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Marburg Erscheint wöchentlich sieben mal.

_. nn ~ , . _ _ _ Druck und Verlag- I oh. Ang. Koch, UniderfitätEuchdruckere! 41, Svttfirfl»

Donnerstag. 20. September 1906. Marburg, Martt 21. Telephon 55. *

Neueste Telegramme.

,' Berlin. 19. Sept. Aus Anlaß der silbernen Kochzeit des Kaiserpaares waren von zahl- feeichen Städten, Gemeinden, Vereinen und an­deren Korpwrattonen Stiftungen in Geld be­gründet worden, deren Verwendung dem Kaiser- B anheimgestellt wurde. Nunmehr hat die in über diese Stiftungen verfugt. In der fache sollen die Stiftungen dienen für so- Linrichtungen, namentlich für Säuglings- ze, für Mutterschutz, zur Errichtung von cheimen, wie überhaupt für die Pflege der Jugend.

! Berlin. 19. Sept. Die Kapregierung Hat auf feine Anfrage im Kap-Parlament mitgeteilt, daß ,sich in Upington 1260 flüchtige Hereros befinden, Md die Kosten der Unterhaltung von der deut­schen Regierung verlangt werden würden. Wie cherlautet, hat die Kapregierung tatsächlich von der deutschen Regierung Ersatz der Unterhalt­ungskosten verlangt. Sie ist aber abgewiesen Morden und das mft Recht.

! Berlin, 19. Sept. DerTagl. Rundschau­zufolge ist in der Kolonialabteilung ein Pretz- dezernat eingerichtet worden, das von dem Ge­heimen Oberregierungsrat von der Gröben ge­leitet wird.

* Stuttgart, 18. Sept. Auf das bei der Er- vffnungsversammlung deutscher Naturforscher und Aerzte an den Kaiser gesandte Huldigungs­telegramm ist nach demSchwab. Merk." vom Kaiser aus Breslau folgende Antwort einge- 'troffen: Der in Stuttgart tagenden Versamm­lung deutscher Naturforscher und Aerzte danke ich bestens für den mir übermittelte» Huldig- hngsgruß und entbiete ihr mit dem Wunsche für ^erfolgreiche Arbeit meinen kaiserlichen Gruß." F Altenburg. 18. Sept. Der Herzog ließ anläß­lich seines 80. Geburtstages einer größeren An­zahl gerichtlich oder polizeilich bestrafter Per- fönen EnaLenbeweise dadurch zuteN werden, daß hin vollständiger oder teilweise Straferlaß, öder die Umwandlung in mildere Strafe oder hie vorzeitige vorläufige Entlassung oder Straf- 'aufschub mit der Aussicht auf Begnadigung bei Wohlverhalten verfügt worden ist. Ferner tdjuf der Herzog aus demselben Anlaß unter dem NamenHerzog Ernst-Medaille" eine Auszeich­nung, die bestimmt ist zur Anerkennung von Verdiensten jeder Art, insbesondere von Ver­diensten um das herzogliche Haus und das öf­fentliche Leben.

Koburg, 18. Sept. Zur Teilnahme an den Lauftestlichkeiten ist heute nachmittag Prinz Adalbert von Preußen in Begleitung von Ka- pitänleutnant v. Harthausen eingetroffen; er ^rahm im Residenzschloß Wohnung. Herzog Karl Eduard war zum Empfang auf dem Bahnhofe Anwesend.

II '(Nachdruck verboten.^

Zwei Frauen.

- Roman von E. Borchart.

(Fortsetzung.)' ~

Graf Landegg lachte.jDas wirst du wohl immer verschlafen, Schatz, denn was solltest du schon um vier Uhr aus den Federn?"

!Um vier Uf)T?" Das ist allerdings etwas früh, aber Beate steht doch auch so früh auf." IJa, Beate wohl, die Wirtschaft eines so gro­ßen Gutes erfordert das."

iUnd Beate leitet die Wirtschaft?"

sJa, seit zehn Jahren, seit dem Tode meiner Mutter."

Sie hatten sich zusammen auf das Ecksofa ge- (etzt. Elisabeth sah eine Weile nachdenklich vor ich hin, dann begann sie, ihn anblickend:

Sage, Herbert ich bin doch jetzt deine Frau die Gutsherrin von Landegg wäre es da nicht an mir, die Leitung zu überneh­men?"

I Er lachte herzlich auf:Du, Liebling? Du hast bisher ja nur in einer Stadt gelebt und kennst das Landleben noch gar nicht. Wo woll- Zest du Erfahrung und Wiflen hernehmen zu sol­chem schweren Werk?"

i Elisabeth wurde rot..Ich könnte es doch lernen," warf sie ein.

!Ja, aber das ist nicht so leicht, mein Lieb. Die große Wirtschaft stellt Anforderungen an die Körperkräfte, denen du nicht g«oachsen bist. Erhole dich erst einmal gründlich,' laß die Landluft dich stärken, dann wollen wir weiter sehen."

Elisabeth erwiderte nichts.Er will nicht, daß ich seiner Schwester ins Gehege komme," dachte sie,es würde ihn in Zwiespalt mit sei­nen brüderlichen Gefühlen bringen, wollte er keates Rechte verkürzen."

Paris, 18. Sept. Mehrere konservative und nationalistische Blätter verspotten die gegrün­dete Liga und sprechen die Ueberzeugung aus, daß dieser Versuch, eine schismatische Bewegung hervorzurufen, schmählich scheitern werde. Der sozialistische Deputierte Depafle schreibt im Stacie, es sei unmöglich, das Trennungsgesetz zur Anwendung zu bringen, wenn der Papst nicht will. Dieses Gesetz vom Dezember 1905 sei kein Trennungsgesetz, sondern vielmehr ein Gesetz, das Frankreich an den Vatikan gefesselt habe.

Eine Bedrohung des deutschen Handels.

S» Die Regierung des Australischen Bun­des hat im Parlament eine Vorlage eingebracht, die eine durchgehende Zollerhöhung von 10 Pro­zent für fremde Waren vorsieht, englischen Pro- duften aber, die auf englischen Schiffen n ich Australien befördert werden, eine Zollvergün- stigung von ebenfalls 10 Prozent zuerkennt. Zu den Gegenständen, in denen der nichteng­lische Handel durch diese Differenzierung be­droht wird, gehören u. a. Munition, Dynamit, Holzwaren, Fahrräder, Schuhwaren, Uhren, Möbel, Maschinen, Turbinen, Messerwarett, Farben, Stärke, plattierte Waren. Es braucht nicht besonders hervorgehoben zu werden, daß die Annahme dieser Vorlage eine sehr erhebliche Schädigung des deutschen Handels mit Austra­lien bedeuten uKrde. Die deutschen Exporteure und Schiffahrtsinteressenten erwarten daher, daß die deutsche Regierung geeignete Schritte gegen diese Differenzierung unternimmt. Wir möchten daran erinnern, daß unser Handelsver­hältnis zu Australien doch ein ganz anderes ist wie das zu Südafrika und Neuseeland. Aus den beidrni letztgenannten Ländern beziehen wir fast nur zollfreie Rohstoffe, und die Einfuhr von dort ist kaum größer als unsere Ausfuhr dahin. Betrachten wir dagegen unfern Warenaustausch mit dem australischen Festland, so ergibt sich, daß wir im vorigen Jahre für 156,4 Millionen Mark Waren aus Australien eingeführt haben. Wir find nächst England der bedeutendste Ab­nehmer australischer Produtte und haben diesen bisher stets uneingeschräntte Meistbegünstigung bewilligt. Die Hauptartikel dieser Einfuhr bil­den Wolle und Erze, beides Artikel, die wir zollfrei einlassen. Im vorigen Jahre haben wir aber auch für T bis 8 Mill. Mark Weizen, für 2 Mill. Mark Gerbstoffe und für 1 Mill. Mark Talg aus Australien bezogen. Auf diese Produkte müßten wir natürlich, sobald Austra­lien unsere Waren differenziert, die Sätze un­seres Eeneraltarifes ebenso zur Anwendung bringen, wie wir es seit 1897 gegenüber Ka­nada tun.

Aber waren es denn ihre Rechte? Die Te­stamentsbestimmung für Beate lautete auf die Bestimmung für Benutzung der Zimmer des lin­ken Flügels im Erdgeschoß, aber nicht auf die Ausübung der Herrinrechte. Es wäre auch widersinnig gewesen, denn der alte Graf hatte gewußt, daß fein Sohn heiratete.

Vorläufig war nichts zu machen, das sah Elisabeth ein.Man muß das Kind nicht mit dem Bade ausschütten und nur Beharrlichkeit führt zum Ziel," dachte sie.

Elisabeth hatte eine sehr glückliche Natur, die sich durch das Fehlschlagen einer Hoffnung nicht gleich die Laune verderben ließ. Ihr Gatte konnte an ihrem Wesen nicht merken, wie seine Watte sie berührt hatten. Sie ging fröhlich plaudernd an seiner Seite hinunter ins Eßzim­mer, wo Beate sie bereits ermattete. Immer und überall war Beate zugegen. Graf Landegg wurde diese beständige Eegenwatt einer dritten, und wenn es auch feine Schwester war, bald zur Qual/ Er suchte daher nach Gelegenheit mit Elisabeth allein zu fein, ohne die Schwester da­durch zu beleidigen, und fand sie auch bald. Das Wetter war köstlich, und er bat Elisabeth, ihn auf feinen Gängen in die Felder zu begleiten, oder er fuhr sie in dem eleganten zweisitzigen Break, dessen Gespann er selbst lenkte, spazieren und ritt auch wohl mit ihr aus.

Dieses Zusammensein wurde für Elisabeth eine Quelle hoher Freuden. Sie lernte dabei viel von der reizvollen Gegend kennen, und Graf Landegg wurde nicht müde, ihr immer wieder neue Schönheiten zu zeigen und sie mit den Namen der Berge, Dörfer und Seen in der näheren und weiteren Umgegend Landeggs be­kannt zu machen.

So lieb Elisabeth auch diese Ausflüge waren, es kam dabei doch niemals zu persönlichen, näheren Aussprachen zwischen dem jungen Paar, und es blieb trotz aller Rücksichtnahme von Her-

Wie nunmehr aus Melbourne gemeldet wird, hat das Repräsentantenhaus des Com­monwealth am 15. September eine Resolution angenommen, wonach die englischen Waren, die auf englischen Schfffen nach Australien einge- fühtt werden, um 10 Prozent bei der Verzollung vor anderen eingeführten Waren bevorzugt werden. Ein Verzeichnis dieser englischen Wa­ren, denen die Vorzugszölle zugute kommen, ist noch nicht endgiltig festgestellt. Zweffellos sind aber die oben angeführte Kategorien darunter. Für die deutsche Regierung ergibt sich somit die Pflicht, für den bedrohten deutschen Handel ein- zutreten und durch Retorsionszölle die austra­lische Ausfuhr nach Deutschland zu erschweren. Vielleicht überlegt man sich dann im australi­schen Parlamente, daß Kampfzölle nicht im Jn- tereffe des Handels Australiens liegen.

Deutsches Reich.

Berlin, 19. September.

Seine Majestät der Kaiser und Ihre Ma­jestät die Kaiserin sind gestern früh 7y2 Uhr von Breslau nach Koburg abgereist, um der Taufe des Erbprinzen beizuwohnen. Das Kai­serpaar traf nachmittags ein und wurde vom Herzog und der Herzogin empfangen. Auf der Fahrt nach dem Refidenzschloß begrüßten die Bevölkerung sowie ein Spalier von Schulen und Vereinen die Fürstlichkeiten mit stürmischen Zurufen.

Die feierliche Beisetzung des Prinzen Al­brecht von Preußen, Regenten von Braun­schweig, fand gestern abend in Camenz statt. Pastor v. Tresckow hielt die liturgische Andacht. Prinzliche Förster hoben dann den Sarg vom Katafalk und trugen ihn zu dem vierspännigen Leichenwagen, Unter Glockengeläuts setzte sich der Zug durch das Spalier der Mitglieder des Camenzer Kriegervereins, die Fackeln trugen, nach dem Mausoleum in Bewegung. In dem Mausoleum sang die GemeindeChristus, der ist mein Leben", worauf Superintendent Palf- ner aus Landeck die Einsegnung vornahm. Nach dem GesangWenn ich einmal soll scheiden" folgte die Beisetzung.

Wie der neue Kolonialdirektor Dernburg mit einem Schlage aus untergeordneter Be- schäftigung hochkam, darüber wird derB. Pr." folgendes berichtet: Nachdem Dcrnburg erst in der Motard'schen Lichterfabrik das Warenge­schäft erlernt, dann bei der Berliner Handels­gesellschaft seine e-jte Ausbildung im Bank­geschäft erhalten hatte, ging er zur Erweiterung seines Gesichtskreises nach Amerika. In der großen Newyorker Banffirma Ladenberg und Thalmann nahm er längere Zett eine ganz un­beachtete und untergeordnete Anfangsstellung ein, hatte sich aber dabei infolge seines scharfen Blickes die Uebersicht der ganzen Geschäfte an­

betts Seite doch eine gewisse Sprödigkeit und Herbheit in Elisabeths Wesen bemerkbar, die jede leidenschaftliche Annäherung seinerseits zurückwies. Elisabeth hatte dem Grafen bei der Verlobung wohl ehrlich gesagt, daß sie ihm nicht eine solche Liebe entgegenbringen könne, wie er vielleicht wünsche und verlange. Er hatte da­mals nicht viel Wert auf diesen Ausspruch ge­legt und alles für sich von der einmal geschlos­senen Ehe erhofft. Bis jetzt hatte sich jedoch in ihren Beziehungen noch nichts geändert, im Gegenteil, Elisabeth war fast scheuer, zurückhal­tender geworden als früher. Sie entzog sich jeder Zärtlichkeit, und ost fragte sich Landegg, ob er denn wirklick wieder verheiratet sei. An­dererseits war der Graf viel zu stolz, um sich sein Recht zu erzwingen, denn er wollte Elisabeths Liebe und ihrer freien Gunst danken. Manch­mal glaubte er fast, daß sie ihm sogar abgeneigt sei, wenn er sah, wie sie eigentlich nur mit Ueberwindung seine Zärtlichkeit duldete. Sprach er aber von Dingen zu ihr, die mit ihrem per­sönlichen Verhältnis nichts zu tun hatten, und sah et dabei ihre schönen Augen vor Anteil­nahme und innerer Befriedigung leuchten, so schwand ihm wieder jeder Zweifel und er führte ihr sprödes Wesen auf ihre mädchenhafte Schüch­ternheit zurück, die ihn eigentlich auch wieder entzückte. So legte er denn seiner Leidenschaft soviel wie möglich Zügel an, um ihr frohes Lachen und Plaudern nicht zu verscheuchen.

In der Tat trug Elisabeths sonnige Natur sie über so manche schwere Stunde hinweg, nur wenn sie nachts einf^n in ihrem Zimmer lag und die eintönigen Schläge der Turmuhr durch die Stille klangen, dann übermannte sie oft die Sehnsucht nach einem Glücke, das sie nicht besaß.

Sie fühlte es ganz genau, sie war nicht glück­lich und sie machte auch nicht glücklich. Das wurde ihr immer ftarer, obgleich sie ängstlich alles vermied, war ßanbegg Aerger bereiten

geeignet Eines Tages fiel ein Schneesturm, ein Blizzard, in Rewyork ein, die Straßen­bahnen fuhren nicht, der ganze Verkehr stockte, und vor den Schrecken des Wetters war das ge­samte Personal des Bankhauses fottgeblieben. Dernburg bahnte sich durch das Unwetter den Weg zum Bureau und fand dott einzig einens der leitenden Chefs vor der Masse der zu er­ledigenden dringenden Geschäfte. Erstaunt sah ihn der Chef in seinem sturmdurchpeitschten Zu­stande ankommen, war aber noch mehr erstaun^ als er bemerkte, wie sachkundig Dernburg sich mit ihm in der Erledigung der Korrespondenz teilte. Dernburg rückte sofort in eine Ver­trauensstellung im Bankhause ein, wurde rasch befördett und blieb, als er auf Aufforderung von Georg v. Siemens in die Deutsche Bank in Berlin übertrat, in besten Beziehungen zu dem Newyorker Hause. Das war der Beginn der überraschend schnellen Vankkarriere Dernburgs, der dann im 25. Jahre schon Direktor der Treu- handgestllschaft, einer Filiale der Deutschem Bank, wurde.

In der Ettafsache gegen die Kolonial­beamten (Götze und Eenoffen) wegen Bruchs der Amtsverschwiegenheit und Anstiftung daz« sollte vorgestern auch der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Ledebour vor dem Untersuchungsrichter als Zeuge ver­nommen werden. Es wurde ihm, demVor­wärts" zufolge, mitgeteilt, daß aus dem Unter­suchungsmaterial sich ergebe, daß einige Ange­klagte mit ihm in Verbindung getreten seien. Er, Ledebour, solle als Zeuge darüber vernom­men werden, was ihm von einigen Angeklagten mitgeteilt sei, sowie ob etwa noch ein Beamter, dessen Name der Staatsanwaltschaft noch unbe­kannt sei, mit ihm in Verbindung getreten sei und ihm Mitteilungen gemacht habe. Er wolle ihn als Zeugen zunächst beeidigen. Abg. Lede- tour erwiderte, er könne sich auf eine Vereidig­ung unmöglich einlassen, da er in bestimmter Hinsicht grundsätzlich die Zeugenaussage verweigern müsse. Daß einige Herren mit ihm in Verbindung getreten seien, sei zutref­fend, da er aber ihre Mitteilungen in seiner Eigenschaft als Abgeordneter empfangen habe, müsse er jede Auskunft über den Inhalt der Verhandlungen mit ihnen als Zeuge ablehnen. Der Untersuchungsrichter erwiderte, daß ein Ab­geordneter kein Recht zur Zeugnisverweigerung habe; der Abgeordnete solle und werde nicht zur Verantwortung gezogen werden, es handle sich nur um das Zurvercintwottungziehen seiner Ge­währsmänner. Er verweise auf die gesetzlichen Zwangsmittel für den Fall des Beharrens bei der Zeugnisverweigerung. Abg. Ledebour ver­blieb jedoch bei feiner ablehnenden Haltung, zumal es auch nicht ausgeschlossen fei, daß man gegen ihn auf Grund seines Verkehrs mit den Ängeschuldigten etwa wegen Teilnahme, An­

konnte, und obgleich sie ihm stets ein freund­liches Gesicht zeigte und gute Kameradschaft mit ihm hielt. Sie fühlte es, er wollte mehr, und mehr vermochte sie ihm nicht zu geben. Sooiet Mühe sie sich auch gab, wärmere Gefühle in ihrem Herzen für den Gatten zu hegen, so machte sie doch bald die Wahrnehmung, daß Liebe sich nicht zwingen läßt. Sie freute sich seiner Gesell­schaft, sie unterhielt sich gern mit ihm,' er sprach klug und anregend, aber die geringste Lieb­kosung, ein Streicheln seiner Hand schon schreckt« sie zurück. Am liebsten wäre sie dann geflohen, wenn ihre Dankesschuld sie nicht daran gehin­dert hätte und doch empfand sie diese Schuld' immer mehr und mehr als schwere Last. Sie wußte wohl, daß der Vater regelmäßig die Zin­sen schickte, so geheim auch ihr Gatte diese Sen­dungen zu halten bestrebt war. Er ahnte fe" nicht, daß sie ihrer Kindesliebe einOpfer brachte, als sie feine Werbung annahm, und er glaubt^ daß sie sich ihm fteiwillig ergeben habe. Füs alle feine Güte und Liebe täuschte sie ihn fort­gesetzt. Aber gerade die Dankbarkeit veranlaßt« sie, ihm die Wahrheit zu verschweigen, sie wollt- und konnte ihm nicht so furchtbar wehe tun.

Solche Gewissensbisse und Skrupel stände« zwischen ihr und dem Gatten; sie verhinderten, daß das winzige Pflänzchen in ihrem Herze« das für ihn sprach, gedeihen und zur Blüte ge­langen konnte. Und auch noch jemand ander« stand dazwischen: Beate. ...

Hätte es sich gefügt, daß Elisabeth allttn auf den Gatten angewiesen wäre, hätte sie für tp« wirken, denken und sorgen können, vrellttchtj hätte sich dabei ihr Herz für ihn ernannt. Für sein Wohl und Behagen, für die Wohlfahrt und das Gedeihen seines Gutes trug allein Beate die Sorge. Sie führte das Regiment im £xm» und Wirtschaft, sie ordnete an, sie gab Befehl und jeder folgte ihren Winken. 4

(Fortsetzung folgt.)''