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Erstes Blatt
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»Das ist der Landegger See, Elisabeth," sagte Mte. Was wartete ihrer Hinter jenen Mauern?
Das Kriegsministerium hält es nur für gängig, daß jene Offizieraspiranten, die sich unmittelbaren Anschluß an die Hebung B Wahl stellen, durch den aktiven Truppenteil
an- im zur ge-
bereits einen solchen von 5,3 Millionen Mark ab. Die Schaumweinsteuer wird für Schaumweine aus Fruchtweinen ohne Zusatz von Traubenwein und von anderen Schaumweinen erhoben. Die erstere Besteuerungsart bringt allerdings nur einen ganz niedrigen Ertrag. Der Bruttoertrag für Schaumweine aus Fruchtwein ohne Zusatz von Traubenwein machte im Jahre 1905 rund 34 000 Mark aus. Neben der Schaumweinsteuer fließt bekanntlich von dem Schaumwein auch der Zoll in die Reichskaffe. Der Zollertrag von ausländischem Schaumwein belief sich 1905 auf 3,2 Millionen, so daß sich die Eesamt- einnahme an Zoll und Steuer vom Schaumwein auf 8,5 Millionen Mark stellte. Man ersteht, daß auch dieser Konsumartikel dem Reiche eine immerhin ansehnliche Summe zur Verfügung zu stellen vermag.
erwähnten Bestimmungen auferlegten Verpflichtungen genüge, wenn er zwar dem Angestellte« die vorgeschriebene Ruhezeit anbietet, für ihrs Innehaltung aber nicht sorgt, sondern das Wei« terarbeiten des Angestellten während der Ruhe« zeit duldet. Dieser Auffaffung ist entgegenzutreten, und die Ortspolizeibehörden sind, wie et« gemeinsamer Erlaß des Ministers des Inner« und des Ministers für Handel und Gewerbe ver« fügt, darauf hinzuweisen, daß eine Ruhezeit nui dann vom Unternehmer „gewährt" worden ist, wenn er zugleich Vorsorge getroffen hat, daß die Arbeit des Angestellten in seinem Betrieb wäh« rend dieser Zeit unterbleibt.
Arbeitszeit
in East - und Schankwirtschaften.
Bei der Kontrolle über die Durchführung der Bundesratsbestimmungen vom 23. Januar 1902 wegen Regelung der Arbeitszeit in East- und Schankwirtschaften ist die Beobachtung gemacht worden, daß anscheinend immer noch jn weiteren Kreisen die irrige Auffaffung verbreitet ist, als ob der Betriebsunternehmer den ihm durch die
Stellung befinden, eine verhältnismäßig geringe ist. Die ganze Aenderung erscheint deshalb nicht übermäßig weitgreifend, und es kann nicht verschwiegen werden, daß sie einer recht geteilten Beurteilung begegnet. Zunächst würde es sich nicht empfehlen, zwei Gruppen von Reserveoffizieren zu schaffen, da das Band der Kameradschaftlichkeit hierdurch gewiß nicht befestigt würde. Es ist aber auch die Frage, ob der Truppenteil über die bürgerliche Eignung der Aspiranten ein befferes Urteil haben wird, als der Kameradsnkreis im Veurlaubter.stande. Zur Zeit scheint bei manchen Truppenteilen ost. der Fehler gemacht zu werden, daß vor der Erteilung der Einverständniserkläruna dis Truppenteile nicht rechtzeitig beim Vezirkskommando über die soziale Stellung und den Ruf des betreffenden Aspiranten sich erkundigten. In dieser Beziehung empfehlen sich zweifellos bestimmtere und schärfere Anweisungen. Außerdem sollte auch den Truppenteilen zur Pflicht gemacht werden, die zur achtwöchentlichen Dienstleistung eingezogenen Vizefeldwebe* und Vize- wachtmeister grundsätzlich in Kasinos speisen zu lasten, und in gleicher Weise wie Fähnriche zu beobachten und zu erziehen. Es würde dann auch der Gefahr vorgebeugt sein, daß die jungen Leute lediglich nach der rein formelle a Seite ihres äußeren Auftretens beurteilt werden.
Der Reichszuschuß zur Invalide«-. Versicherung
war im Etat für 1905 auf 49,6 Millionen Mark angenommen, tatsächlich sind davon, wie au< dem Finalabschluß der Reichshauptkaffe hervor« geht, nur 47,4 Millionen Mark verbraucht wo« den. Man hatte demgemäß die Zunahme bet Rentenzahl höher geschätzt, als nötig war. Ihr Zurückbleiben gegenüber der Schätzung ist um sa erfreulicher, als auch daraus hervorgeht, daß eine Erhöhung der Versicherungsbeiträge der Arbeitgeber und Arbeiter in den vorhandene« fünf Lohnklasten vorläufig wenigstens nicht i« Aussicht genommen zu werden braucht. Im Jahre 1904 wurden für den gleichen Zweck 45,3 Millionen Mark verbraucht, also 2,1 Millione« weniger. Da im Reichshaushaltsetat für 1903 der Reichszuschuß aus 50,6 Millionen Mark veranschlagt ist, so ist anzunehmen, daß auch dies« Summe nicht ganz verbraucht werden wird, sich hier also ebenso wie für 1904 und 1905 Ersparnisse werden erzielen laffen. Heberhaupt ist z« beobachten gewesen, daß die Wirklichkeit sich z« dem Anschläge dieser Position ganz verschiede« verhalten hat. Im Anfänge der Geltung des Jnvaliditäts- und Altersversicherungsgesetzes reichten die ausgeworfenen Mittel zur Bestreitung des Zuschusses aus. Von 1895/96 ab hatte sich dagegen durch eine Reihe von Jahren stets ein Fehlbetrag ergeben, der einmal sogar über eine Million Mark hinausging. Dann reichte der Anschlag wieder zwei Jahrs hindurch aus. Für 1903 aber war schon wieder dis Etatssumme von der Wirklichkeit um eine Million Mark überschritten worden. Seit der Zeit hat man sich wohl daran gewöhnt, die Steigerung in bet Schätzung bes Reichszuschustes nicht zu knapp zu bemessen. Wurde doch der Etatsbetrag von 1903 auf 1904 um nicht weniger als 5 Millionen Mark erhöht. Die Summe wurde ja, wie schon erwähnt, nicht verbraucht und auch die Steiger«, ung für 1905 hat sich jetzt als zu hoch erwiese« Man wird wohl damit rechnen können, daß,
Die Schaumweinsteuer
ist eine der letzten, die vor der diesjährigen Reichsfinanzreform eingeführt ist. Sie entwickelt sich entsprechend der Steigerung der Produktion von Schaumwein gut. Während sie im Rechnungsjahre 1904 einen Reinertrag von 4,9 Millionen Mark ergeben hatte, warf sie 1905
Der 21. Berbanbstag bet deutschen Baugewerks-
Berufsgenossenschaften, der in Stuttgart ftattsand, nahm eineResolution an, in der die Schaffung einer möglichst guten Baukontrolle als die vornehmste Aufgabe der Vauaewerksberufsgenoffenschaften erklärt wird. Die Berufsgenostenschaft soll ersucht werden, für die beste Lösung dieser Aufgabe zu sorgen. Ferner soll gegen die in der Reichstagskommission gefaßte Resolution, betr. Regelung des Bauarbeiterschutzes durch eine Aenderung der Gewerbeordnung und Anstellung von gewählten Vertretern der Arbeiter für die Baukontrolle Stellung genommen und der Reichstag gebeten werden, ihr keine Folge zu geben. Jn einem vom Baugewerksmeister Herzog - Danzig erstatteten Referat über die Ergebnisse der durch technische Auffichtsbc amten vorgbnommenen Baukontrolle wurde ausgeführt, von den 11 950 revidierten Betrieben feien 6528 in Ordnung befunden. Von den Verstößen hätte die Hälfte durch Mitwirkung der Arbeiter vermieden werden können. — Die Versammlung beschloß, solche Erhebungen regelmäßig vorzunehmen. Von einem Anträge auf Erhöhung der Strafe für Verletzung der Hn- fallvorschristen will man vorläufig 'absehen, doch wurde eine Resolution angenommen, in der verlangt wird, die Revisionsbeamten anzuweisen, in Zukunft jeden Verstoß der Versicherten direkt festzulegen und unter Beweis zu bringen, sodaß die Stellung eines Strafantrages erfolgen kann.
Graf Landegg erläuternd, „und was dort drüben zwischen den Bäumen hervorleuchtet, ist Schloß Boyneburg."
„Ist es noch weit bis Landegg?" fragte Elisabeth.
„Kaum noch eine halbe Stunde."
Der Wagen fuhr eine Weile am See entlang und bog dann in einen Wald von Edeltannen mit tiefem, kühlen Schatten ein. Run ging es eine steile Höhe hinan, so daß Graf Landegg, der Diener und der Kutscher abstiegen, um die Pferde zu entlasten. Der Graf schritt neben dem Wagen, mit Elisabeth ab und zu ein Wort wechselnd, bis der Weg ebener wurde und er wieder einsteigen konnte. Die Bäume'lichteten sich jetzt, und ein Schloß wurde sichtbar.
„Ist das Landegg?" fragte Elisabeth.
„Nein, das ist Steinburg!" entgegnete er kurz.
„Steinburg? Du erzähltest mir nie, daß dies Schloß so nahe bei Landegg ist; besteht ein Verkehr zwischen beiden?" fragte Elisabeth.
„Nein, Steinburg steht leer. Die dort wohnten, sind gestorben, verdorben."
Befremdet sah sie zu ihrem Gatten auf. Was bedeutete sein düsterer Ton? Was hatte es mit diesem Schlosse und seinen Besitzern für eine Bewandtnis?
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Die Wahl der Reserveoffiziere.
Bereits bei der letztjährigen Etatsberatung har Kriegsminister von Einem aus Anlaß einiger besonderer Fälle, die zum Gegenstands einer abfälligen Kritik gemacht wurden, darauf hingewiesen, daß in Erwägung gezogen werde, ob nicht in Zukunft die Reserveoffiziere seitens »es aktiven Offizierskorps gewählt werden sollen. Jetzt ist man im Kriegsministerium dieser Frage näher getreten, und dem Vernehmen nach soll beschlossen sein, den Bezirkskommandos die Wahl der Reserveoffiziere teilweise zu nehmen find sie den aktiven Truppenteilen zu übertragen. Diese Maßnahme wird damit begründet, „daß namentlich in den großen Bezirkskom- Uiandos die Offiziersaspiranten dem Landwehroffizierkorps oft gänzlich fremd seien, daß zwischen den aktiven Truppenteilen und dem Ve- girkskommando häufig Meinungsverschiedenheiten entstehen, da erstere die Wahl eines Aspiranten wünschen, während letzteres die Mahl für unzweckmäßig erachte. Außerdem werden durch die häufigen Wahlhandlungen dis Offiziere des Beurlaubtenstandes in zu ausgedehnter Weife ihrem Zivilberufe entzogen.
wählt werden, während die Wahl aller jener Aspiranten, die sich erst ein bis drei Jahre nach der Hebung B zur Wahl stellen, nach wie vor durch die Landwehr-Offizierkorps erfolgen soll."
Die „Voss. Ztg." kann bestätigen, daß das Kriegsministerium vor kurzem Truppenteile und Bezirkskommandos zum Bericht darüber aufgefordert hat, inwieweit es wünschenswert erscheine, das Wahlverfahren den Bezirkskommandos zu nehmen und es dem Offizierkorps der fiktiven Truppe zu übertragen, bei dem der Aspirant die Qualifikation erworben hat.
Wie der „Nationalzeitung" mitgeteilt wird, Elt das Kriegsministerium es nur für an« ngig, solche Offiziersaspiranten, die sich in un- ttelbarem Anschluß an die Hebung B zur ahl stellen, durch den aktiven Truppenteil ihlen zu lassen, wahrend alle jene Aspiranten, : erst ein bis drei Jahre nach der Hebung B r Wahl kommen, nach wie vor durch die Dffi« re des Beurlaubtenstandes gewählt werden len. Es fft zu berücksichtigen, daß die Wahl ter Aspiranten, die sich bereits nach Ableistung c Hebung B in einer gesicherten bürgerlichen
lNachbruck Verboten.):
Zwei Frauen.
Roman von E. Borchar^
(Fortsetzung.)
Nurfchau.
Zur Kaiserparade in Breslau wird nachträglich noch geschrieben: Bemerkenswert ist es, daß die Parade die erste war, die im Feldanzuge abgehalten wurde. Andeutungen daraufhin, daß man vom Paradsanzuge bei solchen Manöver-Paraden abfehen wolle, wurden vom Kaiser schon im vorjährigen Manöver gegeben. Die parademäßige Ausrüstung belastet eine manöverierende Truppe ungemein, zu dem ohnehin umfänglichen, aber zu Manöverzwecken unumgänglichen Gepäck der Truppe tritt noch der ganze Paradeballast, der doch erst zur Parade mitgeschleppt und bann wieder in die Garnisonen verschickt werden muß. Zwar nicht ganz so bunt und glitzernd sah die Truppe aus, als wenn sie mit Helmbüschen, Paradeschabracken, Schärpen und Epaulettes angetan ist, aber was tut das? Die Truppe soll ja zeigen, daß sie etwas kann und dazu ist der Flitter nicht nötig.
Marburg
Sonntag, 16. September 1906
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Es blieb ihr nicht lange Zeit zum Grübeln, denn eben fuhren sie um eine Biegung des Weges, und da wurde ein anderer Schloßbau sichtbar, größer und imponierender als Steinburg. Ein starkes Herzklopfen sagte Elisabeth, daß es Landegg sein müffe. Es lag auf einer Anhöhe, stattlich und vornehm. Die dicken Mauern, die Türme, Erker und Spitzbogenfenster zeigten, daß die Zeit seiner Entstehung um Jahrhunderte zurücklag. Es hatte den feudalen Charakter rein bewahrt, obgleich die jeweiligen Besitzer es nach der Mode der Zeit und nach eigenem Geschmack umgebaut hatten. Auf Elisabeth machte es einen einladenden Eindruck. Dennoch legte sich eine Beklemmung um ihr Herz. Das war der Ort, wo sie fortan leben, wo ihre zweite Heimat sein
Elisabeth mit ihrem für Naturschönheiten so empfänglichen Gemüt vergaß über dem Schauen und Genießen alle Sorgen, alle Zweifel, und während sich ihre Augen an den wechselnden Bildern der Landschaft ergötzten, atmete sie mit Behagen die reine, herrliche Gebirgsluft ein. Ihre Mangen hatten sich gerötet und ihre Auge^ leuchteten. Graf Landegg betrachtete sie mit Entzücken. Sie sah so schön und liebreizend aus in ihrer jugendlichen Wißbegier, ihre Fragen so bezaubernd, daß es ihm schwer wurde, sie nicht in seine Arme zu ziehen und zu küssen.
Da schimmerte es plötzlich wie ein heller, fUbetiiCT Streifen zwischen dem dunklen Grün, und als man näher kam, hatte er sich zu einem mächtigen Gebirgssee verbreitert. An seinen Hfern ragten die Berge auf und spiegelten sich in den Fluten wieder.
Der Wagen hielt mit kurzem Ruck vor dem Portal. Ehe noch der Diener hinzuspringen konnte, hatte Graf Landegg den Schlag geöffnet und sein junges Weib herausgehoben.
„Willkommen auf Landegg, in unserer Heimat, mein süßes Weib!" flüsterte er ihr dabei zu, sie unmerklich an sich pressend. Dann führte et sie die Freitreppe hinauf. Auf der obersten Stuft stand eine hohe, in tiefe Trauer getleibett Frauengestalt. .
„Hier, Beate, bringe ich dir meine Elisabeth," sagte der Graf, die Hand seiner Frau in die der Schwester legend, mit einem unendlich stolzen, siegesfrohen Blick. „
Wie gern wäre Elisabeth der neuen Schwägerin um den Hals gefallen und hätte sie gebeten, ihr eine Freundin zu sein. Aber in Beat« Landeggs Haltung lag so etwas Zurückhaltendes, ihre grauen Augensterne blitzten so kalt, daß Elisabeth unwillkürlich fröstelte.
Beate von Landegg warf einen schnellen Blick auf die junge Frau, sie schien in der Tat frappiert zu sein von ihrer Schönheit. Ein Lächeln auf ihre geschlossenen Lippen zwingend, beugte sie sich herab und küßte Elisabeths Stirn:
„Sei willkommen bei uns auf Landegg."
Wie Eisesschauer überlief es Elisabeth dabei. Ihr junges Herz krampfte sich zusammen in bitterem Weh. Was lag alles in den beiden einzigen Worten: „bei uns". Zeigten sie ihr nicht deutlich, daß man sie als Eindringling betrachtete, daß man ihr keine Heimatsrechte hier ein« räumte? Würde Beate, die bisher die unumschränkte Herrin auf Landegg war, je diqe Würde an sie abtreten, und mußte sie nicht fürchten, von ihr abhängig zu sein, sich ihr unter« ordnen zu müssen?
Solche Gedanken kamen der jungen Fra« blitzschnell, während sie der Begrüßung der Ee« schönster zusah. Dann bot ihr Graf Landegzs den Arm, und sie schritten zusammen die Treppj hinauf. Beats ging an feiner linken Seite und machte dem Bruder allerlei Mitteilungen. Während dieser kurzen Zeit konnte Elisabeth fi« beobachten. ^(Fortsetzung folgt). '
_ Mehrere Tage hatte das junge gräfliche Paar In München zugebracht und alle Sehenswürdigkeiten dieser schönen Stadt in Augenschein gekommen. Die Reise, die neuen Eindrücke hatten Glisubeth von ihrem Trennungsschmerz und nhrem Heimweh abgelenkt, und die alte Jugend- fluft, die Freude am Schönen erwachte allgemach an ihr. Dazu trug freilich wohl am meisten nhres Gatten Verhalten bei. Er war vom ersten Augenblick der Reise an voll zartester Aufmerksamkeit, er suchte ihr jeden Wunsch von den Augen abzulesen und ihn zu erfüllen, bevor sie noch darum bat. Er verlangte nichts dafür, ja, er unterdrückte jeden Ausbruch seiner leidenschaftlichen Liebe, um sie nicht zu erschrecken und zu verletzen und um ihr Zeit zu gönnen, sich an ihn zu gewöhnen.
> Sie war so herbe verschlossen gewesen, einer Mimose gleich, die sich bei der geringsten Berührung scheu in sich zusammenzieht. Ihres Gatten Nachsicht und Liebe ließ sie bald Vertrauen zu ihm fassen, und das Schone, das sich ,ihr bot, voll genießen. Die kurze Zeit verging ihr wie im Fluge, und als sie im Zuge saßen und weiter südlich nach Landegg zu fuhren da erst regte sich bei ihr wieder die alte Zaghaftigkeit.
i Was würde sie dott finden, wie würde sich !lhr weiteres Schicksal gestalten?
I Es war das herrlichste Wetter. Alles prangte 'in duftigstem Grün, Bäume und Sträucher, ^Wälder und Auen. Auf den Bergen lag der Glanz der Morgensonne, der blaue Himmel spiegelte sich in dem klaren Wasser der Seen wieder. - Elisabeth saß am Coup^fenster und weidete sich an dem farbenprächtigen Bilde, das wie ein Panorama an ihren Augen vorüberrollte. All- ,mählich hob sich ein grauer Schatten am Horizont ab, der wuchs und wuchs, bis et, gewaltigen
Riesen gleich, aufstieg. Nun erkannte das Auge die schneebedeckten Firnen der Alpen, die sich bald in ihrer ganzen gewaltigen Ausdehnung zeigten.
Drei Stunden hatte die Fahrt von München gedauert. Jetzt war die Landegg zunächst gelegene Station erreicht; der Zug hielt, und ein Diener in reicher Livree, dessen Augen längst seinen Herrn entdeckt hatten, sprang dienstbereit hinzu, um die Coupätür zu öffnen. Der Gras gönnte ihm ein leutseliges Wort, und auch Elisabeth nickte ihm freundlich zu. War es doch derselbe, den ihr Gatte schon in Berlin gehabt, dem sie so oft eine Bestellung abgenommen hatte. Wie ein Gruß aus der Heimat kam ihr dieses bekannte Gesicht vor, und wenn es auch nur ein Diener war, der kaum eine Miene zu verziehen, noch Freude auszudrücken wagte, so war es doch ein Mensch, der ihre Heimat und ihre Sieben kannte.
Vor dem Bahnhofsgebäude stand der elegante, wappengezierte Landauer, in dessen weiche" Polster Elisabeth sich behaglich zurücklehnte. Hnd nun ging es fort, durch Wälder und wildromantische Schluchten, an grotesken Felsen vorüber, über Berge und Höhen.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonuiaasbeilage: JUrrftrirtes