Einzelbild herunterladen
 

mit dem KreisbLait Nr die Kreise Marburg und Kirchkain

Sonntaasbeilase: IllustrirLes

M 239

Birrteljährlicher Bezugspreis; btt der Expedition 2 b« allen Postämtern 2,25 Mk. «.excl. Bestellgeld).

ZnserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfg. Reklamen: die Zelle 30 Pfg.

I I m»Tuw - ... ,

Marburg

Rtettag, 12. Oktober 1906.

Erscheint wöchentNch sieben mal.

Druck und Verlage Joh. Aug. Koch, UnwcrsttätS-Buchdruckerei

Marburg, Markt 2L Telephon 55.

41. Jahrg.

Musste Telegramme.

Greifswald, 10. Okt. An Stelle des verstor- kenen Eeh. Oberregierungsrats v. Hausen ist nach derEreifsw. Ztg." der Landtagsabgeord- nete und frühere Redakteur derKreuzzeitung" Professor Dr. Jrmer, der bekanntlich jetzt wieder als Hilfsarbeiter ins Kultusministerium einge­treten ist, zum Kurator der hiesigen Universität ernannt worden.

Eraudenz, 10. Okt. Auf das vom Evange­lischen Bund an den Kaiser abgesandte Hul- digungstelegramm ist eine Antwort eingegan- tzen, in welcher der Kaiser für den treuen Grus Vnb Segenswunsch bestens danken läßt.

Newyork, 10. Okt. Aus Havanna wird ge- tncMt: Kriegssekretär Tast veröffentlicht eine ausgedehnte Amnestie. Die amerikanischen Truppen wurden angewiesen, nur im Falle ern­ster Unruhen einzuschreiten.

Washington, 10. Okt. Die Aufforderungen zu Angeboten den Bau des Panamakanals werden jetzt veröffentlicht. In dem Kontrakt ist vorgesehen, dass jeder Bieter unter Umständen den ganzen Bau des Kanals übernehmen muh. Die Abgabe von Angeboten ist nur auf Ameri- akner beschränkt. Jeder Bieter mutz ein Kapital von 5 Millionen Dollars nachweisen und 3 Mil­lionen Dollars Kaution stellen.

Die Neuregelung der Unterrichtszeit in den höheren Schulen

bildet den Gegenstand einer Eingabe an das preußische Kultusministerium, die von Mitglie­dern des Deutschen Hauptkomitees zur Vorberei­tung des 2. Internat. Schulhygiene -Kongresses (London 1907) soeben dem Kultusminister un­terbreitet worden ist. Wie uns Professor W. V i«t o r hier, der zu den Mitunterzeichnern der Petition gehört, freundlich mitteilt, wird der Minister ersucht, die nachstehenden Vorschläge in betreff der Unterrichtszeit und der häuslichen Arbeiten an den höheren Schulen wenigstens für ausgedehntere Versuche in geneigte Erwägung |u ziehen:

1. Verlegung des gesamten verbindlichen Unterrichts auf den Vormittag bei Einführung derKurzstunde" von 45 oder 40 Minuten.

2. Ermäßigung der häuslichen Arbeiten durch Verzicht auf schriftliche Hausaufgaben in den Unter- und Mittelklassen und durch deren Einschränkung in den Oberklassen.

3. Einführung eines Spielnachmittags mit Erlaß der häuslichen Arbeiten für den folgen­den Tag.

> Zur Begründung schließen sich die folgenden llusführungen an:

Zu 1. Die Zahl der Unterrichtsfächer und Unterrichtsstunden ist so groß, daß allein durch die verbindlichen Fächer einschl. des Turnens und

des Chorsingens die bei ungeteiltem Unterricht verfügbare Vormittagszeit von wöchentlich 30 Stunden um wöchentlich 56 Stunden über­schritten wird. Die Heranziehung des Nachmit­tags für diesen Ueberschutz beeinträchtigt wieder­um die für die wahlfreien Fächer nötige Zeit und bringt insbesondere in größeren Städten andere Mißstände mit sich. Eine Verminderung der Fächer- und Stundenzahl ist auf die Dauer kaum zu umgehen, ließe sich jedoch ohne tiefgrei­fende Veränderungen der Lehrpläne nicht durch­führen. Ein näher liegendes Mittel zur Ab­hilfe bietet sich in der sog. Kurzstunde, über de­rer. günstige Erfolge in der Beilage zum 38.

I Jahresbericht des Realgymnasiums mit Eym- nasialabteilung zu Karlsruhe (1906) Genaueres zu finden ist. In Stockholm wird in Kurzstun­den zu je 45 Min. mit drei Pausen zu je 15 und einer zu 30 Min. von 81 Uhr unterrichtet. Der noch kürzere 40 Minuten-Betrieb hat sich am Gymnasium zu Winterthur so gut bewährt, daß der Schulrat nach lf^,jähriger Erfahrung auf einstimmigen Wunsch der Lehrerschaft am 19. Januar d. I. gleichfalls einstimmig beschlossen hat, der Gemeindeversammlung Winterthur die endgilttge Einführung des 40 Minuten-Betrie- bes zu empfehlen. Als Vorzüge werden geringere Ermüdung, größere und gleichmäßigere Auf­merksamkeit und Sammlung, erhöhte Leistungs­fähigkeit und größere geistige Frische zumal in der 5. Vormittagsstunde (d. h. Kurzstunde) ge­nannt. Bei dieser Einrichtung ist es möglich, in der Zeit von 812 Uhr fünf Kurzstunden mit Pausen von durchschnittlich 10 Min. zu erteilen. Es würde somit einerseits der namentlich in Großstädten lästige frühe Beginn um 7 Uhr im Sommer vermieden, andererseits das Ende des verbindlichen Unterrichts einschlietzl. des Turnens und Singens in den Unterklassen bis 12 Uhr mittags, in den Mittel- und Oberklassen mit Benutzung der fünften Zeitstunde (12.1012.50) noch vor 1 Uhr herbeigeführt. Daß bei geringe­rem als dem jetzigen Zeitaufwand die vorgeschrie­bene Lehrziele zu erreichen sind, beweist übrigens auch der Umstand, daß die Zahl der wöchentlichen Vollstunden aller Klassen in den bayrischen Gymnasien (246) um etwa 50 hinter der der preußischen (295) zurückbleibt.

Zu 2. Bei der heutigen Verteilung des Unterrichts sind auch die Nachmittage durch ver­bindliche und wahlfreie Stunden dermaßen in Anspruch genommen, daß der Schüler oft erst um 5 oder 6 Uhr die Schule verläßt. Nach Abzug der für Schulwege und Mahlzeiten, Erholung und Selbstbetätigung erforderlichen Zeit bleiben im allgemeinen nur die Abendstunden für die häuslichen Arbeiten übrig. Dies mutz bei dem frühen Beginn des Unterrichts am Vormittag um so eher zur Ueberanstrengung durch Verkürz­ung des Schlafes führen, je mehr der Schüler der

freilich nur allzu gewöhnlichen Anwendung täu­schender Mittel bei der Anfertigung seiner häus­lichen Arbeiten widerstrebt. Gerade der gewissen­hafte Schüler läuft daher Gefahr, weniger vol­lendete häusliche Arbeiten aufzuweisen und int Unterricht in Frische und Leistungsfähigkeit zu­rückzustehen. Schon aus den angedeuteten Miß­ständen ergibt sich, daß auch durch Umfragen bei den Schülern die Einhaltung der vorgeschriebe­nen Maximalzeit bei den häuslichen Arbeiten nicht gewährleistet, und daß die Erziehung zum selbständigen Arbeiten durch die Hausaufgaben in der Mehrzahl der Fälle nicht erreicht wird. Es erscheint daher wünschenswert, ohne etwaige Vermehrung des Memoirstoffes in den Unter- und Mittelklassen auf schriftliche Hausarbeiten ganz zu verzichten und in den Oberklassen in mäßigem Umfange nur solche zuzulassen (freie Wiedergaben, Aufsätze usw.), deren Lösung die individuelle Betätigung des Schülers mit eini­ger Sicherheit erkennen läßt.

Zu 3. Es ist zu wünschen, daß die Schule den Zusammenhang mit der Pflege von Spiel und Sport, die zum Turnen mehr und mehr er­gänzend hinzutritt, nicht verliere. Als das ge­eignetste Mittel erscheint die Verallgemeinerung des Spielnachmittags, wie er an manchen Schu­len bereits eingeführt ist, mit Erlaß der häus­lichen Arbeiten für den folgenden Tag. Die zwei­stündige Spielzeit könnte auf die späten Nach­mittagsstunden (57 oder 68 Uhr) verlegt werden.

Die Unterzeichner der Eingabe, zu denen u. a. Prof. Dr. mcd. Baginsky, Vorsitzender des Ber­liner Vereins für Schulgesundheitspflege, Real­schuldirektor F. Dörr in Frankfurt a. M.-Vocken- Ijeitn, Professor E. von Esmarch in Göttingen, Oberbürgermeister Müller in Cassel, Eeh. Medi- zinalrat Dr. R. Wehmer, Vorsitzender des Deut­schen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege in Berlin, sowie eine ganze Reihe von Professo­ren, Schulmännern, Abgeordneten gehören, ver­sprechen sich von der Erfüllung ihrer Wünsche einen wichtigen Fortschritt zu gunsten der körper­lichen, geistigen und sittlichen Entwicklung un­serer Jugend.

Zur Regelung der Thronfolgefrage in Braunschweig.

Die gcgcnwätige Lage hat eine bedeutsam« Klärung erfahren durch die Beröffentlichung des Briefwechsels zwischen dem Kaiser itnd dem Her­zog von Cumberland, sowie zwischen dem letz­teren und dem Reichskanzler Fürsten Bülow.

Das Schreiben des Herzogs an den Kaiser, datiert Gmunden, 2. Oktober, lautet (nach Weglassung der Kurialien):

Die Resolution, welche die Landesversamm­lung des Herzogtums Braunschweig zur Neuord­

nung der Regierungsverhältnisse des Herzog­tums angenommen und das herzogliche Staats­ministerium mir zur Kenntnis gebracht hat, gibt mir Anlaß, an Eure kaiserliche und königliche Majestät mit einer freundlichen Bitte mich zu wenden. Es ist mein Wunsch, eine endgültige Ordnung der Regierungsverhältnisse int Herzog­tum Braunschweig auf dem Wege herbeigeführt zu sehen, daß ich und mein ältester Sohn Prinz Georg Wilhelm unsere Rechte auf die Regierung int Herzogtum auf meinen jüngsten, nach braun­schweigischem Hausgesetz volljährigen Sohn, Prinzen August Ernst übertragen, und daß die­ser als Herzog die Regierung übernehme. Mir und meinem ältesten Sohne, sowie dessen Des« zedenz würde die Sukzession in Braunschweig für den Fall vorbehalten bleiben, daß die Linie meines jüngsten Sohnes erlöschen sollte. Die Verzichtleistung auf den braunschweigischen Thron würden ich und mein ältester Sohn aus« sprechen, sobald die Gewißheit besteht, daß der Regierungsübernahme meines jüngsten Sohnes keine Hindernisse entgegenstehen.

Diese meine Absicht und meinen Wunsch bitte ich dem allergnädigsten Wohlwollen Eurer kaiserlichen und königlichen Majestät empfehlen zu dürfen."

Die Antwort des Kaisers, von Ro- minten am 6. Oktober geschrieben, besagt:

Euer königlichen Hoheit Sckreiben vom 2./10. habe ich zu erhalten die Ehre gehabt. Die Regierung von Braunschweig ist durch Bundesratsbeschluß vom 2./7. 85 in der nach Lage durch die Interessen des Reiches gebote­nen Weise geregelt. Als berufener Hüter die­ser Interessen muß ich Anstand nehmen zur Neuregelung die Hand zu bieten, solange di« Sach- und Rechtslage, die zum gedachten Bun- desratsbeschluß gefübrt fiat, unverändert fort« bestefit. Der Inhalt von Eurer königlichen Hoheit Schreiben bietet aber keinen Grund, diese Lage als verändert anzusefien. Ich seh« mich daher außer Stande, der mir von Eurer königlichen Hofieit ausgesprochenen Bitt­näherzutreten. Eurer königlichen Hoheit bitte ich. die Versicherung der ausgezeichnetsten Hoch­achtung entgegenzunehmen, womit ich bin Eurer königlichen Hofieit freundlicher, er« gefioner Vetter, gez. Wilhelm II. R."

Aehnlichen Inhalt wie die vorstehenden Schreiben hat der Briefwechsel zwischen dem Herzog und dem Reichskanzler. Der Herzog von Cumberland hat also in den letzten Tagen, viel­leicht infolge des deutlichen Hinweises der Welfenpartei. einen Versuch unternommen, eine Lösung der Frage zu ermöglichen. Daß die An­erbietungen des Herzogs abgelehnt wsrdsn sind, ist erklärlich. Sie erfüllen nicht die Bedingung, die Preußen stellen muß: den absoluten Verzicht auf Hannover, die bedingungslose Anerkennung der historischen Tatsachen durch die cumberlän« dische Familie. Ob der Herzog von Cumberland nun noch weitere Anerbietungen machen wird ist zweifelhaft, vielleicht kommt aber doch noch Einigung zustande.

41 (Nachdruck verboten.),

Zwei Frauen.

Roman von E. Borchart.

(Sortierung.)

- Finster brütend ging er neben der jungen Frau, die wieder umgekehrt war, her. Da kam Werner gelaufen, einen großen Blumenstrauß in der Hand. Elisabeth empfing das jauchzende Kind mit beiden Armen, kniete vor ihm nieder Und ließ sich willig von den kleinen Händchen -schmücken. Dettingen sah diesem lieblichen Bilde bitter lächelnd zu. Der kleine Schelm hatte es -leichter als er, und früher brauchte er doch nur die Hand auszustrecken, um alles zu erreichen, was er wollte und wünschte. Lag es daran, daß er ein Krüpepl war, und hatte er seine Macht über die Frauen verloren?--

Dieser Gedanke marterte und stachelte ihn. Er mutz und will um jeden Preis siegen, siegen nur in diesem Fall, nicht etwa aus männlicher Eitelkeit, sondern nur als Hilfsmittel für seinen Plan.Und dann," stöhnt er,dann sind wir miteinander quitt wir beide, ich und du, der mir das Teuerste nahm, was ich besaß. Auge um Auge, Zahn um Zahn jetzt raube ich dir das Vertrauen derjenigen, die dir das Liebste fein muß und deinem Herzen die Nächste."

Da erscheint das Ehepaar Voyneburg soeben an der Waldecke und wird von Werner jubelnd begrüßt. Dettingen rafft sich auf und tritt den Freunden entgegen. Edith ist hocherfreut, daß Elisabeths Unfall so schnell beseitigt ist, und man entschließt sich, noch einen Imbiß in der nahen Waldschenke einzunehmen. Die beiden Männer gehen voraus, Edith aber zieht die Freundin bei­seite und flüstert ihr ins Dhr:Wie hast du dich Mit Dettingen unterhalten? Ich sage dir, Man würde dich beneiden, wenn man wüßte, daß Pu heute in Klaus Rodens Gesellschaft eine ktunde im Walde verbracht hast."

Elisabeth lachte nur und suchte Edith auf ein anders Gespräch zu bringen. Später, als sie alle zusammen saßen, war Dettingen ziemlich still und seine Augen ruhten ost verstohlen und prü­fend auf der jungen Gräfin von Landegg. Nach einer Stunde fuhren sie heim, wie vorhin, Graf Boyneburg und Dettingen im Jagdwagen, und Edith brachte Elisabeth zurück nach Landegg. Diesmal fuhr Werner mit den Damen.

Elisabeth, komm doch morgen auch zu uns nach Boyneburg, ich bitte dich darum," sagte Edith, als der Wagen vor Schloß Landegg hielt und Elisabeth aussteigen wollte.

Sei nicht böse, Edith, aber mein Fuß schmerzt doch noch immer, so daß ich mich doch noch einige Tage schonen und mich ganz still in meinem Zimmer verhalten mutz. Habe vielen Dank, Edith." Sie küßte Werner und stteg aus.

15. Kapitel.

Elisabeths Unfall ist nach einigen Tagen voll­ständig vergessen, aber sie geht dennoch nicht nach Boyneburg. Sie macht nur Spaziergänge in den Park, aber auch nicht so weif ausgedehnte, wie bisher.

Herbert hat heute geschrieben, wie schon einige Male, wenige kühle Zeilen, daß er gesund sei, viel zu tun und zu ordnen habe und daß er vor­läufig noch nicht zurückkommen könne. Kein liebes Wort, keine Sehnsucht nach seinem jungen Weibe steht in dem Briefe. Höflich fragt er nach ihrem Befinden, erkundigt sich nach diesem und jenem, und Elisebeth antwortet ihm darauf ebenso knapp und sachlich. Als sie heute seine mit klarer, "schöner Mänerhandschrift geschrie­benen Zeilen liest, treten ihr die Tränen in die Augen. Aber sie trocknet sie heftig, birgt den Brief in ihre Tasche und geht hinaus in den Park.

Es ist ein herrlicher, sonniger Julinachmittag. Uefier dem Pari liegt eine tiefe Ruhe ausge­

breitet. Nur Vogelgezwitscher unterbricht die Stille und bann und wann ein sanfter Wind, der dieWipsel der uralten Bäume leise rauschen läßt. Wie ein Murmeln und Erzählen klingt es, wie ein Austauschen alter Erinneruigen.

Träumend geht Elisabeth den Vuchengang hinaus, der nach dem Landegger See führt. Horch was ist das? Welche Töne klingen plötz­lich an ihr Dhr? Lauschend, mit vorgebeugtem Dberkörper, bleibt sie stehen.

Das ist kein Vogel, kein Instrument, eine Menschenstimme ist's.

Schnell schreitet sie weiter, dem Klange nach, und nun vernimmt sie deutlich Ton für Ton. Sie erkennt eine Männerstimme, deren seltener Wohllaut und seltene Kraft mächtig und ergrei­fend von den Felswänden widerhallt.

So sei bedankt, mein holder Schwan."

Ganz berauscht von diesen Tönen, horcht Elisabeth atemlos. Sie ahnt es nur einer kann so- fingen, aber wie kommt dieser eine hier­her, in den Park von Landegg?

Nun ist der letzte Ton verhallt und nur wie ein Nachklang kommt es von den Bergen herüber.

Da hält es Elisabeth nicht länger, sie tritt hinter dem schützenden Gebüsch hervor und steht Klaus Dettingen an den Stamm einer Buche ge­lehnt.

Herr Dettingen! ruft sie, noch ganz hinge­rissen und begeistert von dem Gesänge.

Da wendet er sich jäh ihr zu, und wie Triumph blitzt es in seinen schönen Augen:

Gräfin Landegg-----"

Er streckt ihr beide Hände entgegen. Elisa­beths Gedanken sind nur bei dem soeben ver­nommenen Gesänge, und in ihrer Begeisterung fühlt sie noch immer die herrlichen Klänge durch ihre Seele ziehen.

Ich habe Sie fingen hören, ich habe Sie be­lauscht, und nun kann ich es nicht mehr begrei­fen, daß Sie sich verschließen von der Welt, daß

1 'ÜL--- .. .... _>

Sie es niemand gönnen, Ihrer Stimme zu lau­schen," sagt sie ganz erregt.

Hahaha!" Er lacht auf.Niemand gönnt! ich es, sagen Sie? Habe ich nicht eben für Sie gesungen, für Sie ganz allein?"

Für mich?" fragt sie erstaunt.Sie wußten doch nicht, daß ich im Park sein würde?"

Ich wußte es nicht, nein, aber ich ahnte uni hoffte es. Gräfin, Sie fragen mich nicht einmal, wie ich hierher in den Landegger Park, Ihr Eigentum, gekommen bin und warum?"

Nun, warum?"

Weil weil nun, weil ich hoffte, Sie hier zu finden. Sie endlich einmal wiederzusehen und zu sprechen. Ich ertrug es nicht länger, ich . .

Er hält plötzlich inne und tritt einen Schrill zurück.

Elisabeth hat ihn so groß und verständnislos angesehen, so voll herber Hoheit und Unnahbar­keit, daß er sich erschüttert abwendet und beide Hände vor fein Gesicht schlägt.

D, mein Gott, ich vermag es nicht! darf nicht mitleiden unter meinem Hatz und mei­ner Rache! stöhnt er ich darf ihren Frieden nicht stören!

Elisabeth sieht ihn noch immer erstaunt an und weiß nicht, was sie von seinem merkwürdig befremdenden Gebühren denken soll. Da hat et sich auch schon gefaßt. Sein Gesicht ist bleich, aber seine Augen blicken sie ruhig und leiben» schaftlos an:

Ich wollte Ihnen . ., Lebewohl sagen," preßte er mühsam hervor.

So wollen Sie jetzt schon abreisen? fragt sie verwundert.Sie hatten doch die Absicht, länger zu bleiben?"

Ja, aber ich habe fie nicht mehr, gibt er dumpf zur Antwort.

(Fortsetzung folgt.)