mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchkain
Sonntagsbeilage: Allustrtrtes SonntaaSblE J * *
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Eisenbahnbeamte scr die Steuer im Reich!
•Öffnung setzt. Seitdem ’ angenommen wurde,
nungcn an den letzten russischen Riesenanleihen beteiligt haben, werden also höchst wahrscheinlich die Erfahrung machen, daß die fast sechspro- zentige Verzinsung keine ausreichende Risiko- prämie für die Gefahren ihres Besitzes bildet.
Daß die übrigen Marktgebiete der Börse, insbesondere auch die Aktien nichtrussischer Jn- dustriegesellschaften mit Niederlassungen stark affigiert werden dürften, ist mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen. Jedenfalls aber ist das Schicksal des Marktes für russische Werte unzertrennlich verknüpft mit der politischen, Entwickelung des Landes.
Notenausgabe im Laufe des Krieges um 500 bis 550 Millionen Rubel vermehrt den ist.
Die Spekulanten, die sich trotz aller
rund wor-
Marburg
Sonnabend, 28. Juli 1906.
Deutsches Reich.
Berlin, 27. Juli.
— Seine Majestät der Kaiser ist an Vorder „Hamburg" vor Merok eingetroffen. Gestern unternahm der Kaiser, wie aus Hellesylt ge> meldet wird, einen Spaziergang. Heute Abend erfolgt die Ankunft in Odde. An Bord ist alle« wohl.
— Nach dem „Tag" find die Vorarbeiten für den neuen Zivilpensions-Eesetzentwurf auf der Grundlage begonnen worden, daß die Reichsbeamten mit den Militärperfonen bis zum 30. Dienstjahre gleichgestellt werden, mit diesem Zeitpunkt also zwei Drittel ihres Gehalts als Pension bekommen sollen. Vom 30. Dienstjahr« ab aber soll der Pensionssatz sich nicht um v/w sondern nur um aufwärts bewegen, so daß die Reichsbeamten den Höchstsatz der Pension (drei Viertel des Gehalts) erst mit dem 40. Dienstjahre, wie bisher, erreichen würden, während bekanntlich die Militärpersonen den Höchstsatz jetzt schon mit 35 Dienstjahren erreichen.
— Zur Fahrkartensteuer schreibt ein Kaufmann aus einer benachbarten Provinzialsi.'.dt der „Frkf. Ztg.«:
Sie haben vollständig recht, daß es sich bei dem Kampfe gegen die Fahrkartensteuer weniger um den Betrag des Stempels, als um einen Protest gegen die ganze verkehrsfeindliche Tendenz dieser und ähnlicher Steuern handelt. Wer es für ausgeschlossen» hält, daß Leute wegen der „paar Pfennige" eine niedrigere Klaffe benutzen, wird eine gewaltige Enttäuschung erleben. Ich selbst reife jährlich 10 Monate und werde bei allen Perfonenzügen nur noch die 4. Klaffe benutzen; eine ganze Anzahl Kollegen tut dies ebenfalls, und wir alle fürchten uns nicht vor den „Läufen" in der 4. Klaffe, auf die der hohe
Neueste Telegramme.
Berlin, 26. Juli. Nach einem telegraphischen Bericht des Gouvernements in Dar-es-Sa- l a a m meldet Hauptmann Hirsch, der Chef der 5. Kompagnie, unterm 11. und 14. ds. Mts. aus Jraku die Wiederaufnahme der Operationen durch zwei Demonstrationsabteilungen, da die Aufständischen die Bedingung: Auslieferung der Führer und Waffen unerfüllt ließen. Die Führer flohen infolgedeffen. Im übrigen hat die Erfüllung der Unterwerfungsbedingungen begonnen. — Hauptmann Schönberg meldet aus Liwale die Ergreifung des Rebellenführers Abdallah Schimani.,
Berlin, 26. Juli. Aus verschiedenen Badeorten kommt die Nachricht, daß russische Offiziere, die dort zur Kur weilten, telegraphisch zur sofortigen Rückkehr nach Rußland durch die Militärkanzlei aufgefordert worden sind.
Erfurt, 26. Juli. Wie der „Erfurter Allg. Anzeiger" meldet, trat heute hier die Eiiterfahr- plankonferenz zusammen, an der mehr als 100 Vertreter der deutschen Eisenbahnverwaltungen teilnehrnen. Die Beratungen bezwecken die Herbeiführung einer größeren Beschleunigung im Güterverkehr auf den deutschen Bahnen. Diese Beschleunigung wird . hauptsächlich in einer schnelleren Durchführung von Eüterzügen zwischen Nord- und Süddeutschland bestehen.
Haag, 26. Juli. Im Schloß Het-Loo liefen Diele Depeschen ausländischer Fürstlichkeiten ein, Unter denen sich auch eine überaus herzlich gehaltene Depesche Kaiser Wilhelms befand, in der dieser seine Teilnahme an dem herben Geschick ausdrückt. Die Königin-Mutter bleibt noch diese Woche im Schlosse Het-Loo wohnen.
Nom, 26. Juli. Wie man dem „Corii-e della Sera" meldet, hat der Papst dem Erzbischof von Neapel 30 000 Lire geschickt, die an die durch den Ausbruch des Vesuvs Geschädigten verteilt werden sollen. Es ist dies schon die zweite ansehnliche Spende, die der Papst dem genannten Zwecke widmet.
ihrer Seele auf, sie sah sich ihm wieder gegenüber, hilflos, schutzlos gegen die Gewalt der richtenden Worte, die wie eine entfesselte Sturmflut vernichtend über sie hereingebrochen waren.
Das warme Licht der Vormittagssonne spielte zuweilen zwischen den breiten Blättern der exotischen Pflanzengruppen mit tanzenden Lichtern über die verfallenen Züge der Erzählerin, die, je länger sie sprach, um so mehr, gleickyam als ob sie die eigenen Worte von einer Last befreiten, die Herrschaft über sich wieder gewann.
Ein tiefer Frieden, so heilig wie der Ton einer Glocke im Eewittertofen, webte im Klange ihrer Stimme, als sie jetzt ganz klar und leidenschaftslos noch einmal dem Entfchluffe eines freiwilligen Todes Ausdruck lieh.
»Ich sehe keinen anderen Ausweg, Ulrike! Ich würde es nicht ertragen, neben Georg her- zuleben, wenn ich mich von ihm moralisch verurteilt wüßte. Darüber käme ich nicht hinweg, und auch er kann nicht anders, er muß mich verdammen! In acht Tagen läuft die Frist ab, die sich Eberhard vorbehalten hat. Dann geht Georg selbst zu deinem Bruder hinüber, um sich eine Aufklärung und Käthe von ihm zu erzwingen! Damit ist alles für mich zu Ende!"
„Das soll aber nicht fein!" rief die Cousine, plötzlich wie von einem Banne erlöst aufspringend. „Das darf nicht fein! Die Forderung meines Bruders hat ja die ganze Sachlage mit einem Schlage verändert! Lieber müssen beide, Georg wie Käthe, verzichten, ehe sie auf einem solchen Opfer ihr Glück aufbauen!"
Die Gräfin erhob abwehrend die Hand.
„Darin kann ich dir nicht folgen, Ulrike! Gerade sie beide sollen glücklich werden! Wenn mich und meinen Gatten diese unselige Schuld der Vergangenheit schon unglücklich gemacht hat, so soll sie ihre Schatten nicht auch noch in das Geschick der Kinder werfen. Es wäre doch kleinlich, wollte ich da vor dem Opfer meiner Persönlichkeit zurückschrecken, die ja niemand mehr auf dieser Erde zunutze ist!" .. ,
I Die Finanzlage Rußlands.
! # In der französischen Zeitung „Revue" er
scheint eine scharfe Kritik über die Finanzen der russischen Regierung und die Beteiligung der französischen Kredit-Institute an den Emissionen russischer Anleihen. Der Verfaffer erwähnt die bekannte Tatsache, daß die russische Regierung vor der letzten Anleihe eine wahre Erpressung an der verbündeten Regierung Frankreichs verübt hat, indem sie erklärt, sie würde knapp vor den französischen Abgeordnetenwahlen die Zahlung der Kupons einstellen, falls die französische Regierung nicht ihre Zustimmung zu der neuen Anleihe gäbe. Bei der letzten Anleihe wurde seitens der Emissionsbanken ein derartiger Unfug getrieben, daß die Subskription auf dem Papiere eine stattliche Anzahl von Malen gedeckt wurde, was allerdings nicht hindert, daß die neue Anleihe im Auslande bereits tief unter den cüssionskurs gesunken ist. Die Banken haben allerdings bei dieser Emission ein sehr gutes Geschäft gemacht, da ihr „Verdienst" 120 Millionen überstieg, indeß der russische Staatsschatz seinen Verpflichtungen nicht nachzukommen vermag. . . (Bei dieser Gelegenheit flicht der Verfaffer die höchst eigenartige Bemerkung ein, daß die Hand voll Zaunkönige der Finanz, die so freigebig übet das Geld ihrer Landsleute verfügen, es wohlweislich unterlassen, die vielen Millionen, die sie bei den Ernissionsgeschäften verdienen, in die Bilanzen der Banken einzustellen, so daß nicht nur deren Aktionäre, sondern auch der französische Staatsschatz erheblich geschädigt werden.) Vom rein finanziellen Gesichtspunkte aus habe die letzte Anleihe keineswegs die Baiffe der russischen Papiere um 8 bis 10 Prozent aufzuhalten vermocht, so daß der Verlust an den 14 Milliarden russischer Fonds und Werte in Frankreich seit kaum 3 Monaten eine Milliarde erreiche.
Die Hoffnungslosigkeit, wie fie gegenwärtig die Erundstimmung aller Ruffen ist, überträgt sich auch auf alle Besitzer russischer Werte, die sich naturgemäß die Frage nach bet künftigen Zahlungsfähigkeit und Willigkeit Rußlands wieder und wieder vorlegen müffen. Haben doch die bisherigen Inhaber tufsifchet Staatspapiere allein durch den Kursrückgang etwa rund 4y2 bis 5 Milliarden Mark eingebüßt. Die gesamte Staatsschuld betrug vor dem Kriege rund 6y2 Milliarden Rubel — 14,3 Milliarden Mark — 16,8 Millarden Kronen. Der Krieg hat die Schuld um 1300 Millionen Rubel erhöht, abgesehen von der letzten Anleihe von 2y± Milliarden Francs und bedeutenden Beträgen von Wechseln der russischen Reichsbank. Der Kurs der russischen vierprozentigen Staalsrente betrug vor dem Kriege 100, heute 73 Prozent. Die Kriegs-
Bestellungm
ffir die Mo*ate August und September auf die
»Oberhessische Zei tung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition s(Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch- Hain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und Landbriefträgern ent» ßegengenommen.
anleihen sind im Verhältnis dazu weniger im Preise gesunken, weil fie höher verzinslich find, die letzte 2>4-Milliarde-Anleihe hat etwa 5 Prozent eingebüßt.
Für die Beurteilung der Eesarntlage kommt, laut „N. B. L.", noch hinzu, daß auch die großenteils staatlich garantierten Pfandbriefe der russischen Agrarbanken, die in der Höhe von rund vier Milliarden Mark Nominalbetrag herausgegeben sind, in demselben Betrage gesunken sind, wie die russische Staatsrente; dasselbe ist der Fall mit den über zwei Milliarden Mark betragenden staatlich garantierten Obligationen bet privaten Eisenbahngesellschaften. Auch bie Aktien bet russischen Jndustriegesellschaften unb Banken, sowie bie städtischen Hypothekenpfandbriefe haben starke Kursrückgänge erfahren. Man wirb kaum fehlgehen, wenn man bie Verluste ber Inhaber aller russischen Wertpapiere auf runb 8 bis 9 Milliarben Mark — 9/2 bis 10y2 Milliarden Kronen schätzt. Es entsteht die Frage: Können diese Verluste durch den künftigen wirtschaftlichen Aufschwung Rußlands wieder beigebracht ober können wenigstens weitere Rückgänge vermieben werben?
Diese Frage beantwortet ein beutscher Uni- versitätsprofeffor in ber „N. Fr. Pr." mit „Nein!" So wie bie Dinge liegen, können bie Gläubiger Rußlands heilfroh fein, wenn sie ihre jetzigen Kurswerte retten. Man beachte nur, wie gewaltig der Bedarf für den staatlichen Schuldendienst angewachsen ist. Vor dem Kriege betrug derselbe 289 Mill. Rubel. Die Kriegsanleihen haben ihn um 60 Millionen Rubel vermehrt, die letzte Anleihe um weitere 45 Millionen. Dazu kommen noch Schatzwechselzinsen. Und dabei ist es mit den bisherigen Anleihen noch nicht getan ... Zu beachten ist auch, daß die
(Nachdruck verboten.). Die Kette.
Roman von Hans Schulze.
(Fortsetzung.)
„Du sprichst von dir, als ob du ganz allein auf der Welt stündest!" fiel ihr Ulrike heftig ins Word „Dem ist aber durchaus nicht so — es sind Noch andere, die Anspruch auf dich haben: dein Mann, deine Tochter und — Georg selbst! Kenst du denn dein Kind so wenig, daß du ihm zutraust, es würde nach einem solchen Schlage, wie dein freiwilliger Tob es wäre, überhaupt noch ben Mut zu einem Glück haben, zu dem es nur über deine Leiche gelangt ist? Für Georg gibt es nur eine Möglichkeit zum Leben, nämlich, daß ihm bis zum Ende feines Lebens das Geheimnis verborgen bleibt. In dem Augenblicke, da dieser Schleier zerreißt, ist nach meiner Empfindung, wie ich feinen Eha- rafter beurteile, der Zusammenbruch da!"
Die kleine Dame hielt einen Augenblick erschöpft in ihrer langen Rede inne und fuhr bann mit erhobener Stimme lebhaft fort: „Du bist jetzt viel zu abgehetzt u»8 verängstigt, Ruth, um wirklich klar sehen und denken zu können! Dein Opfer wäre ein völlig zweckloses! Jetzt fragt es sich nur: Worin liegt das wirkliche, das wahre Glück Georgs? Und da gibt es, ich wiederhole es, nur eine Antwort: Wenn ihm weiter, wenn ihm für immer die Erkenntnis der Vergangenheit verborgen bleibt; hier ist die Lüge in Wahrheit lebenförbernb! — Und wenn mir dies klar als einziges Prinzip ber Zukunft erkannt haben, bann müffen mir auch unser Handeln in diesem Sinne zu gestalten suchen, daß wir vor allem das tun, was Georg nützlich ist. Dein Entschluß, ihm ein Geständnis abzu- legen unb bann zu sterben, wäre bas größte Unrecht gegen ihn; Georg würde zugrunde gehen unter der Wucht dieser Entdeckung, die ihm den Glauben an alles raubte, was ihm bisher das Liebste auf der Welt war! — Die Klippe, an ber jetzt die Lebenslüge Georgs zu zerschellen droht, ist die Verbindung mit Käthe! Ich kenne meinen Bruder, er läßt niemals von diesem grausamen, ihm durch feinen religiösen Fanatismus diktierten Verlangen! So wie ich die Verhältnisse überschaue, gibt es nur eü»j
Ein bitteres Lächeln umspielte bie schmalen Lippen ber unglücklichen Frau.
„Mir kann niemanb unb nichts helfen als der Tod!" sagte sie bann leise. „Laß nur, Ulrike, ich weiß genau, was ich meine unb spreche! Ich habe, als ich krank lag, bas alles hunbertrnal vorn ersten bis zum letzten burchbacht unb bin immer zu bem gleichen Resultat gekommen, baß ich auf biefer Welt meine Rolle ausgespielt habe! Ich habe zu Cott gebetet, baß er biesen Erschöpfungszustand, benn etwas anberes roar ja meine ganze Krankheit nicht, zu einem natürlichen Ende ausgehen lassen möge! Aber meine Prüfung scheint noch nicht beschlossen zu fein! Und ich hatte doch so fest gehofft, daß es mir erspart bleiben würde, den Meinen den Schmerz antun zu müssen, daß ich mir selbst aus diesem fieben helfe."
„Ruth, was redest du?"
In verständnislosem Grauen starrte ihr Ulrike in das todbleiche Gesicht.
„Ich sehe keinen anderen Ausweg!" fuhr die Gräfin fort. „Was dein Bruder von mir verhängt, das ist mir unmöglich, das ist überhaupt tnenschenunmöglich!"
' Nur mühsam kämpfte sie bie wieder aufstei- genben Tränen nieber.
»Es ist doch mein eigenes Kind, Ulrike, dem ich mich selbst zum verächtlichsten Geschöpf der Welt machen soll!"--
Sie hatte sich ganz nahe an die Cousine jerangedrängt und lehnte wie hilfesuchend den Diuben Kopf an ihre Brust, und dann berichtete sie mit verhaltenem Flüstern, welche Forderung •er Baron an jenem Abend an sie gerichtet hatte.
Der feierlich-düstere Raum, das zürnende .Antlitz des alten Mannes tauchten wieder vor
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Ang. Koch, UnivcrfMS-Buchdruckerei 41. ^rrhrn Marburg, Markt 2L - Telephon 55.
sieht man viele Leute in der 4. Klasse, die fi« früher so leicht nicht benutzt hätten. Unter uns Gewerbetreibenden ist die Ansicht verbreitet, daß, wenn wir uns nicht unserer Haut wehren, die Steuerdilettanten im Reichstage im Verein mit einer schwachen Regierung zu einer immer größeren Belastung von Handel und Gewerbe kommen. Da gilt es beizeiten, vorzubeugen, unb darum als gerechtes Abwehrmittel: Hinein in die 4. Klasse.
Zahlreiche Gewerbetreibende sind in gleicher Weise gegen die Steuer eingenommen.
— Ueber unsere bisherige Kolonialverwal- tung wird in einem Leitartikel der konservativen „Schlesischen Ztg.", der bem Blatt von kolonial- freundlicher Seite zugegangen ist, das Urteil gefällt, daß die Schuld an den Mißerfolgen auch
Möglichkeit, den Einbruch einer unsäglichen Katastrophe zu verhindern: Georg und Käthe müssen auseinander, sie müssen entsagen!"
So sprudelte unablässig der Strom d-r cm- dringlichen Vorstellungen Ulrikens; nachdem sie mit ihrem scharfen, kühl abwägendem Verstand« erst einmal die Grundlinien des Konfliktes bloß- gelegt hatte, glaubte sie auch nicht einen Augen- blick zögern zu dürfen, ihre theoretischen Erwägungen in die Praxis umzusetzen, solange btes überhaupt noch ausführbar schien.
Mit Erstaunen und Schrecken zugleich war es ihr offenbar geworden, auf welche logischen Abwege bie Cousine von bem Gefühl ber Verzweiflung bereits abgedrängt wat.
Trotz aller Beredsamkeit hatte sie aber doch bei Ruth der die neue Auffassung der Situation anfänglich ganz unannehmbar dünkte, lange Zeit einen schweren Stand, bis es ihr glang, sie allmählich ihrer eigenen Anschauung zugänglicher zu machen.
Ein harter Kampf gegen Georg und Käthe war unvermeidlich, aber er mußte in Georgs Interesse aufgenommen und butd)gci;• wtrcerben, Tante Ulrike war sofort bereit, Käthe mit der unerwarteten Wendung der Dinge vertraut zu machen, um dann mit ihrer Unterstützung auch Georg zu einem Verzichte zu bewegen.
Heber die Mittel und Wege zur Erreichung dieses Zieles machte sie sich in ihrem ersten Enthusiasmus keinerlei Gedanken; erst auf bem Heimwege, ben sie noch in bet Mittagsstunde antrat, kam ihr bie ganze Größe des Unternch- mens voll zum Bewußtsein. ■
Ihre einstige Aeußerung, daß sie nur den einen Wunsch und Gedanken kenne. Käthe glücklich zu sehen, fiel ihr auf einmal schwer aufs Herz; wie weit durfte und mußte sie ferner bie Nichte in bas Familiengeheimnis ber Lohnas. einweihcn, um ihr bie Notwenbigkeft eines freie willigen Rücktritts von ber erhofften Verbin- bung verständlich unb annehmbar zu machen?.
(Fortsetzung folgt.)'
Vierteljährlicher Bezugspreis; bet der Expedition 2 Mk„ 174. bei allen Postämtern 2,25 DS. (tyL Bestellgeld).
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Neclamcn: die Zeile 25 Pfg.