mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und KirchÜaiu.
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Marburg
Sonnabend, 18. August 1906
$ Zweites Blatt, r ■■ — -1
; Die panamerikanische Konferenz.
7‘ Die panamerikanische Konferenz trägt insofern ihren Namen mit Unrecht, als nicht weniger als viele alte und angesehene in Amerika angesessene Mächte, unter ihnen die nächst den Vereinigten Staaten wirtschaftlich bedeutsamste Macht, die in dem Zivilisationsprozeß des Landes nach Alter und Leistung eine der ersten Stellen beanspruchen darf, in Rio de Janeiro nicht vertreten sind, an den Verhandlungen, die doch auch ihre Interessen teilweise recht nahe berühren, nicht teilnehmen. Der Kongreß ist ausschließlich für die amerikanischen Staatswesen bestimmt, ganz gleich, welche Bedeutung in politischer oder wirtschaftlicher Hinsicht ihnen zukommt; die Kolonien Englands, Frankreichs, Dänemarks und Hollands haben in ihm weder Sitz noch Stimme. Immerhin repräsentieren die von dem Internationalen Bureau der amerikanischen Republik berufenen Delegierten eine Bevölkerung von 140 Millionen, und sie werden, wie bekannt, nicht rein spezifisch amerikanische Fragen erörtern, sondern vor allen Dingen sich auch mit den Beziehungen der amerikanischen Republik zu den europäischen Staaten und zu der gesamten übrigen Welt beschäftigen.
Eine ähnliche Stellung und Aufgabe konnten bereits die Leiden früheren Kongresse, in Washington und Mexiko, für sich in Anspruch nehmen. Was aber der gegenwärtigen Tagung einen besonderen Anstrich politischer Bedeutung verleiht oder wenigstens verleihen soll, ist die Anwesenheit des offiziellen Vertreters der Vereinigten Staaten, des Staatssekretärs Eliyu Root, der sich an Bord eines der neuesten Kriegsschiffe der Union nach Rio begeben hat. Der nichtamerikanischen Welt wird dadurch die Willcnsmeinung bekundet, daß sie den Verhandlungen in Rio ein höheres Ansehen beimessen möge, als es sonst wohl der Fall wäre. Und es läßt sich wohl kaum bestreiten, daß die Verhandlungen in Rio, die mehr oder weniger als quantitd nössti «-audio behandelt worden wären, wenn sie sich lediglich zwischen den Delegierten der Mittel- und Kleinstaaaten abgespielt hätten, durch die offizielle Beteiligung der amerikanischen Vormacht für Eesamt-Europa sehr wesentlich an Interesse und Wert gewonnen haben. Andererseits sichert sich die amerikanische Regierung durch die Entsendung eines Beamten von dein Range Roots einen gewissen, nicht zu unterschätzenden Einfluß auf die Verhandlungen und Beschlüsse der Konferenz. In Washington, der politischen Hauptstadt der Vereinigten Staaten, in Mexiko, der Hauptstadt des Landes, das die amerikanische Invasion immer stärker überflutet, ergab sich eine derartig beherrschende und führende Stellung für die Union von selbst. Anders in Rio de Janeiro, das wegen seiner erheblich größeren Entfernung der unmittelbaren Einwirkung des Nordens entzogen ist. Hier blieb nur die Wahl, Gefahr zu laufen, daß über den Kopf der Union hinweg Beschlüsse gefaßt würden, oder für eine angemessene Vertretung zu sorgen. Endlich hat Root den Auftrag, durch seinen Besuch in Rio und durch eine sich anschließende Rundreise durch die wichtigeren süd-
Heer und Flotte.
V Die Frage der Geheimhaltung militärischer Dinge in Kriegszeiten hat dieser Tage das englische Oberhaus beschäftigt. Allgemein überrascht und zu bewundernder Anerkennung genötigt hat das im ostasiatischen Krieg von Japan angewandte System des militärischen Nachrichtenwesens. Nur ganz wenigen und nur völlig zuverlässigen Berichterstattern war es erlaubt, die Truppen bis in die Frontstellungen zu begleiten und sich in der Nähe des jeweiligen Hauptguartiers des Oberkommandos aufzuhalten. So gelang es, gerade nur das an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen, was für sie bestimmt war, alles andere aber der Besprechung in der Tagespresse und der mißbräuchlichen oder schädlichen Ausnutzung im Wege der Spionage zu entziehen. Tatsächlich ist es wiederholt vorgekommen, ' daß nicht nur die ausländischen Blätter, die mit enormen Kosten „Kriegs"-Be- richterstatter nach Ostasien entsandt hatten, sondern auch die Organe der japanischen Presse tage- und wochenlang ohne zuverlässige Nachrichten über die Bewegungen der japanischen Heere und die Pläne der Heeresleitung gewesen sind. Um so besser war man freilich an zuständiger Stelle über die Operationen und Absichten des Gegners unterrichtet.
Diesen Sachverhalt hat ein Mitglied des Oberhauses, Lord Ellenborough, zum Gegenstand einer Anfrage gemacht, indem er darauf hinwies, daß in einer von dem Ausschuß für vte Reichsverteidigung und einem Unterausschuß der Vressevereiniauna am 21. Juni d. Fs. abae-
amerikanischen Staaten eine gewisse Voreingenommenheit zu beseitigen, die angesichts der wachsenden wirtschaftlichen Macht der Vereinigten Staaten und ihrer imperialistischen Politik im Süden Platz gegriffen hat. Das Vertrauen in die uneigennützige und selblose Freundschaft der Vereinigten Staaten bei den Südstaaten wieder zu befestigen und gleichzeitig den Widerstand, der sich den amerikanischen Vorherrschaftsbestrebungen entgegenstellt, nach Möglichkeit zu beseitigen, das ist die doppelte und doppelt schwierige Mission, die Herr Root übernommen hat.
Die Verhandlungen des Kongresses sollten, so war mit Rücksicht auf den ursprünglich für den Herbst dieses Jahres erwarteten Zusammentritt der Zweiten Haager Konferenz vereinbart, spätestens am 1. September dieses Jahres beendet sein. Nachdem jedoch die Haager Konferenz zunächst auf das Frühjahr 1907 vertagt rst, bleibt die Möglichkeit offen, daß auch der September die Delegierten der amerikanischen Staaten in Rio noch beisammen findet. Nur in Rücksicht auf die vorerwähnten Reisepläne des Staatssekretärs Root läßt sich erwarten, daß an dem 1. September als Endtermin für die Beratungen festgehalten wird. Das Programm, dessen Aufarbeitung übrigens durch eine Beschränkung der Redezeit sichergestellt werden kann, ist in seinen Einzelheiten bereits bekannt. Neue Fragen dürfen nur zur Verhandlung gestellt werden, wenn eine Zweidrittel-Mehrheit — jeder Staat, gleichviel welcher Größe, verfügt über 1 Stimme — so beschließt.
1'MschüL.
Englisches und deutsches Wahlrecht.
Wir haben schon sehr oft bei verschiedenen Gelegenheiten darauf hingewiesen, daß England namentlich in politischer Hinsicht nicht das Land der Freiheit, als das es von demokratischer Seite immer geschildert zu werden pflegt, um gegen die innere deutsche Politik zu Hetzen und die Zustände in Deutschland herabzusetzen. Dies zeigt auch der folgende Artikel des „Schw. M.", in dem es heißt:
„England soll, wie die Sozialdemokratie mit Vorliebe behauptet, das Mustsrland parlamentarischer Einrichtungen sein und, was die den Staatsbürgern gewährte politische Freiheit betrifft, turmhoch über Deutschland stehen. Vor einem unbefangenen Vergleich hält diese Behauptung nicht stand. Da ergibt sich für das Deutsche Reich die überraschende Tatsache, daß hier jeder Arbeiter, der das 25. Lebensjahr überschritten hat, bei den Wahlen zum Reichstag das gleiche Wahl- und Stimmrecht hat, wie der höchste Beamte des Reiches, der deutsche Reichskanzler, wie der reichste Industrielle, wie der größte Grundbesitzer. Hier kann jeder, der zum Reichstag wählt, von der genannten Altersstufe an, sobald er nur ein volles Jahr einem Bundesstaat als Bürger angehört hat, auch zum Reichstagsabgeordneten gewählt werden, ganz gleich, ob er hoch oder nicht hoch steht, ob er viel oder wenig oder gar nichts besitzt. Wir meinen, eine größere politische Gleichberechtigung aller Glieder des Deutschen Reiches untereinander sei nicht denkbar. Das Wahlrecht wenigstens ist hier so gut wie an keine Beoin- gung gebunden. Im „freien England" liegt die
haltenen gemeinsamen Sitzung eine Resolution zur Annahme gelangt ist, in.der einstimmig uei Erlaß gesetzlicher Bestimmungen über die Frage des militärischen Geheimnisses als notwendig bezeichnet wurde. Gewiß seien, so führte Lord Ellenborough in der Begründung seiner Anfrage aus, dis Vorteile und Gewinne der Tageszeitungen größer, wenn in Krisgszeiten einschränkende Bestimmungen bezw. Verbote der gedachten Art nicht vorhanden wären. Andererseits aber stehen sehr viel höhere Interessen in Frage, die Rücksichten auf das Allgemeinwohl und die Sicherheit des Landes. In seiner Antwort gab Lord Tweedmouth, als Vertreter der Regierung von vorn herein zu, daß die Angelegenheit ernste Beachtung verdiene, konnte sich aber der Befürchtung nicht verschließen, daß es unter keinen Umständen möglich sein würde, in ähnlicher Weise auf einem europäischen Kriegsschauplatz die Geheimhaltung militärischer Vorgänge sicherzustellen, wie dies den Japanern gelungen ist. Gleichwohl bringe die englische-Regierung dem Gegenstand der Anfrage das größte Interesse entgegen; es werde aber nicht leicht fein, eine Lösung zu finden, die die Interessen des Landes und die der Presse gleichzeitig in befriedigender Weise berücksichtigt.
Auch eine frühere Erklärung des Premierministers Campbell-Bannerman berechtigt zu der Annahme, daß die Frage des Verrats militärischer Geheimnisse durch die Presse in England auf gesetzlichem Wege geregelt werden wird. Nach dieser Erklärung sind Verhandlungen zwischen der Regierung und den genannten Körperschaften im Gange, aber frübestens
Sache dagegen ganz anders. Hier ist das Wahlrecht zum Unterhaus in irgend einer Form an den Grundbesitz geknüpft, und das ist sogar so weit ausgedehnt, daß der Grundbesitzer, der Grundeigentum in mehreren Wahlbezirken besitzt, in jedem dieser Wahlbezirke das Wahlrecht ausübt. In Deutschland hat aber niemand, auch nicht der reichste Großgrundbesitzer, mehr als als eine einzige Stimme bei der Reichstagswahl. Er hat nicht mehr Anteil an der Reichstagswahl und damit an der Reichstagsgesetzgebung, wie sein unterster Diener oder Tagelöhner. In England müssen Leute, die kein Grundeigentum besitzen, mindestens 200 Mk. jährlich Miete für ihre Wohnung oder Pacht oder Rente für ihr Gewerbe als Ausgabe Nachweisen, dazu als Mieter auch mindestens 12 volle Monats hintereinander ihre Wohnung inne haben, wenn sie das Wahlrecht zum Parlament ausüben wollen. Schon daraus ergibt sich ein tiefgreifender Unterschied des englischen gegen das deutsche Wahlrecht. So zählte England im Jahre 1901 unter seinen 11,9 Millionen männlichen Bewohnern über 21 Jahre nur 47 v. H. Wahlberechtigte, während das Deutsche Reich untxr seinen 12,7 Millionen Männern über 25 Jahre im Jahre 1902 nicht weniger als 93 v. H. Wahlberechtigte zählte, d. h. fast das Doppelte, obgleich das englische Wahlrecht bereits 4 Jahre früher ausgeübt werden darf, als das deutsche. London hatte im Jahre 1904 nur 13,6 v. H. seiner Gesamteinwohnerzahl an Wahlberechtigten. Berlin zählte im Jahre 1904 deren 23 v. H. seiner Gesamtbevölkerung. In Berlin waren 1904 im ganzen 444 871 Personen wahlberechtigt. Nach den Verhältnissen von London würde diese Zahl auf 182 000 h-runter- gehen. Es ist ersichtlich, daß bei gleichem Wahlrecht in Berlin wie in London in Berlin die sozialdemokratischen Stimmen erheblich heruntergehen würden. Berlin würde mit Hamburg und anderen großen Städten des Deutschen Reiches keineswegs mehr die Hochburg der Sozialdemokratie sein, wenn im Deutschen Reiche dasselbe Wahlrecht herrschte, wie in England. Wo sind also die „entrechteten Massen" zu suchen, von denen die Sozialdemokratie so viel Geschrei macht, in dem „freien England" oder im Deutschen Reiche, dem Land der „finstersten Reaktion", wie es von Sozialdemokraten gern genannt wird?"
Tonische Kolonien.
Südrvestafrika. In der Frage der Entschädigung für die Ansiedler in Südwestafrika machen die „Windhuker Nachrichten" eine interessante Mitteilung. „Der Regierung war von Cüdwestafrika aus nahegelegt worden, ein Mitglied der Entschädigungs-Kommission nach Berlin zu berufen, das vor dem Forum des Reichstags, falls notwendig, gründliche Auskunft über die Lage in Südwestafrika erteilen könne. Dieser Vorschlag wurde jedoch abgelehnt. Eine der geeignetsten Persönlichkeiten wäre der frühere Vorsitzende der Entschädigungs - Kommission Oberrichter Richter gewesen. Wir glaubten in dieser Ablehnung ein sicheres Zeichen für die Bewilligung der Entschädigung zu erblicken. Das war eine Täuschung. Wir erwarten indes, daß in der nächsten Reichstagssitzung unserem Gou-
in der nächsten Parlaments-Session werden ore Vorschläge zu einem gesetzgeberischen Vorgehen auf diesem Gebiete festere Gestalt annehmen können.
V Die Besatzung der deutschen Handelsflotte bestand nach der Reichsstatistik am 1. Januar 1905 aus 73 530 Köpfen. Sie ist innerhalb der letzten 5 Jahre um mehr als 9000 Köpfe gewachsen. Der gesteigerten Nachfrage nach seemännischen Arbeitskräften, die sich aus dem gewaltigen Aufschwung unserer Handelsschiffahrt während der letzten beiden Jahrzehnte ergab, ist Deutschland dank des überall insbesondere auch im Binnenlande stetig zunehmenden Interesses an Schiffahrt und Seewesen bisher aus eigenen Mitteln gerecht geworden, so daß der Prozentsatz ausländischer Mannschaften auf deutschen Schiffen eine besondere Höhe nicht zu erreichen vermochte. Dieser einheitliche nationale Charakter ist bekanntlich der englrtzyen Handelsmarine allmählich abhanden gekommen. Dort ist gerade das Ueberwiegen der Ausländer innerhalb der Schiffsmannschaften zu einer der brennendsten Fragen der inneren Schiffahrtspolitik geworden.
Von den erwähnten 73 530 Mann waren 60 616 auf Dampfern, 12 914 auf Segelschiffen tätig. Im Dienste der Nordseereedereien standen 64 895 Mann, während die Reedereien des Ostseegebietes nur 8635 Mann beschäftigten. Hamburgs Flotte allein erforderte 30 326 Mann, also mehr als 40 Prozent der Besatzung der gesamten deutschen Handelsflotte.
V Unter den mancherlei Beschwerden und Unbehaglichkeiten. die der Verlauf der tritt«
Deinem die Gelegenheit geboten wird, seine sichten über die südwcstafrikanischen Notwcn ketten, unter denen Entschädigung der Fac und Vahnbauten an erster Stelle stehen, t Reichstage vorzutragen. Von diesem Sch wird viel abhängen. Ein Oberst läßt sich a. seinen Posten kommandieren, mit einem siä seiner Ausgaben bewußten Zivilgouverneur, den die Mittel zur Erfüllung dieser Aufgaben geweigert werden, hat dies eine andere Bewandtnis." — Es wird nachgerade langweilig, wie die Negierung sich mahnen läßt, energischer sich der Ansiedler anzunehmen.
Marburg und Umaearnd.
^Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 bei Urheberrechts nur m-t der deutlichen Quellenangabe „Oberheff Zig." gestattet»
nrbnrq, 17. August.
* Erledigte Stellen. Die Schulstelle. zu Nenterode wird infolge Eintritts des jetzigen Stelleninhabers in den Heeresdienst vom 1. Oktober 1906 ab frei und soll von da ab wieder besetzt werden. — Die 2. Schulstelle an der Volksschule in Rengshausen wird infolge Eintritts des jetzigen Inhabers in den Heeresdienst vom 1. Oktober d. I. ab frei und soll wieder besetzt werden. —-An der evangelischen Schule zu Gundheim wird die 1. Lehrerstelle zum 1 Oktober d. I. frei. — An der evangelischen Volksschule zu Niederdorfelden ist die 2. Lehrerstelle zu besetzen. — An der evangelischen Volksschule zu Eichen ist die 2. Schulstelle zu besetzen. — Die 2. katholische Knaben-Lehrerstelle zu Allendorf, mit welcher Kirchendienst nicht verbunden ist, wird durch Versetzung des Inhabers vom 1. September d. I. ab erledigt. — An der Volksschule zuWitzenhausen ist die Stelle einer Lehrerin zu besetzen. Erwünscht ist bi« Befähigung zur Erteilung des Handarbeitsund Mädchenturnunterrichts. — An der drei- klassigen katholischen Schule zu Düssel bei Elberfeld ist eine Lehrerstelle zu besetzen .
* Stubenfliegen zu verjagen, gibt es ein sehr einfaches Mittel, und das ist Zug. Bei dem Wort bekommen ja schon manche Leute eine Gänsehaut und sagen „dann lieber noch die Fliegen". Solchen ist eben nicht zu helfen und sie mögen in der gewohnten Gesellschaft bleiben. Wer aber kein Vorurteil gegen den Zug hat oder, wenn er es noch hat, sich dasselbe abgc- wöhnen will, der Härte seine Haut etwas ab und sorge dann bei Tag und noch mehr nachts für Zug in den Wohn- und Schlafräumen. Fenster und Läden sollen nur bei großer Hitze am Tage geschlossen werden. Man wird bald zu seiner Freude merken, daß die lästigenEäste verschwinden, denn diese können wirklich keinen Zug vertragen und leben am fidelsten in dumpfer, bazillenreicher Luft, während der Mensch sich in bewegter reiner Luft am wohlsten fühlt. Also: „Wo es zieht, da laß Dich ruhig nieder, keine Fliege summt da ihre Lieder."
* Viehseuchen. Im Regierungsbezirk sind zurzeit folgende Ortschaften verseucht: Toll- w ut: Stadtkreis Cassel: Cassel (Verdacht). Kreis Eschwege: Aue, Niederdünzebach, Friemen (Verdacht). Kreis Witzenhausen: Huben
schon Seemanöoer in den Herzen derjenigen Insulaner englischer Zunge zurückgelassen batte, di« noch immer an die Möglichkeit einer Invasion glauben, wurde am angenehmsten die Tatsache empfunden, daß es, wie auch die offiziellen Manöverberichte zugeben mußten, einer Torpedo-Abteilung des Angreifers gelungen wa^ in das Innere des Hafens von Portsmouth vorzudringen, so daß nach dem Urteil der Schiedsrichter die Besatzung der Boote in der Lage gewesen wäre, mehrere in Reserve gehaltene Kriegsschiffe in die Luft zu sprengen,- ein mit 12 000 Tons gefülltes Kohlenlager tn Brand zu stecken und durch Anwendung von Dynamit die Hafenbauten in großem Umfange zu zerstören. Lange Wochen hindurch ist dieses Urteil des Unparteiischen unwidersprochen geblieben. Nunmehr aber läßt General H. H. Settle, der Verteidiger von Portsmouth, erklären, daß das Feuer aus den Forts sämtliche Torpedo- und Kanonenboote, die den Zugang zum Hafen erzwingen wollten, in Grund und Boden geschossen hätten, ehe sie ihre Absicht hätten verwirklichen können. Dre Garnison von Portsmouth hat also nach dem Zeug» nis ihres Höchstkommandierenden vorwurfsfrei ihre Schuldigkeit getan, und der so und so ost mit dem Eenspenst der Invasion geschreckte britische Bürger in Stadt und Land kann sich um einen Grad beruhigter der Lektüre der Schauer« romane hingeben» die mit mehr oder weniger Dreistigkeit und Phantasie von dem Sjegeszug« einer fremden Macht durch englisches Gebiet zu erzähle» wissen.