Einzelbild herunterladen
 

S

D

LS

(Nachdruck verboten.)

Zur Lage in Rußland.

Petersburg, 6. Ott. Die Zahl der, wie schon gemeldet, in der Bibliothek der Hochschule der Wegebauingenieure ausgefundenen Vomben- mäntel beträgt achtzig, auch die dazu gehörige Füllung wurde beschlagnahmt. Die saubere Aus­führung der Stahlmäntel deutet auf ausländi­schen Ursprung der Bomben. Weitere Haus-

Marburg

Dienstag, 9. Ottober 1906.

Deutsches Reich.

Berlin, 8. Ott.

Erscheint wöchentlich siebe» mal.

Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UmvcrsitätS-Buchdmckerei 41« Marburg, Markt 21. Telephon 65. °

Zur Regelmg der Thronfolgesrage in Braunschweig.

Der Reichskanzler hat auf die bald nach dem Tode des Prinzregenten Albrecht von dem braun­schweigischen Landtage gefaßte Resolution ab­lehnend geantwortet. In Berlin hat man und das mit Recht keine Veranlassung und Luft, dem Herzog von Tumberland zuerst ent­gegenzukommen. Man verschließt sich nicht der Erkenntnis in Braunschweig, daß der Rückkehr des Herzogs fast unüberwindliche Schwierig­keiten im Wege stehen und man fürchtet sogar, daß sie für immer unmöglich gemacht ist. wenn jetzt weder Berlin uoty Gmunden uachgeben wollen.

Der Stimmung der Bevölkerung gab die Braunschw. Landesztg." in diesem Sinne Aus­druck, in dem sie schreibt?Getäuschte Hoffnungen wirken stets verbitternd und niederdrückend, und dies Gefühl wird auch im vorliegenden Falle wohl anderen Empfindungen im Augenblicks überwiegen. Aber es muß verwunden werden, denn gegen die Macht der Tatsachen läßt sich nicht mehr ankämpfen, wir müssen uns in das Un­abänderliche mit Würde schicken, zugleich aber auch die richtigen Folgerungen daraus zu ziehen suchen. Preußen glaubt die Rücksicht auf unsere staatsrechtlichen Nöte, die wir erbeten haben, in­dem wir ihm nahelegten, seine Sache mit dem Herzog von Cumberland so oder so ins reine zu bringen, uns nicht zu schulden: es will dem Her­zog ein Ultimatum nicht stellen. Kann es sich da­nach wundern, wenn wir darüber nicht erbaut sind und dieses in unserem Gedächtnis be­wahren? Aber auch gegenüber der Fa­milie des Herzogs von Cumberland werden die Braunschweiger ihre Stellung nunmehr zu revidieren haben. Sie werden sich der Tatsache nicht ver­schließen dürfen, daß der Herzog auch jetzt wieder den rechten Augenblick, seine Sache aus dem toten Gleise aus ein lebendiges zu schaffen, unge­nutzt hat verstreichen lassen, und daß dieses den unumstößlichen Beweis für einen vollständi- gen Mangel an Interesse an unserem Lande und seinen Bewohnern liefert. Selbst die welfische Presse hat dies in hypothetischer Form zugeben müssen."

In der Tat sind die Welfen angesichts der Halsstarrigkeit ihres angestammten Herzogs sehr zwiespältig geworden. Im Landtage selbst, der bisher dem Herzog von Cumberland sehr wohl­wollend gesinnt war, ist eine starke Partei dafür, nunmehr eine endgiltige Entscheidung herbeizu-

mit dem Kreisvlatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

SonntaasbeUaaer JUustrirlrs SsnukaaWkE

1 führen. Gäbe der Herzog im Interesse des Lan- des nicht nach, dann solle eben über ihn und sein Haus hinweg zur Tagesordnung geschritten i werden. Die weniger fanatisch-einseitigen Wel­fen, die doch schließlich in der Mehrheit find, ha­ben gegen diesen Standpunkt nichts einzuwenden Ihr Organ, dieBrunonia", schlägt einen scharfen Ton an und stellt dem Herzog gewisser­maßen ein Ultimatum.Rur ungern sprechen wir es aus, schreibt fie, aber in diesem folgen­schwersten Zeitpunkte unserer Geschichte müssen alle anderen Rücksichten schweigen. Was einem früher nur leise und vorsichtig ins Ohr geflüstert wurde: jetzt wird es einem laut und dreist ins Gesicht gesagt: unser Herzog muß jetzt etwas tun, wir verlangen es von ihm. Wir dürfen es von ihm verlangen, denn wir haben ihm Jahrzehnte lang unter den ungünstigsten Verhältnissen die Treue bewahrt, wir müssen es verlangen, denn unsere Lage wird täglich unerträglicher, auch er hat gegen uns die Pflicht, uns aus dieser Lage zu befreien. Es ist das eine kühne Sprache, aber sie zeigt, wie hoch sich die Unträglichkeit unserer Lage gesteigert hat. Selbst von den wärmsten, selbstlosesten, Überzeugtesten Anhängern des Her­zogs kann man täglich hören: tut jetzt der Herzog nichts für uns, wir rühren keinen Finger mehr für ihn."

Allem Anschein nach will der Herzog nichts tun. Für Braunschweig ergibt sich also die be­reits wieder ins Auge gefaßte Notwendigkeit, einen neuen Regenten zu wählen. Vorher kann keine Verfassungsänderung, die das Haus Cum­berland von der Thronfolge in Braunschweig ausschlösse, vorgenommen werden. Der Regent­schaftsrat allein ist dazu nicht befugt. In dem jüngeren Sohne des verstorbenen Regenten ist schon ein Nachfolger nominiert. Fürs erste zeigt sich kein anderer Ausweg und im Lande selbst ist man über die Fortdauer des bisherigen pro­visorischen Zustandes, den das Ministerium selbst als nachteilig für das Land bezeichnet hat, wenig erbaut. Weigern sich der Herzog von Cumberland und seine Söhne auch fürderhin, die für die Thronbesteigung unerläßlichen Bedingun­gen zu erfüllen, dann bleibt Braunschweig keine andere Wahl, als ein neues Herrscherhaus zu wählen und mit allen Rechten der Thronfolge für immer einzuietzen. Und je eher dies geschieht, desto besser ist es für-das Land selbst und für das Reich.s.

Seine Majestät der Kaiser sowie die Kai­serin und Prinzessin Viktoria Luise trafen am vorgestrigen Samstag mittags 12% Uhr, von R» minten kommend, in Königsberg ein. Die Kai­serin und Prinzessin Viktoria Luise machten einen kurzen Spaziergang in der Stadt und tra­ten bald nach 1 Uhr die Weiterreise nach Ca« dinen an. Der Kaiser fuhr nach der Kaserne der GrenadierregimentsKönig Friedrich $ßtk Helm I Nr. 3 und nahm im Offizier» kastno das Frühstück ein. Während des Mahler brachte der Oberst des Regiments, von Falk, ein Hurra auf den Kaiser aus. Der Kaiser erwidert« mit einem Hurra auf seine Grenadiere. Gegen 3 Uhr verließ der Kaiser das Kasino und fuh^ wiederum auf das lebhafteste begrüßt, zmn Bahnhof, von wo alsbald die Abfahrt nach Cadi- nen erfolgte. Bei der Ankunft der Majestäten war außer dem Kommandanten von Königsberg auch der Generalsuperintendent Dr. Braun zu­gegen, mit dem sich der Kaiser längere Zeit unter­hielt. Der Kaiser traf nachmittags kurz nach 8 Uhr in Cadinen ein und besichtigte bald nach der Ankunft mehrere Neubauten, darunter zwei

Husband in Tibet erworben hat, während Ruß­land seinen Anspruch, Schutzmacht des Dalai Lama zu fein, aufgibt. Tibet wird also künftig, wie früher, ausschließlich als ein Vasallenstaat Chinas betrachtet werden.

suchungen haben zur Entdeckung einer werb vollen Korrespondenz der Revolutionäre ge­führt, aus der hervorgehen soll, daß nach dem letzten Wechsel im Amt des Palastkommandanten sofort mehrere im Ausland weilende hervor­ragende Mitglieder der Revolutionspartei na<( Petersburg und Moskau abgereift find, um an­gesichts der völligen Unabhängigkeit des jetzigen Palastkommandanten einen entsetzlichen An­schlag gegen das Staatsoberhaupt zu organi­sieren. Durch Konfiskation der Korrespondenz wurde der Anschlag aufgedeckt, jedoch ist der Lei- ter des Anschlages bisher noch nicht verhaftet.

Nach derSchlesischen Zeitung" beschloß die russische Regierung keinerlei Aenderung des Wahlgesetzes vorzunehmen, um nicht die politi­schen Leidenschaften durch das Schlagwort Ver­fassungsbruch zu entfesseln und weil sich feit der Auflösung der Duma das konservative Element stark vermehrt hätte.

Der Generalgouverneur des Zartums Polen hatte dem nationalpolnischen Schulverein di« Eröffnung von Schulen in ganz Polen gestattet, worauf dieser 330 polnische Schulen gründete. Da sich aber jetzt ein Boykott der russischen Schu­len bemerkbar macht, hat der Gouverneur di« Schließung aller polnischen Schulen angeinoht, falls der Boykott nicht aushört.

Petersburg, 6. Ott. (W. B.) Der ehema ig« Kommandeur des dritten Geschwaders, Konlrc- admiral Nebogatow, sowie die Kommandeur« und ein Teil der Mannschaften der Panzerschiff« des Geschwaders sind-» wegen kampfloser Er, gebung an die Japaner vor einen besonderem Gerichtshof des Kronstädter Hafens gestellt worden.

Neueste TelegNMM.

.Berlin. 7. Oki. Eine derDeutschen Kolo- slialzeitung^ zur Verfügung gestellte Depesche rus Lüderitzbucht enthält die Nachricht, daß die lsileisspitze der Bahn Lüderitzbucht-Kubub am l. Oktober km 129 erreicht hat. Da also noch etwa 10 km bis Kubub zu erledigen sind, und täglich etwa 1500 m geleistet werden, so steht die Vollendung, selbst wenn sich noch hier und da Schwierigkeiten einstellen sollten, für die näch­sten Tage zu erwarten.

Darmstadt, 7. Ott. Gin Blatt will aus zu­verlässiger Darmstädter Quelle erfahren haben: Die Berichte über einen Inkognito-Aufenthalt des Großherzogs in München, angeblich zu Kunstzwecken, sind falsch. Der Eroßherzog hat tatsächlich zum Besuch seiner Schwester, der Kai­serin von Rußland, in den finischen Schären ge­weilt. Der preußische Eisenbahnminister Brei- tenbach war vor der Abreise des Großherzogs dessen Tischgast in Wolfsgarten und hatte alle Maßregeln wegen Einstellung von Sonderzügen persönlich mit ihm besprochen.

Wien, 6. Okt. Wie dieNeue Fr. Presse" erfährt, hat die unmittelbar bevorstehende Zu­sammenkunft des Staatssettetärs v. Tschirschky mit dem deutschen Botschafter in Rom, Grafen Monts, in Wien den Zweck, mit dem Grafen Wedel und voraussichtlich mit Goluchowski die Frage der Beziehungen Deutschlands und Oester­reich-Ungarns zu Italien zu erörtern.

Wien, 7, Okt. DieNeue Fr. Presse", die das Zusammentreffen des Staatssekretärs von Tschirschky mit dem Botschafter Grafen Monts in Wien meldet, bringt diese Begegnung mit Er­örterungen wegen Erneuerung ber Dreibundes in Zusammenhang, der 1908 adläuft.

Haag, 7. Okt. Reuters Bureau erfährt, daß die Vertagung bzw. Zurückziehung der Entwürfe über den Beitritt zur Friedeskonvention, sowie den Empfang der Mitglieder der Friedenskon- ferenz nicht den Schluß rechtfertige, daß die Kon­ferenz 1907 nicht stattfinde. Der für 1906 er­betene Kredit von 75 000 Gulden fei nur des­wegen zurückgezogen worden, weil die Konferenz Nicht 1906 stattfinden wird.

Paris, 7. Okt. Der Vollzugsausschuß der radikalen und sozialistischen Partei faßte eine Resolution, in der erklärt wird, daß das Tren­nungsgesetz unerbittlich und unverändert zur Anwendung gelangen müsse und daß kein Par­teimitglied irgendwelche direkte oder indirekte Verhandlungen mit dem Vatikan betreffend die Anwendung des Gesetzes beantragen dürste und das Eigentum der Kirchenfabriken in allen Ee- Meinden, wo dieselben von den Kultusver- Einigungen nicht beansprucht werden, am 11. De­zember Wohltätigkeitsanstalten überwiesen wer­den müsse.

London, 7. Okt. Das Abkommen zwischen Rußland und England, das eine Verständigung über Tibet betrifft, soll gutem Vernehmen nach 3n nächster Zeit unterzeichnet werden. Soweit bisher bekannt geworden, verzichtet England in dem Uebereinkommeir auf die Sonderrechte, die es infolge der Expedition des Obersten Poung- 1

stete? Sie verzichteten auf Ihre Kunst auf im­mer, Sie . . ." Er hielt inne und blickte auf das Schloßportal, aus welchem soeben Gräfin Boyneburg, von ihrem Gatten gefolgt, trat. Sie entschuldigte sich bei ihren Gästen wegen ihres langen Ausbleibens und überhob durch ihr Kommen Elisabeth einer Verlegenheit, denn bei Dettingens letzten Worten war ihr Gesicht tief erblaßt, doch nun kehrte ihre Harmlosigkeit wieder zurück.

Edith brachte auch schnell einen Umschwung in die Unterhaltung, die immer anregender und lebhafter wurde. Sie fand es ganz natür­lich, daß Elisabeth und Dettingen in der harm­losesten Weise freundlich miteinander verkehrten, und hatte längst die kleine, unliebsame Szene bei der Vorstellung vergessen.

Elisabeth ließ sich überreden, zur Abendtafel zu bleiben; sie fürchtete sich ordentlich, nach Landegg zurückzukehren, wo nut Beates ernstes, düsteres Gesicht und die leeren Räume fie an» ftarrten. Die kleine Zerstreuung heute würde hr gewiß gut tun.

Nach dem Essen ging Graf Boyneburg ins Schloß, um Zigarren für feinen East zu holen, die er in persönlicher Obhut hatte. Edith sprach gerade mit Werners Erzicherin, di« etwas ab­seits an der Terrasse stand. Diese Gelegenheit des Ungeftörtseins benutzte Dettingen, um sich Elisabeth zuzuwenden.Werden gnädigste Grä­fin heute singen?"

Nein," gab sie kurz und erschreckt zur Ant« wott.

Warum nicht?"

Diese Frage Hang kühn und anmaßend, beim ihrnein" mußte ihm genügen. Sie fühlte je­doch das Bedürfnis, sich ihm gegenüber yx ent­schuldigen, obgleich sie es gleich daraus bereute.

»Ich habe zulange nicht gesungen, seit meiner Kecheiratung nid*,* *

Dettingen sah sie einen Augenblick groß und durchdringend an, so daß es Elisabeth unter die­sen Blicken unbehaglich wurde; dann fragte er*

Seit Ihre Verheiratung nicht? Wi lange ist bas her?"

Acht Monate."

Acht Monate! Und so lange haben Sic et ausgehalten, ohne zu singen so lange konnte» Sie verzichten? O Gräfin, dann haben Sie di« Kunst nie wirklich geliebt.

Elisabeth fuhr bei diesem harten Ausspruch zusammen. Wie konnte jener Mann wissen und ahnen, was sie dieser Verzicht gekostet hatte, und doch konnte und durste sie ihn über die näheren Umstünde nicht aufklären.

Ihre Verwirrung, das leichte Beben ihres Körpers entgingen ihm nicht, aber et schenkte ihnen keine Beachtung. Alles in seinem Innern war entflammt vor Empörung und Zorn, und sein eigener Schmerz, fein eigenes Unglück stie­gen vor ihm auf wie etwas Gewaltiges, Er­drückung. Niemals hatte er jenen Mann, dem er fein Leid verdankte, bitterer gehaßt, als in diesem Augenblick, und Haß- und Rachegedanken erfüllten und beherrschten ihn. Jetzt hatte er es in der Hand, sich zu rächen, jetzt war der Zeit- puntt gekommen, wo sein Werk beginnen konnte

Gräfin," tief er mit unheimlich funkelnden Augen,ich sage es noch einmal: Sie haben di« Kunst nie wahrhaft geliebt, denn wer sie einmal sein Eigen genannt hat, bet ist mit ihr vet- wachsen, untrennbar für ewige Zeiten. Aber wer sich unterfängt, einen Menschen seiner Kunst zu entfremben, ihn zu verhindern, ihr zu leben, bet begeht einen Mord an Leib und Seele, der reißt ihm ein Stück Leben aus lebendigem Kör­per, Gräfin Landegg, ber ist ein Mörder!"

Mit leiser, heiserer Stimme, mit vor Haß entstellten Zügen zischte er ihr das letzte Wort ins Ohr, dann lehnt er sich erschöpft zurück.

.(Fortsetzung folgt.)

Zwei Fraue«.

Roman von E. vorcharl.

(Sortierung.)

Klaus Dettingen sprach, da sie ihm nicht ant­wortete, weiter:

>Gnädigste Gräfin verkehren in Boyneburg, ich werde vielleicht vierzehn Tage bis drei Wo­chen hier bleiben. Sollen wir uns nun in dieser fZeit aus dem Wege gehen, sollen wir yns mei- -den? Müßte ich mir nicht LItterr Lorwüffe «machen, die Gastfreundschaft meiner liebenswür­digen Wirtin gemißbraucht zu haben, wenn ich K>urch meins Gegenwart die Freundin des Hau- Les von der Schwelle bannte? Sehen Sie, schon Darum müssen Sie Frieden mit mir schließen. Meichen Sie mir zum Zeichen dafür Ihre Hand, Ich bitte Sie darum, Gräfin Landegg."

i Elisabeth fühlte sich besiegt. Sie lachte und »eichte ihm die Hand, die er mit seinen Lippen berührte.

?Sie sind ein feiner Diplomat, Herr Dettin» tzen, und verstehen cs meisterhaft, Ihren Willen vurchzusetzen."

Sie haben es mir schwer genug gemacht; doch »tun darf ich Sie wohl zur Terrasse führen?"

Der Bann war gebrochen, alles, was noch "eben zwischen diesen beiden Menschen gestanden hatte, schien beseitigt zu sein. Plaudernd, wie Zwei gute alte Bekannte, schlugen sie den Weg nach der Terrasse ein. Elisabeth paßte sich sei- nem Schritt an.

Klaus Dettingen sprach leicht und fließend mit klangvollem Organ und der accentuierten Aussprache, wie sie Bühnenkünstlern eigen ist. Diese Sprache und diese Töne schmeichelten sich in Elisabeths Ohr; sie klangen ihr wie Musil. Ob sie wollte oder nicht, sie mußte lauschen. Zu­dem packte und fesselte sie das .eigenartige Wesen

dieses Künstlers, bas bald leidenschaftlich erregt aufflammte, bald düster und in sich gekehrt, und bann wieder übersprudelnd von Laune war. Sie empfand alle diese abwechselnden Stim­mungen und paßte sich ihnen an, wie seinem Schritt.

So erreichten sie, in ihre Unterhaltung ganz vertieft, die Terrasse und nahmen nebeneinander Platz. Daß die Schlossherrin noch immer nicht wiederkam, beachteten sie nicht.

Elisabeth hatte durch irgend eine Bemerkung vertaten, daß fie eine Berlinerin, war, und .tlftus Dettingen nahm das mit Interesse auf.

Sind gnädigste Gräfin vielleicht in den dor­tigen Künstlerkreisen bekannt?" fragte er.

Elisabeth lächelte glücklich und stolz:Und ob ich es bin! Nenne ich doch den gefeiertsten Stern der Berliner Hofoper meine Freundin und Lehrerin!"

Freundin und Lehrerin? Verstehe ich recht?

So pflegten Frau Gräfin selbst die Kunst?"

Ja, ich pflegte sie, und mehr als das, ich wollte selbst Künstlerin werden."

Sie wußte nicht, wie fie dazu kam, zu diesem Manne von ihren längst vergangenen und be­grabenen Träumen zu sprechen. Ob es das ver­wandte Streben war, das fie so schnell einander näher gebracht hatte?

Künstlerin? Sängerin?"

In seinen Worten und seiner Miene lag so viel Ueberraschung und llngläubigkeit, daß ihn Elisabeth fragte, was ihm habet so wunderlich erscheine.

Wunderbar, ja wunderbar," wiederholte er wie träumend,Gräfin Landegg eine Sän­gerin!"

Also das ist es? Damals mar ich aber noch nicht Gräfin Landegg."

Klaus Dettingen richtete sich auf und sah sie forschend an:Und dem Mann« Ihrer Wahl .opferten sie freudig, wonach Ihre Seele dtz-

Aierteljährlicher Bezugspreis; bet der ErPÄitioa 2 Mk» "Ä'o 9^ß bet allen Postämtern 2,25 M. (exel. Bestellgeld).

*/f JnserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfg.

Neclamen: die Zeile 30 Pfg.