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eine betraut worden war, ursprünglich geneigt war, einen Modus vivendi vorzuschlagen. Als der Kardinalstaatsfekretär Merry del Val von dieser Stimmung der Kardinalskommission un­terrichtet wurde, habe er den Papst veranlaßt, den als unversöhnlich bekannten Kardinal Va- nutellt in die Kommission zu berufen, um da­durch die entschiedene Ablehnung der Kultus­vereine zu sichern.

Santander, 29. Aug. Die Lage verschärft sich. Alle Werke feiern. Die Vergwerksgesell- schaften verlangen die Entsendung von Militär. Aus Camargo kommen beunruhigende Mel­dungen. Die Ausständigen zerstörten die Gru­benbahnen. Das Dynamitlager wurde geplün­dert. Eine Eskadron brach in Eilmärschen nach Camargo auf.

Der panamerikanische Kongreß ist am Ende seiner Verhandlungen angelangt. Ihr Inhalt und Ergebnis entspricht nicht ge­rade der Bedeutung, die der Tagung der ameri­kanischen Mittel- und Kleinstaaten bei ihren Zusammentritt und bei der Bekanntgabe des Programms beigelegt wurde. Dadurch daß der Kongreß den wichtigsten zur Entscheidung stehenden Gegenstand der Tagesordnung nicht selbst erledigte, sondern die endgiltige Beschluß­fassung darüber der internationalen Friedens­konferenz im Haag überließ, hatte er von vorn­herein das Interesse, das seinen Verhandlun­gen sonst gewiß gewesen wäre, erheblich herab­gemindert. Es handelte sich um die durch den Venezuelakonflikt spruchreif gewordene Frage, ob und bis zu welchem Grade europäische Mächte berechtigt sein sollen, Schuldforderungen, die sie an amerikanische Staatswesen haben, mit Ge­walt einzutreiben. Der venezolanischen Re­gierung gegenüber haben sich die vereinigten Mächte Deutschland, Großbritannien und Ita­lien ihr Recht durch Blockierung der Häfen und Beschlagnahme der Zölle zu verschaffen gewußt, schließlich aber doch von der Anwendung weite­rer Pressionsmittel abgesehen und die Vermit­telung der nordamerikanischen Union angenom­men. Der Verlauf dieser Angelegenheit ließ schon damals erkennen, daß die Unklarheit und Unannehmlichkeit des Zustandes, die auf beiden Seiten empfunden worden waren, auf die Dauer nicht Bestand haben konnte. Es fragte sich nur, ob die mittel- und südamerikanischen Republi­ken, indem sie sich auf den Boden der Drago- Doktrin stellen und eine in diesem Sinne lau­tende Entscheidung von der Haager Friedens­konferenz erwarten, den richtigen Weg einge­schlagen haben. Danach soll, in Erweiterung der Grundsätze der Monroe-Politik, in Zukunft

diegene Einrichtung eigentlich einfach, nirgends herrscht Ueberladung, und doch hat jede? Stück einen hohen Wert und zeugt von dem Kunstsinn der Inhaberin, deren Charakter sich überall wiederspiegelt. Besonders das der Veranda zu­nächst liegende Zimmer trägt den Stempel ihrer Eigenart aufgedrückt. An den Fenstern hängen weiße Tüllgardinen ohne jeden Ueberhang und lassen voll und hell die Sonnenstrahlen ein­dringen. Die Möbel bestehen aus Rohrgeflecht, keine Polster und schwellenden Kissen bedecken sie, auf dem Fußboden ist eine feine Matte aus­gebreitet.

Alle anderen Gegenstände sprechen von Kunst und Musik und sind ihr geweiht, von dem herr­lichen Bechsteinflügel, der die Mitte des Zim­mers einnimmt, bis zu den Notenschränken, den Büsten und Bildern unserer großen Meister, die auf Säulen und Konsolen ihren Platz ge­funden haben oder die Wände bedecken.

Dies war Leonore Steins Lieblingszimmer. Sie war der gefeierte Stern der Königlichen ^ofoper, dem das Publikum zujauchzte, den die Majestäten auszeichneten, den die Presse bis in den Himmel erhob. Und sie verdiente diese Auszeichnungen alle. Köstliche Stimmmittel, feine Auffassung, tiefinerliches Spiel und die Gestalt und Schönheit einer Zuno vereinigten sich zu einem vollendeten Ganzen.

Ihre große, wahrhaft königliche Erscheinung, der edle Ausdruck des Gesichts und der Wohl­laut ihrer Stimme entflammten alle Hörer zur Begeisterung. Leonores Vielseitigkeit war er­staunlich, darum war sie auch für die Oper eine unersetzliche Kraft und ihr Ruhm befestigte sich mehr und mehr.

Sie mochte vielleicht dreißig Jahre alt sein und stand auf der Höhe ihrer Kunst und ihrer Schönheit. Außerhalb der Bühne und ihrer Tätigkeit lebte sie in strengster Zurückgezogen­heit. Ein alter Diener, eine alte Dienerin und zwei mächtige Vernhardinerhunde waren ihre einzige Gesellschaft. Keinem Fremden öffneten sich die Pforten zu ihrem Tuskulum, so ost auch

den europäischen Gläubigerstaaten jedwede Ee- waltmaßregel zur Eintreibung der von ameri- schen Staaten kontrahierten Schulden verwehrt sein. Auf diese Weise könnten sich die ameri­kanischen Kleinstaaten, wenn wirklich ihre Wünsche in Erfüllung gehen sollten, gegebenen­falls ihren Verbindlichkeiten gegenüber euro­päischen Gläubigern entziehen. Sie würden aber voraussichtlich gerade dadurch in eine Lage ge­raten, die sie, so versichern wenigstens ihre Ver­treter beständig, unter allen Umständen ver­meiden wollen, in die Lage nämlich, in steigen­dem Grade von den Vereinigten Staaten ab­hängig zu werden. Die finanziellen Bedürfnisse der wirtschaftlich entwickelungsfähigen Staats­wesen werden so bald nicht aufhören; um sie zu decken oder um ältere Verbindlichkeiten ab­zulösen, werden sie sich, wenn sie sich den Zugang zu den europäischen Krediten versperrt haben, an die Vereinigten Staaten wenden müssen, die jede Gelegenheit, ihre Vormachtstellung auf dem Kontinent weiter zu befestigen, gern ergreifen werden. Wie ein Ausweg aus diesem Dilemma zu finden, mögen die amerikanischen Staaten, die in Rio de Janeiro für den Antrag gestimmt haben, unter sich ausmachen; den europäischen Interessenten kann es nur erwünscht sein, daß ein Zustand beseitigt wird, der, wie sich im Ve­nezuelakonflikt gezeigt hat, zu unangenehmen Weiterungen und Auseinandersetzungen Anlaß geben kann.

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Marburg

Freitag. 31. August 1906

Zur Lage in Rußland.

Premierminister Stolypin hatte gestern ein interessantes Gespräch mit seinem Freunde, einem der hervorragendsten Führer der Partei des 17.-Oktober-Verbandes, wobei er die Er­eignisse der letzten Tage mit den tragischen Vor­gängen beim Ende Alexanders II. verglich.Die natürliche Folge dieser Attentate' müßte auch jetzt die Reaktion sein, hört man auf allen Sei­ten sagen, doch ich," sagt Stolypin,stimme dem nicht bei, ebenso wie ich nicht übereinstimme mit der Oppofitionspreste, die eine schleunige Ein­berufung der neuen Reichsduma befürwortet, welche den Terror zügeln könne. Ich bin fest davon überzeugt, daß die Mehrheit der neuen Duma weder aus links stehenden Kadetten noch weniger aus Sozialdemokraten bestehen wird; diese Parteien werden nicht stärker sein, als der rechte Flügel in der ersten Duma war. Die Duma wird aus gemäßigten und legal-opposi­tionellen Gruppen bestehen. In diesem Bestände kann sie keinesfalls eine Autorität bilden für die revolutionären Organisationen, deren einziges Ziel darin besteht, das monarchische System nie­derzureißen und eine Republik zu begründen. Jetzt bedarf es der vollen staatlichen Gewalt, die weder durch ungerechte Kritiken noch kurz­

schon daran gepocht und Einlaß begehrt worden war. j

Diese strenge Abgeschlossenheit und die stolze. Unnahbarkeit Leonores gaben häufig zu aller^ Hand Spöttereien Anlaß. Wer einsam auf um erreichbare Höhe steht, erregt den Reid und di« Mißgunst seiner Mitmenschen und auch oft das Verlangen, ihn herabzustürzen von seiner stolzen! Höhe, ihn mit Schmutz zu bewerfen. So mun^ leite man auch bei Leonore Stein von einer ge4 heimnisvollen Vergangenheit, die sie sich scheue) Fremden preiszugeben, ja, man sagte wohl noch Schlimmeres, weil man in Wahrheit nichts fand, was man ihr anhängen konnte. ;

Die Künstlerin selbst stand hoch über alle» diesen kleinlichen Angriffen. Sie ging in ihrer; Kunst auf, für die sie lebte alles andere schien keine Bedeutung für sie zu haben.

So romanhafte Vermutungen man auch über ihre Vergangenheit machte, so kam doch nichts der Wahrheit nahe. Niemand ahnte, woher sie die Töne für die tiefsten Leidenschaften nahm und niemand vermutete hinter der stolzen klare» Stirn Kämpfe und Qualen.

Wenn sie sich in einsamen Stunden in di« Bilder der Vergangenheit versenkte, wen» Schmerz und Reue ihr Herz durchwühlten, dann hatte selbst die mächtige Trösterin Kunst keinen Einfluß auf ihre Stimmung. Stundenlang konnte sie dann brütend dasitzen, die Gegenwart schien.tot für sie und nur die Vergangenheit lebte.

Wenn die treue Dienerin sie aus diesen Träumen weckte, dann besann sich Leonore lang­sam aus die Gegenwart und auf sich selbst; st« fing dann an zu spielen und z« singen und ver­scheuchte damit die trüben Geister.

Der Musiksalon war, wie gesagt, ihr liebst« Aufenthalt. Hier übte sie ihre Partien ein un> empfing den Intendanten und die wenigen be­vorzugten Schülerinnen.

Zu dielen letzteres gehörte Elisabeth «o« Rfttüerg.

(Fortsetzung folgt.Z

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonutaasbeilaaer Alluttrktes

ob ich überhaupt je so lieben kann. Ich bin eine viel zu kühle, ruhige Natur, und die Liebe muß doch eine mächtige, gewaltige Leidenschaft sein, die das ganze Herz überflutet, das ganze Sinnen und Denken erfüllt und beherrscht. Nein, ich werde gewiß nie lieben können.

Gestern ist mir etwas begegnet, worüber ich mir vergebens klar zu werden suche. Ich weiß nicht, warum ich den Grafen Landegg, der mir stets mit Ehrerbietung und Ritterlichkeit be­gegnete, dessen Auszeichnung mich stolz machte, gestern zu meiden suchte, warum seine Nähe mich beängstigte. Lag es daran, daß er sich meinen Plänen so feindlich gegenüberstellte? Warum erschrak ich eigentlich, wenn sein Blick dem mei­nen begegnete? Ich weiß es nicht, aber ich schlief die Nacht schlecht und mußte immer an den Grafen Landegg denken. Heute morgen fand ich Mutter in sehr kummervoller Stimmung. Was verheimlicht man mir? Mir bangt vor einer ungekannten Gefahr, der ich nicht ent­gegentreten kann.

Dazu kommt heute auch noch der Abschied von Leonore Stein, die ich verehre und liebe. Schon in den nächsten Tagen geht sie und will neun Monate fern bleiben. Wie werde ich sie ver­missen! Ich wünschte, sie bliebe hier, denn mir ist, als ob mich mein bester Freund verließe, als cb ich nun auch meine Hoffnungen für die Zu­kunft zu Grabe tragen müßte."

Hier brach Elisabeth ab, klappte das Buch zu, verschloß es in ihren Schreibtisch und machte sich zum Ausgehe« fertig. . - $ ? . ; ;

3. Kapitel. :

In einer Straße des eleganten Tiergarten­viertels zu Berlin steht mitten im Garten eine Villa. Einige Stufen führen von der Straßen­seite aus auf eine Veranda von der man durch eine hohe Glastür in die inneren Räume ge­langt. Es sind fünf große lustige Zimmer, die im Erdgeschoß liegen, mit Deckenmalerei und Stück, mit schonen Tapeten und elektrischem Licht ausgestattet. Im Gegensatz dazu wirrt die gc-

K Ratschläge von Leuten beeinträchtigt wer- itf, die abseits der Ereignisse stehen. Ich bedarf der energischen, vollen und ehrliche« Macht der Regierung, die davon überzeugt ist« daß sie Unterstützung ihrer Absicht bei den Volks­massen finden wird." Die Untersuchung hak ergeben, daß das eigentliche Nest der Kamps­organisation Moskau ist. Von dort werden die Attentäter nach allen Punkten des Reiches diri­giert, auch nach Finnland und Polen. Die mei­sten Bomben sind in Moskauer Laboratorien angefertigt. Die ganze Polizei ist zurzeit auf de» Beinen, um alle Ankömmlinge aus Moskau > strengstens zu beobachten.

Petersburg, 29. Aug. Der Ministerrat hat beschlossen, daß die Ministerien und die verschie­denen Departements ihre Etats der Duma und dem Reichsrat zum 5. März 1907, der Finanz­minister zu demselben Termin auch das Staats­budget vorlegen sollen. Bis zur Bewilligung des neue? Budgets soll dasjenige für 1906 (5eÜ tung behalten. Den verschiedenen Departements werden provisorische Kredite angewiesen werden«

Moskau, 29. Aug. DieFührer der hiesige« örtlichen Sozialrevolutionären Gruppe sind ver­haftet worden. Die Gruppe verfügt über be­deutende Mittel und unterhielt eine eigen! Tischlerei, Schlosserwerkstätte und Bäckerei.

Petersburg, 29. Aug. Von acht Millionen. Deßjätinen Land, dem Apanagenressort ge­hörend, darunter fünf Millionen Deßjätine» Wald, werden dem allerhöchsten llkas vom 29. August zufolge zum Verkauf an Bauern durch Vermittelung der Bauernagrarbank über eine Million achthunderttausend Deßjätinen, größ­tenteils in den Gouvernements Ssamara, Sara­tow und Simbirsk gelegen, angewiesen.

Petersburg, 29. Aug. Die Zeitungsgerüchttz wonach die Regierung Gesetzentwürfe betreffend die Arbeiterfrage ausarbeite und ihnen nach Einberufung der Duma Gesetzeskraft verleihe^ wolle, sind, wie die Petersburger Telegraphen- Agsntur erfährt, falsch. Die betreffenden Ge­setzentwürfe werden zur Einberufung der Duma fertiggestellt und derselben vorgelegt.

London, 30. Aug. DenCentral News" wird, aus Odessa gemeldet, es fei die Absicht der Re­volutionäre, alle Konsulate anzugreisen, um auf diese Weise der Regierung Schwierigkeiten zu bereiten. Ein Mitglied der politischen Polizei sagte, falls ein solcher Plan wirklich bestehe, gehe er wahrscheinlich von deutschen Anarchisten aus und die deutschen Konsulate wären zunächst ge­fährdet.

Petersburg, 29. Aug. Die Regierungen von Deutschland, Oesterreich - Ungarn, Frankreich,' England, den Vereinigten Staaten, Italien, Belgien und Japan drückten dem Ministerpräsw denten Stolypin ihre Sympathie aus, aus Anlmz der Errettung aus Gefahr und ihre Entrüstung über den gegen ihn ausgeführten Anschlag.

Neueste Telegramme.

Berlin, 30. Aug. Der englische Kriegs- niinister Haldane ist gestern in Berlin einge- itroffen. Er ist bereits im Juni zur Teilnahme an den deutschen Kaisermanövern eingeladen worden, bedankte sich damals, wie dieFranks. Ztg." berichtet, sehr für die ihn auszeichnende 'Einladung und bat gleichzeitig, ihm lieber das Studium der deutschen militärischen Institute und Organisation zu gestatten. Als Zivilist möchte er nicht gern bei den Manövern erschei­nen; auch würde ihm als Laien das Erfassen ;der großen Exerzitien und Operationen sehr sschwer fallen. Größeren Nutzen für sich ver­spräche er sich daher von den erwähnten Stu­dien. Dem Wunsche des Kriegsministers wurde gern entsprochen.

Kreuznach, 29. Aug. Die 11. Hauptversamm­lung des Zentralverbandes der Gemeindebeam­ten Preußens findet hier in den Tagen vom 29. August bis 3. September statt. Heute und mor- 'gen finden Vorstandssitzungen statt. Die Haupt­versammlungen beginnen am Freitag.

. Straßburg, 30. Aug. Der reichsländische Oberschulrat hat die Aufnahme von Mädchen in idie zunächst für Knaben bestimmten höheren ^reichsländischen Schulen für zulässig erklärt un- jter der Voraussetzung, daß die Schulkommissio- «nen der in Frage kommenden Schulen zu­stimmen.

Wien, 30. Aug. Wie derSchlesischen Ztg." zönreldet wird, unterbreitete England den Mäch­ten den Vorschlag, Mazedonien und Altserbien eine autonome Verwaltung mit dem Prinzen Mirko von Montenegro als Gouverneur zu geben. Frankreich und Italien sollen diesen Vorschlag aufs lebhafteste unterstützen, während Deutschland, Oesterreich-Ungarn und Rußland M noch nicht geäußert haben; diese Mächte sollen jedoch dem Vorschläge abgeneigt sein. ' Paris, 30. Aug. DerMatin" meldet aus fiom, daß ein Teil der Kardinalskommission, die mit der Prüfung der Frage der Kulturver­

(Nachdruck verboten.)!

Zwei Frauen.

Roman von E. Borchart.

" l Fortsetzung.);

Hier wurde das Gespräch durch die Köchin Unterbrochen, die sich Befehle für den Mittags- jtisch holen wollte, und diese Gelegenheit benutzte Elisabeth, um in ihr Zimmer zurückzugehen. Sie ssühlte, daß sie sich zerstreuen müßte, und so nahm .fie ihre Zuflucht zu ihremBeichtvater", wie sie «scherzend ihr Tagebuch nannte. Sie hatte es zu .ihrem siebzehnten Geburtstage vom Vater er­halten und es seitdem treulich geführt. Nicht von jjedem einzelnen Tage berichtete sie mit dem ge­wöhnlichenIch tat dieses und jenes, ging hier- und dorthin." Nur was ihre Seele bewegte, durchlebtes Weh, durchkostete Freude, das fand in diesem Buche Ausdruck. Es war ihr ein stummer Freund geworden, dem sie ihr Inner­stes erschloß, ihr Fühlen und Denken anver- rraute. Darum hütete sie das Buch auch ängstlich vor allen Blicken und nannte es ihren Beicht- pater.

- , Auch heute schrieb sie eifrig, und als fie fertig wär, fühlte sie sich etwas ruhiger. Noch einmal -überlas sie das Geschriebene, ehe fie das Buch wieder verschloß:

-Die Saison ist zu Ende. Gestern hatten wir Unseren letzten Tanzabend. Papa stöhnt über stie lästigen Repräsentationspflichten, ich mache -mir auch wenig aus diesen aroßSN Gesellschaften. Mur der Tanz macht mit immer dasselbe Ver­gnügen.

Was mochte Karl Günther gestern nur feh­len? Er war so verändert, so müde und abge­spannt, nicht wie sonst, sprudelnd von Witz und Laune. Dennoch war er wie immer der schönste ;von allen Offizieren, umringt und angeschwärmt pon den jungen Damen. Ich glaube, wenn er «nicht mein Bruder wäre, könnte ich mich auch für Ihn begeistern und ihn lieben, wie ein Weib den Mann ihrer Wahl liebt. Nur zweifle ich daran.