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jemals bei den armen Geschöpfen sein kann, welche durch Not und Hilflosigkeit im Leben als „Gefallene" bezeichnet werden. Die Verfertiger schamloser Photographien sind nun einmal Jugend- und Volksverderber, sie haben mit der Kunst nichts zu tun, und die Künstler dürfen sie von ihren Nockschößen abschütteln — ebensowenig haben die Verfertiger von sogenannten Künstler- Aktphotographien für die Kunst zu sagen. Kein Künstler, der sich ernsthaft mit der Darstellung des Menschenkörpers beschäftigt, kann diese Akte brauchen, so daß das Scherzwort entstanden ist, dergleichen Akte feien nur für die Landschaftsmaler gemacht.
Wenn ein Verein gegen Unsittlichkeit sich auf meine Meinung, die ich in der Ersten Kammer ausgesprochen habe, beruft, so kann ich nichts dagegen sagen — das, was ich gesagt habe, ist offen gesagt, ehrlich und ernst, es ist kunstfreundlicher als das Schreien vieler, die um die Beraubung der Freiheit der Kunst jammern. Es gab von jeher auch viele, die Gedankenfreiheit haben wollten, aber stehe da, es fehlten die Gedanken — als die Freiheit kam. Der Verein will kämpfen gegen eine Sache, die nun einmal verderblich wirkt in unserem Volksleben. Ich selber habe es erfahren, daß die unzüchtigsten Photographien schon in die Jugend der Dörfer eingedrungen sind. Ein kaum der Sonntagsschule entlassener Junge — zog, als er mit mir allein war, ein ganzes Kouvert mit solchen Darstellungen aus der Vrusttasche — und was gab ihm den Mut, mir gerade dies zu zeigen? Er meinte, weil ich Maler sei, machte ich ja selber dergleichen Sachen — der Bube schämte sich nicht und triumphierte förmlich, daß er so seine freie künstlerische Anschauung erwiesen hatte. Ich aber schämte mich und hatte nicht den Mut, dem Buben eine Strafrede zu halten. Ich schämte mich, daß im Volk solche Meinung über das Wesen der Kunst in Umlauf kommen konnte.
Ich wußte damals freilich nicht, daß ich noch einmal in die Erste Kammer berufen würde — aber dies und noch recht viele andere Erlebnisis machten es mir dort zur Pflicht, für die Ehre der Künstler einzutreten und für die Würde der Kunst, und zu erklären, daß die Kunst unmöglich im Wege stehen kann — wenn ein Kampf eröffnet werden soll gegen eine gefahrdrohende Vergiftung unserer Jugend.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh.Aug. Koch, UmverfitätS-Buchdruckerci 41. Iahra Marburg, Markt 21. — Telephon aa.
Marburg
Sonntag, 29. Juli 1906.
Kunst und Sittlichkeit.
HI Zu der Bekämpfung der öffentlichen Unsittlichkeit sind aus letzter Zeit mehrere sehr ernste Kundgebungen zu verzeichnen. So hat das Berliner Kammergericht dieser Tage in einer sehr erfreulichen Weife Stellung genommen gegen den literarischen Schmutz und die unsittliche Kolportage. Es führt in diesem Urteil, das weite Kreise um so tiefer befriedigen wird, als die Berliner Richter in dieser Frage sicherlich nicht im Rufe verbiffener Unnachsichtigkeit stehen, folgendes aus:
Nach § 42a der Gewerbeordnung in Verbindung mit § 56 dürfen auch innerhalb des Ee- meindebezirks des Wohnorts oder der gewerb- Mchen Niederlassung von Haus zu Haus oder auf öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen oder an anderen öffentlichen Orten nicht feilgeboten werden solche Druckschriften, andere Schriften oder .Bildwerke, welche geeignet find, in sittlicher oder -religiöser Beziehung Acrgernis zu geben. Hier- >'gegen sollte der Kolporteur und Straßenhändler M. zu Berlin durch Feilbieten einer Zeitschrift Zerstoßen haben. Das Landgericht verurteilte ,ihn zu einer Geldstrafe. Ein Bild und ein Ee- .dicht des Heftes hielt das Gericht für geeignet, '„in sittlicher Beziehung Aergernis zu erregen". .Es „stellte" Fahrlässigkeit des Angeklagten >fest". Der erste Strafsenat des Kammergerichts, jtintcr Vorsitz des Senatspräsidenten Lindenberg, cherwarf in seiner letzten Sitzung die Revision ,4>es Angeklagten mit folgender Begründung: Aach Zeitungsnachrichten solle das Kamergericht {neue Bahnen eingeschlagen haben hinsichtlich der Verantwortlichkeit der ambulanten Zeitungs- sund Schriftenhändler: es solle das Gesetz gegen jkhn ganz besonders streng anwenden. Das sei glicht der Fall. Der Kolporteur habe genau dieselbe Verantwortung wie andere Hausierer. So wenig der Hausierer sich etwa darauf berufen jkönne, er sei zu dumm, alte Sachen von neuen
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Bestellungen
für die Monate August und September
; auf die
„Oberhessische Zei tung" nebst ihren Peilagen werden von unserer Expedition l(Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt und Wetter, sowie von fallen Postanstalten und Landbriefträgern ent« tzegengenommen.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonrttagsbeilaae: Jllustrirtes Sonnta-rs-l^tt,
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Die Kette.
■ Roman von Hans Schulze.
(Fortsetzung.)
. - Sie zweifelte nicht im geringsten daran, daß bas tapfere, grundgute Mädchen, wenn sie den ersten Schmerz überwunden, großherzig genug sein würde, auf ein Glück zu resignieren, das, wie die Verhältniffe lagen, offenbar nur auf den Trümmern des ganzen Lohnaschen Hauses zustande kommen konnte; dennoch aber fehlte ihr, als sie jetzt der Nichte beim Diner gegenübersaß, unter dem Ausdruck der stillen Seligkeit, die aus den Augen des jungen Mädchens sprach, immer wieder der Mut, mit ihren Eröffnungen L hervorzutreten.
Zum ersten Male vermißte sie die Abwesenheit des Bruders, den seine Damen seit dem Besuche der Gräfin Ruth überhaupt nicht mehr zu Gesicht bekommen hatten.
■ Auch der Nachmittag verging in Unentschlos- isenheit und zweifelndem Zögern; ganz gegen -ihre Gewohnheit trieb es Ulrike heute ruhelos in den weiten Räumen des Schlosies umher; ja, ste wagte sich bis in den Flügel des Bruders hinüber, um ihn durch persönliche Fürsprache vielleicht noch in letzter Stunde in seinem Entschlüsse umzustimmen.
. ? Doch die Tür seines Arbeitszimmers blieb trotz mehrfachen Pochens verschlossen; auf eine ^flehentliche briefliche Vorstellung kam ein kurzer, gleichfalls schriftlicher Bescheid, der Baron sähe sich in keiner Weise veranlaßt, seine Haltung im Falle Lohn« irgendwie zu ändern, und würde ein weiteres Bittgesuch in dieser Richtung überhaupt unbeantwortet lasten.
. " ■ So hatte sie denn schließlich mit schwerem Herzen die Zeit kurz vor dem Schlafengehen für ihre Mitteilungen in Aussicht genommen — da krachte Käthe gleich nach dem Abendbrot, als
zu unterscheiden, oder zu misten, was leicht brennbare Oele seien, ebensowenig könne sich der Kolporteur hinter seine angebliche Dummheit verkriechen. Ihm liegt eine Prüfungspflicht ob, wie jedem Hausierer. Mindestens müsse Fahrlässigkeit ausgeschlossen sein. Die Frage ist nur, wo fange die Fahrlässigkeit an? Das festzustellen, sei Sache der tatsächlichen Feststellung der ersten Instanzen. Das Kammergericht habe es immer ausgesprochen, daß der Kolporteur nicht seinen ganzen Kram durchzulesen brauche. Dann müßte er ja schließlich auch russisch und chinesisch lernen. Das sei ferne. Aber es müsse verlangt werden, daß er sich Einblick verschaffe, soweit es ihm möglich sei. Wenn er z. V. eine illustrierte Zeitschrift zum Feilbieten erhalte, von der er durch einen Ueberblick wisse, daß sie allerhand Nuditäten enthalte, dann müsse er sie sich näher ansehen und eventuell Bedenken tragen, sie feilzubieten, oder er müsse die Verantwortung übernehmen. Das Landgericht habe nun hier fest- gestellt, daß der Angeklagte als erfahrener Kolporteur gewußt habe, wie bedenklich in moralischer Beziehung war, was er verschleißen wollte, und hieraus habe das Landgericht ohne Rechtsirrtum Fahrlässigkeit hergeleitet.
Ein wertvolles Gegenstück zu diesem Urteil boten die Ausführungen des Prof. Hans Thoma in der Ersten badischen Kammer, die so viel Zustimmung gefunden haben:
Jetzt ergreift derselbe Künstler von neuem das Wort zu dieser wichtigen Frage in einem Brief an die „Münch. N. N." Wir geben daraus folgende bemerkenswerte Stellen wieder:
„Das Schamgefühl ist und bleibt nun doch einmal ein von der Natur gesetzter Schutz gegen die Ausartung einer unbezwingbaren Macht, der wir von eben derselben Natur unterworfen sind. Die Zerstörung des öffentlichen Schamgefühls ist eine schwere Versündigung, denn dies Gefühl ist es doch, welches den natürlichen Vorgang veredelt, das das Tierische nicht zu einer Roheit versinken läßt, die sodann beim Menschen so sich äußert, daß wir die unschuldigen Tiere beneiden müssen. Dieses Gefühl heiliger Scheu ist es, aus welchem die Poesie der Liebe wächst — die das Verhältnis der Geschlechter zu einem so schönen und edlen, das Menschendasein ergänzenden macht —, aus dem die Treue hervorwächst, die Mutterliebe, die Familienbande, die ja doch die Wurzeln sind zur Volkszusammengehörigkeit, zur Volkskraft. Doch ich will nicht in einen lehrreichen Ton verfallen, dazu sind berufene Kräfte da, die Erzieher, die Lehrer des Volks.
Wir Künstler wollen es der Staatsbehörde, der Polizei nicht erschweren, wenn sie sich gezwungen sieht, die Verbreitung unzüchtiger Schriften und Photographien und deren Herstellung als gewerbsmäßige Unzucht zu erklären — viel gewerbsmäßiger und einträglicher, als sie
die beiden Damen ihre gewohnte Promenade in den Park angetreten, durch offene Frage den Stein selbst ins Rollen.
„Was fehlt dir heute eigentlich. Tantchen? sagte sie, sich in Ulrikens linken Arm einhängend. „Du hast doch sicherlich etwas auf dem Herzen, seit du von Dombrowo heimgekommen bist! Betrifft es mich, so laß es mich auf der Stelle ohne Umschweife wissen? Ich kann alles ertragen, nur keine Unklarheit!"
Sie hatten ihren Weg durch einen der von dem Springbrunnenrondel vor dem Schlosse radienförmig auseinanderlaufenden Laubgänge genommen, die sich auf die holländische Einsiedelei öffneten, eine reizende, um den Vorsprung des Redingsees gruppierte Eartenanlage, die von einem kunstsinnigen Ahnherrn der Sinderodes wie ein graziöses Rokokomärchen in die ernste Naturwildnis des englischen Parkes hineingezaubert worden war.
Tante Ulrike, die diesen Teil des Parkes als ihre eigenste Domäne betrachtete und sorgfältig persönlich verwaltete, pflegte hier mit Käthe an schönen Sommerabenden bis in die späte Nacht hinein zu schwärmen, und so steuerte sie auch heute mit ihr auf den „Philosophensitz" zu, wie sie ihre alte Ruhebank dicht am Wasser im Schatten einer freundlichen Birkenlaube getauft hatte.
Von hier aus schaute man weit hinaus auf den schimmernden Spiegel des Sees, während zur Linken der langgestreckte, einstöckige Barockbau des von wildem Wein fast einzesponnenen Orangeriehauses und die sorgfältig geschorenen Laubwände riesiger Weißbuchenhecken die bunten Miniaturbeete und üppigen Rasenflächen des farbenfrischen, puppenhaft zierlichen Earten- bildes anmutig umrahmten.--
„Du fragst, was mich bewegt, Kind," beantwortete die Tante endlich nach langem Schweigen die Frage des jungen Mädchens und klammerte sich mit der Rechten nervös an die brüchige
fünfte Darstellung des Berliner Wohnungs« elendes, die soeben erscheint und die Verhält« nisse des Jahres 1905 behandelt. Die Feder eines Dante wäre nötig, um all die Schrecknisse des Wohnungselendes zu schildern. Und doch ist es nur ein Ausschnitt, den die Ermittelungen behandeln, ein Ausschnitt, der noch lange kein vollständiges Bild ergibt. Wieder wurde eine Menge von Wohnungen ermittelt, die nicht de»' allerbescheidensten Ansprüchen an Bodenflöche, Höhe und Kubikinhalt entsprachen. Es wurden Schwerkranke in feuchten Kellern und in Dachwohnungen gefunden, wo sie nicht einmal vor Regen und Schnee und den sonstigen Unbilden der Witterung genügend geschützt waren. In engen und überfüllten Räumen Hausen Familien Hausen Gesunde und Kranke in Schmutz und Unordnung zusammen. Lungenkranke und Rheumatiker, bleichsüchtige und blutarme Frauen, Neurasthenische beiderlei Geschlechts verbringen ihr Dasein in dunklen und feuchten Löchern ohne Heizgelegenheit. Menschen, die an Infektionskrankheiten leiden, müssen ihr Bett mit anderen Personen teilen. Und in all dem Elend wim- melts von Kindern, die nie eine behagliche Wohnung, nie ein gesundes Familienleben kennen lernen. Dabei wird ausdrücklich betont, daß die Mitglieder der Ortskrankenkasse sich noch nicht aus den am schlechtesten bezahlten Lohnarbeitern in Berlin rekrutieren. Die Mehrzahl stand bis zur Erkrankung noch in Arbeit und ist der bitteren Not noch nicht preisgegeben. Wie mag es da bei den Aermsten der Armen aussehen? Einige Berichte der Kontrolleure seien nachstehend im Auszuge wiedergegeben. Sie mögen beweisen, wie notwendig vor allem eine gründliche Wohnungsreform ist:
Von einer „Wohnung" in der Weydingerstraße 6 heißt es: Beim Betreten der aus einer Stube bestehenden Wohnung kommt einem ein stockiger Geruch entgegen. Die Stube wird von 4 Personen geteilt. Die Tür muß den ganzen Tag offen stehen, um erträgliche Luft zu schaffen. Die Wohnung eines in der Wilhelmstraße (!) im Keller wohnenden an Bronchitis leidenden Kranken bietet, nach dem Berichte des Kontrolleurs, einen „erschreckenden Anblick", ekelhafte, dumpfige, stockige Lust erfüllt den Raum. Der 67jährige Kranke liegt auf einem alten Strohsack. In einer dunklen Kellerwohnung der Lübbenerstraße, 1,65 Meter unter dem Hofniveau, schlafen sechs Personen, die kranke Wohnungsinhaberin teilt ihr Bett mit einem Kinde, in einer Kellerwohnung der Köpenickerstraße stehen dem Vater, der lungenkranken Mutter und den beiden Kindern nur zwei Betten zur Verfügung. Mäuse sind ständige Gäste. Das ist aber noch nichts gegen das Elend, das in der in der Posener Straße über dem Pferdestall belegenen Dachwohnung einer magenleidenden Frau herrscht,
Laut dieses Jammers den zum Herzen gehende« Ton — den Ton der alles umfassenden Mutte« liebe.
Mit einfach schlichte«.Worten schildertest« den stillen, verzweifelten Kampf, den Grast« Ruth seit so langen Jahren schon gegen da« dunkle Geschick ihres Hauses führte, und dampft« damit die grausige Plastik, die die Gestalte« der Lohnaschen Tragödie in den Augen de« jungen Mädchens, die hier zum ersten Mal« einen Blick in den Abgrund menschlicher Letdettt schäften tat, gerade durch die schmucklos wahr« Form der Darstellung erhielten. j
Regungslos lauschte Käthe der langen C« zählung der Tante; nur als diese den Pre^ nannte, um den sie sich Georg erkaufen sollt«, ging ein Beben durch ihren schlanken Körper.
Ein tiefes Mitleid mit der heldenmütige« Frau, die auch davor nicht zurückschrecken wollt«, mit dem Opfer ihres eigenen Selbst das Elü« ihres Kindes zu retten, erfaßte sie mit solche« Gewalt, daß der Anteil ihrer eigenen Pttso« zeitweilig davor ganz in den Hintergrund not»
Erst als die Tante zu einem warmen AM pell an die Entsagungsfreudigkeit ihres junge« Herzens überging, war ihr auf einmal in e« schreckender greller Nacht klar, welch ein Opfej von ihr gefordert wurde. - —
Sie sollte Georg entsagen, der Traum ihr« Lebens sollte plötzlich für immer ausgeträum fein?! * .... „
Mit einem Schlage stand dieser Gedam« ganz allein im Vordergründe ihres Bewußtsein«, jede andere Vorstellung gewaltsam. unte« drückend. ’ ' ......
Sie hörte überhaupt nicht mehr auf das, was die Baronin zu ihrem Tröste weiter z« i|f P 3um Tröste! .___\
Worte, erbärmliche Wort«, wo Lebens zunichte ward! ' .
(Fortsetzung MÄJ
Vierteljährlicher Bezugspreis; bet der ExpÄition 2 Mh, TRß bei allen Postämtern 2,25 M. (ejtl. Bestellgeld).
" Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Reclamen: die Zeile 25 Pfg.
Umschau.
Berliner Wohnungselend. ~
In die Tiefen des Eroßstadtlebens leuchtet die Wohnungs-Enquöte, die alljährlich im Auftrags des Vorstandes der Ortskrankenkasse für den Eewerbetrieb der Kaufleute, Handelsleute und Apotheker veranstaltet wird. Es ist die -----—======
Lehne der alten Bank. „Ich kämpfe schon den ganzen Tag mit dem, was ich dir zu sagen habe, aber ich kann mich immer wieder zu keinem Entschlüsse aufschwingen! Denn ich muß dir sehr, sehr wehe tun!" r ■______,
„Tante Ulrike!" r “
Eine jähe Angst brach in Käthes Seele aus. Die kleine Baronin sank vor dem fragenden Blick des Mädchens fast in sich zusammen.
„Nimm alle Kraft zusammen!" fuhr sie dann leise fort. „Sieh, Kind, es muß ja doch einmal ausgesprochen werden! Es sind Verhältniffe eingetreten, die eine Verbindung zwischen dir und Georg unmöglich machen!"
Mit einem Seufzer der Erleichterung lehnte sie sich in ihre Bankecks zurück.
Gott sei Dank! Der Eingang war gefunden worden.
Sie wagte nicht, der Nichte in das erblaßte Gesicht zu sehen, sie fühlte nur an dem leisen Zucken des jungen, warmen Leibes an ihrer Seite, welch eine Bewegung die innersten Tiefen der Seele des unglücklichen Mädchens aufwühlte. • V l<>. .
Ringsum die abendliche Stille.
Die Sonne war längst zur Rüste gegangen, nur über der fernen Gipfellinie des jenseitigen Forstes stand wie Abschiedsgruß noch eine große, goldene Glut. -! vy ...
„Tante Ulrike!" - -
Fast tonlos rangen sich die Worte über Käthes Lippen.
„Ich weiß nicht — ich verstehe nicht"--
In fassungslosem Weinen warf sie sich auf einmal der Tante um den Hals.
„Was ist geschehen? Sprich doch bloß? Nur ein Wort! Ist Georg tot — ist ihm ein Unglück zugestoßen?"
Mit scheuer Zärtlichkeit strich die alte Dame über den dunklen Scheitel des aufs äußerste erregten Mädchens. ■
Und plötzlich fand sie unter dem elementaren