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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

SontttaasbeUaae: Alluftrirtes Gornrtaasklätt.

M 184

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Marburg

Donnerstag, 9. August 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UniversttLtS-Buchdmckere!

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

41. Jahrg.

Neueste Telegramme.

Berlin, 8. Aug.Daily News" versichern nach einer Meldung derVosi. Ztg." aus Lon­don, daß die bevorstehende Begegnung König Eduards mit dem Kaiser allgemeine Befriedi­gung verursache. Sie bedeute das Ende einer persönlichen Entfremdung und drücke das amt­liche Siegel den wachsenden freundlichen Be­ziehungen zwischen Großbritannien und Deutsch­land auf. (Wenn englische Zeitungen dies ver­sichern, wird man es in Deutschland wohl gut­gläubig annehmen muffen?)

Dortmund, 8. Jug. Die hier tagende 35. Hauptversammlung des Deutschen Apothekerver­eins verlangte mit großer Mehrheit das Reife­zeugnis für Gymnasium, Realgymnasium oder Oberrealschule als Vorbedingung für den Ein­tritt in die Pharmazie und beschloß die allge­meine Durchführung der Sonntagsruhe und des Neunuhrschluffes.

Kopenhagen, 7. Aug. Die Tagung der inter­nationalen Frauenwahlrechtsvereinigung wurde heute vormittag unter dem Vorsitz von Frau Carrie Capman Gatt eröffnet. Vertreten sind fast alle Länder Europas und die Vereinigten Staaten von Amerika.

London, 8. Aug. Das Kapstädter Ackerbau­ministerium ist im Begriff, vier junge Leute von Staats wegen zum Studium der Weinkul­tur und der Weinerzeugung nach Deutschland zu entsenden. Der Studienplan schließt den Besuch der Weinbauschule in Geisenheim und eine praktische Lehrzeit bei großen rheinischen Wein­bauern ein. Die Auswahl der vier Weinbau­studenten erfolgt im Wege einer Prüfung na­mentlich auch in der deutschen Sprache, deren fließende Beherrschung verlangt wird.

Bureauk? atismus und Beamtenschaft.

Einen zeitgemäßen Erlaß hat der österrei­chische Ministerpräsident Frhr. v. Beck heraus­gegeben, in dem aus den ökonomischen und so­zialen Bedürfnissen der Zeit heraus und in ge­nauer Kenntnis der Eigenschaften der Beamten­schaft eine Erleichterung des Formalismus, die Befreiung aus der Schablone, kurz ein freierer Gang der Erledigung der Geschäfte erstrebt wird. Der Erlaß betont besonders, daß die Be­amten die Berater des Volkes, die Schützer der Mrmen und Bedrängten, wohlmeinende Schieds­richter sein sollen. Der hervorstechendste Punkt des Erlaffes ist die Aufforderung, den schleppen­den Jnstanzenzug so viel als möglich einzu- fchränken. Der mündliche Verkehr wird als das beste Mittel bezeichnet. Der Erlaß schafft be­reits in wichtigen Kapiteln des Verkehrs der Beamtenschaft mit der Bevölkerung Abhilfe und

11 , (Nachdruck verboten.).

Die Kette.

Roman von Hans Schulze.

(Fortsetzung.)

Nach kurzer Ueberlegung und einer Besich­tigung des Terrains schwang sie sich leichtfüßig vom Bock und führte das Gefährt links in den Wald zu einer kleinen Anhöhe, die nach der Straße zu durch mannshohes Buschwerk vor neugierigen Blicken undurchdringlich abgeschlos­sen war, dagegen sich nach dem Sinderoder Re­vier hin zu einer breiten Lichtung weitete; in der Ferne, durch einen Ausschnitt des Forstes kuliffenartig begrenzt, matt, tief, verschwiegen, rin Ausläufer des Redingfees.

Sie band den Gaul mit lockerem Zügel an einen jungen Kiefernstamm und reichte ihm ein paar Stückchen Zucker, die sie für ihren Lieb­ling stets bei sich trug.

Dann fetzte sie sich am Grenzstein auf die Böschung des Chauffeegrabens und wartete.

In regloser Stille lag der Wald, vom Hitze­dunst überflimmert, nur zuweilen ein leises Erillenparzen oder das schwache Schwirren von Libellen als einziger Laut unter der starren, graublauen Wölbung des glühenden Himmels.'

In dem unbewegten Grün der Bäume nicht eine einzige Vogelstimme, der Duft der Blumen wie aufgesogen von den sengenden Sonnen­strahlen.

Da klang ein Hufschlag in die schweigende Einsamkeit.

Käthe fuhr empor.

An der Biegung der Chauffee nach Dom- orowo hin wirbelte eine weiße Staubwolke auf, die rasch näher und näher kam.

Mit einem hastigen Sprunge stand Käthe aus den Fußen und trat an den Rand des Wal-

S iturück; ihr scharfes Auge hatte trotz der be­trächtlichen Entsernung doch sofort den Gelieb­ten erkannt

fordert weitere dirette Vorschläge über Verein­fachung des Verfahrens, die schleunig erstattet werden sollen. Damit aber keine Verzögerung, namentlich bei der Erledigung wirtschaftlicher Angelegenheiten, die den Parteien so ost sehr empfindliche Nachteile bereitet, stattfinde, for­dert der Ministerpräsident die Zuerken­nung der größeren Selbständigkeit an die unteren Behörden und zugleich, daß die meritorische Entscheidung der oberen Verwaltungsstellen den Vorrang vor der Be­rücksichtigung formaler Mängel habe. Auch den Verkehr der Zentralstellen miteinander entklei­det Baron Beck der Schwerfälligkeit des schrift­lichen Verkehrs, des Hin- und Herwandern der Akten von einem Referenten zum anderen, von einer Ortsbehörde zur anderen, wenn die Re­ferenten und die Oberbehörden an einem Orte ihren Sitz haben; er fordert die Einführ­ung des mündlichen Verkehrs, die Schaffung ständiger Kommiffionen und eigener Kommiffionstage. Im Zeitalter des Telephons, das weit entlegene Städte eng aneinanderrückt, wäre es ja auch absurd, wenn die Zentralstellen bei dringenden Angelegenheiten, besonders wenn bedeutende Jntereffen in Frage kommen, die Hilfsmittel der Feder und des Papiers zur Verständigung benützen würden.

DieKölnische Ztg." bemerkt dazu:

Das ist eine bei der Persönlichkeit v. Becks fast selbstverständliche Reformierungstätig'cit und im Grunde genommen nichts anderes als die Uebertragung seiner persönlichen Arbeits­methode als Beamter und Politiker auf die Be­amtenschaft des Staates überhaupt. Herr von Beck wendet sich an die Reffortminister mit einer im besten Sinne modernen Anregung zur De­zentralisierung des Verwaltungsapparates. Er­zielt soll dadurch werden eine Vereinfachung der Arbeit, eine schnellere Erledigung der Geschäfte, und dezentralisiert soll in der Art werden, daß die unteren Beamten mehr Selbständigkeit er­halten und dadurch die höheren entlasten, die formale Seite soll gegenüber dem sachlichen Kern zurücktreten, die Beamten sollen lernen, den Kern der Sachen herauszugreifen und in schneller und sicherer Arbeit zu erledigen.Der Beamte darf nicht übersehen," so drückt sich der Ministerpräsident in seiner Zuschrift aus,daß es zur Vereinfachung der Geschäfts, führung wesentlich beiträgt und für den praktischen Wert seiner Entscheidung ausschlag­gebend ist, wenn er bestrebt ist, sich durch un­mittelbaren Verkehr mit den Parteien zu unter­richten, den Kern der Sache herauszufinden und Aeußerlichkeiten aus dem Wege zu gehen. Auf dem Boden des Gesetzes stehend, soll er, wo und soweit immer es das Gesetz gestattet, alle Hin- derniffe der freien Tätigkeit der erwerbenden

Das Herz schlug ihr bis an den Hals.

Zwei Minuten danach parierte Georg den schaumbedeckten Rappen am Grenzstein und schwang sich im nächsten Augenblicke auf den staubigen Boden der Landstraße hinab.

Georg!"

Wie ein Jubellaut kam der Name aus ihrem Munde, auf einmal hing sie an seinem Halse, wie weggefegt war plötzlich alles, was sie sich auf der Waldfahrt so sorgsam zurecht gelegt hatte; ihre ganze heiße, leidenschaftliche Liebe schlug in diesem Moment wie mit lodernden Flammen über ihr zusammen.

Sie hatte nur den einen Gedanken, daß Georg ihr heute noch einmal ganz gehörte, daß sie darum jede Sekunde des Zusammenseins bis zum äußersten auskosten müßte.

Es war ja das letzte Mal, daß er sie in den Armen hielt, daß sie ihn küffen konnte, immer wieder und wieder; ihr ward, als dürfe darum die Seligkeit dieser Minuten kein Ende neh­men, als breche mit dem Augenblick, da sie den Geliebten freigab, ein schweres, unfaßbares Verhängnis auf ihn hernieder.--

Ein fernes Wagenrollen schreckte sie endlich aus ihrer trunkenen Selbstvergeffenheit auf.

Georg nahm sein Pferd am Zügel und führte es zu Käthes Dogcarts tiefer in den Wald hinein.

Das Mädchen folgte ihm langsam, zögernd, gesenkten Hauptes; nach dem elementaren Ce- fühlsausbruch erschien ihr das, was sie ihm zu sagen unternommen, in doppelt grausamen Lichte.

. Georg hatte sich in der Nähe der Pferde auf einen moosüberwachsenen Baumstumpf nieder- gelaffen, der sich wie ein natürlicher Sitz in­mitten des hohen Grases und starrer Farnwedel erhob.

Die Sonne schien ihm bei einer zufälligen I Wendung des Kopfes grell in das Gesicht, und I erJt Käthe das bleiche, abgezehrte Aus- I Men des geliebten Antlitzes auf. - " I

Bevölkerung zu beseitigen suchen. Dies ist na­mentlich bei der Erledigung wirtschaftlicher An­gelegenheiten, wo eine Verzögerung den Par­teien ost sehr empfindliche Nachteile bereiten kann, vom größten Werte." Allenfalls soll be­reits der unteren staatlichen Instanz die end­gültige Entscheidung oder Verfügung zustehen, wozu allerdings erst eine Gesetzesänderung not­wendig wäre. Der formale Gang des Verfah­rens soll durch eine erweiterte Anwendung des mündlichen Verkehrs vereinfacht und beschleu­nigt werden. Haben mehrere Behörden am Orte in ein und derselben Sache zu befinden, so sollen sie zu einer mündlichen Erörterung zu­sammentreten, damit der zeitraubende Sauf der Akten vermieden wird. Wer diese Reformvor­schläge des österreichischen Ministerpräsidenten im Wortlaut liest, kann sich des Eindrucks nicht entschlagen, daß sie durchdrungen sind von dem alten, aber nicht immer genüaend gewürdigten Satze, daß die Beamten für die Bevöl­kerung da sind. Es spricht aber daraus ferner die klare Erkenntnis, daß der moderne Staat seine Arbeiten schnell erledigen muß. Man erinnert sich unwillkürlich der Worte des greisen Kaisers Wilhelm L:Ich habe keine Zeit, müde zu sein." Und in letzter Linie ist das System der übermäßigen Zentralisierung als unmodern, weil es zu wenig leistungsfähig ist, zum alten Eisen geworfen."

Zur Lage in Rußland.

Die revolutionäre Agitation wird von den russischen Anarchisten und Sozial­demokraten aufs eifrigste betrieben. Mit allen Mitteln der Lüge und Verhetzung suchen sie Heer und Marine für sich zu gewinnen. Sie allein trifft die Hauptschuld an den blutigen Kämpfen in den finländischen Festungen und sie allein sind verantwortlich für das blutige Straf­gericht, das nunmehr über die verführten Meu­terer hereinbricht. In einem Aufruf an HeerundFlotte heißt es u. a.:

Soldaten! Seeleute!

Rußland ist in zwei Lager geteilt. Auf der einen Seite steht die große Mehrheit: alle Bauern, alle Arbeiter, alle Armen und Bedrück­ten, stehen die besterzogenen und aufgeklärtesten Klaffen, die klarer schauenden Soldaten, die besten Offiziere und alle die Märtyrer in den Gefängnissen unter ihnen viele tausende Soldaten und Seemänner. Auf der anderen Seite ist eine Versammlung von Bedrückern, wie General Trepow, Herr Pobjedonoszew und die mandschurischen Generäle, die vor den Japa­nern davongelaufen sind, aber aus Moskau, Odeffa und Tschita geschossen haben, die Zemski Natschalniki und die Polizeispione und das ganze schwarze Hundert. Diese alle vertrauen auf eure Kraft, um das ganze russische Volk nie-

Widerstandslos ließ sie sich auf seinen Schoß herabziehen und lehnte ihre Stirn an seine fieberheiße Wange.

Ihr ward, als müffe sie unaufhaltsam in ein großes Vergessen versinken, in ein großes Nichts, aus dem es kein Erwachen mehr gab, in dem das ganze Heer der quälenden Gedanken unter­ging und für immer begraben blieb.

So faßen sie lange, keines von ihnen sprach ein Wort, aus Furcht, den Zauber dieser Stunde zu brechen.

Der Tag begann sich allgemach zu neigen, die Sonne ging feurig verglühend zu Rüste.

Um die roten Kiefernstämme woben die ersten Vorboten der Dämmerung.

Der träumende Wald stand, als horche er in den sinkenden Abend hinaus.

Da plötzlich überkam Käthe mit vernichten­der Gewalt die Erkenntnis, daß mit diesem langsamen Verscheiden des Tages auch der Traum ihres Lebens seinem Ende zuschlich, daß in kurzen Minuten schon die Worte fallen mußten, die ewige Trennung für sie bedeuteten.

Ein Zittern durchlief ihre zierliche Gestatt, sie schlang die Arme fester um den geliebten Mann und drückte ihre Lippen wie verdurstend auf seinen Mund, als wolle sie in der Unend­lichkeit dieses Kusses atemlos erstickt vergehen.

Der würgende Schmerz ihres Innern zer­sprengte ihr fast die Brust.

Georg!" stammelte sie endlich, sich unter einem Frostschauer schüttelnd.Ich laffe dich nicht, ich kann es nicht!"

Erschrocken, wie versengt von der Flamme dieser Leidenschaft, beugte er sich zu ihr herab; er hatte sie noch nie in einer ähnlichen Auf­regung gesehen.

Was fehlt dir, Kind, was redest du?"

Einen Augenblick sah sie ihm wie geistesab­wesend ins Gesicht, dann auf einmal brach es wie ein enifeffelter Wildbach aus ihrem Munde.

Georg, sie wollen mich von dir reißen, alles fall aus fein! Wir sollen uns nie gehören

derzufchlagen. Wollt ihr auf das Volk schießen, das Blut des Volkes vergießen und die Brust des Volkes mit euren Bajonetten durchbohren? Gedenket, daß ihr die Kinder des Volkes, die Kinder des russischen Volkes seid, und daß zu derselben Zeit in den Dörfern, in denen ihr ge­boren wurdet, eure eigenen Brüder, die zu Hause blieben, ebenfalls agitieren und Land und Freiheit verlangen, und daß die Truppe andere Truppe aussendet, sie niederzuschießen und sie zu prügeln. Weshalb wollt ihr die Regierung verteidigen? Ist euer eigenes Leben so gut? Seid ihr nicht selbst in einem Zustande bcf Sklaverei?

Soldaten! Seeleute? Wir, die gesetzlich ge­wählten Vertreter der Bauern und Arbeiter, er­klären euch, daß ohne die Duma die Regierung ungesetzlich ist, und daß die jetzt von der Regie­rung ausgegebenen Befehle keine gesetzliche Kraft haben.

Wir fordern euch auf:

Erstens, daß ihr der ungesetzlichen Regierung zu gehorchen aufhöret und ihr zusammen mit uns und der ganzen armen Bevölkerung tätigen Widerstand leistet.

Zweitens: Jeder Soldat, der auf das Volk schießt, ist ein Verbrecher, Verräter und ein Feind des Volkes.

Drittens: Deutsche Truppen stehen bereit (!) unser Land zu überziehen zur Verteidigung der Regierung, die dem Volke mit der Gewalt frem­der Waffen entgegentritt. Wir erklären, daß durch solche Verhandlungen die Regierung das Land verraten hat, und daß sie jetzt außerhalb des Schutzes der Gesetze steht.

Seid tapfer für das Vaterland, für das Volk, für ein Land der Freiheit gegen diese verbreche­rische Regierung!"

Die Lüge von einer bewaffneten Interven­tion Deutschlands findet sich also auch hier wie­der, obwohl die Verfasser des Aufrufs ganz gut wissen, daß tet Plan ins Reich der Fabel zu ver­weisen ist. Sie wollen auf diese Art die eigene Regierung und Deutschland bei dem urteilslosen russischen Volk verdächtigen. Beweis, was wir von Rußland zu erwarten hätten, wenn die re­publikanischen Elemente die Oberhand gewännen.

Die Ausstandsbewegung.

Das Handelsministerium bezeichnet den letz­ten Aufstand als vollständig verfehlt. Außer in Petersburg und Moskau wurde in keinem grö­ßeren Jndustriebezirk ein größerer Ausstand der Fabrikarbeiter beobachtet. In Petersburg war nach den Berichten der Fabrikinspektion höchstens ein Drittel aller Fabrikarbeiter ausständig. Die größte Zahl der feiernden Arbeiter fiel auf den zweiten Ausstandstag, alsdann zeigte sich eine wesentliche Abnahme. Die Fabrikinspektion er­wartet, daß die Mehrzahl der Feiernden noch in dieser Woche die Arbeit in vollem Umfange wie­der aufnehmen wird.

Moskau, 7. Aug. (Petersb. Telegr.-Agent.) Die Börse mißt dem Generalausstande keinerlei

dürfen, morgen schon soll ich fort von hier, nie- mals soll ich dich wiedersehen? Zwei Tage haben sie mit mir gerungen! Jetzt bin ich fertig, ich kann nicht mehr, hilf mir doch, ich kann nrcyr mehr!"

Die Worte überstürzten sich auf ihren Lip­pen; in einem Anfall verzweifelter Wildheit klammerte sie sich an seinen Leib.

Ich laffe dich nicht, es ist unmenschlich, was sie verlangen, ich laffe dich nicht, ich kann es nicht!"

Mit einem schluchzenden Laut sank sie von seinen Knien jetzt endlich löste sich der Paroxismus der furchtbaren seelischen Erschüt­terung.

Sie schlug die Hände vor das Gesicht uni weinte.--

Georg traf dieser unerwarteteVerzweiflungs- ausbruch im ersten Moment mehr überraschend als erschreckend, er verstand anfangs gar nicht, was die leidenschaftlich herausgestoßenen Worte Käthes eigentlich bedeuten sollten.

Wer wollte es wagen, sie beide auseinander zu reißen, was das Ende ihrer Liebe gebieten, so lange sie in ihr miteinander einig waren.

Er fühlte die Kraft in sich, mit Käthe und für Käthe einer Welt die Stirn zu bieten.

Er strich der leise Weinenden liebevoll über den dunklen Scheitel und nahm ihre kalte. Nein« Rechte in seine beiden Hände.

Du siehst Gespenster, Kind!" sagte er dann. Heut, an diesem klaren Sonnentage. Wie kannst du dich so furchtbar erregen? Du weißt, ich halte zu dir, solange ich lebe? Was will uns da die Welt? Und wenn sich alles gegen uns erhebt, wir gehen unseren Weg, wenn wir nut unser selbst gewiß sind!"

Käthe senkte den Kopf; was sollte sie gegen diese Worte sagen, die in ihrer schlichten Ein­fachheit so klar die Situation beleuchteten und das Unnatürliche deffen, was sie sich voraus­gesetzt, wie mit Keulenschkägen festnagelten.

(Fortsetzung folgt.)