bringen.
— Das deutsch« Reich wird auf der am 17, September in Bern beginnenden diplomatischen Konferenz für internationalen Arbeiterschutz vertreten durch den deutschen Gesandten v. Bulow (Sein), den Direktor im Reichsamt des Innern Caspar, den Geheimen Ober - Regierungsrat Trick. Wirklichen Leaationsrat Dr. Eckardt.
Oberlanvesgerichtsprästdent Dr. Mertzaus (Breslau), Kammergerichtspräsident a. D. Tinus (Berlin), Prof. Dr. Abt, Syndikus der Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin, Professor Dr. Gierke (Berlin), Prof. Enneccerus (Marburg), Reichstagsabgeordneter Landgerichtsrat Hagemann (Erfurt), Oberstaatsanwalt v. Prittwitz und Eaffron (Naumburg). Den Vorsitz übernahm Prof. Enneccerus.
— Im 10. sächsische, Neichstagswahlkreis Döbeln-Roßwein werden nun doch noch drei Kandidaten verschiedener Parteien sich gegen- überstehen. Eine in Döbeln abgehaltene Ver- trauensmännerversammlung der Freisinnigen Volkspartei stellte einstimmig als Kandidaten dieser Partei den Stadtverordneten Lchrer Beck aus Dresden auf. Die übrigen bürgerlichen Parteien haben bekanntlich den Professor Hasse (Leipzig), die Sozialdemokraten den Stadtverordneten Photograph Pinkau (Leipzig) ausgestellt.
— Die durch die ganze Presie gehende Nachricht, daß gegen einige sozialdemokratische Zeitungen wegen abfälliger Besprechung der letzten Amnestie ein Strafverfahren wegen Majestätsbeleidigung eingeleitet sei, ist nach Erkundigung an der zuständigen Stelle vollständig unbegründet. Es ist, wie die amtlichen Ermittelungen bei
Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 de? Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe
,4 s?. .Oberheff. Zig." gestattet)'
Marburg, 12. September.
§ Bom ZLgerbataillon. Wie aus dem Manövergelände gemeldet wird, ist der Gesundheitszustand der Truppe ein guter. Bis jetzt find nur einige Reservisten, welche denStrapatzen nicht gewachsen waren, zurück gekommen.
♦ Der Landesausschutz des Regierungs-Bezirks Cassel tritt am Montag, den 17. ds., im Ständehaus zu Cassel zu einer mehrtägigen Sitzung zusammen.
* Bon der Post. Jeder Landbriefträger führt auf seinem Bestellgang ein Annahmcbuch mit sich, in welches er die von ihm angenommenen Pj>nin<xuu>n mit MsrtauaabL Eiulibvibelen--
-oird dann die Enthüllung erfolgen.
— Der Abgeordnete Erzberger hat in Katto- witz mit neuen Enthüllungen gedroht. Er erklärte, er besitze noch viele Mitteilungen und Hebe seinen stärksten Trumpf bis zuletzt auf.
! — Zum Kieler Zuristentage find 400 Juristen eingetroffen. Es seien u. a. genannt: kLerreichsanwalt Dr. Olshause» (Leipzig).
Hessrll-Nafsan Md Nachbargebiete.
Cassel, 11. Sept. Der Cassel-Elberfelder Schnellzug hat heute morgen nach 7 Uhr, als er in den Bahnhof Hagen einlief, zwei Eisenbahnarbeiter, welche das Einlaufen des Zuges überhört hatten und das Geleise überschreiten wollten, erfaßt und vollständig zermalmt.
Cassel, 10. Sept. Am Sonntag Abend erschoß sich ein hier bei einem Bäckermeister in der Echönfelder Straße bediensteter Fahrbursche. Das Motiv der Tat war unglückliche Liebe, wie aus einem Briefe hervorgeht, den der Selbstmörder noch in der Hand hielt, als man ihn als Leiche fand.
Eschwege, 11. Sept. Im Manöver find zwei verheiratete Reservisten der 5. Kompagnie des 82. Regiments an Hitzschlag verstorben. Einer ist schwer erkrankt.
O. Schlüchtern, 11. Sept. In dem benachbarten Orte Elm kam es am Sonntag zwischen Einwohnern aus Elm und beim Bahnhofbau beschäftigten Italienern zu einer wüsten Schlägerei. Einer der Kampfhähne, ein Italiener, erhielt dabei eine derartige Verletzung im Gesicht, daß er ein Auge einbüßte und in das Kreiskrankenhaus nach Schlüchtern verbracht werden mußte. , .
G. Hana«, 11. Sept. Beim Baden tnt Rhein ertrank der Musketier Müller der 5. Kompagnie hiesigen Infanterie-Regiments Nr. 166. Der Unfall erfolgte in der Nähe von Bingen, woselbst der Truppenteil Manöverquartier bezogen hat. Der Verunglückte stammt aus Lauterbach.
G. Offenbach a. M.» 11. Sept. Zwei Reservisten des im Manöver weilenden hiesigen Infanterie-Regiments Nr. 168 gerieten gestern in Eberstadt bei einer Tanzmusik eines Mädchens halber in Streit, in besten Verlauf der eine sein Seitengewehr zog und den anderen erstach.
Frankfurt a. M., 10. Sept. Wegen Krankheit hat sich der 50 Jahre alte Schneider Zack aus Wien in seiner Wohnung in der Kronprinzen- straße erhängt. — In sechs Frauenversammlungen wurde gestern abend über Biervsrteue- rung und Milchpreiserhöhung debattiert und be- schlosten, die Frauen aufzufordern, den Bier- Boykott strengstens einzuhalten und den Gebrauch von Milch tunlichst einzuschränken, bezw. kondensierte Milch zu benutzen.
Bermuthshain, 9. Sept. Gestern wurde, laut „Gieß. Anz.", der sogen. „Große Rothebachsteich" ausgefischt und ca. 28 Zentner Karpfen geerntet. Sie waren viersömmerig und wurden an die Firma Höfe in Wiesbaden mit 60 <M für den Zentner verkauft. (Da sieht man wieder, daß die Anlagen von Fischteichen große Vorteile bieten können.)
Biblis, 10. Sept. Die 17jährige Tochter des Maurermeisters Weickert aus Groß-Rohrheim, welche gestern Abend den Zug 9 Uhr 25 Min. zur Heimreise benutzen wollte, wurde beim Ueberschreiten der Geleise vom Frankfurter Zuge erfaßt, eine Strecke mitgeschleift und von den Nädern zermalmt. Die Leiche wurde erst spät nachts von Bahnbediensteten entdeckt.
Hilchenbach, 11. Sept. Das Anlehnen an die Wagentüren der Eisenbahn hat schon manchen Unglücksfall im Gefolge gehabt und hätte auch gestern wieder beinahe ein Unglück verursacht, wie nachfolgender Vorfall beweist. Als der Personenzug gestern Vormittag die Station Geisweid verlosten hatte, wollte ein junges Mädchen zum Fenster der Abteilungstür des Zuges hinauswinken; plötzlich öffnete sich die Tür und das Mädchen wäre hinausgestürzt, wenn es sich nicht an der Tür festgehalten hätte, wo es in größter Gefahr hängend schwebte. Einige Mitreisende zogen das Mädchen an den Kleidern wieder ins Abteil hinein und retteten es so vor dem fast sicheren Tode, da ein im nächsten Augenblick vorbeifahrender Zug aus der entgegengesetzten Richtung das Mädchen sicher erfaßt hätte. Möge sich also jedermann selbst davon überzeugen, daß die Wagentür bei Abfahrt des Zuges gut ge- schlosten ist.
Siegen, 10. Sept. Der Streik im Baugewerbe ist heute Abend nach sechs Wochen Dauer beendet worden. Die Arbeitgeber bewilligten sämtliche Forderungen; die Arbeiten werden morgen au allen Baustellen wieder ausgenommen.
Heiligenstadt, 10. Sept. Zu den Manövern der 44. Jnfanteriebrigade, die heute in der Nähe Heiligenstadts ihren Anfang nahmen, ist der kommandierende General des 11. Armeekorps, Exzellenz Linde, heute wiederum hier eingetroffen. Die heutigen Manöver spielten sich zwischen dem 167. und dem 32. Infanterie-Regiment ab. Dem 167. Regiment, das heute früh nördlich und östlich von Heiligenstadt seine Stellungen ern- nahm, fiel die Aufgabe zu, dem von Worbis anrückenden 32. Regiment die Pässe des Dün- gebirges zu versperren. Das Gefecht dehnte sich sehr weit aus; zum Treffen kam es am Zehnsberge bei Leinefelde. Morgen werden die Brigademanöver fortgesetzt.
Großbritannien. Die Erinnerungen des che- maligen Staatssekretärs der Regierung von Transvaal, Dr. Leyds, sind erschienen. Sie find betitelt „Die erste Annektierung des Transvaal". Die Memoiren bringen keine besondere Ueberraschung.
die Libauer und' Varmaschen Dragoner-Regimenter, mit dem Schießen zu beginnen. Den sFuden ist verboten, die Straße zu betreten, die »Etliche Bevölkerung erhält dagegen Pastagier- kcheine. Aus Brest ist das Dubliner Regiment, hus Rembertow Artillerie eingetroffen, und die Zufuhr von Patronen dauert ununterbrochen kn. Das Restaurant Viktoria ist zerstört, das Plündern wurde in der Stadt auch gestern noch fortgesetzt Den blutigen Vorgängen soll ein Bombenattentat auf den Polizeiminister vor- kusgegangen sein. — In der hiesigen Pauls- sfestung wurde eine politische Gefangene, die 22- jährige Semenowa, durch einen Wachtposten er- schosten, als sie aus ihrer Zelle mit anderen Gefangenen in Verbindung treten wollte.
Warschau, 11. Sept. Heber die Vorgänge in Siedlce werden furchtbare Einzelheiten gemeldet: An den gefangen Frauen und Kindern der Judenhäuser seien von den Soldaten unerhörte Grausamkeiten begangen worden. Fast alle Meldungen der Blätter stimmen darin überein, daß es sich um eine allgemeine rein militärische Erhebung handelte, an der anders als in Kischinew, Lyalystok usw. der gewöhnliche Mob keinen Anteil hatte. (?) Das ganze Blutbad stand unter direkter Leitung der Offiziere. Der Chef der Militärbewachung selbst feuerte, diesen Meldungen zufolge, die Soldaten zu energischem Vorgehen an. Von den Gewalttaten und der KÄXÄÄ I d-° keneralgouverneur hat sich heute früh nach | haben, auch nicht ein einziges Mazestats-Belet- Siedlce begeben. I digungsverfahren aus Anlaß abfälliger Be-
——a^———ss—asa I fprechungen über die Amnestie eingeleitet
I worden.
Deutsches Reich. I — Die Ostmarkenpolitik der Staatsregierung
Berlin, 11. Sept. I erfährt auch in der deutschen Preste mancherlei In Armeekreisen glaubt man der „N. P. I Anfeindung, und besonders muß sich die An- JL* zufolge, daß anläßlich der bevorstehenden I fiedluugskommistion, weil der Erwerb deutschen Festlichkeit im badischen Herrscherhaus« Se. Maj. I Bodens aus polnischer Hand nur langsam fott- )er Kaiser den Erotzherzog von Baden, der zur I schreitet und das Polsntum nach Maßgabe des ßeit den Rang eines Generalobersten der Ka- I Grundbesitzes noch immer im Vorteil ist, eine »allerie mit dem Rang als Eeneralfeldmarschall I tadelnde Kritik gefallen lassen. In denjenigen bekleidet, zum Eeneralfeldmarschall befördern I polnischen Kreisen aber, die als die Führer und vird. I Träger der deutsch-feindlichen Bewegung des
— Im „Reichsanzeiger" wird von dem Per- I Polentums zu gelten haben, denkt man anders ionenwechsel an der Spitze des Kolonialamts in | über die Tätigkeit und Bedeutung der Ansied- jvlgender Form amtliche Kenntnis gegeben: I lungskommisiion. In einem Artikel des Po- „Seine Majestät der Kaiser haben Aller- I feitet „Orendownik" über die politischen und gnädigst geruht: I konfessionellen Verhältnisse in den gemischt-
den Erbprinzen Ernst zu Hohenlohe-Lan- I sprachigen Landesteilen finden sich die Sätze: genburg auf seinen Antrag von der Stellung I „Bei dem heutigen nationalen und kulturellen als stellvertretender Direktor der Kolonialab- I Fortschritt unserer Volksklasse 'kann von der teilung des Auswärtigen Amtes zu entbinden. I Durchführung der Protestantisierung des polni- Eleichzeitig haben Seine Majestät dem Erb- ] fchen Elements keine Rede fein. Gäbe es keine Prinzen zu Hohenlohe-Langenburg die Bril- I Ansiedlungskommission, welche unseren Landlanten zum Roten Adlerorden 1. Kl. verliehen. I besitz und in der Folge unsere katholischen Pa- „Seine Majestät der Kaiser haben Aller- I rochien ruiniert, dann wär« die Position des gnädigst geruht: I polnischen Elements sogar stark." Rach dem
den bisherigen Direktor der Bank für I eigenen Zeugnis nicht beteiligter polnischer Handel und Industrie Bernhard Dernburg, Kreise hat also die Ansiedlungskommission durch unter Verleihung des Charakters als Wirk!. | ihre zielbewußte Arbeit zum mindesten das Geh. Rat mit dem Prädikat „Exzellenz", mit Wachstum der allpolnischen Propaganda einge- bei Vertretung des Direktors der Kolonialab- I schränkt und die weitere Erstarkung der ohnehin teilung des Auswärtigen Amts, sowie für den I schon gefährlichen Macht des Polentums aufzu- Fall der Behinderung des Reichskanzlers mit I halten gewußt. Selbst wenn das der einzige desien Vertretung in denKommandoangelegen- I Erfolg wäre, den die Ansiedlungskommtffton tm heilen der Schutztruppen in den afrikanischen I Kampfe gegen den Polonismus zu verzeichnen Schutzgebieten zu beauftragen." I hätte, würde er genügen, um diesen Faktor der
__ Wie gemeldet wird, hat der Kaufmann I preußischen Ostmarkenpolitik unentbehrlich und Horst v. Tippelskirch, Mitinhaber der Firma von I seiner Aufgabe durchaus gewachsen erscheinen zu Tippelskirch u. Co., gegen den Schriftsteller Dr. | lassen.
für. Mode, sowie gegen die verantwortlichen Re- I dakteure, dis Drucker und Verleger des „Berliner I Deutsche Kolonien.
Lokal-Anz." und des ,'Berl. Tagebl." Ctrafan- I Ein Berichterstatter der Deutschen
trag bet der Staatsanwaltschaft des Landge- I „..A., . einiger Zeit Tsaub am
I sefl.ru. Segen D-. Mode wird Ma.
Bestrafung beantragt wegen verleumdertsch-r h^ero mit einer Hereroschar und einigem Vieh Beleidigung, gegen die übrigen wegen offent- I Flüchtlinge hatten erwartet, von den
sicher, durch die Presse begangener Beletdtgun- I ' freundlich ausgenommen zu werden, gen. Oberstleutnant Quade hat^Sttaantrag enttäuscht, daß der
gegen Redakteur, Drucker und Verleger der I . .. nicht auf gleichem Fuße be-
^Läglichen Rundschau" wegen Beleidigung ge- I ^Qnt)e(te Indessen haben nun mehrere von den ,,,, I reichen Betschuanen Hereromädchen geheiratet. , “ politischen Nachrlang zur Sedan. 1 $abui$ pnb aU(f) deren Familienangehörige zu Ä* ^""mGd^s Var^ÄricktÄ Die den Betschuanen in nähere Beziehungen gerückt, Der „Voss. Ztg. wird aus Pans berichtet. Die l besondere Folge hat, daß sie dort jeder-
nationalistischen Blätter bnngen folgende aus- I «kabruna finden wie das bei den Kaffern fallend« Meldung: Der italienisch« Konsul in w^etnaYbetnU
Leipzig nahm an der Sedanferer teil, indem er I Aufstande gefragt und verwies von
am Sedanlage fern« Flagge hißte. Das fran- I - re;net. imet Jahren an den Eou-
Msche Auswärtige Amt brachte diese Tatsache I retncut gedichteten Brief mit den bekannten zur Kenntnis bei italienischen Regierung, wor- I ^ {(agen gegen den früheren Distriktschef von TÄta’ÄÄ» ”<«Ä -X. gnnje Sorg, ta S--«° P«. ~ H'lfsveretn der deutschen Zud er- ^^der Weideland zu bekommen. Sie sprechen hielt von seinem nach Siedlce entsandten Bericht- I aus, daß sie dann, auch wenn sie
erstatter aus Warschau folgende Meldung. Ver- I wenigen Rindern anfangen, bald wie-
suchte vergeblich bisher nach Siedlce vorzudrin- "»r mn wenigen m i u
taSMBfa» SSMSS.SKÄ:
lescka vollkommen ausgeplündert fein. Im Gegen- I b sich zu Bjelostok sollen auch umfangreiche Brand- I Ausland,
stistungen, um die Verbrechen zu verdecken, statt- I Oesterreich-Ungarn. Die plötzliche Absage gefunden haben. Die Flüchtlinge verbreiten I des Kaiserbesuches in Dalmatien und der Herze- Iberall hin Panik. I gowina ist auf politische Gründe zurückzuführen.
— Der preußische Lehrerverei« will demnächst I Serben und Italiener planten politische Demon- lem verstorbenen Kultusminister Bosse vor dem I strationen. Letztere insbesonders wegen des Be- Lehrerheim zu Cchreiberhau tut Riesengebirge I suches der Herzegowina. Die Unpäßlichkeit ist rin Denkmal errichten. Mehrere hervorragende I zwar vorhanden, kann aber nicht als Grund der Künstler find zu Entwürfen aufgefordert wor» I Absage angesehen werden.
den. Der Senat der Akademie der Künste zu I Schweiz. Der Bundesrat beauftragte den Berlin, wird wie beim Falk-Denkmal um lieber» I schweizerischen Gesandten in Berlin Dr. v. Cla- nahme des Preisrichteramtes seitens des ge- I parede, in außerordentlicher Mission dem Eroß- sthäftsführenden Anschusses des preußischen Leh, I Herzog von Baden die Glückwünsche des Bundes- Zervereins gebeten werden. Im nächsten Jahre I rats aus Anlaß seiner Jubiläumsfeier darzu-
dungen, Postanweisungen, gewöhnliche Paktt«! und Nachnahmesendungen einzutragen hat.1 Gleiche Annahmebücher werden auch von den Inhabern bet an kleinsten Lanbotten errichte« ten Posthilfsstellen gefühlt. Da bem Absender das Recht eingeräumt ist, die Eintragungen selbst vorzunehmen, so kann ihm, um sich vor Weiterungen und Verlusten zu sichern, nicht genug empfohlen werden, die den Landbriefträgern mitzugebenden oder bei den Posthilfsstellen zur Weitergabe an den bestellenden Boten niederzulegenden Postanweisungsbeträge, Wertsendungen usw. tunlichst eigenhändig in das Annahmebuch des Landbriefträgers oder der Post- Hilfsstelle einzutragen oder wenigstens sich von der Buchung durch den Landbriefträger oder Posthilfstellen-Jnhaber zu überzeugen.
* Eine Delegiertenversammlung der national- liberalen Partei hat am Sonntag in Cassel getagt. Zugegen waren über 70 Delegierte der nationalliberalen Partei aus allen Teilen Kurhessens und Waldecks. Den Vorsitz führte der Vorsitzende des nationalliberalen Wahlvereins in Cassel, Prof. O. Hebel, anwesend waren unter vielen andern die Landtagsabgeordneten Jung-^ Henn-Hanau und Dr. Schroeder-Cassel, der lang-! jährige frühere Reichstagsabgeordnete Dr. Bött- cher-Mengeringhausen sowie die Veteranen der Partei, Vizebürgermeister Siebert-Marburg und Geheimrat Fritsch-Cassel. Es wurde zunächst auf einen Vortrag des Landtagsabgeordneten Dr. Schroeder hin die Schaffung einer landschaftlichen Organisation der nationalliberalen Partei in Kurhessen und Waldeck beschlossen. Der Sitz der Organisation soll in Cassel sein. Sebei Reichstagswahlkreis entsendet drei Delegierte in einen großen Patteiausschuß. Daneben wild ein geschäftsführender Ausschuß gebildet, in dem jeder Wahlkreis durch einen Delegierten vertreten ist. Hieran schlossen sich vertrauliche Besprechungen über die Wahltaktik und das Verhältnis zu den andern Parteien bei den Reichstagswahlen des Jahres 1908. Endlich berichtete Lehrer Heckmann-Cassel über den Erlaß des preußischen Kultusministers vom 4. Mai 1906 über die Beschränkung der Aufbesserung der Lehrergehälter durch die Städte und empfahl, der von dem nationalliberalen Wahlverein in Duisburg vorgeschlagenen Entschließung zuzustimmen. Die Versammlung schloß sich den Darlegungen des Berichterstatters voll an.
* Eine Neuerung in Marburg. Die Schü» lerinnen der Selekta der hiesigen höheren Mädchenschule tragen seit einigen Tagen dunkelblaue Mützen mit Goldrand. Ob dies eine Anordnung der Schulleitung ist oder ob die Mädchen sich gegenseitig darüber verständigt haben, wissen wir nicht, jedenfalls aber machen die Schülerinnen in ihren Mützen keinen üblen Eindruck.
* Zur Obsternte wird uns von geschätzter Seite geschrieben: Mit Beginn der Obsternte kann man wieder beobachten, wie unvernünftig vielfach verfahren wird. Die Früchte werden nicht gepflückt, sondern herunter geschlagen und dabei fallen dann auch die Fruchtzweige massenhaft zum Opfer. Ein solcher trägt aber, wenn er erhalten bleibt, beim Apfelbaum 12—15 Jahre Früchte; wer ihn abschlägt oder abreißt, vernichtet also Kapital und Zinsen. Das Landesbauamt insbesondere sollte die Obstpflücker überwachen lassen und Leute, die mit einer Roheit die Bäume verwüsten, wie Einsender es im vorigen Jahre an der Eisselbetgerstraße gesehen hat, für die Zukunft von bet Steigetung aus» schließen.
§ Leseholzzettel. Diejenigen Bewohnet der Stadt Marburg, welche sich um einen Leseholzzettel für das Jahr 1906/7 bewerben wollen, können dieses vom 14. bis 21. b. Mts., vormittags von 8 bis 12 Uhr im Rathaus (Ärmen- amt) tun.
* Wegen des Verhaltens der Schulkinder bei Feuersgefahr hat der preußische Kultusminister folgende Verfügung an die einzelnen Regierungen gerichtet: „Es ist in Frage gekommen, ob in den Schulen Vorkehrungen getroffen sind, die Kinder für den Fall einer Feuersgefahr an schnelles und doch geordnetes Verlassen der Schulzimmer und Schulgebäude zu gewöhnen. Die Regierung wolle ihre Aufmerksamkeit von neuem dieser Angelegenheit zuwenden, deren Bedeutung nicht zu unterschätzen ist. Es wird zu erwägen sein, welche Anordnungen nach der 6e». zeichneten Richtung hin etwa zu treffen sind. Auch würde darauf zu achten sein, daß ihre Ausführung geübt und durch gelegentliche Wiederholungen befestigt wird." Verschiedentlich ist das bereits der Fall; wo aber noch nicht, da ist diese Verfügung Gutes zu wirken geeignet.
* Früher Winter in Sicht. Auf bett frühzeitigen Winter will man aus dem eiligen Abzüge der Schwalben schließen. Der „Franks. Z." wird berichtet: Der alte Spruch: „Zu Maria Geburt (8. September) fliegen die Schwalben furt", dürfte in diesem unberechenbaren Jahre zu Schanden werden. Wie sich aus zahlreichen Zuschriften erkennen läßt, die Professor Dörfler erhielt, der seit mehreren Jahren Beobachtungen sammelt, find die Schwalben Heuer schon von vielen Otten abgezogen. Die Turmschwalben verließen bereits am 25. Juli Europa, also um 5 Tage früher als in anderen Jahren. Von bett Stabt- und Dorfschwalben zog der Großteil hier und da bereits am 25. August ab, während einige Junge noch zurückblieben. Das deutet auf eilten langen und strengen Winter, (Hoffentlich/ wirds halb so schlimm.) ,
Roßdorf, 11. Sept. Zu der schon kurz ge- melbeten Verhaftung eines jungen Mannes von hier erfahren wir noch, daß es sich «m eine Eifersuchtsszene handeln soll. Der Betreffende wollte nämlich ein Mädchen treffen und schoß bähet dessen Tante, die es begleitete durch dte Hand. Die Verletzte wurde in die Marburger Klinik, und der Täter von zwei Gendarmen ins Amöneburger Gefängnis gebracht. Wie wir hören, soll er nach erfolgter Vernehmung wted*T auk fzeieu JEufc aeletzt worden lein.