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Marburg

Dienstage 23. Oktober 1906.

Erscheint wöchentlich siebe» maL

Druck und Verlag: Joh. Aug. Soch, UniverfitätS-Buchdruckerei 41. SxQhTQ

Marburg, Markt 21. - Telephon 55. M H

Neueste Telegramme.

Berlin, 20. Ott. DerStaatsanzeiger" ver« Sffentlicht einen Nachtrag zum Reglement über hie Ausführung der Wahlen zum Hause der Ab­geordneten.

. Bonn, 20. Ott. Der Kaiser verlieh dem Ober- ^jpräsidenten der Rheinprovinz, Frhrn. v. Schor- Kemer-Lieser, den Roten Adlerorden 2. Klasse.

Haag, 20. Ott. Amtlich wird gemeldet, daß auf Bali wieder völlige Ruhe herrsche. Die Ex­pedition könne als beendet betrachtet werden. .! Wien, 20. Ott. Kaiser Wilhelm richtete an den Chef des Eeneralstabes Grafen Beck anläß­lich dessen sechzigjährigen Militärdienstjubiläums ein Glückwunschschreiben, worin es heißt:Ich knüpfe hieran den lebhaften Wunsch, daß es mir und meiner Armee noch lange vergönnt sein möge, Sie zu den Unsrigen zu zählen."

Bern, 20. Ott. Heute Vormittag ist hier der Handelsvertrag zwischen Frankreich und der Schweiz von den Vertretern der beiden Mächte unterzeichnet worden.

V Rom, 20. Okt. DasEiornale d'Jtalia" widmet der Anwesenheit des deutschen Staats­sekretärs von Tschirschky einen längeren Artikel, M dem hervorgehoben wird, daß Tschirschky einen längeren Artikel, in dem hervorgehoben wird, daß Tschirschky als Tourist reist, ohne irgend­welche besondere Mission, zumal zur Zeit keiner« lei besondere Fragen zwischen Berlin, Wien und Rom schwebten. Üebrigens liege die Leitung der deutschen auswärtigen Politik in den Händen des allein verantwortlichen Reichskanzlers.

London, 20. Okt. Das Reutersche Bureau er­fährt: Der Staatssettetär des Auswärtigen, Sir Edward Grey, und der französische Botschafter Eambon unterzeichneten endgültig die Konven­tion, nach der das am 27. Februar 1906 abge­schlossene Uebereinkommen betreffend die Reuen Hebriden genehmigt wird.

. London, 20. Okt. Aus Tokio wird dem Daily Telegr." gemeldet, Graf Okuma äußerte den zur Zeit Japan bereisenden Mitgliedern des Reichstages gegenüber, Stöffel tat in Port Arthur alles Erforderliche und zeigte sich als fähiger Befehlshaber, die Uebergabe zu der Festung zu rechtfertigen.

Stockholm, 19. Okt. Das Marinebudget für 1907 wird außer den Forderungen zur Fort­setzung der begonnenen Arbeiten Forderungen von 1870 500 Kronen für fünf Torpedoboote erster Klaffe, 936 000 Kronen für vier Torpedo­boote zweiter Klaffe und 1000 000 Kronen zur Anschaffung von zwei Unterseebooten enthalten.

(Nachdruck verboten.)

Zwei Frauen.

Roman von E. Borchart.

(Fortsetzung.)

. An nächsten Tage reiste letztere tatsächlich ab. Sie händigte Elisabeth die Schlüffel ein und sagte ihr, daß die Wirtschafterin so gut einge­lernt wäre, daß Elisabeth nur eine Art Ober- Äufsicht zu führen hätte.

Herbert gab ihr bis zur Bahnstation das Geleit Und blieb den Tag über fort) erst abends kehrte er heim.

Die Nacht brachte Elisabeth schlaflos zu, und am Morgen fühlte sie sich wie zerschlagen. Dazu hatte sie beständig beängstigendes Herzklopfen.

I Die Zeit der Verabredung mit Nora rückte immer näher. Sie hielt es nicht länger aus im dumpfen Zimmer und setzte sich auf den Balkon.

Hier unter Rosen halb versteckt, wartete sie, bis Herbert seinen Gang antrat. Endlich sah sie seine hohe Gestalt über den Schloßhof nach dem Park zuschreiten. Er war wie immer mit ein­facher Eleganz gekleidet, aber er erschien ihr heute vornehmer und imponierender denn je.

Ein wildes Weh krampfte ihr Herz zusammen. Sie hätte ihm nacheilen mögen und ihn bitten: Nimm mich mit! Er hatte aber das Ver­sprechen abgenommen, ruhig ai ihrem Zimmer zu bleiben und abzuwarten, ab er Nora mit« bringe oder nicht. Er ahnte es nicht, was sie dieses Versprechen kostete, aber sie mußte es nun doch halten.

Die Zeit verstrich langsam, zwei Stunden waren bereits vergangen, und niemand kam, Elisabeth aus ihrer Pein zu erlösen. Mit allen Einzelheiten hatte sie sich dieses Begegnen ihres Gatten mit seiner ersten geschiedenen Frau aus­gemalt. Sie sah die hohe, majestätische Gestalt Noras leicht zurückbeben, als ihr statt Elisabeth ihr einstiger Gatte entgegentrat. Sie sah ihn mit ernstem, bewegtem Antlitz auf Nora zu­treten und ihr die Hand zur Versöhnung bieten. Dann ließen sich die beiden auf die kleine Bank am See nieder und sprachen sich aus, ttärten Mißverständniffe auf, und ihre Züge wurden im­mer heller. In Noras schönen, lieben Augen

Zur Regelung der Thronfolgefrage in Braunschw .i§.

Die staatsrechtliche Kommission des braun­schweigischen Landtags hat einen bedeutsamen Beschluß gefaßt, der dem Plenum unterbreitet werden wird und eine entscheidende Wendung vorzubereiten bestimmt ist. In der Denkschrift heißt es u. a..:Die staatsrechtliche Kommission hält nach wie vor fürvölligausgeschlos- sen, daß ein Mitglied des Herzogshauses den Braunschweigischen Thron besteigt, so- lange nicht der Verzicht auf Hanno­vererfolgt ist, und sie hält bei Lage der Umstände für geboten, daß solcher Verzicht von sämtlichen Agnaten des Herzoglichen Hauses unzweideutig und ohne jeden Vorbehalt erklärt wird. Erst wenn die Ansprüche auf Han­nover, deren Geltendmachung und Aufrechterhal­tung ohne Frage die Grundlage der auf Wieder­herstellung des ehemaligen Königreichs Hanno­ver gerichteten welfischen Bestrebungen bildet, endgültig aufgegeben werden, kann an eine Ausübung der dem Herzoglichen Hause in Bezug auf den Braunschweigischen Thron zustehenden Rechte gedacht werden. Die staatsrechtliche Kom­mission ist bei Einbringung ihrer Resolution vom 25. September cr. für diese Rechte offen und aus voller Ueberzeugung eingetreten; aber es hat ihr durchaus fern gelegen, die Ausübung der ge­dachten Rechte auf die Gefahr hin befürworten zu wollen, daß dadurch das gedeihliche Verhält­nis des Herzogtums zum Reiche oder zu dem Nachbarstaate Preußen beeinträchtigt werden würde; diese unliebsame Folge aber würde nach ihrer Ansicht eintreten, wenn beim Mangel des vorerwähnten Verzichtes die welfischen Bestre­bungen einen wirklichen oder auch nur vermeint­lichen Anhalt im Herzogtume finden sollten.

Der Verzicht aus Hannover ist nach Ansicht. der staatsrechtlichen Kommission die Grundlage, auf der allein die im Jntereffe des Landes dringend wünschenswerte Verständigung erhofft werden kann. Würde er ausgesprochen, und zwar, da ein endgültiger und vorbehaltloser Friede geschloffen werden müßte, von allen Agna­ten des Herzoglichen Hauses, so müßte sich nach Ansicht der Kommission ein Ausgleich der sonsti­gen zwischen der Krone Preußen und dem Her­zoge von Cumberland bestehenden Gegensätze bei beiderseitigem Entgegenkommen unschwer erzie­len laffen; wenigstens aber würde ein solcher Verzicht die notwendige Folge haben, daß der Bundesrat nicht umhin könnte, von neuem zu der

glänzten Tränen--sie hielten sich an den

Händen, sahen sich in die Augen:Es soll alles vergeben und vergeffen sein. Komm mit mir nach Landegg sei mein lieber East, Nora." Sie hörte förmlich ihres Gatten sonore Stimme mit dem weichen Tonfall, den sie so gut kannte sie sieht, wie er sich herabbeugte, Noras Hand ergriff und an-seine Lippen preßte, warm und innig.

Da schrie sie auf, eilte in ihr Zimmer zurück, warf sich vor dem Sofa auf die Knie, barg ihren Kopf in die Polster und schluchzte.

Plötzlich ein leises Pochen an ihrer Tür. Wie elettrisiert sprang Elisabeth auf. In dem­selben Augenblick öffnet sich die Tür, und in dem Rahmen derselben stand eine hohe, liebe, be­kannte Gestalt.

Nora!"

Mit einem Aufschrei stürzte Elisabeth in die ausgebreiteten Arme und weinte am Halse der Teuren.

Elisabeth, mein Liebling!" Es dauerte eine Weile, bis beide sich soweit gefaßt hatten, daß sie in das fleine Zimmer zurücktreten und sich auf das kleine Sofa, vor welchem Elisabeth noch eben gekniet hatte, niederlassen konnte.

Auf Noras Antlitz lag noch immer der Ab­glanz der eben durchlebten Stunden; ein weh­mütiger Ernst, ein stilles Nachdenken. Aber in Elisabeths Augen war die Sonne aufgegangen. Sie strahlten der Freundin entgegen und war­fen einen Widerschein auf deren Antlitz.

Nora - erzählte nichts Näheres über die Ver­söhnung mit Herbert, sie sprach es nur Elisa­beth gegenüber aus, wie froh und leicht sie sich jetzt filhle, wie sie sich auf ein Zusammenleben mit ihm freue. Auch das Fernsein Beates wurde erwähnt.

Es ist gut," sagte Nora ernst,sie wäre ein bitterer Tropfen in dem Becher der Freude ge­wesen. Mein Herz, wie wollen wir die Zeit nun ausnutzen, wie soll sie uns beiden eine Quelle des inneren Eenuffes und innerer Zu­friedenheit werden!"

Sie hatte Elisabeth an sich gezogen und sie herzlich geküßt.

$ßo ist Herbert?" fragte Elisabeth Endlich.

Braunschweigischen Thronfolgefrage Stellung zu nehmen.

Die Frage, ob der Verzicht auf Hannover an­gängig sei, ist schon feit so langer Zeit erörtert und ohne Zweifel auch von dem Herzoge von Cumberland so ernst und eingehend erwogen worden, daß die Fassung eines endgültigen Ent­schlusses durch den Herzog im Hinblick auf dessen Pflichten dem Lande gegenüber binnen kurzer Frist würde erwartet werden dürfen; und es er­scheint daher angezeigt und unbedenklich, dem Negentschaftsrate zu empfehlen, bis zum Ablaufe einer solchen Frist von der Vorbereitung der Wahl eines Regenten Abstand zu nehmen.

Würde auch dieser Versuch ohne Erfolg blei­ben, so könnte der Landesoersammlung wenig­stens das Anerkenntnis nicht versagt werden, daß sie den Ausgleich zwischen der Krone Preu­ßen und dem Herzoge von Cumberland zwar un­ter rückhaltloser Anerkennung der Rechte des Herzoglichen Hauses, aber auch unter Wahrung der Interessen des Reiches redlich angestrebt habe.

Der Landesversammlung gibt hiernach die staatsrechtliche Kommission anheim, folgendes zu beschließen:

1. die Landesversammlung spricht ihre Ueberzeugung dahin aus, daß ohne einen end­gültigen und vorbehaltlosen Verzicht der sämt­lichen Agnaten des Herzoglichen Hauses auf Hannover die im Jntereffe des Landes dringend wünschenswerte Verständigung zwi­schen der Krone Preußen und Sr. Kgl. Hoheit dem Herzog von Cumberland nicht zu erhof­fen ist;

2. sie ersucht den Regentschaftsrat, diesen Beschluß zur Kenntnis Sr. König!. Hoheit des Herzogs von Cumberland sowie bei König!. Preußischen Negierung zu bringen, auch den bezüglichen Schreiben Abschriften dieses Berich­tes beizufügen;

3. sie gibt ferner dem Regentschaftsrate an­heim, einstweilen den Landtag zu vertagen und erst dann wieder zusammentreten zu lassen, wenn entweder eine die Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen Regentschaftsrat und Landesversammlung erfordernde Erklärung Sr. König!. Hoheit eingegangen, oder, ohne daß solches geschehen, eine Frist von drei Mo­naten verstrichen sein wird.

Er ist unten geblieben, er wollte unser Wiedersehen nicht stören, aber nun komm, wir wollen zu ihm gehen."

Nora Stein oder besser Gräfin Steinburg hatte den Arm um Elisabeths Schultern gelegt, und so schritten sie hinab und betraten das Speisezimmer. Graf Landegg trat ihnen hier entgegen, ernst und würdevoll. Man sah es ihm an, daß die letzten Stunden ihn tief ergriffen hatten, und daß er von dem, was er aus Noras Mund erfahren hatte, bis ins Innerste getrof­fen worden ist. :i)1

Noras Gewandtheit und fesselnder Unter­haltungsgabe gelang es jedoch bald, die Wolken von seiner Stirn zu bannen und der Verlegen­heit, dem Peinlichen der Lage auf allen Seiten ein Ende zu machen. Bald plaudette man zwanglos, ohne jedoch mit einem Wort der Vergangenheit zu erwähnen. Man sah in Nora Steinburg nur den lieben East, und dieser selbst kam es vor, als ob sie bei lieben Freunden zum Besuch wäre. Schließlich trennte man sich mit der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen.

18. Kapitel.

Das erste Schwere: die Begegnung, dis Aus­sprache, die Versöhnung und die Einführung auf Landegg war nun vorüber, und damit schien jede Erinnerung an die Vergangenheit ausge­löscht zu sein. Wenigstens Nora und Elisabeth lebten nur in der Gegenwart, sie gingen voll­ständig ineinander auf und kosteten mit vollen Zügen die Reize dieses Zusammenseins aus. Täglich sahen sich die Freundinnen, entweder kam Nora den kurzen Weg von Steinburg her­über, oder Elisabeth eilte nach Steinburg. Es war ein Kommen und Gehen, ein Herüber und Hinüber, und beide empfanden voll und ganz den Reiz, der in solchem Verkehr liegt.

Nun konnte Elisabeth auch endlich wieder ihre geliebte Kunst ausüben, sie konnte singen oder sich an Noras herrlicher Stimme erfreuen. Sobald sie Steinburg betreten hatte, bat sie darum, aber es wurde ihr verhältnismäßig nut selten gewährt. Entweder suchte Nora sie abzu­lenken und auf andere Eedanken zu bringen, oder sie schlug ihr kurzweg die Bitte ab. Von einem wieder aufzunehmenden Unterricht

Deutsches Reich.

Berlin. 22. Okt.

Seine Majestät der Kaiser begab sich am vorgestrigen Samstag, wie aus Bonn gemeldet wird, morgens 9 Uhr 45 mit dem Prinzen August Wilhelm und dem Gefolge im Automobil durch die Eifel nach Lieser. Um 9 Uhr traf der Kaiser, der unterwegs auch die Mirbachsche Erlöserkirche in Mirbach besichtigt hatte, auf Schloß Lieser bei dem Oberpräsidenten Frhrn. von Schorlemer- Lieser ein. Abends fuhr der Kaiser im Sonder­zug nach dem Neuen Palais in Potsdam zurück, wo die Ankunft am gestrigen Sonntag Morgen 8 Uhr 50 erfolgte. Zum Empfange waren die Kaiserin mit den Prinzen Oskar, Adalbett, Joachim und der Prinzessin Viktoria Luise, ferJ ner der Polizeidirektor von Potsdam erschienen. Nach herzlicher Begrüßung fuhren die Herrschaf­ten nach dem Neuen Palais. Das Kron­prinzenpaar traf 9 Uhr 2 Minuten hier ein und begab sich nach dem Marmorpalais.

Ihre Majestät die Kaiserin begeht heute ihren 4 9. Geburtstag. Ueberall in Deutsch­land wird man an diesem Tage der Kaiserin und Königin mit aufrichtigen Glückwünschen ge­denken. Das verflossene Jahr war für die Kai­serin besonders segensreich. Es war ihr ver­gönnt, das Fest der silbernen Hochzeit zu feiern gleichzeitig mit der Vermählung ihres zweiten Sohnes, des Prinzen Eitel Friedrich, und vor wenigen Monaten den ersten Enkel, den bet« einstigen Thronerben, zu begrüßen. Möge die Kaiserin, die als treue Landesmutter zahlreichen Werken der Barmherzigkeit vorsteht, noch lange Jahre ihrer Familie und dem Lande erhalten bleiben.

Das Ministerium des Innern im Eroß- herzogtum Hesse« hat den Ständen eine Vorlage betreffend die fakultative Einführung der Magistratsverfassung in Städten von mindestens 10 000 Einwohnern zugehen lassen. Die Begründung verweist auf die zum Teil starke Zunahme der städtischen Bevölkerung und die damit eingetretene Arbeitsmehrung bei den städtischen Geschäften. Als Richtschnur für den Entwurf hat die für Hessen-Nassau erlassene Städteordnung vom 4. August 1897 gedient. Der Magistrat besteht aus dem Bürgermeister, den Beigeordneten als Stellvettretern, einer Anzahl unbesoldeten und wo es notwendig erscheint noch aus einem oder mehreren besoldeten Stadträten. In Stadtgemeinden bis zu 50 000 Einwohner sollen 6 besondere Stadträte, in solche von 50000

wollte sie vor allem nichts wissen. Dazu be­dürfe es der Erlaubnis Herberts, meinte sie, aber Elisabeth scheute vor einer sich darauf be­ziehenden Anfrage an den Gatten begreiflicher­weise zurück.

Einmal Herbert war ausgegangen bat Elisabeth Nora, ihr in den Musiksalon zu folgen und mit ihr zu musizieren. Es war das erst« Mal, daß sich die Gelegenheit dazu auf Landegg traf. Aber Nora wehrte fast entsetzt ab:Ver­lange alles, nur das nicht!" Seitdem bat sie Nora nicht mehr. Eine Ahnung sagte ihr, daß sich an jenes Zimmer trübe Erinnerungen für die Freundin knüpfen mußten.

Nora suchte überhaupt das Musizieren mehr und mehr einzuschränken, so schmerzlich und schwer es ihr selbst wurde. Aus Elisabeths An­deutungen auf ihre Fragen nach dieser Rich­tung hatte sie erfahren, daß Elisabeth ihre Kunst in der ganzen Zeit fast gar nicht gepflegt und daß Herbett sie auch nie dazu angeregt hatte So befremdlich das bei seinem Kunst­sinn und seiner Vorliebe für Musik auch er­scheinen mochte, Nora fand nur zu leicht den Schlüssel dazu, und das bewog sie, Elisabeth nicht allzu viel von der köstlichen Frucht zu reichen.

Sie war nicht nach Landegg gekommen, um Unfrieden zu säen, sondern um zu versöhnen, und daß dieses letztere sich nicht allein auf ihre eigene Person anwenden ließ, mußte sie bald mit Trauer gewahr werden. Schon bei der ersten Begegnung vor Wochen am Landegger See hatte sie aus Elisabeths Wesen geschlossen, daß in ihrer Ehe nicht alles so war, wie es sein sollte. Das hatte sie mit bestimmt, sich mit Herbert auszusöhnen und nach Landegg zu kommen, in dem instinttiven Bestreben und der Hoffnung, sie könne vielleicht zu einem Wandel der Dinge beitragen. Sie gönnte nicht allein dem einstigen Gatten einen reichen Ersatz für das, was sie nicht hatte fein können, sie wollte auch ihre geliebte Elisabeth glücklich und zu- ftteden sehen. Wie weit die junge Frau noch von diesem Ziele entfernt war, das erkannte sie mit scharfer Beobachtungsgabe und ihrem Kombinattonstalent immer dentttcher.

(Fortsetzung fALi