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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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JK 225
Bierteljährlicher Bezugspreis; btt der Expedition 2 M., btt allen Postämtern 2,25 M. <.exel. Bestellgeld).
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Marburg
Mittwoch, 26. September 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, UniverfitätS«v«chdrucktrei
Marburg, Mar» 21. — Telephon 55.
41. Jahrg.
Neueste Telegramme.
Berlin, 25. Sept. Zu den neuerdings wieder ausgetretenen Gerüchten vom Rücktritt des Kultusministers v. Studt erfährt die „D. Tagesz.": Daß Herr v. Studt nicht mehr allzu lange im Amte bleiben wird, ist bei seinem hohen Alter »nd den Anforderungen, die gerade das Kultusministerium an die Arbeitskraft stellt, selbstverständlich. Andererseits ist in unterrichteten Kreisen nicht das mindeste darüber bekannt, daß et entschlossen sei, demnächst, d. h. in den nächsten Wochen, sein Abschiedsgesuch einzureichen.
Berlin, 24. Sept. Das „Armeeverordnungsblatt" veröffentlicht eine kaiserliche Kabinetts- vrdre, datiert Karlsruhe, den 20. September, nach der das 1. badische Feldartillerieregiment Ar. 14 fortan den Namen „Feldartillerieregi- tnent Erotzherzog (1. badisches) Nr. 14“ zu führen hat.
Koblenz, 24. Sept. Die „Koblenzer Ztg." meldet, der kommandierende General v. Deines werde Vorsitzender des Retchsmilitärge- richts. Militärkreise bezeichnen als seinen Nachfolger den kommandierenden General, Generalleutnant Linde aus Cassel, wohin wiederum Herzog Albrecht von Württemberg versetzt würde.
Stuttgart, 24. Sept. Nach Abschluß der Korpsmanöver des 13. Armeekorps am letzten Samstag hat der König, wie der „Schwäbische Merkur,, berichtet, Kritik vor den versammelten Kommandeuren abgehalten. Er hat dabei die Ausbildung und Leistungsfähigkeit sämtlicher Truppen des Armeekorps, ebenso die Aufnahme zmd Anwendung der Grundsätze des neuen Exerzierreglements für die Infanterie als eine durchaus befriedigende, die Kriegstüchtigkeit des 13. Armeekorps als eine den übrigen Korps der deutschen Armee ebenbürtige bezeichnt t und sämtlichen Offizieren, an deren Spitze dem kommandierenden General v. Hugo, seinen warmen jDant für die verständnisvolle Arbeit zur Erreichung des so befriedigenden Ergebnisies ausgesprochen.
Hamburg, 25. Sept. Kolonialdirektor Dern- burg wird voraussichtlich in Cuxhaven eint reffen, um die neuen Einrichtungen wegen Unterbringung der heimkehrenden Truppen aus Süd- Westafrika zu besichtigen. Zukünftig sollen bk Truppen eine etwa achttägige Quarantäne durchmachen.
! London, 24. Sept. Ein in den Abendblättern veröffentlichtes Telegramm aus Kapstadt bringt die Nachricht, daß zwei Engländer Degen Lieferung von Waffen über bis Grenze an die Hereros zu Geldstrafen !von je 30 Pfund Sterling oder im Falle der Sichtzahlung zu je 4 Monaten Gefängnis verurteilt worden sind. Der Richter verurteilte die Handlungsweise der zwei Leute in schärfsten
tz7 f (Nachdruck verboten.)'
Zwei Freue«.
Roman von E. Borchart.
lFortlehung.)
11. Kapitel.
Es ist Winter geworden. Schnee und Eis bedeckten Berge, Felder und Saaten, Wald und Park haben ihr weißes, glitzerndes Kleid angelegt. Die Stürme pfeifen und toben oft un- cheimlich durch das Schloß, setzen sich in den Türmen fest, rütteln an alten, morschen Angeln und Fenstern und biegen die Kronen der Bäume. Elisabeth sitzt in ihrem Zimmer und sehnt sich Nach Blumenduft, Vogelsang und Frühlings- luft.
„Wenn's doch erst Frühling wäre!" Immer hat sie eine glühende Sehnsucht nach Wärme und Glück, immer dieses unerreichbare Ziel vor Augen.
Seit jener letzten verhängnisvollen Fahrt hat sich reine Gelegenheit zu einem ungestörten jBeisammensein der beiden Gatten mehr gefunden und Elisabeth sucht sie auch nicht. Sie empfindet es als eine Wohltat, daß ihr Gemahl sie jetzt mit jeder Zärtlichkeit verschont. Sein ^zurückhaltendes, aber trotzdem höfliches, freund- iliches Wesen täuscht sie über seine Empfindung. Cie mertt nicht, daß er leidet und daß seine Augen oft verstohlen und verlangend auf ihr xuhen, daß sie jeder ihrer Bewegungen folgen.
Er macht durchaus nicht den Eindruck eine» Ritters von der traurigen Gestalt. Er ist ganz Die immer, kraftvoll, energisch in Worten, Be- Degungen und Taten, er zeigt dasselbe Jnteresie ton seinem Gut wie vorher, er kann lachen und Isich anregend unterhalten und selbst die kluge Deate über seinen inneren Zustand im Unklaren »rhalten.
■ Elisabeths anfängliche Scheu, ihre Gewissens- l'ijle werden dadurch geringer. Cie beruhigt
Ausdrücken und wies auf die Spannung der Beziehungen zu Deutschland hin, die voraussichtlich eintreten würde, wenn eine solche unerlaubte Handlungsweise nicht scharf unterdrückt werden würde.
Frankreich.
dP Nicht bloßer Zufall ist es wohl, daß in einem Augenblicke, wo Frankreich von eigen- und uneigennützigen Freunden förmlich umworben wird, mehrere Organe der französischen Presie die elsaß-lothringische Frage anschneiden und sich mit den politischen Zuständen und Stimmungen der reichsländische Bevölkerung beschäftigen. Was dabei herauskommt, ist allerdings wesentlich verschieden von früheren Ergebnissen derartiger Untersuchungen und kann den französischen Chauvinismus, soweit er mit einer ausgesprochen franzosenfreundlichen Stimmung in den Reichslanden rechnet nicht gerade ermutigen. Mit Recht wird nämlich be- mertt, daß die Parteien in Elsaß-Lothringen sich nicht mehr in eine der Republik treuen und eine mit der deutschen Oberhoheit ausgesöhnte Partei scheiden. Die Zeit des Nationalitäten- rampfes, so schreibt ein Blatt, ist vorüber, dafür geht der Kampf jetzt um religiöse und soziale Interessen. Klerikale und Antiklerikale stehen der äußersten Linken, der sozialistischen Partei, gegenüber. Die elsaß-lothringische Frage, die gegenwärtig die Bevölkerung bewegt, ist nicht mehr dieselbe, die einst von der inzwischen verschwundenen Protestlerpartei aufgeworfen und verfochten wurde ist nicht mehr die Frage: Frankreich oder Deutschland? Heute handelt es sich darum, wie die Elsaß-Lothringer sich mit der neuen Lage am besten abfinden können. Aufbauen und Einrichten, nicht Verändern und Umstürzen ist die Signatur des Tages. Es gilt, der Bevölkerung in allen ihren Schichten eine sichere und dauernd zufriedenstellende Lebenslage zu schaffen. Dst französische Presse glaubt auch mit gewissen Rückwirkungen der religiösen Kämpfe auf Elsaß-Lothringen rechnen zu müssen, vor allen» in der Richtung, daß die antikatho- lisch< Politik der französischen Regierung die Landespartet in ihrer Annäherung an das Zentrum bestärken werde. Daraus erklärt sich, so meint man, zur Genüge, daß die französische Sache in den Reichslanden an Sympathieen fortgesetzt verliert. In Deutschland wird man anderer Meinung sein und sich der Gewißheit freuen dürfen, daß aus dem Wettstreit der beiden Nationalitäten tn den Reichslanden schon nach einem Menschenalter deutsche Sprache und deutsche Gesinnung als Sieger hervorgegangen sind, ein vollgültiger Beweis dafür, daß eine fast zweihundertjährige Fremdherrschaft die Spuren und Wurzeln des Deutschtums nicht hat austilgen können. Deshalb aber gibt es eine elsaß-lothringische Frage nicht mehr, und alle Hoffnungen, die nach dieser Richtung in Frankreich noch immer genährt werden, find eitel null und nichtig.
sich bei dem Gedanken, daß es so, wie das Verhältnis sich gestaltet hat, am besten ist; sie redet sich ein, ihn zufrieden zu stellen, wenn ste ihm nur ein freundlich heiteres Gesicht zeigt, Unb das tut sie redlich, sobald sie nut mit ihm zusammenkommt. Et ist jetzt in dieser Jahreszeit mehr zu Hause, aber sie firht ihn nut in Beates Gegenwart.
Wie unhaltbar dieser Zustand ist, darüber denkt sie nicht nach, wie ste sich denn überhaupt ängstlich vor jedem Grübeln und Sinnen hütet.
Aber eine Stimme in ihrem Innern schweigt trotzdem nicht; sie wird laut bei jeder Gelegenheit. Das ist die Stimme die nach Glück schreit, nach Frühlingssonnenschein, nach Liebe.
Der Anblick des wilden Schneetreibens draußen, des todstillen Parkes, der kahlen Bäume weckt diese Stimme ober auch ein Brief von den Eltern, wenn sie immer wieder zwischen den Zeilen die Frage liest: Bist du glücklich, mein Kind?
Ihre Briefe an die Eltern enthalten nie eine Klage. Sie schildert ihnen Landegg und ihr Leben aufs genaueste, hütet sich aber ängstlich, ihnen ihr seelisches Unbefriedigtsein zu verraten. • t .
Dennoch beunruhigte sich die wachende Mutterliebe; sie forscht und fragt in jedem neuen Brief dasselbe, wenn auch nicht immer in ausdrücklichen Worten.
Das Weihnachtsfest rückt immer näher. Was hätte Elisabeth danirn gegeben, es in dem Kreise ihrer Lieben verbringen zu dürfen, doch das ist ausgeschlossen. „Ehegatten müssen den ersten Weihnachten im eigenen Hause feiern" hat ste oft sagen hören, und sic wagt es nicht, diesem Spruch entgegenzuhandeln und den Gatten um die Erlaubnis zur Reise nach Berlin zu bitten. Wohl kann ste ihn bitten, die Eltern nach Landegg einzuladen, aber ste weiß, daß diese Reise teuer ist, und daß man zu Hause sparen muß, und sich das Reisegeld von ihm
Sozialdemokratischer Patteitag in Mannheim.
Auf dem, wie schon gemeldet, am Samstag abend in Mannheim eröffneten diesjährigen Parteitage erstattete Abg. Pfannkuch den Geschäftsbericht des Patteivorstandes, wobei et ausführte: Der Streit, ob Partei- und Gewerkschaftsführer gleichberechtigt seien, sei ein müßiger. Die Gewerkschaften sollten, soweit es die Aufgaben der Gewerkschaften zulassen, Vorschulen der Sozialdemokratie sein. Namens des Parteivorstandes erklärte er als Grundsatz, daß die Gewerkschaften seitens der Partei die größte Unterstützung erfahren müßten und sollten. Die Zersplitterung der Gewerkschaften in zentral- und lokal- organisierte sei zu bedauern. Der Parteivorstand sei einmütig der Ansicht, daß die großen wirtschaftlichen Kämpfe der Gegenwart mit Erfolg nur durch eine einheitlich zentralisierte Gewerkschaft geführt werde» könnten. Der Parteivorstand habe alle» getan, um die Agitatton in wirksamster Weise zu fördern. Wenn trotzdem hier und da der Vorwurf erhoben wird, der Vorstand hätte andere Mittel anwenden und schärfer vorgehen sollen, so dürfe man sich dadurch nicht irritieren lassen. Wenn solche Vorwürfe von ausländischen Genossen erhoben würden, so könne man das verstehen, unverständlicher seien sie aber von Genossen im Inlands, die doch die Verhältnisse kennen. Die deutsche Partei könne auf ihren Erfolg stolz sein und befinde sich jedenfalls auf dem richtigen Wege, um das Proletariat, wenn auch langsam, so doch sichet zum Siege zu führen.
Der Unterstützung der revolutionären Bewegung in Rußland galt ein großer Teil der gehaltenen Ansprachen. Singet beglückwünschte die „Genossin" Rosa Luxemburg für ihre Teilnahme an den Um- trieben in Polen und versicherte die russischen Revolutionäre der Sympathie des deutschen Proletariats. Der Vertreter bet sozialistischen Parteien Russisch-Polens erklärte: Die Revo- luttonäre in Polen stehen in einem blutigen Kampfe gegen den Zarismus. Die Verfolgungen sind ft'tchtbar, um so heldenmütiger aber auch bet Kampf. Es sei bereits gelungen, große Teile bet Armee zu gewinnen unb zu organisierten Genossen zu machen. Es gibt heute bereits mehr sozialistische Agitatoren unter ben Solbaten als im Vorjahre organisierte Solbaten überhaupt. Ganze Regimenter seien bereits gewonnen. Allerbings stehe noch nicht bte ganze zaristische Armee auf Seiten des Volkes, ein großer Teil sei bem Zarenreiche noch treu. Dieser Teil bet Truppen sei aber stark demoralisiert unb nicht imstande, ben Kampf gegen bte Revolutionäre zu führen. Es sei aber nicht nur ge
schenken zu lassen, bazu sinb bte Eltern zu stolz. Darum schweigt sie unb sucht sich durch aller- hanb Vorbereitungen zum Fest von ihren sehnsüchtigen Wünschen abzulenken.
Es soll eine Armenbeschemng im Schlosse ftattfinben, unb sie hat vollauf zu tun, um für alle bie Kleinen unb Großen bas Nötige zu beschaffen und auch eigenhändig anzufertigen. Es macht ihr Freude, einen Gegenstand nach dem anderen unter ihren Händen entstehen zu sehen.
Es ist Beate nicht unlieb, zu sehen, wie Elisabeths Zeit dadurch so in Anspruch genommen wirb, daß sie sich nicht um Dinge kümmern kann, bie einer Herrin wohl zukämen, aber von ihr selbst bestimmt werben wollen. Sie hat es längst herausgefunden, daß Elisabeth trotz ihrer anfänglichen Unsicherheit unb Unerfahrenheit verzweifelt gute Anlagen hat, in Wahrheit Herrin zu sein. Die junge Gräfin weiß eine so eble, stolze Haltung, eine so ruhige Sicherheit zu bewahren und so kurz und klar ihre Befehle zu erteilen, baß sie sich bie Herzen ihrer Dienerschaft im Sturme erobert hat. Besonbets ihrs Zofe hängt an ihrer jungen Herrin mit verehrender Liebs. Sie ist vielleicht die einzige, die ahnt, daß nicht alles in dieser jungen Ehe stimmt, aber sie hätte sich lieber die Zunge abgebissen, als irgend jemand ihre Beobachtungen preiszugeben.
Elisabeth weiß, daß sie auf Bertha bauen kann. Sie vergilt es ihr durch ein gütiges Wesen, welches sich dennoch nichts von ihrer Würde vergibt.-----
Der vierunbzwanzigste Dezember, bet heilige Abenb, ist angebrochen.
Die Bescherung bet Armen unb bte bet Dienerschaft ist vorüber. Sie hat Elisabeths Gedanken ganz beherrscht, so daß sie nicht zum Nachdenken über sich selbst gekommen ist. Aber nun steht sie mit Herbert und Beate allein in dem großen Saal unter dem brennenden Saum. Beate weint — -um ersten Male siebt Elisa-
lungen, bie Soldaten, sondern auch das Landvolk zu gewinnen. Die Zahl der Feldarbeitev. streiks sei von 2000 im vorigen Jahrs auf 3000 gestiegen. Es sei gelungen, iy2 Millionen Rubel Lohnerhöhung zu erzielen. Die Landbevösi ketung bilde jetzt einen sicheren Hort der Sozial, demokratie. /
Es sprach dann, stürmisch begrüßt, Frau Balabanow für bte russische Sozialdemokratie. De* deutschen Partei habe sie besonderen Dank fü< die intellektuelle, moralische und materielle lltu terstützung der russischen Revolution auszuspr« chen. Die russischen Genossen nehmen die Unter-, stützung gern an, nicht als Almosen, sondern al» Leistung von Genossen für Genossen. Sei doch auch Deutschland besonders eng mit dem SchiL, sal des russischen Kampfes verknüpft. Die Ein-, zelheiten der Bewegung seien ben beutschen Genossen bekannt. Die Leiben bet russischen Genossen könnten durch eine Schilderung nut profaniert werden. Aber sie führten den Kampf weiter mit stoischem Heroismus, mit einer Energie unb einem Zielbewußtsein, wie noch nie ein Kampf von einer Klasse geführt worben fei. Zwar wüßten bte russischen Arbeiter, daß dieser Kampf noch lange nicht beendet sei. Wir wollen erst durch den Konstitutionalismus bte Möglichkeit schaffen, ben Klassenkampf vorzube- reiten und zum Endziel zu gelangen. In früheren Revolutionen ließen sich die Massen hinschlachten für nationale Ideen und für bie herrschenden Klassen. Wenn heute sich die Massen in Rußland hinschlachten lassen, so sei der Kamps für den Konstitutionalismus nut bas Mittel um bas größere Endziel zu erreichen.
auf»
Die Regelung der Regentschastsfrage in Braunschweig.
Aus Kreisen, die über die Vorgänge Hl Braunschweig unb Gmunden unterrichtet zu fein scheinen, verlautet, bie maßgebenden Persönlichkeiten in Berlin unb in ben anbeten Bundes- staaten seien bereits von Braunschweig bah!« verstänbigt worben, baß bie jetzige Regent« schaftserledigung unbebingt zu einer enbgimge« Lösung bet Braunschweiger Thronfolgefrage benutzt werbe. Falls eine Einigung mit bem Herzog von Cumberland unb seinen Söhne« nicht erfolge, werbe bie Lanbesversammlung zur Wahl eines neuen Herzogs schreiten und ben nächstberechtigten Kognaten, ben Herzog Karl Borwin von Mecklenburg-Strelitz bett zweiten Sohn bes Eroßherzogs unb Enkel bet Großherzogin-Witwe Auguste Karoline, geborenen Prinzessin von Hannover unb Großbritannien, wählen. Die Großherzogin-Witwe ist bie Schwester bes letzten Herzogs von Cambribge, unb beibe sind Geschwisterkinder des Königs Ernst August von Hannover, aus dessen Ehe mit der Prinzessin Friederike von Mecklenburg- beth sie weinen — unb auch Herberts Gesicht ist ernst. Es ist bas erste Weihnachtsfest, bas bie Geschwister ohne ben Vater begehen. Elisabeth wirb es weh ums Herz. Wie anbers hatte auch sie sonst biesen Tag gefeiert im trauten Familienkreise mit Eltern unb Stuber. Wie fröhlich unb selig war sie gewesen! Unb heute ist es traurig zum Sterben. Weihnachten ist ein Fest bet Liebe. Unb sie kann bem Mann an ihrer Seite nut Hochachtung entgegenbringen.
Jetzt wendet et sich ihr zu und sieht sie se- kundenlang mit eigenem Blick an. Dann nimmt et ihre Hanb und führt sie zu bem Platz, wo er die Geschenke für fein junges Weib ausgebaut hat. Ueberreich hat er sie bedacht, seine Ltebe hat zartsinnig das gerade Erwünschte zu wähle« und zu erraten gewußt. „
Elisabeth steht einen Augenblick überrascht unb beschämt vor biesen Gaben, ehe sie ihm die Hand reicht: .
„Habe Dank, Herbert, tausenb Dank — aber es ist zu viel, zu reichlich, — bu verwöhnst mich unb ich — habe nur eine einzige Gabe für dich!
.Welche?" fragt er lächelnd und em Gedanke steigt in ihm auf, befeeligenb und kühn. Schon in der nächsten Sekunde folgt die Enttäuschung: Elisabeth hat eine kostbare Decke geholt, die sie selbst gearbreitet hat, seit viele» Wochen schon. Er nimmt sie unb beitet sie aus-
etnanber. ,
„Du selbst hast sie gestickt, Elisabeth?"
„Ja," antwortet sie leise.
„Soviel Mühe, soviel Arbeit!" denkt et, und ein einziges liebes Wort hätte alles ausgewogen, wäre mit eine viel liebere und kostbarere Arbeit gewesen." J
Aber er dankt ihr freundlich und spricht vo« „gu viel Mühe für ihn —" •
Auch mit Beate werden Geschenke ausge* tauscht; es geschieht alles ohne besondere Freude ohne Fröhlichkeit und Seligkeit.
(Fortsetzung folgt)