Der kommende Herbstverkehr und r die preußischen Staatsbahnen.
I Die Nordd. Allg. Ztg. schreibt: Wenn nicht pHe Anzeichen trügen, wird mit einer außer- prdentlichen Zunahme des Eisenbahnverkehrs im Kerbst zu rechnen sein. In den verfloffenen Mo« siiaten betrug die Mehreinnahme der preußischen Vtaatsbahnen aus dem Güterverkehr bereits über 10 Prozent. Um denselben Prozentsatz ist lauch die Zahl der beladenen offenen Wagen gestiegen. Bei der günstigen Lage der Industrie ;ünd den günstigen Ernteausstchten ist eine Ver- -kehrssteigerung mindestens in dem gleichen "Tempo zu erwarten. Die Bewältigung dieses Außergewöhnlichen Verkehrs wird die höchste Anspannung aller Kräfte erfordern. Wie wir chören, hat die preußische Staatseisenbahnverwaltung die Zurüstungen hierauf schon mit langer Hand betrieben. Bereits zu Beginn des Dommers hat die Zentralstelle die Parole aus» gegeben, ohne Rücksicht auf die Kosten alle Maßnahmen, die eine vollzählige Wagengestellung sicherstellen, zu treffen, wie Einlegung von Bedarfzügen, Vorhalten von Reservemaschinen und Reservepersonalen, vermehrte Bedienung der Gruben- usw. Anschlüffe, Beschleunigung der Wagenreparaturen usw. Es sollte unbedingt ver« Mieden werden, daß schon im Sommer Rückstände für den Herbstverkehr übrig bleiben. Außerdem hat die Eisenbahnverwaltung während des ganzen Sommers ihre eigenen Kohlenvorräte um ein Erkleckliches verstärkt, und zwar hat sie in erster Linie die von der Produktionsstelle am weitesten entfernt liegenden Bezirke versorgt, bannt während der stärksten Verkehrszeit der "eigene Kohlenbedarf möglichst wenig Ansprüche an den Wagenpark stellt. Eine weitere Vorbereitung für die Milderung der im Herbst zu überwindenden Schwierigkeiten ist in der Beschleunigung der Bauausführungen zu erblicken. Bereits seit längerer Zeit bereisen Ministerialkom- Missare mit strikten Weisungen ihres Chefs den ganzen Staatsbahnbereich, insbesondere die Verkehrszentren, um die Fertigstellung aller Bauobjekte möglichst zu fördern, die für die Bewältigung des Herbstverkehrs von Nutzen sind. Auch hinsichtlich des Personals und der Bildung von Reservepersonal ist alles geschehen, was für die Vorbereitung des großen Verkebrsandrang >s Zweckdienlich erscheinen kann. Jedenfalls zeigt sich hiernach die Eisenbahnverwaltung der bevorstehenden schwierigen Aufgabe bewußt, und diese ^Erkenntnis in Verbindung mit dem ernsten Willen, das Aeußerste zu leisten, möchte eine Ee-
j3 (Nachdruck verboten.)
Zwei Freue».
Roman von E. Borchart.
(Fortsetzung.)
Als Elisabeth endlich wieder allein in ihrem Zimmer saß, da wurde es trübe und dunkel in sthr. Ihr Herz zagte und um ihren Mund lagerte sich ein schmerzlicher Zug.
s« Sie stellte sich das Bild des Grafen Landegg, .feine hohe Gestalt, sein ernstes Antlitz cor; sie dachte an alle die kleinen Aufmerksamkeiten, die or ihr erwiesen und die sie, nichtsahnend, geduldet, ja gern hingenommen hatte.
Run begriff sie auch, weshalb er gestern auf dem Balle so erregt gewesen war, warum er so Heftig ihren Plänen widerstrebt hatte! Ein bitteres Lächeln trat auf ihre Lippen. Also „darum! Er wollte sie für sich, sie sollte der Kunst untreu werden um seinetwillen. Sie hörte wieder seine leidenschaftlichen Worte: „Sie find geschaffen, glücklich zu machen." Bei dieser Erinnerung packte sie eine jähe Angst. Sie empfand plötzlich oie ganze Schwere der Verantwortung, die sie übernommen hatte, und es wurde ihr klar, daß sie sich opfern mußte.
j' „Mein Gott," rief sie in heißem Trotz, „laß es nicht zu, sende eine andere Hilfe für die Mei- 'nen ich habe nicht die Kraft zu diesem Schritt!" V Aber es wurde ihr kein Trost--da er
mannte sie sich endlich und flüsterte:
f „Bin ich denn fo schwach? Habe ich denn nicht die Kraft, mich für meine Liebsten willig hinzugeben?"
fe Welch reicher Lohn sollte ihr werden für ihr Ja! Ein hochgeachteter Name, eine hohe gesellschaftliche Stellung für sich, und für ihre Lieben iin sorgenfreies, friedvolles Leben. War ihr Pesitz das wirklich alles wert? Würden nicht irlle Bekannten fie um die glänzende Zukunft, um diesen edlen Mann beneiden?---Er
! liebt fie. er würde fie hoLLotten. Vielleicht war
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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
SomttagsbeUager ZMstKrteS ÄormMsvrMs
M 211
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ZnferttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg, Neclamen: die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Sonntag, 9. September 1906.
Erscheint wöchentlich siebe« mal.
Druck und Verlag- Joh. «ug. Koch, UniversttätS-Duchdruckerek
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
41. Jahrg.
Erstes Blatt.
währ dafür bieten, daß die Verwaltung ihrerseits auch alles daran setzen wird, die Verkehrshochflut zu bewältigen. Sollen die Zwecke ganz erreicht werden, so wird auf eine verständnisvolle Mitwirkung der Verkehrsinteressenten gerechnet werden müffen. Ein gewalttger Der- kehrsandrang vollzieht sich trotz weitgreifender Vorbereitungen selten ohne Störungen. Ein ruhiges, besonnenes, rechtzeitiges Disponieren der Jntereffenten, sowie die Beachtung aller im allgemeinen Jntereffe und zur Vermeidung von Störungen getroffenen Verwaltungsanordnungen wird sehr wesentlich zur Beseitigung etwa eintretender Schwierigkeiten beitragen.
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Umschau.
Minister Harnack?
Die „Hamb. Nachrichten" berichten, in ein- geweihten Kreisen sehe man vielfach in Pro- feffor Harnack den künfttgen Minister für Kunst und Wiffenschaft, falls im Einvernehmen zwischen Regierung und Landtag früher oder später eine Trennung des Kultusministeriums in ein solches für Kunst und Wiffenschaften und in ein Ministerium für llnterichtsangelegenheiten ein- treten sollte. Die kirchlichen Angelegenheiten würden in diesem Falle dem Ministerium des Innern überwiesen werden. Der Gedanke einer neuen Ordnung dieser Art habe einflußreiche Anhänger. Dem gegenüber schreibt die „Deutschs Tageszeitung":
„In maßgebenden Kreisen befinden sich die „einflußreichen" Anhänger dieses Gedankens wohl nicht. Eine Trennung des Kultus vom Unterrichte ist ganz unmöglich; sie würde einen tatsächlichen und völligen Bruch mit der geschichtlichen Ueberlieferung bedeuten, ganz abgesehen davon, daß das Ministerium des Innern durch Ueberweisung der kirchlichen Angelegenheiten überlastet würde. Das Richtige an der ganzen Kombination dürfte wohl sein, daß eine andere Einteilung und Abgrenzung des Kultusministeriums erwogen und daß vielleicht später einmal Harnack an die Spitze der Abteilung des Kultusministeriums für Kunst und Wiffenschaft berufen werden wird. Aber auch das sind nur vorläufige Erwägungen."
Vom preußischen Staatshaushalt.
Das Ergebnis, das das Finanzjahr 1905 im Reiche gehabt hat, wird eine sehr günstige Wirkung aus den preußischen Staatshaushalt ausüben. Der Reichskanzler hatte auf Grund der ihm erteilten gesetzlichen Ermächtigungen Preußen Teilbeträge der Matrikularumlagen für 1904 und 1905 in Höhe von 10,3 und 32,6 Millionen Mark gestundet. Infolge des finanziellen
die Liebe, wie fie sich dieselbe bisher vorgestellt hatte, nur ein Phantasiegebilde; was für eine Gefahr lag aber für sie darin, wenn sie ihn heiratete? Sie wollte ihm niemals mehr Liebe heucheln, als sie wirklich für ihn empfände. Außerdem bliebe Landegg, wie er neulich sagte, voraussichtlich noch einige Jahre bei der bayrischen Gesandtschaft attachiert; sie würde also in der Eltern Nähe sein und sich von ihnen zu jeder Zeit Rat holen können. Was konnte fie sich besseres wünschen? —
Nur eins mußte sie um seinetwillen opfern, ihren Künstlettraum! Was würde Nora Stein dazu sagen?--
Ach, daß sie zu ihr gehen uyd dott ihr Herz ausschütten könnte! Aber fie hat Berlin verlaffen, und es vergeht eine lange Zeit, bis sie wiederkehrt. Doch gleichviel, fie wollte nichts Halbes tun und nie wieder sollten Tränen um diesen Traum fließen!
Noch einige Male schluchzte Elisabeth auf, dann trocknete sie ihre Tränen und dachte an die Zukunft, an die Aufgabe, die sie sich gestellt hatte. Sie durfte jetzt nicht rückwärts sehen, nur vor- wätts!
„O Gott, gib mir Kraft, meinen Gatten zu lieben, ihm ein treues Wxib zu fein!" war der Schluß all ihres Denkens.
5. K a p i t e l.
Am nächsten Vormittag ermattet Elisabeth Graf Landegg. Sie hat nachts kaum geschlafen, noch immer wieder unaufhörlich gegrübelt. Die Ihren bemerken wohl ihre Bläffe, ihre Unruhe, aber sie schreiben beides einer sehr begreiflichen Aufregung zu. Das junge Mädchen zwingt sich, harmlos beim Frühstück mit den Eltern zu plaudern. Endlich ertönt draußen die Klingel. Elisabeth spttngt erregt auf und ihr Herzschlag setzt sekundenlang aus. Das wird et fein, und jetzt wird man sie gleich rufen — jetzt naht die schwere Entscheidung.
Es dauerte nicht lange, da komnft der Diener und entbietet fie in des Vaters Zimmer.
Ergebniffes des Jahres 1904 im Reiche hatte sich der erstere Betrag auf 9,8 Millionen Mark ermäßigt, sodaß an Preußen vom Reiche insgesamt 42,4 Millionen Mark Matrikularumlagen gestundet waren. In den preußischen Staatshaushaltsetats für 1905 und 1906 waren die entsprechenden Summen reserviert worden, es war sogar, um den aus einer Hinzögerung sich ergebenden Eventualitäten zu begegnen, in den Etat für 1906 der Vermerk ausgenommen, daß die zur Deckung des gestundeten Teils der Matri- kularbeiträge für 1904 und 1905 reservierten Mittel zur Verwendung in die folgenden Jahre übertragen werden könnten. Nun sind einmal sämtliche gestundeten Matrikularbeiträge den Einzelstaaten infolge des Reichseinnahmeausfalles erlassen worden, es ist ihnen aber auch noch auf die nicht gestundeten und nicht durch lleberweisungen gedeckten Matrikularumlagen ein Betrag von 6,2 Millionen Mark erstattet worden. Von letzteren werden auf Preußen gemäß seinem sonstigen Anteil an den Umlagen etwa drei Fünftel, also 3,7 Millionen entfallen sein. Man wird aus allen diesen Summen entnehmen können, wie beträchtlich der preußische Staatshaushalt entlastet werden wird. Auf die in Betracht kommenden Jahresabschlüffe des preußischen Staates wird somit der Finalabschlutz der Reichshauptkasse recht günstig einwirken.
Handelstarifvertrag zwischen Deutschland «nd Spanien.
Es darf angenommen werden, daß in die eigentlichen Verhandlungen über den Abschluß eines Handelstarifvettrages zwischen Deutschland und Spanien decknächst eingetreten werden wird. Solche Verhandlungen hatten bekanntlich schon einmal Mitte der neunziger Jahre des vorigen Jahrhundetts stattgefunden und auch zu einer Vereinbarung zwischen den beiden Regierungen über einen Tarifvertrag geführt. Der Vertrag wurde damals vom deutschen Reichstage genehmigt, die spanischen Cortes ließen ihn aber unerledigt. Er ist deshalb auch nicht in Kraft getreten. Infolge dieses schließlichen negativen Ergebnisses der damaligen Verhandlungen kam es zu einem Zollkriege zwischen Deutschland und Spanien, der durch ein Abkommen beendet wurde, nach dem beide Nationen sich gegenseitig auf meistbegünstigtem Fuße zu behandeln versprachen. Das Abkommen war zum 1. Juli d. I. gekündigt. Deutschland hat nun bekanntlich inzwischen seinen neuen Zolltarif am 1. März d. I. eingeführt, Spanien einen ebensolchen mit Wirkung vom 1. Juli d. Js. Die Zollsätze, die der erste Entwurf zu dem spanischen Tarife auswies, waren mehrfach wesentlich höher, als die des jetzigen Tarife« selbst. Die spanische Regierung hatte sie auf
Mechanisch folgt ihm Elisabeth. Sie wankt und sieht wie durch einen Schleier, daß der Diener die Tür vor ihr öffnet. Zagend tritt sie über die Schwelle.
„Elisabeth, mein Kind!" Mit diesem Ruf zieht der Oberst die Tochter an sich, dann ergreift er ihre rechte Hand und führt sie dem Grafen, der in der Mitte des Zimmers steht, zu:
„Hier lege ich die Hand meiner Tochter in die Ihre, Herr Graf. Machen Sie mein Kind glücklich!"
„Ja, glücklich!" wiederholte Frau von Ritt-' berg.
Elisabeth hört wohl, daß Graf Landegg etwas erwidert, versteht es jedoch in ihrer Erregung nicht, nur daß er ihre Hand nimmt und seine Lippen darauf preßte, fühlt sie. Alles Blut ist aus ihrem Gesicht gewichen und sie kann sich nicht überwinden, zu ihm aufzusehen.
„Komm, Hilde," wendet sich der Oberst danach an seine Frau, „Graf Landegg möchte nun wohl einige Worte allein mit Elisabeth sprechen," und damit verlassen die Eltern das Zimmer.
Elisabeth zittert heftig, als Graf Landegg jetzt auf sie zutritt.
fie an seine Brust. „Elisabeth, so habe ich mich fie unfeine Brust. „Elisabeth, so habe ich mich nicht getäuscht, Sie wollen meinen Herzenswunsch erfüllen, wollen die Meine werden?"
Er spricht mit weicher Stimme, aber Elisabeth hält ihren Blick beharrlich zu Boden gesentt und nickt nur bejahend bei seiner Frage.
„Und wissen Sie auch," fährt der Graf fort, „daß Sie mir damit ein Glück geben, an das ich nicht mehr zu glauben wagte? Elisabeth, sehen Sie mich doch einmal an, daß ich in Ihren Augen lesen kann, was ich noch immer nicht zu fassen und zu glauben vermag."
Elisabeth ist zu Tode erschrocken. Was will er in ihren Augen lesen? Kann fie etwas hineinlegen, von dem sie nichts weiß und fühlt?
Langsam und befangen hebt sie das Auge, finkt es aber gleich wieder in jähem Schreck.
Grund von Warenwertangaben der Interessen« ten berechnet. Es soll nun durchaus anerkannt werden, daß auf Vorstellungen, die auch von deutscher Seite ausgingen, die spanische Regierung die Warenwettbemessungen, die fie ihren ersten Zollsätzen zu Grunde gelegt hatte, mehr, fach als zu hoch gegriffen erkannte und Zollherabsetzungen eintteten ließ. Nur find die letzteren nicht in dem Umfange und in dem Maße eingetreten, wie dies gewünscht werden muß, wenn eine gedeihliche Regelung der Handelsbeziehungen für beide Länder eintteten soll. Aufgabe der jetzt bevorstehenden Verhandlungen wird es sein, den Boden für den Abschluß eines Vertrages zu finden, der den dabei in Frage kommenden Interessen gerecht wird. Die Vorbereitungen für die von deutscher Seite zu stellenden Anträge find dem Vernehmen nach fo weit gefördert, daß sie in kürzester Frist zum Abschluß gebracht werden können. Dann würde deutscherseits kein Hindernis für die Einleitung der eigentlichen materiellen Verhandlungen vorliegen. Da nach dem neuesten Abkommen zwischen Deutschland und Spanien beide Länder sich nur bis zum 31. Dezember des laufenden Jahres auf dem Fuße der meistbegünstigten Nation behandeln, so würde im Interesse der Aufrechterhaltung eines geordneten beiderseitigen Verkehrs eine recht baldige Aufnahme der entscheidenden Verhandlungen am Platze sein. Würden letztere mit einem positiven Ergebnis endigen, so würde der Reichstag noch in dem nächsten Tagungsabschnitt mit der Beratung eines neuen Tarifvertrages befaßt werden.
Unsere Sozialreform.
Heber 18% Millionen deutscher Arbeiter sind allein der Unfallversicherung unterstellt, die Invalidenversicherung erstreckt sich Über 14 Millionen und die Krankenversicherung über 12 Millionen deutscher Arbeiter. Ins Riesenhafte geht die Tätigkeit der deutschen Gewerbe- und Kauft mannsgerichte. Nach Tausenden und Abertausenden zählen die Berufungen der Arbeiter bei den Schiedsgerichten der Arbeiterversicherung. Das Reichsversicherungsamt und die Landesversicherungsämter haben als letzte Spruchinstanzen in Unfallversicherungssachen eine kaum zu bewältigende Last alljährlich zu bezwingen. In 2t dicken Bänden hat das Reichsversicherungsamt seine Entscheidungen gesammelt.
Diese für sich selbst sprechende Schilderung der geradezu enormen Leistungen auf dem sozialpolitischen Gebiete in Deutschland ist in der letzten Nummer der „Sozialistischen Monatshefte" veröffentlicht. Wenn die Arbeiter dies« Schilderung mit einigem Verständnis lesen, sa müssen sie daraus ersehen, wie unwahr di«
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Derselbe heiße, leidenschaftliche Blick, der sie vorgestern schon beunruhigt hat, ist eben dem ihre« begegnet. Alles in ihr ist in Aufruhr, fie möchta fliehen, aber sie entzieht dem Grafen nut fast unwillkürlich ihre Hand.
Mit wachsendem Befremden betrachtet er fi< und fragt: „Elisabeth — haben Sie mir nicht« zu sagen?"
Da nimmt sie ihre ganze Kraft zusammen; fie weiß in diesem Augenblick nicht, was sie fagci< soll, und bringt nur leise die Worte hervor:
,„Ihr Antrag ehrt mich, Herr Graf, ich schätz« mich glücklich--"
„Hahaha!" Graf Landegg lachte melodisch auf. „Elisabeth, wollen Sie mich immer mit „Herr Craf" anreden? Wissen Sie meinen Vorname» nicht? Mutz ich Ihnen denselben erst nennen?*
Das junge Mädchen ist wie in Purpur getaucht. Graf Landegg weidet sich sekundenlang an ihrer Verlegenheit, dann beugte er sich zu ihr herab.
„Nennen Sie meinen Namen — sagen ot« mir, daß Sie mich lieb haben!"
Leichenblässe bedeckt Elisabeths eben noch tu Glut getauchte Wangen. Sie zittett am ganze, Körper.
O Gott, auch das noch, woran fie bis jetzt nicht im entferntesten gedacht hat: Er verlangt ihr« Liebe! So riesengroß war ihr das Opfer erschienen, das sie bringen wollte, und nun sieht sie mit einem Male, daß sie überhaupt eigentlich nichts zu geben vermag, daß das, was sie Opfer nennt, eine einzige große Lüge ist, daß sie im Begriff ist, den Mann, dem fie so viel Dank schuldig ist, z« betrügen und daß fie ihn, wenn fie seine Fra, wird, immer betrügen muß, ein ganzes lange« Leben hindurch. Nein, nur das nicht, lieber gestehen: „Ich liebe dich nicht," lieber zurücktreten, als Gefühle heucheln, die fie für ihn nicht emp findet, - —- , v
0 ? "(Fortsetzung folgt.)