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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: JllnArirtes SsnntaasMaik

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Marburg

Mittwoch. 25. Juli 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Jo h. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei 41. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon o5.

Zweites Blatt.

Kohlcnverleuerung.

r Man schreibt uns: Während in der Presse und auch in den Einzellandtagen gegen die ge­planten Schiffahrtsabgaben ganz energisch Stel­lung genommen wird, geht ganz still und fast unbeachtete die vom Rheinischen Kohlensyndikat mit 1. April d. I. beschlossene sehr erheb­liche Kohlenteuerung ins Land. Dem deutschen Volke wird mit einem Federstriche die Tonne Kohle um 50, 80 und 100 L verteuert. Das macht für den kommenden Winter pro Zentner etwa 10 »j, mehr und bringt dem Kohlensyndikat voraussichtlich im Jahr 144 Millionen Mark ein. Die deutsche Reichssteuerkommission hat nach monatelangem Beraten und unter schwerer Belastung von Handel und Wandel keinen solchen Betrag als Ergebnis der künftigen Steuern zusammenge­bracht. Das Kohlensyndikat hat es aber auch verstanden, alle Oppositionen im Keime zu er­sticken. Es hat im Oktober 1900 durch den Ge­neralsekretär Bueck u. a. erklärt:Im Kohlen­syndikat besteht eine sehr starke Partei für wei­tere Steigerung der Preise und jeder Zeitungs­artikel über sie stärkt ihren Rücken. Das möge man bedenken!" Wirbedenken" das wirklich, finden aber dann folgendes: In den 70er Jah­ren kosteten die Kohlen 6 bis 7 M. Rach der Kartellgründung 8, 9,11, 12, 13 M und jetzt noch mehr. Dabei hat neuerdings die Internationale Bohrgesellschaft ihre Kohlenfelder für 35 Mill. Mark an mehrere rheinisch-westfälische Groß­industrielle, hinter denen das Kohlensyndciat steht, abgestoßen. Diese Felder sollen nun still liegen bleiben. Ein Kohlengebiet von 8 5 Millionen Mark Wert soll der Aufschließung vorenthalten wer­den! Die Internationale Bohrgesellschaft wird in diesem Jahre 500 Prozent Divi­dende verteilen, nachdem im vorigen Jahre nur 100 Prozent ausgeschüttet werden konnten. Einerseits also Zurückhaltung der Kohlenfelder, andererseits Kohlsnverteuerung und dazu noch die Tatsache, durch die vor einiger Zeit veran­staltete Enguete bestätigt, daß z. B. Koks im Ausland zu 8 A verkauft wurde, wogegen wir im Inland 17,50 M bezahlen mußten. Bei den hier geschilderten Verhältnissen sind alle Teile des Volkes interessiert. Jeder Familienvater braucht 20 bis 30 Zentner Koh­len, um für sich und die Seinen die Wohnräume im kommenden Winter warm zu haben. Hand­werk, Gewerbe und Industrie bedürfen ihrer als Betriebsmittel, ohne die sie ihre Tätigkeit einstellen können und damit die darin beschäf­tigten Arbeiter brotlos machen. Der Staat mit seinen Eisenbahnen und was dazu gehört, Ee- mcinden mit der Heizung der Bureau- und Schulräume usw. sind alle abhängig von der Kohle. Das weiß das Kohlensyndikat ganz ge-

Geschichtliches

ans dem Leberi des Landgrafen Ludwig I. von Hissen, seiner Söhne «nd Enkel meist nach Marlnrger Ecfchichtsqnrllen. 'S- (Schluß.)

Landgraf Heinrich war geübt in allen ritter­lichen Spielen und ein Freund des geselligen Lebens. Die Regierungsgeschäfte Oberhessens brachten ihn in nahe Beziehungen zu Bürger­meister und Rat seiner Residenzstadt Marburg. Von Zeit zu Zeit kam der Landgraf allein oder mit seiner Gemahlin von der Burg herunter in die Stadt, besuchte einen der Gasthöfe und Stadtbediente mußten Bürgersfrauen zum Tanze einladen. Bisweilen ließ er zur Fastnacht den Rat, Bürger und Bürgersfrauen auf die Burg laden. Diesen Einladungen folgten in der Regel zu Ehren des Landgrafen Weinpräsente I seitens der Stadt. Zur Fastnacht des Jahres I 1461 hatten sich die beiden jungen Grafen von I Wittgenstein hier eingefunden. Mit einem der I ,®taf::; hatte sich der Landgraf Heinrich gesto- I chen; jedenfalls als Sieger aus dem Ritter- I spiele hervor gegangen, mußten auf seinen Be- I fehl Schreiber und Knechte in der Stadt um- I gehen ..und die Bürgerschen zum Tanz heischen". I Die Grafen wurden von der Stadt mit 2 Viertel I Wein beschenkt, un) Schreiber und Knechte aßen I für ihre Bemühung bei dem Bürgermeister für I Rechnung der Stadt. Zu der von Landgraf I Heinrich im Jahre 1466 veranstalteten großen I Fastnachtsfeier waren Einladungen an viele I Grafen und Herren und auch an Herzog Wil­helm von Sachsen, seinen Oheim, ergangen, so > daß neben Herberge auch Stallung für 1400 Pferde in der Stadt und in den Vorstädten be- I schafft werden mußte. Landgraf Heinrich ritt I seinem Oheim mit 600 Pferden bis vor den I .Lahnberg entgegen, und die Stadt begrüßte den I East ihres Landesherrn mit der Ueberfendung I

nau und sagt uns was die Kohlen kosten. Es sind die Aktionäre und Gewerke eben auch nur Menschen, die nicht einsehen können, wie man ihnen zumuten soll, im Jnteresie der Ge­samtheit Maß zu halten und nicht zu nehmen, was zu bekommen ist," schreibt Generalsekretär Bueck im Oktober 1900. Wenn die Preissteige­rund nun so fortgesetzt werden soll, wird ujr trotz alledem von einer Seite Halt geboten werden müssen. Das kann, da die Ab­nehmer in ihren großen Massen und verschiede­nen Schichten nicht organisiert werden können, nur der Staat, hier also der preußische Staat, tun. Daß er es tut, liegt in seinem eigensten Jnteresie, denn er ist doch einer der größten Ab­nehmer (Eisenbahn) und es wird auch ihm unmöglich sein, die eigenen Unternehmungen rentabel zu machen, wenn die Kohlenpreise im­mer höher werden, ohne daß er sein Veto ein­legt.

Umschau.

Elsaß-Lothringen und die franzö­sische Fremdenlegion.

Wir lesen in der Süddeutschen Reichskorre- spondenz: Der Pariser Temps läßt sich anläßlich der Kontumazialverurteilung einiger Lothrin­ger, die sich durch heimliche Auswanderung ihrer Militürdienstpflicht entzogen haben, aus Metz melden,daß die Zahl solcher sogenannter re- fractaires trotz der Eermanisation nicht merk­lich abnehme", und fügt dann weiter hinzu, daß außerdem die Zahl der Deserteure zu­nehme; so seien int letzten Jahre zur Zeit des marokkanischen Konflikts 1200 Mann von den im Reichslande liegenden Armeekorps deser­tiert". Es erübrigt derartigen Blödsinn, denn es ist schon mehr als bloße Uebertreiöung, über­haupt zu berichtigen. Was dann diejenigen anbetrifft, die sich durch heimliche Auswanoe- rung ihrer Militärdienstpflicht entziehen, so ist es eine Tatsache, daß deren Zahl sich seit zehn Jahren erheblich vermindert hat. Einen Be­weis, wie sich sehr sich die Elsaß-Lothringer mit dem deutschen Militärdienst ausgesöhnt haben, liefern die freiwillig in die Armee Eintreten­den, deren Zahl im Jahre 1905 zusammen 1832 betrug; von ihnen gehörten 284 dem Bezirk Oberelsaß, 636 dem Unterelsaß und 530 Lothrin­gen an. 286 dienten als Einjährig-Freiwillige; 24 waren Volksschullehrer bezw. Kandidaten des Volksschulamts und 1470 sonstige Freiwillige, von denen 1253 bei Truppen mit zwei- und 217 bei Truppen mit dreijähriger Dienstzeit ein­traten. Des weiteren richtet dann der Temps eine Mahnung an die französische Regierung: nicht, wie es öfters geschehe, Fremde, die in der französischen Fremdenlegion gedient hätten, nach ihrer Entlassung aus dieser einfach mittel­los auf das Pflaster zu werfen. Das Reichs­land sei für die Fremdenlegion ein kostbares Reservoir, das man versiegen zu machen Gefahr laufe, wenn man denen, die in die Legion ein­

eines Weinpräsentes, bestehend in 6 Viertel Elsässer. Die drei Tage der Fastnacht wurden mit Laufen, Rennen und Stechen verbracht. Herzog Wilhelm rannte scharf mit dem Land­hofmeister Hans von Dörnberg auf der Ketzer­bach, wurde aber von demselben abgerannt, worauf der Herzog den Sieger mit einem Hengst beschenkte.

lleber ein Vergnügen ganz eigener Art be­richtet die Stadtrechnung von 1465. Landgraf Heinrich nämlich veranstaltete eine Wasserfahrt in Kähnen auf der Lahn bei dem benachbarten Dorfe Wehrda, wozu Einladungen an seine Ge­waltigen, an den Landkomtur Wipert Löwe von Steinfurt im Deutschen Hause, an den Rat und an etliche Bürger und Bürgersfrauen ergangen waren. Die Unkosten dieses Vergnügens trug der Landgraf zur Hälfte und die andere Hälfte trugen der Landkomtur Peter von Biedenfeld und die Stadt, letztere mit 14y2 Pfund. Nach der Rückkehr der Gesellschaft in die Stadt wurde das Vergnügen noch mit einem Tanze auf dem Marktplatze beschlosien, wobei der Rat dem Landgrafen zu Ehren 1 Viertel Wein auf­tragen ließ.

Der junge Landgraf Ludwig, Heinrichs Sohn, geboren 1460, war zur Freude seiner El­tern herangewachsen und hatte sich frühzeitig so entwickelt, daß sein Vater ihn schon in seinem 14. Lebensjahre mit Regierungsgeschäften betrauen konnte. Als Landraf Heinrich im Fahre 1476 das Deutsche Haus mit Gütern beschenkte, wurde die Urkunde darüber in seinem und seines Prin­zen Ludwigs Namen ausgefertigt. Dem jungen Prinzen war ein kurzes Leben beschieden; er starb am 1. Juli des Jahres 1478 auf dem Schlosse Rauschenberg. Sein Leichnam wurde hierher gebracht und mit allen fürstlichen Ehren in der St. Elisabethkirche beigesetzt. Die An­gabe des hessischen Chronisten Dillich, der Prinz sei infolge des allzu festen Schnürens gestorben, stimmt mit der Angabe in des landgräflichen

träten, die traurige Perspektive lasie, aus ihr im Elend wieder herauszukommen. Die deutsche Regierung beeile sich, derartige Vorfälle aufzu­greifen, um ihren Untertanen den Abscheu vor dem Dienste in der Fremdenlegion beizubringen, und die offiziösen Blätter verfehlten nicht, dar­aus die ungünstigsten Schlußfolgerungen über die Fremdenlegion zu ziehen! Auch ohne jeden Hinweis von feiten der deutschen Regierung sprechen, was den Dienst in den französischen Fremdenregimentern, sowie die Behandlung der aus ihnen Entlasienen anbetrifft, die offen­kundigen Tatsachen an sich schon laut genug. Die gesamte deutsche Presie aber, und nicht bloß die offiziöse, erfüllt nur ihre Pflicht, wenn sie vor dem Eintritt in die französischen Fremdenregi­menter nachdrücklichst warnt. Denn pour la gloire de la France in den Tropenkolonien zu verbluten, sich zum Krüppel schießen zu lasirn oder sich Siechtum für das ganze Leben zu holen, sind deutsche Landeskinder zu gut. Auch speziell aufdas kostbare Reservoir des Reichslandes" wird Frankreich hierfür mehr oder weniger ver­zichten müssen. Um aber von dem Eintritt in die Fremdenlegion abzuschrecken, braucht die deutsche Presse keine übelwollenden Kommen­tare zu schreiben; es genügt, die einfache Wahr­heit zu berichten. Und dieser ihrer patriotischen Pflicht werden die deutschen, und unter ihnen nicht minder die elsaß-lothringischen Blätter unentwegt nachkommen, mag es auch dem Temps noch so sehr mißfallen.

Die Abrüstung.

Wie vor einigen Jahren vom allgemeinen Welt- oder Völkerfrieden gesprochen wurde, so tauchen jetzt Vorschläge für eine allgemeine Ab­rüstung auf. Der Grund hierzu ist natürlich der Druck, der auf allen Nationen lastet, die ein großes Heer und eine große Flotte unterhalten müssen. Obgleich ein sehr bekannter englischer Politiker sehr offen gesagt hat, daß England mit der allgemeinen Abrüstung wohl einverstanden wäre, nur sähe er den Grund nicht ein, warum England gerade hiermit anfangen solle, gibt es gerade bei uns eine ganze Anzahl von Leuten, die in ihrerGutmütigkeit" dennoch glauben, England werde abrüsten. Der Zeitpunkt wird auch schon genannt, das ist das Jahr 1907.

Wir wollen uns hier diesen gläubigen Ab­rüstungsaposteln anschließen und auch annehmen, daß England von 1907 an keine Kriegsschiffe mehr bauen wird die im Bau befindlichen werden natürlich fertiggestellt werden.

Daß England dann erwartet oder als selbst­verständlich annimmt, daß alle anderen Natio­nen seinem schönen Beispiel prompt folgen, brauchen wir wohl nicht zu erwähnen.

Also mit dem Jahre 1907 wird kein neues Kriegsschiff auf Stapel gelegt, es wird von die­sem Zeitpunkt an nur noch der augenblickliche Stand der Kriegsflotten erhalten.

Es ist nun von Interesse zu erfahren, wie bann die Machtverhältnisse zur See sich gestaltet haben werden.

Wir wollen im folgenden nur die Linienschiffs 1. Klasse und die gepanzerten Kreuzer der ein­zelnen Staaten vergleichen:

Linienschiffe:

Panzerkreuzer:

A. fertig 13. im Bau Eumrm

A. fertig

B. im Bau

Summe

England

55

6

61

Frankreich

19

6

25

Bereinigte Staaten

14

11

25

Italien

16

4

18

Ruhland

8

4

12

Japan

9

4

13

Deutschland

18

6

24

England

28

10

38

Frankreich

19

5

24

Vereinigte Staaten

7

8

15

Italien

6

2

8

Rußland

3

4

7

Japan

9

3

12

Deutschland

6

2

8

Man sieht aus dieser Zusammenstellung klar, daß England bei einer solchen Abrüstung nicht schlecht fahren würde, dertwo power standard" ist reichlich gewahrt und wenn man die Kampf­kraft der Schiffe in Anschlag bringt, so kann Eng­land es auch gegen drei der mächtigsten Staaten zur See aufnehmen.

Ausland.

Italien. DieTribuna" veröffentlicht über die Reife der Exkaiserin Eugenie nach Ischl in Form eines Leitartikels einen historischen Rück­blick, der von einem Exdiplomaten gezeichneten ist. Dieser Exdiplomat ist kein Geringerer als der frühere Pariser und Wiener Botschafter Nigra. Der Verfasser rekapituliert die geheimen Beziehungen zwischen den Kabinetten von Wien und Paris im Jahre 1869 und spielt auf den damaligen Briefwechsel der beiden Kaiser an. Tatsächlich wurde 1869 seitens des Wiener Kabi­netts in Paris das Projekt einer Allianz vorge­legt, die Oesterreich, Frankreich und Italien gegen das aufstrebende Preußen verbinden sollte. Was Italien betrifft, so war der Preis für sei­nen Eintritt in diesen Dreibund die Ausliefe­rung Roms.Diese Bedingung," schreibt der Verfasser,wurde noch früher von Wien ausge­stellt als von Florenz, das sich nicht ohne Grund­lage durch Verhandlungen gegen seinen Ver­bündeten von 1866 kompromittieren wollte. Wenn das Wiener Kabinett trotz der klerikalen Richtung der österreichischen Regierung die Aus­lieferung Noms an Italien vorschlug, so war dies ein Werk Beusts, der aus Oesterreich einen liberalen Verfassungsstaat zu machen gedachte. Die Grundlage dieses Dreibundes war also die französisch-österreichische Suprematie in Mittel­europa, die Zurückführung Preußens zu seinen früheren bescheidenen Verhältnissen und endlich die Vervollständigung der italienischen Einheit

grafen oder sie wurden an arme Leute verschenkt, Anna von Katzenelnbogen, die Witwe be* Landgrafen Heinrich, starb am 16. Februar 1494 und fand ihre Ruhestatt in der Elisabethkirche,! Ihr Grabdenkmal steht an der Wand jm fühch

Scharpfen zu seinem Barbier und Diener an. Brosehenn mußte dem Landgrafen geloben, mit seiner Arzneikunst, Barbieren u. a. willig und treulich zu dienen, des Tags zur gebührlichen Zeit und wenn er verlangt würde, auf der Burg zu erscheinen, ohne Erlaubnis zu Grafen oder Herren oder zu sonst jemand zu reiten, nur wenn es ihm erlaubt würde, nie aber über die gesetz­liche Zeit auszubleiben. Für seine Dienste be­kam Brosehenn jährlich 8 Gulden zur An­schaffung von hohen Stiefeln, Schuhen und die Hofkleidung, freie Kost und freien Trank aus der Hofküche und freie Wohnung in einem von Landgraf Heinrich erkauften Hause in der Stadt am Schneidersberg.

Landgraf Heinrich III. starb auf hiesigem Schlosse am 18. Tage nach Weihnachten, d. i. am 13. Januar des Jahres 1483 und wurde in der St. Elisabethkirche beerdigt. Sein Grabdenkmal, ein Hochgrab, trägt folgende Umschrift:

Anno domini MCCCCLXXXIII of den achtzeyndeg dag starb der hochgebom erluchtige forste lantgraf heinrich czu dessen graff zu katzenelnbogen czu dietz czu czegen . .. vnd czu nydde.

Am 24. Januar 1483 wurde der Nachlaß des Landgrafen Heinrich inventarisiert. An barem Gelds in ledernen und linnenen Beuteln fand sich vor: 2910 Gulden an verschiedenen Münz- sorten, elf kleine Goldstücke, sodann eine große. Anzahl Silbersachen, goldene Ringe und Klei­dungsstücke mit Perlen, Diamanten, Rubinen, Türkis und Smaragden besetzt, hiervon war. mehreres aus der Katzenelnbogischen Erbschaft«! Die Schauben und sonstige Kleidungsstücke mut*1 den zu Kirchengewändern verarbeitet; andere Kleidungsstücke bekamen die Diener des Land-

Kammerschreiberrechnung von 1478 nicht über­ein. Nach dieser hatte der Prinz an einem Arme krank gelegen und war von einem ge­wissen Doktor Diderichs aus Frankfurt behan­delt worden, der auch bei seinem Tode anwesend war. Nach jener Kammerschreiberrechnung malte der hiesige Maler Gerhard ein Schild, welches über der Gruft des Prinzen zu hängen kam und wofür der Meister 1 Gulden erhielt.

Landgraf Heinrich gab laut Urkunde vom Freitag nach Reminiscere (15. März) 1476 dem Meister in den freien Künsten und Schöffen Heinrich int Hobe genannt Rode und dessen Ge­mahlin Elisabeth geb. von Treisbach die Er­laubnis zur Gründung eines Fraterhauses vulgo Kugelhauses Hierselbst. Nachdem Papst Sixtus IV. in Rom die Stiftung bestätigt hatte, wurde dieselbe am 21. Oktober 1477 mit drei Klerikern aus dem Fraterhause zu Münster eröffnet. Laut Urkunde vom 20. Oktober 1478 schenkte der Landgraf den Herren des Frater­hauseszum Löwenbach" einen Flecken und ein Gäßchen zum Bau einer Kapelle; es ist dies die heutige Kugelkirche.

Nach der hiesigen Stadtbaurechnung vom Jahre 1477 hatte Landgraf Heinrich auf hie­sigem Schlosse einen neuen Bauuf der Kochen" (Küche) ausgeführt. Das Eebälke zu demselben wurde auf der Ketzerbach gezimmert. Die Zimmerleute erhielten vorn Landgrafen die Kost und die Stadt mußte ihnen den Lohn zahlen.

Als im Jahre 1479 Graf Philipp von Katzen­elnbogen und Dietz, der Schwiegervater des Landgrafen Heinrich, als der letzte männliche Erbe seies Hauses in Rheinfels das Zeitlich- gesegnet hatte, nahm Landgraf Heinrich von dessen Landen Besitz. Seit dieser Zeit führten die Landgrafen von Hessen auch den TitelGra­fen von Katzenelnbogen und Dietz".

Laut Urkunde vom 29. Juni 1481 nahm Landgraf Heinrich einen gewissen Brosehenn fidjen Kreuzarm,