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mit dem Meisblatt für die Meise Marburg und Kirchhain.^

vierteljährlicher Bezugspreis: bet der Erpü>ition 2 9JIL, bet allen Postämtern 2,25 M. (e$tL Bestellgeld).

InserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfg.

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Marburg

DonnerMg, 25. Oktober 1906.

-Ä Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, UniverfitätS-Duchdruckerei

Marbmg, Markt 21. Telephon 55.

41. Jahrg.

Neueste Telegramme.

Trier, 23. Ott. Die hier tagende Delegier- .renversammlung der rheinischen Zentrumspartei nahm eine Resolution an, in der die rheinischen Abgeordneten der Zentrumspartei aufgefordert werden, mit aller Entschiedenheit in der nächsten Landtagssesfion endlich auf die Beseitigung des Dreiklaffenwahlsystems hinzuarbeiten.

Effen, 23. Ott. Die Antwort des Bergbau- Vereins an die Siebener-Kommission lautet wie folgt:Effen, den 22. Oktober. Die geehrte Zu­schrift vom 10. d. M., mit welcher fünf Arbeiter- Perbände die Forderungen der in den Kohlen­gruben und allen Nebenanlagen beschäftigten Arbeiter uns zugestellt haben, ist in der heutigen Porstandssitzung zur Vorlage gekommen. Der Bergbauliche Verein erklärt wiederholt, diese Verbände nicht als die Vertreter der Belegschaf­ten anerkennen zu können und ist auch jetzt nicht zuständig, über Lohnfestsetzungen Erklärungen ybzugeben. Er muß es deshalb den einzelnen Zechenverwaltungen überlaffen, in den gesetzlich gewählten Arbeiterausschüflen zu den eingereich­ten Forderungen Stellung zu nehmen, Verein für bergbauliche Jntereffen. Kleine, Singet, Funke."

Effen, 24. Okt. Die Antwort des Bergbau­lichen Vereins machte im Ruhrbezirk einen be­ruhigenden Eindruck. Man glaubt, daß die Streikgefahr beseitigt sei. Die Regierungs­präsidenten von Düsseldorf und Arnsberg wollen die Bezirke zwecks Information über die Berg- ärbeiterbewegung bereisen.

Stuttgart, 23. Ott. Heute fand ein Pistolen­duell zwischen dem Hoftheaterintendanten Baron von Putlitz und dem Chefredakteur Dr. Piper statt. Beide Duellanten blieben unverletzt. Dem Duell war vor kurzem im Jntendanturbureau eine heftige Streitszene vorangegangen, die in Tätlichkeiten endigte. Die Ursache zum Duell soll eine Dame gegeben haben.

Stuttgart, 23. Okt. DasStuttgarter Reue Tagblatt" stellt gegenüber der Meldung eines Berliner Blattes, derzufolge Hohenlohes Denk­würdigkeiten von der nächsten Auflage an in ge­kürzter und verbesserter Form erscheinen sollen, fest, daß dls in den letzten Tagen vollendeten zur Zeit unter der Presse befindlichen Exemplare des umfangreichen Neudruckes mit keinem Buch­staben von der ersten Ausgabe abweichen.

Kiel, 23. Ott. Das Torpedoboot8 71" stieß beim Einkäufen in den Wyker Torpedohafen gegen eine Moole. Das Schiff erlitt Beschädig­ungen und mußte zur Reparatur in die Kaiser­liche Werft gehen.

Benedig, 23. Okt. Kaiser Wilhelm bot der Stadt Venedig eine Büste Richard Wagners an, die Prvfessor Eberlein ausführen soll. Bürger­meister Grimaldi nahm das Geschenk dankend

62 (Nachdruck verboten.V

Zwei Frauen.

Roman von ö. Borchart.

tForhetzung.)

Von nun an beschäftigte sie sich nicht mehr so ausschließlich mit Elisabeth. Sie suchte es viel­mehr so einzurichten, daß Herbett bei ihren Be­suchen zugegen war. Auch suchte sie das Ehe­paar einander näher zu bringen, indem sie zu weiten Spaziergängen oder Fahrten in die Berge, zu Ruderpartien auf dem Landegger See, zu gemeinschaftlichen Ritten aufforderte. Oft lud sie beide auch zu sich nach Steinburg ein.

Es kam ihr dabei sehr zu statten, daß die be- rallnien Familien der Umgegend verreist wa­ren; selbst Boyneburgs waren ausgeflogen. So lebte sie nicht allein unerkannt, nur die Diener­schaft von Landegg wußte, wer sie war und wer sie einst gewesen, sondern sie brauchte keine Ein­mischung, keine Verleumdungen und Jntriguen zu fürchten und das Ehepaar Landegg war fast äusschließlich auf ihre Gesellschaft angewiesen. Diesen Umstand verstand sie geschickt auszu­nutzen.

Auf Graf Landegg übte dieser Verkehr einen woltuenden Einfluß aus. Noras Geist und Frische feffelten ihn, riffen ihn heraus aus sei­nen trüben Gedanken; er wurde lebendig, hei­ter, launig, und alles Gleichgültige schien aus feinem Wesen verschwunden zu sein. Elisabeth Entging diese Veränderung in ihrem Gatten Nicht. SlS hätte sich gefreut und Noras Ein­fluß gepriesen, wenn diese Aenderung stand ge- yaüen hätte. Sobald aber Nora fort war, wurde er wieder der Alte, Kühle, Höfliche. Der heitere Blick schwand wus seinen Zügen und er suchte so schnell wie möglich von seiner Gattin fortzukommen.

Da stieg etwas in Elisabeth auf ein Weh, ein Schmerz, noch unerkannt, aber nichtsdesto-

Die Steigerung der Getreidepreise.

Die augenblickliche Steigerung der Getreide­preise wird von der Sozialdemottatie dazu aus­genutzt, um den neuen Zolltarif und die darin enthaltene Steigerung der Cetreidezölle dafür verantwortlich zu machen, daß eine Erhöhung der Preise eingetreten ist. Demgegenüber ist es lehrreich, festzustellen, daß der volkswirtschaftlich erfahrenste und durchgebildetste Sozialdemokrat, der ehemalige Abgeordnete Calw er, darauf hingewiesen hat, daß eine Steigerung der Welt­marktpreise bereits seit längerer Zeit eingetreten ist und sogar in dem Organ der radikalen -Sozia­listen, derNeuen Zeit", wird dieses bestätigt. Wir finden in einem Artikel von Paul Lensch: Amerikanische und russische Landwirtschaft" fol­gende Ausführung:

Schon seit einigen Jahren weist der Welt­marktpreis für Getreide eine steigende Rich­tung auf. Darauf weist auch u. a. Eenoffe Calwer in seinem soeben erschienenenWirt­schaftsjahr 1905" hin. Die Gründe dieser Er­scheinung sind mannigfach. Teilweise liegen sie in der raschen Vevölkerungszunahme der in­dustriellen Staaten, zum Teil aber auch sicher­lich in dem oben skizzierten veränderten Cha­rakter der amerikanischen Einwanderung. (Es wandern nur noch zum kleinen Teil Ackerbauer ein.) Einen stets größeren Teil der Eetreide- maffen, die Amerika bisher zur Ausfuhr ver­wenden konnte, muß es jetzt zur Ernährung feinst eigenen Bevölkerung verwenden. Wäh­rend in der Industrie die Mäuler relativ und absolut zunehmen, die gestopft werden wollen, nehmen in der Landwirtschaft die Hände re­lativ ab, wenn sie auch absolut zunehmen. Da­her die Steigerung der Bodenpreise, daher das Anwachsen der Produktions-Unkosten in der amerikanischen Landwirtschaft, daher das Stei­gen der Eetreidepreise auf dem Weltmartt."

Wir sehen, daß also hier durchaus andere Gründe für dis Steigerung der Eetreidepreise angegeben werden und es wird wertvoll sein, bei der sozialdemokratischen Agitation auf diese Tat­sache hinzuweisen. Uebrigens ist die Sozialde­mokratie selbst der Ansicht, daß dauernd die Ee­treidepreise auf der heutigen Hohe sich nicht hal­ten werden. In demselben Artikel heißt es:

Sobald die Eetreidepreise eine gewisse Grenze überschritten haben, wird sich die in­ternationale Lebensmittel - Konkurrenz mit

an. Zur Enthüllung werden Mitglieder des Berliner kgl. Opernhauses nach Venedig kommen und im Fenice-Theater dieNibelungen"-Tetra- logie aufführen; sie werden ferner im Palaste Vendramin, dem Sterbehaus Wagners, oder auf einem Schiff ein Konzert geben.

oder bei den Unterhaltungen zu Haus, wie leb­haft blitzten seine Augen und mit welcher un­verhohlenen Freude sah er ihrem Kommen ent­gegen! Für sie, Elisabeth, hatte er nur kalte, höfliche Worte, nie einen warmen Blick, und wenn er ihre Hand des Abends flüchtig mit fei­nen Lippen berührte, so fühlte sie ordentlich die Kälte dieses Kuffes durch ihre Adern rinnen.

Elisabeth hatte eine schwere Zeit durchzu­kämpfen. Alles Leid, alle Pein der oetgangenen Monate schien ihr so klein im Verhältms zu dem, was sie jetzt seelisch leiden mutzte. Dazu kam das Bestreben, sich nichts merken zu laffen, keinem der beiden ihre Qualen zu verraten. Es war das Schwerste, was das Schicksal ihr auferlsgen konnte. Aber trotzdem sie sich eifrig bemühte, Nora äußerlich die alte Liebe und Zärtlichkeit zu zeigen, so war diese doch eine viel zu feine Menschenkennerin, um Elisabeths

neuer Wucht einstellen. Noch harrt ganz Süd­amerika der kapitalistischen Erschließung. Nur .Argentinien hat uns bisher einen schwachen Vorgeschmack davon gegeben, welcher ungeheu- ' ten Getreide-Produktion dieses Land fähig ist.

Die kulturfähige Fläche, die zum Weizenbau, » in den Laplatastaaten und in Venezuela ge­eignet wäre, wird auf 200 Millionen Hektar geschätzt. Steigende Eetreidepreise aus dem Weltmartt aber wären das sicherste Mittel, diese Flächen dem Pfluge zu unterwerfen und Hamit auch der Industrie die Eingangspforten < zu errichten. Neben Südamerika aber watten < noch Sibirien, China, trotz seiner teilweisen

Ueberbevölkerung, und andere Länder der Stunde, wo sie in die Reihe der internationa- len Lebensmittel-Konkurrenten treten wer­den."

Wir sehen somit, daß die von Calwer, Schip- pel und anderen gemätzigten Sozialdemokraten vorausgesagte zukünftige Entwicklung der Ver­hältnisse auf dem Eetreidemarkt jetzt auch in dem Organe der radilen Sozialisten bestätigt wird.

weniger heiß und tief. Sie fing an zu grübeln, und es waren wunderbare Gedanken, die dar­aus entstanden. Sie schalt sich zuerst töricht und suchte sie zu bannen, aber sie ließen ihr keine Ruhe, sie verfolgten sie ordentlich.

Was wollte sie eigentlich? Hatte sie jemals nach einem warmen Ton, nach einem zärtlichen Blick von ihrem Gatten verlangt? Hatte sie sich jemals bemüht, ihn aus seiner Zurückhaltung herauszulocken, ihn froh und heiter zu stimmen? Kein, niemals? Und nun kam Nora, und mit ihr schien ein anderer Geist in Landegg einge­zogen zu sein. Wie verstand sie, die Wolken von Herbetts Stirn zu bannen, ihn zu feffeln und sich ihm anzupaffen. Freilich, einst hatten sie sich nicht verstanden, sie hatten sich scheiden las­sen muffen. Nun waren sie durch das Unglück geläutert worden.

Er hatte Nora wiedergqsehen, zu voller Schönheit erblüht, er hatte sich mit ihr ver­söhnt, sie stand in seinen Augen vielleicht ge- rechfferttgt da, nun verkehrte sie in seinem Hause, er schätzte, verehtte sie, und sie hätten sich vielleicht wiedergefunden, wenn Elisabeth nicht dazwischen gestanden hätte.

Ein Angstschrei entrang sich bei diesem Ge­danken ihrer Brust: Mein Gott,'wohin hatte sie sich verirrt! Trotz aller entrüsteten Abwehr kam dieser Gedanke immer verstärtter wieder. Sie suchte jetzt förmlich nach Beweisen seiner Richttgkeit. Wichtig erschien es ihr, daß Her­bert selbst den Wunsch nach Versöhnung gehabt, auch wenn er sich anfangs geweigert hatte, Nora bei sich zu empfangen. Vielleicht hätte er nut, gefürchtet, daß seine Liebe zu ihr wieder er­wachen würde. Aber das Verlangen, sie wieder« zusehen, war doch stärker gewesen. Dang, wollte er sie allein sprechen niemand sollte zugegen fein. Es war klar, er liebte sia noch. Nora war ja auch so viel schöner, edler, bester als sie selber. Mit welchem Eifer widmete er sich Nora, sei es auf den gemeinsamen Ausflügen

Seelenzustand nicht zu erraten und das Ge­zwungene in ihrem Ton ihr gegenüber nicht zu bemerken und zu empfinden. Auch daß die junge Frau jetzt blaß und leidend aussah und daß sich zuweilen ein schmerzlicher Zug um ihre Mundwinkel legte, sah sie, und sie war schlecht genug, sich über diese Zeichen zu freuen.

19. Kapitel.

An einem sonnenhellen August-Nachmittag sitzen auf der Terraffe um einen zierlich gedeck­ten Kaffeetisch Elisabeth, Nora und Herbert in eifrigem Gespräch, das heißt, die Kosten der Iln- , terhaltung werden, wie gewöhnlich in letzter Zeit, fast nur von Nora und Herbert getragen. Elisabeth hat anfangs ab und zu ein Wort da­zwischen geworfen, dann ist sie stillet und immer (rillet geworden. Die beiden anderen sprechen von ihrer gemeinsam verlebten Kindheit, von Personen und Eteignisten, die Elisabeth nicht kennt, daran sie keinen Anteil hat. Sie sind ganz vertieft und gefangen genommen von den eiten Erinnerungen,

Zur Lage in Rußland.

Breslau, 23. Ott. Der russische Landtat Baron Mirbach aus Bendzin wurde aus einer Spazierfahrt von einer Räuberbande, bestehend aus Kosaken und Polizisten, überfallen und sei­ner Barschaft von 50 Rbl. beraubt. Die Räuber wurden verhaftet und dem Feldgericht über­wiesen.

Moskau, 23. Ott. (Petersb. Tel.-Agentur.) Gestern fanden viele Haussuchungen und Ver­haftungen statt, welche das Bestehen eines neuen Bundes der Post- und Telegraphenbeamten auf­deckten. Der Bund bestand aus einer Gruppe junger Leute, hauptsächlich aus Post- und Tele- graphsnbeamten, die wegen des letzten Streiks aus dem Dienst entlasten worden waren. Nach den erfolgten Verhaftungen können die Ange­legenheiten des Verbandes als liquidiert ange­sehen werden.

Moskau, 23. Ott. Im Gegensatz zu den Wahlergebniffen in den meisten Gouverne­ments sind bei den Wahlen für die Moskauer Eouvernementssemstwo vom Adel ausschließlich Angehörige der Kadettenpartei gewählt worden. Im hiesigen Gefängnis wurde in einem Gefan­genen, der wegen Kirchenraubs sich in Unter­suchung befand, der Führer des lleberfalls auf die Moskauer Kreditgesellschaft, Bjelenzow, er­kannt.

Kronstadt, 23. Ott. (Petersb. Tel.-Agentur.) Infolge der Beschlagnahme von Kontrebanden- gegenständen auf dem KreuzerDiana" erteilte der Oberkommandierende der baltischen Häfen den Kommandanten aller aus dem Auslands oder aus Finland eintreffenben Kriegsschiffe den Befehl, über jede Entladung oder Umladung von Gegenständen dem Zollamt frühzeitig Mit­teilung zu machen.

Deutsches Reich.

,'zJ:. i'-7 - Berlin, 24. Ott. -

Der Kaiser hörte gestern Vormittag di, Vorträge des Chefs des Militärkabinetts, deß Admiralstabes der Marine und des Marine» kabinetts und nahm mittags an bet Parforce, Jagd in Döberitz teil.

Der Gesetzentwurf, betreffend die Rege­lung des Apothekenwefens wird dem Reichstag in dieser Session voraussichtlich nicht mehr 6ce schäftigen.

Im Reichsamt des Innern sind die Grund» züge zu einem Unfall-Fürsorgegesetz für polizei­liche Exekutivbeamte usw. festgesetzt.

Reichskanzler Fürst Bülow empfing gesterq den venezolanischen Geschäftsträger Dr. Eil Fov toul und hatte dann mit den Ministern des Iw nern v. Bethmann-Hollweg und für Handel uni Gewerbe Delbrück längere Besprechungen, die fitf vermutlich auf die Lage int Ruhrrevier bezöge« haben.

ließet das Befinden des Fürsten not Schwärzburg-Sondershaufen, der auf der Jagd durch einen schlagenden Keiler eine Knieve» letzung erlitten hatte, ist nach einer telegraphi­schen Meldung heute Vormittag folgender Be­richt ausgegeben worden:Die Verletzung, die der Fürst gestern durch den Keiler erlitten hat, besteht in einet quer über die vordere Seite des linken Knies verlaufenden, klaffenden Wund« mit breiter Oeffnung des Gelenkes und gleichzei­tiger Zerreißung des Kniescheibenbandes. Ent- sprechend der Art der Gewaltanwendung liegt eine starke Quetschung der Weichteile vor. Nach Versorgung der Wunde ist die Nacht verhältnis­mäßig gut verlaufen. Puls und Temperatur normal. Allgemeinbefinden gut. Schmerzen ge­ring."

Auf der Katholikenversammlung in Trier sprach der Zentrumsabgeordnete Roeren über Kolonial- und Polenpolitik und führte dabei n. a. folgendes aus:

Es ist festgestellt, daß unsere Kolonien über 500 Millionen gekostet haben und noch kei­nen Pfennig eingebracht haben. Die Skandal­affären, die in der letzten Zeit die Oeffentlich- keit beschäftigt haben, sind nur Symptome für die wirkliche Mißwirtschaft. Schuld an vielem ist, daß man die verkrachten Existenzen zur Be­setzung von Stellen heranzieht. Diese Leute hal­ten sich es nicht vor Augen, daß Deutschland in unseren Kolonien die Stellung eines Schirmers übernommen hat, und daß unter seinem Schutz die Eingeborenen von der Hand bet Missionare zu Christen erzogen werben sollen. (Weiter nichts?) Sie betrachten die Schwarzen vielmehr als Objette für ihre rohe und brutale Behand­lung. Die bei uns bewilligten Gelder kommen, nicht den Missionaren zu gute. (Aha??) Die

Weißt du noch, Vertiert?Weißt du noch, Nora?" Wie traut und heimlich das klingt, wie es an schöne vergangene Tage mahnt.

Elisabeth seufzt leise, und immer tiefer senkt, sie bett Kopf auf ihre Handarbeit im Schoß. Der schwüle Duft bet blühenden Blumen, die in vol­len Ampeln rings die Terraffe zieren, wirkt fast betäubend. Die Lust ist gewitterschwül und drückt auf die Nerven. Verstohlen hebt Elisabeth den Blick. Wie heiter und launig ihr Gatte spricht, wie seine Augen leuchten und sein schö­nes Gegenüber umfaffen! Elisabeth empfindet den ganzen Zauber, den Noras Persönlichkeit ausftrahlt. Wer könnte ihr gegnüber kalt blei­ben? Sie bedentt nicht, oder vielmehr sie weiß es nicht, wie ihre eigene knospende Schönheit- neben der vollerblühten Nora Steinburg nur' gewinnt. Ihr Herz und ihre Gedanken haben nur Raum für heiße, verzehrende Eisersuckts- qualen, die sie vergebens zu bannen sucht. Sie zwingt sich zur Ruhe, Einsicht und Selbstbeherr­schung, aber bald fühlt sie, daß sie nicht mehr lange ruhig bleiben kann. Leise steht sie auf und geht in das Schloß hinein.

Während Nora sich anscheinend lebhaft und eingehend mit Herbert unterhalten hat, ist sie mit Spannung den wechselnden Mienen, dem unruhigen Wesen Elisabeths gefolgt. Sie sieht auch das schmerzliche Zucken um deren Mund­winkel, sie sieht, wie sie sich plötzlich erhebt und verschwindet. Aber sie will es nicht bemerken, und als Graf Landegg den Kopf wendet und, der Fortgehenden nachfieht, sucht sie seine Auf­merksamkeit so zu feffeln, daß er es unterlassen muß, an Elisabeth irgendwelche Frage zu rich­ten. Sie jetzt zurückzurufen, hieße alles verder­ben. Eine Weile gelingt es ihr noch, ihn zu halten, als Elisabeth aber nicht wiederkehrt, wird er zerstreut und seine Blicke suchen bestäs- dig das Portal des Schloss«, -

^Fortsetzung folgt.)