Einzelbild herunterladen
 

mit dem Kreisblatt für Vie Kreise Marburg und Kirchhain.

SoantagSbeUaaer AUaftrtttes ÄmrutaaEatt.

Vierteljährlicher Bezugspreis bet oet ExpLitioa 2 $£, bet allen Postämtern 2,25 W. <txtL Bestellgeld).

Infertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Reklamen: die Zeile 2-5 Pfg.

Marburg

Dienstag, 11. September 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Ang. Koch, UniverfttätS-Duchdruckerei 41.

Marburg, Markt 2L Telephon 55. W

Reursir T^egr^mme.

Berlin, 9. Sept. Der neue Leiter der Ko­lonialabteilung des Auswärtigen Amts, Wirk!. Eeh.-Rat Dernburg hat die Amtsgeschäfte über­nommen. Die Finanzwirtschaft der Stadt Berlin hat für das Etatsjahr 1905/06 einen Ueberschuß von 11% Millionen Mark ergeben.

Haag, 9. Sept. Der Internationale Tuber­kulose-Kongretz wurde geschloffen.

Wien, 9. Sept. Kaiser Franz Josef hat sich infolge einer leichten Erkältung, die noch aus den letzten Tagen des Jschler Aufenthalts her­rührte, veranlaßt gesehen, von der Teilnahme an den dalmatinischen See- und Landungsmanövern abzusehen. In Vertretung des Kaisers wird Erzherzog Franz Ferdinand an den Manövern teilnehmen.

Kufstein, 9. Sept. Gestern ist das Denkmal für den Nationalökonomen Friedrich List in Kuf­stein feierlichst der Oeftentlichkeit übergeben worden.

Madrid, 9. Sept. DerJmparcial" bestätigt, datz die Regierung keinen Beschluß bezüglich der Frage des Konkordates faffen und den status quo betbehalten wird.

Belgrad, 9. Sept. Der König empfing gestern in Kujazevac die bulgarische Sondergesandt­schaft. Nach der Audienz fand ein Frühstück statt, wobei der König aus das Wohl des bulgarischen Fürsten, deffen Familie und das Gedeihen des bulgarischen Brudervolkes trank. Der Führer der bulgarischen Mission, General Botow, trank aus die Gesundheit de? Königs und des könig­lichen Hauses, sowie auf das Gedeihen Serbiens und deffen Armee.

Petersburg, 9. Sept. Durch einen bevor­stehenden Ukas des Zaren sollen 4% Millionen Staatsländereien der Agrarbank zum Verkauf an die Bauern überwiesen werden.

Petersburg, 8. Sept. Heute nacht wurde in der Peter-Pauls-Festung das vom Kriegsgericht gegen die Mörderin des Generals Min, Sinaida Konopliannikova, gefällte Urteil vollzogen.

Petersburg, 9. Sept. Ende Oktober findet In Petersburg der Kongreß des Verbandes zur Erreichung der Gleichberechtigung der Hebräer statt. Der Kongreß wird die Frage der Betei­ligung der Hebräer an der bevorstehenden Wahl­kampagne beraten. Der Finanzminister legte dem Ministerrat die allgemeinen Bedingungen vor, unter denen den Bauern von der bäuerlichen Agrarbank Darlehen gewährt werden sollen, um ihnen den Erwerb von Grundstücken zu er­leichtern.

Kertsch, 9. Sept. Auf dem Boden der Haupt­synagoge explodierte eine Bombe. Eine Person wurde getötet, eine andere verwundet. Die Synagoge wird von einer Militärpatrouille be­wacht.

14 (Nachdruck verboten.)

Zwei Freue«.

Roman von C. Borchart.

(Fortlehung.)

Elisabeth!" ruft Gras Landegg jetzt mit schmerzerfüllter Stimme, als er ihr verändertes Wesen bemerkt,so habe ich mich doch getäuscht? Du liebst mich nicht?"

Es klingt eine so verzehrende Qual, eine so grenzenlose Enttäuschung durch seine Worte, daß Elisabeth vor Schreck und Mitleid ergriffen wird. So darf sie es ihm nicht sagen; schonend will sie es ihm beibringen. Sie fühlt ja, datz er sie heiß und innig liebt; und es ist so schwer, einem Men­schen, von dem man sich geliebt weiß, wehe zu tun

Herbert," sie nennt ihn unwillkürlich, so wie et es von ihr erbeten hat, bei seinem Namen, und weih nicht einmal, datz sie schon dadurch seine Hoffnung neu belebt,sieh, Herbert, ich weiß nicht, ob ich eine Liebe, wie du sie meinst, für dich fühlen kann, ja nicht einmal, ob ich über­haupt solcher Liebe fähig sein werde darum zögerte ich. Ich will dich nicht belügen, und was ich für dich empfinde, ist unbegrenzte Hochachtung Und Verehrung. Ich biete dir mein ganzes Sein Und Leben. Bist du nicht zufrieden damit so

so ist es noch Zeit

Elisabeth," unterbricht er sie jubelnd und zieht sie stürmisch in seine Arme und merkt nicht, wie sie bei dieser Berührung zusammenzuckt. Mein reines, ehrliches Lieb und du tzlaubst, ich würde drch deines freimütigen Ee- ftändniffes wegen aufgeben? Nein, nur noch werter, teurer bist du mir dadurch geworden. Kann ich denn verlangen, datz eine so heitze Leidenschaft, wie ich sie für dich fühle, dein junges, reines Herz ergriffen haben soll?--

ßdj wünschte es nicht einmal, Elisabeth. So »ein und unberührt, wie du bist, gerade so will ich dich!"

Die Kaisertage in Schlesien.

In Gegenwart des Kaisers ist Samstag vor­mittag auf dem Pfaffenberge bei Bunzelwitz ein Denfftein zur Erinnerung an das Bunzelwitzer Lager Friedrichs des Trotzen enthüllt worden. Der Kaiser, der Kronprinz und die Pttnzen Eitel-Friedrich, August Wilhelm und Oskar hat­ten sich gegen 9 Uhr von Breslau im Sonderzug nach Königszelt zur Tellnahme an der Ent­hüllungsfeier begeben.

Der Kaiser hielt hierbei folgende Rede:

Als Nachfolger meines soeben gefeierten großen Ahnen liegt es mir als Herzog von Schlesien am Herzen, meinen Schlesiern meinen Dank auszusprechen für die herrliche Ehrung des großen Königs, für das Gelübde der Treue, wel­ches nun schon 150 Jahre lang durch gute und böse Tage von den Schlesiern unentwegt meinem Hause entgegengebracht worden ist. Mögen von diesem Steine, und vom heutigen Tage wiederum frische und tiefe lebendige Quellen der Treue fließen, von den Alten genährt, von den Jungen gepflegt, und mögen zwei Aussprüche dazu die Unterlage bilden, der eine auf einer kurbranden­burgischen Standarte:Auf Gott vertrau, dich tapfer wehr, darin besteht dein Ruhm und Ehr; denn wer'? aus Gott herzbaftig wagt, wird nim­mer aus dem Feld gejagt." Der zweite ist ein Ausspruch des großen Königs:Es kommt nie­mals so gut, wie man es hofft, aber auch niemals so schlimm, rote man es befürchtet". Und so hoffe ich, daß im festen Vertrauen auf die göttliche Fürsorge und Führung nicht nur meine Schle­sier, sondern mein ganzes Volk sich den Aufgaben widmen wird, die es dem Himmel gefällt, ihm zu stellen, und datz von dem hiesigen Stein und dem Lager von Bunzelwitz die Ueberzeugung auf das preußische Volk übergehen möge, datz, wenn auch wir einmal in ähnlicher Lage sein sollten, so Gott es will, wir auch in derselben Weift uns aus dieser Lage herausfinden werden, indem wtt nicht nur auf ihn vertrauen, sondern auch fest zusammenstehen und die Gaben, die uns verliehen sind, aufs äußerste ausnutzen, und vor allem in der Liebe und Hingabe an unser Vater­land gemeinsam wirken! Dann wird auch die Zukunft für unser Volk und Land gut bestellt fein, das sei mein Wunsch und mein Gebot an meine Schlesier, und nun dem Andenken des großen Königs, das wir hier gefeiert haben, ein dreifaches Hurra!"

Der Kaiser begab sich von Bunzelwitz über Schweidnitz nach Rogau, wo auch die Kaiserin von Breslau her eintraf. Das Kaiserpaar nahm bei dem Grafen und der Gräfin Pückler-Rogau das Frühstück. Von hier kehrte die Kaiserin nach Breslau zurück. Der Kaiser begab sich nach Schlanz, wo et bei dem Grafen von Tschirschky- Renatd den Tee einnahm. Nachdem der Kaiser

Ihm kommt kein Argwohn, datz sie sich für ihre Familie opfern könnte, denn des Obersten Ehrenwort bürgt ihm für Elisabeths Unkennt­nis deffen, was er mit ihrem Vater verhandelt hat. Aber ein anderer Zweifel wird plötzlich in ihm wach und erfüllt ihn mit Schrecken.

Kind, nur eins sage mir noch, so offen und ehrlich, wie das erste," fragte er mit bebender Stimme.Liebst du einen anderen?"

Elisabeth schlägt ihre schönen Augen voll zu ihm auf:

Nein, ich liebe keinen anderen," sagte sie einfach und schlicht.

»Ich glaube dir diese Augen können nicht lügen. Dann ist alles gut. Meine heiße Liebe wird, so wills Gott, die deine erwecken, und bis dahin--laß mich dich nur lieben, Elisabeth,

meine süße Braut."

Er zieht sie an seine Brust und küßt sie. Elisa­beth läßt es geschehen, er hat jetzt ein Recht dazu. Möchte ihre Duldsamkeit immerhin ein Tribut ihrer Dankbarkeit sein.

Sie atmet erleichtert auf, weil sie meint, daß das Schwerste nun überstanden ist. Mit ihrem Bekenntnis glaubt sie alle Skrupel beseitigt zu haben, und das Bewußtsein, wieder frei und offen zu ihm aufsehen zu können, ihm keine wär­meren Gefühle heucheln zu müffen, macht sie zu­frieden, fast glücklich. Dazu kommt noch der er­hebende Gedanke, daß sie mit ihrem Schritt die Eltern und den Bruder gerettet hat, und ihr Herz quillt über vor Freude.

Graf Landegg steht vor ihr, in seiner statt­lichen Größe und imponierenden Vornehmheit. In seinen Augen liegt ein Strahl sonnigen Glücks, der sein Gesicht nicht allein bedeutend jünger, sondern auch schön erscheinen läßt.

Und Elisabeth fühlt, wie fein Aeußeres, fein ganzes Wesen auf sie wirken, sie fühlt, daß sie auf einen solchen Mann stolz sein kann, und eine wonnige Ruhe und Sicherheit kommt über sie.

Plötzlich werden Gras Landeggs bis dahin leuchtende Blicke wieder ernster. Er nimmt Eli-

nach Breslau ins Schloß zurückgekehrt war, hörte er den Vortrag des Chefs des Eeneralstabs, Gra­fen Moltte. Samstag abend um 7 Uhr fand bei den Majestäten im Zwinger eine Tafel für die Provinz statt. Erzherzog Friedrich führte die Kaiserin, der Kaiser die Prinzessin Eitel Fried­rich, der Herzog von Connaught die Erbprinzes- fin von Sachsen Meiningen. Mit den Honora­tioren der Provinz nahmen auch die versammel­ten fremdländischen Offiziere an der Tafel teil. Der Kaiser brachte einen Trinkspruch auf die Provinz aus, den der Oberpräsident erwiderte.

Der Kaiser verlieh aus Anlaß seiner An­wesenheit in Schlesien zahlreiche Auszeichnungen.

Breslau, 9. Sept. Heute vormittag 11 Uhr wohnten der Kaiser und die Kaiserin, sowie sämtliche Fürstlichkeiten und fremden Offiziere dem feierlichen Gottesdienst auf dem Palais­platz bei. Unter stürmischen Zurufen des Spa­liers von vielen Tausenden fuhr der Kaiser im Automobil nach dem ehemaligen Earnisonklrch- hof, auf deffen Grund und Boden das von der Armee gewidmete Denkmal für General von Clausewitz enthüllt wurde. Der kommandierende General des 6. Armeekorps, General der In­fanterie von Woyrfch hielt die Gedenkrede. Der Kaiser begrüßte zahlreiche Anwesende und nahm sodann den Parademarsch der Ehrenkompagnie ab. Von dem Herzog von Connaught, sowie von feiten des preußischen und sächsischen General« stabs, des bayerischen und württembergischen Offizierkorps, des dritten Armeekorps und bet Stadt Breslau wurden Kränze an dem Denkmal niedergelegt. Die Kaiserin und die Prinzessin EitelFriedrich fuhren heute Mittag vor der Uni­versität vor, wo sie von dem Kurator der Univer­sität, Oberpräsidenten Grafen von Zedlitz und von dem Rektor Profeffor Kaufmann empfangen wurden. Der Kaiser, welcher ebenfalls erwartet war, ist nach Sibyllenort zum Frühstück beim König von Sachsen gefahren. Er hat seinen Be­such in der Universität auf 3% Uhr nachmittags angesagt. Die Kaiserin und die Prinzessin Eitel-Friedrich verließen nach etwa dreiviertel­stündigem Besuche die Universität. Auf der Hln- und Rückfahrt brachte ihnen die die Straßen ein» säumende Menge begeisterte Huldigungen dar.

Die Festesfeier in Baden.

DerReichsanzeiger" schreibt: Schöne und seltene Gedenktage sind es, die in diesem Monat unter Anteilnahme ganz Deutschlands die Bevöl­kerung des badischen Landes mit ihrem gelieb­ten Fürstenpaar festlich begehen kann: am 9. den achtzigsten Geburtstag Seiner Königlichen Hoheit des Grotzherzogs, am 20. September die Feier der goldenen Hochzeit des Eroßherzoglichen Paares, die mit dem Fest der Silberhochzeit Ihrer Königlichen Hoheiten des Erbgrotzherzogs

fabeth bei der Hand und führt sie zum Sofa, auf dem er sich an ihrer Seite niederläßt.

Elisabeth, auch ich bin dir ein Bekenntnis schuldig."

Welches?" fragt sie lächelnd, fast ttäumend.

Ich war schon einmal verheiratet."

Du warst verheiratet?" fragt sie wohl er­staunt, aber ohne jegliche Erregung.Niemand wußte es, daß du Witwer bist. Du hast nie da­von gesprochen."

Das bin ich auch nicht, mein Kind."

Das bist du nicht? Wie soll Ich das ver­stehen?" fragte sie befremdet.

Graf Landegg seufzt schwer.

Elisabeth--meine Ehe wurde

--geschieden."

»Ah!'-

Sie ist plötzlich leichenblaß geworden und ein Beben geht durch ihren Körper. Ein geschie­dener Mann! O Gott! Sie preßt die Hand auf ihr Herz und in ihren Augen spiegelt sich ein lebhafter Schrecken. Er errät wohl ihre Gedan­ken und seine Züge verdunkeln sich.

Ich wußte wohl, daß es dich überraschen würde, mein Kind, aber ich habe nicht erwartet, daß dich diese Mitteilung so niederdrücken würde, wie es der Fall scheint.--Elisabeth, Du bist

noch zu jung und unerfahren, um es zu ver­stehen, aber ich, der gereifte Mann, sage dir, daß Verhältniffe in unser Leben treten können, die einen solchen Schritt rechtfertigen, und über­dies sind seitdem zehn Jahre vergangen. Zeit S, um einen Charakter, die Anschauungen zu n. Wenn ich zu keinem Menschen von meiner Vergangenheit sprach, so lag es daran, daß ich jene ttüben Bilder nicht heraufbeschwö­ren wollte, die ohnehin mein Gemüt verdüster­ten, mich bitter und weltscheu machten. In meinem Beruf suchte ich Ablenkung und Trost, a verschloß ich mich ängstlich vor der Außen-

, so weit meine Stellung das zuließ. Da wurde ich nach Berlin kommandiert, und lernte hier deinen Vater kennen. Ich fühlte mich zu

und der Erbgrotzherzogin zusammenfällt. A> diesen Tagen der Freude und des frohbewegteu Erinnerns vereinigen wir uns mit allen Patri­oten in herzlichen Segenswünschen für das Ba­dische Fürstenhaus und sein treues Volk. Was Seine Königliche Hoheit der Grotzherzog Fried­rich uns bedeutet, weiß jeder Vaterlandsfreund. In dem ritterlichen Eidam des großen Kaisers Wilhelm verehren wir den auf dem Schlachtfelde wie beim Friedensschluffe erprobten Mitarbeiter an der Begründung unserer nationalen Einheit, den beredten Verkünder des Reichsgedankens, den treuen Mahner der deutschen Volksseele, den weisen Landesfürsten, der in langer Regierung für das Wohl seiner Badener segensreich waltet. Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin Louise besitzt unsere ehrerbietige Zuneigung als die ein­zige Tochter des ruhmreichen ersten Kaisers, die Schwester des unvergeßlichen Kaisers Friedrich, als Badens gütige, in allen Werken der Men­schenliebe unermüdliche Landesmutter. Das deutsche Volk empfindet es als eine glücklich« Schicksalsfügung, daß aus der großen Werdezeit des Reichs diese beiden ehrwürdigen Gestalten noch lebensvoll in die Gegenwart hereinwirken, daß es ihnen vergönnt ist, das neue Deutschland mehr und mehr innerlich erstarken und das Fort­leben des alten edlen Stammes der Zähringer gesichert zu sehen. Mögen Friedrich und Louise von Baden, als vorbildliche Vertreter deutschen Fürstentums, noch lange Jahre der Liebe ihrer Landeskinder und der freudigen Verehrung der Nation erhalten bleiben!

Prinz-Regent Luitpold von Bayern richtete, wie aus München telegraphiert wird, an den Grotzherzog von Baden nachfolgendes Glück­wunschtelegramm:

Es drängt mich, Dir zum 80. Wiegenfest meine herzlichsten und wärmsten Glückwünsche auszusprechen. Möge die Gnade des Allmächtigen Dich auch int neuen Lebensjahre begleiten! Mit dem morgigen Tage, Deinem hohen Eeburtsfeste, find zehn Jahre vergangen, daß das 8. Infan­terie-Regiment die so ehrenvolle Auszeichnung genießt. Dich seinen Inhaber zu nennen. Ich kann mir nicht versagen, bei diesem Anlaß auch meinem innigsten Wunsche Ausdruck zu geben, daß dem Regiment, dem Du Dich stets als be­sonderer Gönner erwiesen hast, noch recht viel«, Jahre das Glück beschieden bleibe, Dich als sei­nen hohen Chef verehren zu dürfen."

Das Eroßherzogspaar ist in Badenweiler ein­getroffen.

Karlsruhe, 8. Sept. Das Festbankett der Stadt zu Ehren des Geburtstages des Großher­zogs hatte die Festhalle dicht gefüllt. Die Mini­ster Schenkel, v. Marschall und Reinhardt sowie die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden wohnten dem Feste an, bei dem Prof. T Gold­schnitt in gedankenreicher Rede den Juo^ar als Landesfürsten feierte und mit einem Hoch auf das Eroßherzogspaar schloß. Sämtliche Glocken läuteten das Fest ein.

Karlsruhe, 8. Sept. Der,, Staatsanzeiger" bringt heute am Vorabend des 80. Geburtstages

ihm hingezogen und nahm zum erstenmale seit langer Zeit wieder an einem Familienleben teil. Ich kam in euer Haus ich lernte dich kennen, Elisabeth. Da ging etwas in mir auf, eine neue Sonne, ein neues Leben. Und dieses Le­ben wurde mir wert und teuer, das verloren« Glück nahte sich mir wieder in deiner Gestalt, und es wurde mein höchstes Ziel, dich zu er ringen. Nun, heute glaubte ich, es erfaß* z, haben, ich glaubte an dein Vertrauen zu mix, mehr als an deine Liebe. Aber die Tatsache daß ich ein geschiedener Mann bin, drückt dich nieder, du hast kein Vertrauen zu mir, du zweifelst an mir.

Graf Landegg betrachtete sie sekundenlang, bange forschend, als erwarte er, datz sie feine Worte widerlegen würde. Als sie aber schweigt, zuckt es schmerzlich in feinem Gesicht.Elisa­beth, du schweigst... so habe ich richttg geraten..« Dann... wäre es allerdingst bester... wir.. Er stockt und vollendet nicht. Elisabeth hat ih» plötzlich groh und erschreckt angesehen:

Herbert, nein, ich zweifle nicht an dir! Du bist so gut und edel und o o--

Sie bricht plötzlich in heißes Schluchzen aus Da wird er welch, und seine düsteren Züge Helle» sich auf:

Nicht meinen, mein Lieb! Nie werde Ich bei» Vertrauen täuschen." Er legt seinen Arm UM sie und streicht besänftigend über ihr Haar.

Elisabeth richtet sich auf und trocknet ihr» Tränen. .

Elb mir deine Hand, mein Lieb, und sieh mich an," bittet et. ,

Gehorsam hebt sie den noch tranenumflorte» Blick, und sekundenlang tauchen ihre Blicke in- einander. Graf Landeggs Hand, mit roefmer et Elisabeths Rechte noch immer umfaßt halt, zit­tert vor unterdrückter Leidenschaft in dieses Augenblick aber tut sich die Tür auf, und Elisa-! beths Ellern treten über die Schwelle.

(Fortsetzung folgt.)