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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Allnktriries Sonntaasblatt.

JVo 179

Vierteljährlicher Bezugspreis; bet der Expü>itüm 2 ML, btt allen Postämtern 2,25 DL (tyL Bestellgeld).

JnsertronSgebühr: die gespaltene Zeile oder vtrtn Raum 10 Pfg, Reclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Freitag. 3. August 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck Md Verlag' Ioh. Aug. Koch, Univer'itätS-Buchdrucker^

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

41. Jahrg.

Neueste Telegramme.

Berlin, 2. Aug. Der Kaiser gedenkt, Mitte dieses Monats an der Enthüllung des Land­grafendenkmals in Homburg teilzunehmen. Er tottb in Verbindung hiermit mehrere Tage in Schloß Friedrichshof verweilen. Während die­ser Tage wird der König von England dort ein­treffen.

Kiel, 1. Aug. Die aktive Schlachtflotte ankert in Bergen, Drontheim, Molde und Christianssund, wo augenblicklich fünf deutsche und zwei norwegische Dampfer die Flotte mit rund 17 000 t westfälischer Kohlen versorgen. Ein Dampfer begleitet die Torpedobootsflotrille als schwimmendes Kohlenlager durch den nord­atlantischen Ozean und die Nordsee, wo takttsche Hebungen bis Helgoland abgehalten werden. Der gemietete Jachtdampfer Hamburg läuft am 5. August in Kiel ein und beginnt sofort mit der Abrüstung auf der Reichswerst. Die In­dienststellung der Hamburg wird somit drei Monat gedauert haben. Das Schiff geht an die Hainburg-Amerika-Linie zurück.

Wilhelmshaven, 2. Aug. Wie gemeldet wird, erhielt das KanonenbootPanther" von der amerikanischen Station Befehl, eine Fahrt längs der nordamerikanischen Küste anzutreten und diese bis Kanada auszudehnen.

Rio de Janeiro, 1. Aug. Der amerikanische Staatssekretär Elihu Root erklärte lautFrkf. Ztg." in einer am Abend abgehaltenen Fest­sitzung des Panamerikanischen Kongreßes, daß die Vereinigten Staaten keine Absicht auf terri­toriale Erwerbungen in Südamerika haben, er glaubt indessen, daß Einigkeit und gemeinsame Arbeit von Panamerika allen interessierten Ländern nützlich ist. Die Vereinigten Staaten seien zugunsten einer friedlichen Propaganda, damit die amerikanischen Republiken nicht mit Rüstungen belastet werden, wie es bei den Staaten Europas der Fall sei. Die Monroe- Doktrin wurde in der Rede Roots nicht berührt.

Sansibar, 1. Aug. Die deutschen Reichstags­abgeordneten verließen gestern abend um 7 Uhr mit dem DampferBundesrat" Dar-es-Salam. Sie fahren zunächst nach Kilwa Kisiiwani, dann nach Lindi, Bagamoyo, Sadani, Sansibar, Pan- gani und Tanga. Unter Benutzung der Mombo- bahn wird dann eine siebentägige Fußtour durch Usambara ausgeführt. Am 15. d. M. wird Mombasia erreicht, am 17. Port Florence. Dann erfolgt eine zwölftägige Rundfahrt um den See mit zwei Tagen Aufenthalt in Bukoba und vier Tagen in Muanza. Von dort geht die Rück­fahrt nach Mombaßa, wo am 31. ds. Mts. die Heimreise mit dem DampferBürgermeister" der Deutsch-Ostafrikalinie angetreten wird.

86 (Nachdruck verboten.).

Die Kette.

; Roman von Hans Schulze.

(Forsiehung.)

Mit müden, schleppenden Schritten schlich Käthe aus dem düsteren Zimmer, das sie vor einer kurzen halben Stunde mit so jugendlicher Hoffnungsfreudigkeit betreten hatte.

Eine dumpfe Starrheit lag lähmend auf ihrem gesamten Denken. Er war alles aus!

Ihr ganzes Leben schien ihr auf einmal allen Sinn und Inhalt verloren zu haben, das sie dem Wahnsinn eines zerrütteten Geistes opfern mußte.

Sie konnte, sie wollte es noch nicht glauben, i' das furchtbarste eingetreten war, was sie -.'fürchtet hatte.

Sie biß die Zähne aufeinander, um die Trä­nen zurückzudrängen, sie schloß die Augen und versuchte sich vorzustellen, daß alles nur ein schrecklicher Traum gewesen sei.

So saß sie fast eine Stunde auf dem kleinen Sofa der Bibliothek, sie sehnte sich nach einem tröstenden Menschen, und doch widerstrebte es ihr immer wieder, zur Tante hinunterzugehen.

Sie fühlte, daß sie noch nicht mit sich selbst im klaren war, ihr Schmerz erschien ihr noch zu groß, zu heilig, um irgend jemand anderes daran teilnehmen zu laßen. . . .

Die Dämmerung sank indes langsam herein, allmählich verschwammen die hohen Regale ins Undeutliche, Ungewiße.

Um die ragenden Wipfel des Parks glitt es wie ein weicher Hauch, nur hie und da noch schimmerte es rosig durch die dunklen Laub- Maßen wie verlöschende Glut aus grauer Asche.

Es litt Käthe auf einmal nicht länger in der atembeklemmenden Staubatmosphäre derVücher- welt.

Sie öffnete die Tür zunt Korridor und glitt dann mit leisen Bewegungen, um von niemand gehört zu werden, die Treppen hinab in den Pckii hinaus.

Deutschland und Frankreich.

Die Bevölkerung des Deutschen Reiches ist nach dem Stande um die Mitte dieses Jahres auf 61102 000 Köpfe berechnet worden. Da die Volkszählung vom 1. Dezember 1905 eine Be­völkerungszahl von 60 605183 ergeben hatte, hat mithin in den letzten sieben Monaten eine Zunahme von nahezu eine halbe Million statt­gefunden. Bei der vorletzten Volkszählung vom 1. Dezember 1900 war die Bevölkerung des Deutschen Reiches auf 56 367178 und bei der ersten Volkszählung im neuen Deutschen Reiche, die am 7. Dezember 1871 stattgefunden hat, auf 41058 797 ermittelt worden. Die Bevölkerung des Deutschen Reiches hat sich in den letzten 10 Jahren um 8,35 Millionen und seit der Grün­dung des Deutschen Reiches um nahezu 20,1 Millionen oder 49 v. H. vermehrt.

Vergleicht man die Vevölkerungszisfer des Deutschen Reiches mit der anderer Staaten, so ergibt sich, daß Deutschland hier an fünfter Stelle marschiert. Zuerst kommt China mit etwa 426 Millionen, dann Vrittsch-Jndien mit 294, Rußland mit 125, die Vereinigten Staaten von Amerika mit 76, dann Deutschland mit 61, Japan mit 46, Oesterreich-Ungarn mit 45, Groß­britannien mit 41, Frankreich mit 39 und Ita­lien mit 32 Millionen. In Europa steht also Deutschland an zweiter Stelle, während Frank­reich unter den europäischen Großmächten be­reits an die vorletzte Stelle gerückt ist. Die jährliche Bevölkerungszunahme betrug in Deutschland während der letzten Zählungs­periode 1,45 Proz., und sie wurde nur von den Vereinigten Staaten von Amerika übertroffen, wo die Bevölkerungszunahme 1,89 Proz. betrug, was freilich zum großen Teil auf die außer­ordentlich starke Einwanderung zurückzuführen ist. In Rußland betrug die Zunahme 1,37 Proz., in Oesterreich-Ungarn 0,93, in Groß­britannien 0,90, in Italien 0,69 und in Frank­reich endlich nur 0,36.

Diese ungeheuer geringe Zunahme in Frank­reich ist eine ebenso auffallende, wie bedeutsame völkerpsychologische Erscheinung, die dadurch noch mehr ins Gewicht fällt, daß in Frankreich die Anzahl det Sterbefälle nicht übermäßig hoch und die Auswanderung außerordentlich gering ist und durch die Einwanderung nach Frankreich wett gemacht wird. Die geringe Vermehrung der französischen Bevölkerung ist also lediglich auf die geringe Zahl der Geburten zurückzu­führen, die selbstverständlich nicht auf Zufällig­keiten, sondern auf Erscheinungen beruht, die mit der Entwicklung der französischen Nation in engem Zusammenhang stehen. Eben deshalb

Wie ein. Tier, dachte sie plötzlich, wie ein an­geschoßenes Tier, das sich im Gebüsch verbirgt, um einsam und ungesehen zu verenden.

Eine Stunde erst war seit der Unterredung mit dem Vater vergangen, und doch hatte sie das Gefühl, als seien bereits Jahre verfloßen seit dem Augenblick, da sie das verhängnisvolle Zimmer verlaßen hatte.

Sie meinte auf einmal, es müße sich mit ihr auch alles um sie herum verändert haben, sie faßte es nicht, daß die Welt so gleich, so gleich­gültig geblieben war, indes ihr eigenes Leben ihr von Grund aus gewandelt schien.

Dieselbe Dornröscheneinsamkeit des alten Schloßes, der verschlungenen Parkwege, diesel­ben verführerischen Sommerlüfte, die die ver­borgensten Triebe im Menschen wecken und seine Widerstandskraft lähmen.

Mitleidlos, erbarmungslos schritt das Leben an ihr vorbei.

Ein Gefühl namenloser Verzweiflung keimte aus dieser Erkenntnis in ihr auf, daß sie sich an einen Baum lehnen mußte, um nicht umzusinken.

Und dann auf einmal verlor sie den letzten Halt.

Ein halberstickter Wehlaut.

Das Gesicht tief im Moos vergraben, lag ein vor Schmerz zuckender Mädchenkörper in einem einsamen Buchenwinkel.

14. Kapitel.

Liebste Ruth!

Erst jetzt, nachdem ich hier in allen Dingen klar sehe, komme ich dazu, Dir eine kurze Nach­richt über den gegenwärtigen Stand unserer An­gelegenheit zu geben.

Ich habe vorgestern abend nach meiner Rück­kehr von Dombrowo mit Käthe in dem mit Dir vereinbarten Sinne gesprochen und sie über die Notwendigkeit eines Verzichts auf Georg voll­ständig aufgeklärt. Ein letzter Versuch Käthes, den Vater durch ihre persönlichen Bitte umzu­stimmen, ist, wie ich bei dem Charakter meines Bruders vorausgesehen, ebenso wie der einer eigenen Intervention gescheitert. Mein Bruder

hat man in Frankreich an die Ergebniße der neuesten deutschen Volkszählung sehr peßi- mistische Betrachtungen geknüpft, und blickt dort mit Sorge den Ergebnißen der diesjährigen französischen Volkszählung entgegen.

Die französische Volkszählung vom Jahre 1901 hatte eine Bevölkerungszahl von 38 600 000 ergeben, wobei die Zunahme im Laufe der ver­gangenen fünf Jahre 66 000 jährlich betragen hatte. Wenn in den letzten fünf Jahren die Zu­nahme eine entsprechende gewesen ist, so würde die derzeitige Bevölkerungsziffer Frankreichs auf 39 Millionen ermittelt werden, und wesent­lich mehr wird sie sicherlich nicht betragen. Der Stillstand, welcher in der Bevölkerungszunahme Frankreichs eingetreten ist, wird klar, wenn man die Bevölkerungsbewegung im vergange­nen Jahrhundert verfolgt und sie mit der Deutschlands vergleicht. Im Jahre 1801 zählte das Gebiet des heutigen Deutschen Reiches 25 Millionen, Frankreich dagegen nahezu 27 Mil­lionen Einwohner. In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts stieg die Bevölkerung Frankreichs noch verhältnistnäßig stark, nämlich bis zu 34 901938 im Jahre 1851. Seitdem ver­langsamte sich die Zunahme immer mehr. 1870 zählte Frankreich, obwohl es seitdem um Nizza und Saovyen vermehrt worden war, kaum 37 Millionen Einwohner, während Deutschland zu dieser Zeit bereits auf 41 Millionen an­gewachsen war. Nach dem Kriege von 1870/71 ging Frankreich durch den Verlust Elsaß-Loth- ringens auf ungefähr 36 Millionen zurück, so daß sich seine Bevölkerung seitdem in 34 Jahren nur um etwa 3 Millionen vermehrte, während Deutschland in derselben Zeit um über 20 Millionen zugenommen hat.

Das Exempel, welches sich hieraus ergibt, ist zu einfach, als daß man es in Frankreich über­sehen könnte: Die Aussichten derRevanche" sinken Jahr für Jahr um ebenso viel, als der Ileberschuß der Bevölkerung Deutschlands über Frankreich steigt, und trotz der gewaltigsten An­strengungen bleibt die Rekrutierungsmöglichkeit in Frankreich immer mehr hinter der in Deutsch­land zurück. Die französischen Politiker und Volkswirtschaftler beschäftigen sich sehr ernstlich mit diesen Fragen und sie schlagen die absonder­lichsten Mittel, Prämien auf Geburten, Steuern für Junggesellen und Kinderlose und dergleichen vor, um dem Geburtenmangel und der zuneh­menden Kinderlosigkeit in Frankreich zu steuern. Aber es handelt sich bei dieser Erscheinung, die in fast allen Ländern der romanischen Raße, in SpanÄn, in Portugal und vielfach sogar auch schon in Italien, wahrzunehmen ist, um sozial­nationale Entwicklungen, die durch äußere Mit­

beharrt mit unerschütterlicher Starrheit auf seinem Verlangen.

Erlaß mir, bitte, eine Schilderung von Käthes Ceelenzustande! Das arme Ding ist ganz ver­nichtet, dennoch aber fest entschloßen, Georg aufzugeben! Nur sehen möchte sie ihn noch ein einziges Mal und von ihm Abschied nehmen! Dann will ich sofort mit ihr auf unbestimmte Zeit verreisen: so wird sie, hoffe ich, am schnell­sten über diese erste große Enttäuschung ihres Lebens Hinwegkommen. Vielleicht bleiben wir irgendwo dauernd im Süden und kehren nie wieder hierher nach dem Osten zurück!

Ehe sich Käthe mit Georg auseinandersetzt, möchte sie aber gern noch einmal mit Dir zu­sammentreffen, um sich mit Dir über die Gründe zu einigen, mit denen die Auflösung des Ver- hältnisses motiviert werden soll. Ich schlage Dir deshalb als Rendezvous die Rogalskische Konditorei in Rahnfeld vor; dort sind wir in der sechsten Stunde des Nachmittags ungestört. Falls es Dir also heute recht sein sollte, laß mir umgehend noch eine direkte Nachricht zukommen. Käthe grüßt Dich vielmals, das gleiche geschieht von Deiner treuen Cousine

Ulrike."

Wohl zehnmal hatte Gräfin Ruth die hastig mit Bleistift hingeworfenen Zeilen durchflogen, hinter deren schlichter Einfachheit sich so viel schweres Herzeleid verbarg.

Zwei unschuldige Menschen sah sie mit hinein­gerißen in den Fluch ihrer einstigen Verfehlung.

Und sie selbst mußte hilflos, mit gebundenen Händen beiseite stehen, indes jene der Strudel ergriff und vielleicht zerschellte; denn das be­freiende Wort barg für ihr Kind mit der Er­lösung auch die Vernichtung.

Das Wetter war im Verlaufe des Tages um­geschlagen; gegen Mittag hatte ein Gewitter drohend am Himmel gestanden, doch statt einer gewaltsamen elektrischen Entladung hatte sich die düstere Umwölkung mit einem milden, ein­förmigen Landregen begnügt.

Seit zwei Uhr rieselte es unablässig aus der nebligen Luft herab, ohne Erquickung, durch die

tel und Mittelchen nicht zu bekämpfen find. Gegen die Degeneration der Völker ist so wenig ein Kraut gewachsen wie gegen den Tod de> Individuen!

Zur Lage in Rußland.

Ueber die Truppenrevolte in Sveaborg liegen Privatnachrichten aus Petersburg und Wiborg vor, die die Lage als sehr bedrohlich erkennen laßen. Der Kommandant von Svea­borg, Generalmajor Laiming, meldete amtlich: In der Nacht zum 31. Juli meuterte die Fe­stungsartillerie und eröffnete ein Gewehrfeuer auf die Kommandanteninsel. Man hörte auch mehrere Kanonenschüße. Die Aufständischen besetzten die Michaelowsky-Jnsel sowie die Ar­tillerie- und Ingenieur-Insel. Sie verfügen über alle Maschinengewehre. Die Fernsprecher und Telegraphen funktionieren nicht. Ich be­finde mich mit vier Kompagnien des Festungs­regiments und zwei Kompagnien aus Helsing- fors auf der Kommandanteninsel. Die Lagerny- Jnsel ist von zwei Bataillonen Festungsinfan­terie besetzt, die Alexandreskyinsel von einer Kompagnie. Wir haben Tote und Verwundete Ich werde abwarten, bis die Sache sich aufklärt.'

Etwas später traf folgende Meldung des Ge­nerals ein:Die meuternde Gesellschaft wurde durch vier Kriegshafenschifse in voller Kriegs­ausrüstung verstärkt. Die Lage ist bedrohlich."

Nach einer Meldung aus Wiborg soll Ge­neralmajor Laiming von den Aufständischen gefangen genommen worden sein, ebenso der Gouverneur der Artillerie, General Agejew, der verwundet ist.

Aus Reval ist ein Geschwader unter dem Befehl des Großfürsten Alexander Michailo- witsch vor Sveaborg angekommen. Der Magi­strat des Sveaborg benachbarten Helsingfors fordert zur Ruhe und zur Vermeidung von nutz­losen Versammlungen auf.

Helsingfors, 1. Aug. (P. T.-A.) In der letzten Nacht ist die Bahnlinie nach Wiborg wie­derhergestellt worden. In Helsingfors sind Ver­stärkungen eingetroffen. Die Verbindung mit der Festung ist hergestellt worden. An verschie­denen Stellen hat die rote Garde die Tele­graphenleitungen zerstört. In Sveaborg Hai die Kanonade die Nacht und heute morgen fort­gedauert. Das Eintreffen frischer Truppen gibt zu der Hoffnung Anlaß, daß innerhalb kurzer Zeit es glingen wird, die Militärrevolte auf der Insel und in der Festung niederzuwerfen.

Petersburg, 1. Aug. Es war gleichzeitig der Ausbruch von Militäraufständen in Sveaborg, Kronstadt und Sebastopol geplant. Der Aus­bruch in Sveab»rg erfolgte zu früh.

Paris, 1. Aug. (W. B.) Zur Meuterei in Sveaborg wird demMatin,, gemeldet, daß der Platzkommandant Generalmajor Laiming gefal-

feuchte Stauung der Wärme vielmehr das schwüle Hitzgefühl bei Mensch und Tier geradezu bis zur Unerträglichkeit steigernd.

Ruth empfand das eintönige Regengrau des Himmels fast als einen körperlichen Schmerz.

Sie war wie die Mehrzahl der nervösen Menschen ganz außerordentlich abhängig von at­mosphärischen Strömungen und reagierte selbst auf feinere Barometerausschläge mit lebhaften Schwankungen ihres Nervensystems.

Der plötzliche Witterungswechsel des heutigen Tages war daher mehr wie alles andere geeig­net gewesen, ihre deprimierte Eemütslage noch weiter herabzudrücken.

Den ganzen Morgen über hatte sie eine Aus­sprache mit Käthe herbeigesehnt, jetzt aber, da der Moment der Auseinandersetzung in wenigen Stunden eintreten mußte, war auf einmal wie­der all ihr Mut dahin, gleich wie ein Kranker, der mit dem ganzen Verlangen des Schmerzes von seinen Leiden befreit zu werden wünscht, doch vor dem Moment der Operation bange zurückscheut.

Zugleich auch quälte sie die Frage, dre sie in der Verwirrung ihres Herzens ganz außer acht gelaßen die Käthe jedoch mit der eigenen auf­rechten Geradheit sofort klar ins Auge gefaßt hatte, wie Georg dieser plötzliche Bruch am wahrscheinlichsten begründet werden könnte.

Wenn er in der Erregung des Augenblicks direkt nach Sinderode fuhr und den Baron per­sönlich zur Rede stellte war dies bei seinem heißblütigen Naturell nicht als die wahrschein­lichste Konsequenz der Dinge vorauszusetzen?

Ein neuer Abgrund möglicher Entsetzuch» keiten gähnte da plötzlich wieder vor der ge­hetzten «Zrau. .

Wir beide finden erst Ruhe, wenn wr: M Grabe liegen."

Die Worte, die der Gatte einst zu ihr ge­sprochen, sie behielten nach wie vor ihre Gül­tigkeit. t

Nur im Tode fand sie wirklichen Frieden!

(Fortsetzung folgt.).