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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
SonutaasbeUaaer Allrrftrtrtes
Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expck>ition 2 Mk, bet allen Postämtern 2,25 Ml. kQcl. Bestellgeld).
JnsertlonSgrbühr: di« gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Ptz.
Reclamen: die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Mittwoch, 19. September 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag: Joh. Mag. Koch, Universitäts-Buchdruckers 41. J-chrg.
Marburg, Markt 21. — Teiephon ob.
Für das neue
Z2 4. Quartal EZ
NeueAe Telegramme.
Düsseldorf, 17. Sept. Gestern mittag wurde das neu errichtete OLerlandesgericht in Düsseldorf feierlich durch den Justizminister Dr. Be- seler eröffnet, tndeni er die Beamten in einer kurzen Ansprache in ihre Aemter einsührte, wobei er die Erwartung ausdrückte, daß das Oberlandesgericht in Düffeldorf sich würdig den anderen Oberlandesgerichten zur Seite stellen werde. Dis Ansprache schloß mit einem Hoch auf den Kaiser. Oberlandesgerichtspräsident Hartmann und Oberstaatsanwalt Wilhelm erwiderten, daß alle Beamten bestrebt sein müffen, das Kölner Oberlandesgericht zum Vorbild zu
- laden wir zum Bezug unserer Zeitung höflichst ein.
Die Oberhesfische Zeitung
stets wachsenden Auflagehöhe das größte, pleistgtlelenile und angesehenste Blatt in Marburg und den angrenzenden Kreisen. Sie gilt als das Organ der . Gebildeten aller Stände.
Der 'h jährliche Bezugspreis $ .Oberhejfische Zeitung' mit dem beiliegen» den amtlichen KreiSvlatt, dem Jllnftr. »«'- SonutagSblatt und der Lanvwirt- fchasl! rche« Beilage beträgt nur 2 Ml. bei der Expedition, 2.25 Mk. bei den Postanstalten.
Der Inhalt der Ieitung reichhaltig und trägt den Lesebedürf. Nisse», und Jnteresie« aller Volks« schichten Rechnung. Der befferen und vielseitigen Ausgestaltung wird fortgesetzt die größte Aufmerksamkeit gewidmet.
Der Palitische Teil
biete der innere« «ad auswärtige« Palitik, deren Fragen von einem streng nationalen, im besten Sinne konservativen, aber wo er angebracht ist auch freimütigen Standpunkt« behandelt werden.
Der allgemeine«. uuterhnltende bringt spannende Roma««, kleinere «■*>'£11 Feuilletons, Theater- u. Mnfik- vnd Kunstbesprechungeu, Hochschal« Nachrichten, ferner in zwangloser Reihenfolge erscheinende Rnndschauartikel * populär-wissenschaftlichen Inhalts, mevi- S" Nische, juristische usw. Rundschau, «S Schule und Kirche, Heer und Flotte, Aus der Franeuwelt und für Pie Frauen, di« vielen Anklang gefunden haben.
nehmen.
München, 18. Sept. Der Kaiser kommt am 12. November zur Grundsteinlegung des deutschen Museums zum zweitägigen Aufenthalt hierher.
Rom, 17. Sept. Wie die „Tribuna" aus Kanea meldet, hat Prinz Georg von Griechenland eine Proklamation an das kretische Volk erlaffen, in der er seinen Rücktritt von der Stellung als Oberkommiffar bekanntgibt und erklärt, daß die Ernennung seines Nachfolgers den nationalen Erwartungen entsprechen werde. Prinz Georg wird, wie das Blatt weiter meldet, die Insel verlassen, ehe sein Nachfolger dort eintrifft, der, wie es bestimmt heißt, Zaimis sein wird.
Paris, 18. Sept. Dem „Eclair" wird aus San Sebastian gerüchtweise gemeldet, daß in Katalonien eine Erhebung ausgebrochen sei. In verschiedenen Dörfern sei es zu blutigen Zusammenstößen gekommen. Die Karlistenchefs, darunter General Moore, hätten sich aus Furcht vor Verhaftung aus Barcelona geflüchtet.
Paris, 17. Sept. Hier wird heute der Konvent der Freimaurer Frankreichs eröffnet werden. Man glaubt, daß die Verhandlungen einen sehr bewegten Verlauf nehmen werden, da unter anderem über das Sozial- und Steuerreformprogramm des Parlaments beraten werden soll. Die radikalen Mitglieder des Freimaurerordens, die bisher die leitende Rolle inne hatten, befürchten» daß die Sozialisten diese an sich reißen könnten.
Teheran, 17. Sept. Mit Genehmigung des Schahs ist heute ein vom 10. September datierter Erlaß betreffend die Nationalversammlung veröffentlicht worden. Darin wird bekannt gegeben, daß dis Nationalversammlung aus 156 Mitgliedern bestehen soll, wovon 60 für Teheran, 96 für Provinzen gewählt werden sollen. Die Wahlen sollen alle zwei Jahre abgehalten werden. Den Mitgliedern wird Unverletzlichkeit zugesichert. Die Abgeordneten für Teheran
21 '"tys. (Nachdruck verboten.))
- Zwei Frauen. Roman von E. Borchart.
(Fortsetzung.); 4
Der lokale uud strodinzieSe Teil enthält di« neuesten Ereignisse in der Stadt, aus der Umgebung, der Provinz und den angrenzenden Gebieten, Ber« fammlungS« und VerrinSderichtr, interessante Nachrichten aus allen Ge- bieten des öffentlichen Lebens, besonders Seit« und Streitfragen ans der Kommnnalpolitik.
Mr Nachrichtendienst
ausgedehnter. Telegraphische und telt« »houisch« Bedienung von Frankfurt und Berlin durch das Wolff'sche T«l.-Bureau, Eigene ParlamentSbrricht, aus dem Reichs tag« und de« preußischen Sanb» »age. Außerdem besitzt die Zeitung zahl- rrsche Korrespondenten u. Mitarbeiter.
Der wirksame Erfolg aller A«. P zeige»
ptna in Stadt uud Land und durch gediegen«, kunstvoll« Ausstattung des Snseratrmetls.
' 9. Kapitel. ' -
Elisabeth hatte dasselbe weiße Kaschmirkleid angelegt, das sie gestern getragen hatte.
Als sie ins Eßzimmer trat, faß Beate allein im Erker, mit einer Handarbeit beschäftigt. Bei dem Eintritt der jungen Schwägerin hob sie den Kops. „Guten Morgen, Beate!" sagte Elisabeth freundlich, ging auf sie zu und reichte ihr die Hand.
Beate erwiderte den Gruß nicht unfreundlich, aber ihr Blick streifte heute noch auffälliger als gestern Elisabeths Kleid.
„Ist Herbert nicht hier?" fragte die junge Frau, unter diesem Blick erröteiü».
„Nein, Kind, Herbert ist längst draußen in den Feldern. Du vergißt, daß er Landwirt ist und früh aus den Federn muß."
„O, und ich schlief so lange — es ist schon so spät — ich schäme mich fast."
„Aber warum denn, Elisabeth? Du kannst doch so lange schlafen, wie du willst."
„Herbert mußte allein frühstücken," warf Elisabeth errötend ein.
„Allein? Nein, Kind, ich bin immer mit ihm zu gleicher Zeit auf und leiste ihm Gesellschaft beim Frühstück," entgegnete Beate.
Elisabeth empfand bei dieser Antwort ein Jeises Unbehagen, aber sie unterdrückte es und agte nur ernsthaft:
„Es ziemt sich für eine Eutsfrau nicht, so aufzustehen. Ich bin auch eigentlich an das Frühaufstehen gewöhnt und war heute nur müde von der Reise, Von morgen ab soll das anders werden."
Ei« hatte stch bei diesen Worten am Tisch niedergelassen und sich den Kaffee eingeschenkt. Co hatte sie nicht bemerkt, wie ironisch der Blick war, der aus Beates Augen zu ihr hinüber flog.
wählen den Präsidenten und zwei Vizepräsidenten, die jedes Jahr gewählt werden sollen, Die Wahlen find bereits im Gange.
Zur Lage in Rußland.
Aus den Ostseeprovinzen. . ,
Der „Voss. Ztg." wird unterm 15. d. M. aus Riga geschrieben: Einem schändlichen Raubmorde ist ein hiesiger Fabrikbesttzer, der deutsche Reichsangehörige Alfred Busch, zum Opfer gefallen. Gestern nachmittag war Herr Busch, Mitinhaber der Scharnierfabrik Eebr. Busch, in seinem Kontor mit zwei Beamten mit dem Zählen von Geld beschäftigt, das zur Auszahlung der Fabriklöhne bestimmt war. Herr Busch saß mit dem Gesicht der Eingangstür zugewandt, während die beiden Beamten der Tür den Rücken zukehrten. Plötzlich bemerkte Herr Busch, wie drei verdächtige Personen über die Straße in den Fabrikhof liefen. Er griff sofort nach seinem Revolver. In diesem Augenblick drangen zwei bewaffnete Männer ins Kontor ein. Der dritte war an der Tür stehen geblieben, um Wache zu halten. Sie riefen „Hände hoch!" und richteten ihre Revolver auf die im Kontor befindlichen Personen. Auf den Anruf der Eindringlinge antwortete Herr Busch sofort mit einem Schuß aus seinem Revolver, der leider fehlging. Die Verbrecher gaben nunmehr sofort mehrere Schüsse auf Herrn Busch ab und verwundeten ihn am linken Bein und im Unterleibe schwer. Herr Busch brach zusammen. Die überrumpelten Beamten leisteten keinen Widerstand mehr. Die Verbrecher rafften das auf dem Tisch liegende Geld, etwa 400 Rubel, zusammen, nahmen einem Beamten sein Portemonnaie ab und entfernten sich, nachdem sie zuvor nach das Telephon zerstört hatten. Herr Busch verschied nach einer Stunde. Er stand im besten Mannesalter und hinterläßt Frau und Kinder. Der deutsche Generalkonsul, Dr. Ohneffeit, hat der deutschen Botschaft in Petersburg Meldung erstattet, und die hiesigen Regierungsbehörden werden infolgedessen hoffentlich endlich zu energischer Bekämpfung der unhaltbaren Zustände veranlaßt werden, unter denen die hier ansässigen Ausländer ebenso wie die Einheimischen leiden. Auch der englische Konsul Woodhouse hat an seinen Petersburger Botschafter in diesem Sinne berichtet.
Demselben Blatt wird über neue Strafexpeditionen in Livland gemeldet: In Uexküll wurde der dortige Bauernhofbefitzer und ehemalige Eemeindeschreiber Nikkelsohn, ein Lette, von vier Revolutionären erschossen, weil er offen gegen die Revolutionäre aufgetreten und die Bauern in der Umgegend von Uexküll zum
Letztere erwiderte jedoch nichts und ließ Elisabeth erst ihr Frühstück beenden, ehe sie das Wort ergriff.
„Elisabeth — sei nicht böse wenn ich dich auf etwas aufmerksam mache, woran du vielleich nicht denkst und was die Aufregungen und Zerstreuungen der letzten Tage aus deinem Gedächtnis gebannt haben mögen."
Die Angeredete hob fragend ihre Augen zu der Sprecherin auf.
„Was meinst du, Beate?"
„Wir find in einem Trauerhause — Helle Farben beleidigen und schmerzen ein tieftrauerndes Gemüt."
„So ist es dir unangenehm, mein weißes Kleid?»
„Von mir spreche ich nicht, sondern ich denke an Herbert. Muß es ihn nicht kränken, daß du nicht mit ihm trauerst?"
Elisabeth zwang ihre Erregung nieder und erwiderte ruhig: „Nein, liebe Beate, du irrst dich; ich kann ihn nicht kränken, denn nur auf seinen besonderen Wunsch habe ich das weiße Kleid angelegt. Er liebt es und mag mich nicht in Trauerkleidern sehen. Ueberdies bedeutet Weiß und Schwarz ebenfalls Trauer, und dann kommt es doch hauptsächlich darauf an, was ich innerlich mit Herbert fühle. Das Aeußere hat so wenig Wert."
Die Worte klangen kühn, trotz der bescheiden höflichen Form.
Beate warf einen schnellen Blick auf die junge Frau.
„Dann verzeih mir," sagte sie, sich erhebend und ihre Handarbeit zusammenlegend, „ich meinte es gut. Ich muß nun hinuntergehen, eine Menge Arbeit wartet meiner. Ich mochte dich am ersten Tage nur nicht allein frühstücken lassen, sonst wirst du mich um diese Zeit schwerlich bei einer Handarbeit antreffen."
„Ich danke dir, Beate."
„Da ist nichts zu danken, Elisabeth," wehrte sie lächelnd den Einspruch ab. „Ich denke du wirst jetzt ausxacken wollen und das wird
Schutz der Kirche und des Pastors organisiert hatte. Vor seiner Ermordung hatte er bereis Drohbriefe erhalten. — Auch der Eeneralgom verneur von Kurland hat neue Strafexpeditionen angeordnet.
Verschiedene Meldungen.
In Peterhof fanden zahlreiche Haussuchum gen statt. 14 Personen, darunter ein Hoslakai, wurden verhaftet. Angeblich handelt es sich um eine entdeckte Verschwörung. Auf dem Grundstück der Peterhoser Villa der Hofschauspielerist Potocka, durch ihre Beziehungen zum Groß« fürsten Nikolai Nikolajewitsch bekannt, wurde» in der letzten Nacht mehrere verdächtige Personen verhaftet. In den letzten Tagen wurden 420 politische Personen aus Petersburg ausge» wiesen.
Nach einer Meldung aus Warschau wurdtz gestern dort auf den Straßen körperliche Durchsuchung des Publikums vorgenommen, wobei 600 Personen verhaftet wurden.
Das letzte Universitätsmeeting zeigte im allgemeinen eine revolutionäre Stimmung, wenn auch eine gewisse llnschlüssigkeit. Die Universitäten sollen für wissenschaftliche Zwecke geöffnet bleiben, solange sich nicht die Notwendigkeit ergibt, sie für Volksmeetings zu verwenden.
Offiziell wird die Vlättermeldung über eine beabsichtigte Zulassung von Juden ins Offizierkorps dementiert.
Petersburg, 16. Sept. An Stelle des verstorbenen Generals Trepow ist der bisherige Kommandant des Eendarmeriekorps General Dedjulin zum Palastkommandanten ernannt worden.
Petersburg, 17. Sept. Aus Kreisen, die der Kadettenpartei nahestehen, verlautet, die schwedische Regierung habe ein Gesuch des Vertreters der Partei, die Tagung des Kongresses in Stockholm zu gestatten, aus internationale» Rücksichten abschlägig befchieden.
Berlin, 17. Sept. Der Israelitische Hilfsverein erhielt aus Siedler von heute die folgenden Nachrichten: Das Hilfskomitee funk- ttoniert. 72 Schwerverwundete sind im Hospital. Begraben find bereits 27 Personen. Die Zahl der Toten und Verwundeten in den Häusern ist nicht festzustellen. Der wirtschaftlich« Schaden ist außerordentlich groß. Fast sämtliche jüdische Geschäfte find ausgeplündert. Juristische Hilfe zur Feststellung der Tatsachen ist organistert.
Ausstand auf der Insel Cuba.
Wie sich die „Morning Post" aus Washington melden läßt, hofft Roosevelt noch, eine bewaffnete Intervention in Cuba werde nicht
dir die Zeit vertreiben. Ich werde dir Hilfe schicken. Auf Wiedersehen denn. Uebiigens, sie wandte sich an der Tür noch einmal um, „um 12 Uhr kommt Herbert zum zweiten Frühstück nach Hause, wenn du ihn dann sehen willst."
Die Tür war hinter ihr ins Schloß gefallen, und Elisabeth sah ganz verdutzt drein. „Wenn du ihn sehen willst!" Seltsamer Zusatz. Al, ob das nicht selbstverständlich wäre. Beates Worte und ihr ganzes Wesen hatten die junge Frau verstimmt. „Ich komme mir hier eher wie ein East als wie die Herrin des Schlosses vor " sagte sie sich. „Man sorgt für meine Bequemlichkeit und meine Zerstreuung, aber man scheint nicht willens zu sein, mir Herrinnenrechte einzuräumen."
Ein banger Seufzer hob ihre Brust.
Vorläufig bin ich nur dem Namen nach die Herrin, Beate ist es in Wirklichkeit. Ich verstehe ja auch nichts von dem Getriebe eine, großen Wirtschaft, und sie leitet sie schon sefi langen Jahren. ,
Es wird schwer sein, meinen Stand zu wahren und mir meine Stellung zu erobern. Außerdem scheint sie mich für ein Kind zu halten, bas noch nicht weiß, was es zu tun hat, und glaubt darum, mich erst erziehen zu müffen. ^hr Vorwurf meines Kleides wegen traf gottlob nicht, ich konnte sie widerlegen? Aber wird das immer der Fall sein? —--Und wenn nicht, hattt
sie darum ein Reecht, mich zu tadeln?----
Wir sind zwei ganz verschiedene Naturen, un» ich fürchte, wir werden ans nicht versteyen. Auch bin ich zu selbständig erzogen um nnrh noch am Gängelbande führen zu lassen. W e kann ich ihr aber entgegentreten, ohne -^erbe«.. zu verletzen? Bi« ich. ihm Nicht vor allen Dingen schuldig, den Frieden zu wahren? —
So erkannte Elisabeth schon am ersten Tagst, daß ihr Leben auf Landegg Kampf bedeute» würde, dessen Ende und Sieg sehr ungewiß war, Eie war jedoch voller guter Vorsätze. Beat» war ihr vom ersten Augenblick an nicht fonu