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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Reclamen: die Zeile "25 Pfg.

Marburg

Donnerstag, 23. August 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, UniversttLtS-Buchdruckerel 41. Jahrg«

Marburg, Markt 21. Telephon ob.

Neueste Telegramme.

Berlin, 21. Aug. Wie verlautet, werden hie nächsten Kaisermanöver zwischen dem 7. und jlO. Armeekorps stattfinden. Eine Mitwirkung her Flotte sei ins Auge gefaßt.

Berlin, 21. Aug. Wie derHann. Kontier" An zuverlässiger Stelle erfahren haben: will, soll der Landeshauptmann Georg Wilhelm Fichtenberg in Hannover als Nachfolger Pod- chielskis in Aussicht genommen sein. Lichten- Kerg ist der Sohn des früheren hannoverschen ^Kultusministers und späteren Präsidenten im Landeskonsistorium in Berlin. Er genießt den Ruf eines tüchtigen Verwaltungsbeamten.

Berlin, 21. Aug. Die unzutreffenden Nach­richten einer Zeitungskorrespondenz über eine streue Afrika-Denkmünze werden dahin berich­tigt, daß bekanntlich schon lange Erwägungen süber die Schaffung einer Medaille für die Süd- stvestafrika-Kämpfer schwebten. Allgemein in Aussicht genommen seien Spangen für die im Herero- und Hottentottenkrieg beteiligt Ee- stvesenen, außer Spangen für die Hauptgefechte Materberg, Omaheke, Karasberge usw.

Bilbao,. 21. Aug. Hier sind 600 Bergarbeiter litt den Ausstand getreten. Die Truppen der iGarnisonen Burgos und Mttorias wurden zu- fammengezogen, um die Ordnung im Aus- ftandsgebiete aufrecht zu erhalten. Der Aus­stand droht sich auf das ganze Erubengebiet auszudehnen. Die Reise des Königs nach Bil­bao wird infolge des Ausstandes voraussichtlich verschoben werden.

Rewyork, 21. Aug. DemNew-Pork Herald" wird aus Havanna gemeldet: Die Zahl der In­surgenten von Cuba beträgt mehr als 1000. gestern nachmittag fand bei Hoyo Colorado, 20 Meilen von Havanna, ein Gefecht statt, in wel­chem der die Landgendarmerie befehligende Leutnant getötet wurde. Auf beiden Seiten wurden viele Kämpfer verwundet.

Das Erdbeben in Chile.

r" Die Nachrichten aus Chile treffen nun reich- sicher ein und geben ein mehr oder weniger voll­ständiges Bild des Unglücks aus dem einzelne Züge selbstverständlich durch den Telegraphen schon bekannt geworden sind.

Das Erdbeben ist in einem Gebiet von nahezu zwei Graden aufgetreten. Es waren zwei deut­liche Störungen zu beobachten. Die erste Be­wegung hielt 314 Minuten an, die zweite dauerte 20 Sekunden. In Talca kamen acht Personen ums Leben, viele wurden verwundet. In Rengo Und San Fernando waren verschiedene Tote und viels Verwundete zu verzeichnen. Die Ortschaf­ten Ouillota, Melipila, San Antonio, Rancagua und Llaillai liegen in Trümmern. In Con-

63 (Nachdruck verboten.)^

Die Kette.

Roman von Hans Schulz«.

, _ (Fortsetzung.) "V

'Höre mich an, Georg!" so tönte es wie durch flutenden Nebel an sein Ohr.Ich will nichts verteidigen, nichts beschönigen, nur mein Gewissen will ich vor dir entlasten! Ich weiß, daß du mich verachten wirst, doch ich muß dir eine Beichte ablegen, ich muß es dir gestehen, daß ich es bin, durch die dies ganze Unglück ge­kommen ist!"

Sie hielt einen Augenblick erschöpft inne: das erregte, abgerissene Spreche strengte sie so an, daß sie fast den Atem verlor.

Als ich deinen Vater heiratete, Georg, da war ich noch ein ganz junges Ding, ein halbes Kind, das von dem Ernst des Lebens, das für mich mit der Ehe begann, kaum eine Ahnung hatte! Aber schon nach wenigen Monaten sollte ich es mit ganzer Schwere empfinden, wie über­eilt der Schritt gewesen war, den ich in einem Moment törichter Mädchenleidenschaft getan hatte! In dieser kurzen Zeit bereits waren wir beiden Gatten uns innerlich fremd geworden, klaffte zwischen uns ein Riß, der unüberbrückbar war! Ich will dir nicht wehe tun, Georg, indem ich den Mann anklage, dem du dein Leben ver­dankst! Auch sind fünfundzwanzig Jahre eine lange Zeit, die manches Bittere verwischt, manche Kränkung vergeffen läßt! Und doch muß ich dir sagen, Georg denn anders würdest du mich nie verstehen daß ich unter deinem Vater ge­litten, grenzenlos gelitten habe! Er kannte nur sich und immer sich, alles andere, auch ich, war ihm nur Mittel für seine selbstsüchtigen Zwecke! Wie hatte man mich gewarnt vor diesem glän­zenden Egoismus doch ich wollte ja auf nie­mand hören: mit sehenden Augen rannte ich in mein Verderben! Es war dein Vater, Georg, hoch Cott fall mir diese Sünde verzeihen, wenn

cepcion verspürte man einen heftigen Stoß, es kam aber niemand ums Leben. Das Dorf Cafa Bianca wurde dem Erdboden gleich gemacht. In San Felipe und Los Andes ist vollständiger Ce- schäftsstillstand eingetreten.

Santiago hat bedeutend gelitten. Zu den Übel mitgenommenen Gebäuden gehören: das Parlament, ine Stadthalle, die Normalschule, die Eerichtsgebäude, das Wohnhaus des Präsi­denten, der Zentral-Markt und die Polizeipra- fektur. Das Haupttelegraphenamt wurde so schwer beschädigt, daß die Beamten es räumen mußten. Die fürchterliche Erregung stieg noch , durch das plötzliche Versagen des elektrischen Lichtes, wodurch die ganze Stadt in Dunkelheit versetzt wurde, und durch einige Feuersbrünste, die jedoch durch die Feuerwehr sofort gelöscht wurden. In den Krankenhäusern und Gefäng­nissen spielten sich herzzerreißende Szenen ab. Die Gefangenen versuchten auszubrechen, und die Beamten sahen sich genötigt, Schüsse in die Luft abzugeben, um sie zurückzutreiben. Von den in Santiago Umgekommenen sind mehrere durch stürzende Mauern erschlagen worden. Der Stadt­rat ordnete eine Untersuchung aller Bauwerke an. Die Nordeisenbahn und die Linie nach Talca wurden schwer beschädigt, in der Zentral­zone ist der ganze Eisenbahnverkehr eingestellt worden. Ein Reisender, der am Abend des Un- glllckstages in einem Expretzzuge in Santiago eintraf, erzählte, daß in der Nähe von Las Vegas, in der Mitte zwischen Valparaiso und Santiago, der Zug heftig geschüttelt wurde und nahezu aus dem Geleise sprang. Der Zug hielt, und die von Furcht gepackten Reisenden verließen ihn. Der­selbe Reisende bestätigte die Zerstörung von Llaillai. Infolge der durch das Erdbeben ver­ursachten Flutwelle strandete bei Makapan Point der PassagierdampferMandschuria" von 13 639 Registertons, und liegt jetzt auf ebenem Kiel aus einem scharf hervorragenden Felsen. Man sieht die Passagiere sich auf dem Verdeck drängen. Es ist möglich, daß sie gelandet und nach Honolulu gebracht werden.

DemStandard" wird aus Valparaiso ge­meldet, die Gefahr sei offenbar vorüber. In Valparaiso schätzten die Behörden die Zahl der Getöteten auf etwa 500. Im ganzen haben noch 400 Erdstöße stattgefunden. Die Leiden der Obdachlosen sollen bei dem rauhen Winterwetter furchtbar sein. Die chilenische Flotte hat gute Dienste bei dem Nettungswerk geleistet und viele Verletzte an Bord genommen. Hungersnot ist zu befürchten, da die stehengebliebenen Warenhäu­ser große Mengen Mehl und Reis enthalten.

Berlin, 21. Aug. Zur Hilfeleistung für die durch das Erdbeben in Chile Geschädigten bildete sich hier ein Komitee, dem folgende Banken und Bankhäuser angehören: Bank für Handel und Industrie, Berliner Handelsgesellschaft, S. Bleichröder, Commerz- und Diskontobank, Deutsche Bank, Deutsche Ueberseeische Bank, Di­rektion der Diskontogesellschaft, Dresdner Bank, Mendelssohn u. Co., Mitteldeutsche Creditbank, ich es dir, seinem Kinde, sage, er schlug mich, wenn ich ihm kein Geld schaffen konnte und wollte!"

Mutter!"

Eine Woge von Mitleid überflutete ihn mit dem nie geahnten Duldertum dieser Frau, deren Leib er in der Erinnerung an die einstige Zeit des Leidens und der Schmach noch jetzt in seinen Armen erzittern fühlte.

Mit bebenden Fingern strich sie ihm be­ruhigend über den dunklen Scheitel.

Ich hab es vergessen, verwunden, Georg! Nur heute kommt all das wieder in mir in die Höhe, da ich endlich das bange Geheimnis mei­nes Lebens abwälzen darf! Drei Jahre hab ich das Dasein zusammen mit deinem Vater getra­gen da trat dein Stiefvater in mein Leben! Und vorn ersten Augenblick an wußte ich, daß ich ihm verfallen war, daß ich ihn lieben mutzte, lieben mit der Gewalt eines Verhängnisses! Er sah das Elend, in dem ich vegetierte, und er neigte sich in Mitleid und Liebe zu mir! Ver­gebens war alle Kraft, aller Stolz meiner Frauenehre, mit der ich mich gegen eine Leiden­schaft zur Wehr setzte, die ich als tiefste Versün­digung an meinem einmal gegebenen Worte empfand. Er brauchte in der Demütigung mei­nes grenzenlosen Jammers nur die Hand aus­zustrecken, und ich unterlag! So ging ich Mo­nate lang in einer Doppelexistenz der Lüge da­hin, daß ich oft daran dachte, i» Verzweiflung und Scham über mich selbst diesem Leben ein Ende zu machen; doch ich fand nicht den Mut zum Sterben, ich war ja noch so jung, ich fürch­tete mick) so vor dem Tode! Endlich trug ich es nicht länger! Eines Abends, als mein Gatte aus dem Kasino kam, erklärte ich ihm, daß ich dies Dasein nicht weiter führen könne, daß ich in aller Form von ihm geschieden zu werden ver­langte. Erst stand er auf diese Eröffnung bin völltg erstarrt, dann geriet er in eine tierische Wut! Er fiel über mich her wie ein Rasender! Und als er mich würgte und schlug, da trat dein Stiefvater, der bei uns unangemeldet aus- und

Nationalbank für Deutschland und A. Schaaff- hausenscher Bankverein; aus den Kreisen des Handels und der Industrie folgende Firmen: Aktiengesellschaft für Feld- und Kleinbahnbedarf vormals Orenstein u. Koppel, Allgemeine Elek- trizitäts-Eesellschaft, A. Borsig, Deutsch-Oester- reichische Mannesmannröhrenwerke, Deutsche Ueberseeische Elettrizitäts-Gesellschast, Arthur Koppel Aktiengesellschaft, Friedrich Krupp Ak­tiengesellschaft, Hardt u. Co., Siemens-Schuckert- Werke, sowie die Stettiner Maschinenbau-Aktien­gesellschaftVulkan". Außerdem trat dem Ko­mitee Herr Herm. G. Schmitt, Konsul für Chile, Lei. Der Aufruf in den Blättern wird morgen erfolgen.

Hamburg, 21. Aug. Unter Beteiligung bet Deutschen Bank und der Norddeutschen Bank tre­ten hiesige Chile-Firmen zu einer Hilfsaktion für Chile zusammen.

London, 21. Aug. Ueber Lima (Peru) wird gemeldet, daß Valparaiso in der vergangenen Nacht abermals von einem schweren Erdbeben heimgesuchr wurde. In Lima selbst wurden heute früh und in Huncho gestern Erderschütte­rungen verspürt.

Newyork, 21. Aug. Aus Valparaiso wird über Lima gemeldet, daß die chilenische Regie­rung beabsichtigt, vom Kongresse die Bewilligung von 100 Millionen Dollars zum Wiederaufbau von Valparaiso zu fordern. Unter den zerstör­ten Gebäuden befindet sich auch das deutsche Hospital.

Hamburg, 21. Aug. Der Kapitän des Paket­fahrtdampfersThuringia" meldet aus Valpa­raiso, daß das Schiff unversehrt sei. Die Erd­stöße dauern an, die Not ist sehr groß, er habe 300 Obdachlose ausgenommen.

Der Katholikentag in Essen.

Wie schon gestern aus Essen gemeldet wurde, wählte die erste geschlossene Versammlung der 53. Generalversammlung der Katholiken Deutsch­lands zum Ersten Vorsitzenden den Landgerichts­rat Reichstagsabgeordneten Gröber, zum ErslM Vizepräsidenten den Präsidenten des Westfäli­schen Bauernvereins Freiherrn von Twickel- Stovern und zum Zweiten Vizepräsidenten den Reichstagsabgeordneten Arbeitersekretär Gis­berts. Sodann wurde die Absendung zweier Huldigungstelegramme an den Kaiser und an den Papst beschlossen. An Kaiser Wilhelm wurde nachstehendes Telegramm gesandt:

Die 53. Generalversammlung der Katho­liken Deutschlands, zu welcher sich aus allen Gauen des großen deutschen Vaterlandes Sie Mitglieder im Mittelpunkte des rheinisch-west­fälischen Jndustriebezirkes» dem gewerbfleißi- gen Essen, zusammengefunden haben, bittet Euer Majestät den einmütigen Ausdruck ihrer vollkommenen Ergebenheit und unerschütter­lichen Treue entgegennehmen zu wollen. Aus­schließlich geleitet vom Geiste der Liebe und Gerechtigkeit, wird dis Generalversammlung

einging, zufällig ins Zimmer und ritz den Sinn­losen von mir! Das weitere kennst du, am an­deren Morgen brachten sie mir einen Sterben­den ins Haus. Sieh, Kind, so ist das alles ge­kommen! Und als ich dann, verdächtigt und be­schimpft, schutzlos durchs Leben trieb, da tat ich das zweite größere Unrecht an dir, Georg, daß ich zu dem Manne flüchtete, von dessen Kugel dein Vater gefallen war! Seit fünfundzwanzig Jahren trage ich an diesem Schritte der Ver­blendung! Nie bin ich seit jenem Augenblick meines Lebens recht froh geworden! Eine jahr­zehntelange Qual -unzähliger durchwachter und durchweinter Nächte, das war mein Weg feit dem Tage meiner zweiten Hochzeit! Der Tote nahm Rache an mir in taufend Stunden der Verzweiflung, in denen ich mich, ach, so ost an feine Stelle gewünscht habe! Nie hab ich einen anderen Gedanken gehabt, als wie ich mich einst vor dir verantworten solle wenn du von mir Rechenschaft fordern würdest!"

In heißem Weinen schlang sie plötzlich die Arme um seinen Hals und preßte ihre Stirn an seine Wange.

Sag mir nur das eine, Georg, daß du deine Mutter nicht verachtest, daß du mit verzeihen willst, um das, was ich um dich gelitten, wie ich dich über alles geliebt habe! Sieh meine Liebe an und mein Elend! Ich schäme mich ja so vor dir, Kind, daß ich sterben muß, wenn du mir nicht vergibst!"

In regloser Unbewegtheit starrte Georg mit vom Weinen verschwollenen Augen trostlos vor sich ins Leere.

Er fühlte, wie ihm mit jedem ihrer Worte mehr und mehr das Recht und die Kraft entglttt, anzuklagen, zu richten, daß sich ihm hier ein Martyrium entrollt hatte, das durch sich selbst schon das Verzeihen in sich trug.

Und plötzlich übermannte ihn die gewaltige Bewegung.

Er zog die Mutter zu sich herab und preßte feinen Mund auf ihre schmalen, vertrockneten Lippen. '

Sie sprachen kein Wort miteinander, und doch fühlte sie aus diesem Kusse, daß er ihr vergeben hatte, und sie wurde ruhig wie ein Kind, das sich leise in den Schlaf hinüberweint. ....

Dann richtete sich Georg schwerfällig in die Höhe und ließ sich neben der Mutter auf die Bank nieder.

So saßen sie lange, eng aneinander geschmiegt

Ein hellerer Schein lichtete sich bereits in den kleinen, scheibenlosen Fenstern, und eine laue, köstliche Frische, ein Duft von nassen Gräsern und Blättern wogte wie mit weichen Atemzügen durch die halboffene Tür herein.

Endlich stand die Mutter auf und schleppt« sich mühsam, die Kleider schwer vom Regen und starrend vor Schmutz, zur Hütte hinaus.

Georg folgte ihr nur langsam und zögernd.

Er fürchtete die zudringliche Neugier des Lichtes, in diesem Licht der Mutter ins Gesicht sehen zu müssen; das Unsichtbare, fast Körperlos« ihres Zusammenseins im Dunkel des kleinen Raumes hatte ihm unendlich wohlgetan.

Eine Hitzwelle lief ihm plötzlich durch di« Glieder; gleich einer schweren, erdrückenden Last legte sich die Erinnerung des furchtbaren Ge­ständnisses wie lähmend auf feine Brust.

Doch schon im nächsten Augenblick hatte er diese Regung der Schwäche wieder abgeschüttelt und führte die Mutter festen Schrittes durch di« taufeuchte Wiese zum Ankerplatz des Bootes hinab.

In schwarzen Massen hob sich der Waldkranz der Ufer aus der weißlich schimmernden Hüll« des grauenden Tages. '*

Von Dombrowo klang zuweilen verworrener Lärm herüber.

Ueber dem See lag ein fahles Nebellicht.

Der Mond war in leise Dämmerschleier nie­dergegangen ; nut der Widerschein eines Sternes schwamm hie und da noch mattschimmernd auf den Wassern,--1

(Schlußfolgt.),

im Sinne und nach dem Vorbilde Euer Ma« jestät der Versöhnung der konfessionellen und sozialen Gegensätze zu dienen bestrebt sein zu« Heile des geliebten deutschen Vaterlandes."

An den Kardinal Merry del Val wurde fol­gendes Telegramm gesandt:Die 53. General­versammlung der Katholiken Deutschlands, atf der sich in Essen, der berühmtesten Fabrikstadl Deutschlands, Tausende treu ergebener Söhn« der heiligen katholischen Kirche, namentlich aus dem arbeitenden Stande, gufammengefunben haben, legt dem Heiligen Vater die Gefühle bet finblidjen Liebe und den ehrfurchtsvollsten Ge­horsam untertänig?! zu Füßen und bittet als Un­terpfand der väterlichen Zuneigung seiner Heilig­keit und zur Erlangung der göttlichen Hilf« untertänig^ um den apostolischen Segen!" Nach Verlesung der Telegramme wurden zum Ehrenpräsidenten der diesjährigen Generalver­sammlung auf Vorschlag des Präsidenten ge­wählt: Prälat D. Hülskamp aus Münster und Fabrikant M. Wiese aus Verden.

Ueber die sog. .römische Frage" berichtet« der Abg. Porsch. Er wies darauf hin, daß zu dem Peterspfennig aus Frankreich gegenwärtig nur wenig Beiträge flössen. Die deutschen Ka­tholiken hätten deshalb die Pflicht, umso eif­riger dafür zu sammeln. Der dann angenom­mene Antrag lautet:Die Versammlung sen­det, wie alle ihre Vorgängerinnen, dem heiligen Vater in Rom, Papst Pius X., den Ausdruck ihrer innigsten Verehrung und kindliche» Treue. Die deutschen Katholiken müssen mit den Katholiken der ganzen Welt nach wie vor den Anspruch aufrecht erhalten, daß ihr höchstes kirchliches Oberhaupt, der Papst, eine volle und wirkliche Unabhängigkeit und Freiheit genieße welche die unerläßliche Vorbedingung für di« Freiheit und Unabhängigkeit der katholische» Kirche ist, und können diese Freiheit und Unab­hängigkeit erst dann als verbürgt ansehen, wenn ein Zustand hergestellt sein wird, dem auch der Papst selbst seine Zustimmung hat geben können. Inzwischen werden sie fort­fahren, den Bedürfnissen des heiligen Stuhles ihre volle Teilnahme zuzuwenden. Angesichts der sich mehrenden Schwierigkeit der finanziel­len Lage des heiligen Stuhles bittet die Gene­ralversammlung alle deutschen Katholiken um nachhaltige und reichliche Unterstützung des Peterspfeunigs, damit der heilige Vater in der Lage ist, den Bedürfniyen in möglichster Un­abhängigkeit und in vollem Umfange gerecht werben zu können."

Später wurde die Antwort des Kaisers auf das abgesandte Huldigungstelegramm verlesen, die folgendermaßen lautet:

Schloß Wilhelmshöhe. Ich habe de» freundlichen Gruß der dort versammelte» deutschen Katholiken gern entgegengenommeu