mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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zum Parlament hat bereits begonnen. Die Eröffnung der Mgeordnetenversammlung erfolgt nach einem Monat.
„Meine älteste Tochter und meine kleine Hausregentin, seit ich vor zwei Jahren meine liebe Rtau verloren habe," sagte Ortwein
Die heutige Nummer umfaßt 3 Blätter.
In einem der lieblichsten Seitentäler Lahn, dem sogenannten Ebsdorfer Grunde, liegt zwischen dem mächtig auffteigenden Frauenberg mit den grotesken Trümmern der riesigen Burg .Sophias von Brabant und den dichtbelaubten Hügeln des Oberwaldes und der Seift, im grünen Versteck das kleine Pfarrdorf Ebsdorf. Jeder Fußbreit dieser herrlichen Eebirgsland« fchaft ist historischer Boden; jene ernsten steiner- jnen Zeugen auf dem Gipfel des Frauenbergs er- jinnern an die Zeit der heiligen Elisabeth, dicht Unter ihnen liegen die Gehöfte der französischen Emigranten, welche die Aufhebung des Edittes von Nantes aus ihrem Vaterlands vertrieb.
„Ei der Tausend, da hast du ja einen gesegneten Hausstand!" rief Pfeifer lachend, indem « dem Pfarrer gratutterentz >N HaM hin-
freundlichem Gruße entgegen und erkundigte sich, indem er zum Sitzen einlud, nach seinen Wünschen.
„Na, das hatte ich doch nimmer geglaubt," rief der Fremde lachend, indem er den Wanderstock verwundert in den Boden stieß, „daß nach kaum zwanzig Jahren mein Pylades seinen Orest vergessen haben würde! Sind die Schwüre ewiger Freundschaft verflogen die der Studiosus der Eottesgelahrtheit Karl Leonhard Ortwein seinem Busenfreunde Justus Pfeifer aus der hehren alma water Philippina zu Marburg einst geleistet hat?"
„Wahrhaftig, Du bist's Justus!" rief der Pfarrer hocherfreut, indem er den Freund herzlich umarmte, „jetzt kenne ich Dich wieder, aber wie in aller Welt kommst Du hieher nach dem abgelegenen Neste?"
„Ei," versetzte Pfeifer, indem er seinen Arm in den des Pfarrers schob und denselben mit sich nach dem schattigen Laubenfitze zog, „ich bin auf Urlaub und habe einmal wieder das liebliche Marburg ausgesucht; da hörte ich denn von Freund Plathner, den Du auch noch von Deinen Burschenjahren kennst, daß Du hier in Ebsdorf Pfarrer seift, und habe den Umweg nicht gescheut, um meinen Freund Ortwein wiederzusehen. Schenke mir, wenn Du mit Deinem halb verdursteten Freunde ein christlich Mitleid hast, ein Täßchen von Deinem duftenden Mokka ein, und dann erzähle mir, wie's Dir ergangen! "
Der Pfarrer stand auf, rief einige Worte in das Haus hinein, worauf ein hübsches schlankes Mädchen von ungefähr achtzehn Jahren mit einem zierlichen Knix eine zweite Taffe auf den Steintisch setzte.
eine waldige Anhöhe dabei mft den Trümmern einer uralten Kapelle ist die Stätte, wo Konrad von Marburg von Mörderhand erschlagen ward, und im Norden steigt auf einsamen Basaltfelsen die stärkste Festung des Kurfürstentums Mainz, Amöneburg, empor.
Es war an einem freundlichen Junitage des Jahres 1816, als auf der Landstraße, die von Sichertshausen durch den Ebsdorfer Grund nach Amöneburg und Schweinsberg führt, ein stattlicher Herr in der Mitte der vierziger Jahre daherschritt und vor dem anmutig gelegenen Pfarrhause zu Ebsdorf Halt machte. An einem einzigen Anhängsel, welches der Fremde trug, hätte jeder Bewohner des Landes sogleich erkannt, daß derselbe kurfürstlich hessischer Beamter sein müßte, denn auf seinem Rücken prangte noch der altertümliche Zopf, den der greise Kurfürst Wilhelm von Hessen sogleich nach der Vertreibung , der Franzosen aus Deutschland mit obligatorischem Zwange wieder bei seiner Armee .unb seinen Beamten eingeführt hatte.
Der würdige Pfarrer, der in einer Laube des kleinen Vorgartens saß, um den Nachmittagskaffee einzunehmen, ging hem Eintretenden M
lächelnd, während sich die Jungfu feinte, „Magdalena ist bte alte Kindern!"
Uebervorteilung deutscher Klein-Kapitalisten durch ausläMsche Banken.
Immer mietet werden Einzelfälle bekannt, aus denen erhellt, wie ost und wie arg im großen Publikum die geschästsunkundigen Kreise der Verleitung zum Borsenspiel im Auslande, und überdies manchen damit verknüpften Ueber- vorteilungen unterliegen, feit die Mißgriffe unserer Gesetzgebung dir spekulative Neigung der Kapitalisten immer mehr auf das Ausland hindrängen. Vor einem bayerischen Gerichtshof stand ,wie wir der „Frff. Ztg." entnehmen, kürzlich folgender Tatbestand zur Verhandlung. Durch die Vertreter einer Londoner, nichts weniger als angesehenen Firma wurden sogar kleine und klein st ePlätze auf dem Lande besucht, um dort gewisse Shares unterzubringen. Auf diese Weise gelang es, in dem einen Ort dem Pfarrer, in dem andern einem Landwirt Aktien der Columbian National Railway aufzuhängen, und zwar zum Preise von etwa 9Ü sh, zuzüglich Kommission und Spesen. Hinterher erfuhren die Käufer nicht nur, daß sie bester von diesem Papier überhaupt die Hände gelosten hätten, andern, daß am gleichen Tage solche Shares in London zu nur etwa 6y2 sh. erhältlich waren! Als sie geltend machten, sie hätten nur Auftrag zum kommissionsweisen Ankauf gegeben, zahlten dieDermittler sofort den Differenzbetrag heraus. Aber als nunmehr gegen sie der Staatsanwalt Klage wegen Verletzung von § 79* des Börsengesetzes erhob, behaupteten die Angeklagten, es habe sich um feste Abschlüsse gehandelt, und obwohl Zeugenaussagen dies bestritten, wurden sie nach etwa sechsstündiger Verhandlung fteigesprochen, weil der Gerichtshof den Sachverhalt als nicht hinreichend geklärt ansah. Damit ist (wir wißen nicht, ob bereits rechtskräftig) der Einzelsall an sich auch strafrechtlich erledigt.
Für das öffentliche Interesse aber scheinen uns noch zwei Punkte beachtenswert. Einerseits sollten daraus nämlich, unter den Bettretern ausländischer Firmen wie unter den sonstigen Vermittlern, auch Leute mit weitem Gewissen erkennen, daß UebervotteilungsgelLste seht leicht nicht nur zur Ersatzleistung, sondern auch ins Gefängnis führen können. Die zivilrechtliche Seite war in jenem Falle nur deshalb nicht zu würdigen, weil sofort freiwillig Ersatz geleistet wurde. Diese Ersatzpflicht wäre auf alle Fälle, und selbst bei festem Abschluß, auch bann vorhanden gewesen, wenn dem Käufer irgend etwas Falsches angegeben wurde;
streckte; „ich habe nach den Wotten St. PauN gehandell: „Heiraten ist gut, aber Nichtheiraten ist bester!" Ich bin Junggesell mit Begeisterung!"
Damit begann er die Tafle auszuschlürfen.
„Schmeckt Dir der Kaffee nicht, lieb« Freund?" sagte der Pfarrer verlegen, als er lah, wie Pfeifer mit verzweiflungsvollem Gesicht bas schwarze Getränk hinabwürgte.
„Verzeih, mein Lieber, aber zum Kuckuck auch," tief der joviale Junggeselle, was trinkst Du denn da für eine Sorte, wo wächst die denn eigentlich?"
„Es ist Eichelkaffee!" versetzte Ottwein ziemlich kleinlaut, „unb jene Eiche, die dort ihre Zweige über mein Häuschen streckt, ist meine Kaffeestaude; sich .lieber Freund, ich habe zwtt- bundert Taler Gehalt, ohne die geringsten Ne« teneinkünfte, unb — sieben Kinder, da mutz man sich eben nach der Decke strecken!"
„Zweihundert Taler Gehalt und sieben Kinder!" rief Pfeifer verwundert aus, „ja. wie ist es denn da möglich, auszukommen? Wenn Du das fertig bringst, verdienst Du bei unserem sparsamen Landesherrn Finanzminister zu werden I"
„Freilich ist das nicht ganz so leicht!" lächelte der Pfarrer schmerzlich, indem er die Taste von sich schob, „ich habe auch versucht, mir eres dieser dürftigen Lage herauszuhelfen, und unsere hohen Herrn um eine bessere Stelle gebtten, aber ich habe immer abschlägige Antworten bekommen! Ich hätte cs schon meiner Heranwachsenden Jungen wegen gern gesehen, wenn ich nach einer Stadt mit einer guten Schule versetzt worden wäre, aber leider hatte ich keine Fürsprecher, unb bie vakanten Stellen haben bish« immer Anbere bekommen!"
„Ah, da bedauere ich Dich von ganzem Herzen!" nickte Pfeifer, indem et sich langsam übet den Bart strich, aber sag mal, lieber Ottwein, kann ich Dir denn da gar nicht helfen? Ich bin fett Ostern Syndikus beim Konfistottum in
Ml Hute «suchen guten Freund, ter
zu Liebe schon beim Kurfürsten für Dich sprecheff würde!" ,
„Ei, sieh einmal an, mein Bester!" rief bex Pfarrer überrascht, „ich habe ja gar nicht geahnt, daß ich in Dir einen so wichtigen Vorgesetzten zu sehen habe, ich gratuliere bestens, Her«, Regierungsrat I" „ . -
„Danke, danke, mein Pylades!" lächelte deL Freund, indem er Ortweins Hand kräftig WÜ* telte, „wenn ich Dir einen guten Rat geben soll« so reiche wenigstens ein Gesuch beim Konsistte rium um Erhöhung Deines überaus dürftigen, Gehaltes ein, und ich will dann schon für dessen, Befürwortung sorgen. Am besten wär s sie« lich," fügte er nachdenklich hinzu, „wenn DU? selbst nach Cassel kämest und bei unserem Herr« Deine Sache in Person vorbrächtest."
Der Pfarrer sann einige Augenblicke nach. ■, Nun, so schwierig wäre es für mich gerate nicht, nach Cassel zu kommen," meinte er bann,; „unser Schulze fährt in einigen Wochen hin und würde mich wohl gerne mitnehmen, wenn ich eL ihm sagte; unb wirklich, meine pekuniäre ®e* brängnts, trotzdem ich mich so sehr wie möglich einttchte, wird täglich größer, ich nehme Steint Fürsprache an und komme nach Cassel zum Kurt' fürftenw 1
„Gut," sagte Pfeifet, „bei mir kannst Dff wohnen, ich habe von meinem seligen Vater etff Haus in Cassel geerbt, und die weiten Raum« freuen sich jedesmal, wenn sie statt bet üblichen zwei Personen, meinet alten Magd und meinet Wenigkeit, einmal drei sehen. Also abgemacht!
Der Pfarrer schlug freudig ein. Bis gegen Abend saßen die beiden Freunde, zu denen sich beim Abendessen noch Fräulein Lenchen gesetzt hatte, in traulichem Gespräch zusammen, banff brach der Regierungstat auf, um nach Amon« butg, wo denselben ein Onkel, bet Amtmann Happel, erwartete, vor Nacht zu erreichen, ung der Pfarrer ließ es sich nicht nehmen, den Freilich halbro-as dahin zu begleiten. >
(Fortsetzung folgt.); j
; • Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck mA Verlag- Joh. Ang. Koch, UniversttLtrÄuchdruckerel 41.
Marburg, Markt 21. - Telephon 55. x' M H
Zur Lage in Rußland.
In dem Zarenpalais zu Peiethof wettern wie die „Times" aus Petersburg bettchten. Vor- bereitungen zur Rückkehr der kaiserlichen Fa- milie an diesem Sonnabend getroffen. Nach einer anderen Version soll ihre Rückkehr auf einen Monat verschoben wollen sein, weil bet Zar unwohl sei; doch könne der Aufschub auch durch den seht natürlichen Wunsch des Zaren, seine Fetten zu verlängern, veranlaßt fein.
Seit der Veröffentlichung des Gesetzes übet die Kttegsfeldgettchte vom 7. September bis zum 26. September sind die Urteile dieser Gerichte an 26 Personen vollstreckt worden. — Den Bauern soll der Austritt aus ihren Gemeinden erleichtert werden, die ihrerseits den Landbesitz des Ausscheibenden bezahlen müssen. Es ist projettiert, den Versatz solchen Landbesitzes in der Bauern-Agtatbank zu ermöglichen. — Inj Altai-Bezirk werden 22 Millionen Deßjatineif Kabinettsländer des Zaren unter langfristige« günstigen Bedingungen an Uebersiedler verkauft werden. ~~ i
Moskau, 28. Sept. (SB. B.) Das Bank- Komitee an bet Moskauer Börse beauftragte Alexander Gutschkow, beim Finanzminister für die Privatbanken um Verlängerung der Kreditvergünstigungen nachzusuchen, die für die Kriegszeit bewilligt wurden. Das Stadthaupt Nikolaus Gutschkow suchte bei der Regierung um eine kurzfristigen Vorschuß von einer Million Rubel für die Stadt Moskau nach, da eine Anleihe bis zum Zusammentritt der Duma schwer realisierbar sei.
Helstngfors, 28. Sept, (SB. B.) Das Aboer Hofgericht übergab die Angelegenheit der am Sveatetger Aufstande beteiligten Finländel dem Helfingforser Rathausgericht. Diese Personen werden nicht wegen eines Staatsumwälzungsversuches gettchtet, sondern analog den vom Sveaborger Kriegsgerichte gefällten Urteilen wegen offenen Aufstandes zum Zwecke bet Unterstützung bet von der Arbeitergruppe gestellten Forderungen von Land und Freiheit.
(Nachdruck verbaten.)'
Wilddieb wider Willen.
Erzählung von N. Trenkhotst.
1.
Aufstand auf der Insel Cuba.
Havanna, 28. Sept. Kriegssekretar Tast erklärte heute Nachmittag, er sei davon überzeug^ daß die Vereinigten Staaten heute Abend obet spätestens morgen ihre Truppen landen lasse« müssen, in welchem Falle dann die Proklamierung der provisorischen Regierung erfolge« würde. Er habe zu den Vorschlägen keiner Pattei Skrttauen, da Überall Unaufrichtigkeit hervortrete, und Patttottsmus, wie die Amerikaner das Sßort verstehen, Überhaupt nicht Vorhände« sei. Die Regierungstruppen sind für die 3ntey ventton Amerikas. ‘
Neueste Telegramme.
Berlin, 29. Sept. Zu der Entstehung der Gerüchte über den Weiterbau der Bahn Lüdetttz- pucht—Kubub erfährt die „T. R.", daß vor eint» tzen Monaten, als durch die vielfachen Angriffe gegen die Kolonialverwaltung die Aussichten auf Bewilligung der Strecke Kubub—Keetmanshoop im Herbst sehr gering waren, tatsächlich die Firma A. Koppel zusammen mit der für Kolo- .pialbahnen ihr verbundenen Firma Dachstein bei der Kolonialverwaltung den Antrag gestellt hat, die Bahn aus eigenen Mitteln weiterbauen zu dürfen. Die einzige Bedingung, die die Firmen stellten, war die Garantie für gewisse erhöhte Frachtsätze, die ihr vom Reiche eingeräumt werden sollten. Das Kolonialamt hatte sich nicht entschließen können, berartige Bedingungen auf längere Zeit einzugehen, so daß die Vethandlun- gen nicht zu einem Resultate führten.
Berlin, 29. Sept. Das Reichsverficherungs- amt hat an alle deutschen Berufsgenossenschasten Anfragen darüber gerichtet, welche Schritte sie .unternommen haben, um dem Mißbrauch geistiger Getränke unter den Arbeitern bet ihnen un» ßerstellten Betriebe entgegenzutreten. Eleich- geitig werden die Berufsgenossenschasten aufgefordert, dieser Angelegenheit fortgesetzt ihr Augenmerk zu schenken.
Petersburg, 28. Sept Wie aus Petersburg dem Laffan-Bureau gemeldet wird, soll der Zar den Befehl unterzeichnet haben, den General Stöffel auf die Liste bet dauernd pensionierte« Generale zu setzen. Alle weiteren Verhandlungen des Kriegsgerichts über die Kapitulation pon Pott Atthur sollen aufgehoben werden, j London, 29. Sept. Wie dem „Daily Telegraph" aus Tokio gemeldet wird, veröffentlichen die ,Lapan Times" eine vermutlich von einem in Tokio studierenden Hindu rührende Zuschrift, in welcher gesagt wird, Indien fei erwacht zum Streben nach Wiedererringung bet Freiheit und wartete auf die Hilfe des orientalischen Volkes, Welches bereis in der Zivilisation so große Erfolge zu verzeichnen habe.
I Teheran, 27. Sept. Der Schah wurde bei seiner Rückkehr aus seiner Sommettesidenz hier enthusiastisch begrüßt. Die Stadt wat illuminiert. — Die Zusammenstellung der Wahllisten
und skrupellose Vermittler müssen bamit rechnen, daß sie in solchen Fällen bie Richter gegen sich eingenommen finben. Ueberbtes würde, wenn eine Vorspiegelung nachzuweisen ist, nach bet strafrechtlichenSeitedie Anklage wegen Bettugs nahe liegen. Die Pflichten tes Kommissionärs aber werden nicht nut bann verletzt, wenn er absichtlich zum Nachteil des Kommittenten handelt (§ 79* S.45.), sondern auch, wenn <t in der Absicht der Bereicherung den Kommittenten durch wissentlich unrichtigen Rat ober unrichtige Auskunft schädigt (§ 79»). Für jeden bet beiden Fälle ist Gefängnis und Geldstrafe, ja selbst bet Verlust bet Ehrenrechte angedroht; nur bei mildernden Umständen kann der Richter fich auf Geldstrafe allein beschränken. Zugleich ergibt sich für bas Publikum die Lehre, solchen Verlockungen zumBörsensptelambestengarkeine Beachtung zu schenken, jedenfalls aber, sich nur mit völlig vertrauenswürdigen Detmitt- lern einzulassen, und selbst diesen gegenüber jedes Angebot so gründlich und so ernsthaft zu prüfen, wie dies in Geldsachen eben unerläßlich ist. Handelt es sich um mündliche Vorschläge, bann sollte bet Kommittent, für sich selbst wie für den Vermittler, völlig unb einwandfrei klarstellen, was ihm als angebliche Tatsachen angegeben wird, auch was seinen Ankauf rechffer- tigen soll. Daß ein kleiner Landwirt an sich schon tobten vernünftigen Ettlnd haben kann, sein gutes Geld auf bie bloße Empfehlung eines Vermittlers für Aktien einer ihm notwenbig ganz fremden Eisenbahn in Columbien herzugeoen, das müßte fitfi doch fast von selbst verstehen. Weshalb denn eigentlich diese, ten weitesten Kreisen mehr oder minder unbekannte Papietsotte gerade bei ihm Vertrauen verdienen soll, weshalb ihm auch nut ein Spekulationsgewinn batet einigermaßen sicher in Aussicht stehe, bafflt müßten ihm doch sehr »er« laßbate Grundlagen geboten sein, wenn bet Ankauf selbst von einem solchen Standpunkte des Borsenspiels vernünftig erscheinen soll. Allermindestens müßte aber selbst bet naivste Kapitalist sich fragen, ob, wo, wie bas angebotene Papier einen Marktpreis bäte: Ist eine Jo wettentlegene Aktie nicht einmal in London marktfähig unb notiert, so sollte sie für derartige Kapitalisten absolut nicht in Betracht kommen können; hat sie aber einen Marktpreis, wie konnte bann selbst ein geschäftsunkundiger Kapitals unterlassen, fich dessen Nachweis zu fordern, (o daß er darauf hineinfiel, etwa das Antetthalv- fache des Tagespreises zu zahlen? Es wäre gewiß nützlich, wenn die hieraus refulttcrenten Warnungen besonders von solchen Blättern rotebergegeben würden, bie in jene Kreise kleineret Kapitalist en bringen. •
V Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Ml, flfH-**♦<•***♦.*
' 99Q bei allen Postämtern 2,25 Mk. (ejd. Bestellgeld). HflnWUiy
Soimtag, SO. September 1906.