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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. ■
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Marburg
Dienstag, 81. Juli 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UmversttätS-BuchdruckerÄ 41. Jahrg.
Marburg, Markt 2L — Telephon ob.
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NeueKe Telegramme.
Cuxhaven, 29. Juli. Die Kreuzer „Vineta" und „München" sind in die nördlichste Nordsee und an die norwegische Küste ausgelaufen zur Vornahme von Funkspruchübungen, um die Spruchweite der neuen, großen drahtlosen Küstenstation Norddeich feftzuftellen. Die Marinebehörde strebt die drahtlose Heber» brückung des ganzen Nordseegebiets an.
Paris, 29. Juli. Eine für die künftige Entwicklung der französischen Kultus-Angelegenheiten bedeutsame Erklärung gab der Erzdi^of Lecot ab. „Wir Katholiken", sagte er, „erblicken in dem Kultusminister Briand als dem eigentlichen Schöpfer des Separationsgesetzes, trotz aller begreiflichen Gegnerschaft, doch einen ziel- bewußten Regierungsmann. Darum sind wir überzeugt, daß Briand uns entgegenkommen werde, um die Begründung der neuen Kultur- genossenschaften zb erleichtern, welche bis Jahresende sich vollzogen haben könnte. Wir wünschen ganz aufrichtig, daß Briand so lange Minister bleibe. Denn er wird schon aus Autorstolz sein Werk, das Separationsgesetz, nicht völlig preisgeben und darum den Bruch mit uns vermeiden wollen.
1 Melilla, 28. Juli. Die Auflösung der Truppen des Prätendenten bestätigt sich. Die Truppen wurden bei ihrer Niederlage von dem Kaid Azuz befehligt. Wie die Besiegten erklären, wurden sie von den Mauren von Onebdana verraten, welche sich bei Azuz gelagert hatten, dann aber zu den Truppen des Sultans übergegangen waren, die sich des ganzen Lagers, sowie eines Geschützes bemächtigten. Azuz flüchtete nach Zeluan. Der Prätendent befahl den Stämmen von Ehelaya sich mit Azuz zu vereinigen. Der Häuptling Chaldi ist feinen Wunden erlegen. Man erwartet neue Gefechte.
Lima, 29. Juli. Präsident Pardo stellt in feiner Botschaft den wirtschaftlichen Fortschritt Perus fest. Die Botschaft versichert, die Peruanische Politik sei vom Bestreben beseelt, die internationalen Streitfragen zu beenden, und spricht die zuversichtliche Hoffnung aus, daß der panamerikanische Kongreß zur Aufrechterhaltung der Harmonie unter den Staaten Südamerikas beitragen werde. Weiter wird in der
>3 (Nachdruck verboten.).
Die Kette.
<'* ' Roman von Hans Schulze.
< " , (Forhep, eg.)
- , Selbst die Gegenwart brr Tante ward ihr auf einmalzuviel; amliebsten wäre sie in die finkende Nacht in den finstersten Wald hinausgerannt, ganz allein, weit weg von all den Menschen, die sie ja doch nur quälen konnten, um den unnennbaren Jammer ihres Inneren in die Lüfte zu schreien.
Der leidenschaftliche Strom ihres Blutes schäumte auf einmal wild auf und drohte fast die Ufer zu überschreiten; der Selv,wry^»rungs- trieb regte sich, vom Egoismus der Liebe aufge- ftachelt, mit verdoppelter Stärke.
Sie gehörte zu Georg und Georg zu ihr!
Ihr ganzes Denken lehnte sich dagegen auf, so ohne Kampf in duldendem Entsagen auf etwas zu verzichten^ das ihr vor einer halben Stunde noch als der teuerste Besitz ihres Lebens gegolten hatte.
Was kümmerte fie die Welt und ihre Meinung! Warum sollten Georg und sie noch leiden unter einem Verbrechen, an dem sie nicht den geringsten Anteil gehabt! Was endlich gab ihrem Vater das Recht, von der Gräfin Lohn« eine Sühne zu verlangen, die so einschneidend in das Geschick seines Kindes eingriff?
Der Vater? —
Hier lag der Angelpunkt des ganzen Kon-
Er mußte von seiner Forderung abstehen, wenn er noch einen einzigen Funken Liebe für fie besaß. Sie selber wollte zu ihm gehen, ihn Bitten, ihn anflehen, sich ihrer zu erbarmen. . Dann konnte noch alles gut werden?
Mit der glücklichen Jllusionsfähigkeit der Jugend zweifelte sie nicht einen Augenblick an dem Erfolge eines solchen Schrittes; eine große Klarheit schien ihr auf einmal in das Dunkel
Botschaft die gute finanzielle und wirtschaft: »a>e Lage des Landes betont und ein Kredit von 3 Millionen Pfund für den Bau von Eisenbahnen angefordert.
Zur Lage ta Rußland.
Die Pläne der Regierung.
Der Rekonstruierung des Ministerkabinetts stellen sich insofern Schwierigkeiten in den Weg, als man in Neu-Peterhof, wo jetzt täglich größere Konferenzen im Beisein des Zaren abgehalten werden, noch keine definittven Beschlüsse bezüglich des Wahlsystems und der Agrarfrage fassen konnte. Pobjedonoszews Einfluß steigt von Tag zu Tag und die von ihm täglich eingebrachten neuen Vorschläge finden allgemein: Berücksichttgung. Vorgestern ist u. a. beschlossen worden, die Hilfe der Geistlichkeit in weitestem Umfange in Anspruch zu nehmen.
Aus einem Interview Stolypins durch den Vertteter des Reuterschen Bureaus in Petersburg seien folgende Schlußsätze des Ministers mitgeteilt: „Wir haben zwei ausgesprochene Bewegungen in Rußland: eine soziale, die auch die agrarischen und Arbeiterfragen umfaßt, und eine politische. Die erstere besitzt unsere ganze Sympathie und wird das Objett unsers ernstesten Studiums sein. Die zweite wird je nach den Verhältnissen behandelt werden. Man wendet in allen Ländern Gewalt an, um Revolutionen zu unterdrücken, aber ich wiederhole und kann es nicht scharf genug betonen, daß in unserem Programm die Reaktion keinen Raum findet, und daß alle Reformen, die sich mit dem höchsten Geist des Liberalismus in Einklang bringen lassen, zur Durchführung gelangen werden, wenn der Boden erst vorbereitet ich."
In den letzten Tagen fanden in Petersburg und vielen anderen Städten zahlreiche Verhaftungen und Haussuchungen infolge der Beschlagnahme wichtiger Dokumente in der Redaktion des sozialdemokratischen Blattes „Myßl" statt. Man sand den Plan eines Aufstandes in Rußland und ein genaues Verzeichnis aller Beteiligten. Darunter sind viele Personen, die eine hervorragende Stellung einnehmen. Quittungen über bedeutende Summen für die Propaganda wurden vorgefunden.
Petersburg, 28. Juli. (Von einem besonderen Korrespondenten.) Das Ministerium für Handel und Industrie versendet an Behörden und Vettreter der Industrie Entwürfe von Arbeitergesetzen zur Begutachtung. Die Entwürfe behandeln die Regelung des Arbeitsvertrages. Maximalarbeitszeit, Einführung der Kranken- und Unfallversicherung, Errichtung von Versicherungssparkassen, Pläne zur Schaffung von
ihres zuvor noch fast verzweifelnden Herzens hereinzuleuchten.
In aufflammender Begeisterung setzte fie der Tante ihre Abfichten auseinander.
Ulrike ließ ihre Worte mit der ruhigen Geduld eines Menschen über sich ergehen, der von vornherein von der völligen Aussichtslosigkeit eines Vorschlags überzeugt ist, der aber doch die Hoffnung im Herzen des anderen nicht vorzeitig zerstören mag.
Rur ein Wunder konnte den starren Sinn des Bruders wenden, und mit der Möglichkeit einer solchen Hilfe hatte die freigeistige Baronin noch nie in ihrem Leben gerechnet.
Dennoch aber widersprach sie der Nichte nicht, in der Voraussetzung, daß sie sich über die Brücke dieser letzten Hoffnung leichter in das Land der Entsagung finden würde, wenn sie sich selbst die Ueberzeugung geschasst hätte, das Aeußerste versucht zu haben.
13. Kapitel.
Die Nacht verrann Käthe unruhig und traumgequält.
Ihr war, als stiege sie mit Georg auf steilem Pfade eine furchtbare Feldwildnis hinan, 'immer höher und höher bis in das lichte Blau des Himmels hinein.
Da donnerte plötzlich mit betäubendem Tosen eine Lawine herab und riß den Begleiter von ihrer Seite.
Ein unergründlicher Abgrund klaffte auf einmal zu ihren Füßen, und als sie sich über die gähnende Tiefe neigte, schaute Georg mit angstverzerrtem Gesicht hilfeflehend zu ihr empor, mit letzter Kraft ein Brombeergestrüpp umklammernd.
Dann wandelte sich mit einem Zauberschlage die Szenerie.
Auf einer endlosen, bunten Wiese kam ihr eine Frauengestalt entgegen, langsam, gesentten Hauptes, in Trauergewänder gehüllt.
Ein geheimer Drang trieb sie unaufhaltsam dieser dunklen Gestalt au, und als sie ihr auf
gesunden Arbeiterwohnungen sowie Vorschriften über die Beaufsichtigung der Fabrikanlagen und besondere Jndustriebehörden.
Eine „Allrussische Vaterlandspartei".
Aus Petersburg wird geschrieben: Das seit der Auflösung der Reichsduma überaus energische und von fast unerwartetem Erfolg begleitete Vorgehen der russischen Regierung erweckt nun in allen monarchisch gesinnten Russen einen bemerkenswetten Drang, der Regierung bet der erfolgreichen Durchführung der von-ihr in Aussicht genommenen Pläne behilflich zu fein. 311 diesem Zwecke findet jetzt eine Vereinigung verschiedener Personen statt, die sich zu neuen Organisationen zusammenschließen oder die Tätigkeit der bereits begründeten, aber durch die Session der Reichsduma lahmgelegten Organisa- ttonen wieder beleben. Von solchen Organisa- ttonen lentt neben dem „Verband einer friedlichen Erneuerung" in erster Linie die „Allrussische Vaterlandspartei" besondere Aufmerksamkeit auf sich, da sie unter den vom jetzigen russischen Ministerpräsidenten Stolypin geschaffenen Verhältnissen die wichtigste Rolle im Politiken Rußland spielen kann. Diese „Allrussische Vaterlandspattei", die eine Vereinigung aller gemäßigten Elemente bezweckt, um gemeinsam die extremen Parteien zu bekämpfen, hat die nacy- folgende Devise aufgestellt: „Einigung der russischen Stammbevölkerung mit den Andersgläubigen". Jrn übrigen aber hat die „Allrussische Vaterlandspartei" folgendes reichhaltiges Programm ausgearbeitet: Einheit und Unteilbarkeit Rußlands; Konstitutionell-monarchische Form der Verwaltung; die im Manifest vom 30. Oktober verkündeten Freiheiten müssen auf gesetzlichem Wege durchgeführt und verwirklicht werden; ungestörter Wahlkampf für die Reicks- duma; Widerstand gegen revolutionäre Akte, die die Wirren unterstützen; gesetzliche Reformen, Lösung der Agrarfrage, Wahrnehmung der Interessen der arbeitenden Bevölkerung; Volksauf- klärung; Reorganisation der Armee und Flotte; Gleichberechtigung der Frauen. Aus diesem Programm, wenn auch einzelnes davon anfechtbar ist, wie aus den bevorstehenden Kundgebungen der „Allrussischen Vaterlandspartei" geht Hervor, daß fie wohl in der Lage sein könnte, die jetzt in Rußland herrschenden Gegensätze auszugleichen.
Verschiedene Meldungen.
Warschau, 28. Juli. Zwischen Czenstochau und Herby an der preußischen Grenze wurde ein ■ Vahnzug von einer Räuberbande überfallen. Zwei Generale, zwei Beamte und vier Soldaten wurden getötet. 16 000 RubL^wurden geraubt. Die Räuber entkamen.
Warschau, 28. Juli. Gegen den Direktor bet hiesigen Tochtergesellschaft der Dresdener Gardinen- und Spitzenmanufaktur Louis Körber wurde ein Revolverattentat verübt. Körber ist schwer verwundet.
dem schmalen Wege gegenüberstand, erhob die Frau ihr Haupt, und Gräfin Ruth sah sie mit so todestraurigen, bittenden Augen an, daß sie vor ihr niedersank und unter heißen Tränen ihre Hand mit Küssen bedeckte.
Darüber erwachte sie und schaute verstört um sich.
Neben ihr schlief Tante Ulrike ihren uner- wecklichen Morgenschlummer, die weiße Nachtmütze schief auf dem zusammengeknotteten Haar, durch den halboffenen Mund die Luft in langen, rasselnden Tönen einsaugend.
Fast wie eine Regung der Enttäuschung überkam es das junge Mädchen.
Sie hatte am Abend zuvor geglaubt, daß sich etwas unsagbar Entsetzliches, Grausiges mit ihrem Erwachen verbinden würde, und nun war alles wie sonst.
Mit vorsichtigen Bewegungen schlüpfte sie aus dem Bette und schlich zum Fenster.
. . Eine seltsam weiche Stimmung webte in ihr, eine matte resignierte Müdigkeit wie nach einer schweren Krankheit.
Sie hockte sich mit um die Knie geschlungenen Armen auf bas Fensterbrett unb schaute in ben erwachenden Morgen hinaus.
Draußen im Parke zwitscherten schon die ersten Vögel, eine linde Luft ging mit kosendem Atem.
Bis gegen Mitternacht hatte sie gestern noch mit der Tante in bet Einsiedelei gesessen unb ben Lohnaschen Familienkonflikt in allen Einzelheiten durchgesprochen.
Immer deutlicher, immer zwingender wat ihr die Erkenntnis geworden, daß Georg unter allen Umständen im Dunkel über die Vergangenheit gehalten werden müsse.
Ein Gefühl fast mütterlicher Zättliasieit wuchs, je länger sie nachdachtk in ihr empor.
In heißem Tatendrange ftt&e sie die schlanken Arme, daß das schimmernde Leinen ihres weißen Nachtgewandes bis übet die zierlich modellierten Ellbogen zurückglitt. ..
Warschau, 28. Juli. Auf der Warschau» Wiener Bahn wurde bei Ptußkow um 8 Uhr abends der von Alexandrowa kommende Personenzug von einer bewaffneten Bande angehalten. Einzelheiten fehlen, da der Zug, obwohl schon seit iy2 Stunden fällig, noch nicht nach Warschau gelangte.
Warschau. 29. Juli. Die Bande, die abends den Personenzug Alexandrowo-Watschau bei Prußkow anhielt, zählte etwa 50 Mann. Sie beraubten den Postwagen. Es fielen ihr 75 000 Rubel Staatsgelder in die Hände. Niemand wurde verletzt.
Berlin, 26. Juli. Wie hiesige Blätter melden, nimmt im Kreise Gori, Gouvernement Tiflis, die revolutionäre Bewegung zu. In mehreren Gemeinden mußten die Behörden ihre Aemter niederlegen. Die Bauern verweigern die Zahlung der Abgaben. Abteilungen des sogenannten „Roten Hundett" verjagen die Grntearbeiter von den Feldern der Gutsbesitzer. Die Bevölkerung wird mit einer besonderen Steuer zu Gunsten der revolutionären Organisation belegt. In Stadt unb Kreis Nucha, Gouvernement Jelffawetpol, herrscht völlige Anarchie. Die gesamte Gegend wimmelt von Räubern, die am hellen Tage Udbersälle ausführen, Schutzleute entwaffnen unb die Einwohner terrorisieren.
Deutsches Reich.
Berlin, 30. Juli.
— Seine Majestät bet Kaiser unternahm von Odde aus in ben letzten Tagen zahlreiche Ausflüge in die Umgebung. Gestern früh 7 Uhr wurde die Weiterfahtt angetreten. An Bord ist alles wohl.
— Die Untersuchung im Kolonialamt Hal eine sensationelle Wendung genommen. Zugleich eine ungemein beklagenswerte, nahezu unheimliche: ein beim Oberkommando bet Schutztruppe diensttuender Major ist unter dem Verdacht, bestochen worden zu sein, verhaftet worden. Der „L.-A." berichtet darüber: Gegen den Major Fischer a la suite bet Schutztruppe für Ostafrika unb beim Oberkommando bei Schuhtruppen, Vorstand bei der Vekleidungsab- teilung, ist wegen Verdachts bet Bestechung bas amtliche Verfahren eingeleitet unb bet Beschuldigte in Untersuchungshaft genommen worden. Major Fischer gehörte ehedem der alten Wiß- mann-Truppe an, nachdem er zuvor in sächsischen Diensten gestanden hatte, dazwischen auch einige Zeit inaktiv gewesen war. — Die Anschuldigungen gegen Fischer dürften sich, wie bet „L.-A." bemerkt, „in erster Linie auf seine Tätigkeit mit einer großen Berliner Lieferungsfirma beziehen."
War sie nicht in erster Linie verpflichtet, für Georg helfend und schützend einzutreten?
Eine Regung glücklichen Stolzes überkam sir in dem Gedanken, daß sie jetzt auch teilhaben durfte an der großen, unsichtbaren Sorge, bi< die Persönlichkeit des Geliebten unabni'itg umwob.
Sie legte sich im Geiste bereits die Worte zurecht, in denen sie ben Vater für sich unb Georg anflehen wollte.
Sie mußte mit ihren Bitten bis zu seinem verhärteten Herzen vordringen, und sie zweifelte nicht, daß bas Bewußtsein ihrer Liebe sie in diesem Kampfe auch stark und siegreich machen werbe.
Die Vorstellung bes nur möglichen Verlustes hatte ihre Seele gestern bis in bie geheimsten Erünbe aufgewühlt unb es ihr zugleich zum ersten Male im vollen Umfange offenbart, wie innig sie sich mit Georg verwachsen fühlte.
Sie war sich klar bewußt, baß sie vor keinem Opfer zu seinem Besten zurückschrecken würde, selbst vor dem schwersten nicht, seiner zu entsagen, obwohl sie bie Ueberzeugung in sich trug, baß auch ihr Leben damit rettungslos zerbrochen sein würde.
Dann wieder erschien ihr der ganze vergangene Abend wie ein Traum, und Georg auf dem Relief der romantischen Verschlingung der Vergangenheit fast als ein Fremder.
Erst langsam gewöhnte sie sich in der Weltfremdheit ihrer kindlich reinen Seele an bas Verständnis dieser sie zugleich erschreckenden wie betäubenden Verhältnisse, die sie bisher kaum in Romanen für möglich gehalten hätte, unb bie sich jetzt mit dieser brutalen Rücksichtslosigkeit in ihr stilles Leben jäh hineindtängten.
Der Stiefvater, an dem Georg mit so großer Liebe unb Verehrung hing, der Mörder seines leiblichen Vaters.
Immer wieder ging ein Schauet übet ihren Leib, wenn sie diesen Gedanken dachte.
<.(Fortsetzung folgt.)