mit
und Kirchhain.
Jtl 242
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Marburg
Dienstag, 16. Oktober 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Strlag- Joh. Ang. Koch, UniverfitätS-Buchdruckerei 41. 91(11)1(1«
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Keuefte Telegramme.
Berlin, 14. Ott. Der Gouverneur v. Linde- Sguist ist nach der „Deutschen Tagesztg." nach Werlin berufen worden, um im Reichstage beim ^olonialetat namentlich die Frage der Ent- ffchädigung der südwestafrikanischen Farmer, die seine Petition an den Reichskanzler gerichtet shaben, zu vertreten.
j Berlin, 14. Ott. Der Zustand im Ovambo- jlande wird, wie die „D. Südwestafr. Zeitung" Meldet, als durchaus ruhig geschildert. Rechale, 'i»er uns nicht wohlgesinnte Häuptling, steht für .sich allein. Dem in seinem Gebiete wohnenden Mißionar untersagte er die Erweiterung seines Hauses, damit es nicht dazu diene, Deutsche aufzunehmen.
Köln, 13. Okt. Der „Köln. Zig." wird aus Newyork telegraphiert: Wie aus Havanna gemeldet wird, ist Charlos Magoon förmlich als -vorläufiger Gouverneur von Cuba anstelle Tafts eingesetzt, der heute mit Bacon nach Amerika abreist. Taft erklätte, wann die Neuwahlen stattfinden würden, hänge von den Cubanern selbst ab. Amerika wolle Cuba ebenso schnell wieder verlassen, wie die Cubancr es. Wünschen. Aus Washington verlautet, der Kongreß werde sich im Dezember mit der cuba- nischen Frage beschäftigen. Verschiedene Mitglieder des Kongresses sollen dahin wirken, daß die Unionsstaaten zukünftig größere Aufsicht Kber Cuba ausüben.
Magdeburg, 13. Okt. Bei der Landtags- ersatzwah! wurde Kammergerichtsrat Schiffer ((nationalliberal) mit 630 Stimmen wieder- gewählt. Ein Gegenkandidat war nicht ausgestellt.
Posen, 14. Okt. Heute wird von allen Kanzeln der Erzdiözese Enesen-Posen ein Rundschreiben des Erzbischofs Slablewski verlesen, worin der Erzbischof energisch betont, daß nur der in der Muttersprache den Kindern erteilte Religionsunterricht erfolgreich und zweckmäßig sei. (Wie lange noch wird man ruhig zusehen?)
Santiago de Chile, 13. Okt. Die Negierung brachte einen Gesetzentwurf ein Bett, den Wiederaufbau von Valparaiso, der die Enteignung der erforderlichen Grundstücke im Almendral- Stadtviertel, die Schaffung neuer Straßen und Plätze, die Ausführung hygienischer Arbeiten lund von Arbeiten gegen Ueberschwemmung vorsteht. Der Staat, die Gemeindeverwaltung Und die Eigentümer sollen die Kosten tragen. Der Entwurf erteilt der Regierung die Ermächtigung zur Aufnahme einer mit 4 Prozent verzinslichen und jährlich mit 10 Prozent amortisierbaren Anleihe. Zum Wiederaufbau der öffentlichen Gebäude sollen 2 Millionen Pesos verwandt werden.
44 (Nachdruck verboten.)
Zwei Frauen.
Roman von E. Borchart.
(Fortletzung.)
Dettingen bemerkte die Veränderung nicht. Er hatte sich abgewandt, ein tränenloses Schluchzen erschütterte seinen Körper. Erst nach Minuten wandte er sich jäh Elisabeth wieder zu und rief:
, Und wenn sie mich nicht wieder liebt, wenn sie mich von sich stößt? Ich ertrüge es nicht. Doch (nein!“ beruhigte er sich selbst, „das wird nicht {fein---sie wird mich auch lieben. Gräfin,
haben Sie Dank, tausendfachen Dank für alles, was Sie mir gesagt haben! Ich bin ein neuer Mensch geworden durch Ihre Reinheit und Güte, und des Himmels reichsten Segen flehe ich aus Ahr Haupt herab. Leben Sie wohl — ich werde Sie wiedersehen! Sagen Sie mir, ob Sie mir ein gutes Andenken bewahren wollen, oder ob Sie mich vergesien werden!"
„Nein, ich vergesie Sie nicht, Herr Oet- ingen," entgegnete Elisabeth einfach, ihre Hand n die seine legend. „Und wenn ich Sie wieder- ehe, so hoffe ich, in Ihren Augen das Glück euchten zu sehen."
„Das Glück," wiederholte Dettingen rote träumend. Dann preßte er seine Lippen aus Elisabeths Hand und wandte sich zum Gehen. Elisabeth blickte ihm gedankenvoll nach, rote et langsam, den linken Fuß nachschleppend, aber trotzdem kräftig vorwärts schritt, bis sich seine hohe, dunkle Gestalt in den Schatten der Edeltannen verlor.
Dann stieg ein Seufzer aus ihrer Brust, schwer und Bang, es war ihr so weh und beklommen zumute, daß sie hätte weinen mögen. Wat es Dettingens Geschichte, die sie so ergriffen hatte, oder wat ihr eigenes Leid wieder dabei
(Sozialdemokratie und Heer.
•fr Man schreibt uns: Unter dem Titel „Ein Wort an meine Kameraden" hat General von Loebell eine Schrift veröffentlicht (Berlin 1906. H. Walther.), die sich mit der Bekämpfung der Umsturzbewegung im deutschen Heere beschäftigt. Angesichts der großen Gefahr, die mit jedem Jahre wachsend, das Heer und den militärischen Geist der Truppen durch die immer stärker hineinflutende Sozialdemokratie bedroht, sucht der Verfasier nach Abwehr- mitteln. Diese finden sich in dem richtigen Auftreten der Vorgesetzten, der gerechten Behandlung der Untergebenen, in der Erziehung zu Dienstfreudigkeit, Hingebung, Vaterlandsliebe und Königstreue, mit einem Wort zu den idealen Aufgaben des Soldaten. An der Hand einer reichen Diensterfahrung wird das mili- 1 tärische Leben aufgerollt, die Einwirkung der s Umsturzpartei von frühester Jugend an auf den Heeresersatz nachgewiesen, andererseits gezeigt, wie Offiziere und Unteroffiziere dem entgegenwirken müßen, ohne in den Fehler zu verfallen, Politik zu treiben und politische Erörterungen in trö Kaserne zu verpflanzen. Es ist erfreulich zu lesen, welch vielseitige Einwirkung den Vorgesetzten ermöglicht ist, wie sie sich das Herz des Soldaten auf verschiedenem Wege erobern können, und wie dankbar diese für jedes Entgegenkommen wiederum sind. Viele nützliche Fingerzeige für richtige Behandlung der Mannschaft, sind hier gegeben und finden hoffentlich Anklang.
• Gewiß ist dem Verfasier Recht zu geben, daß trotz aller Verhetzung der Arbeiterklasie, der Friedensstand des Heeres heute noch unbedingt zuverläsiig und sicher ist. Nichtsdestoweniger erscheint es notwendig, den Offizier über das Wesen und die Entwickelung der Sozialdemokratie zu unterrichten und nicht die Vogel Strauß-Politik zu betreiben, rote bisher, wo selbst alte Offiziere a. D. der Politik so fern stehen, daß sie sich nicht einmal entschließen können, an den Wahlen teilzunehmen. Zum andern vermag niemand die Frage zu beantworten, rote sich die bei der Mobilmachung einderu- fenen Reservisten und Landwehrleute der Jn- dustrieBezirke verhalten werden, und wie die sozialdemokratische Agitation alsdann den militärischen Maßregeln entgegenroirlen wird. Für die Lösung dieses ProBlems fehlt alle Erfahrung. So lange die Regierungen sich nicht dazu aufraffen, wenigstens die Kriegervereine als Kampfmittel gegen die Sozialdemokratie von der Verseuchung frei zu halten, stehen die Aussichten für den Ernstfall sehr schlimm. Die Schrift des Generals v. Loebell wendet sich an die Armee, wird aber hoffentlich nicht nur in deren Kreisen, sondern auch unter allen Natio- nalgesinnten recht große Verbreitung finden. Sie erscheint sehr zeitgemäß.
Zur Lage in Rußland.
Das Blatt „Rossija" sagt bei Besprechung der Beziehungen der sozialen Schichten zu der Regierung, daß diese ihr Verhalten unter dem Einfluß keiner Partei in irgend einer Weise ändern werde. Sie habe ihr Programm öffentlich bekannt gegeben und zähle nun bei seiner Durchführung auf die Unterstützung aller derjenigen, welche die Bedeutung der Handlungsweise der Regierung ersasien könnten. Sicherlich habe die Regierung das Ziel im Auge, sich der Mitwirkung der großen sozialen Schichten zu versichern, aber sie wolle sich nicht dem Einfluß irgend einer politischen Partei unterwerfen.
Petersburg, 13. Okt. Aus dem Auslande sind gestern einige Anarchisten eingetroffen. Die Polizei, der ihre Ankunft bereits vorher gemeldet war, folgte ihnen bis in ihr Absteigeauartier und verhaftete sie dort. Unter den Verhafteten befindet sich auch ein ehemaliger Petersburger Student. Bei den Verhafteten wurde eine große Menge Sprengstoffe, darunter über 30 Pfund Dynamit gefunden.
Odesia, 13. Okt. Infolge des Ueberfalles des Dampfschiffes „Tzesarewitich" erhalten alle Dampfschiffe militärischen Schutz. Die Passagiere werden durchsucht und das Gepäck revidiert.
Riga, 13. Ott. In der Vorstadt wurde heute der Kassierer und ein Bureau-Angestellter einer hiesigen Gesellschaft von einer bewaffneten Bande überfallen. Beide wurden getötet, ebenso der Kutscher ihres Wagens. Den Räubern fielen von 20 000 Rubeln, die der Kassierer mit sich führte, nur 2000 in die Hände. Es gelang ihnen, zu entkommen.
Deutsche? Reich.
Berlin, 15. Oktober.
— Seine Majestät der Kaiser traf am gestrigen Sonntag Morgen 10 Uhr in Gelnhausen ein, wo ihm ein festlicher Empfang bereitet wurde. Der Kaiser nahm am Gottesdienst in der Marienkirche teil, die er später besichtigte und machte dann im Automobil eine Rundfahrt durch die Stadt, deren zahlreiche historische Sehenswürdigkeiten er in . Augenschein nahm. Dann erfolgte die Weiterfahrt nach Meerholz, wo der Kaiser an den Hochzeitsfeierlichkeiten der gräflich Jsenburgschen Familie teilnahm. Um 6 Uhr begab sich der Kaiser nach Cronberg, wo et in Schloß Friedrichshof übernachtete.
— Den Deutschen Reichstagsabgeordneten in Japan werden die höchsten Ehren zuteil. Die Studienkommisiion des deutschen Reichstags ist nämlich vom Kaiser und von der Kaiserin von Japan empfangen worden und folgte einer Einladung des Prinzen Arisugava zum Frühstück. Der deutsche Geschäftsträger, das japanische Parlament und Graf Jnouye gaben Feste, die Deutsch-Asiatische Gesellschaft veranstaltete nach einer Festsetzung einen Kommers. Die Kom-
wack' geworden?--Eine eigentümliche Emp
findung beherrschte sie: ihr war es, als ob das, was sie soeben gehört hatte, sie persönlich an- ginge, als wenn die Geschichte eng mit der ihrigen verknüpft wäre. Woher kam ihr die Sympathie für den fremden Mann mit seinem Lebensüberdruß und der doch so genialen Künstlerseele? — ,
Da knackte es ganz in ihrer Nähe im Unterholz. Sie wendete sich um und erblickte Beate, die mit eigentümlich verzerrtem Gesicht ganz in ihrer Nähe stand. r , ,,
„Wie kommst du hierher?" fragte Elisabeth sie erstaunt.
„Du bliebst so lange aus, Elisabeth — ich sorgte mich um dich--“
„Um mich?" Diese erstaunte Frage mußte Beate genugsam zeigen, wie wenig liebevolle Gefühle Elisabeth von ihr erwartete, doch sie beachtete es nicht. Ein lauernder Blick traf die junge Frau.
„Du hattest Gesellschaft? — Ich sah eben einen Herrn von dir fortgehen?" fragte Beate.
„Eben?" entgegnete Elisabeth erstaunt. War das nicht schon eine gute Weile her, seit Oet- tingen gegangen war? War Beate ihr vielleicht heimlich gefolgt und hatte sie beobachtet? — Das Blut der Empörung wallte heiß in ihr auf; aber sie bezwang sich und erwiderte ruhig:
„Ja, ich traf Herrn Dettingen zufällig im Park."
„Im Park von Landegg? — Wer ist dieser Herr Dettingen?"
Beates Art, Fragen zu stellen, reizte Elisabeth ja immer, heute aber unsagbar. Was wollte Beate eigentlich von ihr? Sie hatte nicht Übel Lust, zu schweigen, aber sie fühlte instinktiv, daß sie damit eine Unklugheit begehen würde.
„Dettingen ist ein Freund Voyneburgs und weilt dort zum Besuch," antwortete sie deshalb kurz.
„Du erzähltest mir nie davon."
„Ich wußte nicht, daß es dich besonders interessieren würde."
„Nein, es interessiert mich auch nicht," sagte Beate anscheinend gleichgültig, aber in ihren Augen lag ein Widerspruch.
Ziemlich schweigsam legten die beiden den Weg nach dem Schlöffe zurück, und ebenso schweigsam nahmen sie zusammen die Abendmahlzeit ein. Danach suchte jede ihr Zimmer auf.
Beate schrieb noch denselben Abend einen langen Brief an Herbert.
„Klaus Roden ist hier — ich sah ihn zufällig im Vark — er soll bei Boyneburg zum Besuch sein," ließ sie nebenher, wie absichtslos einfließen. Es bedurfte auch keiner weiteren Worte. Herbert wußte ja genau, daß Elisabeth viel auf Boyneburg verkehrte, und er konnte sich also zusammenreimen, was er wollte. Sie, Beate, hatte ja nichts gesagt, nichts behauptet, aber sie glaubte den Bruder zu kennen.
„Wehe dir, Elisabeth, was hast du mit Klaus Roden zu schaffen," zürnte Beate, „warum hast du verschwiegen, was zu wißen mir höchste Settg- keit gewesen wäre? Willst du dich zwischen ihn und mich drängen, wie einst jene andere? Ich haße jene — hüte auch du dich vor meinem Haß'." °
Beates Augen glänzten rote im Fieber; sie lag die halbe Nacht hindurch wach.
Den nächsten Morgen in aller Frühe mußte ein Bote den Brief zur nächsten Poststation bringen.
16. Kapitel.
Zwei Tage später saß Elisabeth mit Beate Beim Frühstück im Speisezimmer.
„HerBert kommt heute," bemertte Beate trocken, wie Beiläufig.
„HerBert kommt?" fragte Elisabeth, ihren Dhren nicht trauend.
„Sa, heute mit dem Zuge von Salzburg, der
Mission besuchte auch Yokohama und Kobe, wc die deutschen Vereine Festlichkeiten veranstalteten.
. — Zum Kapitel: Sozialdemokraten als Arbeitgeber wird aus Kottbus berichtet, daß das . Gehalt der Lagerhalterinnen des sozialdemokratischen Konsumvereins von 75 auf 60 M und das Gehalt für die Lehrmädchen von 25 auf 15
für den Monat herabgesetzt wurde, „weil der Verein sonst nicht bestehen könne". Der „Nieder- lausitzer Generalanzeiger" macht dazu folgend« charakteristische Bemerkung: „Derartige Lohn- verkümmerungen betreiben „Genoßen", die für sich in Krankenkassen einen Monatslohn von 300 cH. in Anspruch nehmen." — In der Königsberger „Hartungschen Zeitung" veröffentlicht« vor einiger Zeit ein gemaßregelter Genöße Enthüllungen über das Gebaren der sozialdemokratischen Arbeitgeber in der dortigen Drts« krankenkaße. Diese Enthüllungen waren den Genossen sehr unangenehm, und der Verfasser wurde deshalb von ihnen stark angegriffen« Daraufhin veröffentlichte er nunmehr Berichte über die Zusammenkünfte von sozialdemokratischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. In einem dieser Berichte heißt es u. a.: „So wurden in einer solchen Zusammenkunft tüchtige und gewißenhafte Beamte wohl an die dreißigma! „Stänker" genannt; „Lausekerle" und „Schufte" und ähnliche Lieblichkeiten folgten in fröhliche, Reihenfolge. Gegen einen Beamten wurde sogar der Vorwurf des „Diebstahls" erhoben? Di« Folge war, daß der so Beschimpfte sich selbst bei« Gericht wegen Diebstahls denunzierte, damit ihm seine volle Unschuld vom Gericht bestätig? würde. Und dieser Selbstdenunzniant ist einet der tüchtigsten Parteignoßen."
Deutsche Kossmeu.
Südwestafrika. Zu der Ueberführung von 2000 Hottentotten-Eefangenen von Windhuk nach der Haifisch-Insel bei Lüderitzbucht berichten die Windhuker Nachrichten: „Diese Leute, ehemalige Aufständische, waren seinerzeit nach Windhuk geschafft und hier als Arbeiter beschäftigt worden. Es hatte sich aber ergeben, daß Windhuk für diese unsichere 'Gesellschaft nicht der geeignete Platz war. Trotz sorgfältige, militärischer Bewachung hatten ftttwährend Entweichungen stattgefunden sowie mancherlei andere weit schlimmere Unzuträglichkeiten infolge des aufsässigen Benehmens dieser Leute. Schließlich lagen wahlberechtigte Gründe für dir Annahme vor, daß diese Hottentotten Reue über ihre seinerzeit erfolgte Unterwerfung empsan- den, und namentlich die drohende und mit zynischer Offenheit geführte Sprache ihres ehe- maligen Führers Cornelius ließ das Schlimmst« zunächst für Windhuk und bann für die ror'.er« Kriegführung befürchten. Die Entfernung de.
um ein Uhr auf der Station in Zeltern eintnfft. Um zwei Uhr wird er dann hier fein. erhielt soeben eine Karte, worin er mich um den Wagen Bittet u
Elisabeth war erblaßt. Er hielt es all» nicht für nötig, ihr, seiner Gattin, seine Ankunft zu melden, sondern er schrieb darüber an Beate. Diese Rücksichtslosigkeit erschien ihr so ungeheuerlich, daß sie sie kaum zu faßen vermochte. ^>e weniger sie diese Handlungsweise von ihm aoet begriff, desto mehr empörte sich ihr Stolz dagegen, und sie batte Mühe, vor Beate ihr Ee- kränttsein zu verbergen. Sie biß die Zähne am- einander, und schwieg sekundenlang, dann sprach sie mit der Schwägerin von anderen Dingen, die in keinem Zusammenhänge mit des Gatten Ankunft standen. Sobald es tunlich war, zog sich Elisabeth aber in ihr Zimmer zurück.
Hier dachte und grübelte sie über das seltsame Verhalten des Gatten nach. Er, der bisher die Höflichkeit und Rücksicht selbst gewesen war, mußte sich in der Zwischenzeit sehr verändert haben, daß er die natürlichste Höflickkeitssorm außer acht gelaßen hatte. Sie hatte gehofft, daß die Trennung eine Änderung zum Beßeren in ihr Verhältnis bringen würde, nun sah sie, daß sie sich getäuscht batte, ja, sie mußte fast fürchten, daß er mit nichts weniger als versöhnlichen Gefühlen heimkehrte. Er hatte ihr ja allerdings während seiner Abwesenheit ab und zu einen kurzen, höflichen Brief geschickt, aber niemals von seiner Rückkehr darin gesprochen. Nun kam er so plöblich und unerwartet, ohne ihr irgendwelche Mitteilung davon zu machen--Da»
ließ sie trübe und mutlos der Zukunft entgcgen- seben. In der letzten Zeit hatte sie sich oft aus dem Wunsche ertappt, „Ach wenn Herbert erst wieder daheim wäre!" Jetzt hatte sie seine Heimkehr hinausgeschieben mögen, oder sah ihr doch mit sehr gemischten Gefühlen entgegen.
(Fortsetzung folgt.)