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Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Umversttätt-Bm^mlckerei 41.

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■ mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchkain.

SonntaasbeUage: SUuftrirM Sonnt«aSbsatL>

Neueste Telegramme.

Berlin, 15. Aug. Nach einem Telegramm des Gouvernements ans Daressalam vom 15. -August meldet Major Johannes, datz in Mrangwa (Landschaft im Nordosten des Nyassa- :<ees) nur Kleinkrieg zu erwarten, und datz kein Grund zu Befürchtungen vorhanden sei. Er be- -lätzt dort demnach Hauptmann von Kleist und kehrt selbst nach Daressalam zurück. Hauptmann von Schönberg meldet neue Ansammlungen von Aufständischen am Muhest und Lihowera, süd- zvestlich von Liwale. Die rückkehrenden Offi­ziere sprachen die Vermutung aus, daß der Kleinkrieg im Süden des Schutzgebietes noch ein Jahr dauern könne.

Berlin, 15. Aug. Der „Staatsanzeiger" ver­öffentlicht die Ausführungsanweisung zum Ge­setze über die Befähigung zum höheren Verwal­tungsdienst vom 10. August.

‘ Kiel, 18. Aug. Die akfive Schlachfflotte, die Schiffe der Aufklärungstruppen und die Tor­pedobootsflottillen sind nachmittags von der diesjährigen Sommerübungsreise hierher zurück­gekehrt.

h. Buenos Aires, 15. Aug. Zu Ehren des hier eingetroffenen Staatssekretärs Root fand gestern abend im Regierungsgebäude ein Festmahl statt, bei lern der Präsident der Argentinischen Re­publik Quintana einen Trinkspruch auf die Ver­einigten Staaten, den Präsidenten Roosevelt und den Staatssekretär Root ausbrachte. Den letzteren begrüßte er als einen Voten der Ver­brüderung und stellte fest, datz die südameri­kanischen Republiken bei ihrem gemeinsamen Streben nach Freiheit und Gerechtigkeit die überlieferten Beziehungen immer enger ee- stalten. Der panamerikanische Kongreß werde gewiß ein wertvolles moralisches Ergebnis zeitigen. "

Der nächste Krieg

Richt ein anonymer Romanschriftsteller, son­dern ein bekannter französischer General äußert sich zu diesem Thema, das in der letzten Zeit, 'zum Teil in phantastischer Weise, so viel be- -sprochen worden ist. Im Pariser „Eclair" hat dies General Bonnal getan, der sich be­kanntlich auch der besonderen Wertschätzung un­seres Kaisers erfreut. Der erste, bisher nur vorliegende Artikel Vonnals enthält mehr po­litische als militärische Erörterungen. Bonnal untersucht den Wert des Bündnisses Mit England und — er schätzt es äußerst gering ein. Von der Englischen Furcht vor dem deutschen Wettbewerbe ausgehend, sagt er:

ig ! (Nachdruck verboten.)

' . Die Kette.

Roman von Hans Schulze.

(Fortsetzung.)

Die Mitternacht war unterdes langsam herangekommen.

In dem ganzen weiten Schlosie regte sich kein Laut.

Als die Gräfin jetzt auf die Terrasse heraus­trat und zum Hause zurückblickte, lag die lange, eintönige Front in tiefem Dunkel.

± Wie ein geheimnisvolles Labyrinth, das sie nie gekannt, starrten ihr von allen Seiten die düsteren Oeffnungen der verschlungenen Park- ülleen entgegen; tiefschwarz ragten die dunklen Silhouetten der massigen Baumgruppen in das schimmernde Märchenblau der stillen Mondnacht hinein.

k Die Gräfin lehnte sich aufatmend über das Geländer der Terrasse unb schaute regungslos in die bange Schwüle des träumenden Parkes Hinaus.

■ Ihr ganzes bisheriges Sein zog an ihrer Seele vorüber.

k Sie sah sich wieder in dem reichen Hause ihrer rheinischen Heimat, frühzeitig der Mutter beraubt, ohne Halt, ohne rechte Erziehung Heranwachsend, ein eigenwilliges Kind, das von «dermann verhätschell und verzogen ward, das rein Versagen eines Wunsches kannte, vor dem g; Leben sich wie ein Zauberland dehnte, das-

>e Leben, das sie so bald schon in seine harte ule nehmen sollte.

t Ein Schauder überrieselte die sinnende Frau, als sie jenes schrecklichen Anblickes gedachtes da sie plötzlich aus all ihren Illusionen erwachte, da sie erkannte, daß der Mann, in dem sie den Inbegriff aller ritterlichen Tugenden gesehen, den sie sich ertrotzt hatte gegen den Widerstand ihrer gesamten weiterblickenden Verwandtschaft, nichts anderes war, als ein bankerotter Spieler, ber nur auf die Mitgift der reichen Erbin spe­kuliert und sie jetzt, als der vorsichtige Vater,

„Da der Faschoda-Handel gegen aller Erwar­tung das Ende der politischen Spannung her­beigeführt hat, die zwischen den beiden Ufer­mächten des Aermelmeeres seit der Beschießung Alexandriens und der finderleichten Eroberung Aegyptens andauerte, hat die englische Dipl >= matte seitdem an der Isolierung Deutschlands nach den gleichen Methoden arbeiten können, denen sie vor einem Jahrhundert folgte, um Na­poleon schachmatt zu setzen. Von diesem Augen­blicke an hat sich die französische Diplomatte der englischen untergeordnet und ihr sozusagen als Vorhut gedient. (Folgt eine kurze Darstellung der Marokkokttse in der bekannten ftanzösischen Auffassung. Dann fährt Bonnal fort:) Die Engländer legen sich vollkommen darüber Rechenschaft ab, datz die Deutschen nichts gegen sie ausrichten können. Warum entschließt sich nun die englische Diplomatte, die eine Kriegs- gelegenheit mtt Deutschland sucht, nicht dazu, nicht eine solche, was leicht wäre, hervorzurufen, aber die Franzosen, die nach Ftteden begiettg sind, neuttal zu lassen? Man kann voraussetzen, datz England uns absolut unsere Freiheit des Handelns nicht lassen will, aus Furcht, daß Deutschland, wenn es sich im Kampfe mit ihm befindet, Ballast auswirft, um schlimmere Kata­strophen zu vermeiden, mit anderen Worten, daß es uns Elsaß-Lothringen zurückgibt, in welchem Falle die Entente cordiale sofort ausgelebt haben und auf der Stelle durch eine für England überaus gefährliche deutsch-französische Allianz ersetzt würde. Das hält man für den einzigen Beweggrund, weshalb die Engländer nur den Krieg mit dem Hintergedanken anfangen wollen, daß die Feindseligkeiten in der Nähe von Nancy ausbrechen, damit Frankreich der Soldat Eng­lands werde. Im Falle eines europäischen Kon- flitts wird Italien nicht gegen eine mit England verbündete Macht zu Felde ziehen, und Rutzland wird die österreichischen Armeen festhalten; der wahrhaft aktive Krieg würde sich also auf dem Lande zwischen den deutschen Armeen einer- und den französisch-englischen Armeen andererseits lokalisieren."

General Bonnal analyfiett dann einen Ar­tikel der „National-Review", und erklätt dessen Angaben über die englischen Heereskräfte, besou- ders über die aus den Kolonialabteilungen ge­bildeten, für chimärisch. Die ganze Auffassung läge ein volles Jahrhundert zurück; sie setzte die Dauer des Krieges auf mehrere Jahre voraus, was doch einfach lächerlich sei. Bonnal behan- delt ferner die Angaben der „National-Review" über die deutschen, für die Hauptoperationen verfügbaren Heereskräfte mit überlegenem Spotte, in erster Linie die englische Voraus­setzung, daß Deutschland zum Schutze der Ostsee-

mit größeren Kapitalien zurückhiell und dem jungen Paar nur ein Jahrgeld bewilligte, aufs brutalste zu mißhandeln begann.

Drei lange Jahre schleppte sie sich unter die­sem Joch dahin, büßte sie die Verblendung kur­zer Tage in endlosem Leide, zeigte sie der Welt die Maske der reichen, jungen, glücklichen Frau an der Seite des schönsten, verwegensten, lie­benswürdigsten Offiziers im ganzen Regiment, beneidet und bewundert von hoch und gering, indes sich im geheimen ihr Herz verblutete unter der Schmach dessen, was ihr Mann ihr antat.

Drei lange Jahre waren es gewesen, und sie hatte sich schon am Ende ihrer physischen und seelischen Kräfte geglaubt, da war Graf Lohn« in ihr Leben Betreten und damit diesem Leben, das sie schon für unwiederbringlich verloren ge­halten, ein neuer, wunderbarer Inhalt ver­liehen worden.

Erst zart und schüchtern war in ihr die Liebe zu ihm emporgekeimt, zu ihm, der jede Regung ihrer Seele verstand, in dem sie sich immer mehr den Rettungsanker in den Bedrängnissen ihrer gequälten Existenz zu sehen gewöhnte.

Noch hielt das Pflichtgefühl die wachsende Neigung eisern darnieder, dann aber brachen eines Tages, als er sie nach einer besonders rohen Szene geradezu vernichtet fand, von bei­den Seiten die letzten Schranken zusammen.

Reuelos, mit vollem Bewußtsein, hatte sie sich dieser Liebe hingegeben, auf die sie ein menschliches Recht zu haben meinte; wie neu geschenfi war ihr ihr Dasein erschienen und wie ein Fremder, ja, wie ihr schlimmster Feind der Gatte.

Und als er am Abend des Duells bis in die späte Nacht um sein fliehendes Leben gerungen, da war kein Mitleid in ihrem verbitterten Her­zen gewesen, da hatte sie nur den einen Wunsch gehabt, daß der Schnitter Tod sein Werk schnell und gründlich besorgen möge.----

Die Einsame stöhnte leise auf und tastete sich aus der geheimnisvollen Mondeshelle, die ihre erregte Phantasie mit den düstersten Bil-, der« der Vergangenheit belebte, wieder jn^den

küsten gegen die bedeutenden Diversionen (dir berühmte Landung von 100 000 Engländern in Schleswig-Holstein) — er fügt ein großes Frage­zeichen hinzu — drei Armeekorps notwendig hätte. Kurz, der ganze Arttkel sei von einem Optimismus eingegeben, der durch die Tatsachen schroff dementtett werde.

König Eduard in Kronberg.

König Eduard ist, wie schon gestern telegra­phisch gemeldet wurde, als Gast unseres Kaisers für einen Tag in Kronberg eingettoffen. Nach der Begrüßung fuhren die Monarchen mit ihrem Gefolge nach Schloß Friedrichshof. Nach kurzem Imbiß im Schloß fuhr König Eduard mit dem Kaiser im Schimmelgespann zum Kaiser-Fried- rich-Denkmal und dann nach der evangelischen Kirche und sah sich das Reliefbildnis seiner ver­ewigten Schwester, der Kaisettn Friedttch, an. Der Wagen hielt in der engen Straße, so daß man die erklärenden Motte des Kaisers ver­nehmen konnte. Das Bildnis der verewigten Kaiserin gefiel ihm sehr. Die Herrschaften fuhren dann weiter zur Burg, wo die Samm­lung von Altertümern, die der Kaiser dort an­gelegt hat, besichtigt wurde.

Nachmittags 4 Uhr unternahmen die Monar­chen eine Automobilfahtt, die über Homburg fühtte, dann auf die Saalburg. Hier wurde der Tee eingenommen und dann die alten Modelle von Römergeschützen besichtigt, die von Metz dorthin gebracht waren. Für den Nachmittag war außer der Fahrt nach der Saalburg ein Besuch bei der Großherzogin-Mutter von Luxemburg, die seit einiger Zeit mit ihren sechs Enkelinnen auf Jagdschloß Königstein roeilf, in Aussicht genommen. Wie es heißt, hat die Großherzogin selbst den Wunsch geäußert, König Eduard bei sich zu sehen.

Saalburg, 15. Aug. Nach Besichtigung der Saalburg, wobei der Kaiser den König Eduard selbst fühtte, wurde im Prätottum der Tee ein­genommen. Hierbei wurden von den Fürfllich- keiten mehrere photographische Aufnahmen ge­macht. Um 4> Uhr 45 Minuten nachmittags fuhren die Fürstlichketten mtt Gefolge und Um­gebung in Automobilen nach Homburg.

Homburg, 15. Aug. (W. V.) Kaiser Wil­helm und König Eduard fuhren, von Saalburg kommend, in Automobilen über die Kaiser- Friedrichspromenade nach dem Elisabethbrun- nen zum Landgrafen-Denkmal. Hierauf wurde die Fahrt über die Ferdinands-Anlagen und über Oberursel nach Schloß Friedrichshof fott- gesetzt.

Kronberg, 15. Aug. Nach der Ankunft des Kaisers Wilhelm und des Königs von England von Homburg in Kronberg fand um 8 Uhr im Schloß Friedrichshof Abendtafel statt, ander 32 Personen teilnahmen. Während der Tafel kon­zertierte das Wiener Künstlerquartett aus dem

friedlichen, warmen Lampenschein das Speise- saals zurück.

Sie nahm von neuem auf ihrem alten Ar- beitssessel Platz und lauschte in die lastende Stille der Nacht hinaus.

Noch immer kam der Gatte nicht heim.

Um 8 Uhr hatte sie den Boten ausgeschickt; die Entfernung bis Raulehnen betrug ungefähr zwei Stunden; wenn der Graf sofort aufge­brochen war, so mußte er jeden Moment ein- treffen.

Ruth legte ihre Uhr auf den Tisch und be­obachtete gespannt das langsame, kaum merk­liche Vorrücken des winzigen Minutenzeigers.

Da knirschten plötzlich hastige Schritte auf den Sandsteinstufen der Terrasse.

Die Gräfin fuhr auf, ihr Atem stockte, eine Blutwelle schoß ihr siedend in die Schläfen.

Im Rahmen der Tür stand hoch aufgerichtet die Gestalt des Sohnes.

Ein Blick in sein verzerrtes Gesicht sagte ihr alles — daß er alles wußte, daß jetzt die Stunde gekommen war, vor der sie schon seit fünfund­zwanzig Jahren zitterte.

Einen Moment sahen sie sich beide wie ver­stört, wie voreinander erschreckend, starr in die Augen.

Dann brach Georg, wie von einem Schlage gefällt, vor ihr in die Knie und wühlte den Kopf mit einem stöhnenden Laut in ihren Schoß.

„Mutter, das hast du gekonnt!"--

Die Tränen erstickten ihm die Stimme, er mußte sich an den Knauf der Armlehne ihres Sitzes anklammern, um nicht umzusinken; nach langem Ringen erst quollen die Worte wieder in schweren Stößen aus seiner Brust.

„Mutter — eh' ich dir je wieder ins Gesicht blicken kann, mußt du mir »ins Frage beant­worten. — Eben hab' ich den Baron Sinderode gesprochen — Mutter, noch fass' ich es nicht, was er mir gesagt hat. — Ich kann es nicht wiederholen, ich bring' es nicht über die Lip­pen. — Ich schäme mich so, Mutter, ich schäme mich für dich und mich. — Es kann nicht wahr

Frankfurter Hof in Franfurt. — Die Abreise König Eduards nach Marienbad erfolgt, wie jetzt definitiv festgesetzt ist, Donnerstag Vor­mittag 9.40 von Bahnhof Kronberg aus. Der Kaiser wird seinem Onkel int Automobil dar Geleit nach dem Bahnhof geben. Nach dem Ab­schied fähtt der Kaiser direfi nach Homburg zur Enthüllung des Landgrafen-Denkmals. Voraus­sichtlich bleibt der Kaiser einige Stunden länger in Homburg, als ursprünglich beabsichttgt war, und tritt dann von dott aus im Sonderzug die Reise nach Eassel an.

Kronberg, 15. Aug. (SB. B.) Nach der Frühstückstafel verweilten Kaiser Wilhelm und König Eduard mtt dem Staatssekretär von Tschirschky und Bögendorff und dem Botschafter Lascelles etwa eine Stunbe auf der Terrasse vor dem Schlosse.

Zur Lage in Rußland.

Petersburg, 15. Aug. (Petersb. Telegr.-Ag.) Der Ackerbauminister Wassiltschikow hieü ge­stern eine Programmrede vor den Beamten sei­nes Ressorts. Er meinte, die Zwangsenteignung des Privatlandbesitzes sei unmöglich, dem Land­mangel der bäuerlichen Bevölkerung könne ab­geholfen werden durch Uebergabe freier Kron­ländereien an die Bauern und durch Parzellen, die von den Gutsbesitzern freiwillig verkauft würden. Wassiltschikow sprach die Hoffnung aus, datz die Gesellschaft die Regierung bei der Durch­führung ihrer Agrarreform unterstützen werde.

Petersburg, 15. Aug. Heute kommt ein Zarenreskript heraus, wonach eine Million acht- hundetttausend Detzjatinen Krondomänenland der Bauernbank zwecks billiger Ueberlaflung an landarme Bauern überwiesen werden. Diese Verfügung wird in hiesigen politischen Kreisen als ein großes Opfer angesehen, weil die Ein­nahmen hieraus der Privatschatulle der Kaiser- famttie zuflossen.

Aus Petersburg wird der „Voss. Ztg." be­richtet, daß die jüngsten Haussuchungen in Moskau zu äußerst wichtigen Ergebnissen ge­führt Habern. Man habe eine im großen Sttl eingerichtete Vombenfabrik mit einer Eisen­gießerei, ferner Zentner von Dynamit und Pulver, zwei Geschütze, ein sehr großes Waffen- und Munitionslager, Festungspläne, sowie ein« angeblich lückenlose Namensliste sämtlicher ter- roristischen Organisationen gefunden. Noch wichtiger seien die dott vorgefundenen Akten des sogenannten Militärbundes, die eine ausge­breitete Verschwörung in der Armee mit zahl­reichen Offizieren ergeben haben. Aufsehen erregende Verhaftungen ständen unmittelbar bevor.

Warschau, 15. Aug. (SB. B.) Heute sind in verschiedenen Straßen Mordanschläge gegen Polizeibeamte verübt worden. Es sollen 20 Mordtaten zur Meldung gebracht worden sein.

..... ..-H -i । iii i.

sein, Mutter — sag' mir doch nur ein einziges Wort, daß es nicht wahr ist!"--

Er hatte sich halb in die Höhe gettchtet und preßte ihre schmale, eiskalte Hand an seine glühende Stirn; das Herz klopfte ihm zum Zer­springen voll Erwartung und Angst, datz das Entsetzliche, Ungeheure sich doch bestätigen, daß der finstere Mann in Sinderode seine Anklage gegen die Frau, die jetzt wie zusammengebrochen mit bebenden Gliedern vor ihm saß, doch zu Recht erheben könne.

Ein heftiger Windstoß fegte plötzlich durch die weitoffene Balkontüre jäh herein, und ein leiser Donner grollte durch die unheimliche « Stille der lähmenden Gewitterschwüle wie das verhaltene Aechzen eines gefangenen Tieres.

Nach langen, unendlich langen Sekunden neigte die Mutter zaghaft den Mund dicht zum Ohre des Sohnes hinab, und als ob sie selbst den lauten Klang ihrer Stimme fürchtete, flü­sterte sie kaum vernehmbar mit zuckenden Lippen: .!

„Es ist so, wie du sagst, Georg!"

Mit einem Ruck fuhr er in die Höhe; sein Gesicht war aschfahl.

„Es ist so?" wiederholte er wie geistesab­wesend. „Hast du das wirklich gesagt, Mutter? Ich kann es nicht glauben, Mutter! Nicht wahr, ich hab' mich nur verhött?"

Wie ein Träumender stand er vor ihr, indes sie angstvoll seine Rechte umfaßte, wie zer­schmettert von der Wucht dessen, was ihre Wotte für ihn bedeuteten.

„Mutter, das hast 5h gekonnt!" —

Und dann auf einmal übermannte ihn di« ganze Verzroeiflttnz der vernichtenden Er- kemttms.

„Laß mich, Mutter!" brach er aus, ihre Hand abschüttelnd. „Du bist ja meine Mutter nicht mehr! Du gehörst ja jenem, der mich um alles gebracht hat!"

Ein würgendes Schluchzen erschütterte feinen ganzen Körper, , -

—? (Fortsetzungfotz^.^