mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Neueste Telegramme.
Potsdam, 16. Sept. Der Kronprinz kehrte !in der vergangenen Nacht aus dem Manöverge- Mnde zurück und begab sich nach dem Marmor- Ialais.
; Köln, 17. Sept. In Derviers findet am 19. ^September abermals eine Aussperrung sämtlicher Textilarbeiter statt, von der 20 000 Arbeiter betroffen werden.
Karlsruhe, 16. Sept. Die angebliche Verhaftung russischer Anarchisten in Karlsruhe wird von der badischen Landeszeitung als Hirnge« spinnst bezeichnet und mit der Verhaftung zweier Unredlicher Arbeiter in der vor Karlsruhe gelegenen Filiale der Deutschen Munitions- und Waffenfabrik in Verbindung gebracht. Ein Werkmeister dieser Fabrik ist vor einigen Tagen .wegen Kupferdiebstahls und mit ihm sein Hehler, ein Handelsmann, verhaftet worden.
Stuttgart, 16. Sept. Unter dem Vorsitz des Professors Thun-Leipzig ist heute Vormittag der Vorstand und der wissenschaftliche Ausschuh der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte ^usammengetreten. Zu dem morgen beginnenden Kongreß haben sich bisher 2500 Teilnehmer angemeldet.
Hamburg, 17. Sept. Die Lohnbewegung der Easarbeiter wurde für beendet erklärt, nachdem die Deputation für das Beleuchtungswesen bessere Arbeitsbedingungen bewilligte.
Wien, 16. Sept. Meldungen aus Ischl zu- Jolge macht das Befinden des Kaisers die besten Fortschritte, und die Folgen der Erkältung sind fast völlig geschwunden. Der Kaiser unternimmt täglich Morgenspaziergänge und für die nächsten Tage sind auch einige Jagden angesagt. Die Jschler Kur wird vermutlich bis Ende September ausgedehnt werden.
Mailand, 15. Sept. Der Friedenskongreß wurde heute in der hiesigen königlichen Villa $n Gegenwart von etwa 400 Delegierten aller Multurstaaten eröffnet. Der italienische Utint ster des Auswärtigen Tittoni ließ durch den Staatssekretär Bollati sein Bedauern ausdrücken, daß er dem Kongresse nicht beiwohnen -könne. Er ließ ferner an seine Ausführungen £n der italienischen Deputiertenkammer erin« -lern, in denen er seine Zustimmung zu der rdlen Initiative Großbritanniens zugunsten der .Verminderung der Rüstungen ausgesprochen habe. Nachdem darauf der Bürgermeister von Mailand, Marquis Ponti, die Kongreßteilnehmer begrüßt hatte, verlas ein amerikanischer Vertreter eine Depesche des Präsidenten Roose- toelt, in der dieser namens des amerikanischen Volkes die Hoffnung ausdrückte, daß die Arbeiten der Konferenz für den Frieden einen neuen Schritt vorwärts zur Verwirklichung der Ziele der Anwälte des allgemeinen Friedens bedeuten Möchten. Zu Ehrenpräsidenten wurden Frederic
Paffy und Berta Suttner durch Akklamation gewählt, zum geschästsführenden Präsidenten der alte Mailänder Vorkämpfer der Friedensidee Ernesto Teodora Moneta.
Marseille, 16. Sept. Präsident Fälliges besuchte gestern Nachmittag mehrere Abteilungen der Kolonialausstellung. Bei dem Festmahl, das aus der Präfektur abends stattfand, , war Präsident Falliöres von den Ministern und den Kommandanten der ausländischen Schiffe umgeben. Alle französischen und ausländischen Seeoffiziere, die gegenwärtig in Marseille anwesend sind, nahmen gleichfalls am Festmahl teil. Präsident Falliöres brachte einen Trinkspruch aus, in welchem er sich an den italienischen und den spanischen Admiral und an den englischen Kommandanten wendete. Nach den Trinksprüchen des Präsidenten erhoben die drei ausländischen Kommandanten ihr Glas zu Ehren des Präsidenten Fallitzres. Die Musik spielte die Nationalhymnen der drei fremden Mächte. Präsident Falliöres sandte am Abend noch ein Danktelegramm an die Könige von Italien, England und Spanien.
Zara, 16. Sept. Erzherzog Franz Ferdinand hat gestern Nachmittag Ragusa verlassen. Er begab sich an Bord der „Miramar" zur Flottenparade, Erbprinz Danilo von Montenegro an Bord seiner Jacht, die der „Miramar" folgte und in der Richtung auf Antivari abdampfiK,
Die 80. Geburtstagsfeier des Herzogs von Altenburg.
Se. Hoh. der Herzog Ern st von Sachsen-Altenburg vollendete am 16. September sein 80. Lebensjahr. Der Herzog steht sowohl hinsichtlich der Zeit des Regierungsantritts wie dem Lebensalter nach an dritter Stelle unter den regierenden Fürsten Europas. Als ältester Sohn des Herzogs Georg und der Prin- zessien Marie von Mecklenburg-Schwerin in Hildburghausen geboren, widmete er sich von 1840 bis 1851 in Jena, Lausanne, Genf und Breslau den Studien, diente von 1851 bis 1853 im Ersten Garde-Regiment z. F. in Potsdam und vermählte sich am 28. April 1853 mit der Prinzessin Agnes von Anhalt-Dessau. Am 3. August desselben Jahres folgte er seinem Vater in der Regierung. Im Jahre 1862 schloß der Herzog eine Mtlitärkonvention mit Preußen und trat auch 1866 dem Bündnis mit Preußen bei. Am deutsch-französischen Kriege beteiligte er sich zuerst im Hauptquartier der zum Schutze der norddeutschen Küsten gebildeten Armee, hierauf in der vom Eroßherzog von Mecklenburg kommandierren 18. Division und nahm an der Einnahme von Toul und Soissons, sowie an den Kämpfen gegen di« französische Südarmee
^0-1 (Nachdruck verboten.jj
Zwei Frauen.
i '' - Roman von E. Borchart,
_ (Jorstetzlmg.)
Beat« von Landegg war groß und schlank, Lut einen Kovf größer als Elisabeth. Ihr Gericht zeigte edle Linien, aber um den Mund mit Den schmalen Lippen lag ein Zug stark ausgeprägter Herrschsucht, und die grauen Augen plickten kalt hinter halb geschlossenen Lidern hervor. Beate mochte schon den Vierzigern nab« fein und gehörte zu den Erscheinungen die nie alt werden, weil sie niemals eigentlich jung sausgesehen haben.
i „Du bist so schweigsam, mein Liebling; bist hu müde von der Reise?" wandte sich der Graf ^Elisabeth zu. „Ja, ich bin etwas abgespannt zünd möchte mich noch ein Weilchen zurückziehen, «he wir zu Tisch gehen."
„Aber gewiß, mein Lieb. Du mußt mir jedoch gestatten, daß ich dich selbst in deine Zimmer geleite."
Er konnte kaum die Zeit erwarten, wo er le in Var kleine Reich, das seine Liebe für sie lusgestattet hatte, führen konnte. Beate hatte ich unter einem Vorwande entfernt und das paar allein gelaffen.
1 Jetzt öffnete Graf Landegg eine Tür und test Elisabeth eintreten. Ueberrafcht blieb sie ruf der Stelle stehen, und ein Laut der Bewunderung entglitt ihren Lippen. War es möglich »der träumte sie nur? War dieser feenhaft ein- >erichtete Raum wirklich für sie bestimmt?
. Graf Landegg weidete sich an ihrem Stau« ten, dann schob er sie sanft vorwärts. Alles oar hier gediegen und kostbar und wirkte vol- endet, hohen Kunstsinn und edlen Geschmack »erriet die ganze Anordnung und Einrichtung. ! „Habe ich deinen Geschmack getroffen, Liebfing?" fragte er endlich.
' „D Herbert — soll dies wirklich mein Reich lein, soll ich hier wohnen?« fragte Elisabeth Dagegen,
Er lachte. „Natürlich, Du Närrchen, für wen hätte ich denn sonst wohl dieses Nestchen gebaut?"
„Wie gut du bist, Herbert! Wie soll ich es dir je danken?«
„Danken?" fragte er glückerfüllt. „Du dankst mir schon dadurch, daß Du mir hierher in die Ferne gefolgt bist, daß Du mein Weib geworden bist.
Eine jähe Blutwelle ergoß sich über Elisabeths Antlitz, und sie fühlte einen starken Schmerz in der Herzgegend. Was konnte sie ihm denn als sein Werb geben? Nichts! Vorläufig duldete sie nicht einmal eine Liebkosung von ihm, und er suchte sie fort und fort mit Liebesbeweisen zu überschütten. Welch drückendes Gefühl, diese Dankesschuld! Sie drohte ihr fast die Freude über das eben erhaltene Geschenk des Gatten zu nehmen.
Graf Landegg mertte nicht, was in ihrem Herzen vorging. Er führte sie in dem seligen Bewußtsein Freude zu bereiten, weiter durch die anderen Räume und endlich hinaus auf einen Heinen, ganz mit Kletterosen umrantten Balkon. Wie tn dem Märchen vom Dornröschen, so wucherten hier die Rosen und ließen nur einen kleinen Ausblick ins Freie zu.
Elisabeth trat an die Brüstung und sah weit hinaus, und ihr Blick haftete wie trunken an dem Bilde, das sich ihr bot.
Vor ihr lag ein Rasenplatz, in dessen Mitte ein Springbrunnen seine Wasser spielen ließ. Um ihn herum waren blühende Rabatten angelegt, deren weicher Duft bis zu ihr hinauf drang. Aber Elisabeths Blicke schweiften in die Ferne bis an die Kette der Alpen, die ihre schneebedeckten Firnen am Horizont abzeichneten und fast greifbar iahe schienen.
Das Herz der jungen Frau pochte in lauten Schlägen; sie vermochte sich nicht loszureißen. Was lag hinter jenen Bergen? Sie konnte nur sehen, was sie in engem Kreise umschloß, darüber hinaus reichte ihr Blick nicht. War es nicht mit dem Leben ebenso? Nur die Gegenwart kannte sie und wußte nickt, was in der
und an der Belagerung von Paris teil. Am 23. Oktober 1897 verlor der Herzog seine Gattin durch den Tod, ein Jahr später, am 8. Oktober, seine einzige Tochter Prinzessin Marie, die seit dem 19. April 1873 mit dem dahingeschiedenen Prinzen Albrecht von Preußen vermählt war.
Der „Reichsanz." schreibt anläßlich des 80. Geburtstages des Herzogs Ernst von Sachsen- Altenburg: „Seine Hoheit der Herzog Ernst von Sachsen-Altenburg vollendet am 16. d.'M. sein achtzigstes Lebensjahr. Der hohe Herr gedentt diesen Tag, in dessen festliche Freude sich die Trauer um den Heimgang seines Schwiegersohnes, des Prinzen Albrecht von Preußen, mischt, im engsten Familienkreise auf Jagdschloß Hummelshain zu begehen. Die Dankbarkeit der Nation wird den greisen Fürsten auch in dieser Zurückgezogenheit erreichen. In den Kundgebungen der Presse ist der Verdienste gedacht worden, die sich Altenburgs ehrwürdiger Herzog um unser deutsches Vaterland erworben hat. Wir schließen uns diesen Stimmen an mit herzlichen Glückwünschen für Seine Hoheit den Herzog Ernst, für sein Haus und die Bevölkerung der altenburgischen Lande."
Die Festesfeier in Baden.
Das Eroßherzogspaar von Baden hielt cm Samstag seinen feierlichen Einzug in die Residenz Karlsruhe, womit die Festlichkeiten aus Anlaß des 80. Geburtstages des Eroßher- zogs und der goldenen Hochzeit des Großherzogspaares offiziell ihren Anfang nahmen. Die Stadt hat reichen Flaggenschmuck angelegt. Viele Häuser sind prächtig geziert. Ein besonders festliches Bild bietet der Marktplatz, der einem großen Garten gleicht. Die Karl-Fried- rich-Straße ist als Via triumpbalia ausgeschmückt; auch an anderen Stellen der Stadt sind Triumphbogen errichtet. Am Durlacher Tor ist eine Jubiläumssäule aufgestellt. In der Kaiser- straße, die von unzähligen Flaggenmasten eingesäumt ist, find alle Schaufenster in geschmackvoller Weise ausgeschmückt. Zu der für Donnerstag angesetzten Festbeleuchtung sind große Vorbereitungen getroffen. Der Fremdenzufluß ist beträchtlich. — Der Sultan hat einer Meldung aus Konstantinopel zufolge mit Ueber- bringung seiner Glückwünsche an den Eroßherzog von Baden eine Spezialgesandtschaft, mit dem Divisionsgeneral Rami-Pascha an der Spitze, betraut.
Der Kronprinz von Schweden traf mit seinem Sohne, dem Prinzen Wilhelm, in Karlsruhe ein. Der Kronprinz erwartete auf dem Bahnhofe das Eintreffen der grotzherzoglichen
Zukunft für sie verborgen lag. Der leichte Dunstkreis, der über den Bergen schwebte, schien auch über ihrem Leben ausgebreitet, undurchdringlich.
„Dornröschen!"
Ihres Gatten Stimme weckte sie und versetzte sie in die Wirklichkeit zurück. Sie wandte sich ihm hochaufatmend zu. „Wunderbar schön ist es auf Landegg."
„Elisabeth — es gefällt dir in deiner neuen Heimat? — Wie glücklich mich das macht!"
Er zog sie an sich und küßte sie.
Zum ersten Male wehrte sie ihm nicht und duldete seine Zärtlichkeit. Sie fühlte, daß sie es ihm schuldig sei für alle feine Liebe und Güte.
Als der Graf sie verlassen hatte, blieb Elisabeth noch eine Weile auf dem Balkon in Gedanken versunken sitzen. Die Ranken der Rosen berührten leise ihr Haupt, und sie mußte daran denken, daß ihr Gatte sie Dornröschen genannt hatte. Sie kam sich fast selbst wie eine Märchenprinzessin vor, so tief und fest schlafend. Der Gatte hatte sie geküßt, aber sein Kuß hatte kein heißeres Gefühl in ihr zu erwecken vermocht.
Das Plätzchen zog Elisabeth mächtig an und sie mußte sich mit Gewalt losreißen. Es war die höchste Zeit, ihre Toilette zu wechseln. Sie legte eine blütenweiße Kaschmirrobe an, um die Taille schlang sie eine schwarze Schärpe und band ein schwarzes Band um den Krängen. Die Hilfe der Zofe, die der Gatte ihr geschickt, hatte sie abgelehnt und sich nur das Kleid bringen lassen.
Sie war eben fertig geworden, als Graf Landegg kam, um sie abzuholen. Ein bewundernder Blick glitt über sie hin. Sie sah in dem weißen Gewand liebreizend aus.
Als sie zusammen das Eßzimmer betraten, war Beate bereits anwesend. Sie erhob sich und kam ihnen einige Schritte entgegen. Ihr Blick glitt dabei erstaunt, fast mißbilligend über Elisabeths Kleid hin. Diese wurde verlegen, da sie nicht ahnte, was diesen Blick verursacht
—
Herrschaften von Mainau, das um 3 Uhr et= folgte. Zu diesem Empfange waren auch der Erbgroßherzog und die Erbgroßherzogin erschienen. Ferner Prinz und Prinzessin Max, Prinz Karl, Prinzessin Wilhelm, der kommandierende General des 14. Armeekorps v. Bock und Polach, Eeneraladjutant v. Müller, Oberbürgermeister Schnetzler u. a. Zuerst begrüßten der Erbgroß- herzog und die Erbgroßherzogin die großherzog« lichen Herrschaften, dann der Kronprinz von Schweden und die übrigen anwesenden Prinzen. Nach Vorstellung der anwesenden Herren wurde, die Fahrt nach dem Schlosse durch die herrlich geschmückten Straßen angetreten. Im ersten offenen Wagen fuhren der Eroßherzog und die Großherzogin, umjubelt von einer vieltausendköpfigen Menschenmenge. Der Eroßherzog und; die Großherzogin sahen vortrefflich aus und 6e», fanden sich in sichtlich froher Stimmung. Abends' fand eine Reihe von Festbanketts verschiedener Korporationen statt.
Karlsruhe, 16. Sept. Heute morgen 10 Uhr fand in der evangelischen Stadtkirche feierliches Gottesdienst statt, zu dem die allerhöchsten und höchsten Herrschaften ihr Erscheinen zugesagt hatten. Kurz vor 10 Uhr erschienen der Erbgroßherzog und die Erbgroßherzogin. Um 10 Uhr trafen das Eroßherzogspaar und das Kronprinzenpaar von Schweden ein, Mieten unter den Klängen der Orgel die Kirche und nahmen gegenüber der Kanzel Platz. Chorgesang lei. tete den Gottesdienst ein. Die Predigt hielt Pfarrer Rapp über 1. Chorinther 4, 2: „Nun rücket man nicht mehr an den Haushältern, daß sie treu erfunden werden." Nach dsm Hauptgebet, in das vor allem die Bitte um Erhaltung des Lebens und der Gesundheit für das Eroßherzogspaar enthalten war, schloß der Eot» tesbienft mit dem Gesänge: „Nun danket alle (Sott." Um 12y2 Uhr brachten die Posaunen»^ chöre der Vereine des oberrheinischen Jünglingsbundes vor dem großherzoglichen Schlosse ein Ständchen dar. — Das Weiter ist regnerisch.1
Zum Tode des Prinz-Regenten von Braunschweiff.
Schloß Camenz, 15. Sept. Der Sarg mit der Leiche des Prinzen Albrecht ist heute Vormittags in feierlicher Weise geschlossen worden. Der' Kaiser wird voraussichtlich am Montag früh gegen 8 Uhr mittels Sonderzuges hier eintreffen und bald nach Beendigung der Trauerfeier nach Breslau zurückkehren. — Ueber die Beteiligung von Militär - Deputationen an der Veisetzungsfeier ist jetzt nachstehendes festgesetzt? Erscheinen werden die Kommandierenden Ee-
hatte, aber der Diener, der soeben die Supp« auftrug, unterbrach Elisabeths Denken. Sie sowohl wie der Graf hatten von der Reise einen guten Appetit mitgebracht und taten den Speisen alle Ehre an.
Der Eraf lobte seine Schwester für das feine kleine Empfangsdiner, was sie mit leichtem. Lächeln hinnahm. Nebenbei führte sie den größten Teil der Unterhaltung. Sie brackte verschiedene Wirtschaftsangelegenheiten zur Sprache, aber Herbert war heute zerstreut, oder vielmehr seine Gedanken beschäftigten sich ausschließlich mit seinem jungen Weibe.
Beate merkte es wohl und fand den glücklichen Ausdruck auf des Bruders Antlitz, das sie seit langem nur düster aussehend kannte, unverzeihlich, in Anbetracht der kurzen Zett, die feit des Vaters Tode verflossen war. Aber Beate war klug, sie ließ nicht merken, was in ihrem Innern vorging. Sie war freundlich zu Elisabeth und sprach harmlose Sachen mit ifo während sie dabei scharf beobachtete und den Charakter der jungen Frau zu erforschen suchte. Der erste Eindruck ist ja nicht immer maßgebend aber Beate traute sich schon jetzt ein Urteil zu. Die junge Frau war berückend schön, sie mußte es zugeben, und in dieser Hinsicht war ihres Bruders Schritt wenigstens zu begreifen, aber nicht zu entschuldigen. Sie hatte geglaubt und gehofft, daß er sich nicht ein zweites Mal vermählen würde. Sie hatte gehofft, daß sie dem Bruder lebenslang die einzige Gefährtin bleiben und ihn, wie bisher den Vater, mit ihren Kräften unterstützen würde. Sie war es gewohnt, die Rolle der Gutsherrin zu spielen und durchaus nicht willens, dieselbe aufzugeben. Nun war Elisabeth noch sehr jung, und ihr Auftreten hatte heute ewas Schüchternes, aber Beate glaubte es ihr anzusehen, daß sie genug Kraft und Energie habe, einen Kampf mit ihr einzugehen. Nun wohlan, er mochte beginnen, sie wollte und mußte siegen. Mochte Elisabeth auch den Namen der Herrin führen — daß si^ Beate, cs in der Wahrheit bliebe, dafür wollt« sie schon sorgen, *