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Erstes Blatt

Neueste Telegramme.

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Petersburg. 30. Aug. Das hier verbreitet« Gerücht über Polen sei der Belagerungszustai^ verhängt worden, wird offiziell dementiert.

Petersburg, 30. Aug. Das Zentralkomitee der sozialrevolutionären Partei erklärt offiziell, datz die Partei an dem jüngsten Anschlag auf de» Ministerpräsidenten Stolypin nicht beteiligt ist

Mitau, 30. Aug. Hier bildete sich ein neue« Verband der Anarchisten und Kommunisten, der durch eine Proklamation die Arbeiter auffor- dert, ihre Ziele durch Terrorismus zu erreichen.

Saratow, 30. Aug. Im Dorfe Iwanowka sammelte sich bei der Verhaftung zweier Per. sonen durch die Polizei eine große Menge mit Knüppeln bewaffneter Bauern an, um die Fest, genommenen zu befreien. Die Polizisten gäbe» Schüffe ab, wodurch eine Anzahl Personen ge tötet und verwundet wurde; Militär stellte dd Ruhe wieder her.

ung von 10 Prozent erhalten. Für die Länder, die Zoll auf Kaffee legen, erhöht sich der Aus­fuhrzoll um 10 Prozent. Die Gesetzesvorlage, die für die Vereinigten Staaten günstig ist, werde als direkte Folge von Roots Besuch ange­sehen.

wirksamste Waffe zur Bekämpfung des Rück­falles findet Dr. Aschaffenburg im Strafvollzug; in dieser Hinsicht befindet er sich in Ueberein- stimmung mit dem ersten Gutachter.

lleber das zweite ThemaDie richterliche Strafzumessung, verbunden mit der strafrecht­lichen Behandlung des Versuchs," werden refe- rieren Prof. Dr. Finger (Halle) und Geh. Rat Dr. Hamm (Bonn). Das von dem Oberstaats­anwalt Dr. Hoegel (Wien) erstattete Gutachten gipfelt in folgenden Forderungen: a) Eine be­sondere Strafandrohung für den Versuch ist dort geboten, wo das Gesetz für das Verbrechen eine absolute Strafe androht, die einer Milderung nicht fähig ist (Todesstrafe). Derartige Straf­androhungen sind auf das Maß der unbeding­ten Notwendigkeit zu beschränken, insbesondere ist die lebenslängliche Freiheitsstrafe niemals ausschließlich anzudrohen, b) In allen anderen Fällen ist eine allgemeine gesetzliche Herab­setzung der für eine Straftat angedrohten Strafe im Mindest- oder Höchstmaße für den Fall des Versuches zu vermeiden, und ist der Versuch im Rahmen des gesetzlichen Strafsatzes dann als mildernder Umstand zu behandeln, wenn ein Rückschluß auf eine geringere Stärke des Entschlusses des Täters gestattet ist. Zwi­schen den verschiedenen Arten des Versuches ist nicht zu unterscheiden, c) Die gesetzlichen Straf- sätze sind derart festzusetzen, daß im Einzelfall allen mildernden Umständen, d arunter auch dem Versuche entsprechend Rechnung getragen werden kann. Dabei sind die Strafsätze, soweit dies die Natur der strafbaren Handlung zuläßt, nach typischen Begehungsformen zu teilen.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh.Aug.Koch, UniversttätS-Buchdruckerei 41.

Marburg, Markt 2L Telephon 55. ' w

Leonore Stein jedem Besuch gegenüber, der eine Kritik in künstlerischer Beziehung von ihr ver­langte, herrwrkehrte. Sie wurde so viel damit belästigt und bestürmt, sie mußte so viel Min­derwertiges anhören, sie begegnete so viel Talentlosigkeit und Eitelkeit, daß man es ihr nicht verdenken konnte, wenn sie sich einen kurzen Ton, eine vernichtende Schärfe und Offenheit im Urteil angewöhnt hatte.

Elisabeth hatte schon davon gehört, und der Empfang war auch nicht dazu angetan, ihren Mut zu beleben. Als Leonore Stein sich darauf mit gleichgültiger Miene an den Flügel setzte und die junge Dame zum Singen aufforderte, da wurde ihr fast elend zu Mute, so daß sie ihren Entschluß, hierher gegangen zu sein, bereute. Doch sie nahm alle ihre Selbstbeherrschung zu­sammen und setzte ein; zitternd entquollen die . ersten Töne ihrem Munde. Doch schon im näch­sten Augenblicke vergaß sie ihre Umgebung: frei und frisch hallte ihr Lied durch den weiten Raum.

Leonors Steins Augen hingen wie gebannt an der Sängerin, fast atemlos lauschte sie, und als Elisabeth geendet, sprang sie auf, zog sie an sich und küßte sie auf die Stirn.

Sie haben eine gottbegnadete Stimme, mein Kind, und ich werde mich glücklich schätzen, Sie meine Schülerin nennen zu dürfen."

Das war mehr, als Elisabeth erwartet hatte. Sie errötete, und ein stolzes Elücksgesühl schwellte ihre Brust.

Wie im Traum ging sie danach umher; sie mußte immer an Leonore Stein denken.

Sehr bald nahmen die Unterrichtsstunden ihren Anfang, und Elisabeth widmete sich ihnen mit Feuereifer. Der bestrickende Wohllaut ihrer Stimme berechtigte zu den schönsten Hoff­nungen, und ihre Stimme entwickelte sich bei

Bestellungen

für de« Monat September

I auf die

Serhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch- Kain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und Landbriefträgern ent- gegengenommen.

Deutsches Reich.

Berlin, 31. Aug.

Seine Majestät der Kaiser unternahm gestern Vormittag vom Neuen Palais eine« Ausritt mit den Prinzen Adalbert und Joachim. Um 10 Uhr begab sich der Monarch nach dem Schlöffe in Berlin, wo mittags 12 Uhr im Zeug­hause die feierliche Nagelung und Weihe von 28 neuen Fahnen und Standarten stattfand. Der Kaiser . erwartete vor dem Portale d« Zeughauses die Kaiserin, die von Potsdam mit der Prinzessin Viktoria Luise und mit bei Kronprinzessin von Griechenland eintraf. Di« Majestäten und die Fürstlichkeiten betraten di« Nuhmeshalle. Der Kaiser schlug den erste« Nagel ein, es folgten die Kaiserin, der Kron- prinz, der auch für seinen Sohn einen Nagel ein- schlug, die Prinzen und Prinzessinnen und di« fremden Fürstlichkeiten usw. Im Lichthofe voll­zog dann der evangelische Oberpfarrer Coens in Gegenwart des katholischen Militärober­pfarrers Romunde die Weihe. Nach dem Tedeum folgte eine Ansprache des Geist­lichen und die Einsegnung, während deren di« Leibbatterie des ersten Garde - Feld - Artillerie- Regiments 101 Schuß abgab. Nach dem Vater­unser und dem Segen erklang das Niederlän­dische Dankgebet. Sodann nahm der Kaiser de« Vorbeimarsch der Ehrenkompagnie ab, bei der die geweihten Feldzeichen eingetreten waren.

Ein Mitarbeiter desL.-A." entwirft vo« der vorgestrigen Tauffeier ein Stimmungsbild, dem wir unter Weglaffung der byzantinische» Floskeln das folgende entnehmen:Der Täuf­ling benahm sich geradezu musterhaft. Der kleine Prinz war mäuschenstill und bewahrte diese Haltung während der ganzen Dauer der heili­gen Handlung. Er hatte die Augen geschloffen und öffnete sie nur einmal, als Oberhofpredigeu D. Dryander ihn mit dem Jordanwaffer netzt«. Nach alter Tradition werden Prinzen und Prin­zessinnen des preußischen Königshauses mit rel-

Zur Lage in Rußland.

Der gegenwärtig in Karlsbad zur Kur wei­lende Vizepräsident der konstitutionell-demo­kratischen Partei (Kadettenpartei) Rußlands, Professor Karjajew, äußerte sich über die Lage in Rußland und über das Attentat auf den Mi­nisterpräsidenten Stolypin der Preffe gegenüber folgendermaßen:Wir erstreben das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht. Betreffs der Agrarfrage wollen wir, daß die Kronlän­dereien, die Ländereien der Kirchen und Klöster und Apanagegüter unter die landarmen Bauern verteilt werden. In der Arbeiterfrage erstreben wir die Einführung des Achtstundentages. Meine Meinung ist übrigens, daß ein parlamentarisches Kabinett in Rußland gebildet werden müßte. Das Attentat auf den Ministerpräsidenten Sto­lypin halte ich nur für eine Episode, welche kei­nen Einfluß auf den Gang der Dinge haben wird!

Berlin, 30. Aug. Nach Mitteilungen aus Rönne auf Bornholm haben in den letzten Ta­gen auf Bornholm mehrere Verhaftungen von Ruffen stattgefunden. In den Wohnungen der Verhafteten wurden Instrumente und Explosiv­stoffe aufgefunden, welche auf das Vorliegen einer Bombenfabrikation schließen lassen.

Köln, 31. Aug. Der Oberpräsident Nheinprovinz, von Schorlemer, sandte Blättern folgende Erklärung: Ich erlaube ganz ergebenst zu bemerken, daß die Nachricht von meiner Berufung nach Berlin nicht zutrifft und damit auch die Vermutungen ausfallen, die diese Berufung mit der in Aussicht genommenen Nachfolge des Herrn Landwirtschaftsministers .ist Verbindung bringen.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

SorrrrtaasbeUaaer AlluttrirteS

ihrem Talent und Fleiß verhältnismäßig so schnell, daß sie bald ihre Mitschülerinnen über­flügelt hatte.

Nun erst trat Elisabeth auch dem Vater gegenüber mit ihren Plänen hervor, aber sie stieß auf den hartnäckigsten Widerstand.Eine Rittberg zur Bühne gehen Sängerin werden? Nimmermehr?" hatte der Oberst erwidert und gedroht, daß der Unterricht bei Leonore Stein aufhören sollte, wenn sie noch einmal mit solchen Ideen hervorträte. Der sonst so gütige Vater, der seinem einzigen Töchterchen so gern jeden Wunsch erfüllte, war hierin unerbittlich und streng, und Elisabeth sah ein, daß sie vorläufig nicht wieder mit ihren Wünschen kommen durfte, wollte sie nicht die Gesangsstunden ver­lieren. Im Herzen jedoch gab sie die Hoffnung auf eine Sinnesänderung des Vaters nicht auf, und der Trost und Zuspruch ihrer Lehrerin, der siv ihr Herz ausgeschüttet hatte, verfehlte ihre Wirkung nicht. Ueberhaupt besaß Leonore einen Einfluß auf Elisabeths Charakter und Ge­müt, wie ihn sonst niemand auf ihre selbstän­dige Natur und ihren stolzen Sinn auszuüben vermochte. Der Grund hierfür lag zu allererst in der warmen Zuneigung und Verehrung, die Elisabeth der Künstlerin entgegenbrachte; sie sah in ihr die Verkörperung alles Edlen und Schönen. Aber auch Leonores festem, energi­schem Charakter war dieser Entschluß zuzu­schreiben. Elisabeth fühlte wohl, daß sie dem Herzen der Gefeierten nahe stand, näher, als sonst jemand aus ihrem jetzigen Umgangskreise.

Nicht allein Elisabeths Talent und Be­gabung, auch ihr jugendlicher Liebreiz, ihr ein­faches Wesen hatten es der Künstlerin angetan, und sie zeigte es offen, daß Elisabeth ihr teuer war.Mein Singvögelchen meine Nachti­gall" pflegte sie ihre Lieblingsschülerin zu nennen.

Das Verhältnis der beiden Frauen gestaltet» sich immer inniger und wurde bald ein Freund- schaftsbund, der der Achtung der Schülerin oe« der Lehrerin keinerlei Einbuße tat, aber darum nicht minder herzlich und innig war. Der Ver­kehr außerhalb der Unterrichtsstunden war aller­dings ein einseitiger. Leonore Stein besucht« grundsätzlich keine Gesellschaften und hatte auch die Einladung des Obersten v. Rittberg ein- fle allemal abgelehnt. Zuweilen sucht- sie allerdings Elisabeth in ihrem Mädchenstübchen auf cbN verweilte auch kurze Zeit in deren Famrlre. Am liebsten aber behielt sie Elisabeth bei sich, i#«« dieselbe zum Unterricht kam. lleber ein 5 war Elisabeth schon Leonore Steins Schülers und ihre Stimme hatte sich zu seltener KrM und Fülle entfaltet. Da wurde dem Studium Elisabeths plötzlich ein Ende bereitet, und zwar durch Leonore selbst, da diese einen Gastspiel« vertrag nach Amerika abgeschloffen hatte, und nun war man bereits in den letzten Tagen vor der Abreise. Nicht eitle Ruhmessucht trieb Leo­nore fort, sondern eine unbestimmte Hoffnung jenseits des Ozeans etwas zu finden, wonach sie hier seit Jahren vergeblich suchte.

Es war alles zur Reise vorbereitet, die bei­den Dienstboten und die Hunde folgten ihre« Herrin in den fernen Erdteil. Leonore sah di« sei Fahrt mit einer gewissen Siegessreudigkeir entgegen, und wenn sie doch ein Bedauern emp* fand, so war es, weil sie sich auf so lange Zei» von Elisabeth von Rittberg trennen mutzte« Heute erwartete sie dieselbe zur letzten Gesang« stunde. Bis zu Elisabeths Ankunft beichafttgtz sie sich damit, einige Fächer ihres Schreibtische- zu ordnen und überflüssige Papiere zu uew

Zwei Freue«.

/ Roman von E. Borchart.

---- * (Fortsetzung.)

_ Elisabeth war sich kühn vorgekommen, äks sie zum ersten Male zu der berühmten Sängerin ging, um sich von ihr prüfen zu lasten und sie zu bitten, sie als Schülerin aufzunehmen. Sie hatte Leonore Stein auf der Bühne bewundert, Und ihr jugendliches Gemüt war von Begeiste­rung entflammt worden. In dieser Künstlerin sah sie das Vorbild, dem sie nachstreben wollte. Sie selbst halte seit einiger Zeit Eesangunter- Ficht, und ihr Lehrer, sowie Freudinnen und alle, -die sie singen hörten, konnten ihr nicht genug Lobenswertes über den Wohlklang ihrer Stimme ifagen. Sie hatte jedoch nie daran gedacht, sich dem Beruf einer Künstlerin zu widmen, bis sie Leonore Stein spielen und singen hörte. Da Erfaßte sie mit Gewalt der Gedanke: So singen And spielen zu können, welch hohes Ziel!

Sie gab diesem Gedanken zuerst nicht Aus­druck. sie kämpfte noch mit sich und den Vorur- teilen ihres Standes, doch der innere Drang, günstlerin zu werden, übertönte alles anders, bet auch als sie in sich schon fest entschloffen war, verriet sie noch nichts von ihren Plänen. Sie bat die Eltern, man möge ihr gestatten, bei Veonore Stein Unterricht zu nehmen oder viel- nehr, sich erst von ihr prüfen zu lassen.

Der Vater gewähtte seinem Kinde diesen Wunsch gern, in der Annahme, es handle sich um .inen Zeitvertreib.

, So ging denn Elisabeth eines Tages in der «egleitung ihrer Mutter mit zagendem Herzen M der Gefeierten.

- Sie wurden mit der stolzen Zurückhaltung rnb fast abweisenden Kühl« empfangen, die

i* Kreuznach, 30. Aug. Der zweite Tag der 11. Jahresversammlung des Zentralverbandes der Gemeindebeamten Preußens begann heute mit einer Sitzung des Vorstandes und des ii-er- Ausschuffes. Später erfolgte eine freie Be­sprechung der Vertreter in der Konkordia, lieber 500 Teilnehmer haben sich angemeldet. Der Dezernent im Ministerium des Innern, Geh. Oberregierungsrat Dr. Freund, hat sein Er­scheinen zu den Hauptversammlungen zugesagt. Morgen früh 10 Uhr beginnen die Hauptver­sammlungen. Der Eemeindebeamten - Vere' < Preußens zählt 15 000 Mitglieder.

ü Madrid, 30. Aug. Eine strenge Zensur ist Über Telegramme aus Santander und Bilbao, st»o der Ausstand erheblich zugenommen hat, ver­hängt. Aus allen benachbarten Provinzen sind Gruppen zugezogen. Die Militärbehörde hat Energische Maßregeln getroffen, um jede revo­lutionäre Bewegung zu unterdrücken. In Bilbao kommt das Eeschäftsleben allmählich wieder in Gang. Die Hochöfen in Biscaya sind anscheinend von dem Ausstande nicht übermäßig sn Mitleidenschaft gezogen.

- Newyork, 30. August. Wie derNewyork Herald" aus Rio de Janeiro meldet, ist dem Kongreß ein Gesetzentwurf vorgelegt worden, (in welchem beantragt wird, daß den Ländern, die jährlich vier Millionen Sack brasilianischen Kaffees zollfrei einsühren, eine Ermäßigung von 20 Prozent des bestehenden Ausfuhrzolls gewährt werden soll. Die Länder, die 3 Millio­nen Sack Zucker einführen, sollen eine Ermäßig-

Der deutsche Juristentag. - i.

® Auf seiner Tagung vor zwei Jahren hat der deutsche Juristentag, wie erinnerlich, die Reform des Deutschen Sttafgesetzbuchs als drin­gende Aufgabe der Reichsgesetzgebung bezeichnet, und gleichzeitig seine Bereitwilligkeit zu er­kennen gegeben, an der Klärung komplizierter Rechtsfragen mitzuarbeiten. Im Verfolg dieses Programms hat der Juristentag für feine dies­jährige, vom 10. bis 12. n. M. in Kiel statt- finbenbe Tagung an der als Referent auch Geh. Justizrat Prof. Dr. Enneccerus aus Marburg teilnimmt, in den Mittelpunkt der Verhandlung zwei wichtige Fragen aus dem Strafrecht gestellt,die straf­rechtliche Behandlung von Rückfall, gewohn­heitsmäßigem und gewerbsmäßigem Verbrecher­tum" unddie richterliche Strafzumeffung, ver­bunden mit der strafrechtlichen Behandlung des Versuchs." lleber erstere fragen liegen dem 28. Deutschen Juristentage zwei Gutachten vor: das eine von Prof. Max Ernst Mayer (Straß­burg), bus zweite von Prof. Dr. med Aschaffen­burg (Köln). Als Berichterstatter über diese Fragen werden fungieren: Geh. Justizrat Prof. Dr. Kahl (Berlin) und Oberstaatsanwalt Dr. Hoegel (Wien). Den Kern der beiden Gutachten bildet die an der Hand der Deutschen Reichs- Kriminalstatistik vom Jahre 1894 an ausge­stellte Berechnung darüber, wie viele von den im Jahre 1894 Verurteilten im Laufe der nächsten 5 Jahre von neuem bestraft werden mußten. Es liegen bisher die Nachweisungen über die Verurteilten der Jahre 1894 bis 1897 und über deren Rückfall innerhalb des sich an das Verurteilungsjahr anschließenden Jahr­fünfts vor. Die Statistik zeigt, daß die Zahl der Rückfälle im ersten Jahre 9,9, im zweiten 7,7, im dritten 5,3, im vierten 4, im fünften 3,1 Prozent betrug. Daraus läßt sich schließen, daß von einer nennenswerten Verbrechensverhütung durch die verbüßte Strafe nicht die Rede fein kann, sonst würde der Rückfall nicht so bald ein« reten. Die Statistik beweist ferner, daß von fen erstmals Verurteilten im folgenden Jahr­fünft 15,8, von den schon früher einmal Ver­urteilten 39, von den zwei- bis viermal Ver­urteilten 54,7 und von den fünfmal und öfters Verurteilten 72,8 Prozent innerhalb der nächsten fünf Jahre von neuem bestraft wurden. Diese Zahlen beweisen, daß die heutige Strafe kein Gegenmittel gegen den Rückfall ist. Die

( '(Fortsetzung solgt.>

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