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mit dem Meisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Marburg

Freitag, 14. September 1906.

Erscheint wöchentlich siebe« mal.

Druck und Verlag' Joh. klug, «och, UmversttätS-BuchdruckerÄ 41. Jllhkg.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Neueste Telegramme.

Kiel, 12. Sept. Der 28. Deutsche Juristentag Ift heute nachmittag geschlossen worden.

I Wien, 12. Sept. Die nächste Sitzung des Ab­geordnetenhauses wurde für den 18. September »nberaumt.

[ London. 12. Sept. Aus Tanger wird tele- f raphiert: Das französische KriegsschiffGali» ee kam am Samstag abend in Mogador an find fand alles ruhig. Anfloos war an dem- elben Tage früh abgezogen.

! London, 12. Sept. Aus Marblehead in Mas­sachusetts wurde hierher telegraphiert, bei einem pBnntett des Castern Pacht Club wurde ein Tele­gramm Kaiser Wilhelms verlesen, welches an- ffündigt, daß der Monarch im nächsten Jahre «einen Preis für eine internationale Regatta in 'Kiel aussetzen werde. Die Einzelheiten sollen 'zwischen dem Castern Pacht Club und dem Kat- ferlichen Jacht-Klub als Vertreter der Jacht­segler beider Länder festgesetzt werden.

London, 12. Sept. Aus Konstantinopel wird gemeldet, daß ein Jrade erlassen wurde, welches den Ankauf von fünfzig Maximgeschützen in Deutschland und Abbestellung des beabsichtigten Kaufes von fünfzig Hotchkiß-Eeschützen verfügt.

Konstantinopel, 12. Sept. Vorgestern über­fiel eine 150 Mann starke griechische Bande das bulgarische Dorf Smilevo bei Monastir. Die Konsuln der Ententemächte, welche sich dorthin begaben, haben festgestellt, daß zwölf Personen «getötet und acht Häuser niedergebrannt worden sind.

Washington, 12. Sept. Der amerikanische KreuzerDes Moines" ist vorgestern von Nor­folk in See gegangen, wie es heißt, nach Ha­vanna. Die Notwendigkeit der Entsendung eines Kreuzers wird als ein Zeichen dafür an­gesehen, daß der Ernst des Aufstandes auf Kuba bisher unterschätzt wurde.

Havanna, 12. Sept. Baldomora Acosta, ein angesehener Bewohner von Havanna, brach mit 100 Mann nach Elcano auf, um sich den Insur­genten anzuschließen. Sämtliche männlichen Be­wohner der Städte San Jos6 und Lasojas gin­gen gleichfalls zu den Rebellen über. An der Börse von Havanna trat heute ein Kurssturz ein.

Vom deutschen Juristentag.

r Don den vielen Fragen, mit denen die als­bald nach der Eröffnung des Juristentages ge­bildeten Fachabteilungen sich schon am ersten Tage ihrer Beratungen beschäftigten, seien hier diejenigen, die auch in nichtjuristischen Kreisen Interesse finden dürften, auf Grund telegraphi­scher Berichterstattung hervorgehoben:

17 (Nachdruck verboten.)

Zwei Arme«.

Roman von C. Borchart.

(Fortletzung.)

Elisabeth war dadurch veinlich berührt wor­den, denn sie fühlte instinktiv, daß sie der Schwe­ster ihres Verlobten nicht willkommen war, wenn sie auch nicht ahnen konnte, weshalb. Graf Landegg andererseits mochte auch eine liebe­vollere Teilnahme von der einzigen Schwester erwartet haben, und so kam es, daß er weniger von ihr sprach.

Sein wärmstes Interesse widmete r dem Ge­danken an ihr neues Heim. Er hatte bereits eine Wohnung gefunden, die frei und gleich bezogen werden konnte. Er bat Elisabeth, diese Wohnung in den nächsten Tagen mit zu besichtigen sie versprach es natürlich, aber sie konnte sich eines leisen Mißbehagens bei dem Gedanken an die Hochzeit nicht erwehren. Im Elternhause war es jetzt so traut und heimlich, und der Gedanke, es bald verlassen zu müssen, stimmte sie trübe. Aber alle ihre schüchternen Versuche, die Frist zu verlängern, scheiterten. Graf Landegg konnte es nicht erwarten, sein junges Weib heimzu­führen.

Zwei Monate waren seit dem Verlobungs- tage vergangen. Der Frühling war mit Flieder­duft und Jasminblüten gekommen.

Das Verhältnis der Verlobten zueinander schien ein durchaus harmonisches, kein noch so scharfer Beobachter hätte wahrnehmen können, daß nur von der einen Seite gegeben und von der anderen nur empfangen wurde.

Elisabeth hatte sich mehr und mehr an ihren Bräutigam gewöhnt und auch an den Gedanken, ihm als Gattin zu folgen. Durch den täglichen Verkehr lernte sie seinen festen Charakter, seine edlen Gesinnungen immer mehr schätzen.

Es war wunderbar, wie dieser ernste, ver­schlossene Mann auflebte. Wie das Glück ihn

r ' 'r Abteilung für Strafrecht erstattete über .. " rafrechtliche Verwertung von Ehren­erklärung, Abbitte und Widerruf Stadtsyndikus Dr. Hellfritz (Greifswald) sein Gutachten. Er geht davon aus, daß noch mehr als bei den an­deren Materien des Strafrechts es stch bei dem Beleidigungsvergehen empfiehlt, in erster Linie die im Volke lebendigen Anschauungen und mit ihnen die praktischen Bedürfnisse in den Vorder­grund zu rücken. Die Beleidigung ist ein An­griff gegen die Ehre. Das wesentliche an ihm ist nicht die beleidigende Gesinnung, sondern die be­leidigende Aeußerung. Dieser gegenüber will der Beleidigte aber oft gar nicht die Bestrafung seines Gegners, sondern die Wiederherstellung seiner Ehre. Er verlangt eine ausdrückliche Kon­statierung dessen, daß er frei ist von dem gegen ihn erhobenen Vorwurf. Die Ehrenerklärung geht zu weit, weil sie eine positive Anerkennung dafür ist, daß der Beleidigte im übrigen ein ehrenhafter Mensch ist. Die Abbitte hat etwas Demütigendes, mehr der Strafe als der Privat­genugtuung Aehnliches und setzt die Anbahnung neuer persönlicher Beziehungen zwischen Belei­diger und Beleidigtem voraus. Wohl aber em­pfiehlt es sich, auf Antrag des Privatklägers von Gerichts wegen auf einen Widerruf zu erkennen, der durch Haft- oder Geldstrafen zu erzwingen wäre. Dr. Hellfritz stellt einen entsprechenden Antrag. Professor Träger (Marburg) tritt dafür ein, den Begriff des Widerrufs in der Abbitte im Strafrecht überhaupt nicht zu verwerten. Es wurde ein Antrag Träger ange­nommen, der die strafrechtliche Verwertung von Ehrenerklärung, Abbitte und Widerruf verwirft.

In der ersten Abteilung kam die Frage der Haftung des Staates und anderer juristischer Personen des öffentlichen Rechts für die von Be­amten in Ausübung ihres Amtes begangenen Rechtsverletzungen zur Besprechung. Sie ist reichsgesetzlich nur hinsichtlich der Erundbuch- beamten geregelt. Auf allen anderen Gebieten, in denen Beamte obrigkeitlich tätig sind, kommt nur der Artikel 77 des Einführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch (Landesrecht) zur An­wendung. Die Folge ist nach dem vorliegenden Gutachten eine völlige Zersplitterung in der Ge­setzgebung. Prof. Gierke (Berlin) legt sein Ee- samturteil nieder. Er beantragt, den Artikel 77 des Einführungsgesetzes durch eine reichsgesetz­liche Bestimmung zu ersetzen, durch welche die unbedingte Anwendbarkeit der §§ 31 und 89 auch aus die Entschädigung aus obrigkeitlichen Handlungen der Beamten festgesetzt werden würde. Der zweite Referent Prof. Kerrmitt (Wien) erblickt die Notwendigkeit der staatlichen Haftung für Handlungen, die Beamte in Aus­übung ihres Berufes begehen, in der Erwägung, daß der Staat die Verkörperung der Idee der

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verjüngte. Elisabeth sah es mit froher, dank­bare Empfindung. Zwar wich sie nach wie vor geschickt jeder Zärtlichkeit aus, aber sie fühlte, daß sie ihm ein Glück gab. Dies tröstete Re in den bangen Stunden, wo ihr Herz vonEewissens- qual beschwert wurde, wo sie sich immer wieder fragte, ob sie Landegg nicht doch betrüge und ob sie mit dem Geständnis, daß sie ihn nicht liebe, wirklich alles beseitigt habe, was ihre Seele beschwerte. Sie hatte ihm verschwiegen, warum sie seinen Antrag angenommen hatte, und mußte er nicht unglücklich werden, wenn er es je er­führe? Belog sie ihn nicht zn jede: Stunde? 7>ch bin seiner nicht wert," jagte sie dann wohl zu sich selber, aber ein Blick in seine glückstrah­lenden Augen beruhigte sie.Ich trage dazu bei, ihn zu beglücken, und mein Opfer ist nicht vergebens," tröstete sie sich und täuschte sich da­mit hinweg über alle ihre Zweifel.

7. Kapitel.

Zu Anfang des Sommers trat eine jähe Ver­änderung in das ruhige, gleichmäßige Leben die­ser Menschen. Eines Tages man saß gerade bei Tisch wurde dem Grafen Landegg eine Depesche überbracht. Er öffnete sie, las, und ein eigentümliches Zucken lief über seine Züge.

Bestürzt und erschreckt berühtte Elisabeth seinen Arm.Herbett!"

Er fuhr empor und preßte Elisabeth an sich in wildem, rasendem Schmerz:Elisabeth Elisabeth mein Vater ist tot!"

Seine Stimme versagte, und Elisabeth brach in ein heißes Schluchzen aus. Graf Landegg hielt sie im Arm und strich liebkosend über ihr Haar. Ihre stumme, aber durch die Tränen so beredte Teilnahme tat ihm wohl, das qualvolle Stöhnen seiner Brust wurde ruhiger, und er konnte den Eltern, die ihm ihr Beileid aussprachen, wenig­stens dankend die Hand schütteln.

Endlich ermannte er sich; er durste keine Zeit verlieren, er mußte sogleich Urlaub nehmen und abreisen. . -

Gerechtigkeit sei, und daß auch die Tätigkeit seiner Organe dieser Idee dienen solle. Hand­lungen aber, durch welche sich der Staat mit die­ser Idee in Widerstreit setzt, seien bedenklich. Mit Rücksicht auf die durch den Staat dargestellte Idee der Gerechtigkeit sei das Prinzip für die Haftung aus obttgkeitlichen Handlungen folge» richtig.

Die Kaisertage in Schlesim.

Ueber den Verlauf der Kaisermanöver, zu denen stch Sr. Maj. der Kaiser Mittwoch mor­gens um 6y2 Uhr von Liegnitz aus begeben hatte, wird von dort berichtet: Der Führer von blau (V. Korps) entschloß sich heute zum Angriff; seine Truppen warfen den Teil des VI. Korps, der bei den Höhen von Wahlstatt hielt. Das HI. Korps, das das Herannahen des V. Korps ab­warten wollte, wurde von zwei Divisionen des VI. Korps angegriffen, warf diese Divisionen iedoch zurück. Somit blieb heute General von Lindequist erfolgreich.

Liegnitz, 12. Sept. Der Kaiser kehtte um 7 Uhr abends aus dem Manövergelände zum Kö­niglichen Schlosse Liegnitz zurück. Der Kaiser be­obachtete vormittags bei Seifersdorf den Angriff des 6. Korps und begleittte nachmittags den Rückzug desselben.

Breslau, 12. Sept. Die Kaiserin reiste um 6 Uhr 50 Min. abends mittels Sonderzuges nach Primkenau ab. Prinzessin Viktoria Luise wird ebenfalls heute abend in Primkenau» von Pots­dam kommend, erwartet.

Primkenau, 12. Sept. Die Kaiserin ist heute abend 9 Uhr 10 Min. von Breslau, die Prin­zessin Viktoria Luise von Potsdam zu mehr­tägigem Besuche hier eingetroffen.

DerPrinz-RegentvonBraunschweig f»

Aus Camenz in Schlesien ist eine Trauer­kunde eingetroffen, die nach den schlimmen Mel­dungen des gestrigen Tages leider zu erwarten war: Prinz Albrecht von Preußen, Regent von Braunschweig, ist nach kurzem Kranksein ver­schiede».

Wir teilten bereits am heutigen Morgen durch Exttablatt die uns telephonisch über­mittelte Nachricht mit: Camenz in Schlesien, 13. Sept. Prinz Albrecht von Preußen ist heute früh 5 Uhr 20 Min. verschieden.

Mit lebhafter, schmerzlicher Anteilnahme wird man allüberall im deutschen Vaterlande diese Trauerbotschaft vernehmen, durch die unser Kaiserhaus ein schwerer Verlust betrifft. Be­sonders aber wird im Herzogtum Braunschweig, wo durch das Ableben des Prinz-Regenten die Thronfolgefrage" wieder viel erörtert werden wird, das Mitgefühl ein allgemeines und auf­richtiges sein. Hat doch Prinz Albrecht in den

Mit schwerem Herzen nahm er Abschied von Elisabeth und eilte fort. Elisabeth folgte seiner hohen Gestalt mit den Blicken, bis er um die nächste Straßenecke bog.

Dann schlich sie in ihr Zimmer; ihr war un­sagbar weh zu Mute, und obgleich sie den alten Grafen nicht gekannt hatte, war es ihr doch, als wäre mit ihm ein treuer Freund gestorben.

Nachdem die Beisetzungsfeierlichkeiten vor­über waren, traf ein Brief von Landegg an Eli­sabeth ein.

Er enthielt Nachrichten, die Elisabeth er­schreckten und beunruhigten.

Graf Landeggg hatte viel Arbeit vorgefun­den, und seine Anwesenheit daheim war für die erste Zeit durchaus notwendig. Er machte auch die Andeutung, daß er vielleicht seinen Abschied werde fordern müssen, um immer auf Landegg zu bleiben; nur wollte er noch abwatten, welche Bestimmungen sein Vater getroffen habe, die sich bei der Testamentseröffnung acht Tage nach dem Begräbnis Herausstellen würden.

Elisabeth war untröstlich, und alle Zukunfts­pläne schienen vernichtet zu sein. Sie würde nicht in Berlin wohnen, sondern sollte ihrem Gatten so weit fort von den Eltern auf sein Gut in Oberbayern folgen! Bangigkeit und Furcht be­schlich sie, und mit fieberhafter Ungeduld wartete sie aus den Tag, der die Entscheidung bringen mußte. In der Zwischenzeit liefen noch einige Briefe Landeggs ein, die eine heiße, tiefe Liebe atmeten, aber sie vermochten nicht, sie zu trösten. Sie wurde blaß und schmal, und der Vater, der den Grund ihrer Sorge nicht kannte, neckte sie mit der Sehnsucht nach dem Fernen.

Endlich ttaf die ersehnte und doch gefürchtete Nachricht ein. Das Testament war eröffnet wor­den, und der Vater hatte bestimmt, daß fein Sohn nach seinem Tode auf seinem Erbe leben und den Dienst quittieren sollte.

Graf Landegg schrieb, daß der Vater nur sei­nen Wünschen entgegengekommen, und daß es selbstverständlich für ihn wäre, nun die Bewitt-

langen Jahren seiner Regentschaft sich die Ver­ehrung der Braunschweiger durch die weise Füh­rung. der Regierungshandlungen sowohl, als auch durch sein persönliches Wesen in hohem Maße zu erwerben gewußt.

Wir geben heute nachstehende Depeschen an dieser Stelle wieder:

Camenz, 12. Sept. Das heute morgen 6% Uhr ausgegebene amtliche Bulletin besagt:

6e. Königliche Hoheit haben eine schlechte Nacht verbracht. Das Bewußtsein ist zwar etwas aufgehellt, aber die eingetretene Herz­schwäche und die Unmöglichkeit, Schleim abzu­husten, flößen große Besorgnis ein.

Kraus. Dorendorf.

Camenz, 12. Sept. Ein um 5% Uhr abends über das Befinden des Prinzen Albrecht von Preußen, Regenten von Braunschweig, ausge­gebenes Bulletin lautet: Herzschwäche nimmt zu« Stärkeres Rasseln in der Luftröhre. Bewußt­losigkeit. Zunehmender Kräfteverfall. Eez. Dr, Kraus. Dr. Dorendorf.

Camenz, 12. Sept. Ein über das Befinden des Prinzen Albrecht abends 9% Uhr ausge­gebenes Bulletin lautet: Bewußtseinsverlust, Lähmung unverändert schwer, Kräftezustand schlecht.

Camenz, 12. Sept. Ihre Maj. die Kaiserin traf heute Vormittag 10 Uhr im Sonderzug in Begleitung des Freiherrn von Mirbach und der Hofdame Gräfin Gersdorff von Breslau in Camenz ein und wurde am Bahnhof vom Prin­zen Friedrich Heinrich, dem ältesten Sohne des Prinzen Albrecht, empfangen. Nach einstündigem Verweilen im Schlosse trat die Kaiserin die Rückreise nach Breslau an.

Braunschweig wird wieder genau auf dem­selben Puntt stehen, auf dem es am 18. Oktober 1884 stand, als Herzog Wilhelm in Sibyllenott den letzten Atemzug tat. Denn obgleich seitdem 22 Jahre ins Land gegangen, ist der nächste Thronanwärter, der Herzog von Cumberland, nicht um Haaresbreite von seiner damals einge­nommenen Stellung abgewichen, und die Wahr­scheinlichkeit, daß er jetzt den entscheidenden Schritt tun werde, der ihn nach Braunschweig führt, ist daher nur sehr gering. So würde denn wieder das Regentschaftsgesetz vom 16. Februar 1879 in Wirksamkeit treten. Es sieht einen Re­gentschaftsrat vor, der aus den drei Mitgliedern des Staatsministeriums, dem Präsidenten der Landesversammlung und dem des Oberlandes­gerichts besteht. Dieser ist während des Interims alle Hoheitsrechte auszuüben berechtigt. Ei« Jahr wird dann dem Herzog von Cumberland wieder Frist gegeben, die Hindernisse seiner Thronbesteigung aus dem Wege zu räumen. Diese sind in dem Beschluß des Bundesrats vom 2. Juli 1885 niedergelegt. Nach Ablauf dieser Bedenkfrist hätte die Landesversammlung auf Vorschlag des Regentschaftsrates aus den voll­jährigen, nicht regierenden Fürstenhäusern einen neuen Regenten zu wählen. Auf wen die Wahl fiele, entzieht sich natürlich heute noch jeder Mut-

schaftung seines Gutes zu übernehmen. Er habe auch bereits um seinen Abschied gebeten. Nur eins schmerze ihn das wäre die Trennung von der Geliebten, und er bäte, den Termin der Hoch­zeit so nahe als möglich festzusetzen.

Elisabeth war totenbleich geworden, als ste diesen Brief las und zitterte heftig. Auch die Eltern waren bekümmert, hatten sie sich doch schon ganz in den Gedanken eingelebt, ihre« Liebling in der Nähe zu behalten. Als sich aber Elisabeth entschieden weigerte, schon bald die Hochzeit anzusetzen, rieten sie ihr doch allen Ern-' stes, dem Willen des Grafen nicht zu widerstre­ben und mahnten sie liebreich an ihre Pflichte« gegen ihn, so schwer das ihnen selbst auch wurde

Elisabeth war zu klug, um nicht einzusehen, daß die Eltern recht hatten und daß sie sich nun entschließen mußte, aber eine trostlose Bangigkeit ergriff sie und verließ sie auch nicht mehr. In kürzester Zeit schon sollte sie dem Gatten in die unbestimmte Ferne folgen und mit ganz fremde« Menschen Zusammenleben. Besonders wenn sie an Beate, Herberts Schwester, dachte, wurde ihr seltsam beklommen zumute. Sie wußte selbst nicht, weshalb sie sich vor dieser Schwester fürch- tete und schalt dies Gefühl kindisch und unbe­gründet, es ließ sich aber trotzdem nicht verscheu­chen. Erst jetzt empfand sie die ganze Schwere ihres Opfers und Zweifel, ob sie die Kraft habe« werde, es zu vollbringen, drückten sie nieder.

Graf Landeggs Briefe atmeten nach wie vor heiße Liebe.Ich schäme mich, daß ich nicht eme Spur der gleichen Sehnsucht empfinde, fugte Elisabeth so oft.Ich glaube, ich verdiene ferne Liebe gar nicht. Ach, warum kann man sich nicht zur Liebe zwingen?" ,

In diese trübe Zeit fiel ern Sonnenblrck, der Elisabeibs alten Frohsinn zurückbrachte und seinen Schimmer auch auf die folgende Zeit warf.

(Fortsetzung folgt.)