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Mer-FamMenhäuf«, MarstaS- tmb Wachtge- bäude. Die Kaiserin mit der Prinzessin Viktoria Luise war bereits nachmittags 3 Uhr angekom­men und von Landrat. von Etzdorf am Bahnhof empfangen worden, wo auch die Gutsarbeiter, die Beamten, Schüler und Förster fetale zehn paare in alter Landestracht Aufstellung genom» men hatten.

Ueber die Aufgaben be* Reichstags wird sffiziös geschrieben: Daß der Versuch gemacht werden wird, den Reichshaushaltsetatsentwurf für 1907 in den fünf Wochen fettig zu stellen, die etwa noch bis zum Wiederbeginn der Reichstags­tagung übrig find, ist sicher; ob der Versuch ge­lingen wird, ist ungewiß. Selbst wenn aber die den größten Teil des Tagungsabschnittes in An­spruch nehmende Vorlage nicht gleich nach Wie­deraufnahme der Sitzungen dem Reichstage zu- gestellt werden kann, wird dieser nicht um De- ratungsstoff in Verlegenheit sein, da er eine ganze Anzahl von Vorlagen aus dem vottgen Tagungsabschnitt übernimmt. So hat er noch die zweiten und gegebenenfalls die dritten Be­ratungen zu erledigen über das Automobil« und das Vogelschutzgesetz, über die Novelle zum Schutz­truppengesetz, über das Hilfskaffengesetz, die No­velle zum Unterstützungswohnfitzgesetz, den Be­fähigungsnachweis im Baugewerbe, die Matz- und Eewichtsordnung, das Gesetz über das Ur­heberrecht an Werken der bildenden Kunst und Photographie sowie über den Versicherungsver­trag. Eine Vorlage, und zwar die über die Neu- konttngentterung der Branntweinerzeugung, ist überhaupt noch nicht in Beratung genommen. Die Regierung hatte sie kurz vor Toresschloß le­diglich zu dem Zwecke eingebracht, damit ihre Absichten auf diesem Gebiete bekannt und die ihr nötig erscheinenden Wirkungen gezeitigt würden. Man wird zugeben müffen, daß schon in diesem Material ein ganz beachtenswertes Pensum steckt. Dazu kommt, daß der Bundesrat jederzeit in der Lage ist, die bereits von ihm fer- tiggestellten Entwürfe über die Verleihung der Rechtsfähigkeit an die Verufsvereine, über die Sicherung der Bauhandwerkerforderungen sowie die Novelle zum Börsengeseh an den Reichstag zu bringen. Um Beratungsmaterial würde dem­gemäß der Reichstag nicht in Verlegenheit sein, auch wenn der Reichshaushalt für 1907 ihm nicht gleich beim Wiederbeginn seiner Sitzungen würde zugestellt werden können.

Ausland.

Japan. Der japanische Außenhandel in der ersten Hälfte des laufenden Jahres ist zwar dem Gesamtwerte nach gegen den im gleichen Zeit­abschnitt des Jahres 1905 etwas zurückgeblieben, hat aber die Handelsbilanz zu Gunsten der wirt­schaftlichen Lage des Jnselreiches verschoben. Dei lleberschuß der Einfuhr über die Ausfuhr, der im ersten Halbjahr 1905 rund 285 Millionen Mark betragen hatte, ist auf 92 Millionen Mark gesunken, und zwar ist dies günstige Ergebnis durch eine Zunahme der Exporte um 67 Mill. Mark und eine Abnahme der Importe um 126 Millionen Mark herbeigeführt. An der Vermeh­rung der Ausfuhr sind fast alle Industriezweige beteiligt. Japans Außenhandel erstreckt sich rm wesentlichen auf die Vereinigten Staaten, China Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Korea. Die Reihenfolge der Staaten kennzeich­net zugleich die verschiedene Höhe ihres kommer- nellen Verkehrs mit Japan. In der ersten Hälfte des laufenden Jahres hat die nordamerikanische Union von Japan gekauft für 95 Millionen Matt und an Japan vettauft für 75 Millionen Mark. Im Jahre 1905 (erste Hälfte) betrugen die im japanisch-amettkanischen Verkehre umge­setzten Werte 80 bezw. 130 Millionen Matt, dem Gesamtwerte nach um 40 Millionen Matt mehr, aber der Absatz amerikanischer Waren in Japan ist von 130 auf 75 Millionen Mark zurückgegan­gen, dagegen der Bezug japanischer Erzeugniffe seitens der Union von 80 auf 95 Millionen Marl gestiegen. Auch der englisch-japanische Handel hat sich zum Vorteil Japans verändert. Eng­land kaufte von Japan für 20 Millionen Marl gegen 14 Millionen Mark im Vorjahre und ver­kaufte an Japan für 100 Millionen gegen 135 Millionen Mark im ersten Halbjahr 1905. Der Gesamtwert des englisch-japanischen Handels ist also von rund 150 Millionen Mark auf 120 Mil­lionen Matt gesunken, wobei ausschließlich Eng­land den Verlust zu tragen hatte. Der deutsch­japanische Handel hat sich mit rund 50 Millionen Mark in beiden Zeitabschnitten auf gleicher Höhe zehalten. Frankreich und China, besonders das letztere, haben ihren Handel mit Japan mehr oder weniger ausdehnen können. Endlich ha^ sich insofern ein bemerkenswerter Wechsel gegen das Vorjahr vollzogen, als der englische Handel lm japanischen Außenverkehr vom zweiten auf den dritten Platz herabgedrückt worden ist. Im laufenden Jahre ringen die Vereinigten Staa­ten und China mit 170 bezw. 166 Millionen Matt Handelswerte um den Vorrang; England steht mit 120 Millionen Matt erst an dtttter Stelle. Da der japanisch-chinesische Handel ebenso sehr gestiegen ist, wie der japanisch-amerikanische Handel abgenommen hat, ist zu erwarten, daß in dem kommerziellen Wettkampfe der Vereinigten Staaten und Chinas um die japanischen Mattte und Aufträge der letztere Staat den Sieg behal­ten wird.

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Jahresfest oes Hessen-Casseler Hauptvereins des Evangelischen Bundes.

In dem lieblich gelegenen Weserstädtchen Kattshafen beging am 30. September und 1. Oktober d. I. der Hessen-Casseler Hauptverein des Evangelischen Bundes unter zahlreicher Be­teiligung seiner Zweigvereine und der Ein­wohner Karlshafens sein Jahressest. Alle hes­sischen Gaue hatten ihre Vettreter zu dem Feste -ntsandt. Am Eingang der Stadt war eine reich mit Laubgewinden und Wappen geschmückte

Ehrenpforte errichtet. Die Straßen prangten fm Flaggenschmuck, und von der Bürgerschaft war alles aufgeboten, den Gästen einen ehrenvollen Empfang zu bereiten und ihnen den Aufenthalt in der Stadt und Umgebung so angenehm rote möglich zu gestalten. Um 11 Uhr vormittags wurde das Fest mit zwei Gottesdiensten einge­leitet, von denen der in Karlshafen, der andere in Helmarshausen stattfand. In Karlshafen predigte Pfarrer Stein aus Caffel über Gal. 6, V. 1 und 13; in Helmarshausen Pfarrer Wolff von Wehlheiden über 1. Cor. 16, V. 13. Beide Gotteshäuser hatten Festschmuck angelegt, und beide Gottesdienste erhielten durch die Mitwir­kung der dort bestehenden Gesangvereine eine besondere Weihe. Abends 6 Uhr sand dann im Kurhaussaale zu Karlshafen unter außer­ordentlich reger Beteiligung der Einroohner- schaft die öffentliche Festversammlung statt, bei der auch die beiden GesangvereineQuartett" und .Liedertafel" durch Vottrag verschiedener Chorgesänge die Hörer erfreuten. Der große Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Nach einem gmeinsamen Gesänge ergriff der Vor­sitzende, Oberlehrer Hoffmann aus Caffel, das Wott zur Begrüßungsansprache. Er schloß mit der Losung, wie sie der Präsident des preußischen Oberkirchenrates, Exzellenz Voigt, vor kurzem ausgesprochen hat:Das Bewußtsein, unver- Sußerliche große gemeinsame Güter zu besitzen, und die Erkenntnis, daß große gemeinsame Jn- tereffen uns Zusammenhalten, knüpft treulich das Einheitsvand um alle evangelischen Deut­schen, das wir halten und festigen wollen in evangelischer Treue, evangelischer Wachsamkeit und evangelischem Gemeinsinn."

Nachdem Pfarrer Noll (Karlshafen) im Namen des Karlshafener und Helmarshäuser Zweigvereins und Kaufmann Bernhard Schäfer als Vertreter des Bürgermeisters im Namen der Stadt Karlshafen die Versammlung in warmen Worten begrüßt hatten, hielt Generalsekretär Hüttenrauch aus Halle die Festrede über die Losung des Evangelischen BundesMit Schwert und Kelle."

Landgerichtsrat Vüff aus Caffel sprach über dieLos von Rom-Bewegung" in Oesterreich. Eine Bewegung rote diese verdiene die tatkräf­tige Unterstützung seitens des Evangelischen Bundes. Namentlich wir Heffen, die unter frommen Landgrafen in 30jähriger Kriegsnot die Gefahren der Eegenreformatton glücklich überstanden und die Freiheit des Evangeliums In unsere Zeit hindurchgerettet hätten, seien verpflichtet, den evangelischen Glaubensbrüdern in Oesterreich jetzt beizustehen. Mit einem kräf­tigen Wort von Ernst Moritz Arndt schloß Red­ner unter allgemeinem lebhaften Beifall seine von religiösem Ernst und patriotischer Begeiste­rung getragenen Ausführungen.

Ein kurzes, aber packendes Schlußwott sprach dann Profeffor Steyer (Caffel). Er dankte zu­nächst im Namen des Hauptvorstandes den Fest­predigern und Festrednern, den Dirigenten und den Mitgliedern desQuartetts" und bet Liedertafel", allen denen, die mit emsigem Fleiß das Fest vorbereitet, besonders auch den Ein­wohnern Karlshafens, die in so entzückender Weise ihr herrliches Städtchen und die Versamm­lungsräume geschmückt hatten, vor allem aber auch für den überaus zahlreichen Besuch aller Festveranstaltungen. Er schloß mit einem ein­dringlichen Appell, rüstig mitzuhelfen am Aus­bau der Sache des Evangelischen Bundes und Luther mit seinem unerschütterlichem Glauben und Heldenmut, aber auch mit seiner nie ver­sagenden Liebe sich zum Vorbild zu nehmen.

Mit dem Gesang des Lutherliedes schloß gegen 10 Uhr die öffentliche Versammlung.

Am anderen Morgen fanden von 9 bis 1 Uhr die geschäftlichen Beratungen des Vorstandes des Hauptvereins und der Abgeordneten der Zweigvereine statt. Wie aus dem hierbei er­statteten Eeschästsbettcht hervorgeht, hat die Sache des Evangelischen Bundes wieder er- fteuliche Fortschritte gemacht. Die Zahl der hes­sischen Zweigvereine ist in dem abgelaufenen Ge­schäftsjahr von 21 auf 33 gestiegen und die Mit­gliederzahl auf rund 6000. Die Zweigvereine waren durch etwa 40 Abgeordnete vertreten. Im Mittelpunkte der sehr lebhaften Aussprache stand die Frage, wieweit sich der Evangelische Bund politisch betätigen und auf welchem Wege et Einfluß auf die Polittk, insbesondere auf die Reichstags- und Landtagswahlen zu gewinnen K muffe. Generafekretär Hüttenrauch gab lern auf langjährige Erfahrung gegründe­ten ReferatAus der Praris für die Praxis" sehr dankenswerte Winke für eine erfolgreiche Werbung neuer Mitglieder, und für einen wei­teren Ausbau der Organifatton. Erwähnt fei noch, daß für den Hauptverein neue Statuten beschlossen wurden. Für das hessische Diakoniffen- haus wurden wieder 100 Mark bewilligt, für die ^Los von Rom-Bewegung" 200 Mark und für die Lutherkirche in Rom 50 Mark. Zum Vor­sitzenden wurde wieder Oberlehrer Hoffmann Mim Schriftführer Oberlehrer Krüdener und zum Kassierer Geheimer Baurat Vockrodt in Caffe gewählt. Außerdem überbrachte Amtsgerichts- rat Thomaszik von Schmalkalden im Namen des dortigen Zweigvereins eine Einladung für das nächste Jahr, die einstimmig und freudig ange­nommen wurde.

Hessen-Nassau und Nachbargebiete.

Caffel, 4. Ott. In einem hiesigen Lokale saßen, rote dieAllg. Ztg." berichtet, am Mitt­woch Abend mehrere Herren von hier beratend um eine langen Tisch gereiht, als plötzlich durch das offenstehende Fenster ein ziemlich großer Zylinder aus Blech auf den Tisch geschleudert wurde, der dann mit lautem Gepolter auf den Fußboden ausschlua, und noch eine Weile im Raume herumkugelte. Starr vor Schreck hatten die Gäste einen Augenblick gesessen, nachdem der Blechzylinder auf den Tisch aufgeschlagen. Plötz­lich aber ertönte der Echreckensruf:Eine Bombe!" und nun spielte sich eine Szene ab, die im allgemeinen an das bekannte Bildder Löwe kommt" erinnert. Im wilden Durchein­ander stürmten die Gäste nach der einen aus dem Eemaq führenden Ture, die im Augenblick sv vollgestopft von Flüchtlingen war, daß keiner

aus dem Gewirre sich loszumachen vermochte. Dabei schlugen die Geängsteten in wahnsinniger Angst derart aufeinander mit Fäusten los, daß fast jeder einen sichtbaren Denkzettel an den Moment des Schreckens im Gesicht aufzuweifen batte. Erst allmählich kehrte man beschämt in das Gemach zurück, als der einzige, der in bem Raume zurückgeblieben war, lachend verkündete, daß das Gefäß nur mit Blumenerde gefühlt fei.

Caffel, 6. Okt. Die 13. Allgemeine Aus­stellung, 10. Junggeflügelschau, des Vereins für Geflügel- und Vogelzucht in Caffel wurde am Sonntag Vormittag 11 Uhr im großen Saale des Arbeiter-Fortbildungsvereins durch den Vorsitzenden des ausstellenden Vereins, Herrn Zimmermann, eröffnet.

Caffel, 7. Okt. Eine Liebestragödie spiette sich am Sonntag Abend in einem Hause der Or- leansstraße ab. Der Kaufmann Trespe ver­suchte seine Braut, die das Verlöbnis aufgehoben hatte, mittelst Dolchstichen zu töten und als auf den Hilferuf Leute herbeieilten, tötete er sich durch zwei SchLffe.

Dörnhagen, 5. Ott. Heute Mittag entstand bei dem Landwirt I. Wagner ein großer Brand. Die Scheuer, sowie das Wohnhaus wurden voll­ständig eingeäfchert. Das Feuer soll durch Spie­len der Kinder mit Streichhölzern entstanden sein.

Gelnhausen, 5. Ott. Bürgermeister Lehmann in Wenigenjena, der in Gelnhausen zum Bür­germeister gewählt worden war, tritt von dieser Wahl wieder zurück, da der Eemeinderat von Wenigenjena ihm eine Gehaltsaufbesserung und Pensionsberechtigung gewährte.

Hanau, 5. Okt. An dem Neubau der Firma Kihn, Kunstmühle zu Michelbach im Karltal, ist am Mittwoch infolge Sturmes das Dachbalken­wett eingestürzt. Den Tod fand dabei nach dem Hanauer Anz." der 14jährige Arbeiter A. Roll- mann von Thal. Schwerverletzt wurde der Ar­beiter H. Kolb von Sickenhofen bei Babenhausen und der Arbeiter I. Ritter von Dieburg. Die Fortsetzung der Bauarbeiten wurde vorerst be­hördlich untersagt.

Heiligenstadt, 3. Ott. Eine lebhafte Agita- tton zur Erlangung einer Realschule in Anglie­derung an das bestehende Gymnasium hat hier eingesetzt. Die hiesigen Vereine haben eine ge­meinschaftliche Petition an die Regierung zu Erfurt und an das Provinzial-Schulkollegium zu Magdeburg abgesandt.

(göttingen, 5. Okt. In der Zuckerfabrik Obernjesa wurden durch Ueberkochen des Saft- keffels drei Arbeiter verbrüht; zwei sind bereits in der Klinik gestorben.

Wiesbaden, 6. Okt. Unter der Anklage des Gattenmordes stano der 32 Jahre alte Arbeiter Adolf Heß von hier, geboren zu Bierstadt, vor dem Schwurgericht. Die Familie befand sich in sehr mißlichen Verhältnissen. Als sich das Ehe­paar eines Abends in der Nähe von Ried be­fand, äußerte die Frau den Wunsch, daß sie beide aus dem Leben scheiden, womit Heß einverstän­den gewesen fein will. Die Frau stürzte sich dann in einen Wassergraben, und Heß hielt auf ihr Verlangen ihren Kopf unter Wasser, bis er glaubte, daß sie tot sei. Am anderen Morgen ging er auf ein Polizeirevier in Wiesbaden, wo er so wirre Reden führte, daß man ihn alsGeistes- kranken in das städtische Krankenhaus brachte. Hier routbe et, als man die Leiche seiner Frau gefunden hatte, verhaftet. Nachdem die Zweifel in seine Zurechnungsfähigkeit behoben waren, erfolgte die gerichtliche Verhandlung gegen ihn. Da die Geschworenen feiner Darstellung glaub­ten und die Tat als nicht mit Ueberlegung aus­geführt anfahen, kam et mit vier Iahten Ge­fängnis davon.

Aus Heffe«, 6. Okt. DieHessischen Schul- blätter" bringen über den Lehrermangel in Hes­sen statistisches Material aus den letzten fünf Jahren und fügen hinzu: Am ungünstigsten stelle sich das Verhältnis im laufenden Schul­jahr 1906/07. Sowohl die Gesamtzahl der Zög­linge an den drei Seminaren, als besonders auch die Zahl der katholischen Zöglinge ist zurückge- Stgen. Sie beträgt 454 bezw. 112, gegen das rjahr 14 bezw. 16 weniger. Abhilfe tue drin­gend not; hoffentlich werden man sich in den maßgebenden Kreisen der Einsicht nicht ver­schließen,daß zur Abbestellung des Lehrer­mangels vor allem eine zeitgemäße Erhöhung der Lehrergehälter notwendig ist. "

r. Gießen, 8. Okt. Gestern fand hierfelbst im Caf6 Ebel eine Konferenz von Votstands- öertretern einer Anzahl Ortskrankenkassen bet Provinz Hessen-Nassau statt, um über eine Aus­dehnung bet Freien Vereinigung von Orts­krankenkassen im Regierungsbezirk Wiesbaden auf den Bezirk der Landesversicherungsanstalt Hessen-Nassau zu beraten. Es waren hierzu an 40 Ortskrankenkassen Einladungen durch die ge­schäftsführende Wiesbadener Kasse ergangen; es waren erschienen Vertreter von Marburg (Ortskrankenkasse und Kreiskrankenkasse), Cassel (Vertreter von 8 Krankenkassen), Rotenburg, Schmalkalden, Steinbach-Hallenberg, Fulda und Hanau (Stadtkreis und Landkreis), sowie aus dem Regierungsbezitt Wiesbaden Frankfurt, Wiesbaden, Hochheim, Ems, Rödelheim und Haiger. Nachdem Herr Gerhardt-Wiesbaden als Zweck einet derartigen Vereinigung u. a. angegeben das Verhältnis der Kaffen zu der Landesverficherungsanstalt und den damit in Verbindung stehenden Erholungs- und Heil­anstalten, ferner das Verhältnis zu den Aerzten mit ihrer Provinzialorganifatton und den Apo­thekern und nicht zuletzt den Enfluß auf die sozialpolitischen Gesetze, wurde die beantragte Ausdehnung einstimmig beschlossen und sollen die Beitrittsettlärungen bis zum 1. Januar 1907 erfolgen. Im Frühjahr soll eine Ver­sammlung der angeschloffenen Kassen ffattfinben, für welche mehrere Referate in Aussicht genom­men find. Als Ort zu dieser Versammlung wurde Marburg vorgeschlagen und einstimmig ge­wählt. .

Mainz, 6. Ott. Ein interessantes mitttan« sches Schauspiel wird stch in den nächsten Tagen auf dem Main- und Rheinstrom abspielen. Die rumänische Regierung hat in London acht Fluß- Bedos bauen laffen, die nunmehr fertig ge= und nach Rumänien verbracht werden. Die che Regierung hat die Erlaubnis erteilt.

daß die Schiffe auf dem Rhein, Main, Ludwigs« kanal und Donau mit unbewaffneter rumä­nischer Besatzung nach Rumänien verbracht wer­den dürfen. Die Torpedos, vier an der Zahl, find heute von Rotterdam abgefahren und tref­fen wahrscheinlich am Montag hier ein. Der nächste Transport der anderen vier Schiffe er­folgt im Frühjahr.

Darmstadt, 6. Ott. Der Schuhmacher Her­mann Spieß ließ sich heute Nacht zunächst der Stadt von der Odenwaldbahn überfahren. Di« vollständig verstümmelte Leiche wurde heute ftüh 5 Uhr aufgefunden. Zerrüttete Familien- Verhältnisse sollen die Ursache der Tat sein.

Darmstadt, 7. Ott. Während bisher nur im Anschluß an die Reise des Eroßherzogs Gerüchte umliefen, die Zarin werde mit ihren Kindern demnächst nach Darmstadt kommen, wissen di« Neuen Hess. Volksbl." zu melden, daß man auf Schloß Heiligenberg bei Jugenheim bereits Vor­bereitungen für den zu erwartenden Besuch treffe. Die hiesigen Hofämter hüllen sich über bi< Angelegenheit in Schweigen.

Hamel«, 6. Ott. Heute Morgen ertranken bei Hameln am Weserwehr zwei bei der Reparatur des Wehrs beschäftigte Arbeiter.

Marburg «nd Umgegend.

(Nachdruck aller Origmalartikel ist gemäß § 18 bei Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe .Oberheff. Ztg." gestattet)

Marburg, 8. Ottober.

§ Theologischer Ferienkursus. Zu dem theo­logischen Ferienkursus, der heute seinen Anfang nahm, siiä zahlreiche Geistliche und Religions­lehrer aus allen Teilen Hessen-Nassaus und ben, angrenzenben Gebieten hier eingetroffen.

* Beamten-Personalrichten. Verliehen: Dem Spezialkommissions-Bureaudiätar Loeber zu Marburg eine Spezialkommisfions-Sekretärstelle unter Verfetzimg an bie Spezialkommission in Posen.

* Kolonialgesellschaft. Auch in diesem Win­ter wird bie hiesige Abteilung ber deutschen Kolonialgesellschaft monatliche Herrenabende veranstalten, zu denen alle Freunde der Sache willkommen geheißen werden. Für jeden Abend find bereits Vorträge über allgemein intet» n? essierende Fragen, z. B. die Deportation, zuge» fagt und es ist zu erwarten, daß sich daran eine zwanglose Aussprache über die einschlägigen Dinge knüpfen wird. Am 15. Januar wird in» großen Saale des Museums ein öffentlicher Vor. trag mit Lichtbildern statt finden, welcher vor» aussichtlich bie Verkehrswege unserer westafti» - kanischen Kolonien nach dem Vorbilb des Kongo­staates behandeln wird.

* Zulassung von Feldpostpaketen mit Flüssig» feiten an die Truppen in Deutsch-Südwestafrika. Die Versendung von Flüssigkeiten, die seither int Feldpostpaketverkehr mit den Truppen in Deutsch-Südwestafrika ausgeschlossen war, wird von jetzt ab unter folgenden Bedingungen ver» suchsweise zugelassen. Die Flüssigkeiten müssen in gut verlöteten Blechbehältern (Blechbüchsen) enthalten fein. Der Raum zwischen diesen und dem äußeren Behältnisse (Kistchen ober fester Karton) ist mit Sägespänen, Kleie ober einem anberen aufsaugenben Stoffe auszufüllen. Im übrigen unterliegen bie Senbungen mit Flüssig» leiten ben für bie Feldpostpakete nach Deutsch- Südwestafrika allgemein geltenden Versenbungs- bebingungen.

* Aus dem Stadttheater. Die erste Volks» Vorstellung findet nächsten Mittwoch, ben 10. Oktober, statt unb zwar ist SchillersBraut von Messina" gewählt worben, welche Vorstellung ja bei Publikum und Presse lebhaften Beifall ge­funden hat. Als zweite Abonnementsvorftellung bringt uns Donnerstag, 11. Dfober, Ibsens N o r a". Die Direktion hat es für eine Ehren­pflicht gehalten, den verstorbenen Meister gleich in einer der ersten Vorstellungen zu Worte kom» men zu lassen. Von Damen sind in dem Stücks beschäftigt Frau Bayrhammer und Frau von Jagemann, von Herren die Herren Bakof, Kost und Herrscher.

* Die Fritz Steidl-SSnger, die bei ihrem wiederholten Auftreten hier, wie noch ertnner» lich sein wird, außerordentlichen Erfolg hatten, werden auf ihrer Rückreise nach Berlin, wo sie bekanntlich ihr eigenes Theater besitzen, am 19. Oktober hier einen Vortragsabend veranstalten. Auf Wunsch unb im Interesse ber vielen Freunbe, die sich bie Steidl-Sänger hier er­worben haben, machen wir schon jetzt auf ben bevorstehenden humoristischen Genuß auf­merksam.

§ Unfall oder Mißhandlung? Am Sonnabend wurde mittelst Wagens aus dem Cappeler Felde eine Frau von hier nach Hause gefahren, die dort beim Kartoffellesen auf einem Stoppek­acker von dem Eigentümer erwischt wurde. Wie man hort, soll die Frau vor Schreck die Krämpfe bekommen haben; nach anderer Erzählung soll sie mißhandelt worden fein.

* Trichinenschau. Am gestrigen Tage fand die gut besuchte 4. Jahresversammlung des Fleisch- und Trichinenschau-Vereins im Saals des Restaurants Missomelius statt. Sie wurde gegen 11 Uhr durch ben Ehrenvorsitzenden Kreis- tierarzt Melde eröffnet. Nach Erledigung des geschäftlichen Teiles und Aufnahme von neuen Mitgliedern hielt ber Genannte einen Vortrag über bas Knochengerüst unb ben Bau des tieri­schen Körpers. Für diesen interessanten und lehrreichen Vortrag wurde ihm von seifen der Versammlung lebhafter Dank zu teil. Dann übergab er die vom Bundesrat vom 16. Juni 1906 beschlossenen Abänderungen der Ausfüh­rungsbestimmungen A und C zum Fleischbeschau­gesetze vom 30. Mai 1902 den Beschauern mit der Weisung, sie genau zu befolgen. Gegen 5 Uhr fand die Versammlung ihren Schluß. ____.

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Cf. Ockershausen, 8. Okt. Gestern fand int Saale des Herrn Ruppersberg bie diesjährige erste Vezittsvorturnerstunde des 1. Bezirks desj Gaues Hessen ste-tt. Um 10 Uhr eröffnete Be-; zirksturnwart Fifcher (Marburg) die Vorturner-; Itunbe. Vertret« hatten entfänbt bie Turn­vereine: Amönebvq, Biedenkopf, Frankenberg,;