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Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UmversitLtS-vuchdruckerei 41. Jtthrg« Marburg, Markt 21, — Telephon 55.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sontttagsbeilage: Mustrtrtes SonntäasdrsiS.
Vierteljährlicher Bezugspreis; bet der Expedition 2 AL,
M. 244 .... bet allen Postämtern 2,25 Mk, <exct> Bestellgeld).
*"* sDonnerstag, 18. Ottober 1906.
Neueste Telegramme.
Berlin, 17. Ott. Zu der Frage der Entschädigung der südwestaftikanischen Farmer haben jbie verbündeten Regierungen, nachdem bet Ikeichstag letztmalig diese Forderung abgelehnt Kat, bisher noch nicht Stellung genommen; frühestens-wird das geschehen können, wenn der ineue Etatsentwurf im Bundesrate zur Beratung vorliegt.
i Paris, 16. Ott. Die Regierung sicherte dem General Liotet alle Vollmachten und Unter« Stützungen für den Fall der Erhebung der marokkanischen Stämme gegen die französischen Mosten und die Bevölkerung in den Erenz- »ezirken zu. Liotet wird die vier Wochen bis ^u dem angekündigten Losbrechen der fanatisierten Stämme nach Möglichkeit ausnutzen, d^chnet aber auch mi. der diplomatischen Jnter- 'pention Frankreichs beim Maghzen, die möglicherweise den Erfolg haben wird, den Ver- stvandten des Sultans, Muleth Abu, ad audiendum verbum nach Fez zu bescheiden.
l Parks, 16. Okt. Der Minister des Innern Alemenceau hielt heute in St. Maximin eine Rede, in der er erklärte, es sei falsch, daß er Kegen die geistige Gewalt ankämpfe. Die Regierung kämpfe gegen die Herrschaft Roms und -perweigere der Kirche das Geld derer, die nicht gläubig seien. Der 11. Dezember werde der letzte Tag sein, an dem Frankreich unter dem Regime des Konkordats stehe. Am 12. Dezember werde Frankreich unter den Sonnenstrahlen der Freiheit erwachen.
;! Konstantinopel, 16. Okt. Professor Bier, welcher täglich vom Sultan empfangen wurde, kehrt übermorgen nach Berlin zurück, da der gute Gesundheitszustand des Sultans seine weitere Anwesenheit entbehrlich erscheinet läßt.
Die Verteidigung Bismarcks.
Die „Hamburger Nachrichten", das ehemalige Bismarcksche Organ, treten den Memoiren des Fürsten Hohenlohe entgegen und machen den Versuch, die Haltung Bismarcks in der bulgarischen Frage gegenüber Oesterreich-Ungarn und Rußland zu rechtfertigen. Es handelt sich besonders um jene Aufzeichnung des Fürsten Hohenlohe vom 31. März 1890, in der die Aeutzerung des Kaisers an die kommandierenden Generale verzeichnet wird: „Rußland wolle Bulgarien militärisch besetzen und dabei die Neutralität Deutschlands haben. Der Kaiser, sagte er, habe dem Kaiser von Oesterreich versprochen, ein treuer Bundesgenosse zu sein, und werde dies halten. Die Besetzung Bulgariens
46 (Nachdruck verboten.))
Zwei Frauen.
Roman von E. Borchart.
(Fortfetzung.)
Nach einer Weile hatte sie sich soweit gefaßt, daß sie ihr Zimmer aufsuchen konnte.
Aus ihrem Fenster sah sie die bewaldeten Berge, von Sonnenglanz umwoben, und sah den Schnee auf den Alpenfirnen glänzen wie leuchtende Kristalle.
Unter dem Eindruck dieser Schönheit löste sich der Bann, der auf Elisabeth ruhte, und sie brach in leises Schluchzen aus. Sie gab sich nicht lange diesem Schmerzensausbruche hin, sondern badete ihr Gesicht in kaltem Wasser, um die Tränenspuren zu vertilgen. Er sollte nicht sehen, daß sie geweint hatte; sie wollte es ihm nicht zeigen, wie tief er sie verletzt hatte. Zudem was es bald Mittagszeit, und wenn sie auch lieber in ihrem Zimmer geblieben wäre, so zog sie es doch vor, bei der Mahlzeit zugegen zu sein und keinen Stoff zu Mutmaßungen und Redereien zu geben.
Der Spiegel zeigte ihr ein bleiches Antlitz, aber die Tränenspuren waren so gut wie verwischt.
In stolzer Haltung betrat sie das Eßzimmer, kn dem Beate vorläufig allein anwesend war. Elisabeth atmete fast befreit auf, daß Herbert noch nicht da war und knüpfte ein Gespräch mit der Schwägerin an. Aber ihr Ohr lauschte ängstlich auf jedes Geräusch, und endlich wurde des Grafen Schritt laut. Das Herz der jungen Frau fängt an zu klopfen, und ein Gefühl bemächtigt sich ihrer, das sie bisher nicht gekannt hatte, über heften Ursache sie sich auch keine Rechenschaft ab- legen kann.
Wenige Sekunden später trat Graf Landegg Mit kurzem, aber nicht unfreundlichem Gruß ein. Elisabeth sah verstohlen, fast verlegen zu ihm
durch die Russen sei der Krieg mit Oesterreich, und er könne Oesterreich nicht im Stiche lassen." Weiter schrieb Fürst Hohenlohe: „Bismarck wollte Oesterreich im Stich lassen. Der Kaiser will mit Oesterreich gehen .selbst auf die Gefahr hin, mit Rußland und Frankreich in einen Krieg verwickelt zu werden."
Das genannte Blatt bemertt dazu: „Der Kaiser kannte die Orientpolitik des Fürsten Bismarck ganz genau. Er wußte, daß es zu den unumstößlichen Grundsätzen derselben gehöre, sich in die Streitigkeiten zwischen Rußland und Oesterreich-Ungarn auf dem Balkan nicht einzumischen, sondern als ehrliche Makler zwischen beiden Mächten zu vermitteln und damit die Wage in der Hand zu behalten, auf der die Geschicke Europas abgewogen würden. Oft genug hat sich Fürst Bismarck gerade mit Bezug auf Bulgarien in diesem Sinne ausgesprochen. Im Reichstage hat er direkt erklärt, daß wir uns dieses Landes wegen nicht schlagen würden; wenn Rußland und Oesterreich-Ungarn dies tun wollte, so sei das ihre Sache. Für Deutschland stelle die ganze orientalische Frage keine Kriegsfrage dar, und er werde sich von niemandem am Leitseil nehmen lassen. Diese Grundsätze der Bismarckschen Orientpolitik entsprachen so ersichtlich den Interessen Deutschlands, daß es schwer fallen muß, zu glauben, der Kaiser habe Projekte gehabt, die ihnen schnurstracks entgegenliefen. Es erscheint fast unglaublich, daß der Kaiser damals eine Politik, wie sie ihm in den Aufzeichnungen Hohenlohes zugeschrieben wird, in der Tat vom Fürsten Bismarck gefordert haben könnte; denn diese Politik wäre auf nichts anderes hinausgelaufen, als darauf, Deutschland in einen bluttgen Krieg von unabsehbaren Folgen lediglich deshalb hineinzustürzen, um die österreichische Balkanpolitik, die uns nichts anging und die durch unser Bündnis mit Oesterreich-Ungarn in keiner Weise gedeckt war, zu unterstützen.
Dem Kaiser von Oesterreich die Bundestreue auf diese Weise zu halten, hätte nichts anderes geheißen, als Ströme deutschen Blutes für spezifisch österreichische Interessen vergießen, ohne durch Bündnispflicht oder politisqr Gründe zwingender Natur dazu genötigt zu sein. Mit anderen Worten, der Kaiser hätte s.'.nem österreichischen Verbündeten die Treue nur auf Kosten des eigenen Reiches und Volkes halten können. Daß die Bündnistreue in diesem Falle übrigens überhaupt hier nicht in Frage gestanden, ergibt sich daraus, daß der Dreibund, als rein defensiver Vertrag, die alliierten Staaten nur für den Fall des Angriffes anderer Mächte auf das eigene Gebiet deckte, aber in keiner Weise die speziellen politischen Interessen, welche die beteiligten Staaten
hin. Seine hohe, kräftige Gestalt, sein geistvolles Antlitz, seine ganze männlich schöne Erscheinung war ihr kaum je so ausgefallen, wie eben jetzt. Sie zitterte leicht, als er sich ihr näherte, ihre Hand leicht an die Lippen führte und sich an ihrer Seite niederließ. Sie versuchte, heiter und harmlos mit ihm zu sprechen und das Zerwürfnis vor Beate zu verbergen. Es schien ihr auch zu gelingen, aber das Herz blutete ihr dabei.
Sie bemerkte es nicht, daß ihres Gatten Blicke sie oft mit eigentümlichen Ausdrucke suchten; fast wie Abbitte und Reue lag es in ihnen. Er hatte vorhin auf seinem Ritt Graf Boynebutg getroffen und ganz zufällig im Gespräch erfahren, oaß dessen Besuch schon mehrere Tage fort fei. Der Graf hatte auch gefragt, warum Gräfin Landegg so lange nicht zu ihnen gekommen fei. Fast vierzehn Tage wären seit ihrem letzten Besuch verflossen. Aus alledem hatte Landegg ersehen, wie bitter unrecht er seinem Weibe getan hatte. Seine unglückliche Eifersucht schien für ihn zum Verhängnis werden zu sollen, und er hatte doch geglaubt, längst dieses leidenschaftlich auflodernde Gefühl begraben zu haben, längst ruhig und maßvoll und Herr dieser Schwäche geworden zu sein, die ihm schon einmal so großes Unheil gebracht hatte.
Er schämte sich jetzt seines unberechtigten Argwohnes, er bereute fein heftiges herrisches Auftreten Elisabeth gegenüber und bat ihr im Stillen alles ab. Andererseits war er aber doch zu stolz, um offen fein Unrecht einzugestehen. Nur einlenken, versöhnen wollte er seine Frau. Es schien ihm dies nicht so leicht zu sein, oenn trotz aller ihrer zur Schau getragenen Harmlosigkeit und Gleichgültigkeit merkte er ihr den Zwang an, fühlte er, daß ihre Natur sich noch nicht mit dem heutigen Erlebnis abgefunden hatte.
Als Beate sich nach Beendigung der Mahlzeit wie gewöhnlich zurückgezogen hatte und Elisabeth ihr folgen wollte, hielt er sie zurück: f j
außerhalb des Rahmens des Dreibundes, zum Beispiel Oesterreich-Ungarn auf dem Balkan, verfolgten. Sonach wäre es völlig unmöglich gewesen, aus der Besetzung Bulgariens durch Rußland den casus foederis zu konstruieren. Jedenfalls aber würde es nicht zu verantworten gewesen sein, die gesunden Knochen des bekannten Pommerschen Grenadiers der bulgarischen Interessen Oesterreichs wegen auf's Spiel zu setzen, und wenn der Kaiser, entgegen jeder Annahme,gleichwohl die ihm vom Fürsten Hohenlohe zugeschriebsne Politik verlangte, Fürst Bismarck dagegen den Forderungen des Kaisers erfolgreich entgegengetreten wäre, so würde er sich damit den Dank des Vaterlandes im höchsten Maße verdient haben. Dagegen ist es durchaus wahrheitswidrig, wenn dem Fürsten die Absicht zugeschrieben wird, er habe beabsichtigt, den Dreibund und das Verhältnis zu Oesterreich-Ungarn irgendwie aufzugeben. Dies geht aus den von ihm selbst inspirierten Artikeln klar und deutlich hervor, die wir seinerzeit im Anschluß an unsere Veröffentlichung des deutsch-russischen Neutralitätsve träges publiziert haben. Auch dieser Vertrag hatte in keiner Weise den Zweck, ein Loslösung Deutschlands vom Dreibund und Oesterreich- Ungarn vsrzuberciten, sondern bildete lediglich eine durch die Interessen Deutschlands dringend gebotene Ergänzung der bestehenden Verträge."
Am 6. Februar 1888, in seiner brühmten Rede, erklärte Bismarck, die Bestimmungen des Berliner Kongresses seien maßgebend für die Haltung Deutschlands. Es ist das dieselbe Rede, in der Bismarck den Abschluß des deutsch- österreichischen Bündnisses begründete. Keinem Menschen ist es damals eingefallen, deswegen die Bündnistreue Bismarcks und seines Kaisers abfällig zu kritisieren.
Zur Lage in Rußland.
Petersburg, 16. Okt. Die lettischen Sozialdemokraten sprachen sich gegen die Verwirklichung des Wiborger Aufrufs aus. Sie finden, daß die jungen Rekruten in der Armee nützlicher fein werden als außerhalb. Die littauischen Sozialdemokraten faßten auf einer Konferenz einen analogen Beschluß. Statt den Wiborger Aufruf zu verwirklichen, sollte der Wahlkampf vorbereitet werden.
Lodz, 16. Okt. Infolge der Weigerung bet Fabrikanten, für die Zeit des Aufstandes Lohn zu zahlen, sind 17 000 Arbeiter von 77 Fabriken in den Ausstand getreten. Die Gesamtzahl der Lodzer Fabriken beläuft sich aus übet 400 mit 70 000 Arbeitern.
Die Truppen in Lodz erhielten den Befehl, falls aus den Häusern geschossen wird, das Haus zu umzingeln, die Einwohner zu entfernen, die
„Einen Augenblick, Elisabeth," bat er.
Elisabeth blieb stehen und sah ihn fra- gend an.
Sie sah so schön aus in ihrer edlen Haltung, daß er die Lippen zusammenpreßte vor leidenschaftlichem Weh. Aber seine Stimme klang weich und freundlich.
„Elisabeth — möchtest du jetzt einen Spaziergang in den Wald, in die Berge mit mir machen?"
Elisabeth fühlte, wie sich das Herz zusammen- krampste. Es war das erste Mal, daß er sie feit jener verhängnisvollen Fahrt int Herbst wieder um einen Spaziergang bat. Die gemeinschaftlichen Spaziergänge aus der ersten Zeit ihrer Ehe waren ihr eine fo schöne Erinnerung, daß sie eine Wiederholung fast herbeisehnte, ja alles in ihr drängte dazu, mit ihm zu gehen. Da stieg aber die heutige Szene vor ihrem Geist auf. „Ich verbiete es dir," hörte sie feine Stimme herrisch sagen, und da übermannte sie das trotzige Gefühl von neuem.
„Nun, Elisabeth, willst du nicht?" fragte et, als er sie zögern sah.
„Nein!" gab sie ihm kurz und kalt zur Antwort.
Im ersten Augenblick flog ein fast unmerkliches Lächeln über seine Züge, und er nahm ihre Antwort für das, was sie in der Tat auch war, für Stolz und Trotz. Plötzlich aber stieg ein anderer Gedanke in ihm auf und ließ ihn jäh erblassen. „Sie liebt dich nicht, sie will deine Gemeinschaft nicht mehr---sie will auch nicht das
Geringste mehr mit dir teilen," dachte er, und da trat auch et zurück.
„Gut denn, Elisabeth, du willst es fo. — So laß uns fortan unsere eigenen Wege gehen, jeder für sich, nicht mehr zusammen. Lege dir in nichts mehr Zwang auf, tue und lasse, was und wie es dir beliebt. Ich werde dich in nichts mehr hindern und zu bestimmen suchen. Du kannst hingehen, wo du willst und empfangen, wen du
Schuldigen zu verhaften und das Haus zu txt* siegeln. Hausbesitzer, Verwalter und Hausknechte werden vor Gericht gestellt, die Angreifer untel das Kriegsfeldgericht.
Bialystok, 16. Ott. Hier ist eine neue Gesellschaft „Erez Nichodin" gebildet worden, die es sich zur Aufgabe stellt, Juden, die auswandern, mit Rat und Geld zu unterstützen. — Nach den letzten Feststellungen betrug die Mitgliederzahl der jüdischen Vereinigung „Bund" 83 890 davon 25 000 in Polen.
Rostow a. Don, 16. Okt. Die Teilnehmer an dem Ueberfall auf das Kontor Friedberg, drei Juden und drei Christen, wurden standrechtlich erschossen.
Deutsches Reich.
Berlin, 17, Ottober.
— Seine Majestät der Kaiser unternahm am gestrigen Dienstag Vormittag, roie aus Bonn berichtet wird, U'ch dem Frühstück einen Spaziergang. Um 1t Uhr empfing der Kaiser den bisherigen kommandierenden General v. Deines, dem er die Uniform der Königs- Husaren verlieh, und nahm hierauf die Melkung des neu ernannter, kommandierenden Generals v. Plötz entgegen.
Um 12 Uhr mittags fand die Enthüllung des Kaiser Wilhelm-Den . mals vor der Universität statt, zu welcher auch der Kaiser erschienen war. Oberbürgermeister Spiritus hielt eine Ansprache, in welcher ei dem Kaiser den Dank der Bürgerschaft für feil' Erscheinen aussprach und nach Würdigung bei Verdienste Kaiser Wilhelms I. um die Gründung des Deutschen Reiches daran erinnert^ daß dieser seinen Sohn, den nachmaligen Kaiser Friedrich, zur' Bonner Hochschule entsandte und somit den Grund legte zu bet Gepflogen- beit, durch die für den Thronerben Bonn als Universität bestimmt wurde und hoffentlich bis in f-'rne Zeiten bestimmt sein werde. Er ge- dachte im Anschluß daran der Studenienschafi des jetzigen Kaisers in Bonn. Die Rede klang in ein Hoch auf den Kaiser aus. Der derzeitige Rektor ver Universität, Geheimrat Dr. Jacoe-, übernahm das Denkmal, nachdem die Hülle gefallen war, mit einer Ansprache, worin et hervorhob, daß zum größten Teile ehew-lige Studierende der Hochschule den Plan faßten und durchführten, las Standbild in Bonn zu er» tickten, damit auck ben jüngeren Ee Stationen Studierender die Glanzperiode der deutschen Geschichte stets vor Augen stehe im Bilde des ersten Hohenzollern-Kaisers, in dem sich die Geschichte der Geburt des neuen Deutschlands verkörpere. Der Aufblick zu dem Bilde möge allen kommenden Geschlechtern deutscher Musensohne bei ihrem Eintritt in die Bonner Umversitatsstaft
willst. Du bist deine freie Herrin. — Gott be» fohlen denn!" 1
Er war langst hinausgegangen aber Elisa» beth verharrte noch immer wie gerstesabwefens und regungslos auf ihrem Platz. war es tbt als ob sie ihm nacherlen und ihn zwingen müßte, feine harten Worte zurückzunehmen, aber ihre Glieder waren wie gelähmt. '
. Sie preßte die Hand an ben schmerzenden Kopf: Was hatte sie angerichtet in ihrem Trotz a>as Tischtuch zwischen ihm und sich zerschnrben für ewige Zeiten. O, daß sie es nicht gesprochen hätte dieses kleine böse Wörtchen ..Nein daß sie ihr kleinliches Eekränktsern überwunden hätte und mit ihm geaanaen wäre! Nun war et im Groll von ihr geschieben, nun wurde et sie nie nie mehr um einen Spaziergang, noch überhaupt um etwas bitten. „Laß uns fortan unsere eigenen Wege gehen." Darin lag bas ganze trostlose Bild ihrer Ehe und ihrer Zukunft Gab es denn kein Zurück, kein Eutmachen mehr? — Doch, eins gäbe es: die Verleugnung ihres Stolzes. Sie hätte zu ihm gehen unb ibn bitten können, ihr zu verzeihen — ihr Herz drängte sie fast zu diesem Schritt. Aber die Furckt vor einer vergeblichen Bitte, vor einer Abweisung seiner» fette hielt sie zurück. Diese Demütiauna ertrüge sie nicht. Er liebte sie augenscheinlich nicht mehr, er hielt es auch nicht bet Mühe wert, sich um ihre Liebe zu bewerben, seitdem et aus ihrem Tagebuchblatte entnommen hatte, warum sie sein Weib geworden war. Er achtete sie vielleicht darum nicht einmal mehr, und es war ihm gleichgültig, was sie dachte und tat.
So redete sie sich immer mehr in diese Gedanken hinein und verschloß sich in ihrem Schmerz. Jetzt merkte sie erst, was sie vordem tn ihm ihr Eigen genannt hatte und wie köstlich es war, jemand zu besitzen, der einem mit ganzer, Liebe zugetan ist. . f *
(Fortsetzung folgt.)