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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Marburg
Freitag, 19. Oktober 1906.
Erscheint wöchentlich sieben maL
Druck und Berlage Jo», «ug. «och, UniverfitStS^vuchdruckerel 41. JahrÜ.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
RrucSr Telegramme.
Berlin. 17. Okt. Die heute hier versammel« ten Vertreter sämtlicher deutscher Bergbau- bezirke waren einmütig darüber, daß mit den Arbeiterorganisationen, welche den bekannten Lohnerhöhungsantrag eingereicht haben, hierüber nicht zu verhandeln ist, da sie als zuständige Vertreter der Erubenbelegschaften nicht anzusehen seien. Ferner wurde allseitig sest- gestellt, daß schon jetzt die Vergarbeiterlöhne namentlich infolge der im letzten Jahre seitens der Werksverwaltungen überall vorgenommenen erheblichen Lohnerhöhungen so hohe sind, daß sie gegenüber den gesteigerten Lebensmittelpreisen durchaus ausreichend sind.
Posen, 17. Okt. In Gnesen kam es heute zu einem Schulskandal. Als heute früh die Lehrer ihre Klassen betraten, wurden sie von den Kindern polnisch begrüßt. Ms die Lehrer auf deutsch beteten, beteten die Kinder auf polnisch. Sie hatten ihre Religionsbücher auf den Lehrertisch gelegt und erklärten, Religion nicht in deutscher Sprache lernen zu wollen. Vor dem Schulgebäude hatte sich vor Schulbeginn ein polnischer Redakteur aufgestellt. Bei Schulschlutz um 12 Uhr hielten vier Polizisten die Ordnung aufrecht.
Paris, 18. Okt. Der Ministerpräsident Sarnen hat beschlossen, noch vor dem Zusammentritt der Kammer seine Demission zu geben. Eine jeute nacht ausgegebene halbamtliche Rote be- agt, daß Sarrien sich seit Monaten leidend ühlt und während seines Erholungsurlaubs in liefern Sommer die erhoffte Heilung nicht ge- ünden hat. Die ihn behandelnden Aerzte haben hm gestern nach gemeinsamer Konsultation geraten, die Last der Regierungsgeschäfte von sich abzuwälzen. Das Ministerium wird übermorgen unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik eine Beratung abhalten, nach deren Schluß es seine Gesamtdemisiion überreichen wird. — Man nimmt an, daß der jetzige Ministerpräsident selbst als seinen Nachfolger den bisherigen Minister des Innern Elömenceau Vorschlägen wird, der das Vertrauen der äußersten Linken in der Kammer besitzt.
London, 17. Okt. „Daily Telegraph" meldet ius Tokio, das nächstjährige Budget werde das siesjährige um Lstr. 20 Mill, überschreiten. — Als Ergebnis des Besuches Takahashis in London beabsichtige die Regierung die Wiederherstellung der finanziellen Lage durch Konversion der Anleihen vorzunehmcn, doch sollen keine neuen Anleihen ausgenommen und die Steuern nicht erhöht werden. — Die Armee soll bestehen aus sieben Armeeporps zu je zwei oder drei Divisionen.
y lNachVruck verboten.)
Zwei Frauen.
Roman von E. Borchart.
(Fortjetzung.)
_ Eine heiße Sehnsucht nach der fernen Freundin erfaßte sie. Wenn sie doch erst wieder hier wäre, wenn sie doch hinüber nach Steinburg eilen könnte und sich bei ihr Trost und Rat holen! Nur wenige Tage noch, und dieser Herzenswunsch würde erfüllt. Aber wie sollte sie ihr gegenübertreten? „Ich habe nichts ausgerichtet, ich habe nicht einmal versucht, von dir zu Herbert zu sprechen, ich habe die beste Gelegenheit vorübergehen lasten!"
Schwer seufzend, mit trockenen, heißen Augen, ging Elisabeth hinaus und setzte sich mit einer Handarbeit auf die breite Terrasse vor dem Schloß. Mechanisch machte sie Stich um Stich.
Eine gute Stunde mochte wohl vergangen fein, da vernahm sie Stimmen und Schritte in der Nähe. Sie blickte auf und sah gleich darauf Edith Boyneburg mit dem kleinen Werner und Herbert auf das Schloß zukommen. Nun erhob sie sich und winkte den Kommenden zu. Werner riß sich los von der Mutter Hand und eilte mit ausgebreiteten Aermchen auf Elisabeth zu. Sie fing den jauchzenden Kleinen auf, hob ihn in die Höhe und küßte ihn.
. „Du süßer Junge, du kleiner Strick!" Ihre ganze Zärtlichkeit verschwendete sie an das Kind, unbeachtet der Gegenwart ihres Gatten. Seit Jenem Tage, wo er ihr erklärt hatte, daß ihre liebe zu diesem Kinde ihn eifersüchtig machen Könnte, hatte sie aus Zartgefühl vermieden, eins «lzu große Wärme für den kleinen Werner in keinem Beisein zur Schau zu tragen. Heute »achte sie entweder nicht daran, oder sie glaubte, thn damit nicht mehr zu verletzen. Warum sie «ber so besonders herzlich und warm zu dem Kleinen sprach und ihn liebkoste, wußte ste selbst dicht.
Die neue ParlamenLs-Zaison wird in vier Wochen beginnen. Der Reichstag ist bekanntlich bis zum 13. November vertagt und kann angesichts des reichlichen Stoffes, den er nicht aufzuarbeiten vermocht, sofort nach Ablauf der Vertagung seine Beratungen aufnehmen. Außerdem ist bereits eine ganze Reihe neuer Vorlagen angekündigt, so daß die Volksvertreter über Mangel an Arbeitsmaterial nicht werden klagen können. Man wird ja nun bald Gelegenheit zu der Beobachtung haben, wie die neubewilligten Entschädigungsgelder, für die Abgeordneten wirken werden. Verwirklicht sich die an diese Maßnahme geknüpfte Hoffnung, dann hat man guten Besuch der Sitzungen und vielleicht auch rascheres Fortschreitend der Verhandlungen zu erwarten. Wir sind in dieser Hinsicht etwas skeptisch und glauben, daß für eine Zahl der Abgeordneten die bare Entschädigung nicht hinreichen werde, um sie an die öden Debatten zu fesseln, besonders da zunächst die alten Bestände der schon unzählige Male erörterten sozialpolitischen Resolutionen aufge- arbeitet werden sollen.
Der preußische Landtag ist im Gegensatz zum Reichstag nicht vertagt, sondern regelrecht geschlosten worden; demnach ist über,den Termin der Einberufung des Landtages nichts bekannt. Die in der Presto verbreiteten Mitteilungen über diesen Termin sind mit Vorsicht aufzunehmen. Es heißt u. a., daß die Absicht bestehen soll, diesmal den preußischen Landtag erst zum letzten verfassungsmäßigen Termine einzu- berusen, da die letzte Session besonders durch das Volksschulunteryaltung-gesetz stark belastet war. Es ist wohl möglich, daß — wie dies früher ja fast zur Regel geworden war — die preußische Landesvertretung erst zum 16. Januar nächsten Jahres einberufen wird; denn aller Wahrscheinlichkeit nach wird sein Arbeitspensum diesmal kein sehr starkes fein. Doch erscheint es uns müßig, sich über den Einberufungstermin schon jetzt den Kopf zu zerbrechen.
In der Zentrumspreste werden indesten schon Befürchtungen laut, daß bei einem Zusammentritt des Abgeordnetenhauses erst im Januar dis Etatsverhandlungen eingeschränkt werden müßten. Darin aber wäre wohl ein besonderer Nachteil nicht zu erblicken, da ja ohnehin das Kon- tkngennerungsverfahren auch in der kommenden Session wieder in Anwendung kommen dürfte. Der „Westfälische Merkur" läßt sich nun über die befürchtete Einschränkung der Debatten folgendermaßen aus:
„Ostern fällt schon auf den 31. März; die Parlamentsferien werden demnach, altem Gebrauche gemäß, am 22. März anfangen. Sollen bis dahin die Etatsberatungen abgcschlosten fein, so würde sich das Abgeordnetenhaus mit Rücksicht darauf, daß das Herrenhaus doch mindestens zwei Wochen für sich beanspruchen darf und wird, so beeilen müsten, daß es schon am 9. März seine Etatsberatungen abschlöste. Da fer-
Jetzt waren auch Edith und Herbert auf der Terrasse angelangt. Elisabeth ließ Werner los und reichte der Freundin zum Gruß die Hand. Die lebhafte Gräfin Boyneburg überschüttete sie gleich mit einem Schwall von liebenswürdigen Vorwürfen, daß sie sich so lange nicht bei ihnen habe sehen lasten. ■
„Hätte ich deinen lieben Gatten nicht soeben getroffen," schloß sie endlich, „und seinem eigenen Munde erfahren, daß er gestern erst heimgekehrt ist, — so wäre ich noch ungehaltener gewesen."
Noch ungehaltener?" versuchte Elisabeth zu scherzen, wenn dieser Versuch auch ziemlich ttäg- lich ausfiel.
„Nun ja, das rechtfertigt wenigstens dein Nichtkommen in diesen beiden letzten Tagen.,,
„Warum das?" fragte Elisabeth, indem sie Werner an sich zog und sein lockiges Haar streichelte.
„Warum, fragst du?" — Nun hören Sie nur Ihrs kleine Frau, Graf Landegg," wandte sich Edith scherzhaft entrüstet an diesen, „als ob sie nicht wüßte, daß der gestrenge Herr Gemahl sie nach der langen Abwesenheit für sich behalten will."
Elisabeth wurde dunkelrot und beugte sich zu Werner herab, und Graf Landegg lächelte bitter.
„Allerdings, gnädigste Gräfin," antwortete er aber gefaßt.
„Aber vorher, Elisabeth, di« ganze Zeit deines Etrohwitwetums bist du nur einmal, ich glaube, nur den ersten lag, bei mir gewesen."
„Du hättest doch auch einmal zu mir kommen können," fiel Elisabeth schnell ein.
„Ah, bläst der Wind von dieser Seite? Liebstes Herz, du weist doch, wie wenig ich von Hause abkommen kann, und überdies hatte ich mich doch meinem Gaste zu widmen."
„Sie hatten Besuch, wie ich hörte, gnädigste Gräfin?" mischte stch hier Graf Landegg ein.
„3«, und einen sehr interessanten noch dazu — nicht wahr. Elisabeths
ner durch die Einreichung des Etats, desten Beratung durch die Fraktionen und die erste Lesung mindestens acht Tage vergehen werden und dann noch weitere drei Tage der Etatskommission zur Vorberatung bleiben muffen, so würde frühestens am 28. Januar mit der zweiten Lesung begonnen werden können. Vom 28. Januar bis 7. Mär, bleiben aber genau 32 Arbeitstage, also drei Tage weniger als im vorigen Jahre dafür angesetzt und verbraucht worden sind. Es ist von vornherein nicht wahrscheilnch, daß es dem Abgeordnetenhause gelingen wird, die Beratungen so zu beschleunigen, daß sie nut 32 Tage in Anspruch nehmen werden. Dafür liegt zu viel Explosionsstoff vor. Man denke nur an die Fleischnot, an die Beziehungen des Landwiri^-afts- ministers zur Gesellschaft Tippelskirch, an die Eingriffe des Kultusministers in die Selbstverwaltung der Städte bezüglich der Festsetzung der Lehrergehälter, an die bevorstehende Aenderung der Eisenbahntarife, an die neuerdings schwer empfundene Wagennot und dergleichen mehr. Alle diese Dinge werden zweifellos die rede- lustigen Abgeordneten veranlaffen, mit den Ministern einige Hühnchen zu pflücken. Unter solchen Aussichten, die im vorigen Jahre vom Seniorenkonvent zugestandene Zeit von 35 Tagen noch mehr zu kürzen, erscheint unmöglich, und im Interesse der Wähler auch schwerlich angezeigt. Die genannten Angelegenheiten sind so wichtig und so sehr Gegenstand der täglichen Unterhaltung der Staatsbürger, daß es eine Pflichtvergessenheit der Abgeordneten genannt werden müßte, wenn sie dieselben nicht einer gründlichen Erörterung unterziehen wollten."
Der aufgezählte „Explosionsstofs" dürfte, wie ja die von der Sozialdemokratie bereits angekündigte Fleischnotinterpellation zeigt, schon im Reichstage von „redelustigen" Abgeordneten reichlich breitgetreten werden und somit bei dem Zusammentritt des Landtages verpufft fein. Zudem ist die Praxis, gerade auf „redelustige" Mitglieder besondere Rücksicht zu nehmen, im Abgeordnetenhause glücklicherweise nicht üblich. Wir vermuten deshalb, daß die Andeutungen des westfälischen Zentrumsblattes, wonach mit den Ministern „einige" — und zwar wohl möglichst viele — Hühnchen gepflückt werden sollen, nicht gerade so anregend wirken werden, daß eine im übrigen nicht recht gerechtfertigte frühzeitige Einberufung des preußischen Landtages erfolgt.
Zur £dfle in Rußland.
Wirtschaftspolitisches.
Der Finanzminifter veröffentlicht Angaben über den Eingang eines Teiles der direkten Steuern, welche jährlich in bestimmtem Verhältnis von jeder steuerpflichtigen Einheit, im besonderen von dem Lande der Bauern und anderer Besitzer, von den städtischen Häusern und Wohnungen, erhoben werden. Diese Angaben bieten ein besonderes Interesse in Hinsicht auf
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„Ja," antwortete diese offen, ohne eine Spur von Verlegenheit.
„Die Damen machen mich neugierig, mehr von diesem interessanten Besuch zu erfahren," versuchte der Graf zu scherzen, aber in seinen Augen lag ein eigentümliches Interesse ausgedrückt.
„Ihre Neugierde kann befriedigt werden, Herr Graf," schwatzte Gräfin Edith lustig fort. „Ich beginne mit der Vorstellung: sein Name ist Dettingen, er war einst vor zehn Jahren ein gefeierter Held, Opernsänger in München, bis ein widriges Geschick ihn zwang, seiner Laufbahn für immer zu entsagen."
„Dettingen — Dettingen — sagen gnädigste Gräfin? Ich stand vor zehn Jahren in München in Garnison und war ein eifriger Besucher der Dper, doch dieser Mann ist mir nicht bekannt."
„Ganz wohl — ob ich es jetzt wohl verraten darf? Was meinst du, Elisabeth?"
„Natürlich, Edith, warum denn nicht? Sein Inkognito galt doch nur während seines Hierseins," gab Elisabeth zur Antwort.
Graf Landegg war gespannt dieser kleinen Unterbrechung gefolgt.
„Also denn, Herr Graf," nahm Edith wieder das Wort, „erinnern Sie sich eines Klaus Roden?"
Graf Landegg hatte es erwartet, diesen Namen nennen zu hören, dennoch zuckte er jetzt leicht zusammen.
„Klaus Roden? Ja, ich entsinne mich, er war einer der gottbegnadetsten Künstler, die ich je gehört habe. Aber was veranlaßte ihn, feinen Beruf aufzugeben?"
„Ein trauriges Geschick. Eine Duellgeschichte soll dahinter stecken, sagt man. Er selbst sprach nie darüber, er schweigt hartnäckig und ver- schloffen über diesen Puntt aus seiner Vergangenheit."
„Und er wurde darin verwundet?"
„Ja, und zwar so unglücklich, daß das linke Bein steif geblieben ist. Er schleppt es beim
die in dem Wiborger Manifest gipfelnde Agitation der extremen Parteien gegen die Steuerzahlung. Während der ersten acht Monate des Jahres 1906 betragen die Eingänge an diretten Steuern 33 577 833 gegen 34 076 710 Rubel im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Eine Abnahme der Eingänge ist in den von der Teuerung heimgesuchten Gegenden eingetreten, während in den baltischen Gebieten, Polen und Kaukasien, wo die revolutionäre Bewegung die größte Stärke erreichte, eine Zunahme von 2y2 Millionen Rubel statisand. Die Verminderung des Eingangs der Abzahlungen der Bauern für das ihnen zur Zeit der Emanzipation überlassene Land ist das Resultat des kaiserlichen Ukases, welcher diese Abzahlungen auf die Hälfte herab- setzte und vom Jahre 1907 ab ganz abschaffte. Aus den Steuern für Industrie und Handwerk ist eine Zunahme von 3 Millionen gegen 1905 zu verzeichnen. Die direkten Steuern spielen, nur eine undeutende Rolle, das Reichsbudget beruht auf den indirekten Steuern und den Abgaben auf Alkohol Zucker, Tabak und Petroleum. Trotzdem bilden die angeführten Zahlen eine glänzende Entgegnung auf das Wiborger Manifest und andere Aufrufe ähnlicher Art, außerLem haben die Aufreizungen der extremen und anderen politischen Parteien zur Rekrutenverwei- gerung keinen Eindruck gemacht, denn nach den bisher vorliegenden Nachrichten vollzieht sich di« Aushebung in allen Teilen des Reiches, selbst in den Dstseeprovinzen ’ und anderen Herden del Revolution, in vollster Drdnung. Dffenbar find alle Anstrengungen der revolutionären Gruppen vergeblich, und die Maffe des russischen Volkes unterwirft sich nickt den Direktiven, die ihm durch gewiße politische Gruppen aufgezwunger werden sollen.
Berschiedene Meldungen.
Petersburg, 17. Dkt. Gcst -rtt trafen der Kaiser und die Kaiserin auf dem Wasserwege in Petersburg ein und besuchten die an der Niko- laibrücke liegende kaiserliche Jacht „Standard",
Petersburg, 17. Dkt. Der Marineminist r verlangte einen außeretatmäßigen Kredit von 18 Millionen Rubel für Schiffsbauten, den Kokowzew verweigerte. Infolgedessen wandte sich der Marineminister direkt an den Zaren und erhielt den Kredit. Die Bestellungen werden ausschließlich russischen Werften und Fabriken übertragen werden.
Warschau, 17. Ott. Aus der Nalewkistraße fielen heute mehrere Räuber Passanten an, verwundeten einen Schutzmann und flohen dann in einen Laden. Eine herbeieilende Militärpatrouille feuerte wiederholt; mehrere Personen wurden getötet.
Warschau, 17. Okt. Wie nunmehr festgestellt ist, sind bei dem heutigen Ueberfall von Passanten durch mehrere Räuber in der Nalewskistraße vier Personen, unter ihnen zwei der Räuber,
zerstreut.
(Forisetzuna folat)
Gehen nach, ohne gerade zu hinken, aber für eine Bühnengestalt ist et unmöglich geworden."
„Trägt et schwer an seinem Geschick?" fragt Graf Landegg weiter. Er war merkwürdig blaß geworden und ferne Stimme bebte.
„Er ist düster und melancholisch, und wie et meinem Mann erzählt hat, hat er in bet ersten Zeit, als man ihm mitgeteilt hatte, daß eine gänzliche Heilung ausgeschlossen sei, gerast vor wahnsinnigem Schmerz und sich bas Leben nehmen wollen. Nachher ist er ruhiger geworden, aber er hatte noch bei uns häufig Augenblicke, in denen er in eine tiefe Schwermut verfiel.,, '
Gräfin Boyneburg war in ihren Schilderungen sehr ausführlich geworden; kam sie aber auf das Thema Klaus Roden, für den sie eine lebhafte wenn auch ganz harmlose Schwärmerei hatte, so lief ihr der Mund Über.
Graf Landegg verfiel in tiefes Sinnen und blickte düster vor stch hin. Die beiden Frauen bemerken es nicht. Elisabeth plauderte mit Werner, aber ihre Gedgnken waren bei dem Gespräch der beiden änderns Wie gern hätte ste dem Gatten von ihrer Begegnung mit Klaus Roden erzählt, von seiner Geschichte, die sie so tief et« griffen hatte. Nicht jetzt in Ediths Gegenwart, die ja nichts davon wußte, sondern nachher allein. Gatten sollen keine Geheimnisse von einander haben. Aber hatte er nicht auch das Geheimnis seiner ersten Ehe vor ihr gewahrt u«d mit sieben Siegeln verschlossen? Hatte er nicht heute erst gesagt, daß jeder seine eigenen Wege gehen solle?
Sie seufzte leise, aber schmerzlich auf.
„Was ist dir, Tante Elisabeth?" fragte Wer- ner, kletterte auf ihren Schoß und streichelte ihr die Wangen.
„Nun sehen Sie nur diesen kleinen Schwerenöter," rief Edith dem Grafen zu. Dieser fuhr aus tiefem Sinnen auf und wußte augenscheinlich nicht, um was es sich handle, aber er lächelte