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HK Erscheint wöchentlich sieben mal. ,

Druck und Verlag: Joh. Sug. Koch, UnivrrfitStS^vuchdruckrrei 41. Jahrg.

Marburg, Markt 2L Telephon ob.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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y,~ Sonntag, 23. September 1906.

Zweites Blatt.

Reue-e Telegramme.

Stuttgart, 21. Sept. Heute fand die zweite Allgemeine Versammlung des Deutschen Natur­forscher- und Aerztetages statt. Es sprachen Pölz ^Stuttgart) über Besessenheit, Lehmann ((Karlsruhe) über flüssige Kristalle und Peuck- Werlin) über Südafrika und die Sambesi-Fälle. Nach einer kurzen Ansprache des 2. Schriftfüh­rers Hell schloß der 1. Vorsitzende der Gesell­schaft, Chun (Leipzig) die 78 Versammlung mit i>em Ausdruck des Dankes an alle, die zum Ee- itingen der Tagung beigetragen haben.

I Konstantinopel, 21. Sept. Die Pforte pro­testierte neuerdings bei den Schutzmächten von Kreta dagegen, daß sie, obwohl sie die Beibehal­tung des Status quo in Kreta und die Sou­veränitätsrechts des Sultans garantierten durch ihren letzten Beschluß dem Könige von Griechenland das Recht zuert'eilsn, den jswei- sigen Nachfolger des OSerkommissars zu bezeich­nen, wodurch die Souveränitätsrechte offen ver­letzt würden. Die Pforte unterrichtete die Mächte von dem Gerücht, daß Bulgarien eine allgemeine Mobilisierung der Reserven plane. .Alle Kabinette erklärten daraufhin, daß sie die .Gerüchte für unbegründet halten.

f Peking, 21. Sept. (Reuter.) Auf Anraten pon Abgesandten, die den Vizekönig Juanschikai M Rat gefragt haben, ist heute abend ein Er­laß veröffentlicht worden, durch den der Opium- tzenutz für Eingeborene und Fremde nach Ablauf jton 10 Jahren gänzlich verboten wird. Der Erlaß verurteilt scharf das Laster des Opium- rauchens und weist den Staatsrat an, strenge Bestimmungen für die Durchführung des Ver­bots zu treffen.

!, Schanghai, 21. Sept. Die Heeresorganisa- tionsbehörde übernahm die Verwaltung aller Arsenale, die bisher den Biz'ekönigen der ein­zelnen Provinzen unterstanden. Man betrachtet dies als einen deutlichen Fortschritt in der Rich­tung zur Heereszentralisation.

Die Regelung der Regentschaftssrage in Braunschweig.

Der braunschweigische Rcgentschastsrat hatte die Landesversammlung des Herzogtums zum 21. d. M. einberufen, um über die durch den Tod des Prinzen Albrecht geschaffene Lage zu beraten. Gestern also trat die Versammlung in Braunschweig zusammen und wurde vom Staatsmintster Dr. v. Otto namens des Regent­schaftsrates eröffnet.

Medizinische Rundschau.

Das neue Behringsche Tuberkulosehril- Mittel. In der neuesten Nummer der Wiener klinischen Wochenschrift. veröffentlicht Geheimrat v. Behring eine längere Abhandlung, in der die Zusammensetzung seines Tuberkulose-Heilmit­telsTulas e", sowie deren Wirkung auf die Lungenschwindsucht erörtert werden. Behring bespricht zunächst sein Tuberkulofemitte!Bo- vovaccin" und sagt, daß dessen Unschädlichkeit bei mehr als 30 000 intravenösen Impfungen gn Rindern dargetan worden sei . Die Anwen­dung desBovovaccin" zur Bekämpfung der menschlichen Tuberkulose sei trotzdem unange­bracht, da der Anwendung von lebendem Tuber­kulosegift und das genannte Mittel enthalte solches die allerernstesten Bedenken entgegen­gehalten werden müßten. Was die zeitweilig fast allgemein angenommene Lehre betreffe, daß rin Lungerkranker durch Anhusten gesunde er­wachsene Menschen schwindsüchtig machen könne, so finde diese heute nur wenige unbedingte An­hänger. Er stehe fester als je auf dem Stand­punkte, daß das von Rindern stammende Tuber­kulosegift ganz allgemein für Säugetiere, also auch für den Menschen stärker virulent sei, als das anthropogene Tuberkulosegift. Bezüglich der Tierimpfung sagt Behring wörtlich:Her­vorheben und besonders betonen aber muß ich die Tatsache, daß ich an solchen tuberkulose-infi- zierten Rindern, deren Zustand auch nur ent­fernt dem Zustande eines mit tuberkulöser Lungenschwindsucht behafteten Menschen ent­spricht, nicht experimentiert habe und daß ich daher keinerlei wissenschaftlich begründete Unterlagen habe für die Annahme, daß die Tulase" ein zur Heilung der menschlichen Lun­genschwindsucht geeignetes Mittel werden könne. Richt von einem Schwindsuchtmittel im Sinne giilt» Heilmittels für die schon vorhandene tu-

Die staatsrechtlichen Erörterungen lassen keinen Zweifel, daß die Regierung eine Aen- derung der gegenwärtigen rechtlichen Gestalt­ung, wie sie das Regentschaftsgesetz für die Dauer der Negierungsbehinderung des Herzogs von Cumberland begründet, als nicht einge­treten erachtet hat. Sehr wahrscheinlich wird die Landesverfassung dieser Auffassung folgen, sodaß erfreulicherweise eine völlige Ueberein- stimmung der beiden Faktoren bei der Regelung der Regentschaft zu erwarten ist.

Der Staatsminister gedachte in der An­sprache an die Landesversammlung des verstor­benen Prinzregenten. 21 Jahre, sagte er, hat Seine Königliche Hoheit die Regierung des Herzogtums geführt; ein nie ermüdendes Pflichtgefühl, die ernsteste Auffassung der ihm aus der Uebernahme der Regentschaft erwach­senen Aufgaben haben ihn allezeit geleitet, treu zu Kaiser und Reich hat der entschlafene Regent auf dem nie von ihm verlassenen Grunde der Verfassung und des Rechts die Förderung der Wohlfahrt unserer engen Heimat in echt braun­schweigischem Sinne sich recht angelegen sein lassen. Nie wird das Land die pietätvolle, opferbereite Pflege, welche der entschlafene Re­gent den Erinnerungen an Braunschweigs Ver­gangenheit zuwandte, vergessen. Als Seine Kö­nigliche Hoheit am 24. Oktober 1885 auf Schloß Camenz die braunschweigische Abordnung, welche berufen war, Höchstihm die Wahl zu dem verantwortlichen Amte des Regenten zu melden und die Bitte auf Annahme zu unterbreiten, empfing, gab Seine Königliche Hoheit der Hoff­nung Ausdruck, daß Gott ihm die Kraft ver­leihen werde, die Regierung des Herzogtums im Geiste des verstorbenen, hochseligen Herzogs Wilhelm zum Wohle und Segen des Landes zu führen. Die feierliche Zusage, welche diese Worte brachten, hat der entschlafene Regent bis zum letzten Atemzuge treu erfüllt. Soweit es an ihm lag, reihen sich die 21 Jahre seiner Re­gierung im besten Sinne des Wortes der 54- jährigen Regierung des Herzogs Wilhelm an. In dem Herzen der Bevölkerung wird das dank­bare Andenken an den gerechten, weisen und gütigen Regenten bis in die fernste Zeit fort­leben.

Der Minister ging dann auf die Rechtslage ein. Nach dem Verfassungsgesetze vom 16. Fe­bruar 1819 hat das herzogliche Staatsministe­rium zunächst die Mitglieder des Regentschafts­rates berufen, welche sich einstimmig für dessen Konstituierung erklärt haben. Dem Gesetze ge­mäß ist die Konstituierung des Regentschafts­rates und die Uebernahme der provisorischen Regierung seitens derselben am 13. d. M. be­kannt gegeben. Die Landesversammlung ist nach § 3 jenes Gesetzes unverzüglich behufs ver­fassungsmäßiger Mitwirkung bezüglich der durch die obwaltenden Ilmstände etwa weiter gebo- berkulöse Zerstörung im Lungengewebe Habs ich in Paris gesprochen^ sondern von einem Tuber­kulosemittel. das durch frühzeitige Verwendung bei jugendlichen Individuen die Schwindsucht verhüten und allenfalls auf die schon bestehen­den Tuberkulosehcrde so wirken soll, daß ihre Selbstheilung mit Hilfe der natürlichen Kräfte des Organismus nicht 'gestört wird durch er- neuerte'tuberkulöse Infektion." Heber die Her­stellung des Impfstoffes selbst macht Behring folgende Angaben:Der Tuberkulose-Impfstoff wird von mir hergestellt durch Behandlung von Tuberkelbazillen mit Choualhydrat. Trotzdem die Bazillen in derTulase" ihre Säurefestig­keit noch in stark ausgeprägtem Grade besitzen, sind sie doch verändert worden, daß sie vom sub­kutanen Gewebe aus glatt resorbiert werden. Die tuberkelbildende Fähigkeit haben sie bei der von mir vorgeschriebenen Anwendungsweise .vollständig eingebüßt: sie haben aber noch die Fähigkeit behalten, die mitTulase" vorbehan­delten Individuen tuberkulinüberempfindlich zu machen. Eine Infektionsgefahr für die mit derTulase" arbeitenden Menschen ist vollkom- ,me.n ausgeschlossen."

Die Folgen von Eheschließungen zwischen Blutsverwandten. Nach der Meinung vieler Leute stützt sich das Verbot einer Eheschließung zwischen Blutsverwandten im wesentlichen auf moralische Bedenken und erscheint physiologisch wenig begründet. Dem gegenüber macht das Journal der Amerikanischen Medizinischen Ver­einigung auf den Bericht der Zensus-Bureaus der Vereinigten Staaten über die Blinden und Tauben aufmerksam, der aus der Feder Alexan­der Graham Dells, des namentlich als Pionier des Telephons weltberühmten Physikers, stammt. Dor einigen Jahren stellte Bell fest, daß es unter den tauben Kindern, deren Eltern Geschwisterkinder waren, dreimal soviel taubge­borene gab als unter denen, deren Eltern nicht

tenen Schritte einberufen. Der Landtag be­schloß, auf die Botschaft des Ministers eine Er­widerung zu geben und wählte zu diesem Zweck eine staatsrechtliche Kommission, die sofort zu­sammentrat. Wie verlautet, wird die Landes­versammlung in ihrer am heutigen Samstag folgenden Antwort u. a. dem Wunsche Ausdruck geben, der Regentschaftsrat möge dahin wirken, daß aus dem Provisorium ein Defi- nitivum werde.

Aus Braunschweig wird gemeldet, in Kreü» sen braunschweigischer Landtagsabgeordneter bestehe die Absicht, eine Abordnung des braun­schweigischen Landtages zum Herzog von Cum­berland nach Gmunden zu schicken, um ihn zu fragen, ob er unter den ihm von Preußen zu stellenden Bedingungen zum Antritt der Regier­ung in Braunschweig bereit sei. Gleichzeitig solle der Kaiser angegangen werden, die Bedin­gungen seitens der preußischen Regierung for­mulieren zu lassen. Nimmt der Herzog diese Bedingungen an, so tritt er ohne weiteres die Negierung in Braunschweig an, lehnt er sie ab, so wird eine neue Regentschaft gewählt. Die Wahl werde dann in mehreren Wochen statt­finden.

Deutsches Reich.

5.''' Berlin. 22. September.

Seine Majestät der Kaiser und Ihre Ma­jestät die Kaiserin trafen gestern vormittag 11 Uhr 50 Min. von Karlsruhe kommend auf der Station Wildpark ein und fuhren nach dem Neuen Palais. Prinz Oskar und Prinzessin Viktoria Luise waren zum Empfang am Bahn­hof erschienen. Nach kurzem Aufenthalt hat das Kaiserpaar mit der Prinzessin Viktoria Luise die Reise nach Rominten fortgesetzt, wo die An­kunft heute früh kurz nach 4 Uhr erfolgte.

Die Einnahme der preußisch-hessische« Eisenbahngemeinschaft hat im August des lau­fenden Jahres 11,3 Millionen Mark mehr als int gleichen Monate des Vorjahres betragen. Von dem Mehr stammten 1,7 Mill. Mark aus dem Personen- und Eepäckverkehr, 8,7 Millionen Mark aus dem Güterverkehr und 0,9 Millionen Mark aus sonstigen Quellen. In den ersten fünf Monaten des laufenden Finanzjahres bezifferte sich die Einnahme auf 776,9 Millionen Mark, was einem Mehr von 68,8 Millionen Mark gegenüber den gleichen Monaten des Vorjahres entsprach. Von diesem Mehr lieferte der Per­sonen- und Gepäckverkehr 18 Millionen Mark, der Güterverkehr 46,9 Millionen Mark. Im Durchschnitt ist demgemäß auf jeden der ersten fünf Monate beim ersteren Verkehr ein Mehr von 3,6 Millionen Mark, beim letzteren ein solches von 9,4 Millionen Mark gekommen. Das Mehr, daß der Monat August aufgewiesen hat, hat sich beim Personen- und Eepäckverkehr be­deutend und beim Güterverkehr etwas unter dem Fünfmonatsdurchschnitt gehalten.

verwandt waren. Dies Verhältnis ist durch die letzten statistischen Erhebungen bestätigt worden. In anderen Ländern waren die Er­gebnisse gelegentlich noch ungünstiger. Bezüglich der Blinden ist dem erwähnten Bericht zu ent­nehmen, daß 3,67 mal so viel Kinder von bluts­verwandten Eltern blindgeboren werden, als von Eltern, die nicht miteinander verwandt sind. Nicht weniger als 4, v. H. aller Tauben und Blinden stammten von Geschwisterkindern. Bei vielen der Tauben und Blinden war es un­möglich, über eine eventuelle Verwandtschaft der Eltern genaue Auskunft zu erhalten. Diese sind in der Statistik nicht berücksichtigt worden, doch ist es nicht unwahrscheinlich, daß es sich auch in vielen dieser Fälle um die Nachkommen blutsverwandter Eltern gehandelt hat, zumal wie jeder Arzt weiß, die Blutsverwandtschaft der Eltern häufig verheimlicht wird. Die Unter­suchungen von Schulfindern haben ergeben, daß Defekte häufig vorkommen, und wenn die Bluts­verwandtschaft der Eltern der erwähnten Stati­stik zufolge zu einer Zunahm der Zahl der völlig Blinden und Tauben führt, so hat sie zweifellos für die Verbreitung geringerer Sinnesdefekte noch größere Bedeutung. Deutsche Statistiken tun dar, daß z. B. Stotterer häufig von bluts­verwandten Eltern stammen. Die Wahrschein­lichkeit, das Auftreten derartiger schwerer Schä­digungen um das Drei- oder Vierfache zu stei­gern, sollte blutsverwandte Personen, die mit einander eine Ehe eingehen wollen, zu denken geben, daß schon die großstädtischen Verhältnisse als solche das Anwachsen der Zahl der defekten Kinder begünstigen.

Stillprämieik. Um den Kampf gegen die Säuglingssterblichkeit erfolgreich durchführen zu können, hat der Rat der Stadt Leipzig die Ge­währung von Prämien an diejenigen Mütter beschlossen/ die ihre Kinder selbst stillen. Die

Wie schon hervorgehoben, wird das Schul« unterhaltungsgesch, das dem Staate, abgesehen von den bereits im Etat für 1906 ausgewsr- fenen 4% Millionen Mark, etwa 16 bis 17 Mil­lionen Mark dauernde Ausgaben auferlegt, ou| den preußischen Staatshaushalt für 1907 ein;» Einfluß noch nicht ausüben, da sein Jnfiaft« setzungstermin auf den 1. April 1908 gslegt ist, Hierzu gehören einmal die verschiedenen Wasser« straßengesetze. Man dürste, nachdem die nötigen» Vorbereitungen zu einem gewissen Abschluß ge« kommen sein werden, im nächsten Jahre mit bent Bau der beschlossenen Wasserstraßen an verschiedenen Stellen beginnen. Hierzu wird' natürlich die Aufbringung bedeutender Mittel nötig sein. Des weiteren wird an dem Aus« bau des Nebenbahnnetzes, wie er vorn Landtage in den verschiedenen sogenannten Se­kundärbahngesetzen genehmigt ist, auch im Etatsjahr 1907 fortgefahren werden. Auch hierzu werden durch Anleihe bedeutende Mittel l zur Verfügung gestellt werden müssen. Mans ? kann demnach mit ziemlicher Sicherheit anneh« | men, daß der Posten, der int preußischen Staats« I Haushaltsetat für die Verzinsung der Staats­schuld ausgeworfen worden ist, in dem Etat< 1907 eine beträchtliche Erhöhung erfahren wird« Da es sich hier aber durchweg um werbende Ausgaben handelt, für die Zinsen aufgebracht werden müssen, so hat diese Ausgabesteigerung keinen unangenehmen Beigeschmack. Sie wird im Gegenteil dazu beitragen, die Erwerbstätig­keit in Preußen weiter zu heben.

Zur Lage in Rußland.

Petersburg, 21. Sept. Das Finanzministe­rium schlug den Ausländern einen Schadenersatz für den Schaden ab, den sie beim Moskauer De- zemberaufstand erlitten hatten und der auf 1650 000 Rubel geschätzt wurde.

Einige Bauerngemeinden des Petersburger Kreises verweigerten den ausgedienten Sol­daten des Semenow-Regiments die Wiederauf­nahme in die Dorfgemeinschaft.

In Belaja Zerkow fand sich niemand, um ein Todesurteil mit dem Strang zu vollziehe^ das darauf durch Erschießen vollzogen wurde.

Kuropatkin hat nach derStrana" sein um­fassendes Werk über den letzten Krieg abgeschlos­sen und kommt bald nach Petersburg.

Charkow, 21. Sept. In einer hiesigen Syna­goge brach während des Neujahrsgottesdiensteg infolge eines Mißverständnisses eine Panik aus« Bei dem Gedränge an den Ausgängen wurden mehrere Frauen leicht verletzt. Ein Polizei­meister erschien mit Schutzleuten und beruhigte die Leute, worauf der Gottesdienst seinen For^ gang nehmen konnte.

Mitau, 21. Sept. Die wohlhabenden Bau­ern der hiesigen Gegend haben sehr unter bent

Prämien sollen in erster Linie den Ausfall an Arbeitslohn und den Verlust der Arbeitsgele­genheit ausgleichen. Der städttsche Haushalts­plan für 1907 enthält nicht weniger als 15 OOOf Mark für Stillprämien und 1000 Mk. für Geld­belohnungen an Hebammen, die sich der Sache annehmen. Daß noch viel zu wenig Mütter in dieser Beziehung ihren Pflichten Nachkommen^ zeigt eine int Jahre 1904 in Leipzig aufgestellte Statistik. Diese ergab, daß nur 69 v. H. bet? Kinder gestillt werden, 31 v. H. wurden nichh gestillt, nämlich 19 v. H. wegen Krankheit oder Tod bei Mütter, 12 v. H., weil die Mütter zst bequem und gleichgültig waren oder auch ihresi Berufsarbeit nachgehen mutzten. Von 81 v. A. der Mütter, die fähig waren, ihre Kinder zn stillen, haben das also nur 69 v. H. getan,

= Eine große alkoholgegnerische Ausstellung wird onläb-^ des 4. Deutschen Abstinenten­tages in Elberfeld vom 4. bis 8. Oktober in der Elberfelder Stadthalle veranstaltet. Diese Aus­stellung ist in ihrem Hauptteile eine literarische«, Neben der reichen Antialkoholliteratur Deutsch« lands wird in Einzelausstellungen gezeigt wer­den, in welcher Weise sich die demAllgemeinen: Deutschen Zentralverbande zur Bekämpfung M Alkoholismus E. SB. angegliederten alkohol- gegnerischen Vereinigungen gegenwärtig 28? die Aufklärung des Volkes über die schädliche Wirkung des Alkoholgenusses angelegen {eirf lassen. Eine wertvolle Sammlung von Anschau« ungsmaterialie t für Schulzwecke, die Bekäm­pfung des Alkoholismus durch die deutsche» Witzblätter und manches Sehenswerte fonfl wird neben der Ausstellung alkoholfreier Ge­tränke, Apparate zur Herstellung von Limo4 naden usw. geboten werden.