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menben Postwagen, fesselten den Kutscher urib den Postschaffner und raubten 5111 Rubel, Di« Uebeltäter sind entkommen.

Erörterungen recht bald überall auch die prak­tischen Konsequenzen gezogen werden. Ob dabei freilich auf die besonders eifrige Mitarbeit der Sozialdemokratie zu rechnen ist, mutz vorerst noch bezweifelt werden. Bisher hat die Sozialdemo­kratie alle Mahnahmen, von denen ein weiteres Anwachsen der Erosttzädte zu befürchten stand, mit großer Geneigtheit unterstützt, was ja an sich nicht weiter auffällig ist, da die Partei des Herrn Südekum in der bei der Grotzstadtbevöl- kerung am ehesten zum Durchbruch gelangenden Unzufriedenheit blühenden Weizen erblicken mutz. Immerhin wird es nicht überflüssig sein, bei der Bekämpfung des Erotzstadtelends auch gelegentlich darauf hinzuweisen, daß die Not­wendigkeit entschloffener Abwehr dieses Riesen­elends auch von sozialdemokratischer Seite rück­haltlos anerkannt worden ist.

im Jahre zu wenig und mützte, sollte die ver­lorene Schlafzeit nachgeholt werden, etwa 25 Tage ununterbrochen Tag und Nacht schla­fen. Als Ursachen zu der geringen Schlafdauer führte der Vortragende den Unverstand vieler Eltern und die mißlichen sozialen Derhältnisie an. Schlafräume und Lagerstätten spotten da­bei ost aller hygienischene Vorschriften. Bis zu neun Personen schliefen in einem Zimmer und bis zu vier in einem Bett!

Den gleichen Gegenstand behandelte in der philanthropisch-sozialen Abteilung der bekannte bodenreformerische Schriftsteller Damaschke. Ein­leitend erinnerte der Redner an den Mordprozeß Verger, der eine Reihe abstoßender Bilder aus dem Berliner Mietskasernenleben enthüllte, und wies auf einen zweiten Prozeß aus der jüng­sten Vergangenheit hin, in welchem gegen vier Kinder von '12 bis 14 Jahren wegen Sittlich­keitsvergehen verhandelt worden war. Die El­tern der Kinder lebten, wie aus der Urteilsver­kündigung hervorging, in den ärmlichsten Ver- hältnisien, und gerade das auf einen winzigen Raum beschränkte Wohnungselend hatte un­zweifelhaft der Unsittlichkeit Vorschub geleistet. Wie wenige kennen dieses Wohnungselend, das nur zu oft jeder Beschreibung spottet, aus eige­ner Anschauung! In einem einzigen Raum haust, wohnt und schläft die ganze Familie, vielleicht noch mit einem paar Schlafburschen zu­sammen, und ein einzelnes Bett beherbergt häufig Erwachsene und Kinder beieinander. Daß durch solche Verhältnisse das Schamgefühl der Kinder verletzt werden muß, liegt auf der Hand. Nach der amtlichen Statistik wird ein Naunr als überfüllt bezeichnet, der dauernd von sechs oder mehr Personen bewohnt wird. Wie viele Tau­sende von Wohnräumen gibt es, welche weit mehr als diestatistische" Ueberfüllung auf- weisen! Was nützen die luftigsten Schulpaläste, wenn die WohnUngsverhältnisse daheim so ent­setzenerregende sind. Die Lehrerschaft, von der ja der erste Anstoß zum gewerblichen Kinder­schutz ausgegangen sei, darf nicht zugeben. daß die von ihr gelegte Saat in dem häuslichen Wohnungselend verdorben wird. Wandel lasse sich nur auf dem Boden einer gerechten Boden­reform schaffen. Der Boden dürfe nicht aus­schließlich Gegenstand der Spekulation sein. In unseren Jndustriebezirren bleibt den Kindern kaum ein Plätzchen, auf dem sie mit Erlaubnis weilen dürfen. Deshalb wäre die Aufteilung städtischen Terrains in Familiengärten zu emp­fehlen, wie sie an einigen Orten bereits bestehen.

Mit dem großstädtischen Wohnungselend be­schäftigt sich im jüngsten Heft der sozial­demokratischenNeuen Gesellschaft" endlich auch der ReichstagsabgeordneteGenosie" Südekum. Er knüpft an eine Untersuchung großstädtischer Kleinwohnungen an, die vor kurzem in Hanno­ver angestellt worden ist, und kommt zu dem Er­gebnisse, daß die Untersuchung eine schreiende Anklage gegen die in den sogenannten Kultur­mittelpunkten herrschenden Zustände sei. Dabei schreckt er vor dem harten Urteil nicht zurück, die Großstädte in der jetzigen Form und Ver­waltung seien das Grab der Nation. Man darf nur wünschen, daß aus diesen zutreffenden

Zur Lage in Rußland.

Petersburg, 4. Ott. In der Hochschule für Wegebauten wurde eine eingehende Unter­suchung vorgenommen, wobei in der Studenten­bibliothek 16 Bomben von Schweizer Typus in einem Bücherschrank versteckt aufgefunden wur­den, sowie 40 Kilo Dynamit, ferner eine Kiste Blausäure und Zyankali. Die darauf vorge­nommene Untersuchung der Wohnung des Stu­denten Fink, des Verwalters der Bibliothek, er­gab einen Fund von weiteren 30 Bomben. Fink wurde sofort verhaftet, ebenso der Portierssohn Bogdanow. Unter den Studenten herrscht große Aufregung wegen der furchtbaren Konsequenzen, die eine Explosion der Bomben hätte haben können. Aus Petersburg sind nach Sibirien 11 Waggons mit 650 politischen Gefangenen ab­gegangen, darunter 41 Frauen, 31 Juden, sowie Soldaten verschiedener Regimenter.

Kaluga, 5. Ott. Hier ist aus Petersburg die amtliche Meldung eingetroffen, daß der frühere Neichsduma-Abgeordnrts Obninstt sowie Fürst Urusiow, ehemaliger Gehilfe des Ministers des Innern, wegen Unterzeichnung des Wiborger Aufrufs in den Anklagezustand versetzt worden sind, und daß ihnen das Recht zur Teilnahme an den Semstwo-Versammlungen abgesprochen wor­den ist.

Ufa, 5. Ott. Gestern Abend um 8 Uhr wurde von 40 bewaffneten Personen ein lleberfall auf einen Postzug ausgeführt. In der Nähe einer Brücke über den Bjelafluß hielten die Uebeltäter den Zug an. töteten einen Soldaten, verwunde­ten drei Eisenbahnkassierer und raubten etwa 250 000 Rubel. Die Täter entkamen.

Czenftochau. 5. Ott. Zehn standrechtlich zum Tod- verurteilte Personen wurden heute hier hinqerichtet. «

Warschau, 5. Ott. Als der diensthabende Offizier in Begleitung einer Patrouille die Lange Straße passierte, wurde er von unbekann­ten Personen beschoffen. Die Soldaten erwider­ten das Feuer, durch das eine dieser Personen getötet und eine andere verwundet wurde.

Twer, 5. Okt. Heute Vormittag überfielen sieben Bewaffnete einen von Voriscowa konr-

Deutsches Reich.

Berlin, 6. Oktober.

vierteljährlicher Bezugspreis; bet der ErpÄition 2 MH, bei allen Postämtern 2,25 Mk. (eit!. Bestellgeld).

Znsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfg, Reclanien: die Zeile 30 Pfg.

rungsrat bestand, den liebenswürdigen ,und noch recht stattlichen Junggesellen herzlich gern mochte, wußte sogleich ganz genau, wie dergute Engel" in Caffel aussah. lieber der festen Brücke der Dankbarkeit, die ihm Lenchen be­wahrte, fanden sich denn auch bald wieder die Herzen Beider, und Jeder, der von der Verlo­bung des allbeliebten Regierungsrats hörte, freute sich herzlich darüber, nur einige wenige Junggesellen ausgenommen, die ihrem fahnen­flüchtigen Freunde Mangel an Energie und Konsequenz vorwarfen.

Vor dem Antritt seines neuen Amtes in Cassel stand dem Pfarrer noch ein schwerer Gang bevor, vor welchem ihm nicht wenig graute, die Antrittsaudienz bei Kurfürst Wil­helm. Ortwein war recht schwül ums Herz, als er, diesmal mit stattlichem Zopfe versehen, über den weiten Platz auf das mächtige Palais zu­schritt, und je näher er dem Portal kam, desto langsamer wurden seine Schritte. Im Vorzim­mer stand wieder der alte Kammerdiener,, und Ortw^in schien es, als wenn derselbe ihn wieder so mitleidg wie damals, als er zum ersten Male Caffel besucht hatte, ansehe. Der Pfarrer rief sich Mut zu, wischte sich mit dem roten Taschen­tuch den perlenden Angstschweiß vom Gesicht und trat ein. Da stand die lange, knöcherne Gestalt seines Landesherrn wieder wie in jener Schreckensstunde seines Lebens vor ihm, und wieder ertönte wie damals die rauhe Frage:

Was will Er?"

Diesmal aber antwortete Ortwein mutig und in wohlgesetzten Worten, und kam auch nicht aus dem Text, als der Kurfürst auf ihn zukam und seinen äußeren Menschen einer genauen Prüfung unterwarf. Seine Durchlaucht bemerkte mit wohlgefälligem Lächeln den stattlichen Zopf auf dem Rücken des Pfarrers, klopfte ihm dann auf die Schulter und sagte:

M Erscheint wöchentlich siebe« mal.

Druck und Berlag: Joh. Ang. Koch, UniverMts-vuchdruckerck 41* JtlhkA Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Großstadtelend.

Der zur Zeit in Berlin tagende Kon­greß für Kinderforschung hat auf die schon wiederholt erörterten schweren Nachteile des Großstadtleoens neues Licht geworfen. So befaßte sich Dr. Bernhard (Berlin) mit dem Schlafmangel Berliner Eemeindeschüler. Seine Beobachtungen erstreckten sich auf 6551 Kinder aus dem Zentrum der Reichshauvtstadt und er- gaben, daß bei diesen die Schlafzeit für alle Altersklassen hinter der unbedingt notwendigen zurückblieb. Die Unterschiede betrugen für den einzelnen Tag eine Stunde und vierzig Minu­ten ; ein Zeil der Kinder schlief also 608 Stunden

l Nachdruck verboten.)

Wilddieb wider Willen.

Erzählung von R. Trenthorst.

(Schluß.)

Brav gedacht, mein Alter," nickte der Kur­fürst. indem er stehen blieb und seinem Ver­trauten auf die Schulter klopfte,aber mir (kann Er's ruhig sagen, 's bleibt unter uns, und so können Wir der Kalamität doch am besten ab- helfcn!"

Nun, wenn Durchlaucht befehlen," rückte v. Wiki eben zögernd heraus,dann mutz ein treuer Diener schon gehorchen; 's ist sonst ein braver Mann, der sich in der schlimmen Zeit als wacke­rer Patriot gezeigt hat, aber er ist arm wie eine Kirchenmaus und hat sieben lebendige Kinder bei zweihundert Taler Gehalt zu ernähren!"

Freilich wenig!" versetzte Seine Durchlaucht. Aber wie heißt der Mann und wo wohnt er? 's ist vielleicht ganz gut, wenn wir ihn nach Caffel bringen!"

'(5r wohnt im Ebsdorfer Grund und heißt Ottwein'" ' sagte der alte Forstmann anschei­nend gleichgiltig, indem er seinen Herrn scharf beobachtete. . r

Ei, der Tausend noch einmal! rief der Kur­fürst erstaunt.

O, Durchlaucht scheinen den Mann zu ken­nen!" versetzte der Oberjägerrneister tm Tone lebhaften Bedauerns,da habe ich ihm mit mei­nem Verdacht gewiß Unrecht getan?" ,

Nein, nein, mein Lieber," lachte Seine Durchlaucht,darüber braucht er sich gar keine grauen Haare wachsen zu lassen,' wenn's der ist, den wollen Wir schon, ohne ihm Unrecht zu tun, wegbringen. Aber, Sein Wort in Ehren, hält Er denn den Mann wirklich für einen so guten Patrioten?"

Marburg

Sonntag, 7. Oktober 1906.

Buu» null

Reueße Telegramme.

/ Eisenach, 5. Ott. Eine Konferenz z von Ver- retern der deutschen Städte von mehr als >5 000 Einwohnern ist in Weimar geplant. Es sandelt sich in der Hauptsache darum, beim Reichstag um Aufschub des Inkrafttretens des Gesetzes betreffend Aufhebung der indirekten tödtischen Steuern gemeinsam zu petitionieren.

Breslau, 5. Okt. Zum Präsidenten des schlesischen Konsistoriums ist nach derSchief. Ztg." der Vortragende Rat im Kultusmini- fterium Geheimer Ober-Regierungsrat Schuster 'vusersehen.

München, 5. Okt. Zu dem 9. Deutschen Fort­bildungsschultag sind bereits überraschend viele Teilnehmer eingetrosfen. Es fanden bisher Besprechungen des Vorstandes und des Aus­schusses, sowie eine Besichtigung der Schulaus­stellungen statt.

Bochum, 5. Ott. 3)iC Siebenerkommiffien faßte heute in der Lohnfrage einen formellen Beschluß. Sämtliche Vertreter der Berg- arbei^eroerbände, die zusammen 220 000 Mit­glieder umfassen, einigten sich dahin, für alle deutschen Bergbaureviere eine fünfzehnproznö­tige Lohnerhöhung zu fordern. Diese Forderung wird gemeinsam durch die Verbände an die Organisationen der Bergwerksbesitzer und an die einzelnen Erubendirektionen gerichtet. Den einzelnen Verbänden bleibt es außerdem über- laffen, die Arbeiterausschüffe zur Unterstützung dieser Forderung zu bewegen.

Swansea, 6. Ott. Der Bergarbciterverüand erhielt einen Brief von dem deutschen Berg­arbeiterverband, in welchem die Möglichkeit des Ausstandes in Deutschland wegen Lohnfragen erwähnt und an gefragt wird, ob im Falle, daß ein solcher Ausstand eintreten sollte, die cng- kifchen Bergleute ihren deutschen Kameraden durch Verhinderung einer gesteigerten Ausfuhr englischer Kohle nach Deutschland zu Hilfe kom­men würden.

r Seine Majestät der Kaiser, sowie di« Kaiserin und die Prinzeffin-Tochter beende» heute den diesjährigen Aufenthalt in Romintrn und kehren über Cadinen nach Potsdam zurück. Am 14. ds. Mts. besucht der Kaiser, wie schon gemeldet, die Stadt Gelnhausen.

Ueber Deutschland und die britisch-rus» fische Annäherung schreibt Maximilian Harden in derZukunft": Es ist erreicht. Bismarcks bösester Traum war die Erneuerung der kau- nitzi.chen Koalition: Frankreich, Rußland, Oesterreich. Heute stehts anders aus. Franko- russischer Vertrag (der den Zaren verpflichte^ eine bestimmte Truppenzahl in Europa zu Hal- ten). Franko-britische entente und Militär­konvention. Anglo-ruffisches Abkommen. Und zu diesem schon recht ansehnlichen Grüppchen ge­hört im Osten Japan, das (ein verwünscht ge- scheiter Gedanke) je nach der Konjunktur gegen Rußland ausgespielt oder mit Rußland ge­schreckt werden kann; gehören im nächsten Westen Italien, Spanien und Portugal. Be­scheidenen Ansprüchen genügts; dem namentlich, der bedentt, wie wir noch zehn Jahre nach dem Berliner Kongreß dastanden. Englands Ziel ist, uns so einzukeffeln, daß wir, weil nirgends Rückhalt, uns mit ihm abfinden und auf rasche Expansion verzichten muffen. Leider schon recht hübsche Erfolge. Wir tappen in jede Falle. In Südwestafrika mußten, ob der Reichstag HLH oder Hott sagte, die Südbahnen längst, weil strategisch unentbehrlich, gebaut sein, und die fünfzehntausend Mann, die Britannien wie eben so viele Albe auf der Brust lagen, bis in die Pechhütte bleiben. Wenns auch sechs Dreier mehr kostete (nicht so viel übrigens wie die sträfliche Vertrödelung des Bahnbaues). Die Sache wollte es; die nationale Sache, die wich- tiger ist als die Vermeidung einer Parlaments- guerilla. Aus Rücksicht auf England, auf V.» doch nur Rücksichtslosigkeit wirkt, ist von len Marineforderungen schon Nötiges gestrichm worden. Kommen aus dem Haag oder üb , den Kanal etwa noch ärgere Zumutungen, San i wäscht kein Regen die Schande ab.

DieSüdd. Reicbskorr." erklärt offiziös, daß die maßgebenden Stellen in Preußen der braunschweigischen Frage völlig unparteiisch ge- genüberstanden.Auch eine bestimmte Kandi­datur für Braunschweig, sei es als Provisorium oder als Definitum, ist von Preußen aus nicht betrieben worden, sondern die Richtschnur war von Anfang an, daß die Braunschweiger soweit dies nach der Natur der Sache möglich ist, ihreAn- qeleqenheit ohne fremde Beteiligung regeln, über­haupt jede bundesfreundliche Rücksicht walten zu

Nun seh' Er mal an, Er sicht jetzt viel statt­licher aus, als damals Er weiß es doch noch? Ich hoffe, daß Er mir hier in meiner Refidenz- stadt keinen Anlaß zur Klage geben wird. Das Eine aber bitte ich mir streng aus, hort Er wohl, meine Hasen läßt Er mir von nun an tn Ruhe!

Hasen?" stotterte der zu Tode erschrockene Mann.Wie meinen kurfürstliche Durchlaucht den^N^s tue Er nur nicht so?" antwortete der Kurfürst, indem er ihm mit dem Finger drohte, aber es bleibt dabei, meine Hasen geh n ihn nichts an, dafür hat Er hundertfünfzig Taler mehr Gehalt bekommen! Nun gehe Er mit Gott und wenn er einmal durchaus einen Wild­braten haben muß, dann wende Er sich lieber an meinen Oberjägermeister! Verstanden?

Damit machte er eine bezeichnende Handbe­wegung und Ortweins Audienz war zu Ende.

Wenn der Pfarrer hätte sagen sollen, daß er nur ein Wort von dem, was der Kurfürst zu ihm gesprochen, verstanden hätte, hätte et lügen müssen; so viel er sich auch auf dem Heimwege den Kopf zerbrach, was sein Landesherr mit sei­ner wunderlichen Rede vonHasen" gemeint haben mochte, so war es ihm doch schier unmög­lich, auch nur den geringsten Zusammenhang zu finden, und so kam er zu der lleberzeugung, 1/6 es beim Kurfürsten im Oberstübchen wohl nicht mehr ganz richtig sein muffe.

Als der Pfarrer nach Hause kam, ttef et wieder wie damals nach jener ersten unglück­lichen Audienz, den alten Oberjägerrneister v. Witzleben bei Justus Pfeifer; der alte Herr machte seinem Neffen zu seiner Verlobung ein« Gratulationsvisite.

Na, Herr Pfarrer," rief er diesem freundlich entgegen, indem et ihm die Hand treuherzig schüttelte, »heute scheint ja die Audienz bei un-

Ja, Durchlaucht, meine Offenheit tut mit jetzt doppelt leid; der Mann gilt in seiner gan­zen Gegend dafür, er soll auch in den Aufstand gegen die Franzosen von Anno 9 verwickelt ge­wesen sein! Nun werden Euer kurfürstliche Durchlaucht meinen Verdacht den braven Pfar­rer entgelten lasten!"

Beruhige Er sich nur, mein lieber Witzleben." tröstete Seine Durchlaucht den Alten, der sehr bekümmert schien,da habe ich dem Manne doch wohl Anrecht getan und kann's wieder gut machen! In unserer hiesigen Garnisonaemeinde ist die Pfarrstelle vakant; sie trägt dreihundert­fünfzig Taler ohne Spötteln, und so wird Uns und ihm geholfen fein'! Ich danke Ihm, mein lie­ber Witzleben, sorge Er nur weiter so gewiffen- haft für meine Forsten!"

Der alte Forstmann küßte ehrfurchtsvoll die dargebotene Hand seines Monarchen und war damit gnädig entlasten.

4.

' Das Erstaunen des Regierungsrats Pfeifer war nicht gering, als er bald darauf die Aus­fertigung zur Ernnenung seines Freundes in der Kanzlei des Konsistoriums sah, denn bet Oberjägermeistet hatte seinem Neffen wohlweis­lich kein Sterbenswörtchen von seiner erfolg­reichen Audienz beim Kurfürsten gesagt. Auch als ihm Pfeifer davon Mitteilung machte, lächelte der alte Herr nur geheimnisvoll, verriet aber durch nichts den Fürsprechen, dem der Pfar­rer seine Beförderung zu verdanken hatte. Der biedere Ortwein wollte die Sache zuerst gar nicht glauben, als er aber seine Ernennung schwarz cuf weiß und mit dein großen, aufge­drückten Siegel des Kurfürsten vor sich sah, blieb ihm kein Zweifel, daß ein guter Engel seine Sache bei seinem Herrn in Caffel geführt hatte, und Fräulein Lenken, die trotz des Alterunter- schiede-^ welcher zwischen ihr und dem Regie-

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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. F

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