliche Verschärfung >es Wagenmangels steht zu erwarten. Zechen, »enen bisher 90 Prozent der angeforderten Wa­len gestellt wurden, werden voraussichtlich schon n den nächsten Tagen nur noch 80 Prozent ge­teilt werden können. Man rechnet mit der Not- oendigkeit einer Vermehrung der Feierschichten.

I Wien, 24. Okt. Der Botschafter in Peters- kurg, Baron Aehrenthal, hat in der heutigen Audienz das ihm vom Kaiser angebotene Porte­feuille des Auswärtigen angenommen.

1 Wien, 24. Okt. Der Kaiser hat heute Nach- ßnittag die parlamentarischen Mitglieder des Ministeriums in Audienz empfangen. Wie ver- tlautet, sollen sie nachdrücklich darauf aufmerk- ifctm gemacht worden sein, daß der Kaiser auf 'eine rasche Erledigung der Wahlreform großes Gewicht lege.

i. Budapest, 24. Ott. Der Abgeordnete Julius Markos von der Koffuthpartet, ein Geistlicher, brachte heute im Abgeordnetenhause eine Inter­pellation ein, in welcher er die Regierung fragt, ob sie Kenntnis von den alldeutschen Um­trieben habe, an denen sehr hochgestellte Staats­männer und Offiziere beteiligt seien und welche darauf abzielen, Oesterreich-Ungarn einem Eroßdeutschland einzuverleiben, da solche Be­strebungen mit der Erneuerung des Dreibundes unvereinbar seien, und was die Regierung gegen solche Uebergriffe zu unternehmen ge­denke.

b Paris, 24. Okt. DieKöln. Ztg." meldet: Nach zuverlässigen Nachrichten hat Graf Witte insbesondere bei Rothschild die größten Anstren­gungen gemacht, Geld für Rußland zu bekom­men. Der Mißerfolg seiner Bemühungen soll vollständig sein.

Das Kabinett Clemenceau.

Frankreich steht vor der Tatsache eines Ka- fiinettswechsels, der nicht sowohl auf Gründe des Staatswohles als auf den rein persönlichen Ehr­geiz eines einzelnen, bisher nur im Minister­stürzen und heftigster Opposition bewährten Mannes zurückzuführen ist, in seinen Wirkungen Uber freilich von sehr grundsätzlicher Bedeutung kein wird. Herr Sanien selbst gibt als Grund feines Rücktrittes Gesundheitsrücksichten an, und Has mag insofern nicht ein bloßer Vorwand sein, jals er bereits bei Bildung seines Kabinetts be­tont hatte, welch großes Opfer er im Hinblick auf seinen Gesundheitszustand bringe: auch trug seine Amtsführung den Zug einer großen Müdigkeit, kn Wahrheit wird aber die unbequeme Lage, in die er sich mit dem Kulturkampfgesetze gegen- jüber dem Radikalismus des Herrn Clemenceau jund seiner Freunde gebracht hatte, wohl die wirk- jliche Ursache seines Rücktrittes gewesen sein. Man Entsinnt sich, daß Clemenceau die von Jaurds und Briand festgestellte Fassung des § 4 beson-

< Nachdruck verboten.);

Zwei Fraue«.

Roman von E. Borchart.

(Fortschung.)

'Ich weiß nicht, warum Elisabeth so lange bleibt," entfährt es ihm endlich ungeduldig.

' Jetzt steyt Nora auf:

Ich will einmal nach ihr sehen, beunruhige »ich nicht, wenn wir länger bleiben, Elisabeth rat mich, ihr einen neuen Stich an ihrer Point- ace-Decke zu zeigen, vielleicht arbeiten wir et»

Das daran; auf Wiedersehen!"

Noch ehe Herbert etwas darauf erwidern kann, ist auch sie gegangen.

Elisabeth sitzt in ihrem Zimmer, den Kopf fin beide Hände vergraben, an die Lehne des teofiis gelehnt, bitterlich weinend. Da öffnet sich die Tür, und Nora trttt ein. Langsam 'nähert sie sich der Weinenden und schlingt ihren Arm um deren Schulter:

-Du liebes Nänchen, du törichte kleine .Frau!"

Liebkosend streicht ihre Hand über die 'welligen Haare Elisabeths, und diese stößt die -Hand nicht zurück, da es ist, als ob diese Be­rührung ihr wohltäte und einen besänftigenden Einfluß auf ihr Gemüt ausübe.

Langsam richtet sie sich auf und widerstrebt nicht, als Nora sie an sich zieht und ihren Kops an ihrer Brust bettet.

Weißt du, Elisabeth, warum ich dich hier aufsuchie? Ich möchte dir eine Geschichte er­zählen, meine Geschichte. Willst du sie hören?"

Elisabeth nickte nur; sie hat nicht die Kraft, etwas zu erwidern. In ihr ist alles öde und leer.

Mechanisch lauscht sie Noras Stimme. Aber der Ton dieser Stimme schmeichelt sich mehr und mehr in ihr Ohr es wird dabei so ruhig und still in ihr. Dann erwacht sie aus kiefern Halb­schlaf auf, und ihre noch von Tränen glänzen-

ders heftig bekämpft hatte, der die Kirchengüter- zuteilung betraf. Er wird jetzt vor der Schwie­rigkeit stehen, diesem § 4 durch Zusätze eine Fas­sung zu geben, die ihm genügt und gleichwohl den Sturm der katholischen Empörung abwehren kann, und wird zugleich mit den Machtmitteln des Staates den infolge der Einhaltung der Kirchengüter drohenden Unruhen entgegentreten müßen. Diese doppelte Aufgabe war nicht nach des müden Herrn Sarrien Geschmack, und dieser hat es deshalb Clemenceau überlassen, sich mit ihr abzufinden.

Für Clemenceau selbst aber dürfte dies nicht in erster Reihe der Ansporn gewesen sein, gerade jetzt sich in die Leitung der Geschäfte zu drängen, sondern offenbar glaubte er für feine deutsch­feindliche Politik den rechten Augenblick gekom­men. In diesem Sinne wird fein Ministerium von der deutsch-feindlichen englischen Presse denn auch mit lebhafter Genugtuung begrüßt. Auch Rußland gegenüber dürfte er eine andere Hal­tung einnehmen, als das bisherige Kabinett, in dem der Minister der auswärtigen Angelegen­heiten, Herr Bourgeois, an dem Büdnisse mit Rußland festhielt, nicht sowohl aus aufrichtiger guten Meinung von dessen tatsächlichem Werte, als um des guten Rufes der auch im Unglück treu zum Bundesgenossen stehenden französischen Po­litik willen, und aus kluger Rücksicht auf das durch Rußlands Nöte in Mitleidenschaft gezogene französische Kapital. Es schien eine Zeitlang, als ob Herr Clemenceau darauf gerechnet habe, Bourgeois auf seinem Posten behalten zu können. Aber vielleicht war dies ebenso eine kluge Ko­mödie als sein dann gemachter Versuch, Mille- rand für das Ministerium des Auswärtigen zu gewinnen. Als dieser nämlich zu Clemenceaus Ueberraschuyg annahm, bot et ihm anstatt des Aeutzeren sofort die Justiz an, indem et be­hauptete, das Aeußete beteits Pichon vetsptochen zu haben. Jedenfalls muß damit gerechnet wer­den, daß Clemenceaus russische Politik sich von der Millerands ebenso unterscheiden wird, als von der des Herrn Bourgeois, denn noch während seiner letzten Reise im Vardedepartement, das er als Senator vertrat, hat er deutlich erkennen laßen, daß er eine weitere Inanspruchnahme des französischen Kapitals durch Rußland von Maß­nahmen abhängig machen müße, die den radika­len Elementen im Zarenreiche Rechnung tragen. Der hinter Clemenceau stehende französische Ra­dikalismus verwarf alle fernere Unterstützung desZarismus" durch weitere bedingungslose Kreditgewährung. Es hat einige Tage gewährt, bis es Clemenceau gelang, für diese Politik die erforderlichen Statisten zu finden. Jetzt ist das Kabinett gebildet und setzt sich wie folgt zusam­men: Die Justiz ist Guyot-Deßaigne übertragen, über den wenig mehr zu sagen ist, als daß er zu Clemenceaus ergebensten Freunden gehört. Das

den Augen hängen wie gebannt an dem Munde der Erzählerin. Immer aufmerksamer, immer andächtiger lauscht sie, bis sie über dem Gehörten fast den eigenen Kummer vergißt und teilnimmt an fremdem Leid, nein, nicht fremdem, sondern dem lieber, geliebter Menschen.

Nora Steinburg erzählt ruhig weiter, ohne gelegentliche erstaunte oder von tiefer Er­griffenheit zeugende Ausrufe Elisabeths zu be­achten.

Wir waren Nachbarskinder, Herbert und ich. Fast täglich spielten wir zusammen, trotz­dem Herbert sechs Jahre älter war als ich. Eine innige Freundschaft verband uns; er war der ritterliche Beschützer und treue Spielkamerad der kleinen Komtcße Steinburg, und die als ein­ziges Kind ihrer Eltern verwöhnte Kleine ließ sich willig von ihm leiten und führen. So wuch­sen wir heran, bis Herbert in eine Kadetten­anstalt kam, und wir uns nur zu den Ferien wiederfahen. Ich hätte die Trennung vielleicht schwerer empfunden, wenn ich nicht eine mäch­tige Trösterin gehabt hätte: die Musik. Schon als kleines Kind zeigte ich nicht allein eine Vorliebe, sondern auch große Begabung für diese herrliche Kunst. Man hielt mir darum nur musikalische Erzieherinnen, die mich im Klavier- spiel unterrichteten, und mit acht Jahren hatte ich es schon zu ziemlicher Fertigkeit darin ge­bracht. Am liebsten sang ich jedoch, was mit in den Sinn kam, ganze Sonaten, Opermelodien und Volkslieder waren es. Meine Stimme entwickelte sich schnell, und von sechzehn Jahren hatte ich schon eine Kraft und Fülle im Ton, die alle, die mich hörten, in Erstaunen setzten. Nun kannte ich keinen sehnlicheren Wunsch, als meine Stimme in guter Schule zu bilden. Ich wollte nach München zu Verwandten gehen, da wohl kein Künstler und keine Künstlerin für längere Zeit auf unser einsames Schloß gekom­men wäre. Meine Eltern mochten sich aber nicht von ihrem einzigen Kinde trennen, vielleicht

Unterrichtsministerium übernimmt Briand, die Finanzen Caillaux, die Marine Thomson, die öffentlichen Arbeiten Varthou, Handel Dou- mergue, Ackerbau Ruau, Minister für Gesund­heitspflege wird Vioiani, und das Kolonial- ministerium soll Millies-Lacroix angeboten wer­den, deßen Annahme für gesichert gilt. Kriegs­ministet wird der aus dem Dreyfus-Prozeße be­kannte ehemalige Oberstleutnant, jetzige Gene­ralmajor Picquart.

Das neue Kabinett hat natürlich den fran­zösischen Radikalismus zu wildem Tatendrange entfacht, und man wird darauf gefaßt sein müßen die französische Gesetzgebung endgültig in radi­kale Bahnen einlenken zu sehen. Ob diese Suppe so heiß gegeßen wie aufgetragen wird, muß ab- gewartet werden, denn auch Herr Clemenceau dürfte sein berühmtes Temperament als Minister wesentlich beßer zu zügeln verstehen wie bisher als Ministerstürzer. Dies gilt namentlich auch von seiner auswärtigen Politik, die in breitesten Kreisen ausgesprochenem Mißtrauen begegnet. Einige Herrn Clemencau nahestehende Blätter verteidigen ihn deshalb auch bereits gegenüber dem Verdachte, daß er auf einen Bruch mit Deutschland hinarbeiten werde. Immerhin wird man deutscherseits gut tun, den Gefahren, die dieser Ministerwechsel mit sich bringt, fest ins Auge zu sehen.

Zur Lage in Rußland.

DieRussische Korrespondenz" erhält das nachstehende Telegramm: St. Petersburg, 24. Oktober. Das Rundschreiben des Ministeriums, das allen Beamten die politische Betätigung verbietet, macht in betroffenen Kreisen außer­ordentlich viel böses Blut. Nachdem zwei Vro» feßoren der Kriegsakademie, Grimm und Dia« kow, weil sie gezwungen werden sollten, aus der Kadettenpartei auszutreten, ihre Demission gegeben haben, erwattet man die Nachfolge noch einer ganzen Reihe angesehener Beamten.

Odeßa, 24. Ott. In der jüdischen Bevölke­rung herrscht große Panik wegen der Absichten des'Bundes des russischen Volkes", am 30. Okt. eine Manifestation und Judenmetzeleien zu ver­anstalten. Der Stadthauptmann erklätte dem Rabbiner, der deshalb Vorstellungen erhob, et selbst habe Drohbriefe erhalten und werde keine Demonstration zulaßen.

Tiflis, 24. Ott. (SB. B.) Ein von Kurs kommender Postwagen wurde von 10 Räubern überfallen und um 29 000 Rubel beraubt. Die Grenzwache verfolgt die Räuber.

Wernendinsk, 24. Okt. (W. B.) Die hiesige Eüterstatton wurde gestern Nacht von 20 Räu­bern überfallen. Doch schlugen die Soldaten von dem bei der Station haltenden Militärzüge die Räuber in die Flucht und nahmen 6 von ihnen fest.

hielten sie es auch für überflüssig, daß eine Kom­teß« Steinburg sich so ausschließlich der Kunst widmen sollte. So blieb meine Sehnsucht un­gestillt, drei Jahre lang. Da kam Herbert den ich in dieser Zwischenzeit nicht gesehen hatte, als stattlicher Leutnant auf Urlaub nach Lan- degg. Wir frischten unsere Kinderfreundschaft auf und verlobten uns schließlich zur Freude unserer Eltern. Wit waten uns herzlich gut, aber zu meinem damaligen Glück trug die Aus­sicht auf die Erfüllung meines heißesten Wun­sches nicht wenig bei. Herberts Regiment stand in München, und ich kam somit als seine Frau dotthin und konnte endlich den lang ersehnten Gesangunterricht nehmen.

Die Hochzeit fand bald statt, und mit frohen Zukunftsplänen zog ich an der Seite meines Gatten nach der Hauptstadt. Es begann nun eilte herrliche Zeit für mich; ich schwelgte in Kunstgenüßen, besuchte Opern und Konzerte. Zum Glück war Herbert ebenfalls außerordent­lich musikalisch und genoß gern mit mit. Für meine Stimme zeigte er sich sehr interessiert und gab gern seine Zustimmung zu einer fachge­mäßen, künstlerischen Ausbildung. Niemand schien ihm dafür geeigneter, als nennen wir ihn Hans Dorn, der Stern der Oper, der gott­begnadete Künstlet, der Held und Abgott des ganzen Münchener Publikums und zudem Her­berts persönlicher Freund. Du wirst dich viel­leicht wundern, wie Herbert zu dieser Freund­schaft kam. Aber nicht allein, daß der Adel der Kunst Hans Dorn hoch übet seinen Stand hinausgehoben hätte, er stammte auch aus einet Offiziersfamilie und war ein feingebildeter Mann. Bei den Offizieren der Garnison, in deren Mitte Herbett ihn kennen gelernt hatte, war er ein gern gesehener, hochgeschätzter East, Fürsten bewarben sich um feine Gunst, beehrten ihn mit ihrer Freundschaft, die Damen schenk­ten ihm ihre 6«^ un» vielleicht audj ihr Herz. Er war ein una-wohnlich schönet Mann, eine

Jekaterinoslaw, 24. Okt. (W. B.) Während des Besuches des Gouverneurs im Dorfe Pokrowsly (Bezirk Matiapol) stellten di« Bauern grob das Verlangen, sie von der Ver­pflichtung zu befreien, die staatlichen Alkohol­läden gegen die Angriffe von Anarchisten zu bewachen. Da der Gouverneur dies verweigette, zertrümmette die Menge die Fensterscheiben im Gebäude der Gemeindeverwaltung und versuchte die Abreise des Gouverneurs zu verhindern. Eine von Matiapol herangezogene Sotnie Ko­saken stellte die Ordnung wieder her. Der Gouverneur setzte seine Inspektionsreise fort.

Deutsches Reich.

Berlin, 25. Ott.

Seine Majestät der Kaiser hörte gestern die Vorträge des Chefs des Zivilkabinetts und des Staatssekretärs Kraetke und empfing der österreichischen Generalstabschef Feldzeugmeistei v. Beck.

Vorbesprechungen über die allgemeine po­litische Lage und über die nächsten Arbeiten des Reichstages wird wie alljährlich vor Beginn der Parlamente der Reichskanzler in den nächsten Tagen mit einigen parlamentarischen Führern abhalten. Eine Sitzung des Senioren» konvents des Reichstages ist vom Präsidenten Grafen Ballestrem für den 13. November anbe» räumt worden.

Bei der Reichstagsersatzwahl im Wahl­kreise Hadersleben-Sonderburg wurden nach dem jetzt vorliegenden Eesamtergeb» niße folgende Stimmen abgegeben: für Hahn (Deutsch-National) 5110 Stimmen, für Hansen (Däne) 10 325 Stimmen und für Michelfen (Soz.) 769 Stimmen. Hansen ist somit gewählt. Das Gesamtergebnis der Wahlen im 18. h a n- noverschen Reichstagswahlkreis ist nach vorläufiger Feststellung folgendes: Reese (nat.-lib.) 6594, Klävemann (Bd. d. Landw.) 3425, Otto (Freis. Volksp.) 3198, v. Meding (Welfe 1624 und Ebert (Soz.) 6211 Stimmen. Es ist somit Stichwahl zwischen Reese und Ebett erforderlich. Bei der gestrigen Landtagsersatz­wahl im ersten Wahlbezirk des Regierungsbe­zirks Btombetg wurden insgesamt 463 Stimmen abgegeben. Davon erhielt Landge- richtsptäsideni Viereck in Osttowo (freikons.) 402, von Lebinski (Pole) 66 Stimmen, zersplit­tert ist 1 Stimme. Ersterer ist somit wiederge­wählt worden.

Zur braunschweigischen Frage wird bet Franks. Zig " aus Hannover von gestern Mitt woch Abend telegraphiert:

Auch in den hiesigen Welfenkreisen ist die Stimmung darüber geteilt, was der Herzog von Cumberland tun und die deuischhannoversche Partei ihm raten solle. Es ist möglich, daß einige Edelleute, die sich als Lehnsleute des Herzogs

wahre Heldengestalt. Sein von einer Fiilll dunklen, krausen Haares umrahmtes Gesicht trug edle Züge, daraus wunderbar schöne, aus4 drucksvolle Augen blickten. Seine Stimme hatte einen bezaubernden Wohlaut, sein Spiel war hinreißend, kurzum er war eines jener bevor­zugten Wesen, dem die Götter alle guten Gaben in die Wiege gelegt zu haben schienen.

dieser gottbegnadete, von aller Welt vergöttert^ Liebling der Musen, wurde nun mein Lehrer. Daß er sich dazu herabließ, mußte ich als Aus. Zeichnung auffaßen, denn er gab sich sonst nccht damit ab, zu unterrichten und hatte selbst Prin­zessinnen, die ihn darum baten, abgewie- fen. Da er viel in unserem Hause verkehrte, hatte er auch meine Stimme gehört, und er war so begeistert von ihr, daß er mit Freuden Her­berts Bitte, mein Lehrer zu sein, erfüllte.

Gleich darauf begann mein Unterricht, den ich mit Feuereifer aufnahm. Dorn war von mei­nen Fortschritten begeistett. Er nannte mich seinen Stern, seine Muse, und konnte nicht müde werden, meiner Stimme, die sich in seiner Schule über Erwarten schnell entwickelt hatte, zu lauschen. Stundenlang konnten wir zusam­men musizieren, und die übrige Well dabei ver­geßen. Ost wohnte Herbert, der sich über meine Fortschritte freute, diesen Stunden bei, abe^ noch öfter ließ er uns allein. Der Dienst nah« ihn mannigfach in Anspruch.

Er dachte stets edel und groß, nie hätte ei einen schmählichen Verdacht geschöpft, nie einen Argwohn gegen zwei Menschen, die ihm lieb und teuer waren, gehegt. Er sah unser Verhältnis als das an, was es in der Tat war, als durch die Kunst geweiht und geheiligt, und ich schwöre es dir, Elisabeth; kein sündhafter Gedanke, kein unlauterer Wu-ßch wurde je in mir wach.

(Fortsetzung folgt.)