mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Marburg
Sonntag, 21. Oktober 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag: Joh. klug. Koch, UnivtrsttätS-Buchdruckerei 41. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Erttes Blatt.
Das Deutschtum in den russischen Osiseeprovinzen.
Man schreibt uns: „Bildung ist die Grundlage aller Kultur und deutsche Bildung die Grundlage der baltischen Kultur." So sprach |n tiefer Ergriffenheit der livländische Landrat Jä. von Dettingen als Präsident des Landes- ichulkollegiums am 2. September in der Aula >er Landesschule zu Birkenruh bei Wenden, die m jenem Tage nach 14jähriger Unterbrechung wieder eröffnet wurde. Ein glückverheißender Tag, dieser 2. September, und die Sonne, die Leuchtend über dem herbstlichen Lande stand, der »rische Wind, der über die Felder, auf dem die (Barben standen, fuhr, sie begrüßen die baltische Heimat, die mit Zuversicht trotz der Stürme der Revolution in die Zukunft zu blicken beginnt, feßie ein Alp hat es ein halbes Menschenalter sauf dem Lande gelegen, eine grausame, bittere Seit war es gewesen, die auf uns gelastet, da im ßuni 1892 die baltischen Ritterschaften ihre blühenden vier Landesgymnasien geschlossen hatten, jum sie nicht dem Moloch der Russifizierung aus- ^uliefern. Als 1874 die livländische Ritterschaft Zuerst den Gedanken eines Landesgymnasiums «in Fellin erwog und ihre Pläne dem Minister (Grafen Tolstoi unterbreitete, erklärte dieser (feine volle Sympathie mit den „edlen Absichten [bei Ritterschaft" und betonte, es käme der Re- ,'gierung nicht darauf an, wie die Resultate erhielt würden, sondern daß die Resultate der (Schule gut wären. Als 1882 die zweite Landes- Schule in Birkenruh eröffnet wurde, spendete der ^Kaiser aus seiner Privatschatulle 10 000 Rbl. [jährlich aus Wohlwollen für Livlands Ritterschaft, von der Kaiser Alexander II. einst gesagt chatte: „Das Vertrauen zu Eurer Treue ist mir (angeboren.“ Und schon zehn Jahre später war chll'es vergessen, die deutsche Unterrichtssprache iein unerhörtes Verlangen, das mit brutaler (Strenge niedergeschlagen werden mußte. Einem Unerbittlichen Geschick verfiel die blühende beutle Kultur der baltischen Provinzen, der „steinernen Idee der formalen Staatseinheit" fielen die Jildungsanstalten zum Opfer. Erft unter den Wehen einer neuen Zeit, die durch den unglücklichen Krieg gegen Japan eingeleitet wurde, brach das Russifikationssystom kläglich zusammen und im Mai vorigen Jahres erfolgte eine kaiserliche Kundgebung, die der Entwürdigung der Schule zu einem Werkzeug politischer Tendenz ein Ende machte und mit Nachdruck den
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(NachdruS verboten.)
Zwei Frauen.
Roman von E. Borchart.
(Fortfehung.I
„Ist es nicht geradezu Tollheit, was sie verlangt? Er kost die erste Frau in sein Haus bringen, er soll dieser zeigen, daß et mit der zweiten auch nicht glücklicher lebt, er soll ihr einen Einblick in seine jetzige Ehe gestatten? — Unmöglich! — Welche seltsame Verkettung des Schicksals, daß sich seine beiden Frauen kennen und noch dazu Heben müssen! Aber es ist gleich, seine jetzige Frau muß den Verhältnissen Rechnung tragen. . „
„Ich dulde es nicht," fährt er aus fernen Gedanken auf, „daß sie meines Hauses Schwelle betritt." , ,
„Herbert!" Ein Schluchzen liegt in Elisabeths Stimme, und ihre Augen stehen voll Tränen. Er sieht sie an, und da überkommt ihn der Zorn:
„Diese verhaßten Tränen! Glaubst du, mich damit zu zwingen?" fragt er heftig.
Hastig trocknet Elisabeth ihre Tränen. „Ich ?leine nicht mehr. — Laß uns doch ruhig über iese Sache sprechen, Herbert."
„Ich denke, die Cache ist abgetan," erwiderte tr streng.
„Sei nicht so hart, laß dich doch versöhnen," bittet sie mit so weicher, einschmeichelnder Stimme, wie Herbert sie noch nie an ihr gehört hat. „Sieh, Nora wünscht nichts sehnlicher, als eine Auseinandersetzung mit dir; sie sprach von unaufgeklärten Tatsachen — öffne ihr dein Herz Und Haus."
Jetzt lachte Graf ßanbegg plötzlich rauh auf, baß Elisabeth erschreckt zusammenfährt. „So viel Mühe gibst du dir, mich mit meiner ersten Frau zu versöhnen? Haha, du bist köstlich, Elisabeth!"
Bitter steigt es in ihm auf: Welche Frau, die ihren (Satten nur ein wenig Heb hat, würde dessen erste Gemahlin in ihr Haus bringen wollen? Keine Frau wäre so selbstlos, auch Elisa-
Grundsatz aufstellte, daß die Jugenderziehung auf dem Boden der Muttersprache aufzubauen fei. Es hat dann noch ein volles Jahr gedauert, bis unter heftigem Kampf gegen die deutschfeindliche Beamtenschaft und chauvinistische Hofkreise im Mai dieses Jahres die Eröffnung der ritterfchaftlichen Landesschulen und von deutschen Privatschulen gestattet wurde. Den Feinden deutsch-baltischer Selbstbestimmung war es gelungen die kaiserlichen Verheißungen erheblich einzuschränken: kommunalen und Landschaftsschulen wurden die Vorrechte deutscher Unterrichtssprache nicht zuteil, ja sogar die Unterstützung von Privatschulen durch Kommunen und Landschaftsverbände wurden verboten! So sind es denn lediglich die Ritterschaften und private Verbände oder einzelne Personen, denen das deutsche Bildungswesen anvertraut ist. Die baltischen Ritterschaften haben denn auch sofort die Wiedereröffnung der Landesschulen beschlossen und am 2. und 3. September die Bildungsanstalten in Birkenruh (Livland), Goldingen (Kurland) und Reval der deutschen Jugend übergeben. In Mitau (Kurland) und in Fellin (Livland) werden bald weitere Landesschulen folgen. Es waren erhebende, alle Herzen tief bewegende Feierlichkeiten, die der Wiedereröffnung der Landesschulen geweiht waren. Den Ritterschaftsschulen haben sich die Schulen des deutschen Vereins angereiht. Ein ganzes Retz von Privatschulen, die von den deutschen Vereinen in Liv-, Eft- und Kurland errichtet werden, breitet sich über das Land: Riga steht allen voran, wo die aus Herders Namen gegründete deutsche Elementarschule (mit 250 Knaben) und das Albertgymnasium (mit 150 Schülern) den Andrang der deutschen Kinder gar nicht fassen können. Diese Anstalten wie auch die Luisenschule und die Dorotheen- schule des deutschen Frauenbundes wurden am 14. September feierlich eröffnet. „Sie ahnen ja nicht," so sagte kürzlich ein deutscher Arbeiter im deutschen Vereinsbureau in Riga, „wie groß der Durst nach deutschen Schulen ist." Nun, die deutschen Vereine sind fest entschlossen, kein deutsches Kind von ihrer Schwelle zu weisen.
Umschau.
Auswanberungsberoegung.
Seit rund 20 Jahren hat die europäische Auswandererbewegung eine für Deutschland günstige Wendung genommen. Mehr und mehr ist, unter dem Einflüsse der in unserem Vaterlande herrschenden vorteilhaften Wirtschaftsund Arbeitsverhältnisse, die deutsche Auswanderung zurückgegangen; umgekehrt ist in den süd- und südosteuropäischen Ländern die Landflucht
beth nicht. Sie liebt ihn eben nicht, und hegt für seine geschiedene Frau viel wärmere Gefühle als für ihn, ja, sie verleugnet sogar ihren Stolz, um ihn mit ihr zu versöhnen. Wenn es nicht so traurig wäre, würde er darüber lachen müssen.
„Du bringst meiner Frau eine merkwürdige Sympathie entgegen, Elisabeth. Daraus schließe ich, daß du mir allein die Schuld an unserer Trennung zuschreibst." .
„Herbert!" sagt Elisabeth ganz erschrocken über diese plötzliche Wendung, „wie dürfte ich mir darüber ein Urteil anmaßen? Weder du noch Nora oder sonst ein anderer hat mir die näheren Umstände mitgeteilt. Ich will sie auch nicht wissen, aber ich glaube, mein Gefühl leitet mich richtig, wenn ich annehme, daß nur ein Verhängnis, ein trauriges Mißverständnis euch trennen konnte."
„So? Nimmst du das an? — Wenn ich nun doch nicht schuldlos wäre." Er holte tief Atem, ehe er weiter spricht. „Ich habe dir nie etwas Näheres über meine erste Ehe mitgeteilt, das ist richtig. Ich wollte dein junges, reines Gemüt nicht mit diesen trüben Bildern beschweren, und mir mein bißchen spätes Glück nicht trüben. — Jetzt magst du es erfahren. In einem Punkt hast du recht: Ein trauriges Verhängnis, Mißverständnisse und Jntriguen waren es in der Tat, die den Grund zu unserem Zerwürfnis legten. Ich war jung und feurig, voll Leidenschaft und Jähzorn, noch nicht abgeklärt und ruhig wie heute: ich glaubte dem Schein und verdammte schonungslos. Das war meine Schuld, und damit hast du das ganze Bild meiner kurzen Ehe."
Er hielt inne, und auch Elisabeth ist still und tief ergriffen. Er spricht nur von seiner Schuld, kein anklagbares Wort trifft seine erste Frau. Und wie sagte Nora damals zu ihr: „Suche dre Schuld nicht bei deinem Gatten." Wie edel und groß beide sind! Und es sollte ihr trotzdem nicht gelingen, sie beide zu versöhnen?
.Hast du nie den Wunsch gehabt, deine Schuld — wie du sagst — gut zu machen?" fragte sie leise und stockend.
im Wachsen begriffen. Das gilt in besonderem Maße von der italienischen Auswanderung. Im Jahre 1878 hatte die Zahl der Auswanderer das erste 100 000 noch nicht erreicht: im laufenden Jahre ist bereits jetzt die Zahl von 700 000 überschritten! Im Jahre 1905 wurden 743 000 Auswanderer gezählt. Bleibt im lausenden Jahre der monatliche Anteil konstant, so wird mit einer Auswanderung von mindestens 800 000 Personen zu rechnen sein. Diese enormen Zahlen und ihre schnelle Steigerung erscheinen in einem etwas milderen Lichte, wenn man berücksichtigt, daß die Zahl derjenigen Auswanderer nicht gering ist, die sich nur vorübergehend ins Ausland, besonders in die Schweiz, nach Deutschland, England und Frankreich begeben und nach kürzerem oder längerem Aufenthalt draußen mit ihren Ersparnissen zurückkehren, um sich dann wieder dauernd zu geschäftlicher ober gewerblicher Tätigkeit in der Heimat niederzulassen. So sind in den beiden letzten Jahren 204 000 bezw. 266 000 Italiener in das europäische Ausland ausgewandert, und der größte Teil davon wird bald, viele schon nach Verlauf weniger Monate, den Weg in die Heimat zurückgefunden haben. Immerhin überwiegt die Zahl derer, die sich für immer außer Landes begeben, sehr bedeutend. Im Jahre 1905 wurden allein in den Häfen der Vereinigten Staaten rund 317 000 Italiener gelandet. Weitere 100 000 gingen nach Südamerika, davon 45 000 nach Argentinien, gegen 30 000 nach Brasilien. Auch Tunis und Tripolis üben eine wachsende Anziehungskraft auf die italienische Auswanderung aus.
Ein Verlust von jährlich. 700 000—800 000 Personen müßte für ein Land von der Vevölke- rungszahl und Wirtschaftslage Italiens höchst nachteilige Folgen haben, wenn nicht ein einigermaßen annehmbarer Augleich dadurch statt- fände, daß den 400 000—500 000 Auswanderern, die nahezu mittellos und heimatmüde das Land verlassen, um nicht wiederzukehren, 200 000 bis 300 000 Au swanderer gegenüberstehen, die sich durch Arbeit in fremdländischen Betrieben genügend Subsistenzmittel erwerben, um in der Heimat mit produktiver Betätigung von neuem zu beginnen. Die italienische Auswanderung nimmt somit insofern eine eigenartige Stellung ein, als der wirtschaftliche Schaden, der dem Lande erwächst, der Zahl der Auswanderer durchaus nicht entspricht. So erklärt es sich, daß Italien in den letzten 10 Jahren 5 Millionen, also im Jahresdurchschnitt 500 000 Einwohner verlieren konnte, ohne in ähnlicher Weise, wie ein solcher Bevölkerungsverlust in einem anderen Lande wirken würde, darunter zu leiden.
Ausland.
Luxemburg. Die „Luxemburger Ztg." beklagt es, daß die die Rechte studierenden jungen Luxemburger seit einer Reihe von Jahren sich
„Weiß Gott, wie lange schon! Ich gäbe — doch nein, laß mich — jetzt nicht."
Sie sentt entmutigt den Kopf und schweigt: sie weiß nicht, was sie Vorbringen soll. Sie haben beide unwillkürlich ihren Schritt verlangsamt, und das Schloß ist noch nicht in Sicht.
Gras ßanbegg hat währenb der kurzen Pause einen heißen, schweren Kampf gekämpft. Jetzt tritt er nahe an Elisabeth heran:
„Wann sahst du sie wieder?"
Von neuer Hoffnung erfüllt, hebt Elisabeth den Kopf.
„Vor drei Wochen. Am ßanbegger See trafen wir uns zufällig, noch vollständig ahnungslos, was jede in der anderen wiederfinden sollte. Erst als ich ihr sagte, daß ich deine Gattin bin, verriet sie es mir."
„Die Begegnung fand noch vor meiner Reise nach Hohenburg statt?"
„Ja."
„Warum verschwiegst du cs mir?“
„Ich wollte es dir erzählen: damals war es, als ich die Frühstückszeit versäumte, als du an den ßanbegger See gegangen warst, mich zu suchen — und —"
„Ich weiß,“ unterbricht er finster. „Und du sahst sie während meiner Abwesenheit wieder?'
„Nein. Sie reiste noch denselben Tag nach München ab, um einen Kontrakt mit der dortigen Oper abzuschließen. Sie kommt aber übermorgen wieder, und wir wollen uns wieder am See treffen."
„5a.“
Graf ßanbegg schweigt sekundenlang. „Elisabeth, du sollst deinen Willen haben."
'(Frohlocke aber nicht zu früh. Ich knüpfe eine Bedingung daran,"
„Welche?" fragt sie atemlos vor Erregung.
„Du sollst mir Tag und Stunde deiner Verabredung mit ihr nennen; ich selbst werde ihr, und zwar allein, den Bescheid bringen. Bist du damit einverstanden?"
»Ja. und ich danke dir, Herbert."
fast ausschließlich belgischen oder französischen Hochschulen zuwenden. Früher hatten fast ausschließlich die luxemburgischen Juristen einen Teil ihrer Studien an deutschen Hochschulen gemacht. Dieser Wandel wird aus verschiedenen Gründen bedauert: „Die systematische Entwicklung und der logische Aufbau der Erundelemente des Rechts finden nir- gendwo eine so vertiefte und vollendete Darstellung wie in Deutschland. Die Korrespondenzsprache unserer Anwälte ist wesentlich bit deutsche. Hierbei kommt nicht nur die inländische Landklientel in Betracht, sondern auch bit starke deutsche Klientel, die vor unseren Handelsgerichten die Mehrheit der Rechtsuchenden bildet. Es macht keinen sehr erhebenden Eindruck, wenn dann manchmal im mündlichen und brieflichen Verkehr mit den deutschen Klienten die deutsche Sprache in einer Weise mißhandelt wird, daß der Genius Schillers schweigend fein Haupt verhüllt. In maßgebenden Kreisen besteht der Eindruck, daß die Abwendung unserer studierenden Jugend von den deutschen Rechts- schulen keine sehr- guten Folgen gezeitigt hat. Man glaubt leider bei den letzten Jahrgängen in den oben berührten Beziehungen ein allgemeines Nachlassen wahrzunehmen: Ein Herab- gehen der philosophisch-systematischen Ausbildung im Recht, ein Abflauen von der Bildungshöhe der Zeit und, wenigstens in Bezug aus deutsche Sprache, eine Verkümmerung des Sprachvermögens. Daher in jenen Kreisen bei leicht begreifliche Wunsch, baß unsere jungen Rechtsbeflissenen sich künftighin wieber mehr ben deutschen Hochschulen zuwenden und dort wenigstens zwei Semester verbringen möchten. Die Abkehr unserer Studierenden von den deutschen Hochschulen beruhte übrigens auf der Annahme, daß mit der Einführung des neuen bür- gerlichen Gesetzbuches im deutschen Reich die Vorlesungen über französisches bürgerliches Recht an ben deutschen Hochschulen in Wegfall gekommen wären. Da bei unseren drei juristischen Prüfungen Vorlesungen über französisches bürgerliches Recht einzureichen sind, so galt in dieser Annahme der Besuch deutscher Hochschulen vielen für ausgeschlossen. Die Annahme war indessen irrtümlich und ist es noch bis zu diesem Tage. Nach dem uns vorliegenden authentischen Material werden noch an zwei reichsdeutschen Hochschulen Vorlesungen über französisches bürgerliches Recht gehalten, zu Heidelberg und zu Freiburg i. Br., und zwar sowohl im Winter- wie im Sommersemester, borl von Professor Affolter, hier von Professoi . Merkel. An diesen beiden Hochschulen können sämtliche für die Prüfung in der Rechtskandida-
Wieder lacht er bitter und spöttisch auf. „Do ist nichts zu banken, auf Wiebersehen benn!
Ohne daß Elisabeth es bemerkt hatte ,waren sie am Schloß angelangt. Er verbeugte st-h höflich unb ging auf ben Schloßhof, wahrend Elisabeth ihr Zimmer auffuchte.
Sie befand sich in einem seltsamen Widerstreit bet Gefühle. Sie hatte erreicht, was si« ersehnt hatte: ihr Gatte wirb sich mit Nora ver- söhnen, sie wirb mit Nora verkehren, an ihrer Seite werden die herrlich verlebten Stunden in Berlin wieder wach werben, sie wirb wieber mit ber Freundin singen, sie wird sich an Noras Kraft und starkem Charakter aufrichten. Das Bild ber Zukunft, bas sie sich ausmalt, ist köstlich sie hätte sich freuen müssen und zufrieden fein Statt dessen fühlte sie sich von eigentüm- ficher Unruhe erfaßt, nervös erregt und unglücklicher benn je. Sie hätte am liebsten ihr schnelles Einverstänbnis mit seiner ihr gestellten Be- bingung rückgängig machen mögen und wußte doch selbst nicht, warum.---
Beim Abendessen machte Beate eine überraschende, unerwartete Mitteilung. Sie wollte morgen schon nach Salzburg reisen, wohin eine erkrankte Freundin sie gerufen hatte, unb einige Wochen fortbleiben. Das war um so befremben- ber, als sie bisher niemals für längere Zeit von ßanbegg gegangen war unb auch nie biefer Freunbm erwähnt hatte — es sah vielmehr rote eine Flucht aus vor ber ersten Frau ihres Bru- bers Das fonberbare gespannte Benehmen ber Geschwister zueinander heute abend und Beates Andeutungen beftärften Elisabeth in dieser Annahme. Wahrscheinlich batte Herbert ihr von feinen Absichten, seine erste Frau nach Sanbegg *n bringen, gesprochen, unb Beate hatte beschlossen, einem Zusammentreffen mit ihr aus dem Wege zu gehen. Warum bies, war Elisabeth untlar, aber sie empfanb fast eine Erleichterung, daß Beate ging. '
Wortfetzung folgt.)