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Marburg

Donnerstag, 4. Oktober 1906.

Hiertrljährlicher Bezugspreis: bet der ExpÄitio« 2 ML, 'M 090 bet allen Postämtern 2,25 Mk. (.epi. Bestellgeld).

JusirttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfg.

Reclamen: die Zeile 30 Pfg.

iE Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag: Joh.Aug.Koch, UniverfitStEuchdruckerei 41. Jabra» Marburg, Markt 21. Telephon 55.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchkain

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Zweites Blatt.

Bestellungen

für das vierte Quartal

i» auf die 5 <f

^OSer hessische Zei taug" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition »Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch- Kain, Neustadt und Wetter, sowie von Men Postanstalten und Landbriefträgern ent-

^gegengenommen,

(Nachdruck verboten.)^ Wilddieb wider Willen. Erzählung von R. Trenkhorst.

(Fortsetzung).

...Mein Onkel, der Oberjägermeister von Witzleben!" stellte Pfeifer den Fremden seinem Freunde vor, der nicht begreifen konnte, was in aller Welt bei seiner Erzählung des alten Herrn Keltere Laune hätte erregen können.

Nehmen Sie es einem alten Eraukopf ncht übel, Herr Pfarrer," begütigte dieser Ortwein, wenn derselbe eine Geschichte herzlich lächerlich findet, die Sie selbst mit so großem Schmerz er­füllt. Aber ich kenne unfern Herrn, den Kur­fürsten, durch einen fast täglichen Umgang so ge­nau, daß ich Ihnen den bösen Ausgang Ihrer Audienz hätte Vorhersagen können. Seine Durchlaucht hat währerrd seines langen Lebens mit seinen Beamten so viele traurige Erfah­rungen gemacht, daß er von vornherein Niemand trauen zu dürfen glaubt. Wenn Sie so wie ich beinahe dreißig Jahre lang den Lauf der staat­lichen Anstellungen unter unserem Kurfürsten hätten beobachten können, so würden Sie wissen, daß nichts das Mißtrauen unseres Herrn gegen einen Beamten so rege macht, als warme Em­pfehlungen, die demselben gegeben werden. Diese Eigentümlichkeit, grundsätzlich selbst den gerechtesten und wohlgemeintesten Empfehlungen fein Ohr zu verschließen, ist ein Ausfluß des aus­geprägten Gerechtigkeitssinnes unseres Mon- «rchen, der nichts ärger haßt als Protektion. Die

Marburg und Umgrgeud.

Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 de, Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe »Obrrheff. Zig." gestaltet).

Marburg, 3. Oktober.

M. Alte Häuser in Marburg. Das Haus Mugustinergasse Nr. 2 war ehemals die Augu- Itinerherberge, die dem Augustinerkloster in Als- eld gehörte. Nach Aufhebung der Kloster chenkte Landgraf Philipp dieses Haus feinem Sekretär Georg Nußbicker. Später wurde es von Der Universität angekauft, und lange Jahre war Kie Obervogtei darin. Das gegenüberliegende ^Haus Nr. 1, das jetzt umgebaut wird, war Eigen­tum der Franziskanerinnen. Neben Verrichtung geistlicher Hebungen ernährten sich die Schwe- Diern durch ihrer Hände Arbeit. Sie verfertig­ten Wachskerzen und pflegten die Kranken der Stadt. Ursprünglich wohnten sie am lutherischen Mrrchhose, im früheren Dr. Möllerschen Hause, j>as sie von Witwe Lasphe geschenkt bekommen Hatten, aber später verkauften. 1512 kauften sie Has Haus Nr. 1 in der Augustinergasse vor der Mitwe des Schöffen Geil. Das Anwesen bestand aus Haus, Hof, Scheuer und Garten. Am Plan Eftanden neben dem Franziskanerhaus noch drei Däuser, welche im Jahre 1776 abgebrochen mut» hen. Der Landgraf Friedrich H. von Hessen Hatte das Gasthaus zum Weißen Roß und spätere Dosthaus in der Barsüßerstraße, welches der Daftwirt Weiß 1744 erbaut hatte, von Gch. Rat Freiherrn von Uckermann gekauft. Es kostete .8200 Taler. Die Ueber mbe erfolgte am 1. Jan. 1770. In diesem Hause, das zugleich Gasthaus war, befand sich von 1764 bis 1807 die Post. Das Kaus wurde nun zum Präfekturgebäude einge­richtet. Da es nach dem Ankauf fettens des Landgrafen zu Postzwecken an Wagenremisen Arnd Stallungen fehlte, wurden hinter dem Post- mause folgende Wohnhäuser angekaust und ab­gebrochen: 1. Das Haus der Proriteurs Essig, Welches dicht an das Posthaus und die Augu- «inergaffe stieß, für 420 Taler 21 Albus 4 Heller. $. das Haus des Wagenmeisters Schäfer, das an die Augustinergasse und das folgende Haus stieß, für die Summe von 200 Talern. 3. Das Haus des Präzeptors Amrhein, welches an der Unter­gaffe lag, für 244 Taler. Dort wurde nun nach dem Abbruch der genannten Häuser eine Remise mit Stallung erbaut, wie sie heute noch steht, die Augustinergaffe wurde überbaut und der vordere Platz blieb frei liegen. Jetzt befindet sich das

Post- oder Fürstenhaus im Besitz des Kreises, der es für 60 000 Mark vom Staat gekauft hat.

Selbstmord einer Lehrerin. Im Ham­burger Polizeibericht lesen wir: Am Sonntag früh wurde in der offenen Elbe die Leiche einer schwarzgekleideten Dame aufgefischt. Anschei­nend liegt Selbstmord vor. Die Persönlichkeit der Toten, die Mitte der zwanziger Jahre steht, ist noch nicht ermittelt. Vorgefundenen Auf­zeichnungen nach scheint die Tote eine Lehrerin aus einer hessischen Stadt zu fein. Alle diejeni­gen, welche irgendwelche Angaben hierin machen können, werden ersucht, sich Hamburg, Polizei­amt I, zu melden.

* Falsches Geld. Falsche neue Zwanzigmark­scheine sind im Umlauf, sodaß Vorsicht dringend geboten ist! Man vermutet, daß eine Bande be­müht ist, die falschen Scheine in den verschie­densten Gegenden Deutschlands loszuwerden. Kenntlich sind sie u. a. daran, daß die Fasern nicht in dem Papier sitzen, sondern künstlich durch Strichzeichnungen hergestellt sind. Auch falsche Zweimarkstücke kursieren gegenwärtig. Sie tragen die Jahreszahl 1903 und das Bild­nis des Großherzogs von Vaden. Die Falsch­stücke sind leicht und zeigen durch den schlechten Klang ihre Herkunft an. Also Vorsicht, nament­lich bei der Annahme von Eeldrollen, in die die Stücke mit Vorliebe eingeschmuggelt zu sein scheinen.

Speckswinkel, 1. Okt. In der Samstagnacht fiel der 27 Jahre alte Rottenarbeiter Reck von hier beim Legen von Eisenbahngeleisen auf der Staatseisenbahnbrücke in Frankfurt a. M. in den Main und ertrank.

Berleburg, 1. Okt. Am Samstag feierten die Eheleute Bankdirektor Hinsburg hier das Fest der goldenen Hochzeit.

Winterberg, 1. Okt. Der zweite Teil der neuen Bahnlinie Bestwig-Steinhelle-Franken- berg, bei Strecke Steinhelle-Winterberg, ist am Samstag dem Betriebe übergeben worden. Hier fanden aus diesem Anlaß am gestrigen Sonntag große Feierlichkeiten statt. Die Bahn berührt auf der neueröffneten Strecke die Stationen Steinhelle, Wulmeringhausen, Brunskappel, Siedlinghausen, Silbach, Winterberg. Bis zum Jahre 1908 darf man wohl der Eröffnung der ganzen Strecke, deren letzter Teil zur Zeit im Bau begriffen ist, entgegensehen.

Mandeln (Dillkreis), 1. Okt. Am heutigen Tage wurde gegen Abend die Leiche des 48jäh- rigen Bergmanns Friedrich Otto aus Stein» brücken in hiesiger Waldgemarkung von 2 hiesi­gen Einwohnern aufgefunden. Der Selbstmörder hatte den Tod durch Erhängen gesucht. Heber das Motiv der Tat verlautet noch nichts Be­stimmtes.

Hessen-NHan und Nechharsiebrrte.

Offenbach, 1. Okt. Durch ein Eroßfeuer ist gestern Nacht das Dampfsäge- und Hobelwerk der Firma I. u. M. Keiser größtenteils zerstört wor­den.

Worms, 2. Okt. In den Lederwerken des Reichstagsabgeordneten Frhrn. v. Heyl zu Herrnsheim wurde die tägliche Arbeitszeit von 91/2 auf 8% Stunden herabgesetzt. Von über 3000 Herrschen Arbeitern gehören nur ganz wenige einer gewerkschaftlichen Organisation an.

warmen Empfehlungen haben Ihnen also nur geschadet. Aber Sie haben auch noch einen zwei­ten Fehler gemacht, verehrtester Herr Pfarrer, Sie haben damit ein Kapitalverbrechen be­gangen, daß Sie an die sieben Jahre der fran­zösischen Fremdherrschaft erinnert haben. Die­selbe soll nach dem Willen des alten Herrn prin­zipiell nicht editieren. Die Weltuhr wurde bei seiner Rückkehr im Jahre 1813 einfach um sieben Jahre zurückgeschoben; die Menschen erwachten eines schönen Morgens, rieben sich verwundert die Augen und mußten glauben, daß sie einen langen wüsten Traum geträumt hätten, denn es war im Jahre 1813 auf einmal alles wieder, wie es im Jahre 1806 gewesen war. Obersten, die bei Borodino und Saragoffa Regimenter ge­führt, waren über Nacht wieder zu Leutnants, vorttagende Räte wieder zu Referendaren ohne Sitz und Stimme geworden.*) So wollte es Seine Durchlaucht einmal haben, und so ist es auch geworden. Niemand wagt in Gegenwart des Kurfürsten von der Franzosenherrschaft oder gar von Napoleon zu sprechen, und nun kommen Sie Hnglücksmann daher, erzählen, wie Sie es unter König Jerome doppelt so gut wie jetzt ge­habt hätten, und wundern sich noch, daß der jäh­zornige Herr Sie zur Tür hinausgeworfen hat? Ich bin nur erstaunt, daß Sie noch so glücklich davongekommen find, denn gar mancher der hessischen Räte weiß, daß «nM Kurfürst seinen Worten, wenn er zornig ist, gar nicht selten handgreiflich Nachdruck gibt."

*) Historisch.

Mitteilungen aus dem Leserkreise.

Für die unter dieser Rubrik verSfsentlichten Artikel über­nimmt die Redaktion nur die prekgesetzliche Verantwor­tung, nicht aber di« dem puvsikum gegenüber.

Theater- «nd Konzertfrage«.

In den nächsten Tagen beginnt unsere Theater- und Konzertsaison; da erscheint es an­gemessen, ein paar Wünsche zu äußern, die im allgemeinen Interesse liegen, auch wohl im ver­gangenen Winter häufig und von jedem Theater- und Konzertbesucher ausgesprochen, aber in den Sommermonaten brav vergeffen worden sind.

Natürlich handelt es sich wieder darum, Miß­stände zu beseittgen, diesmal Mißstände von so mancherlei Art, daß wir um kurz bleiben zu önnen, sie in Regeln, Mahnungen und Bitte« affen wollen. Hoffentlich tun sie alle die be- cheiden gewünschte Wirkung nach dem Wahl- pruch:

Nimm mir's nicht übel!

Nimm dir's zu Herzen!

Also: 1) Geh eifrig in Theater und Konzerte, veranlaffe auch Freundinnen und Bekannte mft- zugehen, aber komme nie zu spät; und wenn dies Hnglück doch einmal eintritt, so geh durch die am weitesten von der Bühne entfernte Tür in den Saal und warte dort bis zu einer Pause, in der du deinen Platz aufsuchen kannst. Es verlangt dies die Höflichkeit dem gesamten Pub­likum, deinem Stuhlnachbar und den darstellen­den Künstlern gegenüber.

2) Sieh dir auf dem Saalplan vorher genau die Lage deines Platzes an, ob er links oder rechts von der Bühne aus und in der wievielten Reihe er liegt. Du ersparst dadurch dir selbst das unangenehme Herumsuchen, und da du nun den nächsten Weg zu deinem Platze kennst, vielen Mitmenschen unnützes Aufstshen.

3) Bemühe dich, nie während der Vorstellung die Stuhlnummer herunterzuwerfen. (Hebrigens sollte dafür gesorgt sein, daß sie stets fest genug eingeschoben sind!)

4) Setze dich nicht in tabakdurchräuchertem Anzug oder stark parfümiert ins Theater und kritisiere und gestikuliere nicht während der Vor­stellung: Es stört deine armen Nachbarn in den schönsten Genüssen. Deshalb unterlaß auch im ,^oyer" das Rauchen, wenigstens in den kleinen Pausen; nicht nur die Balkonbesucher leiden unter dem Qualm, sondern auch die Darsteller.

5) Klappere während der Vorstellung nicht mit Gläsern :c. (Besonders zu rügen ist das Einsammeln der Teller usw. während des auf die große Pause folgenden Aktes und das Herum­reichen von Bier im Theatersaal selbst. Auch ist auf früheres Anheizen mehr Gewicht zu legen, dann wird das Feuer nicht durch knisterndes Holz ober knackende Kohlen in die Unterhaltung auf der Bühne einzugreifen sich gemüßigt fühlen.)

6) Hole nie Garderobe vor völliger Beendig­ung des Stückes. Es ist mit der Sache, vorzüg­lich aber mit dem Anstande gegen feine Mit­bürger gänzlich unvereinbar, sich in den letzten Minuten der Vorstellung halb aufbruchsfertig hinzusetzen oder mit einem Schoß voll womöglich nasser Mäntel, Gummischuhe und Schirme dem Andern die Möglichkeit zu nehmen, ein Stück zu Ende zu genießen.

An der Garderobe übe ein wenig Geduld! Du hast so lange gewartet, warte bitte noch ein paar Minuten. Die Einrichtung, daß von nun an die Garderobe abgegeben werden muß, trägt

Die beiden Freunde hatten der Auseinander­setzung des alten Herrn schweigend zugehört; es schien ihnen einleuchtend, daß die Sache einen ungleich günstigeren Verlauf genommen haben würde, wenn sie diese Eigentümlichkeiten des Kurfürsten vorher in Betracht hätten ziehen können. Aber was half diese Einsicht nun, nach­dem durch den Zorn des regierenden Herrn jede Möglichkeit einer Erneuerung der Petition aus­geschloffen war? Das bleiche Gesicht des biederen Pfarrers von Ebsdorf zeigte die vollkommenste Trostlosigkeit und große Tränen rollten langsam über die abgehärmten Wangen; der Regierungs­rat seufzte, zuckte bedenklich mit den Achseln und wagte seinem Freunde ebenfalls bei der ver­zweifelten Lage der Dinge keine Hoffnung zu machen. Der alte Oberjägermeister, dem der arme Ortwein von Herzen leid tat, unterbrach zuerst die peinliche Stille, indem et auf Jenen zutrat, ihm freundlich auf die Schulter klopfte und ihn zu ermutigen suchte.

Noch ist Polen nicht verloren!" sagte der alte Herr tröstend,und Sie brauchen durchaus noch nicht die Flinte ins Korn zu werfen. So jäh­zornig unser Monarch an dem einen Tage sein kann, so gutmütig ist er mitunter am andern, und es wird nur darauf ankommen, die Sache beim richtigen Ende anzufassen, um sie wieder ins richtige Eeleis zu bringen. Sie ist zwar gründlich verfahren, und vorläufig darf man Seiner Durchlaucht nicht wieder damit kommen, aber in einiger Zeit wird sich schon eine schickliche Gelegenheit finden, wo man ihm damit von Steuern zu Leibe rücken darf. Ich will Ihne«

ja in sich die Verpflichtung für de« Halter der Garderobe, stets zur rechten Zeit genügend.Per« sonal zur Ausgabe zur Stelle zu schaffen.

7) Schließlich: Kritisiere wenn du dich überhaupt dazu für befähigt halten darfst -» stets in der Weise, daß du wohl die schlechten Seiten einer Aufführung deutlich kenntlich machst, aber auch die guten (besonders nicht air einer individuellen Laune heraus) nicht ver­schweigst. Denke stets daran, daß wir in Mar­burg unter den gegebenen Verhältnissen froh sein können, überhaupt ein Theater zu besitzen.

Hub nun noch zwei Bitten. s

1) An die verehelichen Anwohner des Mu­seums, soweit sie Ladengeschäfte besitzen, möchte ich hochachtungsvoll und ich denke im Namen aller Theater- und Konzertbesucher die Bitte richten, an den Tagen, an welchen Vorstellungen usw. imMuseum stattfinden, die Rolladen pünkt­lich um 8 Hhr (ober wenigstens während einer Pause) zu schließen. Durch Niederraffeln der­selben ist schon die Wirkung manches schönen Stückes vernichtet worden.

2) Die hiesige wohllöbl. städt. Polizei wird hierdurch ersucht zu veranlaffen, daß die am Museum Herrschaften abholenden Equipagen re. in Zukunft nicht eher am Museumsausgange in der Kasernenstraße vorfahren dürfen, als bis die Vorstellung tatsächlich beendet ist und der Wacht­habende ihnen das Zeichen zum Vorfahren gibt. Die Fuhrwerke haben bis zu dieser Zeit in der Ordnung ihrer Ankunft auf der Eymnafiums- feite der Universitätsstraße zu warten.

Zum Schluß möchte ich noch besonders die Herren Studierenden vorzüglich die Kor­porationen und unsere Marburger Mitbürger bitten, Theater und Konzerte eifrig zu besuchen: Je höher die Besuchsziffer, desto größer die Ein­nahme, desto freudiger das Personal, desto eher die Möglichkeit, Gastspiele bedeutender Künstler zu veranstalten und hervorragende Kräfte zu ständiger Mitarbeit zu gewinnen. Trix.

Vermischtes.

Einen Kamps auf Tod und Leben mit einem tollwütigen Hunde hatte dieser Tage der Grund­besitzer Sokolowski in Nowacken zu bestehen. Ein fremder, ziemlich großer Hund jagte auf seinem Hof die Enten umher. Als der nur einige Schritte entfernte Mann den Hund anschrie, stürzte diesr auf ihn los, um ihn zu beißen; die- fer aber schlug das Tier mit der Faust auf den Schädel, so daß es zurücktaumelte. Nun aber raffte sich der Hund auf, stellte sich auf die Hin­terbeine und biß dem Manne nach dem Gesicht. Voller Geistesgegenwart packte 6. den Hund an beiden Ohren und ritt auf dem tobenden Vieh etwa 30 Schritt zum Tore hinaus. Hinter dem Gehöft kam der Hund auf Sturzacker auf den Rücken zu liegen. Der tapfere Mann hielt mit eiserner Kraft das eine Ohr des Tieres fest und schüttete ihm Lehm in den aufgesperrten Nachen, den das wütende Tier gierig schluckte, bis es erstickte. S. warf das noch lebende Tier dann auf den Bauch, klemmte es zwischen die Beine und schleppte es auf den Hof zurück, wo es mit einer Forke gänzlich getötet wurde. Der Tier­arzt stellte an dem Tiere höchste Tollwut fest.

Ein Rekord im Backe« von Brod hat ein eng­lischer Bäcker namens Herbert Proffer in Er« bington geschaffen. Die Aufgabe, die sich dieser unternehmungslustige Mann stellte, war keine ein Anerbieten machen, lieber Herr Pfarrer; geben Sie mir frei Hand, um Ihre Angelegen« beit bei unserem Herrn zu führen, vielleicht ge­lingt es mir auf anderem Wege, ein günstigeres Resultat zu erzielen!"

Wenn auch Ortwein die Schreckensszene im kurfürstlichen Kabinett noch zu gut in Erinne­rung hatte, als daß er noch an eine glückliche Wendung der Dinge zu denken wagte, so war das Anerbieten des prächtigen alten Herrn doch zu liebenswürdig gestellt, als daß er cs nicht mit Freuden hätte annehmen müffen.

Ich banke Ihnen von ganzem Herzen. Herr Oberjägermeister," sagte ber Pfarrer,daß Sie sich meiner in so freundlicher Weise annehmen wollen, nur hege ich die Befürchtung, daß Sie sich durch meine Protektion Hnannehmlichkeiten zu­ziehen werden!"

Na, darüber mögen Sie sich immerhin be­ruhigen, Verehrtester!" lachte der joviale Herr, zum mindesten wird meine Bemühung i;m Sli in ein Gewand gekleidet werden, daß selbst «in noch mißtrauischerer Herr, als unfer Kurfürst ist, und das will viel sagen, von Protektion nichts merken soll. Aber nun, lieber Neffe," wandle n sich an den Regierungsrat,tröste Du Deinen Freund so gut es gehen mag und binde ihm ge­wissenhaft auf die Seele, wenn er noch einmal zur Audienz beim Kurfürsten erscheint, daß er vor allem sich niemals wieder ohne Zopf prä­sentiert!" Der alte Herr schüttelte lächelnd den -eiben Freunden die Hände und ging.

(Fortsetzung folgt.).