mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. #
Sonntagsbeilage: Jllustrirtrs Sonntaasblatt-
(Nachdruck verboten.),'
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Rußland vor der Entscheidung.
Die russische Regierung stand in den letzten Tagen der stürmischen Parlamentsverhandlungen vor der Frage, ob sie es noch weiter ruhig mitansehen wolle, wie die Duma jede positive Arbeit unmöglich macht und mit Gewalt ein Kon- flitt herbeizuführen versuchte. Die Agrarunruhen bilden die eigentliche und tatsächliche Gefahr für das Zarenreich, und dieser Gefahr mit Hilfe der Regierung zu steuern erwies sich die Duma als unvermögend. Die sog. Landfrage wurde der Prüfstein für die Duma, und die am Donnerstag gefaßten (und bereits mitgeteilten) Beschlüsse zeigten, daß es der Mehrzahl der Abgeordneten nicht darum zu tun war, der Land- und Hungersnot abzuhelfen, sondern in dieser Frage einen Zusammenstoß mit der Regierung herbeizuführen.
Am Donnerstag lag der Duma ein Antrag der radikalen Arbeitsgruppe vor in einem Aufrufe, das Volk aufzufordern, die Duma in ihrem Kampfe gegen die Regierung zu unterstützen. Rach sehr erregter Erörterung wurde dieser Antrag abgelehnt, dagegen wurde ein Antrag Pe- trunkewitsch, der die Hoffnung ausspricht, daß das Volk ruhig bleiben und das Ergebnis der Arbeiten der Duma abwarten wird, mit 197 gegen 100 Stimmen angenommen. Die Mitglieder der Arbeitergruppe und die Sozialisten verließen danach den Saal. Allgemein wurde
Marburg
Dienstag. 24. Juli 1906
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag: Joh. Slug. Koch, UniverfitätS-Luchdruckerei Marburg, Mmckt 21* — Telephon 55.
Neueste Telegramme.
- Berlin, 22. Juli. Die „Tägl. Rundsch." behauptet, erfahren zu haben, daß ein von den Unterbeamten des Kolonialamts eingerichtetes be- sonderes Bureau für die Versorgung einer gewissen Presse und „der geeigneten Abgeordneten" mit Enthüllungsinformationen bestanden habe. Aehnliche Andeutungen sind bekanntlich schon ,1n den „Hamb. Rachr." aufgetaucht; man wird gut tun, sie mit einem starken Fragezeichen zu begleiten.
Berlin, 22. Juli. Die „Kreuzztg." stellt gegenüber unzutreffenden Meldungen einer parlamentarischen Korrespondenz fest, daß bereits das Abgeordnetenhaus beschlossen habe, den Termin für das Inkrafttreten des Schulunterhaltungs-Ee- setzes auf den 1. April 1908 festzusetzen und daß das Herrenhaus sich diesen Beschluß zu eigen gemacht habe.
Berlin, 22. Juli. Wie verlautet, sind der erste Referent beim kaiserlichen Gouvernement Kamerun, Geheimer Regierungsrat Ebermaier, Negierungsrat Dr. von der Gröben, ständiger Hilfsarbeiter der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts, Legationsrat Dr. Schnee, Konsul in Kiew, und Legationsrat Dr. v. Jacobs zu Wirklichen Legationsräten und Vortragenden Räten in der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes ernannt worden.
Paris, 22. Juli. Wie der „Matin" hört, haben die Vertreter Frankreichs, Englands und Italiens am 18. ds. dem Regus Menelik das zwischen den genannten Staaten bezüglich Abessy- niens getroffene Abkommen überreicht. Menelik erbat für seine Antwort einige Tage Bedenkzeit.
Kopenhagen, 22. Juli. Der deutsche Reichstagsabgeordnete Jessen, Vertreter des Wahl- kreises 1. Schleswig-Holstein (Hadersleben-Sonderburg), ist in der vergangenen Nacht in der hiesigen Klinik infolge einer Gallenstein-Operation gestorben.
veröffentlicht. Ministerpräsident Eoremykin wurde durch kaiserlichen Ukas entlassen. Seinen Posten tritt der bisherige Minister des Innern Stolypin an, der zugleich das Ministerium des Innern behält. Die Stadt und das Gouvernement Petersburg wurden in den Zustand des außerordentlichen Schutzes gesetzt. Im ganzen Gouvernement Kiew wurde der Kriegszustand proklamiert, ausgenommen im Bezirk Kiew.
I Er wußte, daß die Bestätigung seines Ver- I dachts einem völligen Zusammenbruch seiner I ganzen Ideale seiner Welt- und Lebensanschau- I ung, das heißt eine Vernichtung seiner gesamten I Persönlichkeit bedeuten würde, und er unter- I stützte darum unwillkürlich durch sophistische I Autosuggestion die natürliche Reaktion, mit der I sich alles, was jung und lebensfreudig in ihm I war, gegen eine solche Aussicht zur Wehr setzte. I So zwischen Furcht und Begehren haltlos hin I und her geworfen, rang Georg lange vergebens I nach einem befreienden Entschlüsse.
I Das eine nur stand in ihm fest, daß es ihm I heute unmöglich sein würde, einem der beiden I Eltern entgegenzutreten; er fühlte, daß er erst I noch einmal vierundzwanzig Stunden vergehen I lassen müßte, ehe er sich wieder so weit in der I Gewalt hatte, bei ihrem Anblick einem jeden I unvermuteten Ausbruch seines Temperaments I Zügel anlegen zu können.
I Ein Blick auf die Uhr zeigte ihm den Be- । | ginn der achten Tagesstunde an. j
I Der Vater war um diese Zeit längst auf dem I Felde, und die Mutter ruhte noch.
I Wenn er sofort seinen Braunen satteln ließ, I so kam er noch zu guter Zeit und mit dem zu- I reichenden Grunde eines Besuchs bei Onkel I Knaufs in aller Frühe aus dem Hause.
I Onkel Knaufs, sein alter Helfer'in allen bis- I herigen Lebenslagen, sollte ihm auch in dieser I schwersten Frage mit Rat und Tat zur Seite I stehen; wenn irgend einer so mußte dieser I I Patriarch der Familie über alle Verhältnisse I | des Elternhauses und der Vergangenheit unter- I l richtet sein. I
Georg ging nach dem Speisesaal hinab und I
I nahm dort in aller Eile ein hastiges Frühstück I I ein. I
I Dem aufwartenden Diener befahl er, der I I Komtesse Herta zu bostellen, sie möge ihn bei den I I Eltern entschuldigen, ^r werde den Tag bei dem I
Baron von Knaufs in Raulehnen verleben und wahrscheinlich erst spät in der Nacht nach Dom- browo zurückkehren.
Fünf Minuten danach saß er schon zu Pferde und ritt durch das Parktor die Lindenallee zur Rahnfelder Chaussee hinüber.
Die Sonne brannte trotz der frühen Tagesstunde bereits heiß vom Himmel herab.
Der linde Duftatem des Morgens ging mit leisem Wehen über die lichtdurchfluteten Wiesengründe, auf denen schöne, träge Kühe grasten.
Dann stieg der Weg, sich von der Landstraße abzweigend zu der grünen Mauer des Rau- lehner Forstes empor, und die geheimnisvolle Dämmerung des Waldes schlug um den einsamen Reiter zusammen.
In tiefem Sinnen trabte Georg den stillen Waldweg entlang.
Die gewaltige Erschütterung des vergangenen Tages arbeitete noch immer mächtig in rym weiter, wenn auch die Wellen der Erregung bereits niedriger gingen und die überlegende Vernunft wieder langsam die Herrschaft über vte stürmenden Leidenschaften einzunehmen begann.
Georg war — ein Erbstück der Mutter — von jeher eine nachdenklich angelegte Natur gewesen; alles, was ihn bisher betroffen und was ihm nahe gegangen war, hatte stets einen langanhaltenden Widerhall in seinem Innern geweckt.
Schon frühzeitig hatte sich sein Interesse philosophischen Problemen zugewandt, und diese Neigung, alle seelischen Erlebnisse, um ihrer überhaupt Herr zu werden, sie meistern zu können, philosophisch zu durchdenken, war durch eifrige Fachstudien wahrend seines Universitätsaufenthalts noch wesentlich gefördert worden.
Georg hatte diese Richtung in treffender Bewertung seines Charakters absichtlich gepflegt; I .auch ihm schwebte das aequam memento des I alten Horaz als das eines geistig hochstehenbeit |
Die Kette.
Roman von Hans Schulz«,
(Forsiehung.)
Georg ließ sich an seinem Schreibtisch nieder und nahm den Brief wieder aus der Vrusttasche seines Rockes.
Satz für Satz, ein jedes Wort gleichsam mit den Augen verschlingend, überlas er noch einmal den Inhalt des unseligen Blattes, das jetzt nach einem Vierteljahrhundert wie aus dem Boden gewachsen als ein Ankläger der Eltern aufgetaucht war.
Was sollte nun geschehen?
Georg war überzeugt, daß das durch den Brief bezeugte Verhältnis in engster Beziehung zu dem Tode des Vaters, dem Konflikt mit Baron Sinderode und der ganzen merkwürdigen Behandlung der Vergangenheit stand; wie aber konnte er sich die völlige Gewißheit verschaffen, wie dem Problem dieses Geheimnisses bis auf den Grund kommen!
> Am einfachsten wäre es gewesen, direkt zum Vater herunterzugehen, ihm das Blatt vorzuweisen und in dürren Worten um eine direkte Aufklärung zu bitten; doch zu . diesem äußersten Schritte entsank ihm immer wieder der Mut; er fühlte, daß eine solche Auseinandersetzung eine ^verhängnisvolle, nicht wieder gutzumachende Katastrophe zeitigen mußte, und er klammerte sich wie ein Ertrinkender an einen Strohhalm stets von neuem an die schwächliche Möglichkeit, paß dem ganzen Verdacht doch vielleicht nur ein Mißverständnis, ein Datumsversehen zugrunde liegen könnte.
Er wollte noch nicht an die Schuld der Mut- «er glauben, und er suchte fast mit Gewalt all i nne Gedanken in Vorstellungen zu bannen, die | fie entschuldigen, verteidigen könnten. . .. I
■i London, 21. Juli. In dem neuen japanischen I jener Aufruf als ein ungesetzlicher Akt ange- Heeresetat wird nach einer Meldung aus Tokio I sehen, der dem Ansehen der Regierung eine arge das Ordinarium, das im vorigen Jahre 35 Mil- I Schlappe zu erteilen geeignet sei. Der Zar war llionen Pen betrug, auf 45 Millionen, das Extra- I deshalb gesonnen, falls obiger Aufruf erscheine, Ordinarium sogar von anderthalb Millionen auf I die Duma sofort aufzulösen. Um einen offenen 36 Millionen erhöht werden. I Bruch yt vermeiden, wollten die Kadetten den
London, 21. Juli. Es sollen demnächst dem I Aufruf in wesentlich mildere Form umändern ^Parlament neue Pläne für einen Kanaltunnel I und dem Punkt „Expropriation des Privatbe- sunterbreitet werden. Dieselben sind von der I sitzes" hinzufügen: zu reellen Preisen. Zwischen > Firma Sir Douglas Fox and Partner entworfen I dem Antrag der Arbeitergruppe und der abge- !worden. Um die ängstlichen Gemüter zu beruht- I änderten Fassung besteht nur ein taktischer Un- igen, die befürchten, daß der Tunnel eine Jnva- I terschied. In beiden Fällen wurde die Expro- ^sion begünstigen könnte, ist eine Bewachung des I priation des Grundbesitzes und damit die Zer- Tunnelausganges durch Artillerie vorgesehen. I störung der bestehenden Gesellschaftsordnung ge- Petersburg, 22. Juli. Ein kaiserlicher I fordert.
Ukas vom 21. Juli verfügt die Auflösung der I Dieser Beschluß der Duma ging über ihre Be- Reichsduma und die Einberufung einer neue« I fugnisse hinaus und bedeutete eine neue, schwere Reichsduma auf den 5. März 1907. Die Be- I Herausforderung der Regierung. Die Geduld stimmungen für die Neuwahlen werden später I der letzteren ist ohnedies auf eine harte Probe
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gestellt wo2*en- Die Bildung eines Ministe- I in einzelnen Polizeirevieren für mehrere Mo« rtums aus Abgeordneten der Duma ließ sich in- I nette interniert.
folge der übertriebenen Ansprüche der Volksver- Petersburg, 22. Juli. Die Verbaftunaen in treter nicht ermöglichen, dazu kamen die Mord- I der Redaktion des Mysl lieferten fast das ae- taten tn Peterhof und Sebastopol, die Aufrufe I samte Zentral-Revolutionskomitee in die Hände zum revolutionären Vorgehen, die einzelne der Polizei. Das genannte Komitee, zu dem I ^!"E'tglteder erließen dre Erkenntnis, daß fast alle Mitarbeiter des Mysl gehören, wollte r+Ls md)t ,roett” Zehen könne. Die Regierung I gerade eine Sitzung abhalten, als die Polizei stand vor der Wahl: bregen oder brechen, und I erschien. v 0
pc hat sich endlich, aber vielleicht noch früh, ge- Petersburg, 22. Juli. Das Dumaaebäude
Mehrzahl auf- blieb heute geschlossen. Die Polizei bewachte ruhrerrsche Gesindel, das die Interessen des Lan- | die Eingänge und gestattete nur dem Präsidium des wenig SU fordern versteht, nach Hause zu I der Reichsduma den Zutritt. Da viele Abgeschicken. Der Erlaß des Zaren, der die Auflösung ordnete im Dumagebäude Briefe aufbewahren.
U^’ tVn-ßemi^CT ?i?ne eine be‘ erwartet man, daß die Polizei abends neue Wei- freienbe Tat Die Regierung hat durch diesen I fttngen erhalten wird. Die bei dem im Duma« fJLrr!36-»*' im H^use zu bleiben gebäude befindlichen Buffet angestellten Perso-
gewillt ist. Der Verfassungsverletzung der Du- I nen wurden nachts geweckt und mußten, nachdem ma, deren Mitglieder stets das Wort Verfassung ihnen die Schlüssel der verschiedenen Räumlich, unnutz rm Munde führen, setzt sie die Gewalt I ketten abgenommen waren, das Inventar fort« entgegen. Der Macht der Bajonette bedurfte I schaffen. Die Straßen um das Dumagebäude «n-J1 uden persönlichen Mut des I sind leer, die Hauptstadt zeigt ihre gewöhnliche Widerstlmdes^ den tn ähnlicher Lage 1789 die I Sonntagsphysiognomie, nur sind die Straßen französischen Etats g<?n6raux bewiesen, hatte man I vielleicht noch leerer als sonst. — Wie verlautet bei den Dumamitgliedern nicht zu rechnen. Sie suchte der Ministerpräsident seine Entlassung wurden ausgeschlossen und ihnen der Zutritt selbst nach; er bleibt Mitglied des Reichsrates, zum taurrschen Palais verboten. Die Energie I ebenso ist der Ackerbauminister auf sein Ansuchen der Regierung versöhnt mit der bisher fast bis I des Ministerpostens enthoben worden, unter Be« zur Schwäche geübten Nachgiebigkeit. Zur Un- lassung in seiner Stellung als Mitglied des terdruaung von Unruhen sind die umfassendsten I Reichsrates. Der Präsident der Reichsduma Maßregeln getroffen. Die nächsten Tage und I Muronzew erfuhr die Auflösung der Duma heut« Wochen bringen die Entscheidung, ob es der Re- Morgen durch den Vizepräsidenten Dolgorukow« gterung gelingt, den Frieden im Lande zu er- Petersburg, 22. Juli. Obgleich das kaiserhalten und mtt einem neuen Parlament zur Ver- liche Dekret, welches die Auflösung der Reichs«
standtgung zu kommen, oder ob es gilt, dre Re- I turnet ankündigte, erst in der vierten Morgen« vo utron mtt bewaffneter Hand bluttg mederzu- stunde bekannt wurde, ist die Nachricht hienron * ’ a®en' _________ 81 I bereits in das Volk gedrungen. Man spürt die
| gedrückte Stimmung. Die Residenz wimmelt vo« rrever die Lage sind noch folgende Tele- I Truppen. Aus dem Lager und den Nachbar, gramme eingegangen: j orten sind aestern his Mitternacht vier Jnfan«
91 „ ••=,. I terteregrmenter, dre Chevalrergarve Ul IV Vlv
Garde zu Pferde eingetroffen, ferner eine An, Trrin 2 £2? zahl von Schwadronen Husaren und Ulanen so,
2wie Grenadiere und Maschinengewehrkompag- um sämtliche Botschaften und Gesandtschaften zu . ~ nä<fiftei Räbe des Reicksdumavalaltes
schützen. Diese sind von den Behörden verstän- US«!S Ä
digt worden, daß der militärische Schutz aus je stehen Husaren. Die Behörden erwarten heut« 25 Mann belleben werde Die Mannschaften I ber »Mowoje Wremja zufolge große Unruhen rS? iS im Petersburger Kreise. Der Polizei sind LfirrtAt mer'ien^ finh hi« n» I energische Maßnahmen vorgeschrieben,
gebracht werden. Auch sind dre Diplomaten ge- I ” 1 ’
beten worden, am morgigen Sonntag keine Spa- I Petersburg, 23. Juli. Die Mehrz ah lder zierfahrten unternehmen zu wollen, speziell nicht I Dumamitglieder ist gestern nach Frn- auf den Newa-Inseln, um jeden Unannehmlich- I n b "bgereist, um b01* über die durch die Auf, leiten nach Möglichkeit vorzubeugen. — Gestern I lüsung geschaffene Lage zu beraten.
und heute wurden auch die Polizeimaßregeln j Moskau, 22. Juli. Hier tagt soeben ein Kon- erheblich verschärft. Die Polizei nahm zahlreiche I greß von Delegierten des Bauernbundes, des Haussuchungen vor und verhaftete viele verdäch- I Verbandes der Eisenbahner, Telegraphisten und ttge Personen, konfiszierte verschiedene Preß- I Postbeamten sowie anderer sozialdemokratischem erzeugnisse, Bücher und Broschüren. Zahlreiche I und sozialrevolutionärer Organisationen. Anstreikende Arbeiter wurden ausgewiesen und I wesend sind etwa 500 Delegierte. Der Kongreß einige Agitatoren auf administrativem Wege | beschloß, im Falle eines gewaltsamen Vorgehens
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Menschen einzig würdige Lebensprinzip not/ und er kannte sein explosiv aufbrausendes Temperament nur zu gut, um zu wissen, ein rot« wichtiges Moment gerade für ihn, um Entgleisungen auf affektivem Gebiete zu vermeiden,' die Stärkung der intellektuellen Seite seiner. Persönlichkeit darstellte. '
So hatte er sich denn auch heute allmählich mühsam zu einer gemäßigteren Auffassung seiner gestrigen Entdeckung durchgerungen, roie< sehr sich auch sein leidenschaftlich rebellisches., Blut zeitweilig immer von neuem gegen eine’ derartige ruhigere Art der Betrachtung empörte.
Was jetzt im Mittelpunkt seines Denkens stand, worüber er sich vor allem Klarheit zu, verschaffen suchte, das waren die Konsequenzen/ die sich für ihn ergaben, wenn sich sein Perdacht gegen die Eltern wirklich bestätigen sollte.
Wie gestaltete sich alsdann sein Verhältnis Mutter und Stiefvater! Von welcher Seite e« auch die Festung dieser Frage anzugreifen unternahm, immer schien sie ihm unbezwinglich.
Vergebens sann er nach einem Analogon be« Situation. , ,
Er konnte doch seinen Stiefvater, der ihm int Laufe der Jahre vollständig zum leiblichen Va-/ ter geworden var, nicht vor seine Pistole for«s dern; das Familiengefühl war in ihm so stark entwickelt, daß er diese Vorstellung als absolut; widersinnig, ja geradezu wahnsinnig weit öoK sich rotes.
Georg war kein prinzipieller Gegner be* Duells, aber er wollte es nur für ganze schwer^ Konflikte vorgesehen wissen, bei denen bi« Sühne des modernen Rechtsstaates als ungenü«” gend versagt, und die nur dadurch aus der Welk,- geschafft werden können, daß einer der beidelk Beteiligten diese Welt verläßt. 4
L (Fortsetzung folgt); 1