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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
SonntaasbeUaaer Allaktrtttes
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ZnsertronSgrbühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Psg.
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Marburg
Mittwoch, 12. September 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck imb Verlag' Joh. Ang. Koch, Univerfttäts-Luchdruckerei 41. Jahrff.
Marburg, Markt 21. — Telephon a5.
Neueste Telegramme.
.Berlin, 10. Sept. Der fünfte Internationale Kongreß für Versicherungswissenschaft wurde Heute Vormittag im Reichstagsgebäude eröffnet, r Perleberg, 10. Sept. Der Kronprinz trcr gestern Abend im Manövergelände des Garde- korps ein und nahm auf dem Gute des Ministers V, Podbielski in Dallmin Wohnung.
' Kiel, 10. Sept. Der 28. Deutsche Zuristentag wurde heute unter großer Beteiligung in der Aula der Universität eröffnet. Oberreichsanwal" Dr. Olshausen-Leipzig wurde zum Vorsitzenden gewählt.
1 Mönchen, 10. Sept. Die „Münchener Ztg." Erklärt, von zuständiger Stelle dahin informiert zu sein, daß von einem bevorstehenden Ministerwechsel in Bayern keine Rede sein könne.
Wien, 10. Sept. Der Kaiser hat sich von seinem Unwohlsein vollständig erholt. Heute nahm der Kaiser an dem Trauergottesdienst für die 'Kaiserin Elisabeth in der Kapuzinerkirche teil. Wie die „R. Fr. Presse" erfährt, bestand die Erkrankung des Kaisers in einem starken Schnupfen. Infolge der Anstrengung während der Manöver in Schlesien dehnte sich die Erkältung auf den Kehlkopf aus. Gegenwärtig steht der Kaiser nicht mehr in ärztlicher Behandlung. In einigen Tagen wird er Wien verlassen, um sich zum Zwecks der Luftveränderung zu etwa zehn- bis xwölftägigem Aufenthalt nach Ischl zu begeben. — Der Kaiser hat den Khedive von Aegypten in viertelstündiger Audienz empfangen.
Paris, 10. Sept, Bei der Senatsersatzwahl im Departement Vienne wurde der Radikale Poulle im dritten Wahlgange mit 334 Stimmen gegen den gemäßigten Republikaner Müge gewählt. Die Radikalen gewinnen hierdurch rin Mandat.
Balenciennss, 10. Sept. Gestern kam es zwischen Teilnehmern an einer Marienprozession und Sozialisten, welche diese vom Präfekten verbotene Prozession verhindern wollten, zu einer argen Rauferei. Ein Priester, sowie mehrere andere Personen wurden erheblich verletzt.
Tiflis, 10. Sept. Armenier aus dem Distrikt Zangezur zerstörten die Residenz der einflußreichen Häuptlinge Sultanoff. Diese führten aus Persien 2000 Mann herbei und überfielen das Armenierdorf Udschanis.
London, 10. Sept. Der König hat heute den japanischen Botschafter Komura empfangen, der fein Beglaubigungsschreiben überreichte.
Schanghai, 10. Sept. Aus chinesischer Quelle wird gemeldet, daß die Unruhen im Innern des • Landes, die infolge des durch die Ueberschwem- mung verursachten Mangels an Nahrungsmitteln ausgebrochen sind, namentlich im Janksee- Tale noch fortdauern. Der Wai-Wu-Pu warnt davor, gegenwärtig Reisen in das Innere des Landes zu unternehmen.
15 (Nachdruck Verboten.)
Zwei Araum.
Roman von E. Borchart.^ (tvorhefeimo.'i
. Elisabeth springt in die Höhe und eilt in t <e Arme der Mutter, der sie um den Hals fällt.
„Mein Kind, bist du glücklich?" fragt Frau v. Rittberg mit angstvoller Spannung in Ton und Miene.
Ja Mutti!" antwortete Elisaoeth, unter Tränen lachend, und das Mutterherz beruhigt sich dabei.
Der übrige Teil ihres Verlobungstages vergeht Elisabeth wie ein Traum. Graf Landegg ist zu Tisch geblieben, und auch Karl Günther ist gekommen. Sie weiß sich nur noch zu erinnern, daß der Bruder sie mit besonderer Innigkeit an seine Brust gedrückt, geküßt und beglückwünscht hat, daß er sehr blaß und nicht mehr so strahlend sieghaft wie früher, aber männlicher, reifer ausgesehen hat. Sie weiß ferner, daß eine zwanglose, fast heitere Unterhaltung bei Tisch geführt wurde, zu de' auch sie einen Teil beigetragen hatte. Zufrieden und glücklich ist sie über die frohen Gesichter um sich her, und selbst die oft mit angstvoller Frage auf ihr ruhenden Blicke her Mutter: „Bringst du auch wirklich kein zu schweres Opfer?" hat sie durch fröhliches Lachen und Scherzen zu beruhigen und abzulenken vermocht. Ihr Verlobter hat sie mit zartester Rücksicht behandelt, und nur seine Blicke haben ab und zu das heiße leidenschaftliche Feuer verraten, das dahinter wohnt. Sonst war er der vornehme, ernste Mann, der keins seiner Gefühle den Blicken anderer und sei es auch der nächsten Verwandten preisgeben mag. Um so freier und harmloser gab sich Elisabeth, und der Tag, der so bange begonnen hatte, schloß schön Hnd harmonisch für sie.
Die Kaisertage in Schlesien.
Liegnitz, 10. Sept. Die allgemeine Kriegslage für die diesjährigen Kaisermanöver ist folgende: Eine rote Armee ist aus Oberschlesien auf dem rechten Oderufer im Anmqr<chs gegen eine blaue Armee, die in der LiE^Elogau- Schrimm versammelt wird; auch in der Lausitz werden blaue Truppen zusammengezogen.
Rot wird durch das 6. Armeekorps unter General der Infanterie v. Woyrfch dargestellt, Blau von dem 3. Korps (General der Infanterie von Bülow) und dem 5. Korps (General der Infanterie von Stülpnagel) unter dem Oberkommando des Generals der Infanterie und Generaladjutanten von Lindeyuift. Wenn auch die Zahl der Bataillone, Schwadronen u. Batterien bei beiden Parteien verschieden sein wird, so dürfte doch die Kopfstärke auf beiden Seiten fast gleich sein. Denn das 6. Korps rückt mit 800 Mann bei dem Bataillon aus und wird so nur weniger schwächer sein als der Gegner; es ist das erstemal, daß man diesen Versuch mit kriegsstarken Bataillonen bei einem ganzen Armeekorps macht.
Bielwiese, 10. Sept Wie vorhsrzusehen war, ist es heute nicht zu einem Gefecht der Hauptkörper gekommen. Vom Läuseberg bei Gugelwitz konnte man die Fühlungnahme der Parteien sehen, die wahrscheinlich morgen zum Kampfe führen wird. Auf dem kleinen Berge hielten auch der Kaiser, der Leibkürassieruniform und den Marschallstab trug, sowie der König von Sachsen, die Erüprinzessin von Meiningen, die Manöverleitung und die fremdländischen Offiziere. General von Woyrfch hatte die Vorposten seiner Partei dort bereit gestellt. General von Moltke leitet mit großer Ruhe; er hat schon jetzt viel Sympathie. Sein Prinzip, nach Möglichkeit die Manöver kriegsgewäß anzulegen, sie dann aber möglichst unbeeinflußt laufen zu lassen, wurde schon im vorigen Jahre erwähnt. Die Begrüßung des Kaisers durch die hiesige Bevölkerung ist allerorts sehr herzlich.
Der Kaiser wird am Abend des 14. d. M. in Klitschdorf zum Besuch des Fürsten zu Solms- Baruth eintreffen. Der Monarch wird drei Tage in Klitschdorf weilen und in den ausgedehnten wildreichen Forsten des Fürsten Solms jagen. Die Rückreise des Kaisers aus Klitschdorf nach Berlin erfolgt am 18. d. M. mittels Sonderzuges über Sagan.
Ihre Maj. die Kaiserin trat, wie aus Breslau gemeldet wird, Montag Vormittag nach 9 Uhr eine Rundfahrt durch die Stadt zu einer Reihe von Wohltätigkeitsveranstaltungen an, wobei Oberpräsident Graf v. Zedlitz mit der Kaiserin im Wagen Platz genommen hatte. Dis Fahrt ging zunächst nach dem evangelischen Vereinshause in der Holteistraße zur Arbeitsstätte des evangelischen Armenvereins. Hierauf wurde
Erst als Elisabeth abends vor dem Schlafengehen noch ein Weilchen bei der Lampe im Zimmer sitzt, erwacht sie aus dem Traum, und die Wirklichkeit tritt an seine Stelle.
Run ist es geschehen, unwiderruflich.
Sie ist Graf Landeggs Braut. Mit eigener Hand hat sie ihr Schicksal erwählt und den ersten Schritt in die Zukunft getan.
Sie zagt und bangt nicht mehr, wie gestern, wie heute morgen noch. Eine schwere Last ist von ihrer Seele genommen, seit sie ihm gestanden hat, daß sie ihn nicht liebe. Er ist zufrieden und verlangt nicht mehr, und das gibt ihr ein Gefühl von Ruhe und Sicherheit. Die Größe ihres Opfers wird darum zwar nicht geringer, aber es scheint ihr doch jetzt leichter, als sie anfangs gedacht hat. Auch der Gedanke, daß er ein geschiedener Mann ist, beunruhigt sie nicht. Was kümmert es sie, was vor zehn Jahren, als sie selbst noch ein Kind war, geschehen ist? — Sie ist nicht einmal neugierig, zu wissen, wer ihre Vorgängerin war, wie sie hieß und ob sie noch lebt. Sie vertraut ihm und seinem Charakter.
Auch in anderer Beziehung kann sie stolz auf ihn sein. Wie imponierend sah er heute aus in der strahlenden Uniform, wie fein und vornehm!
So sucht sich Elisebeth in Gedanken mit ihrem Los auszuföhnen und malt sich die Zukunft in lichten Farben. Schon ist Mitternacht vorüber und sie sinnt noch immer. Endlich steht sie auf und holt ihr Tagebuch. Sie kann nicht schlafen gehen, ehe sie sich die Seele nicht frei geschrieben hat.
Die Feder fliegt über das Papier; sie vermag die Gedanken kaum festzuhalten. Alle ihre ersten Zweifel, ihre spätere Zuversicht stehen bald in diesem Buch verzeichnet und zuletzt folgt das offene Bekenntnis: „Ich liebe den Grafen Landegg nicht, aber ich will ihm ein treues Weib werden, ich will es ihn nie fühlen lassen, daß ich
der Kinderhort „Daheim" in der Zietenstraße besucht. Es folgte der Besuch des evangelischen Diakonissenhauses Bethesda. Hiernach begab sich die Kaiserin zum katholischen Kinderhospital St. Anna. Den Schluß machte die Besichtigung der St. Heinrichkirche.
Der Dank des Großherzogs
von Baden
wird in der „Karlsruher Zeitung" veröffentlicht und besagt: Zur Zeit, da es meinem verehrten Großvater Karl Friedrich gelungen war, das Großherzogtum Baden zu der Bedeutung zu erheben, welche es berechtigte, einen entsprechenden Anteil an dem Wiedererstehen des Deutschen Reiches zu nehmen, da sprach er die unvergeßlichen Worte: „Es muß ein unumstößlicher Grundsatz bei unseren späteren Nachkommen bleiben, daß das Glück des Regenten von der Wohlfahrt feines Landes unzertrennlich sei." Dieser vor hundert Jahren ausgesprochenen Mahnung gewissenhaft nachzustreben, ist die denkbar schönste Aufgabe für die Nachfolger des großen Fürsten, und es gebärt die ganze geistige Kraft des Könnens und Wollens dazu, hiernach gesegnete Erfolge zu erreichen. In meiner langjährigen Wirksamkeit fand ich immer wieder von neuem, daß die richtige Beurteilung der Gegenwart von der genauen Kenntnis der Vergangenheit aühängt und es daher erforderlich ist, die Regierungstätigkeit der fürstlichen Vorgänger sehr genau ins Auge zu fassen, um die wahren Bedürfnisse, deren Pflege uns anvertraut ist, richtig zu erkennen. Da es mir schon frühzeitig vergönnt war, die Pflichten des fürstlichen Berufes kennen zu lernen und mich der geschichtlichen Entwicklung des politischen Lebens zu widmen, mußte ich erkennen, daß die Erfahrung das entscheidende Wort ist. Von dem Bewußtsein getragen, daß die Interessen eines Landes nur durch ein Zusammenwirken aller berechtigten und verpflichteten Kräfte zum rechten Ziele geführt werden können, hoffe ich auf die Fortdauer des mir bisher erwiesenen Vertrauens und will, so Gott mir die Gnade fernerer Wirksamkeit schenken sollte, meine von ihm auferlegten Pflichten treu und in aller Hingebung auch in Zukunft zu erfüllen bestrebt sein. In solchen Gefühlen danke ich allen denen, die in so liebreicher Weise meiner gedacht haben.
Schloß Badenweiler, den 9. September 1906.
, gez. Friedrich.
Mamau, 10. Sept. Der Eroßherzog und die Großherzogin sind von Badenweiler hier eingetroffen. — Am nächsten Samstag erfolgt die Abreise nach Karlsruhe.
Zur Lage in Rußland.
Warschau, 9. Sept. In Jaktoroto bei Warschau suchten Kosaken bei der Beerdigung eines beim Plündern eines Monopolladens erschossenen Mannes das Vorantragen einer roten Fahne zu
meiner Familie ein Opfer brachte, als ich ihn zum Gatten nahm."
Nun erst ist sie beruhigt, verschließt das Heft und sucht ihr Lager auf.
6. K a p i t e l.
Elisabeths Verlobung mit dem Grafen Landegg hatte in den weitesten Kreisen Aufsehen erregt. Niemand war darauf vorbereitet, und niemand konnte sagen, er habe es kommen sehen. Eraf Landegg war im ganzen ein zurückhaltender, ernster Mann, der seine Gefühle zu verbergen wußte, und wenn er auch Elisabeth in seiner Art ausgezeichnet hatte, so war das für andere nicht bemerkbar gewesen. Und was Elisabeth betraf, so konnte man unmöglich ein besonderes Empfinden für den Grafen an ihr bemerkt haben, da sie es nie besessen hatte.
Um so überraschender kam nun die Verlobungsanzeige. Manche Hoffnung wurde durch sie vereitelt, mancher Traum zerstört.
Man beeilte sich, der jungen, glücklichen Braut warme Glückwünsche darzubringen, aber diese und jene der Gratulantinnen empfand bitteren Neid und nannte Elisabeth im Geheimen eine Kokette, die sich mit ihrer Zurückhaltung nur verstellt habe, um desto sicherer den reichen Grafen einzufangen. Besonders die Mütter heiratsfähiger Töchter, die schon auf den vornehmen Schwiegersohn spekuliert hatten, hegten nicht gerade freundliche Gesinnungen für Elisabeth. Aber so viel sich auch hinter ihren lächelnden Mienen und überschwänglichen Glückwünschen verbergen mochte, es wurde auch ebenso viel aufrichtige Teilnahme entgegengebracht.
Die Gratulationsbesuche und die Erwiderung derselben nahmen Elisabeth im Anfänge ihres Brautstandes vollständig in Anspruch. Sie kam kaum zur Besinnung und zum Nachdenken über sich selbst, auch war sie nie mit ihrem Verlobte» allein; er hatte viel im Dienste jtt taa, und
verhindern. Aus der Menge fiel hierauf eia Schuß gegen das Militär, worauf dieses mit etwa 200 Schüssen antwortete. Sechs Personen wurden getötet und achtzehn schwer verwundet.
Warschau, 8. Sept. Der militärische Eeneral- gouverneur von Warschau v. Becker tritt von seinem Amte zurück; an seine Stelle kommt General Olchowsky.
Sebastopol, 8. Sept. In der vorletzten Nacht wurde ein Eendarmerieofsizier in einem Wagen der Straßenbahn ermordet. Zwei wie Arbeiter gekleidete Männer, die der Tat verdächtig sind, gelang es, zu entfliehen.
Lemberg, 8. Sept. Nach Meldungen aus Warschau sind unter den Festungstruppen in den Festungen Modlin, Dumblin und Zegrze Meutereien ausgebrochen. Bereits in den letzten Tagen haben zwischen meuternden Artilleristen und treu gebliebenen Infanteristen blutige Zusammenstöße stattgefunden. Es besteht der Verdacht, daß ein Teil der Offiziere die revolutionäre Bewegung unterstützt.
Petersburg, 9. Sept. Die Wachsamkeit der Behörden richtet sich neuerdings darauf, einen Plan der Revolutionäre zu vereiteln, der aus die Ermordung der fremden Konsuln in Rußland ausgehen soll. Bisher ist noch kein solcher Anschlag gelungen, aber verschiedene tätliche Angriffe auf konsularische Personen mahnen zur Vorsicht. Eigentümlich ist es, daß die Angreifer in diesen Fällen eine Verkleidung als russische Offiziere gewählt haben.
Warschau, 10. Sept. Aus Siebter wird gemeldet, daß dort die Ruhestörungen den ganzen Sonntag über angehalten haben. Das Militär habe bis Mitternacht die Häuser beschossen. An 40 Personen wurden getötet und verwundet. Einige Häuser seien in Brand geraten. Von auswärts sei Militär nach der Stadt, deren Zugänge abgesperrt sind, gesandt worden. Unbestätigte Nachrichten sprechen von einem Pro- grom und von Plünderungen.
Petersburgs 9. Sept. Dieser Tage wird ein neuer Ukas des Zaren erscheinen, durch den verfügt wird, daß auch Staatsländereien durch die Bauernagrarbank zum Verkauf an die Bauern gelangen. Der Staat besitzt in 46 iFouvernements des europäischen Rußlands 41/2 Millionen Deß- jätinen Ackerland. Durch den unlängst bekannt gegebenen Ukas des Zaren gelangten bekanntlich zwei Millionen Deßjätinen Apanagengüter durch die obige Bank zum Verkauf, die ihrerseits außerdem seit November vorigen Jahres zwei Millionen Deßjätinen Land von den Gutsbesitzern für die Bauern aufkaufte, während die Bauern selbst eine halbe Million Deßjätinen gegen Barzahlung bei den Gutsbesitzern kauften. Im ganzen werden also gegen 10 Millionen Deßjätinen Ackerland in die Hände der S^ern übergehen. Die Negierung wird ihre Maßnahmen so rasch durchführen, daß bis zum Zusarn«
wenn er sich frei machte und kam, so wurden Besuche gemacht und empfangen.
Sonst ging alles wieder im alten Geleise, Der Oberst war gütig und heiter wie früher. Frau von Rittberg schien neu ausgeblüht zu sein, und Karl Günther fand seiner Schwester, gegenüber wieder den alten neckischen Ton.
Der gefürchtete Termin war spurlos vorüber«, gegangen, die Gläubiger waren befriedigt und damit das Unglück abgewendet worden. Nie- mand empfand, das freudiger als Elisabeth, und ein heißes Dankgefühl für Landegg stieg in ihr auf Sie begegnete ihm darum mit herzgewinnender Freundlichkeit, sie war heiter und glück- lich Selbst die Trennung von Karl Günther, der sich nach langer Beratung mit seinem zukünftigen Schwager in ein Linienregiment hatte versetzen lassen, vermochte nicht lange ihre froh« Stimmung zu trüben.
So waren die ersten Wochen vergangen. -DK Besuche waren erledigt und somit auch die Unruhe im Hause gewichen. Es fand sich ab und zv ein Stündchen, wo das Brautpaar zusammen plaudern konnte. Elisabeth wußte es jedoch stets so einzurichten, daß Vater und Mutter zugegen waren, denn sie hatte eine Scheu vor einem Alleinsein mit dem Bräutigam und bebte auch vor der geringsten Zärtlichkeit zurück. Dar Dabeisein anderer legte dem stolzen, verschlossenen Mann aber einen Zwang auf und dar empfand Elisabeth als eine Wohltat. Sie gl» sich dann im Verkehr mit ihm freier und «bet« sich ein, mit ihrem Los zufrieden zu sein. Wenns sie auch kein tief beseligendes ElÜcksgefühl emp< fand, so war sie doch stolz auf ihren Bräutigam und stolz darauf, daß er, dem hundett anbet< freudig als Gattin gefolgt wären, gerade sie fli wählt hatte. ।
'(Fortsetzung folgt.)?. ■