mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
SonntaasbeUager Allustrtries HonvtMMM.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag: Joh. Aug. Soch, UniverfitStS-Buchdruckerri 41. ffafirtL Marburg, Mar» 21. - Telephon 55. y w
Marburg
Sonnabend, 4. August 1906.
Vierteljährlicher Bezugspreis: bet ber Erk^itioa 2 M, 180 bet allm Postämtern 2,25 M, (eyL Bestellgeld).
'"* O" Znserttonsgebühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Pfg, Reclamen: die Zeile 25 Pfg.
Neueste Telegramme.
. Karlsruhe, 2. Aug. In der badischen Zweiten Kammer gab Ministerpräsident v. Dusch die Erklärung ab, daß die badische Regierung der .Gewährung von Tagegeldern an Geschworene und Schöffen durchaus freundlich gegenüberstehe und überzeugt sei, daß die Regelung auf dem Wege eines Reichsgesetzes erfolgen müffe. Jedenfalls müsie zunächst die Revision der Straf- Prozeßordnung abgewartek werden. Unter keinen Umständen halte er es für richtig, wenn den Arbeitern, die als Schöffen fungieren, der Lohn zurückgehalten würde.
1 Koburg, 2. Aug. Herzogin Viktoria Adelheid von Sachsen-Koburg-Eotha ist heute vormittag 8 Uhr 50 Min. auf Schloß Callenberg von einem Thronerben glücklich entbunden worden.
Norderney, 2. Aug. Der Reichskanzler erwartet hier um Mitte August einen abermaligen Besuch des Kaisers.
Athen, 2. Aug. Aus Athen erhält die „Frkf. Ztg." von der Thrazischen Asiociation vom 1. August, 5,50 Uhr nachm., folgende Depesche: „Im Namen der Thrazier zeigen wir mit Entrüstung den europäischen Nationen den Vandalismus an, der in dem Fürstentum Bulgarien und in der privilegierten Provinz Ostrumelien verübt worden ist und wir rufen deren Schutz an für unsere niedergemetztelten Brüder, deren Kirchen besetzt, deren Geistlichkeit beleidigt und deren Güter geplündert worden sind, gegen jedes menschliche Recht und gegen die Freiheit.
London, 3. Aug. Ueber angeblich grausame Behandlung der Kriegsgefangenen in Südwestafrika durch-- die Deutschen wird in der Kap- ftübicr PreH» Klage geführt. Die Beschuldigun- gehen stuf Erzählungen von Eingeborenen Zurück und sind sonst durch nichts gestützt; sie werden daher nicht einmal in London sehr ernst ‘genommen. (Es erübrigt sich daher, auf diese -neuen, von einem englischen Geistlichen in Kapstadt herstammenden Hetzereien näher einzu- tzehen. Lügen haben kurze Beine.)
! Der Kaiser und die öffentliche
A Meinung.
j Man schreibt uns aus Berlin: Ueber den Kaiser und die deutsche Presse ist in letzter Zeit ^nehr als wünschenswert erscheint, geschrieben ßvorden. Man konnte das meiste achselzuckend jbeiseite legen, da hinreichend bekannt ist, wie • Unzureichend der Kaiser durch die „Fürstenkor- xespondenz" unterrichtet wird und wie wenig ßLert er auf Preßäußerungen legt, am wenigsten svermutlich auf diejenigen, die ohnehin von nie; fnandem in seiner Umgebung ihm in die Hand gespielt werden, da sie in der Unabhängigkeit
(Nachdruck verboten.^
Die Kette.
Roman von Hans Schulze.
(Fortsetzung.)!
Sie zürnte Ulrike fast, daß sie sie aus dieser jDenkrichtung, in die sie sich schon vollkommen ,hineingelebt, noch im letzten Augenblick wieder herausgerissen hatte.
i Was war denn das, was ihrer auf dieser Mett noch wartete, selbst wenn sich die Trennung Georgs und Käthes glatt vollzog?
i Wie ein Damoklesschwert schwebte ja der ungelöste Konflikt, ihr jede Daseinsfreude mordend, immer weiter über ihrem schuldbelasteten ^Haupte.
■ Sie fühlte, daß sie verurteilt war, in Jammer und Not weiterzugehen; ein langsames Siechtum dehnte sich vor ihr in Furcht und Un- -rast, in peinigenden Vorwürfen und Eewissens- shualen an der Seite ihres Kindes, das sie aus ^kleinlicher Selbstsucht um das Glück seines Lebens betrogen hatte. - • '
> Es regnete noch immer in Strömen, als Ruth bald nach fünf Uhr vor der Rogalskischen Konditorei vorfuhr und den leichten Jagdwagen, bett sie benutzt, nach der Eemballaschen Ausspan- ’trung schickte.
t Ein süßlicher Geruch nach Backwaren und Kn Regenschirmen schlug ihr beim Eintritt
15 Lokal feuchtdumpf entgegen.
! Im Vorderzimmer an dem auf den öden Markt hinausgehenden Fenster kicherten ein )>aar Backfische bei Kuchen und Schlagsahne und musterten den neuen Ankömmling mit zudring- kich-kritischen Blicken.
: - Die Gräfin nahm sogleich ihren Weg nach pem altgewohnten Hinterzimmer, in dem die jvamen des Landadels bei Fahrten in die Stadt ÄAtttaittRin am luxtfan. nifioUa x».- . , - "■ „
ihres Urteils wenig bequem sind. Eben darum kann nicht an folgender Mitteilung vorbeigegangen werden, die den „Hamburger Nachrichten" über eine vom Kaiser Ende der neunziger Jahre befohlenen Erhebung über die Presie zugegangen ist:
„Durch Vermittlung aller möglichen amtlichen Instanzen, durch Offiziere und Privatpersonen ließ er sich unauffällig über die Ver- faffer von Artikeln, die in irgend einer Weise seine Aufmerksamkeit erregt hatten, erkundigen. Ebenso unauffällig suchte er auf Umwegen — meist durch militärische Vermittlung, der strengste Diskretion zur Pflicht gemacht wurde — namentlich mit Berliner Blättern Fühlung zu gewinnen. Es handelte sich dabei u. a. um Anregungen auf dem Gebiet der sogenannten großen Berichterstattung; sie fanden bei der Mehrzahl der in Anspruch genommenen Verleger der Kosten wegen keine Gegenliebe; auch erwies es sich als unmöglich — wie es dem Kaiser vorgeschlagen worden war —, mehrere Redaktionen zu gemeinsamer Berichterstattung bei Repartierung der Kosten unter einen Hut zu bringen.
Die Ermittlungen über journalistische Personalien, die ebenfalls in den Jahren 1898 und 1899 stattfanden, erstreckten sich auf allgemeines Wissen, Vergangenheit, Verkehr, Sachverständigkeit im speziellen Fall, den Besitz des als Unterlage für ein Urteil erforderlichen Materials und ähnliche Dinge. Das Ergebnis mußte vielfach befremden und hat in Verbindung mit dem negativen Ergebnis der oben erwähnten Bemühungen die seitherige Stellung des Kaisers zur deutschen Presse zur Folge gehabt. Da waren einflußreiche Journalisten, die in der Tat eine sehr bemerkenswerte „Vergangenheit" hatten, andere, die, hauptsächlich ihrer Privatverhältnisse wegen, mit der Welt, über die sie aburteilten, nicht die leiseste Fühlung unterhielten, große Berliner Redaktionen, die ihre internationale Politik von Ausländern, und wieder solche, die sie von Leuten, die nie die Grenzen des Reiches überschritten hatten, vertrauensvoll erledigen ließen, Redaktionen, die zwar über das Regieren der Beamten vom grünen Tisch aus zeterten, aber niemals einen Versuch machten, ihrerseits anders als vom grünen Tisch aus zu urteilen, Redakteure endlich, die Skandalosa veröffentlichten und zur Sensation machten, ohne die ihnen von untergeordneten Berichterstattern oder unbekannten Privatpersonen zugetragenen angeblichen Tatsachen irgendwie persönlich geprüft zu haben. Es fanden sich Kritiker, die gewohnheitsmäßig jede neue Moderichtung in Kunst und Literatur mit Inbrunst verhimmelten, um sie den Tag darauf der allerneuesten zu Liebe wieder zu vergesien und fallen zu lasten. Da saßen in den Redak- tionen demokratischer Blätter Leute, die für
Das Anestbieten der freundlichen, dicken Konditorfrau, Gas anzustecken, lehnte sie fast ängstlich ab.
Gerade das ungewisse Halbdunkel des kleinen Gemachs erschien ihrer momentanen Stimmung «»gepaßt.
Sie ließ sich auf das einzige, zersestene Sofa nieder und nahm ein paar alte, zerlefene Journale zur Hand.
Doch bald legte sie die abgegriffenen Blätter wieder beiseite und musterte mit leerer Gleichgültigkeit die Einrichtung des engen Raumes.
Ueber der Tür eine schmutzige Kattunpor- tiere, auf der verschossenen Tapete ein alter Spiegel in brüchigem Eoldrahmen, chinesische Fächer, Makartbukette.
Durch das schmale, hohe Fenster neben dem Ofen fiel der Blick auf einen Komplex düsterer Hintergebäude und einen langen, schmutzigen Hof, in besten Wasterlachen sich ein spärliches Volk von Enten herumtummelte. —
In diesem öden Zimmer sollte über das Lebensschicksal zweier Menschen entschieden werden.
Ein Gefühl des Ekels stieg in der einsamen Frau auf vor dieser undefinierbaren Atmosphäre von Kaffeegeruch und Zigarettenqualm, daß sie am liebsten auf die Straße in den Regen hinausgelaufen wäre, nur um in der frischen Luft wieder frei atmen zu können. —
In diesem Augenblicke ward die zum Laden führende Tür hastig geöffnet, und Baronin Ulrike erschien mit Käthe auf der Schwelle.
„Tante Ruth!"
Zwei weiche, warme Arme schlangen sich um den Hals der Gräfin, die sich mit zitternden Gliedern beim Eintritt der beiden Damen aus ihrer Sofaecke erhoben hatte.
Ein blastes, verweintes Gesicht sah zu ihr
Geld ihre Vergangenheit und ihre ganz und gar nicht demokratischen Jnstintte verleugneten, da fanden sich umgekehrt in den Redaktionen rechtsstehender Blätter Kryptosozialdemokraten in nicht unbeträchtlicher Zahl. (?) Bei dem Mißtrauen, das der Kaiser dem politischen Verständnis der Bureaukratte von jeher entgegenbringt, konnten ihm auch die unbedingten Verteidiger jeder amtlichen Dummheit nicht sonderlich imponieren — kurz, der Einblick, den er sich verschaffte, legte Verhältniste bloß, die für die Preste in der Tat keineswegs empfehlenswert waren! Auf dem Wege bedauerlicher Verallgemeinerung ist dann wohl das augenscheinlich vorhandene Vorurteil entstanden, daß bei uns Kungebungen und Mitteilungen der großen Mehrzahl der Zeitungen überhaupt kein Wert beizumessen fei, und daß man sie am besten ganz unbeachtet laste."
Man würde Bedenken tragen, diese Mitteilungen weiter zu geben, wenn nicht die „Hamburger Nachrichten" eine starke Bürgschaft für die Wahrheit böten. Beruht aber die ganze Darstellung auf Tatsachen, so liefert sie wieder einen sprechenden Beweis dafür, wie sehr gewisse Kreise bestrebt sind, den Kaiser in Widerspruch mit der öffentlichen Meinung seines Volkes zu halten. Denn wenn auch nicht geleugnet werden soll, daß einzelne Züge in jener Schilderung der Presse ebenso fein als zutreffend sind, so stellt das Ganze doch sich als ein Zerrbild dar. Insbesondere ist „bei den rechtsstehenden Blättern" auch dem kundigsten The- baner kein einziger Kryptosozialdemokrat bekannt. Denn man wird doch nicht annehmen dürfen, daß dem Kaiser die offiziöse Preste als „rechtsstehende" bezeichnet ist! Die kaiserliche Anregung zu einer Einrichtung großzügiger Berichterstattung über außerpolitische Vorgänge ist an sich ja eine sehr dankenswerte. Aber leider erschien gerade sie gänzlich unausführbar, denn von vornherein mußte die gesamte demokratisch beeinflußte Preste wegen ihres Zusammenhanges mit den internationalen Telegraphenagenturen und der ausländischen Börsenpresse außer Betracht bleiben, und nur die national gerichteten Blätter konnten in Frage kommen. Diese aber würden schwerlich geneigt fein, ihre Berichterstattung über die auswärttge Politik in den Dienst der Anschauungen zu stellen, die seit Bismarcks Abgänge zu dem gerade von der nationalen Preste so stark beklagten Niedergange unserer Weltstellung geführt haben. Im Gegenteil wird die nationale Preste es als ihre schwere, aber unweigerliche Aufgabe erkennen, bet seltenen Politik unserer Tage als Gegengewicht zu dienen, und in den Schwankungen ber öffentlichen Meinung immer roieber bis Aufmerksamkeit auf bcn Schwerpunkt unser -: nationalen Jnteresten zu lenken.
Im ersten Moment kam Ruth nichts weiter zum Bewußtsein als bies Gesicht mit ben wundervollen dunklen Augen, die mit todestrauri- gem Ausdruck in ihren Blicken zu lesen schienen. Ein unendliches Mitleid überflutete sie auf einmal mit diesem tapferen Mädchen, bas sich selbst und seine Liebe so entschlossen zum Opfer bringen wollte.
Sie wagte es kaum, sich zu ihr herabzu- beugen und als sie sie jetzt leise auf ben Mund küßte, rannen ihre Tränen in heißen Tropfen auf Käthes schmale, bleiche Wangen über.
„Wie soll ich dir danken, Käthe, wie soll ich dir danken?"
„Du hast mir nichts zu danken!" war die Antwort. „Was ich tun will, bin ich einfach Georg schuldig, wenn ich ihn nur noch ein ganz klein wenig lieb habe!"
Ein leises Zittern vibrierte in Käthes Stimme.
„Es muß doch sein, Tante Ulrike, es ist doch nicht zu ändern!"
Und dann auf einmal war es mit ihrer mühsam bewahrten Fassung zu Ende.
Sie schlug die Hände vor das Gesicht, um die Tränen nicht sehen zu lassen, die sie nicht länger zurückzuhalten vermochte.
Mit geschlossenen Augen, unfähig, ein Glied zu rühren, lehnte sie an Ruths Schulter gleich einer Schlafenden.
Es kümmerte sie nicht, daß das Ladenfräulein mit dem Kaffee hereinkam und mit den Tasten klirrte.
Wie durch einen Nebel klang die Stimme Tante Ulrikens an ihr Ohr, die das mitleidige Mädchen mit gedämpftem Flüstern zu beruhigen sucht: Das gnädige Fräulein sei von der Hitze unwohl geworden; sie werde sich auch ohne den diensteifrig angebotenen Kognak wie- . erüalju*- - ’ ' i-**-
setzen?
(Fortsetzung folgt.)
Deutsches Reich.
Berlin, 3. August,
, — Seine Majestät der Kaiser hörte gestern, wie aus Swinemünde gemeldet wird, an Bord der „Hamburg" die Vorträge des stellvertreten- den Chefs des Zivilkabinetts, Geh. Regierungsrats von Eisenhard-Rothe, des Chefs des Ad. miralstabes der Marine, Admirals Buechsel, und des Chefs des Eeneralftabes der Armee, Eeneraladjutanten v. Moltke.
— Das neue Muster für die Eemeinde-Um« satzsteuer-Ordnung, das auch für die Kreise »et* wendbar ist, wirb soeben im Ministerialblatt für die innere Verwaltung veröffentlicht. Ei umfaßt 14 Paragraphen. In Abänderung der Vorschriften vom April 1896 bestimmt der § 2: „Ein Erwerb von Todes wegen oder auf Grund einer Schenkung unter Lebenden im Sinne der Reichserbschaftssteuergesetzes vom 3. Juni 1906 usw. bleibt frei von ber im § 1 bezeichneten Steuer." Die letztere wirb ferner nicht erhoben, wenn ein Erunbstiick ober Recht von einem Veräußerer auf einen Abkömmling auf Grunb eines lästigen Vertrages übertragen wirb, ober wenn einer ober mehrere von ben Teilhabern an einer Erbschaft ein zu bem gemeinsamen Nachlasse gehöriges Grunbstück ober Recht erwerben. Zu den Teilnehmern wird auch der überlebende Ehegatte gerechnet, ber mit ben Erben bes verstorbenen Ehegatten gütergemeinschaftliches Vermögen zu teilen hat. Erfolgt ber Erwerb auf Grunb von Tauschverträgen, so berechnet sich die Steuer nach bem höher bewerteten Grundstücke ober Rechte. Erwerber ober Veräußerer sind gesamtschuldnerisch zur Zahlung der Steuer verpflichtet. Bei Zwangsversteigerung hat ber Erwerber bie Steuer zu zahlen, bem ber Zuschlag erteilt ist; wenn ber Erstehet, Hypotheken- usw Gläubiger ist, so wirb bie" Steuer nur von bem Betrage bes Meistgebots erhoben, ber ben Gesamtbetrag seiner Hypothekenforderung übersteigt. Entscheidend für die Wertvermittlung ist ber gemeine Wert zur Zeit bes Erwerbsattes. Die Steuerpflichtigen haben bem Magistrat usw. zwei Wochen nach dem Erwerb biesen anzuzeigen und binnen drei Wochen nach Zustellung ber Veranlagung bie Steuer zu entrichten. Die Einspruchsfrist beträgt vier Wochen, bie Friß zur Anstellung ber Klage im Verwaltungsstreitverfahren zwei Wochen nach ber Zustellung. Verstöße gegen bie Anzeigepflicht werden mit Geldstrafen von einer bis zu 30 -ü geahndet.
— Die Zweite badische Kammer beschäftigte sich vor einigen Tagen mit bem Antrag bet Blockparteien, bie Regierung zu ersuchen, im Bundesrat dahin zu wirken, daß das Unter« stützungsgesetz für Kriegsteilnehmer vom Iahte 1895 durch eine Bestimmung ersetzt werde, nach ber allen unterstützungsbedürftigen Personen bes Unteroffiziers- unb Mannfchaftsstanbes bes
Sie hatte nur bas eine Gefühl, baß sie sich unter Menschen besanb, die ihr gut waren, bie gleich ihr litten unter ber Grausamkeit eines unabwenbbaren Schicksals, und aus diesem Bewußtsein erwuchs ihr allmählich eine wunderbar wohltätige Ruhe. -
Eine Art Mättyterstolz überkam sie, daß bie Frucht biefes Sieges über sich selbst ja dem Manne würbe, ben sie übet alles liebte; baran richtete sie sich roieber langsam empor, baß sie enblich ben Bitten Ulrikens Gehör lieh und einen Schluck Kaffee berunterroürgte.
Der heiße Trank belebte ihre Spannkraft vollends. ,,
Sie setzte sich mit Aufbietung aller Willensstärke aufrecht in die Höhe unb nahm mit ruhiger Fassung an ber Beratung ber beiden Frauen teil, wie bie Auseinandersetzung mit Georg am besten eingleitet werden könne.
Den daheim schon einmal gemachten Vorschlag Ulrikens, Georg brieflich von ber Wandlung ihres Sinnes zu verständigen, lehnte sie auch jetzt wieder mit aller Entschiedenheit ab; das glaubte sie ihm wenigstens schuldig zu sein, daß sie ihm offen und ehrlich selbst gegenübertrat und ihn persönlich zur Rückgabe ihres Wortes veranlaßte.
Freilich erschien es ihr nach wie vor noch immer als ein unlösbares Rätsel, wie sie Georg, ohne den eigentlichen Grund auch nur anzu- beuten, die Notwendigkeit einer Trennung verständlich machen sollte. . . -
Besaß er nicht schließlich em Recht darauf, die volle Wahrheit von ihr zu erfahren, und würde er nicht vielleicht jede Anstrengung machen, sich in den Besitz dieser Wahrheit z«