kommissar von Griechenland ernennt. Zaimis geht nächste Woche an Bord des Panzers „Psara" nidj Kreta ab.
Petersburg, 23. Sept. Die „Moskauer Deutsche Zeitung" meldet, das Verkehrsministerium habe den Bau eines Kanals beschlossen, der Ostsee und Schwarzes Meer verbindet. Die Länge des Kanals, der von Riga über Witebsk und Kiew nach Jekaterinoslaw geführt wird, soll 2330 Werst betragen, der Kostenanschlag 75 Millionen Rubel.
Tientsin, 22. Sept. Der französische General erhielt von seiner Regierung den Befehl, alle Dispositionen bett. Verringerung der Besatzung aufzuheben. Die Bcsatzungsstärke solle unverändert bleiben.
Zur Lage in Rußland.
Geplante Ermordung des Zaren.
Dem „Daily Expreß" wird aus Petersburg telegraphiert, die Behörden hätten alle Beweise, daß die'Terroristen den Zaren formell zum Tode verurteilt haben, und daß sie ihn nicht nur in Peterhof und Zarskoje-Sselo mit Bomben erwarten, sondern daß ihre entschlossensten Werkzeuge sogar nach Finland gingen, um während der Besuche des Zaren auf dem Lande an ihn heranzugelangen. Der Palast zu Peterhof sei voller Geheimpolizisten und jedes Mitglied des kaiserlichen Haushaltes befinde sich unter lleberwachung. Viele verdächtige Dienstboten wurden entlasten. Der Palast sei von einem wurden entlasten. Der Palast sei von einemKor- don auserlesener Truppen umzingelt, und dir pin besonders verbürgt werden müsten. Die Beamten erhalten jeden Tag Warnungen vor einem Attentat auf den Zaren nach seiner Rückkehr. Jnfolgtt>essen werde er feinen Aufenthalt in den finischen Gewässern auf unbestimmte Zeit verlängern. Jeden Tag finden noch Verhaftungen statt.
Die Programme der monarchistischen Parteien.
Nachdem der russische Ministerpräsident und Minister des Innern Stolypin den vor wenigen Tagen nach Petersburg gekommenen Führern fast aller monarchistischen Parteien in Rußland gestattet hat, einen mehrtägigen Kongreß abzuhalten, um Direktiven für das weitere Vorgehen der regierungsfreundlichen Organisationen auszuarbeiten, veröffentlichen jetzt verschiedene monarchistische Parteien ihre revidierten polittschen Programme beziehungsweise die Grundzüge derselben für die bevorstehenden Reichsdumawahlen. Unter diesen Bekanntmachungen lenkt in erster Linie das Programm des vielgenannten und von den Revolutionären besonders gefürchteten „Verbandes wahrhaft russischer Leute" die Aufmerksamkeit auf sich. Dieser Verband will, daß die otthodoxe Kirche, die russische Staatsorganisation und die russische Volkstümlichkeit unzertrennbar mit einander verbunden sein sollen. Das Furdament des
■ I !■ ■ I ll—w ■■
um, abe- im gleichen Augenblick durchzuckt sie ein jäher Schreck
Der Platz ist leer.
Graf Landegg ist ihren Bewegungen gefolgt, er sieht ihr heftiges Erschrecken und versteht sie sofort. Sein Antlitz verdüstert sich:
„Was ist dir, Elisabeth? Du bist plötzlich so bleich und erregt."
„Warum hast du Karl heute nicht mttge- nommen?" fragt sie bebend dagegen.
„Was willst du von ihm?" Er stellt sich, als verstehe er ihre Angst nicht.
„Laß uns umkehren," bittet sie.
„Torheit!"
Ein leidenschaftlicher Zorn hat ihn ergriffen, entgegen seiner sonstigen zartfühlenden Vorsicht.
„Herbert, ich bitte dich, laß uns heimkehren!" „Nein, wir fahren weiter."
Er sieht, wie sie gittert.
„So . . . so war es deine Absicht?" stottert sie.
„Was war meine Absicht?" fragte er rauh, mit gerunzelter Stirn.
„Daß du . . . ihn nicht mitnahmst."
„Den Diener, meinst du? — Natürlich! — Wozu sollen wir den Aufpasser immer hinter uns haben? Können Mann und Frau nicht einmal allein sein?"
Sie zittert heftiger. Da lacht er auf, und es klingt ein schmerzvoller Hohn hindurch, als er ousruft: „Du fürchtest dich wohl vor mir?"
Sie antwortet nicht.
„Du bist kindisch, Elisabeth? Gab ich dir je Grund zu Furcht und Mißtrauen?"
Sie sitzt mit gesenkten Lidern und im Schoß verschlungenen Händen neben ihm und schweigt.
„Elisabeth!" sagte er begütigend und faßt nach ihrer Hand. Mit schnellem Ruck entzieht sie ihm diese.
Da flammt es ihm auf, wild und leidenschaftlich:
russischen Reiches bildet das russische Volk und die unbeschräntte selbstherrliche Macht des Zaren. Die ständische Einteilung des russischen Volkes muß beibehalten werden. Die volkswirtschaftliche Staatsverwaltung muß auf der wirtschaftlichen Ottsverwaltung basieren. Be- achtenswett ist ferner das Programm der kürzlich in Moskau begründeten Partei der „Na- rodniki". Darnach muß das russische Reich ganz und unteilbar bleiben; die Stütze desselben ist der Zar, der im Verein mit Volksvertretern das Land regiert. Die Person des Monarchen ist heilig, unverantwortlich und unantastbar. Herr des russischen Landes ist das stammangesessene russische Volk mit dem Zaren an der Spitze. Die innere und äußere Politik Rußlands muß im nationalen Sinne geführt werden. Eine konstituierende Versammlung, sowie eine Autonomie der einzelnen Gebiete ist nicht zulässig. Die politischen Programme anderer monarchistischer Parteien haben im wesentlichen dieselben Erundzüge und weichen nur wenig von einander ab.
Verschiedene Meldungen.
Petersburg, 22. Sept. (P. T.-A.) In der Angelegenheit der Explosion in der Villa des Ministerpräsidenten Stolypin find weitere 12 Personen verhaftet worden, die sämtlich ihre Mitschuld an dem Verbrechen eingestanden haben. An der Spitze der Organisation stand eine Jüdin, die anfangs nicht geständig war, später jedoch durch die Aussagen der übrigen Verhafteten überführt wurde.
Petersburg, 22. Sept. (P. T.-A.) Während der Leichenfeier für Trepow sind in Peterhof bei der Kathedrale tätsächlich fieben Personen verhaftet worden. Doch erfolgte die Verbaftung nicht wegen eines Attentatsversuches, sondern wegen Steuerungen über die Tätigkeit Tre- pows, die von den Verhafteten öffentlich gemacht wurden.
Petersburg, 22. Sept. Angesichts der großen Gefahr, welche der Polizei durch die Revolutionäre droht, haben in Petersburg in den letzten zwei Wochen 5 Vezirksaufseher, 6 Gehilfen, 4 Revieraufseher und 34 Schutzleute ihren Abschied eingereicht.
Moskau, 22. Sept. Da in mehreren Fabriken Wahlen von Arbeiterdeputattonen stattgefunden haben, so erließ der Stadthauptmann einen Aufruf, in dem er bekannt gibt, daß derarttge Mahlen unstatthaft seien, da der Arbeiter- deputtettenrat von der Regierung als revolutionäre Organisatton betrachtet würde.
Riga, 22. Sept. (P. T. A.) Als heute Abend gegen 6 Uhr der Eeneralgouverneur Sollohub auf dem Bürgersteige die Straße entlang schritt, wurde aus dem Fenster eines Hauses eine Bombe geworfen, die auf dem Pflaster explodierte und ein Schaufenster zertrümmerte, aber keinen weiteren Schaden anrichtete. Eine sofort angestellte Durchsuchung des Hauses hat zur Ermittelung des Täters nicht geführt.
Rischni Nowgorod, 22. September. Auf der Messe wurden bei zwölf Banken bis zum 18.
.......... ===~===
„Du machst mich toll, Elisabeth!" ruft er laut und zieht dabei die Zügel so fest an, daß die Pferde einen entsetzten Sprung tun und der leichte Wagen zur Seite geschleudert wird. Elisabeth hält sich angstvoll an der Lehne fest.
„Habe ich überhaupt ein Weib oder habe ich es nicht?" fährt er zornig auf, den Zwischenfall nicht beachtend. „Warum bist du mir gefolgt, wenn du mich so verabscheust, daß ich nicht einmal deine Hand erfassen darf?"
Elisabeth ist totenbleich geworden. „Habe Geduld mit mir," bittet sie leise und schüchtern.
„Habe ich sie nicht gehabt bis hierher--
habe ich nicht gewartet und gehofft? Aber du entziehst dich mir mehr und mehr. — Sage, was soll daraus werden, und was hast du dir eigentlich unter einer Ehe vorgestellt?"
Elisabeth gitterte und fein Ton entringt sich ihren Lippen.
„Anfwotte mir," drängt er.
„Ich kann mich nicht anders geben, als ich bin," antwortet sie endlich.
„Aber du bist anders, du kannst anders sein. Denke an den kleinen Werner Boyneburg, zu dem du so zärtlich und lieb bist, daß ich fast eifersüchtig auf ihn werden könnte. Du liebst ihn eben, während ich dir unleidlich zu sein scheine."
„Nein, das ist nicht richttg!" rief Elisabeth, mit Mühe ihre Tränen zurückdrängend.
„Was ist nicht ttchtig?" fragte er rauh. „Ich achte dich — ich verehre dich . . ,* „Und liebst mich nicht," vollendete er.
„Du wußtest es,“ erwiderte sie mit grausamer Offenheit.
Er holt tief Atem. „Ja — ich wußte es — wenigstens das, was du mir bei unserer Verlobung sagtest. Du könntest mich nicht so lieben wie ich dich, meintest du. Wie konnte ich das auch verlangen? Aber ich ahnte nicht, daß du Mir geradezu abgeneigt hist, JD Elisabeth,
September Wechsel im Betrage von 24 700 008 Rubel diskontiert, gegen 26 400 000 Rubel im Vorjahre. Viele größere Abschlüsse fanden gegen Barzahlung statt.
London, 22. Sept. Die „Times" sagen in ihrem heuttgen Finanzartikel, das Geheimnis wegen der Bestimmung der Million Pfund Sterling in Goldbarren, die in der Zeit vom 14. bis 28. August auf dem offenen Markt gekauft worden ist, sei nun enthüllt worden; der ganze Betrag sei nach Petersburg gegangen.
Siedlce, 23. Sept. Eine von zahlreiche» Reitern begleitete Abordnung überreichte dem auf einer Dienstreise begriffenen katholischer Bischof von Ljublin ein prächtiges Kissen, welches mit dem Emblem des polnischen Königtums, dem einköpfigen weißen Adler mit rotem Schnabel, geziert ist. Auch die Kleidung bet Reiter, welche polnische Nationaltracht trugen, sowie das Banner zeigten den weißen Adlet. Die Juden brachten überall dem Bischof Salz und Brot dar.
Helfingfors, 23. Sept. Die kaiserliche Familie unternahm am Donnerstag und Freitag Jagdausflüge in den Schären. Die kaiserlich« Flottille liegt seit Donnerstag bei Penttilä.
Aufstand ans der Insel Cuba.
Auf Cuba soll, wenn Palma mit seinen Ministern zurücktritt, zunächst ein amerikanisches Militär-Eouvernement eingesetzt werden. Gilt der Regierung nahestehender Kongreßabgeord- neter erklärte, daß die bewaffnete Intervention der Vereinigten Staaten am 25. d. M. Begin, nen werde. Der Jnsurgenienführer General Ernest Asbert hat eine Proklamation erlassen worin es heißt: Wenn Palma nicht nachgebe» sollte, werde alles Eigentum zerstört werden um die amerikanische Intervention zu erzwin gen. Die aufständigen Cubaner seien gewiß daß Roosevelt die jugendliche Republik nicht annektieren werde, da er persönlich mitgeholfe» habe, Cuba von den Spaniern zu befreien. Di< Newyorker „Tribüne" behauptet, die cubanisch» Revoluttons-Junta in Newyork habe in Deutschland vor drei Wochen eine große Menge Was fen und Munition für die Rebellen bestellt. Dü Bestellung soll bet einer Hamburger Firma erfolgt sein und sich auf 6000 Mauser-Gewehr» und eine Million Patronen belaufen haben. Der Auftrag wurde jedoch widerrufen, da erst das Resultat der Friedensverhandlungen abgewartet werden sollte. Wenn diese aber endgültig scheitern, sollen die Waffen, wie dar Blatt wissen will, wirklich geliefert werden.
Rewyork, 22. Sept. Nach den neuesten Nachrichten aus Havanna haben bet Kriegssekretär Taft unb bet Unterstaatssekretär Bacon bi« Hoffnung aufgegeben, bie Streitigkeiten durch Vergleich schlichten zu können. Sie bezeichnet die Besetzung Cubas durch die Vereinigten
warum . . ." seine Stimme bebt vor Schmerz, „warum bist du bann mein Weib geworden?"
Elisabeth fühlte einen stechenden Schmerz iit ihrem Hetzen. Jetzt ihm die Wahrheit gestehen — jetzt ihm sagen: „Ich brachte ein Opfer für die Meinen, darum tat ich es." Wenn dies» Last von ihrem Herzen herunter wäre!
Sie durfte es heute so wenig tun wie vorher, sie mußte schweigen um seinetwillen.
In ihrer Ratlosigkeit verliert die jung« -Frau ihre Fassung, die sie bisher ihm gegenüber stets bewahrt hatte. Sie preßt ihr Taschentuch vor die Augen und bricht statt aller Antt wort in Tränen aus.
„Elisabeth?"
Sein Zorn ist verraucht. Et kann es nicht sehen, daß sie weint, und sein eigener Schmer, verschwindet dabei.
„Sei ruhig, Kind?" tröstet et sie weich und gart, „du darfst nicht weinen unb dich nicht ängstigen. Ich verspreche bir, dich nicht mehr mit meiner Leidenschaft zu erschrecken unb zu belästigen — ich werde warten, bis du mir freiwillig ein liebes Wort gibst. Und nun, Elisabeth — willst du mir nicht jetzt wenigstens die Hand reichen, zum Zeichen, daß du mir nicht mehr zürnst?"
In Elisabeth ist bei seinen Worten etwas aufgekeimt, ein seltsames Gefühl, das sie sich nicht erklären kann. Schnell reicht sie ihm di« Hand, und als er seine Lippen darauf preßt, fühlt Elisabeth ein leichtes Beben durch ihre» Körper rinnen.
Nun wendet Graf Landegg unb fahrt tt scharfem Trabe heim. Vor der Rampe befl Schlosses hält er mit kurzem Ruck an, springt a» unb wirft dem herbeieilenden Diener dre Zuger zu Dann hebt er seine Frau mit freundliches Worten, als fei nichts geschehen, vom Wagen.
(Fortsetzung folgt)
Jts. 224
Vierteljährlicher Bezugspreis: btt der Expedition 2 Mll, bet allen Postämtern 2,25 Mk. (qrcL Bestellgeld).
ZnserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Ptz.
Neclamm: die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Dienstag, 25. September 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mall
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UmversttätS4v«chdruckerei
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
II
41. Jahrg.
Neueste Telegramme.
. Berlin, 24. Sept. Der Kaiser wird am 15. Oktober von Essen kommend, der am folgenden Tage stattfindenden Enthüllung des Kaiser -Wilhelm-Denkmals in Bonn beiwohnen.
, Berlin, 24. Sept. Der Tod des Prinzen Albrecht, der bekanntlich an der Spitze des Bohanniterordens stand, macht für den Orden eine Neuwahl ihres Oberhauptes notwendig. Es darf als feststehend angesehen werden, daß Prinz Friedrich Leopold von Preußen zum Herrenmeister gewählt werden wird. Pttnz Heinrich von Preußen, des Kaiser Bruder, dem die Erwählung angeboten wurde, habe das ihm an- getragene Amt ausgeschlagen.
Berlin, 23. Sept Reichskanzler Fürst Bülow dürfte feinen Homburger Aufenthalt bis in das zweite Oktoberdrittel ausdehnen und dann Nach Berlin zurückkehren, falls die Amtsgeschäfte picht schon eine frühere Rückkehr bedingten.
Berlin, 22. Sept. An amtlicher Stelle ist von S. M. Schiff „Tiger" die Meldung einge- jgangen, daß bas Schiff den Taifun glücklich überstanden und abgesehen von einigem Materialschaden (3 Boote sind verloren) keine Verluste erlitten hat. „Niobe" ist ganz von dem Taifun verschont geblieben.
I Danzig, 22. Sept Heute Mittag fand die Namengebung des Kreuzerneubaues „O" in Gegenwart der Spitzen der Behörden und zahlreicher geladener Gäste statt. Als Vertreter des Reichsmarineamtes war Vizeadmiral v. Ahlefeld erschienen. Oberbürgermeister Gauß-Stuttgart taufte das Schiff auf den Namen „Stuttgart". Planvoller Sinn liege in dem kaiserlichen Gedanken, durch die Wahl der Namen deutscher Länder und Städte für deutsche Kriegsschiffe die Marine in den großen Gemeinwesen und die großen Gemeinwesen des Reiches in der Marine heimisch $u machen, die beide der Ausdruck erstarkender vaterländischer Kraft seien. Stuttgart dürfe doppell erfreut sein darüber, daß sein Name mit diesem stattlichen neuen Kreuzer verbunden sei. Je ferner Stuttgart vom Meere ab liege, desto stolzer sei die schwäbische Hauptstadt darauf, ihren Namen auf den Wogen zu wissen und um so dankbarer.
•’ Haag, 22. Sept. Aus Bali wird amtlich berichtet, daß in Badoeng zwei Häuptlinge mit Frauen und Kindern gefangen worden sind. Bei dem letzten heftigen Kampfe wurden etwa 400 Eingeborene getötet, auf holländischer Seite sielen 4 Mann unb ein Offizier, 9 Mann wurden Verwundet.
Athen, 22. Sept. Die Vertreter der vier Schuhmcuyte haben dem Ministerpräsidenten amtlich mitgeteilt, daß die Schutzmächte dem Vorschläge der Regierung zusttmmen, daß der König von Griechenland Zaimis zum Eeneral-
25 (Nachdruck verboten.).
Zwei Frauen.
Roman von E. Borchart.
(Fortsetzung.)
Das nasse Wetter hatte mehrere Tage angehalten. Endlich brach bie Sonne wieder durch und wärmte mit ihren Strahlen noch einmal die Erde, ehe Schnee unb Eis sie winterlich bedecken sollten. Graf Landegg hatte ein Alleinsein mit seinem Weibe lange nicht genossen. Des schlechten Wetters wegen waren die gemeinsamen Ausgänge und Fahrten unterblieben. Heute bat er Elisabeth, wieder eine Ausfahrt mit ihm zu -Maihen, und Elisabeth sagte wie immer bereit» willigst zu.
Der elegante zweisitzige Wagen stand bereit, Unb bie beiden mutigen Rappen davor stampften ungeduldig den Boden.
Herbett half seinem Weibe hinauf, sprang dann selber schnell auf, ließ sich vom Diener die Zügel reichen, und fort ging es in schneller Fahrt.
Es wehte eine kühle, frische Luft, und Elisabeths Wangen röteten sich, ihre blendende Haut trat dadurch nur leuchtender hervor. Auf den welligen Haaren saß ein dunkles englisches Hütchen, und ihre schlanke Gestalt umschloß ein dunkelblaues Kostüm. Das alles kleidete sie so vortrefflich, daß ihre Schönheit nie siegreicher jjutage getreten war als heute.
Nachdem das Paar den Wald erreicht hat, läßt Graf Landegg die Pferde langsam gehen, unb seine Blicke ruhen mit unverhohlenem Entzücken auf bem Antlitz seines Weibes Eine nur schwer gezügelte Leidenschaft spricht sich darin aus.
i Elisabeth bemerkt diesen Blick, doch er beunruhigt sie nicht sonderlich. Hinten sitzt der Diener, unb dieser kommt ihr wie ein Schutz Wor, Fast unwillkürlich wendet sie sich nach ihm