Mch'W Zeilttliß
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Marburg
Mittwoch, 17. Oktober 1906.
Erscheint wSchentlich sieben mal.
Druck und Verlag: Joh. Slug. Koch, UmversttätS-Buchdruckerei
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
41. Jahrg.
Erstes Blatt.
Neueste Telegramme.
'■ Braunschweig, 16. Okt. Nach einem Schreiben an einen Welfen aus Gmunden will angeblich der Herzog von Cumberland auch eine Kundgebung an das braunschweigische Volk erlassen.
Knechsteden, 14. Okt. Kardinal Fischer vollzog heute unter großer Beteiligung des Volkes pie Bischofsweihe des Bischofs Vogt von Baga- stnoyo in Deutsch-Ostafrika.
Konstantinopel, 15. Okt. Die Pforte erneuerte ernstlich in Athen und bei der hiesigen griechischen Gesandtschaft die Vorstellungen über das Unwesen der griechischen Banden in Mazedonien, und darüber, daß in der letzten Zeit neue Banden die griechische Grenze überschritten.
Cogolin (Dep. Var), 15^ Okt. Auf einem Bankett hielt Minister Clemenceau eine Rede, in der er sagte, das Trennungsgesetz werde vom Tags seines Inkrafttretens an nicht im Geiste der Gewalt und Verfolgung, sondern im Geiste der Gerechtigkeit und Freiheit angewendet werden. Die Feinde Frankreichs, die das Land in einem unruhigen Zustand erhalten und zum Bürgerkriege treiben wollen, seien nichts als Agenten des Auslandes.
Tokio, 15. Okt. Als Ergebnis der Beratung der Admirale wurde ein besonderes Komitee für Schiffskonstruktion eingesetzt, um die neuesten und wirksamsten Kriegsschisfspläne aufzustellen. Infolgedessen wird erwartet, daß die Fertigstel- luiig der jetzt im Bau befindlichen Schlachtschiffe und Kreuzer beträchtlich verzögert wird.
Großbritanuien.
' Die nächste Parlamentstagung in England wird weniger durch gesetzgeberische Arbeiten, als durch die Austragung politischer Machtfragen in Anspruch genommen werden, die allerdings als eine Folge entgegengesetzter Auffassungen über schwebende Gesetzentwürfe, zwischen Oberhaus und Unterhaus entstanden sind. Solche Zerwürfnisse konnten längere Zeit nicht auskommen, so lange nämlich, als die im Ober- Hause dominierende konservative Partei auch im Unterhause die Mehrheit hatte. Wie stets, wenn eine gleiche politische Konstellation herrschte, gab es zwischen den Mehrheitsparteien beider Häuser keine oder nur geringe Meinungsverschiedenheiten, und das Oberhaus, das die vom Unterhause verabschiedeten Vorlagen entgegennahm, hatte wenig mehr zu tun, als sein Placet zu sprechen. Durch die Neuwahlen im Januar d. I. ist dieses harmonische Verhältnis gesprengt. Im Oberhause sind die Konservativen nach wie
45 (Nachdruck verboten >
Zwei Frauen.
Roman von E. Borchart.
(Fortlctzung.)
Sie nahm ein Buch und versuchte, fich in die Lektüre zu vertiefen, aber das geringste Geräusch lenkte sie ab, und ließ sie nervös zusammenzucken. Da rollte draußen ein Wagen. Sie sprang auf und eilte an die Tür. Hier blieb sie aber zögernd steheik. „Nein, ich werde ihm nicht entgegen
gehen, er hat mir nicht mitgeteilt, daß er kommt!" dachte sie trotzig und kehrte um. Sie Kifjr Tun vor sich selbst mit der Beleidigung, r ihr zugefügt, zu rechtfertigen, aber ihr Herz klopfte ungestüm, und ihr Ohr lauschte gespannt auf jeden Schritt.
Da endlich — ihr Herz drohte stillzustehen — Hopfte es an ihre Tür, und gleich darauf trat Graf Landegg über die Schwelle.
„Elisabeth!"
Nun erhob sie sich von ihrem Platz und ging ihm langsam und zögernd entgegen.
„Willkommen, Herbert," sagte sie kühl und gelassen.
Graf Landegg hatte eine Bewegung gemacht, als ob er ihr die Arme entgegenbreiten wollte. Bei ihrem kühlen Empfang sanken sie herab.
Er nahm nur die Hand, die ihm Elisabeth gereicht hatte, und führte sie an die Lippen.
„Ich bin früher zurückgekehrt, als ich es beabsichtigte, Elisabeth," sagte er und sah sie an.
Ihr Antlitz war undurchdringlich ernst; er konnte nicht erkennen, was sie empfand.
„Du hättest lieber gesehen, ich wäre länger geblieben?" fragte er unvorsichtig und von ihrem Schweigen gereizt.
Elisabeth sah ihn mit stolzem Blick an: „Ich konnte mich wohl kaum freuen, da du es nicht der Mühe für wert gehalten hast, mich von deiner Ankunft in Kenntnis zu setzen."
„Elisabeth, also das ist es? Du zürnst mir, daß ich dir nicht davon schrieb?"
vor die ausschlaggebende Partei, im Unterhause aber stehen sie gegenwärtig, wenn man nut ihre iberalen Gegner in Betracht zieht, einer vier- achen Mehrheit gegenüber. Diese wird noch we- entlich verstärkt durch die liberale und soziali- tische Arbeiterpartei, die im großen und ganzen )ie gleichen politischen Ziele auf gleichem Wege verfolgen und auch in den meisten zur Entscheidung stehenden gesetzgeberischen Aufgaben die liberale Partei oder wenigstens die große Mehrheit auf ihrer Seite haben. Das gilt zunächst von der Trade Disputes Bill. In ihr hat das Unterhaus gegen die Stimmen der Konservativen eine Vorlage gutgeheißen, die fast sämtlichen, von feiten der Arbeiterparteien geltend gemachten Forderungen bezüglich der Rechte der Arbeitnehmer bei Ausständen Rechnung trägt und, was besonders schwer ins Gewicht fällt, eine Reihe von Handlungen, die bisher gesetzlich verboten waren, wie das Streikpostenstehen, die Beeinflussung von Arbeitswilligen usw. sozusagen auf gesetzlichem Wege vorschreibt.
Die konservative Partei war nicht der Meinung, daß eine derartige Vorlage, wenn sie Gesetz würde, geeignet sei, den inneren Frieden zu fördern und einen Ausgleich zwischen den Interessengegensätzen von Arbeitgebern und Arbei- nehmern herbeizuführen. Aber ihr Widerspruch blieb erfolglos; an Stärke weit unterlegen, mußte sie sich fügen. Für sie will nun das Oberhaus in die Bresche treten. Schon während der Verhandlungen des Unterhauses bei dem fraglichen Gegenstand haben Mitglieder des anderen Hauses nicht nur Bedenken und Warnungen geäußert, sondern auch die Erklärung abgegeben, daß das Gesetz in der Form, wie es aus den Kommissionen und dem Plenum des Unterhauses hervorgegangen, für das Oberhaus unannehmbar sei. Die Gegenseite, in erster Linie die sozialistische, aber auch die liberale Presse, hat darauf mit Spott und Entrüstung geantwortet und trotzig erklärt, daß die Vorlage, wenn nicht mit dem Oberhause, dann eben ohne daS Oberhaus, Gesetz werden würde. Seitdem besteht ein latenter Konflikt. Daß sich die Stellung und die Willensmeinung des Oberhauses in dieser Frage inzwischen nicht geändert hat, beweist die kürzlich von Marquis of Lansdowne im konservativen Klub von Perth gehaltene Rede. Lansdowne widerlegte zunächst die Behauptung, daß das Haus der Lords stets Obstruktion getrieben und sich allen Maßnahmen zur Verbesserung der Lage der Bevölkerung widersetzt habe. Eine derartige Behauptung habe sogar in jüngster Zeit ein Mitglied des Kabinetts — gemeint war der Präsident des Handelsamtes Mr. Lloyd-George — vertreten. Nichtsdestoweniger sei sie von der Mehrheit so weit wie nur möglich entfernt. Von der Trade Dispute Bill sagt Lansdowne, sie sei eine Vorlage, die der Nation das Ansinnen stelle, ihre Auffassung dessen, was gerecht sei und dem allgemeinen Wohl diene, zu revidieren und nach dem Willen der Gesetzgeber des Unterhauses um«
„Das fragst du noch?"
„Und wenn ich nun überraschend für dich hätte kommen wollen und Beate dir ohne meinen Willen Mitteilung von meiner Rückkehr gemacht hätte?"
Elisabeth atmete fast befreit auf. An eine solche Auslegung hatte sie nicht gedacht. Aber Stolz und Trotz hielten noch immer ihr Herz umpanzert.
„Ueberraschungen haben nie den gewünschten Erfolg," erwiderte sie herbe.
„Das sehe ich," entgegnete er mit bitterem Lächeln. „Doch nun habe die Güte und reiche mir deinen Arm; Beate erwartet uns zu Tisch."
Schweigend legten sie den Weg zum Speisezimmer zurück, jeder in seine eigenen Gedanken versunken.
Elisabeth hatte die vermeintliche Kränkung noch nicht überwunden, und Graf Landegg fühlte sich seinem jungen schönen Weibe gegenüber nicht ganz frei von Schuld. Allerdings hatte er sie mit seiner Rückkehr überraschen wollen, aber nicht in der Absicht, ihr eine Freude zu bereiten. Vielmehr hatte ihn eine heiße, wilde Eifersucht heimgetrieben, die Beates letzter Brief in ihm entzündete. Er wußte es, daß Beates Sticheleien schon einmal zum Unglück für ihn geworden waren, aber er redete sich ein, daß diesmal keine Anzüglichkeit von der Schwester Seite beabsichtigt worden sei. Die Erwähnung von Klaus RodensAnwesenheit aus Boyneburg war so harmlos, fast nebenher berichtet worden, daß er unmöglich eine böse Absicht der Schreiberin darin hatte erkennen können. Er wußte aber, daß Elisabeth oft nach Boyneburg ging und mit dem Besuch zusammentreffen mußte, auch hatte der Name „Klaus Roden" sein ganzes leidenschaftliches Blut in Aufwallung gebracht. Er verstand es selbst nicht, warum er ihn fürchtete, er schalt und tadelte sich, daß er seinem Weibe, das so hock und rein in seinem Herzen stand, die Schmach auch nur des geringsten argwöhnischen Gedankens antun konnte. Trotzdem hatte er die Eifer«
zulernen. Das Haus der Lords aber werde das Recht, die von dem anderen Hause kommenden gesetzgeberischen Vorschläge genau zu prüfen und eventuell zu amendieren, fich nicht nehmen lassen. Ein solcher Revisionsprozeß sei doppelt nötig in einer Zeit, in der sich das Oberhaus mit Vorlagen zu beschäftigen habe, über die im Unterhause entweder überhaupt nicht oder nur höchst oberflächlich verhandelt worden fei.
Schließlich erörterte der Redner den allerdings selten vorkommenden Fall, daß die Regierung bei Streitigkeiten, falls eine Verständigung nicht erzielt werden kann, an die Wähler appelliert. Diesen Weg, von dem das Oberhaus seinerzeit in Sachen der Home Rule Bill Gebrauch machte und dabei die Mehrheit des Volkes auf seiner Seite fand, werde es sich auch jetzt nicht versperren lassen. — Danach darf man sich, zumal das Oberhaus auch gegen die Schulvorlage protestiert, auf ernste Kämpfe zwischen den beiden Häusern des Parlaments gefaßt machen.
Zur Lage in Rußland.
Aus den baltischen Provinzen.
In den baltischen Provinzen herrscht nach wie vor der revolutionäre Terror, und sein Einfluß erstreckt sich nicht nur auf die lettischen Bauern und Arbeiter, sondern oft auch auf deutsche Kreise. So hat vor kurzem eine baltische Firma, die Holz ins Ausland exportiert, einem kurländischen Gutsbesitzer, von dem fie einen Teil seines Waldes kaufen wollte, brieflich mit- geteilt, sie sei zurzeit nicht in der Lage, ihr Versprechen einzulösen; die „Baltische Kampforganisation" habe an sämtliche Holzindustrielle ein Rundschreiben gerichtet, worin sie den Ankauf von Wald bei den Baronen und einigen Personen, die als „Spione" bezeichnet wurden, untersagt. Wer aber diesem Befehl nicht Folge leistet, soll „mit dem Tode bestraft" werden; außerdem soll sein Eigentum vernichtet werden. Es ist ein Beweis für die jämmerliche Schwäche der Regierungsgewalt in den Ostseeprovinzen, daß diese Drohungen tatsächlich so viel Eindruck mache, um die Holzhändler zur Befolgung der erteilten Befehle zu veranlassen. Aehnliche Fälle ereigneten sich beständig, der Eeneralgouverneur tut nichts, um seinen Anordnungen soweit Nachdruck zu geben, daß man an die ernste Absicht der Regierung glaubt, dem Umsturz energisch zu Leibe zu gehen. Das ist in diesem Falle um so befremdlicher, als die Revolutionäre bekanntlich schon im vergangenen »Herbste in erster Linie den Wald für sich, d. h. ihre Republik, in Anspruch nahmen. Rafft sich der Eeneralgouverneur Ssologub nicht endlich auf, so konnte es geschehen, daß der Umsturz wieder bald in den baltischen Provinzen zur Herrschaft gelangt. Auch im Petersburger Gouvernement sieht es schlimm genug aus. Die Brandstiftungen haben einen gewaltigen Umfang angenommen, ohne daß es gelingt, der Täter habhaft zu werden. Unter der
sucht nicht niederzwingen können, trotzdem war er ohne jede weitere Ueberlegung nach Landegg zurückgeeilt. Er wußte, daß sie ihm trotz mangelnder Liebe treu bleiben würde, aber schon allein der Gedanke, daß sie von Klaus Rodens bezwingender Gestalt und Wesen, seinem künstlerischen Geist angezogen werden könnte, trieb ihm das Blut heiß zum Herzen.
Zu gleicher Zeit war aber auch eine heiße Sehnsucht nach seinem schonen, liebreizenden Weibe in ihm aufgestiegen, und er hatte es kaum erwarten können, wieder daheim zu sein, fie wieder zu sehen und zu sprechen.
In dieser Stimmung war er in ihr Zimmer geeilt, aber ihr kühler Empfang hatte ihn niedergedrückt und seine eifersüchtigen Gefühle von neuem rege werden lassen. Er war jedoch gewohnt, sich zu beherrschen und hätte um alles in der Welt Elisabeth gegenüber seine Eifersucht nicht verraten mögen. Er gab sich also bei Tisch harmlos und heiter, und Elisabeth, von dem Wunsch beseelt, Beate keinen Einblick in ihre tiefinnersten Gefühle noch überhaupt in ihre Ehe zu gestatten, kam ihm hierin nur zu gern entgegen. Die Unterhaltung wurde somit eine anregende und fesselnde. Gras ßanbeggs Berichte über seinen Aufenthalt im Salzburgischen waren so lebendig, daß Elisabeth sich keinen Zwang anzutun brauchte, um ihm mit Aufmerksamkeit zuzuhören.
Erst nachdem Beate das Zimmer verlassen hatte, trat das alte kühle Verhältnis der beiden Gatten wieder zutage, und von keiner Seite wurde eine Annäherung gesucht.
Der folgende Tag verlief in gleicher Weise. Sie begegneten sich höflich, aber durchaus zeremoniell. Der Graf mußte sich in feiner Abwesenheit in der Tat geändert haben oder die Aenderung datierte von jenem Tage vor seiner Abreise her, wo er das verhängnisvolle Blatt aus Elisabeths Tagebuch fand. Er war merkwürdig ernst und wortkarg, verbrachte die meiste Zeit auf den Feldern oder im Walde und kam nut au den Mahlzeiten ins Schloß.
Bevölkerung hat infolgedessen eine förmliche Panik Platz gegriffen, und der Gouverneur wiH jetzt energisch einschreiten. Ob er es wirklich tut oder die Ankündigungen nur auf dem Papier bleiben, muß abgewartet werden.
Verschiedene Meldungen.
Kiew, 15. Okt. Gestern Abend wurde hier de» Kongreß des Verbandes russischer Leute eröfnet. Die Zahl der Teilnehmer beträgt 500. Daq Präsidium führen Redakteur Dringmut und Dr. Dubrowin. Der Kongreß richtete an den Kaiser ein Telegramm, in welchem er erklärt, daß dich Selbstherrschaft das einzige Unterpfand für bi» Festigkeit bes russischen Reiches unb für bar Wohlergehen bet Untertanen sei. In einen, Telegramm an ben Ministerpräsidenten Stoly, pin betont der Kongreß, die Einführung de» Standrechts und das Verbot der Beteiligung vor» Staatsbeamten an Parteien bet Opposition biene ben russischen Leuten zum Beweise, baß bei Präsibent bes Ministerrats ben Kamps gegen di Wirren energisch führen werde.
Odessa, 15. Okt. Heute wurden 200 politis. Verdächtige nach Sibirien befördert. Der von Kriegsgericht zu lebenslänglicher Zwangsarbest verurteilte Weiland hat sich im Augenblick ds Abfahrt des Zuges vergiftet.
Lodz, 15. Ott. Der Ausstand ist beendet. Di» Stadt hat ihr gewöhnliches Aussehen.
Deutsches Reich.
Berlin, 16. Oktober.
•— Seine Majestät der Kaiser, der die Nacht von Sonntag auf Montag im Sonderzug in Cronberg verbrachte, fuhr gestern morgen 5>{ Uhr nach Essen, wo er mittags 12 Uhr. 45 Min eintraf unb vom Admiral von Müller, Majotz von Ende und Frhrn. von Wilmowski empsan gen wurde. Am Portal der Villa Hügel be grüßten Frau Krupp und ihre jüngere Tochte» ben Monarchen. Nachdem der Kaiser das Braut paar begrüßt hatte, begann die Trauungsfeis in der Kapelle, die auf der Südterrasse de, Haupthauses für diese Feier errichtet wurde uni auch im nächsten Frühjahr für die Trauung ds jüngeren Tochter Krupps dienen soll. In bei Kapelle, die für 800 Personen Platz gewährt hatten sich vor ber Ankunft bes Kaisers bie Hoch zeitsgäste versammelt. Von ben Kruppsche, Werken waren anwesenb bie Mitglieder des Auf stchtsrates mit ihren Familien und die Mitglie der des Direktoriums mit ihren Eemahlinneq Als Vertreter bet Stabt Essen war Oberbiirgeq meister Holle geloben worden. Außer ben gela denen Gästen nahmen an bei Feier teil achtzehn Vertreter bet Arbeitet ber Eußstahlfabrik, zwöl Vertreter ber Arbeiter bet Hügelverwaltun^ unb bie Angestellten bes Hügels mit ihren Fa milienangehörigen. Die Trauung vollzog Past'» Greven aus Werben. Bei ber folgenben Tafs
Elisabeth fühlte sich vernachlässigt und unbt friedigt, sie, die bisher froh gewesen wat, seine Gesellschaft übethoben zu fein.
Sie sehnte sich nach Menschen, mit denen fi zwanglos plaudern konnte. Seit jenem Aus fing nach der Ruine Lauenstein hatte sie Edip Boyneburg und den kleinen Werner nicht wie dergesehen. Es drängte sie, zu den Freunden z, gehen; vielleicht kam sie dort auf andere, besser Gedanken.
Sie nahm Hut, Handschuhe unb Schirm un ging bie Treppe hinab. Im Vestibül trat ilß unerwartet Graf fianbegg entgegen. Et war in Reitanzug, hielt noch bie Reitgerte in ber Hans unb wat ganz bestaubt unb erhitzt.
„Wo willst bu hin, Elisabeth?" fragte e ganz ohnehin.
.Nach Boyneburg," entgegnete diese ebenst
Er zog die Brauen düster zusammen, und fest Gesicht rötete sich. . .
„Bitte, tritt einen Augenblick hier herernl erwiderte er mit merkwürdig veränderte Stimme und öffnete die Tüt zum Eßzimmer.
Elisabeth leistete seinem Wunsch erstaunt aber gehorsam Folge.
Nachdem sie eingetreten war und Gras Landen die Tüt hinter fich geschlossen hatte, wandte es sich zu Elisabeth, die ihn erwartungsvoll ansaj und bemerkte:
„Es wäre mit lieb, du unterließest heute bei neu Besuch auf Boyneburg."
„Warum?" fragte fie überrascht durch dies«, Ansinnen unb noch mehr burch ben einbringlichei Ton, in bem es vorgebracht war. ,
Ei sah sie fest unb burchbohrenb an. Seins stolzen Natur war es zuwiber, irgenb einen bei liebigen, unwahren Erunb, ber sich leicht finde» ließe, anzugeben.
„Ich wünsche es nicht, — das muß dir ge nügen," war seine kurze, unvorsichtige Antwort
Eine Sekunde starrte Elisrbeth ihn an, all habe sie nicht recht gehört. Dieser gebietens Ton wat ihr an dem Manne, der ihr bishH jeden Wunsch von den Augen abgelesen, der fitz