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MchM Mim mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. SonntaasbeUaaer striktes Gon«tasSM-»s-.

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Reclauien d Steile 25 Pfa. $)DttltCT§tng, 13. (September 1906. Marburg, Markt 21. Telephon 55. "

Neueste Telegramme.

Berlin, 11. Sept. Der vierte Internationale Kongreß für Versicherungsmedizin wurde heute Vormittag im großen Sitzungssaals des Abge- -rdnetenhauses feierlichst eröffnet.

Kiel, 11. Sept. Die russischen Kriegsschiffe »Zesarewitsch",Slawa" undBogaiyr" haben heute vormittag den hiesigen Hafen wieder ver­gaffen.

Nürnberg, 11. Sept. In Anwesenheit des Ministerpräsidenten Frhrn. v. Podewils und zahlreicher Ehrengäste fand heute Mittag die feierliche Preisverteilung in der Landesaus­stellung statt. 385 Aussteller erhielten goldene, 516 silberr e und 497 bronzene Medaillen. 321 Aussteller sind außer Preisbewerb getreten. Der Prinzregent von Bayern hat eine Reihe von Ordensa^szeichnungen verliehen.

Wien, 11. Sept. Kaiser Franz Josef ist heute früh nah Ischl abgereist.

Marseille, 11. Sept. Der Kongreß der Geo­graphischen Gesellschaft wurde in Anwesenheit von mehreren auswärtigen Vertretern eröffnet.

Rambouillet, 11. Sept. In der heutigen Vor­mittagssitzung des Ministerrats gab der Minister des Aeußern Bourgois in allgemeinen Umrissen die Aenderungen in dem diplomatischen Korps bekannt, die er demnächst dem Präsidenten der Republik vorschlagen werde. In der Nachmit­tagssitzung wurde beschloffen, daß das Mittel­meergeschwader in Marseille den englischen KreuzerCumberland" und den italienischen KreuzerImperators Carlos V., die dort ein­treffen werden, um den Präsidenten der Re­publik bei seiner demnächstigen Reise zu be­grüßen, empfangen solle.

Stockholm, 11. Sept. Der König von Däne­mark ist heute Vormittag in Stockholm einge­troffen und feierlich empfangen worden.

Newyork, 11. Sept. Der nordamerikanische Staatssekretär Root ist auf seiner Rundreise in Peru angekommen. Die Regierung von Kuba hat in den mittleren und westlichen Provinzen die Verfassung suspendiert.

Daressalam, 11. Sept. Der neue Gouverneur von Ostafrika Freiherr von Rechenberg kam mit dem DampferGouverneur" der Oftafrikalini« am Sonntag in Mombassa an und bestieg dort den EouvernementsdampferKaiser Wil­helm II". Er erreichte Tanga um neun Uhr abends und verläßt nun den Hafen, um über Sansibar nach Daressalam zu fahren, wo er heute mittag eintreffen wird.

Daressalam, 11. Sept. Die Rebellenführer Kibassera und Mdosse sowie Matschinsche, der -Mörder des Dolmetschers Osman, sind gestern zum Tobe durch den Strang verurteilt worden. . Nach einer Meldung aus Lukuliro ist der ge­fangene Rebellenführer Jumbe Amiri bei einem Fluchtversuch erschossen worden.

| < (Nachdruck verboten.);

Zwei Frauen.

Roman von E. Borchart.

(Fortsetzung.)

Nur eines schmerzte sie tief. Er zeigte nicht das geringste Interesse für ihren Gesang, er hatte noch nie gebeten:Laß mich deine Stimme hören und finge mir ein Lied," und er wußte doch, daß fie dieser Kunst um seinetwillen ent­sagt hatte. Sie wartete vergeblich darauf, ja sie versuchte es manchmal geschickt, das Gespräch darauf hinzulenken, aber Graf Landegg schien nicht verstehen zu wollen und keinerlei Notiz von ihren Anspielungen zu nehmen. Elisabeth war viel zu stolz, ihm ihre Lieder aufzudrängen. Darum sprach sie auch bald nicht mehr von ihrem Singen, aber wenn Graf Landegg nidjt zugegen war, trieb sie ihre Studien um so eiftrger, dann fang sie, als wenn sie sich für lange Entbehrun­gen entschädigen müßte.

Eines Tages saß Elisabeth wieder vor ihrem Flügel und sang. Ihre glockenreine Stimme er­füllte den Raum; sie klang mächtiger und schöner denn je und fie berauschte sich förmlich an dem sie umflutenden Wohlklang. Die Außenweü war für sie verloren, sie vergaß, daß fie Braut war und daß sie damit ihrer Kunst entsagt hatte, und sie vergaß, daß Graf Landegg bald kommen mußte.

Da tat sich die Tür auf und Landegg erschien. Er war durchaus nicht geräuschlos eingetreten, die Tür hatte geknarrt und seine Sporen hatten geklirrt. Elisabeth mußte ihn bemerken, und sie hatte ihn auch sofort.gesehen, aber in diesem Augenblick war ihr alles gleichgülttg außer der Musik. Sie vermochte es nicht, sich zu unter­brechen: eine höhere Macht ttteb sie, erst zu Ende zu fingen und den Eindruck nicht durch »orzeitiges Abbrechen zu verwischen. Erst als

Teheran, 11. Sept. Der Schah hat die Ver­ordnung über die Reformen unterzeichnet und den früheren Eroßwesir vom Hofe verbannt. Die Geschäftstätigkeit ist wieder ausgenommen worden.

Der Erbprinz zu Hohenlohe- über seinen Rücktritt.

In Berlin fand im Palasthotel ein Abschied­essen zu Ehren des scheidenden stellvertretenden Kolonialdirektors Erbprinzen zu Hohenlohe- Langenburg statt, an welchem Beamte der Ko­lonialverwaltung und Offiziere des Oberkom­mandos der Schutztruppe teilnahmen. Auf eine Ansprache des Wirkl. Legationsrates Dr. Seitz erwiderte der Erbprinz dankend und führte aus: Als ich mein Amt antrat, war ich überzeugt, daß die gegenwärtige Organisation der Zentrale den Ansprüchen nicht genügte, welche der heutige Stand der kolonialen Angelegenheiten an die Leitung dieses wichtigen Instituts stellt. So übernahm ich das Amt unter der ausdrücklichen Voraussetzung, daß demnächst ein selbständiges Reichsamt für die Kolonien geschaffen werden würde. Das zerstörte der Reichstagsbeschluß am 26. Mai. Ich blieb zunächst in der Hoffnung auf ein erfolgreiches Ausarbeiten der gewünschten Vorlagen in der parlamentsfreien Zeit und auf sichere Anhaltspunkte für das Zustandekommen der dringend notwendigen Reorganisation. Die fortgesetzten Preßangttffe und die Feststellung ihres Wahrheitsgehaltes nahmen die Tätigkeit des mir unterstellten Beamtenpersonals in höch­stem Maße in Anspruch. An eine genügende Vorbereitung von gesetzgeberischen Maßnahmen war unter diesen Umständen nicht zu denken. Bei dem öffentlich sich kundgebenden Mißtrauen gegen die Kolonialverwaltung war keine Ge­währ auf Bewilligung der nötigen Mittel. So verschwieg ich nicht, daß ich die Verantwortung für die Weiterentwicklung unserer kolonialen Interessen nicht mehr tragen könne. Die Preß- äußerungen, nach denen mein Rücktritt wegen mangelnder Unterstützung meiner Beamten er­folgt wäre, sind unrichtig. In unserer Zeit des kolonialen Pessimismus lassen sich äußere Er­folge nur erzielen, falls bei Regierung und Volk die lleberzeugung herrscht, daß die Kolonial­politik ein wesentliches Glied in der politischen Eesamtbetätigung eines lebenskräftigen Volkes ist. Vielleicht wird das Ausscheiden meiner Person der von mir für unerläßlich gehaltenen Reorganisation die Wege ebnen. Ich hoffe, das; eine freudigere Stimmung allen Mitarbeitern an der Entwicklung unserer Schutzgebiete die Er­füllung ihrer schweren Pflicht bald erleichtern wird. Ihnen allen, namentlich meinem Amts­nachfolger, wünsche ich schöne Erfolge. Die deut­schen Kolonien sollen leben!"

der letzte Ton verklungen war, erhob sie sich und ging ihrem Verlobten entgegen. Auf ihrem schönen Gesicht lag noch der Abglanz eines tief­empfundenen Glückes. Es fiel ihr nicht auf, daß Graf Landegg ihr keinen Schritt entgegen machte, sie ging zu ihm und reichte ihm freundlich die Hand zum Gruß. Er drückte einen flüchtigen Kuß darauf.

Elisabeth, hast du mich heute nicht er­wartet?"

Der eigentümliche Klang in seiner Sttmme ließ sie befremdet zu ihm aufschauen, und fie er­schrak vor dem düsteren Ausdruck in seinen Augen.

Doch, ich wußte, daß du kommen wolltest, Herbett."

Seine Stirn runzelte fich.

Ich habe mich heute verspätet. ich glaubte, du würdest bereits gewartet haben. Statt dessen finde ich dich ganz in deine Musik vertieft, meinen Eintritt nicht beachtend."

Elisabeth war jäh errötet.

Verzeih, ich hatte die Zeit vergessen . . ."

lleber deine Kunst!" ergänzte er.Ach, Eli­sabeth, du hattest nicht allein die Zeit, sondern überhaupt deinen Bräutigam vergessen, gestehe es nur."

Die Tränen waren Elisabeth nahe, aber fie drängte sie zurück. In ihrem Herzen regte fich etwas wie Trotz. Er hatte nur einen Vorwurf für sie, anstatt, wie sie erwartet hatte, eine lieb­reiche Anerkennung ihrer herrlichen Begabung. Hatte er denn gar kein Verständnis für die Kunst, oder war er gar eifersüchtig auf sie?

Daß das erste nicht der Fall war, wußte sie, und das zweite sah seinem Charatter nicht ähn­lich, wenigstens hatte er noch nie derartiges ver­raten. Er hatte fie bisher mit zarter Rücksicht­nahme behandelt, darum verletzte Re [ein Vor­wurf um so tief«, m *'

Die Kaisertage in Schlesien.

Liegnitz, 10. Sept. Der Kaiser stieg heute morgen bei der Vielwiese zu Pferde und begab sich in das Manövergelände bei Oberheidau. Heute nachmittag fuhr der Kaiser im Automobil über Parchwitz und Wahlstatt nach Liegnitz, wo er um 5y2 Uhr eintraf. Die Kavalleriedivi­sion B (rot) war heute über Parchwitz bis Gu­gelwitz vorgesandt worden, wo sie Stellung nahm. Die von Lüben hervordringende Kaval- lericdiviston A (blau) zwang die erstere über die Katzbach gegen Heidau und Parchwitz zurück­zugehen. Heute nachmittag nahmen beide Divi­sionen beobachtende Stellungen ein.

Nachdem am Montag die Kaisermanöver mit Aufklürungsgefechten der beiderseitigen Kaval­leriedivisionen ihren Anfang genommen hatten, ist am Dienstag der erste größere Zusammenstoß der roten und blauen Truppenteile in der Nähe von Wahlstatt erfolgt. Der durch das 6. Korps gebildeten roten Armee gelang es, die blaue durch Umfassung des rechten Flügels zum Rück­zug zu zwingen. Dicht bei Wahlstatt hatte der Kaiser die Nacht in seinem Asbesthause verbracht, um dann in aller Frühe in den Sattel zu steigen. Bei beiden Führern war die Tendenz erkennbar, auf den einen der feindlichen Flügel zu drücken. General von Woyrsch führte seine drei Divisionen mit viel Glück gegen den rechten Flügel von Blau, und der Erfolg des Tages war auf seiner Seite. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, daß eine Einwirkung des 3. Korps, das im An­marsch war, zur Unterstützung des 5. im Laufe des Vormittags nicht eintrat, was im Ernstfälle durch die längere Dauer der einzelnen Eefechts- episoden wohl geschehen wäre. Das Gefechtsbild war recht interessant, da alle Waffengattungen in Wirksamkeit traten. Die Truppen machten einen ausgezeichneten Eindruck. Der Kaiser und die Kaiserin, die zu Pferde war, interessierten sich eingehend für den Zustand der Leute. Der Monarch griff wiederholt in die Regelung des Abmarsches der Truppen ein.

Liegnitz, 11. Sept. Der Kaiser ist heute nach­mittag nach Liegnitz zurückgekehrt.

Breslau, 11. Sept. Die Kaiserin ist heute nachmittag gegen 2 Uhr aus dem Manöver­gelände hier eingetroffen und hat sich nach dem Schloß begeben.

Schwere Erkrankung des Prinz-Regenten von Braunschweig.

Aus Camenz in Schlesien kommt die betrü­bende Nachricht von einer schweren Erkrankung des Prinz-Regenten Albrecht. Es liegen uns folgende Drahtmeldungen vor:

Braunschweig, 11. Sept. DieHerzog!. Braunschw. Anzeigen" sind von dem herzoglichen Staatsministerium angewiesen, folgendes be-

Du meinst, weil ich das Lied noch zu Ende sang, ehe ich dich begrüßte? Nun, das geschah nicht allein um der Kunst willen, ich wollte, daß du mich hörtest daß du, dem man so hohes Kunst- Verständnis zuspricht, mir sagtest, wie dir meine Stimme gefallen hat--dein Urteil wollte ich

hören."

Graf Landegg sah sie forschend an.

Bist du eitel, Elisabeth, und wünschest du von mir eine Lobhymne zu hören?"

Nein sich bin nicht eitel," stieß Elisabeth her­vor, nun wirklich in Tränen ausbrechend.

Der düstere Bann war von Graf Landegg jäh gewichen.

Elisabeth, du sollst nicht weinen, vergib mir meine Heftigkeit und vergiß sie."

Er hatte fie an sich gezogen und streichelte ihr Haar:Deine Stimme ist wunderbar schön, aber gerade darum es mag sonderbar klingen hat fie mich trübe gestimmt und . . . bittere Er­innerungen in mir wach gerufen. Elisabeth," jetzt zitterte seine Stimme vor Erregung,ver­sprich mir, daß die Kunst, der du um meinet­willen entsagen mußtest, nicht dein ganzes Sin­nen und Denken in Anspruch nehmen wird--

versprich es mir!"

Elisabeth war bei diesen Worten seltsam be­klommen zumute geworden, sie verstand seine Forderung nicht gleich. Da zuckte eine Ahnung in ihr auf. Sollte die Kunst eine Rolle in seiner ersten Ehe gespielt haben, und es tat ihr leid, ihn verstimmt zu haben. Das Gefühl der Dank­barkeit überwog noch jedes andere in ihr. Was er an den Ihren getan hatte, war noch zu frisch in ihrem Gedächtnis. Frau von Rittberg hatte ihr zwar die Summe verschwiegen, die Landegg geopfert hatte, aber es kam ja auch nicht darauf an, es war genug, daß er helfend und rettend eingesprungen war. Sie glaubte, es ihm schul­dig zu sein, ihm alles Unangenehme aus dem Wege zu räumen und wollte fich darum auch in

kannt zu machen:S. K. H. der Regent Jini gestern von einem Schlaganfalle betroffen wov den, über den das amtliche Blatt aus Camenj (Schlesien) folgenden Krankenbericht des dienst» tuenden Arztes erhält:K. H. haben am 10. da einen leichten Schlaganfall mit teilweiser Läh­mung der rechten Körperseite gehabt. Heute (11 September), morgens um 8 Uhr, ist das Bewußt, sein zurückgekehtt. Um 11 Uhr vormittags war nach einem weiteren Krankheitsberichte das Be­wußtsein wieder aufgehoben. Die rechte Ge­sichts- und Zungenhälfte, sowie die Sprache finb gelähmt." Das amtliche Blatt fügt hinzu:Dar Befinden Sr. K. H. gibt hiernach zu unsere« schmerzlichen Bedauern Anlaß zur Besorgnis."

Camenz, 11. Sept. Der Zustand des Prinzen Albrecht von Preußen, Regenten von Braun­schweig, ist noch immer äußerst bedrohlich, wenn auch gewisse geringfügige, vielleicht mehr mo­mentane Besserungen nach einem Urteil des hin­zugezogenen Professors Kraus und des Leib­arztes einen Hoffnungsschimmer gewähren.

Camenz, 11. Sept. Die 3 Söhne des Prinzen Albrecht von Preußen, die Prinzen Friedrich Heinrich, Joachim Albrecht und Friedrich Wil­helm, sind telegraphisch an das Krankenbett ihres Vaters gerufen worden.

Liegnitz, 11. Sept. Die Kaiserin gedenkt sich nach Camenz zu begeben.

Braunschweig, 11. Sept. Staatsminister Dr. v. Otto hat, wie demHann. Cour." gemeldet wird, infolge der Erkrankung des Prinzen Ab brecht von Preußen seinen Tiroler Urlaub unter­brochen und ist heute Abend hier wieder einge­troffen.

Zur Lage in Rußland.

Petersburg, 10. Sept. In den nächsten Tagen wird im Ministerium des Innern eine besondere Kommission, bestehend aus den höchsten Beamten des Ministeriums unter dem Vorsitze Stolypins zusammentreten zur Feststellung von Grund» sätzen für die allgemeine Reform der Gouverne- mentsverwaltung und Ausarbeitung eines Pro­grammes für die weiteren Arbeiten hinstc: der bevorstehenden Reform der örtlichen Ver­waltung.

Petersburg, 11. Sept. Zu vorbereitenden Arbeiten für den Bau einer Amureisenbahn von Pokrowsk am Zusammenfluß des Schilka- und des Argunflusses bis Chabarowsk ist in den letz­ten Tagen die kaiserliche Genehmigung erteilt worden.

Die Schreckensherrschaft, die seit Sonnabend in der volkreichen russisch-polnischen Eouverne- mentsstadt Siedlce für den jüdischen Teil der Bewohner angebrochen ist, scheint noch nicht be­endet zu sein. Viele Einzelheiten stehen noch aus. Eine neue Meldung besagt:

Petersburg, 11. Sept. Die Zahl der Toten und Verwundeten soll mehrere hundert betragen. Nach dem ersten Schuß erschien auf dem Turm des Rathauses eine rote Laterne als Signal für

der Ausübung ihrer Kunst beschränken, vor allem ihn selbst nichts mehr davon hören zu lassen. E, schmerzte sie tief, dieses Band, das sie ihm inner, lich hätte näher bringen können, zu zerschneiden.

Eine Weile hatte fie so grübelnd geschwiegen und sich aus seinen Armen frei gemacht. Dann reichte sie ihm freundlich, unter Tränen lächelnd, die Hand:Ich will alles vermeiden, was dir Schmerz bereiten könnte."

Heiß wallte es in Graf Landeggs Herzen auf, er zog Elisabeth an sich, stürmisch und leiden­schaftlich, aber noch ehe er ihre Lippen be­rührt hatte, gab er sie schon wieder ftei. Fran von Rittberg war über die Schwelle getreten und begrüßte das Paar mit freundlichen Wor­ten. Man setzte sich in den lauschigen Erker unv plauderte unbefangen und heiter. Frau von Rittberg merkte nichts von der kleinen Verstim­mung, die eben zwischen den Brautleuten statt­gefunden hatte, denn sie verrieten sich durch nichts.

Graf Landegg sprach viel und anregend, und Elisabeth hörte ihm mit Aufmerksamkeit zu. Er erzählte von seinem alten Vater, von Schloß Landegg. Sie wollten die Hochzeitsreise dorthin machen und er malte ihr diesen Besuch auf sei­nem väterlichen Schloß in allen Einzelheiten aus. Wenn er dabei seiner einzigen, ältere« Schwester, welche auf dem Schloß die eigentliche Gutsherrin und unumschränkte Gebieterin war, seltener erwähnte, so hatte das seine besonderen Gründe.

Elisabeth hatte aus eigenem Antriebe an Landeggs Vater und seine Schwester geschrieben. Aus) ihre feinfühligen, ehrerbietigen Worte war eine herzliche Antwort von dem alten Herrn eingetroffen, während die Schwester fich nur mtt einem förmlichen Glückwunsch und wenigen Zei­len begnügt hatte,

iFortsetzung folatl