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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchbain.
Sonntagsbeilage: Allustrirtes ÄonMlÄSLlM JJ
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ViertcljShrlicher Bezugspreis: bet ver ExpMtion 2 Dik., bet allen Postämtern 2,25 Mk. Bestellgeld).
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Marburg
Mittwoch, 15. August 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck tntb Verlag' Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckers 41.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55. x) M H*
5 NeueAe Telegramme.
< Berlin, 14. Aug. Ueber Personalveränder- «ngen in der Marine verlautet aus Kiel, daß «Großadmiral Köster Eeneralinspekteur der Marine bleibt, und daß zum Chef der aktiven .Cchlachtflotte Prinz Heinrich und zum Chef der Ostseeftation der Admiral von Arnim ernannt worden sei. Admiral von Bendemann, der Chef der Nordseestation, tritt zurück und wird durch den Vizeadmiral von Prittwitz und Eaffron ersetzt, an dessen Stelle Admiral Büchse! tritt.
Dresden, 14. Aug. Die Reichstagsersatzwahl Int 10. sächsischen Wahlkreise ist auf den 22. Oktober festgesetzt.
Ändon, 14. Aug. Nach einer Depesche aus Aden hat der „tolle Mullah" einen neuen furchtbaren Raubzug an der Grenze des Somalilandes ausgeführt. Er war gegen den Rareharonstamm, der in der Landschaft Ogaden nahe der abessinischen Grenze wohnt, gerichtet. Der Mullah tötete über 1000 Männer dieses Stammes und stahm über 10 000 Kamele fort. Das umliegende Land ist durch den Erfolg des Mullah sehr bs- kmruhigt.
/ London, 13. Aug. Wie „Daily Telegraph" aus Tokio meldet, liegt trotz der alarmierenden Berichte keine Gefahr vor, daß die Robbenange- legenheit auf den Aleuten internationale Bedeutung annehme. Der amerikanische Botschafter liess die japanische Regierung wissen, seine Regierung untersuche den Zwischenfall sorgfältig und unparteiisch und hoffe, Japan werde nicht gestatten, dass die herzlichen Beziehungen zu Amerika durch eine so geringfügige Veranlassung gestört werden.
t Konstantinopel, 13. Aug. Nach in Hoskreisen erhaltenen Informationen hat sich der Gesundheitszustand des Sultans bedeutend gebessert. Gestern früh erledigte der Sultan während einer halben Stunde Staatsgeschäfte. Nachmittags unternahm er, begleitet vom Oberspeisemeister Osman Bey, eine Spazierfahrt im Palastgarten.
Deutschland und Brasilien.
' G Es ist in den letzten Jahren viel über die Bestrebungen der Vereinigten Staaten geschrieben worden, die europäischen Konkurrenten vom südamcrikanischen Handelsmarkte zu verdrängen. Unter diesen Konkurrenten erscheint Deutschland als einer der gefährlichsten, und deshalb lassen die Amerikaner auch keine Gelegenheit vorübergehen, um Deutschland zu verdächtigen und seinem Ansehen in Südamerikr, besonders in Brasilien, Abbruch zu tun.
Die amerikanische Diplomatie hat es mit ausserordentlicher Geschicklichkeit fertig gebracht,
das Misstrauen Brasiliens gegen die Vereinigten Staaten zu beseitigen, so dass heute nicht nur die brasilische Regierung, sondern auch die öffentliche Meinung die größte Sympathie für Nordamerika bezeigt.
Schon öfters hatte es die amerikanische Regierung versucht, Zollvergütungen von Brasilien zu erlangen, jedoch immer ohne Erfolg, obwohl sich die Regierung stets geneigt zeigte, die Wünsche der Vereinigten Staaten zu erfüllen. Nun, am 1. Juli d. I., ist es endlich gelungen, eine ziemlich beträchtliche Zollermössiguitg für amerikanische Artikel zu erlangen. Folgende Artikel amerikanischen Ursprungs genießen vom 1. Juli bis 31. Dezember d. I. eine Zollermäßigung von 20 Proz.: Uhren, Schreibmaschinen, Pianos, Eisschränke, Mühlen, Wagen (und Gewichte), Farben und Tinten (außer Schreibtinte), Lacke und Firnisse, Gummiwaren, Weizenmehl und kondensierte Milch.
Sicher stellt diese Vergünstigung nur einen kleinen Teil des amerikanischen Wunschzettels dar, und es unterliegt keinem Zweifel, daß die Vereinigten Staaten nach und nach weitere Vergünstigungen erlangen und so imstande sein werden, die deutschen Konkurrenten über kurz oder lang aus dem Felde zu schlagen.
Brasilien hat diese Vergünstigung deshalb gewährt, weil, die Vereinigten Staaten den brasilianischen Kaffee zollfrei cinführen, und weil sie die besten Abnehmer dieses brasilianischen Hauptproduktes sind. Bei der jetzigen Kaffeekrisis wäre ein Kaffeezoll in den Vereinigten Staaten für Brasilien sehr unangenehm gewesen, und damit hat man anscheinend gedroht.
Auch Deutschland konsumiert einen großen Teil brasilischen Kaffees, auch seine Einfuhr aus Brasilien ist bedeutend grösser, als die Ausfuhr nach dort, wenngleich nicht in dem Maße, wie es bei den Vereinigten Staaten der Fall ist. Es liegt im Interesse der deutschen Industrie und des Exports, die in Brasilien eroberte Position nicht nur zu behaupten, sondern auch zu stärken und immer mehr auszudehnen, und cs erscheint deshalb als eine dringende Notwendigkeit, daß Deutschland auch seinerseits Vergünstigungen von Brasilien erlangt. Italien steht schon seit längerer Zeit mit Brasilien in Unterhandlung, jedoch konnte seither eine Einigung nicht erzielt werden, weil Italien sich nicht zu einer Herabsetzung des Kaffeezolls entschließen kann. Brasilien braucht zweierlei Sachen, die für das Land unter jetzigen Verhältnissen alles bedeuten, nämlich eine Erhöhung des Kaffeekonsums und eine stärkere Einwanderung seßhafter Elemente, die sich mit Landwirtschaft befassen. Beides kann ihm
Deutschland bieten, und es unterliegt keinem Zweifel, daß die deutsche Regierung größte Bereitwilligkeit finden würde, wenn sie Brasilien auf dieser Basis geeignete Vorschläge machen würde.
Was die Einwanderungsfrage angeht, so ist Brasilien schon seit Jahren vergeblich bemüht, europäische Auswanderer ins Land zu ziehen. Schließlich hat sich die Regierung genötigt gesehen, mit japanischen Unternehmern in Verbindung zu treten, um Kolonisten zu bekommen. Noch in diesem Jahre sollen einige Tausend Japaner einwandern, und wenn es diesen einigermaßen gut geht, wird der Nachschub jedenfalls bedeutend sein. Der japanische Handel wird den Kolonisten auf dem Fuße folgen, und wir werden dann in Zukunft auch noch mit der nicht zu unterschätzenden Konkurrenz Japans zu rechnen haben.
Deutsche Kolonisten werden in Brasilien allen anderen unbedingt vorgezogen. Daran haben alle Verdächtigungen und das Geschrei von der „deutschen Gefahr" nichts zu ändern vermocht. Man weiß, daß die Deutschen seßhaft sind, daß sie auch im Lande bleiben, wenn sie etwas erspart haben, was bei anderen Nationen, besonders bei den Italienern, nicht der Fall ist. Letztere kehren nach der Heimat zurück, sobald sie sich etwas Geld erspart haben.
Man weiß das in Brasilien sehr wohl; man weiß auch, daß es mit den Japanern ähnlich gehen wird, und würde sicher zu Zugeständnissen bereit sein, wenn von Deutschland aus diesbezügliche Verhandlungen eingeleitet würden.
Eine verstärkte Einwanderung deutscher Kolonisten würde auch für den Export Deutschlands von großem Vorteil sein, während die Auswanderung nach den Vereinigten Staaten gerade das Gegenteil bedeutet.
Selbstverständlich kann die deutsche Negierung die Auswanderung nach Brasilien nicht dekretieren. Es müßten hier andere Wege eingeschlagen werden. Die Amerikaner sind jedenfalls unausgesetzt tätig und werden den guten Wind, der gerade jetzt für sie weht, nach Kräften auszunutzen trachten.
Die Griechcnhetze in Bulgarien
Ueber die gestern gemeldeten Ausschreitungen in Anchialo wird noch berichtet: Die Griechen hatten sich in der Kirche und in grösseren Häusern verbarrikadiert. Der Kampf dauerte bis 5 Uhr nachmittags. Der Stadtpräfekt forderte wiederholt die Griechen auf, sich zu ergeben, jedoch erfolglos. Schließlich wurde die Stadt durch das von Burgas entsandte Militär eingenommen. Anchialo wurde bis auf 30 Häu
ser niedergebrannt. Auch öffentliche Eebäud« sind dem Brande zum Opfer gefallen. Der grie» chische Bischof fand den Tod in dem brennende« Metropolitangebäude. Die Zahl der Toten und Verwundeten ist bisher unbekannt. Die griechische Bevölkerung ist ins Gebirge geflüchtet. Die im ganzen, zum größten Teil von Grieche« bewohnten, Bezirk Burgas herrschende Erregung läßt weitere Ereignisse befürchten. Mehrere Kaufläden sind bereits zerstört und in Privathäusern die Fenster eingeworfen worden. I« Kermenli fand gestern eine antigriechische Versammlung statt. Privatnachrichten zufolge über-! fiel eine von griechischer Seite gereizte Volksmenge das Haus eines Griechen. Das Militär' schritt dabei ein. Ein Offizier soll drei Demon-t stranten niedergeschlagen haben.
Ueber die Krawalle in Anchialos erhielt di« Regierung folgende Detailmeldungen: Di« Stadt ist eingeäschert, nur 30 Häuser sind verschont. — Für die Obdachlosen ist eine Hilfsaktion von den Behörden in Burgas eingeleitet. Es verlautet, daß der griechische Bischof Wassi- lios in den Flammen umgekommen ist. Alle öffentlichen Gebäude sind verbrannt. Die Brandstifter sollen einige Dutzend mazedonische Flüchtlinge sein, die aus den Dörfern der Umgebung in Anchialos eingedrungen waren und vor der Brandlegung Ausschreitungen gegen die Griechen begingen. Aus Burgas traf gestern abend mit einem Sonderzug Militär ein, aber die' Brandstifter zerstoben nach allen Richtungen. —; Hiesige Regierungskreise erwägen die Erklärung des Belagerungszustandes in den Gebieten, wk Ausschreitungen zu erwarten sind.
Wien, 14. August. Nach einer Meldung aus Sofia organisieren sich auch die Griechen in Buft garien. Sie beschlossen, alle griechischen Kauft, leute sollten sich zur Abwehr bulgarischer Feinds seligkeiten bewaffnen und sich in griechischen Klöstern und Kirchen z".r Verteidigung sammeln.' Eriechen-Versammlungen fanden in Philippopelj Burgas und Varna statt. ;
Bukarest, 13. August. In Rustschuk durchzog gestern nach dem antigriechischen Meeting dis Volksmenge die Straßen und plünderte griechisch« Wohnungen und Geschäfte. Vor dem griechischen Konsulat fand ein Zusammenstoß mit Militäl statt. Trotzdem mußte der Forderung der Mengt nachgegeben und die Konsulatsflagge eingezogek werden. Reiterei zerstreute dann die Menge, Die griechische Kirchs und Schule wurden votl Vulgaren besetzt. , ■
Konstantinopel, 13. Aug. Das Oekumenisch« Patriarchat überreichte gestern allen Votschafteis eine Protestschrift gegen die Antigriechischen Ereignisse in Bulgarien.
16 (Nachdruck verboten.),
Die Kette.
Roman von Hans Schulze.
T- (Fortsetzung.)' '
Der Baron war ganz nahe an den Rand der Uferböschung herangetreten, die sich von dem Kieswege in steilem Abfall zum Wasser hinabsenkte, und schaute auf den schweigenden See hinaus, aus dessen fernsten Tiefen das Mondlicht flimmernd herüberwogte.
: Dann kehrte er sich mit plötzlicher Wendung Georg wieder zu.
- „Und hat Ihre Mutter an Ihnen Buße getan?" fragte er mit ernster Stimme. „Hat sie xhr Gewissen entlastet vor ihrem Kinde? Ist sie den Weg gegangen, den ich sie gewiesen, den einzigen Weg, der sie herausführen kann aus ihrer Sündenschuld. Was der Mensch säet, das wird er ernten, wer auf sein Fleisch säet, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten! Die Bürde ist groß, die auf ihr lastet, und nur ein Opfer der tiefsten Selbsterniedrigung kann, sie zur Vergebung, zur Wiederversöhnung mit Gott führen!"
i Eine seltsame Empfindung beschlich Georg hei diesen feierlich getragenen Worten, die durch jbie biblische Verbrämung eine fast prophetische Gewalt und Kraft gewannen, eine Empfindung, als ob sich im nächsten Augenblicke die Erde vor Ihm auftun und ihn ein unergründlicher Abgrund verschlingen müsse.
Auf einmal stand es klar vor seiner Seele, hass hier die Lösung des unentwirrbaren Rätselknotens der Vergangenheit lag, und obwohl er es instinktiv fühlte, daß ihn die Wahrheit rollig vernichten würde, drängte es ihn doch mit unwiderstehlichem Verlangen, den letzten Schleier dieses Geheimnisses zu lüften.
Mit heftigem, fast rücksichtslosem Griff packte 9t den Arm des alten Mannes.
•. »Reden Sie!" stieß er mit Anstrengung her- •tt. »Sprechen Sie deutlicher, ich verstehe Sie
nicht! Sie spannen mich ja auf die furchtbarste Folter!"
In unbeweglicher Ruhe stand der Baron dem leidenschaftlich Erregten gegenüber, dann glitt es wie ein Schimmer von Mitleid über seine harten Züge.
„So hat die verblendete Frau also doch den Weg zu Ihnen noch nicht gefunden." sagte er endlich, „hat sie doch noch nicht den Mut gehabt zu dem Geständnis, das sie allein von der ewigen Verdammnis erretten kann!"
Er hielt einen Moment inne und horchte mir gespanntem Gesichtsausdruck zu dem tiefblauen Zenit des Nachthimmels hinauf.
„Die Stimme des Herrn spricht zu mir!" fuhr er dann nach kurzer Pause fort, und es glühte wie ein überirdischer Schimmer in seinen Augen auf. „Sie spricht zu mir, und sie befiehlt mir, noch eine letzten Versuch durch Sie zu machen, um die verstockten Herzen der Sünder zur Buße zu führen! Sie sollen das Gesäß sein in der Hand des Allmächtigen und rühren an den Seelen der beiden, die dahingehen in eitler Erdenlust und nicht gedenken, was ihrer einst harrt, wenn sie sich nicht durch Sühne an sich selbst das Reich Gottes erwerben!"
Ein Schatten wohltätigen Zweifels fiel aus dieser letzten Aufforderung wieder in Georgs Seele; mit jedem Augenblick ward ihm klarer, daß es ein im innersten Mark kranker Geist war, der mit ihm sprach, daß hier Wahrheit und Phantasiegebilde so durcheinander liefen, daß man in seinen Worten vielleicht überhaupt keinen festen Stützpunkt gewinnen konnte.
„Ihre ganze Rede ist mir ein unlösbares Rätsel!" gab er schließlich seiner Ungewißheit Ausdruck, indes der Baron wieder so ganz in seine Versunkenheit zurückgesunken war, als ob er Georgs Anwesenheit vollständig vergessen hätte. „Ich weiß von keiner Schuld und Beichte meiner Mutter," fuhr er stockend fort, „teilt und klar liegt ihr Leben vor mir!"
Er brach plötzlich ab. Ihm ward, als beginne der Brief, den er in der Brusttasche seines Rockes
trug, auf einmal glühend auf seinem Herzen zu brennen.
„Ja, rein und klar! So erschien sie mir auch einst!" wiederholte der alte Mann mit schneidendem Hohn. „Rein und klar wie ein Engelsbild zu dem Tage, da die heuchlerische Maske von ihr fiel und sie vor mir stand in ihrer ganzen kleinen, erbärmlichen, ehebrecherischen Nacktheit!"
„Herr Baron I"
In keuchender Angst brachen die Worte über Georgs Lippen; er wollte weitersprechen, in der letzten Aufwallung seines ritterlichen Sinnes sich auflehnen gegen die Entweihung. Entheiligung dessen, was ihm bisher auf Erden am höchsten gestanden hatte.
Doch seine Stimme versagte ihm den Dienst, mit zitternden Gliedern stand er da, wie ein Tier an der Schlachtbank, das, unfähig zu Flucht und Widerstand, gesenkten Hauptes den Todesstreich erwartet.
„Und nicht das allein!" klang es aus dem Munde des alten Mannes unerbittlich weiter. „Auf die erste Schuld häufte sie eine zweite! Dem Manne, dessen Hand befleckt war vom Blute ihres ersten Gatten, reichte sie die eigene Hand zum neuen Ehebunde! Ihnen gab sie den Mörder Ihres Vaters zum zweiten Vater! Das tat eine Mutter an ihrem Kinde! Zum Himmel schreit die ehebrecherische Schuld, und Sie selber sollen bestellt sein, die Rache dieser Schuld zu vollziehen!"
Wie vom Blitz getroffen war Georg bei den letzten Worten des Barons ein paar Schritte zurückgetaumelt.
~ Der Garten, der See, seine ganze Umgebung schien sich plötzlich um ihn in Bewegung zu setzen.
Wje durch einen Nebel glaubte er bi» Gestalt des furchtbaren Anklägers auf einmal riesengroß vor sich aufwachsen zu sehen, der mit erbarmungsloser Härte die Ideale seines Lebens wie Glas zerschellt hatte. — -----------
So war es doch Wahrheit, was er bisher ini innersten Herzen verschlossen gehalten hatte,' Seine Mutter eine . . . .! !
Er wagte das entsetzliche Wort, das in di« dunkelsten Abgründe der Seele hineinleuchtetef nicht auszudenken, nickt auszusprechen. t
Seine Mutter! — Es war doch seine Mutter?
Und er, der Mann, der das schwache Weib, einst zu dieser Verirrung verleitet, er nannte sich seit fünfundzwanzig Jahren seinen Vater, e« maßte sich se* fünfundzwanzig Jahren den Rat men und die Liebe eines Vaters an, er, des Mörder des Mannes, dem er fein Leben veri dankte. , „ *
Die Ungeheuerlichkeit dieser Vorstellung brachte Georg fast von Sinnen, er schwindelte vor der entsetzlichen Helle, die jetzt so plötzlich und so grausig in seinem Bewußtsein aufgebrochen war. , ,
Darum hatte sich Käthe von ihm abgekehrt, weil sie wußte, welch ein Makel auf seinem Namen haftete; das war es, was sie von ihm ab- gewendet wissen wollte, daß er jemals, erfuhr, wie das Andenken seines Vaters, wie seine eigene Ehre durch das verbrecherische Paar besudelt worden war.
Eine Welle glühender Scham lohte ihm heiß über das Gesicht, sein Herz krampfte sich in qualvoller Verzweiflung zusammen wie unter einem Tritt.
Und dann auf einmal flammte der uralt« grimme Racheinstintt, der Instinkt der Blutrache, alle anderen Vorstellungen unterdrückend, mit allgewaltiger Kraft in ihm empor.
Er hatte jetzt eine Aufgabe zu erfüllen, vor der jede andere zurücktrat; diese Nacht durste nicht zu Ende gehen, ehe er nicht die dem Vater angetane Schmach furchtbar gerächt hatte.
Mit wilden Blicken schaute Georg verstört um sich. I
Der Baron hatte sich indes von ihm abge-, wandt und schritt wieder langsam und gemessen dem Laubgange zu, aus dem et zuvot herausge« treten war. " (Fortsetzung folgt.) -