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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirckbaiu.

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Erstes Blatt.

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(Nachdruck berßolcn.)

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^Fortsetzung jolgt-1

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Die Blitzschläge in Preußen und der von ihnen angerichtete Schaden.

Zn neuerer Zeit und besonders in diesem gewitterreichen Sommer ist viel von einer Zu» nähme der Blitzgefahr die Rede. Sie ist in den einzelnen Jahren sehr schwankend. Während im Jahre 1885 die Zahl der zündenden Blitze in Preußen 1327 betrug, wovon 155 auf Stadtge» meinden und 1172 auf Landgemeinden trafen, belief sie sich im Jahre 1887 auf nur 766, 137 auf Stadt-, 629 auf Landgemeinden. Auch im Jahre 1888 blieb die Zahl der zündenden Blitz» schlage mit 936 unter einem Tausend, stieg je» doch in der folgenden Zeit bis einschl. 1893 aus je über Tausend. Aus dem Jahre 1895 ist dir höchste Zahl der zündenden Blitze, nämlich 1620,

größerer Prozentsatz in unabwendbar n U..t= ständen seinen Ursprung hat und nur ein ganz geringer Bruchteil dem Verschulden der gewerb­lichen Unternehmer zur Last fällt. Bezüglich der Leistungen auf Grund des Haftpflichtgesetzes ist übrigens noch festzustellen, daß nach den schon I vor Jahren aufgestellten Listen von den gezahl- I ten Beiträgen nur 25 Prozent der damaligen I Arbeiterwelt zu gute kamen, während ihr der I Rest von 75 Prozent bei dem damaligen Ver- I sillMungsvcrfahren durch Aktiengesellschaften I und andere Erwerbsgesellschaften in Form von I Beamtengehältern, Verwaltungsspesen und Di- I videnden verloren ging.

| . Verschwiegen wird ferner, daß der im Be- I triebe Verletzte auch entschädigt wird» wenn er I durch eigene grobe Fahrlässigkeit und Zuwider- I Handlung gegen die llnfallverhütungsvorschrif- I ten seinen Unfall herbeigeführt hat. Dazu I kommt, daß der Arbeiter eigens Beiträge zur Unfallversicherung überhaupt nicht zahlt, die Unternehmer die ganzen Lasten dieser Versiche­rung vielmehr allein tragen. Dagegen trägt der Arbeiter zu den Beiträgen für Krankenver­sicherungen zwei Drittel, zu den der Invaliden­versicherung die Hälfte bei. Zu den 1057 Mil­lionen Mark, welche bis Ende 1904 an Unfall­entschädigung ausgezablt worden sind, haben die Arbeiter nicht einen Pfennig beigetragen. Ge-

I genwärtig werden für die gesamte Arbeiterver­sicherung (Kranken-, Unfall- und Invalidenver­sicherung) täglich 1% Millionen Mark aufge­wendet. Es sind viele Fälle bekannt, in denen die Arbeiter, für welche Renten festgesetzt waren, versicherten, so wohltätig hätten sie sich die Wirksamkeit der Verufsgenosienschaften nach dem, was sie darüber gehört haben, nicht vor­stellen können.

Die sozialdemokratische Presse.

He6er den Stand der sozialdemokratische^ Presse sagt der Bericht des sozialdemokratische« Partervorstandes, der soeben erschienen ist: Der Vorwärts" hat am Ende des Berichtsjahres einen Abonnentenstand von 112 000 erreicht. Et hat aus Abonnementsgeldern eine Einnahme von rund 900 000 M. gehabt. Von dieser am sehnlichen Summe sind aber durch die Post nut etwa 60 000 M. eingegangen, wodurch bewiese«! wird, daß weitaus die meisten Vorwärtslesetz in Berlin und den Vororten wohnen. An Im seratengeldern hat derVorwärts" im verfloß, jenen Geschäftsjahre etwa 333 500 Jt eingenom, men. Für Redakteurgehälter find etwa 70 000 und an Mitarbeiterkosten aller Art ebensoviel ausgegeben worden. Der Reingewinn betrug rund 140 000 M. Ungünstiger hat die wissem schaftliche Wochenschrift, dieReue Zeit" abgr- schnitten, die ihr Geschäftsjahr mit einem Deft zit von fast 5000 M beschloß, obgleich ihr Abom nentenstand von 6000 auf 7000 gewachsen ist DieGleichheit", das Organ der Genossinnen, hat einen Gewinn von fast 4000 M erbracht; ihi Abonnentenstand ist von 28 000 auf 44 000 ge­stiegen. Das sozialdemokratische WitzblattDer wahre Jakob" hat den ansehnlichen Gewinn von fast 44 000 Jt abgeworfen; sein Abonnenten» stand hat die Zahl 200 000 überschritten. Das illustrierte WochenblattDie Reue Welt" Hal im verflossenen Jahre eine Auflage von rund 400 000 und derReue Welt-Kalender" in der­selben Zeit eine solche von 150 000 Exemplaren gehabt. Im Auftrage des Vorstandes wurden ferner in der Vorwärtsdruckerei für Pommern 146 000, für Hessen 15 000, für Mecklenburg 98 000, für Ostpreußen 55 000, für Westpreußen 25 000 und für Posen 20 000 Agitations-Kalen­der hergestellt. Schließlich hat die Buchhand­lung desVorwärts" einen Rückgang des Warenumsatzes von 466 835 auf 440 283 Jl zu verzeichnen. Ihr Umsatz ist also um 26 552 ,M. gesunken.

UmsKan.

Die Geschichte des Kanaltunn el-

Projekts.

Ueber die Geschichte des bekannten Meeres­tunnelprojektes durch den Boden des Kanals entnehmen wir derFrkf. Ztg." folgende inter­essante Daten:

Der Kanaltunnel, von dem gegenwärtig wieder viel die Rede ist, ward bereits 1803 zur­zeit der ersten freilich nur sehr kurz andauernden französisch-englischen Entente von Pierre Mathieu, einem französischen Ingenieur, vorge­schlagen. Sein Plan ging dahin, eine massiv gemauerte Röhre gewissermaßen in den Meeres­boden einzulegen und sie durck> Eisenschornsteine, die über den Meeresspiegel hinausragten, zu ventilieren. Eins breite, von Oellampen er­leuchtete Fahrstraße mit doppeltem Trottoir sollte eine regelmäßige Postverbindung von Dover nach Calais in beiläufig je fünf Stunden ermöglichen. Fox, der englische Premierminister, schlug Napoleon vor, das Riesenwerk auf Kosten

berder Lander auszuführen. Der bald wieder eintretende Kriegszustand verhinderte natürlich mle weiteren Verhandlungen über diese Frage. Seitdem hat aber der Plan eine dauernde Be­achtung gefunden. Um 1820 wollten die Fran­zosen Franchot und Tessi6 de Mottray eine große Eisenröhre auf den Meeresboden legen. Ihr Kollege Payerne erklärte sich mit diesem Pro­jekte einverstanden, meinte aber verständiger- meife, daß man erst eine ebene, gemauerte Grundlage für die Tunnelröhre konstruieren müsse. Als sein Lebenswerk faßte der französische Ingenieur Fayer den Bau des Kanaltunnels auf und hat dafür tatsächlich sehr bemerkens­werte Vorarbeiten geliefert. Jahre lang ver­maß und peilte er den Meeresboden auf vier Hauptlinien zwischen Dover und Calais einer­seits, Boulogne und Folkestone andererseits. Die Baukosten berechnete Fayer auf 80 Millionen Francs,, die Verzinsung dieses Kapitals auf 15 Prozent. In das Gebiet praktischer Erwägungen trat die Frage als Napoleon III. sich 1857 für bas Projekt von Thom6 de Eamond interessierte. Eamond wollte aber seinen Tunnel nicht mehr auf dem Meeresboden, sondern unter diesen in das feste Gestein verlegen. In der Mitte der von Kap Erisnez nach Folkestone führenden An­lage sollte sich ein 400 Meter im Durchmesser haltender und 100 Meter hoher Turm erheben, um ganze Schiffsladungen gleichsam auf Hoyer See in bereitstehende Bahnzüge zu übernehmen oder aus ihnen auf die Fahrzeuge abzugeben. Obwohl der Kaiser der Franzosen eine aus Geo­logen uni), Ingenieuren zusammengesetzte Kom­mission mit der Weiterausarbeitung des Pro­jektes beauftragte, hörte man von diesem doch bald nichts mehr. Ganz eigenartig war der Vorschlag, den 1861 der Engländer I. F. Smith machte. Er wollte nämlich eine Riesenröhre aus Schmiedeeisen gehörig an Bojen verankert in einer Tiefe von 11 Metern unter dem Kanal­niveau aufhängen und in Dover und Calais in Einsteigschächte münden lassen. Um diese Zeit schwärmte, man auch für Riesenfähren und ein Mr. Chinie nahm den Gedanken zuerst für den Transport von Eisenbahnzügen von Dover nach Calais auf. Ihm folgte 1865 der bekannte Loko­mobilen- und Straßenbahn-Lokomotiven-Er- bauer Fowler, während der damals als Autori- tät im Tunnelbau geltende Ingenieur Hamk- shaw wiederum an einen llntergrundtunnel mit Mauerung und Eisenversteifung dachte. In­zwischen wollte jedoch die öffentliche Meinung in England, die eine Landung kontinentaler Ar­meen fürchtete, von Kanaltunnels nichts mehr wissen. Man bildete sich ein, daß mehrere fran­zösische Armeekorps in einer Nacht aus der un­heimlichen Röhre hervorbrechen und schon am nächsten Tage London überrumpeln könnten. I Diese Idee macht sich auch noch um 1880 herum geltend, als das Kanaltunnelprojekt neuerdings auftauchte und es läßt sich annehmen, daß ähn­liche Vorurteile selbst jetzt wieder in den ver­einigten Königreichen bestehen trotz der offiziel­len großen Freundschaft zwischen König Eduard und der Republik.

barmherziger wäre es gewesen, er hätte ihn in seiner blinden Eifersucht getötet. Aber durfte sie ihren Haß auf ihn werfen? Trug sie nicht die größere Schuld an dem Unglück? War sie nicht zu sehr aufgegangen in ihrer Kunst, und hatte sie darum nicht ihre heiligsten Pflichten verletzt? Welche Qualen der Reue durchlebte sie jetzt dafür.

Erst das Schlagen der Uhr auf dem Kamin weckte Leonore aus ihrem Sinnen, und fast zu gleicher Zeit ertönte die Klingel an der Haus­tür. Der Hund hob lauschend und leise knurrend den Kopf, und Leonores Brust entrang sich ein banger Seufzer. Schnell schob sie die Papiere zusammen und legte sie in ein Fach ihres Schreibtisches, nur die Photographie vergaß sie in der Eile, sie blieb auf der Platte zurück.

Wenige Minuten später trat Elisabeth von Rittberg über die Schwelle und eilte mit freund­lichem Gruß auf Leonore zu.

Guten Morgen, kleine Nachtigall," er­widerte Leonore, und ihre Züge hellten sich bei dem Anblick ihres Lieblings auf.

Sie war aufgestanden und hatte Elisabeth an das Fenster gezogen.

Sie sehen bleich aus, mein Kind was fehlt Ihnen?" fragte sie, nachdem sie einen prü­fenden Blick auf das Gesicht des jungen Mäd­chens geworfen hatte.

Ich fühle mich ganz wohl, nur" sie stockte verlegen und senkte den Blick. . . ...

Nun?" forschte Leonore.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag- Joh. Aug. Koch, UmverfttätS-Buchdruckerei 41

Marburg, Markt 21. Telephon 55. * -oUyty*

Unfallversicherung und Arbeiter.

1 Gegenüber der Behauptung, daß die Unfall­versicherung nur im Interesse der Unternehmer Hingeführt worden sei, und daß die letzteren Kurch sie 1904 allein 33 Millionen Mark er- Mrart hätten, wird folgende Statistik von Jnter- |ffe sein:

U Nach den Veröffentlichungen des Reichs» ;r- Hcherungsamtes sind bis Ende 1904 für Unfall- Entschädigungen allein 1057 Millionen Mark Md für 1904 rund 126 Millionen Mark von Lben Unternehmern aufgebracht worden, welche Dahressumme sich noch fortgesetzt steigert. Die Ketzer tagen: Die Pflicht der Unternehmer, die M ihren Betrieben verunglückten Arbeiter unter gewissen Voraussetzungen auf Grund des frühe­ren Haftpflichtgesetzes zu entschädigen, sei mit der Einführung der öffentlich-rechtlichen Unfall­versicherung weggefallen. Nach dem Haftpflicht- Gesetz sei diese Entschädigung in Höhe des Ar­beitsverdienstes zu leisten gewesen. Jetzt betrage .die Rente nur 66% Prozent des Jahresarbeits- Verdienstes, Also bereichere sich der Unter­nehmer bei jedem Rentenempfänger um ein Drittel des Arbeitsverdienstes. Sie verschwei­gen aber, daß Schadenersatz nach dem Haftpflicht- gesetz nur bei nachgewiesener Verschuldung des jUnternehmers zu leisten war, daß die Arbeiter ^ihre Ansprüche aus dem Haftpflichtgesetz in kom­plizierten Zioilprozessen gegen ihre Arbeit­geber verfolgen mußten und wegen der Kostspie­ligkeit und Langwierigkeit der Prozesse die we­nigsten Verletzten die Entschädigungen aus- klagten, daß ferner früher nur ein kleiner Bruch­teil der jetzt gegen Unfall Versicherten Ansprüche ans dem Haftpflichtgesetz stellen konnte, wogegen jetzt die Berufsgenossenschaften im beschleunig­ten Verfahren von Amtswegen, ohne Antrag des I Verletzten, die Entschädigung festsetzen müssen. k Möglicherweise hat die Zahl von 33 Millio- Ineii auch darin ihren Ursprung, daß einfach alle sozialpolitischen Gesetze zusammengeworfen, und daß diejenigen Beträge, die von der Arbeiter- ,welt zu der Kranken- und Invalidenversicherung 'zu zahlen sind, als diejenige Summe bezeichnet werben, welche von beit Unternehmern erspart Mrd. Daß die gewerblichen Berufsgenossenschaf- iten alle Kosten, einschließlich sämtlicher Gerichts- I Md Berufskosten, Heilverfahren, weitläufige Untersuchungen durch die Aerzte und Renten ohne jede Hinzuziehung der Arbeiter allein be­fahlen, das wird von sozialistischer Seite »er« I schwiegen. Auch davon verlautet nichts, daß stach der Statistik 52 Prozent sämtlicher Unfälle durch Nachlässigkeit und Außerachtlassung der Unfalloerhütungsvorschristen entstehen, ein I

Ach, meine Zukunft! Sie erscheint mir I den, mir das Leben zur Hölle zu machen, die all« dunkel und hoffnungsarm!" entgegnete Elisa- I Hebel in Bewegung setzten, um meine Pläne zu bet') mit schmerzlichem Ton. I durchkreuzen. Man spann Jntriguen, man »et*

Elisabeth, Ktnd, ich kenne Sie ja kaum I leumdete mich; nannte meine Stimme unmelo*. wieder! Setzen Sie sich einmal her zu mit und disch und dergleichen mehr."

sagen Sie mir, was Sie feit gestern so niederge- IWie war das nur möglich?" fragte Elisa* druckt und entmutigt hat." I heth erstaunt.

Sie zog Elisabeth zu sich nieder und nahm IMöglich ist alles, liebes Kind, wenn matt ihre Hand:Nun, was ist es? Sie vertrauen I eben will, daß es so sein soll. Man wollte mich mu M sonst." , I zurückschrecken, doch ich ließ mich nicht beirren,

Mehr, als irgend jemand anderem, und ge- I ich rang meinem Vater die Zustimmung endlich rade daß ich Sie verlieren muß" I ab und ging meinen eigenen Weg. Damit zer-

O, schweigen wir davon, machen wir uns I schnitt ich für immer das Tischtuch zwischen met» ben Abschied nicht schwer, Kind!" fiel Leonore I neu übrigen Verwandten und mir, und obgleich em.Aber ein anderer Kummer drückt Sie noch; I man jetzt nicht abgeneigt wäre, die berühmt« rate ich recht, so zweifeln Sie an der Erfüllung I Leonore Stein anzuerkennen, scheitert doch jede ^hrer^ Wünsche?" I Annäherung an meinem Stolz. Ich kann nicht

Za, ich zweifle!" I vergessen, was sie mit angetan haben nie»

Und geben bzt Kampf auf? I mals!"

»Nein, ich gebe ihn nicht auf, und wenn sich I Leonore schwieg und sah gedankenvoll vor sich alle Welt widersetzen würde!" I hin, und Elisabeth wagte nicht, sie zu stören. Es

Bravo! Das sieht Ihnen schon ähnlicher, I war das erste Mal, daß die Künstlerin zu ihr als die vorherige Mutlosigkeit. Dem Blitzen I von ihrer Vergangenheit sprach, und Elisabeth Zhrer Augen merkt man es an, daß Sie den I fühlte sich davon tief ergriffen und hätte getflf Kampf aufnehmen wollen. Was ist denn ohne I mehr erfahren, aber sie schwieg, denn sie fürch- Kampf im Leben zu erreichen, Elisabeth? I tete, für neugierig gehalten zu werden. Leonore Müssen wir uns nicht alle und immer mühselig I schien jedoch heute das Bedürfnis zu fühlen, kich unser bißchen Glück erftreiten? I mitzuteilen, denn sie fuhr nach einer kleinen

Elisabeth warf einen schnellen Blick auf I Pause unaufgefordert fort:

Leonore. IMein Vater starb leider bald, aber er hat

So hatten auch Sie zu kämpfen?" I noch die Freude gehabt, den Stern meines Ruh- Glauben Sie, mit fiel alles, was ich heute I mes aufgehen zu sehen. Seit jener Zeit stehe ich

erreicht habe, in den Schoß? Ach, Elisabeth, ich I allein auf der Welt, das heißt, ohne nähere Ver- habe mehr gelitten als viele andere, die heiße- I wandte, mit denen ich jede Beziehung abge« sten Seelenkämpfe mußte ich durchführen, ebe ich I brachen habe. Ich klage datum nicht; ich errang überhaupt eine Möglichkeit sah, in das Reich I mir vielfach Liebe und treue Freundschaft andrer bet Kunst einzudringen. Und bann--später I Menschen, und wenn ich richtig denke, so schlägt

--mein guter, lieber Vater widersetzte sich I auch hier ein treues Hetz für mich, und dies« anfangs auch meinen Plänen, wie der Ihrige, * ' ' ...... ' "

aber er war doch mein schwächster Gegner. Da waren liebe Tanten, die es meisterhaft verstan-

Ztvei Frauen.

Roman von E. Borchart.

(gortfefeuna.)

Der Tisch stand im Musiksalon und Leonore ließ sich nun daran nieder. Sie trug ein dunkel­blaues Seidenkleid, das die lleppigkeit ihrer Figur in ein vorteilhaftes Licht setzte. Ihr goldblondes Haar bildete einen herrlichen Ge­gensatz zu den Farben des Kleides, sie sah sehr schön aus in diesem Gewände. Zu ihren Füßen hatte sich einet der mächtigen Bernhardiner ge­legt und seinen zottigen Kopf in die Falten des Mleides vergraben.

: Eine Weile hatte Leonore gekramt, geordnet Md gesichtet. Plötzlich seufzte sie laut auf und «erblaßte. Einem Paket Briefe war beim Aus- seinanderbinden eine Kabinettphotographie' ent­fallen, und Leonores Augen hafteten wie ge­kannt auf diesem Bilde, als könnte sie mit ihren Blicken die Züge zum Leben erwecken.

! Die Photographie stellte einen Mann in dem Kostüm des Lohengrin dar. Leidenschaftlich blitzende, schöne Augen blickten aus seinem Ge- sicht heraus, das mit feinen markanten Zügen, Der edel gebogenen Nase und dem feinen Mund jingemein sympathisch berührte. Der Mann war noch jung, groß und kräftig gebaut, gebie­tend in der Haltung, eine Heldengestalt im wah­ren Sinne des Wortes.

In den Anblick dieses Bildes versunken, ver- I ,Zch habe gestern getanzt." ~ '

gaß Leonore die Gegenwart. ISchon wieder?" Leonores Gesicht nahm

Was war mit ihm geschehen seit jenem I einen ernsten Ausdruck an.Ich habe es Ihnen schrecklichen Tage, der ihn für immer aus dem I doch verboten!" setzte sie streng hinzu.

Reiche der Kunst, aus seinem Paradiese »er- IIch bitte um Verzeihung

trieb? Warum verbarg er sich vckr ihr und der IElisabeth, wie oft habe ich Ihnen schon vor- Wett? ? I gestellt, wie schädlich bas Tanzen für Ihre

O, wie sie jenen anberen haßte, ber ihn zum I Stimme ist! Wollen Sie diesem zweifelhaften jLebendigbegrabensein verdammte. Wie viel ' Vergnügen Ihre Zukunft opfern? j

Vierteljährlicher Bezugspreis- bet ser Expedition 2 M.,

1&3 QßK bei allen Postämtern 2,25 Ml. <ejtl. Bestellgeld).

61X10 Znsertionsgebühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 M. O (S.etxUwtfuw innz?

Reclamen: die Zeile 25 Pfg. ©Onttldß, 2. öfptCttW(?r 1906