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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

SormtaasbeUaaer Alkrktrtrtes Sormtaasblatt.

JK 193

Bierteljäbrlicher Bezugspreis: btt bet ErpÄ>itioa 2 ML, bet allen PostLmlem 2,25 M. (eyL Bestellgeld).

Znserttonsgebühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Pfg, Reelamen: die Zelle 25 Pfg.

Marburg

Sonnta«, 19. August 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck mtb Verlag' Ioh. Aug. Koch, UmverfitLtS-BuchdruckerÄ

Marburg, Markt 2L Telephon 55.

41. Jahrg.

Erstes Blatt

Neuregelung des Apothekenwesens. ! Heber die Einleitung von Arbeiten zur Neu­regelung des Apothekenwesens werden gegen­wärtig in der Presse recht verschiedene Mittei­lungen verbreitet. Es ist deshalb gerade jetzt von Interesse über die Stellung der Interessen­ten zu der Frage etwas Authentisches zu erfah­ren. In dem soeben veröffentlichten Bericht des Deutschen Apothekervereins über das letzte Ee- »chäfttzjahr heißt es: Die vorigjährige Hauptver­sammlung hat denn mit großer Mehrheit den nachstehenden Antrag des Vorstandes angenom­men:Der Deutsche Apotheker-Verein erstrebt buch heute noch eine allgemeine reichsgesetzliche Regelung der pharmazeutisch-gewerblichen Ver­hältnisse, wie sie in den Leitsätzen niedergelegt ist, welche von der Hauptversammlung des Ver­eins 1900 in Stuttgart nahezu einstimmig an­genommen wurden. Die Beschlüsse, welche der Vorstand des Deutschen Apotheker-Vereins im Oktober 1906 gefaßt und veröffentlicht hat im Hinblick auf neue Pläne der preußschen Regie­rung, die damals bekannt geworden waren, und in denen erstmals eine staatliche finanzielle Hilfe für die Durchführung der Reform des pharmazeutischen Eewerbewesens in Aussicht ge­kommen war, ändern an den grundlegenden Leitsätzen der Stuttgarter Versammlung nichts. Da die im Laufe des letzten Jahres im preußi­schen Landtage sowohl wie im Reichstage auf dahinzielende Fragen erteilten Antworten er- ,kennen lasten, daß die deutschen Bundesregie­rungen einer gesetzlichen Regelung, des Apothe­kergewerbewesens noch ebenso unentschieden gegeniiberstehen wie vor fünf Jahren, so beauftragt die heutige Hauptversammlung den Vorstand erneut bei dem Herrn Reichskanzler und dem Reichstage vor­stellig zu werden, daß baldigst eine Reform im Sinne unserer Vorschläge in Angriff genom­men werde,' denn es wird zweifellos der Kredit des Apothekerstandes und auch seine gesamte Fortentwickelung durch die nun schon seit vielen Jahren andauernde Ungewißheit hinsichtlich der Frage, in welcher Weise und wann eine ander­weitige gesetzliche Regelung der -Besitzverhält- nisse des Apothekerstandes erfolgen wird, un­günstig beeinflußt werden müsten. In Ausfüh­rung des vom Vorstande gegebenen Auftrages wurden unterm 28. Dezember v. Js. gleichlau­tende Eingaben an den Bundesrat und an den Reichstag gerichtet. In der Petitionskommission des Reichstages kam die Eingabe des Vorstan­des am 7. März d. Js. zur Verhandlung. Rach dem amtlichen Berichte war die Kommission ein­stimmig der Ansicht, daß sie sich die Vorschläge des Deutschen Apotheker-Vereins nicht zu eigen machen könne, wenn auch eine Neuregelung des Apothekerwesens wünschenswert sei. Die Kom­mission beschloß mittels schriftlichen Berichtes zu

50 (Nachdruck verboten.);

Die Kette.

Roman von Hans Schulze. » * ~ (Fortsetzung.)

Gesenkten Hauptes lehnte der Graf dem Stiefsohn gegenüber; er wagte es unter der Wucht der Anklagen, die ihm dieser entgegen­schleuderte, nicht, ihm ins Gesicht zu blicken.

Minutenlang hörte man in dem weiten Raum nichts weiter als den schweren, keuchen­den Atem der aufs äußerste erregten Männer.

Endlich richtete sich der Graf, sich gewaltsam einen Impuls gebend, straff in die Höhe.

Ich nehme deine Forderung an, Georg," sagte er in ernstem, feierlichem Ton,wiewohl es Wahnsinn ist, was du verlangst! Vater und Sohn! Denn du bist auch mein Sohn durch die jahrzehntelange Sorge und Liebe, mit der ich dich gehütet und geleitet habe!"

Sein ruhiger Blick tauchte tief in die flackernden Äugen des jungen Mannes.

Etwas von dem Respekt der Kinderjahre kam in Georgs Seele empor, doch schon im näch­sten Moment schüttelte er diese Regung der Zagheit, die ihm gleichsam .eine Versündigung dünkte an dem vorgesetzt, i^Rachewerke, in einem neuen Anfall atemro-"^"der Wut von sich ab. »uv-" ,

Ich will dein Sohn nicht sein?" schrie er wie sinnlos auf. Jedes freundliche Wort, jede gut Tat. die du an mir getan hast, sie brennen mir in der Seele! Ich will dir nichts zu dan­ken haben, ich ersticke an deiner Liebe, ich haste dich, ich--"

Er riß in seiner grenzenlosen Erregung den Revolver wieder heraus und richtete die Mün­dung, gegen die Brust des Stiefvaters.

Ein blendender Blitz erfüllte in diesem Augenblick den ganzen Saal mit feuriger Helle; hochaufLerichtet, mit totblasten Gesichtern ftan­

beantragen,der Reichstag wolle beschließen, die Petiton II Nr. 850 des Deutschen Apotheker- Vereins wegen Regelung des Äpothekerwesens dem Herrn Reichskanzler als Material zu über­weisen". Ob man im Plenum des Reichstages, das sich mit der Angelegenheit noch nicht befaßt hat, eine andere Stellung einnehmen wird, muß dahingestellt bleiben. Auf die Eingabe an den Bundesrat ist eine Aeußerung nicht erfolgt, wie denn überhaupt während des Berichtsjahres weder aus dem Reiche noch aus Preußen etwas Sicheres bekannt geworden ist, was auf den ern­sten Versuch einer Lösung der Eewerbefrage schließen ließe. Dem Vernehmen nach haben allerdings zwischen den Regierungen des Reiches und Preußens Verhandlungen stattgefunden, die eine Annahme der Altboffschen Erundzüge für eine reichsgesetzliche Regelung des Aootheker- wesens als Ergebnis gehabt haben sollen.

Umschau.

Zur Stellung der Privatdozenten an den deutschen Hochschulen.

Aus akademischen Kreisen erhält dieKöln. Ztg." folgende beachtenswerte Zuschrift: Vor kurzem erschien die Lebensbeschreibung eines un­serer tüchtigsten Gelehrten, der, noch in kräftig­stem Mannesalter stehend, vor etwa Jahresfrist gestorben ist. Das Buch gibt ein greifbares Bild des arbeitsamen, hochsinnig denkenden Mannes; aber sie zeigt gleichzeitig, mit was für außer­ordentlichen Schwierigkeiten er zu kämpfen hatte. Der Gelehrte hatte eine harte Lebens­schule durchgemacht, als er endlich schon in den Vierzigern stehend einen Ruf als Hochschul­lehrer und damit eine Lebensstellung erhielt. Bis dahin hatte er teilweise unter den dürftig­sten Verhältnissen gelebt, war verschiedentlich genötigt gewesen, in kaufmännischen und ge­schäftlichen Unternehmungen Anstellung zu suchen; er war nahe daran, seinen Beruf zu wechseln und nur glücklichen Umständen war es zu verdanken, daß er schließlich in die akademische Laufbahn zurückkehren konnte, wo er dann Her­vorragendes leistete.

Die Verhältniste, die in diesem Lebensbilde zutage treten, sind keine seltene Erscheinung im deutschen akademischen Leben, sie wiederholen sich fast überall. Rur ganz wenigen Privatdozenten ist es beschieden, nach einigen Jahren eine staat­liche Anstellung als Hochschullehrer zu erhalten, die meisten werden erst im Anfang der Vierziger eingereiht; eine große Anzahl erhält während der ganzen Lebenszeit überhaupt keine Anstellung und bleibt somit ständig ohne nennenswertes Einkommen. Im Gegensatz zu den schlechten Aussichten des akademischen Berufes sind die Anforderungen, die gestellt werden, sehr hoch. Sie sind naturgemäß weit größer als diejenigen, die man an die gleichalterigen Berufsgenosten den sich die beiden Männer in der fahlgelben Beleuchtung reglos gegenüber.

Dann sank Georgs erhobene Rechte unter einem Schlage der eisernen Faust des Barons von Knauff wie gelähmt herab.

Der Revolver flog klirrend auf das Parkett.

Zugleich umspannten die riesig starken Arme des alten Mannes den Wütenden und drückten ihn wie ein schwaches Kind mit unwidersteh­licher Kraft in einen Sestel.

Pfui über dich, auf einen Wehrlosen schie­ßen zu wollen!" klang die Värenstimme des Gutsherrn von Raulehnen, und seine dunklen Augen sprühten in drohendem Zorn unter den buschigen Brauen.Wenn du meinst, daß du mit deinem Stiefvater ohne Blutvergießen nicht auseinanderkommst, meinetwegen! Aber dann ehrlich und mit gleichen Chancen nach der Form und Sitte unseres Standes!"

Ein entsetzlicher Donner, als ob die Fels­riesen des Nordens aufeinander stürzten, um die Erde aus ihren Angeln zu heben, verschlang seine letzten Worte; der ganze Himmel schien für Augenblicke in Flammen zu stehen.

Zugleich klang mit schrillendem Gellen ein stürmendes Läuten durch das Pfeifen des Windes und den Wahnsinn des wüsten Getöses.

Es hat eingeschlagen!" sagte der Graf, sich zusammenraffend.Komm, Onkel Knauff, wir müsten zum Hof hinab! Bei diesem Sturm steht ganz Dombrowo in Gefahr abzubrennen!"

Dich, Georg," schloß er, sich dem Stiefsohn zuwendend,erwarte ich um sechs Uhr auf der Insel! Dort können wir ausmachen, was wir auszumachen haben? Onkel Knauff soll unser beider Sekundant sein!"

Damit stürmte er, von dem Baron gefolgt, aus dem Speisesaal ins Treppenhaus hinaus.

18. Kapitel.

Die Aufeinanderfolge der Ereignisse war eine so überstürzte gewesen, daß Georg für

stellt; denn wer lehren will, muß über ein grö­ßeres Wissen und Können verfügen als der Durchschnittsmensch in seinem Beruf. Es wird also von den jungen Akademikern eine sorgfäl­tige, meist langjährige Vorbereitung verlangt, ehe man ihn zur Habilitation zuläßt. Der junge Dozent aber ist schon mit Rücksicht auf den außer­ordentlichen Mitbewerb zu angestrengtester Ar­beit gezwungen. Für diese Leistungen und Opfer bietet ihm sein Beruf nicht einmal die Sicherheit der bescheidensten Zukunft als Gegen­leistung. Die Unsicherheit der Zukunft verhindert die Schaffensfreudigkeit, die Geringfügigkeit der Einkommensverhältnisse zwingt den jüngern Hochschullehrer oft genug, den Beruf zu ändern oder durch andere, mit seinem Beruf oft nur in losem Zusammenhang stehende Tätigkeit sich ein meist sehr kümmerliches Einkommen zu verschaffen. Dadurch leidet die wichtigste und edelste Tätigkeit des akademischen Lehrers: die zu forschen und zu lehren. Nur solche Privat­dozenten, die ein bedeutendes Vermögen besitzen, können der Möglichkeit, zeitlebens kein nennens­wertes Einkommen zu erhalten, mit Ruhe ins Auge sehen; auf den andern, der Mehrzahl, lastet schwer die Unsicherheit der Zukunft.

Solche Zustände sind ungesund und bedürfen der Aenderung. Es liegt durchaus im nationa­len Interesse, daß auch der jüngere Hochschul­lehrer Freude und Liebe zu seinem Beruf hat, daß er mit Ruhe sich seinen wissenschaftlichen Arbeiten hingeben kann, denn nur dann wird er etwas Ganzes schaffen. Die Gesamtheit hat ein großes Interesse daran, den wissenschaftlich For­schenden zu unterstützen, denn dem Fortschritt der Wissenschaft verdanken wir die Erfolge unserer Gesittung und Technik, die günstige Lage unserer Industrie und zum großen Teil unfern National­wohlstand. Die Universitätsverhältnisse in Norwegen, die jüngst in Nr. 669 derKölnischen Zeitung" geschildert worden sind, sind weit ge­sunder als bei uns in Deutschland. An der Uni­versität Christiania sind alle Lehrkräfte: ordent­liche, außerordentliche Professoren und Dozen­ten fest angestellte Staatsbeamte. Die Dozenten beziehen ein Jahresgehalt von wenigstens 2000 Kr. oder 2300 M, also so viel, daß ein einzelner davon leben kann; für den älteren, verheirateten Privatdozenten ist dies Gehalt wenigstens eine sichere Grundlage für seine Lebensführung. Auch in den Vereinigten Staaten liegen die Verhält­nisse weit günstiger als bei uns. Nicht nur ist die Beförderung dort eine wesent­lich schnellere als bei uns, sondern die jüngeren Dozenten werden auch dort durch die großen Stiftungen, so namentlich die Carnegie- Stiftung, in sehr freigebiger Weise unterstützt. Wir sind in Deutschland nicht reich genug, um Stiftungen für unsere Hochschulen in der Größe wie in Amerika ins Leben rufen zu können, aber

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kurze Augenblicke fast die Besinnung verlor und erst einer gewissen Sammlung bedurfte, ehe er sich wieder zu einem ruhigen Denken zu zwin­gen vermochte.

Also morgen um sechs Uhr sollte es zu einer Entscheidung kommen.

Langsam, wie man sich beim Erwachen wilde Träume ins Gedächtnis zurückruft, ging er die Auseinandersetzungen mit Vater und Mutter noch einmal reflektierend durch.

Der heiße Rachedurst, der vor wenigen Mi­nuten noch in fieberhafter Glut sein Blut durch­pulst, war auf einmal wieder wie ausgelöscht; nur das Gebot der Pflicht erhob sich jetzt kalt und unabwendbar vor ihm, und zugleich durch­drang ihn das befreiende Bewußtsein, daß nun endlich die lang ersehnte Klarheit geschaffen worden, daß alles Heucheln und Sichselbst- belügen vorüber war, daß die ganze Haltlosig­keit, an der sein innerer Mensch in der letzten Zeit gekrankt, ihren Abschluß gefunden hatte.

Georg trat auf die Gartenterrasse und schaute in das stürmende Ringen der Elemente hinaus.

Ueber den dunklen Himmel zogen die Wol­ken in sausendem Fluge, grauschwarz, sich wie riesige Ungetüme durcheinander wälzend, die zu verderblicher Vernichtung über die Gefilde und Wohnungen der Menschen dahinstürmen.

Der Regen peitschte ihm ins Gesicht, der Wind wühlte wild in seinen Haaren.

Vom Wirtschaftshose klangen verworrenes Geschrei, Wagenrasteln, dumpfe Kommando­rufe.

Doch er achtete all dessen nicht, eine große Gleichgültigkeit war über ihn gekommen gegen alles, was geschehen war und noch geschehen würde.

Er wäre dankbar gewesen, wenn ihm in diesem Augenblicke einer der Blitze, die sich zu­weilen wie feurige Schlangen zwischen den schwarzen Stämmen des Parkes hindurchwan-

mctn darf wohl annehmen, daß das, was in No« wegen möglich ist, auch bei uns nicht unmöglich sein kann: die Privatdozenten zu staatlichen B« amten zu machen und ihnen auf diese Weise zu ermöglichen, ohne beständige Sorge um die Zu­kunft, sich mit ganzer Kraft ihrer Wissenschaft zu widmen.

Arbeiterwohnungen.

Don den größeren gewerblichen und indu­striellen Unternehmungen ist in den Jahren sehr viel für die Verbesserung der Wohnungsverhält- niste der Arbeiter geschehen; jedoch ist die Art und Weise, wie die einzelnen Unternehmungen hier vorgehen, recht verschiedenartig. Vielfach bauen die großen Firmen Arbeiterwohnhäuser für eigene Rechnung und vermieten dann die Wohnungen zu billigen Preisen an die Arbeiter. Dieses System hat vieles für sich, denn einmal können dabei die Wohnungen am besten unter Berücksichtigung der neuesten Erfahrungen auf sozialpolitischem und hygienischem Gebiet erbaut werden, und anderseits erlangt die Firma als Vermieterin noch einen gewisten, über die toten Paragraphen des Arbeitskontraktes hinaus- gehenden Einfluß auf die Arbeiterschaft. Ge­rade dieser letztere Punft erweckt aber bei den Arbeitern selbst vielfach Widersprüche und An­feindung, weshalb andere Unternehmungen dazu übergegangen sind, ihren Arbeitern selber den Bau von Wohnhäusern zu übertragen und sich darauf zu beschränken, ihnen entweder nur den Baugrund zu billigem Preise abzugeben oder ihnen auch noch durch Belehnung, teilweise bis zu 80 Prozent des Schätzungswertes, den Bau von eigenen Wohnhäusern zu erleichtern. Diese Art der Beschaffung von Arbeiterwohn­häusern kommt dem in jedem Menschen schlum­mernden Wunsch nach einem kleinen Eigentum weit zu Hilfe und ist vom volkspsychologischen Standpunkt aus durchaus zu befürworten; an­derseits aber kann sie für die unterstützenden Firmen auch erhebliche Nachteile haben. Ein Unternehmen, daß sein gutes Geld hingibt, um seinen Arbeitern den Bau von Wohnhäusern zu erleichtern, tut das doch vor allem nur unter der Voraussetzung, daß lediglich seine Arbeiter da­von Vorteil haben; ist das Haus aber einmal Eigentum des Arbeiters, so bleibt es dies auch, falls derselbe später die Arbeit in dem betref­fenden Unternehmen aufgibt. Wenn dennoch jetzt eine große Zahl von Betrieben den Wün­schen der Arbeiterschaft entgegenkommt und ihnen den Bau von eigenen Wohnhäusern er­leichtert, so ist das wiederum ein Zeichen für die hohe arbeiterfreundliche Gesinnung, die das so viel und so oft zu Unrecht geschmähte deutsch! Unternehmertum beseelt.

Deutsche Kolonien.

Südwestafrika. Vor einiger Zeit wurde be­richtet, daß die deutsche Regierung die Unter­haltungskosten für die von Deutsch-Südwestafrika

den, sein schmerzendes Haupt zerschmettert hätte.

Was war ihm denn noch das Leben?

Mit der Pistole in der Hand sollte er am andern Morgen dem Manne gegenübertreten, den er ein Vierteljahrhundert lang als seinen Vater betrachtet hatte. ;

Und die Mutter?

Ihr raubte er vielleicht den Gatten und der Schwester den Vater!

Wie ein dunkler Fittig senkte sich dieser Ge­danke auf einmal über seine Seele.

Unmöglich erschien ihm plötzlich, was er ,sich vorgesetzt; in den krastesten Farben zeigte ihm sein hochentwickelter Familiensinn die ganze Entsetzlichkeit seines Entschlusses. i

Ein schwerer Kampf wogte in seinem In­nern; Liebe und Pflichtgefühl lagen in einem erbitterten Streit; sobald sich das Zünglein der Wage einer versöhnlicheren Auffassung zu­neigte, erhob sich immer wieder die Gestalt des Vaters anklagend vor seinem geistigen Auge,' und die Schale der Liebe schnellte jäh in die Höhe. i

Er mußte das beschimpfte Andenken des Va-. ters sühnen, seiner Sohnespflicht bis zum äußersten genügen, wenn er auch selbst darüber zugrunde ging.---"

Georg fuhr herum und wandte sich in Haus zurück.

Nur notdürftig bekleidet, im Unterrock und Frisiermantel, eilte die Schwester im Speise­saal auf ihn zu und klammerte sich in verzwei­felter Furcht an seinen Arm.

Die große Eetreidescheune brennt, Georg! Wo sind die Eltern? Ich hab' sie überall ver­geblich gesucht!" v ?

Die Eltern?

Auf einmal fand er sich wieder ganz auf dem Baden der realen Wirklichkeit.

lFortsetzung folgt.) 4