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Marburg und UnGgend.

(Rachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 bei Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe .Obrrhefl. gtg.* gestattet)

MKkbNrg, 18. Oktober.

* Universität. Unsere gestrige Mitteilung, daß Professor Heffter aus Bern erst im Sommer­semester seine Lehrtätigkeit hier aufnehmen werde, beruhte auf einer irrtümlich gemachten Angabe. Professor Heffter beginnt seine Vor­lesungen bereits in diesem Wintersemester.

Die Gesuch« um Zulassung M ärztlichen Voks Prüfung sind bis zum 17. Ottober an den Vor­sitzenden der betteffenden Kommission einzr- retchen. — In der Anatomie soll ein anatomi­scher Kursus für Turnlehrer abgehalten werden. Daran Teilnehmende werten zu einer Bespre­chung auf Sonntag, den 28. ds. Mts., vormit­tags 11 Uhr, ins anatomische Institut ein­geladen.

§ Soit der Landesheilanstalt. Im Jahre 1905 wurden in der hiesigen Landesheilanstalt insgesamt 678 Kranke verpflegt. Darunter sind 179 geheilt bezro. gebessert, 199 ungeheilt ent­lassen bezw. beurlaubt und 18 gestorben. Die Gesamtkosten der Verpflegung ausschließlich der Verwaltungskosten betrugen 177 431,96 «Al.

* Sott der Gendarmerie. Dem Generalleut­nant v. Hennigs, Chef der Landgendarmerie, wurde der Charakter als General der Kavallerie verliehen.

* Som Jägerbataillon. Der Oberjäger von und zu Gilsa wurde zum Fähnrich befördert.

§ Bürgerverein. Infolge eines Mißver­ständnisses war gestern abend der große Saal im Hotel Freidhof nicht für die angekündigte Bürgerversammlung frei. Da sich so zahlreiche Teilnehmer eingefunden hatten, daß der kleine Saal nicht reichte, wurde di« Versammlung ver­schoben.

§ Ei» Dank aus Siidwestafrika. Gestern wurde uns eine an einen hiesigen Herrn gerich­tete Feldpoftkatte aus Südwestafrika gezeigt, auf der drei deutsche Reiter namens Kropp, König und Hillner ihren Dank für eine am 14. August in Uhabis empfangene Kiste mit Liebes­gaben aus Marburg aussprechen. Die drei Reiter gehören der 4. Komp, des 2. Feldregi­ments an.

* Aus dem Stadttheater. Nochmals sei in letzter Stunde auf die heutige Aufführung von „Galeotto" hingewiesen, die speziell durch die Besetzung der Hauptrollen (Herr Bakof, Herr Kober, Frau Bayrhammer) einen sehr genuß­reichen Abend verspricht.

* Zagd auf weibliches Rehwild. Unsere gestrige Nottz bezog sich auf das angrenzende darmstädter Gebiet. Die Jagd auf weibliches Rehwild in Kurhessen beginnt erst am 1. No­vember. . , .,

§■ Seltsame Scherze werden rn den letzten Nächten dadurch verübt, daß Sttatzenlaternen ausgedreht werden und Sturmlaternen an Bau­stellen verschwinden. Jedenfalls weiß jeder halbwegs vernünftige Mensch, daß durch solche Taten großes Unglück herbeigeführt werden kann. Dies den Betreffenden zur Kenntnis­nahme.

§ Schöffengericht. Zu 50 «Al Geldstrafe wurde ein V?ann aus Schröck verurteilt, der trotz wie­der boller Aufforderung durch die Ortspolizei rnb sogar durch das Landratsamt seinen Hund frei umherlaufen ließ. Das Tier hatte auch einen Jungen so gebissen, daß dieser mehrere Wochen ärztliche Hülfe benötigte. — Wegen Vergehens gegen das Feld- und Forstpolizeigesetz wurden ferner 4 Burschen aus Dagoberlshausen zu 10 M und 25 Pfg. verurteilt, weil sie im Walde zu Vfinasten einen sog. Moibaum geholt hatten — Ein Landwirt aus Wittelsberg, der durch über­mäßiges Veitschsnknallen den Unterricht gestört haben sollte, erzielte Freisprechung. — Ein junger Mann der einen anderen mißhandelt hatte, wurde'zu 12 Geldstrafe verurteilt. ___

t Michelbach, 17. Okt. Aus dem Verkauf des Eemeindeobstes wurden 40,80 «M gelöst.

H- Stedebach, 17. Okt. Der Landwirt Mann fand in seinem Keller einen Beutel mit etwa 90 Geldstücken aus dem 17. Jahrhundert. Da ein- zelne der noch gut erhaltenen Münzen, z. B. Lüneburger, die Jahreszahl 1694 tragen, so dürfte der Schatz dort versteckt worden sein.

(») Schwarzenborn, 15. Ott. Der Landwirt Ludwig Gombert erntete Dickwurzeln im Ge­wicht von 14—15 Pfund.

(§) Eroßsselheim, 17. Okt. Der Lehrer Hen­rich wurde nach Bracht versetzt.

Schönstadt, 17. Okt. Der Verkauf des Ee­meindeobstes brachte 90 «Al ein.

Ziegenhain, 17. Okt. Dem am 1. Oktober l. I. in den Ruhestand getretenen Lehrer Schmidt von Allendorf a/Landsburg ist der Adler des Hausordens von Hohenzollern verliehen worden.

Itn machte, zurück. 06 der Räuber « auch hier I Juf einen Einbruch und Beraubung der Kasse abgesehen hatte, weiß man nicht Schlletzllch sei I »och erwähnt, daß die „Nieder-Barnrmer Ztg. vettern ein Extrablatt herausgab das die Ver­haftung des Bürgermeisters und des Rendanten von Köpenick ganz ernstlich behandelte.

Hessen-Nassau und Nachbargeoiete.

Casiel, 17. Ott. Der Kaufmann und Agent August Keye in Casiel wurde nach zweistündiger ^Verhandlung vom hiesigen Schwurgericht wegen wissentlichen Meineids, abgegeben in einer Strafsache wegen betrügerischen Viehhandels, zu «ü, Jahren Zuchthaus verurteilt.

"Fulda, 17. Ott. Wie das „Fuld. Krsbl." hört, übernimmt der frühere Besitzer des Zen- tralhotels" Herr Bartsch (früher in Marburg), am 1. Januar 1907 sein Hotel wieder.

Schmalkalden, 16. Ott. Von der Trusebahn überfahren und sofort getötet wurde gestern Abend ein Handwerksbursche, angeblich ein 82- jähriger Schuhmacher, aus Elochau stammend. Der Mann, welcher sich aus der Chausiee unweit bet Hallestelle Oelmühle befand, wurde vom Zuge erfaßt und furchtbar verstümmelt. Ein Bein ist von der Lokomotive ein ganzes Stuck mitgeschleist worden. Ob das Unglück durch Unvorsichtigkeit geschehen ist, oder ob der Mann sich mit der Absicht vor den Zug geworfen hat, tttnn nicht gesagt werden. Die Sanitätskolonne Fambach schaffte die Leiche nach dott. Die Ee- richtskommission wird im Laufe des heuttgen Tages die erforderlichen Feststellungen machen.

Herborn, 17. Ott. Der Milchkrieg ist been­det, da die Milchhändler durchweg den Preis von 20 Pfg. wieder eingeführt haben, mit Aus­nahme eines der Führer der Milchverteurer, welcher Vollmilch noch zu 22 Pfg. verkauft.

Usenborn bei Ortenberg, 17. Ottober. Am 25. d. Mts. wird es einem hiesigen Ehepaar ver­gönnt sein, ein seltenes Fest zu begehen, das we­nige Eheleute feiern dürfen: das Fest der „Eiser­nen Hochzeit". Das ehrwürdige Paar ist Iths. Pfeifer und desien Ehefrau geb. Schwalm. Pfei­fer ist 86, seine Frau 83 Jahre alt. Ihre Nach­kommen find vier Kinder, 10 Enkel und 14 Ur­enkel. Während ihres ganzen 60jShrigen Ehe­standes hatte das alte Paar hier seinen Wohnsitz.

Darmstadt, 17. Ott. Auf dem Gehaborner Hof bei Weiterstadt sind heute morgen gegen

Uhr 1000 Haufen Korn verbrannt. Der Schaden ist beträchtlich.

Darmstadt, 17. Ott. Der Entwurf für ein Hallenschwimmbad, das einen Kostenaufwand von 900 000 «Al erfordert, ist von den städtischen Schörden der Stadtverordnetenversammlung zur Genehmigung unterbreitet. Die Kosten werden aus Anlehensmitteln gedeckt.

Mainz, 17. Ott. Der Erhöhung der Bier­preise folgt nunmehr eine solche der Weinpreise. In einer hier abgehaltenen Versammlung von Weinwirten wurde beschlossen, die Preise für den billigsten offenen Wein um 6 Pfg. für tzs> • Liter zu erhöhen. Diese Preissteigerung erfolgt mit Rücksicht auf die diesjährige ungünstige Weinernte.

Eisenach, 17. Ott. Das Unglück bei den thüringischen Manovorn im August d. I, wurde heute vor dem Kriegsgericht der 38. Drvrsion in Erfurt verhandelt. Auf dem Felde in Gors­leben bei Heldrungen wurde einem Knaben, der mtt diter Anzahl Ortseinwohnern sich vor ein Geschütz gesteKt hatte, in dem noch ein Geschoß steckte der Kopf vom Rumpf weggeriffen. Der Vater des Knaben bat sich wegen dieses Vor­falles zwei Tage später das Leben genommen. Angeklagt war &er Kanonier Ulrich von der 4. Batterie des 4r-Aeld - Artillerie - Regiments, bet an dem Abend deÄ Unglücks die Geschütze zu bewachen hatte. Das Kriegsgericht nahm keine fahrlässig Tötung, sondern nur als straffällig die Außerachtlassung .militärischer Vorschriften an und erkannte demgemäß auf sieben Monate Gefängnis.

VermWeS.

S etil ft717. Okt. Eine Deamlen-Fleisch- konsumgenosienschaft zut Beschaffung billigeren Fleisches füt die Berliner Beamtenschaft soll demnächst ins Leben treten. Durch ein Preis­ausschreiben sollen Vorschläge über die Att des Betriebes, seine Finanzierung, die Versendung u. a. m. gewonnen werden.

Berlin, 17. Ott. Auf die Ergreifung be» Köpenicker Kasienräubets hat der Regierungs­präsident von Potsdam eine Belohnung von 2000 Mark ausgesetzt. Der Magistrat von Kö­penick setzte eine Belohnung von 500 Mark aus.

Wunstorf, 17. Ott. Auf dem Bahnhofe Wunstorf löste sich der am Stationsgebäude an­gebrachte Briefkasten, als heute Nachmittag die achtjährige Tochter eines Maschinenmeisters einen Brief hineinstecken wollte. Der schwere Kasten stürzte auf das Kind, das so schwer, na­mentlich am Kopfe, verletzt wurde, daß an der Erhaltung des Lebens gezweifelt wird.

Es s e n, 17. Ott. In Styrum bei Oberhausen erttantte eine vor kurzem zugezogene italienische Arbeiterfamilie an den schwarzen Pocken. Es wurden sofott strengste Jsoliermaßregeln er­griffen.

Dresden, 17. Ott. Das Ergebnis der Volkszählung in-Sachsen am 1. Dezember 1905 ergibt 4 504 077 Personen gegen 4 202 216 am 1. Dezember 1900.

Wien, 16. Ott. Die 60jährige Marie Pusch, die ihren Gatten, den Hotelier Ferdinand Pusch, nach 29jähriger Ehe aus Eifersucht niederschotz, wurde heute von den Geschworenen freigespro­chen, nachdem letztere die Frage auf Sinnesver- wirrung zur Zeit der Tat mit 6 gegen 6 Stim­men bejaht hatten. Das zumeist aus Damen be­stehende Publikum brach in tosenden Beifall und Händeklatschen aus und winkte der heftig wei­nenden Freigesprochenen mit Taschentüchern zu, was den Präsidenten zu einet scharfen Rüge ver­anlaßte.

Siferta, 16. Oktt Das neue Unterseeboot ,Lutin", das heute morgen bei starkem Seegang zu Taucherübungen ausgelaufen war, wurde gegen 10 Uhr als aus Eicht gekommen gemeldet. 2 Torpedoboote und 3 Schleppdampfer, die da­raufhin auf Suche ausgeschickt wurden, haben bis heute Abend nichts über den Verbleib feststellen können. Erst in bet Nacht konnte festgestellt wer­den, daß das Boot mit seiner gesamten Besatzung, die aus 2 Offizieren und 12 Mann bestand, un­tergegangen ist. Es wurden sofott Versuche zur Hebung vorgenommen, die erfolglos blieben.

Ein Wehlheidener Sträfling gefaßt. Ein reitender Gendarm aus Dülmen bei Münster er­kannte am 9. d. M. in zwei verdächtigen Rad­fahrern unweit Dülmen die er nach ihrer Rad­fahrkarte fragte, zwei aus Wehlheiden ent­sprungene Zuchthäusler. Die Kerle hatten schon wochenlang durch nächtliche Einbruchsdiebstähle, Fahrraddiebftähle ufw. die ganze Umgegend in Schrecken versetzt. Beide entkamen in der Dun- 'elheit. Am letzten Sonntag Abend erkannte der Gendarm in Dülmen auf einem Tanzsaal unter einer Menge in einem gut gekleideten Menschen, welcher beim (Eintritt des Gendarmen sich die Hand vor das Gesicht legte, den einen Verbrecher. Dieser sprang schnell auf und zielte mit einem Revolver auf ihn. Es gelang jedoch den Men­schen zu fesseln und nach Dülmen ins Gefängnis zu bringen. Gestern früh lieferten 2 Gendarmen den Zuchthäusler in Wehlheiden ein. Er hatte dem Gendarm gegenüber geäußert, schade daß sie mir den Revolver weggerissen, sonst hätte es noch eine Leiche gegeben; in Wehlheiden auszubrechen sei eine Kleinigkeit.

Letzte Nachrichten.

Berlin, 17. Ott. Die deutschen Apotheker wollen sich in Berlin ein Vereinshaus schaffen; das Unternehmen soll von einer zu gründenden Gesellschaft m. b. H. ins Leben gerufen werden, die Anteile zu 1000 «Al abgibt; die Kosten des Erunderwerbs und des Baues sind auf etwa etwa 1 bis Wä Millionen Mark veranschlagt.

Posen, 17. Ott. Während bisher der pol­nische Schulstreik regelmäßig nut die untersten Klassen her Volksschulen betraf, nehmen jetzt auch die oberen Klassen teil. In Adelnau strei­ken sämtliche polnischen Schüler der katholischen Volksschule, indem sie ausdrücklich ettlären, die Geistlichkeit habe befohlen, (!) daß sie Religion nur polnisch lernen sollen; ein gleichet Streik findet in der katholischen Schule zu Gransdorf statt. Polnische Protestversammlungen waren für Sonntag in Schrimm und Krotoschin anbe- raumt, die aber bereits behördlich verboten sind.

(Wie lange gedenkt die Regierung diesem Skan­dal ruhig zuzusehen?)

Paris, 18. Ott. Im Namen des Vorstand« der deutschen sozialdemokratischen Partei hat Bebel den Betrag von 20 000 «Al zur Verfügung der sozialistischen Partei Frankreichs für die Unterstützung der von Jaurös h:rausgegebenen „HumanitS" gestellt. Die permanente Exekuttv- Kommlssion des Nationalrat« der französischen Partei hat in ihrer Abendsitzung die Annahme dieser Gabe gebilligt.

Petersburg, 17. Ott. Wie der Petersburger Telegraphen-Agentur aus Totto gemeldet wird, erklärte ein Prinz der mongolischen Tungusen, der zurzeit seine Ausbildung in Japan erhält, der Zweck sein« Aufenthaltes in Japan sei die Organisatton eines Schutzes feiner an Kuldscha grenzenden Besitzungen mit japanischer Unter­stützung.

Petersburg, 18. Ott. D^r Korrespondent der „Voss. Ztg.- meldet aus guter Quelle, der außer­ordentliche Kredit von 18 Millionen Rubel, den der Marineminister vom Zaren erhielt, soll für den Bau eines Riesenpanzerschiffes bestimmt sein, das in seinen Abmessungen noch den eng­lischen Panzer „Dreahtnought" übertreffe.

London, 17. Ott. „Daily Chronicle" meldet aus Washington: Die Regierung beschloß, wirk­same Maßregeln zum Schutze der amerikanischen Interessen in China und im fernen Osten über­haupt zu ergreifen. Infolgedessen erhielten die Panzerkreuzer „Westvirginia", „Colorado", „Pennsylvania" und „Maryland" Befehl, un- verzüglich nach den astatischen Gewässern aus­zulaufen.

BrLefLKLsV 6et RrsaLtts«.

Eschwege. Der Bericht kommt zu spät, die Versammlung mar ja schon am Sonntag.

Mami, schliess mir die Sparbüchse auf, ich will mir Fahs ächte Sodener Mineral» Pastillen kaufen, damit ich morgen wieder gesund bin und in die Schule gehen lantt; • Schäfchen du, die brauchst du dir nicht selbst zu kaufen! Der Papa bringt wieder sechs Schachteln mit, damit wir sie un Hause haben und dann sollst du sehen, wie schnell die Schluckbeschwerden und der dumme Husten fort find. Fays ächte Sodener triften 85 Pfg. und find in allen einschlägigen Geschäfen zu LI haben.

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