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Marburg

Sonntag, 22. Juli 1906.

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Erscheint wöchentlich sieben mal.

»ruck Md «erlag- Joh. Äug. Koch, UmvcrfitLtS-Buchdruckers 41

Marburg, Markt 21. Telephon 55. 10

Zweites Blatt.

SleueAe Telegramme.

- - Berlin, 21. Juli. Nach derVoss. Ztg." wird der Reichskanzler Fürst Bülow seinen Aufent­halt in Norderney bis zum 25. September aus­dehnen, und einem weiteren, ziemlich bestimmt 'auftretenden Gerücht zufolge wird der Kaiser Zach Beendigung der Nordlandreise dort aber­mals zu einem Besuche des Fürsten erwartet, tfcet Reichskanzler wird voraussichtlich von dort iplnächst zur Nachkur nach Homburg vor der Höhe reisen.

Berlin, 21. Juli. Hier ist der bÄannte Prä- .hiftoriker Geh. Regierungsrat Dr. med. Albert Voß, Direktor der vorgeschichtlichen Abteilung des königlichen Museums für Völkerkunde, nach längerem Leiden gestorben.

Paris, 20. Juli. Heute liegt der Wortlaut her nach dem Renneser Prozesse von Kasimir- Perier vor dem Kassationshof gemachten Aus­lage vor. Der ehemalige Staatschef erklärte darin Merciers Angabe, daß im Winter 1894/95 Frankreich von einer deutschen Kriegs­erklärung bedroht gewesen sei, für haltloses Geschwätz. Das einzige bezügliche Gespräch Kasimir-Periers mit dem deutschen Botschafter Graf Münster, dessen Untergrund die Forder­ung des Kanzlers Fürst Hohenlohe nach einem Unzweideutigen Dementi der in Paris geflif- sentlich verbreiteten, Deutschland und dessen Monarchen verletzenden Aeußeruugen war, p>urde durchaus höflich geführt und endete zur Zollften Befriedigung der deutschen Regierung. Die sogenanntehistorische Nacht" (über die Mr vor einigen Tagen berichteten) war dem, 'nach eine Erfindung Merciers, um jenen Mi- svisterkollegen, welche Dreyfus' Schuld bezwei­felten, sagen zu können, für nichts und wieder nichts hätte man fich in Berlin doch nicht fo Aufgeregt.

London, 20. Juki. Mustapha Kamel Pascha, has Haupt der ägyptischen Rattonalisten, ist in London eingetroffen, um die nationale Unab­hängigkeit zu verlangen und gegen Lord Cro­kers autokratisches Regiment zu protestieren.

Washington, 20. Juli. Der hiesige guate- tnalanische Gesandte erhielt die Mitteilung, datz man die Erwartung hegt, daß die Konferenz auf dem amerikanischen KriegsschiffMarble- head" zur Schließung eines dauernden Friedens und zu einem Uebereinkommen über die Bedin­gungen führen werde, nach denen in der dem­nächst auf dem Lande abzuhaltenden Konferenz die Beilegung der zwischen San Salvador unb Guatemala bestehenden Streitfragen stattfinden soll.

Aus unruhigen Zeiten.

Von 8. Müller.

(Fortsetzung.)

<- In der hiesigen Stadt hatte sich vor und während des konstituierenden Landtages gegen Ende 1830 bei einem Teile der Bürgerschaft ei» der gesetzlichen Ordnung widerstrebender Geist gezeigt, der insbesondere durch häufig« tumul­tarische Bürgerversammlungen genährt wurde, die teils an öffentlichen Orten, teils auf dem Rathause, mit und ohne Zustimmung der Ver­waltungsbehörden, gehalten wurden und wo Meben den Aegelegenheiten der Stecht auch .Staatsgebrechen zum Gegenstand lärmender Be­ratung gemacht wurden.

Auch nach dem Erscheinen der Verfassungs- Urkunde dauerten die Versammlungen nicht nur noch fort, sondern es wurde am 16. Januar 1831 durch einen Bürger, der fich vorzugsweise zum Parteihaupte aufgeworfen hatte, eine Versamm­lung der gesamten Bürgerschaft einberufen, um über die Abschaffung der Maut und die Ent­fernung mehrerer Staatsdiener Beschlüsse zu fassen. Eine in diesem Sinne abgefatzte Denk­schrift wurde an den Landtag in Cassel abge- fchickt. Am Abend desselben Tages kam es zu ^tumultuarischen Auftritten vor dem Licentamt- ^okale, deren weitere Folgen durch Einschreiten Der Bürgergarde verhindert wurde. Auch das Militär mußte eingreifen. Anfangs März wur­den durch die aufwieglerische Tätigkeit einzelner Unruhiger Bürger aufs Reue Störungen der Kfientlrchen Ruhe herbeigefiihrt und Meuterei in I »er Burgergarde gestiftet. Durch die nachher er- ffolgte Verhaftung der Rädelsfiihre und die in sFolge eingeleitete Untersuchung wurde jenem gesetzlose» Treiben ern Ziel gesetzt. ... |

Zur Lage in Rußland.

Wie aus Petersburg von gestern, 20. Juli, gemeldet wird, wurden infolge des Dumabe- schlusses über die Veröffentlichung des Mani­festes in der Agrarftage nachts 8 Earderegimen- ter aus dem Lager von Krasnoje Sfelo nach Petersburg beordert und durch die ganze Stadt zur Unterdrückung eventueller Unruhen verteilt, die man von der seitens der Negierung beab­sichtigten Unterdrückung des Manifestes befürch­tet. Seit der letzten Nacht ist derart der ge­heime Kriegszustand über Peters­burg verhängt. In Regierungskreisen legt man den Schritt der Duma als revolutionär aus und spricht von eventueller Auflösung, doch entsteht die Entscheidung aus Peterhof noch aus. Trotz­dem hat der Minister des Innern den Gouver­neuren bereits ein Eeheimzirkular zugehen las­sen, in welchem er vorschreibt, alle von Duma- Abgeordneten aus dem Lande veranstalteten Meettngs auf jeden Fall zu verhindern. Hier nimmt die Arbeiterbewegung wieder einen scharfen Charakter an. Die Ausstände mehren sich. Etwa 30 000 Arbeiter verschiedener Be­triebe streiken.

DieKöln. Ztg." meldet aus Petersburg: Wie aus gut unterrichteter Quelle verlautet, hat Kaiser Nikolaus angesichts der inner- polittschen Aufgaben, die sein Verbleiben in Rußland erforderlich machen, die früher gehegte Absicht einer Auslandsreise aufge­geben und hiervon Kaiser Wilhelm persönlich in Kenntnis gesetzt . DieKöln. Ztg." fügt hin­zu: Von deutschen Standpunkte aus kann man nach unserer Ueberzeugung weil sich an eine Begegnung der Herrscher wieder ein Ratten­könig von falschen Auslegungen, Entstellungen und Verdächtigungen der deutschen Politik ge­knüpft haben würde, als suche sie die Ent­wicklung der russischen Verhältnisse in reaktio- närem Sinne zu beeinflussen den Ausfall der Begegnung in diesem Jahre nicht einmal uner­wünscht finden. Die volle Zurückhaltung des Deutschen Reiches tritt dadurch für alle Welt noch klarer hervor.

Vor dem Aeußersten ist die Duma noch zurück­geschreckt. Von einem Beschluß, einen Protest gegen die Regierung ins Volk zu werfen und da­mit den allgemeinen Bauernkrieg zu entfachen, hat sie in zwölfter Stunde abgesehen. Zu Be­ginn der Beratungen war die Mehrheit Feuer und Flamme für den Plan. Die ultraradikale Forderung im Dumaprogramm, die Enteignung der Großgrundbesitzer, konnte nicht anders er­reicht werden, als daß man in einem schwulstigen Appell sich an die Hab- und Mordgier der russi­schen Bauern wandte. Aber die drei Tage, die zwischen der Vorlage der Agrarkommisfion und der Abstimmung der Volksduma lagen, haben Wunder gewirkt: auch die härtesten Duma­schädel haben unter der Wucht der Ereignisse Vernunft- und Verantwortungsgefühl wiederge­funden.

Die Ereueltaten, die von aufgewiegelten Bauern bereits feit Tagen im Südosten des Rei­ches verübt sind, und die erst allmählich in den Wandelgängen des Parlaments bekannt wur­

An dem Kampfe der Polen nahm man auch hier in Marburg lebhaftes Interesse; es wurden zur Unterstützung derselben während der Jnsur- rektion Sammlungen unter der Leitung eines Komitees veranftaüet und in gleicher Weife nach dem Falle Warschaus für die durchziehen­den Polen gesammelt.

Interessant ist ein Brief von Professor Suabediffen vom 12. März 1831, an W. Grimm geschrieben, der über die damaligen Verhältnisse Aufschluß gibt. Er lautet:

Lieber Freund! Ich danke Ihnen herzlich für Ihren lieben Brief vom 6. d. M. Schon lange wußte ich von Ihrer Krankheft, aber mit der ersten Nachricht vereinigte fich auch schon der Trost, daß Ihre Gesundheit überstanden sei. Möchte nun Ihre Gesundheit wie der Frühling wachsen! Welche Freude würde es mir sein, wenn ich Sie dann zur Zeit der eingetretenen Frühlingspracht hierher versetzen könnte, daß Sie fich in dieser Lebensherrlichkeit, teils in dem kleinen Eckzimmer, teils vom Garten aus, den ich am Schloßberge gemietet habe, erfreuen möchten. Die Göttinger Revolutton war freilich ein tolles Unternehmen, und es ist seltsam und bedenklich, daß so etwas in dem Hauptsatze der Verständigung ausbrechen konnte. Gut aber, daß nun den gesttengen Herren in Hannover die Augen aufgingen und ich wünsche den besten Er-

Indessen haben wir vor ganz kurzem in Marburg" auch unsere Unruhen gehabt.

Das Reich der Bürgerwehr ist in sich selbst zerfallen über einen Bügerkapitän, den die einen ausstoßen, die anderen behalten wollen. Daher i ein Durchziehen der Stadt von beiden Patteien und viel Lärm, auch Stöße und Püffe. Endlich hat das ordentliche Militär in Verbindung mit der einen Partei angegriffen und den strittigen Kapitän einstweilen auf das Schloß gesetzt.

den, haben das Unermeßliche der Gefahr erken­nen lassen, das in einer von der Duma einge­leiteten allgemeinen Agrarrevolution herauf- steigen würde. Ueber das ganze Riesenreich müßten sich die vorläufig lokalisierten Greuel ausbreiten. Und der eine oder andere wird sich vor der Abstimmung darüber klar geworden sein, daß der zur Empörung gebrachte Bauer im Wüten keine Grenzen und Ziele kennt und die eigenen Führer und Verführer aufgabelt. Und wenn die Verantwortung nicht deutlich genug sprach, so tat das Gefühl, daß es bald mit der Dumaherrlichkeit ein unrühmliches Ende haben würde, sein Uebriges. Zu der Aeußerung des Abgeordneten Petrunkiewitsch, daß Oesterreich und Deutschland bereit seien, Rußland mit deut­schen Truppen zu besetzen, wird von derN.Allg. Ztg." wie auch selbstverständlich erklärt, daß daran kein wahres Wort sei.

Deutsches Reich.

Berlin, 21. Juli.

Seine Majestät der Kaiser wird, wie aus Berlin gemeldet wird, noch bis in die erste Augustwoche an der norwegischen Küste ver­weilen. Wie nunmehr feststeht, wird der Kai­ser gelegentlich seines Aufenthaltes auf Schloß Wilhelmshöhe im August d. I. der deutschen Kolonialschule in Witzenhausen einen Besuch abstatten. Die Familie v. Hanstein hat den Monarchen eingeladen, während seiner An­wesenheit in Witzenhausen auch die eine Stunde von dort entfernt liegende Burg Hanstein auf­zusuchen.

Bei der gestrigen Reichstagswahl in Rin- teln-Hofgeismar hatten bis 11 Uhr abends Her­zog (deutsch-sozial) 6048, Vetterlcin (Soz.) 3907, Helmerich (Ref.) 1835, Rocke (natl.) 1367, Röhrig (Freisinn) 1043 Stimmen erhalten (Bei der Wahl 1903 war das Resultat folgen­des: Graf Reventlow (deutsch-soz.) 6426, Vet­terlein (Soz.) 3488, Rocke (natl.) 2154, Volke- ning (Freisinn) 748 und Müller (Ztr.) 542 Stimmen. Bei der Stichwahl wurde Revent­low mit 9543 Stimmen gewählt gegen Vetter­lein, der 4030 Stimmen erhielt.) Nach diesem Ergebnis, an dem höchstens wenige Stimmen bei der amtlichen Zählung sich ändern, findet Stichwahl zwischen dem deutsch-sozialen Kandi­daten Herzog und dem Sozialdemokraten statt. Der Wahlkreis bleibt somit, da aller Wahrscheinlichkeit nach nur die Freisinnig-Na­tionalsozialen für denGenossen" in der Stich­wahl eintreten werden, der deutsch-sozialen Partei erhalten.

Vor etwa Jahresfrist berichteten wir über den Anttag Eamp im Abgeordnetenhause, welcher bezweckte, für fünf Jahre (einstweilen) das Aufsuchen von Kohlen- und S a l z f l ö tz e n (also auch von Kali) in Preußen zu verbieten. Dagegen erhob Konsul Dr. O ch s e n i u s seine Stimme und brachte sie in einem offenen Briefe im Mai 1905 zum Aus-

Dazu kommt, daß seit einiger Zeit die Bauern umher Holz nach Belieben zu holen sich angewöhnt hatten und meinten, das Naturrecyt gestatte es. Nun find aber Jäger und Husaren von Cassel gekommen, um diese Theorie hand­greiflich zu bestreiten.

Gestern hat die llniverfität den Professor Jordan von neuem zu ihrem Landtagsdeputier­ten erwählt. Der bevorstehende Landtag, der erste auf der Basis der erneuten Verfassung, wird, meine ich, dadurch wichtig werden, datz durch ihn erst die erneuerte Verfassung, die bis jetzt noch unstät wogt, ihre zugleich gemäßigte Haltung wird bekommen können. Es wird |.^) nämlich, glaube ich, bei uns von nun an von der Militär- und Beamtenwelt aus eine sich all­mählich steigernde Rückwirkung gegen die Ver­fassung bilden, wodurch sie um so mehr in Ge­fahr kommen, in ein dürres Sandufer hingewor­fen zu werden, als der hessische Vürgerstand noch keine hinlängliche Selbständigkeit erlangt zu haben scheint und dann, wenn die jetzige Auf­regung vorübergegangen, eine ruhige und sichere Kraft zu behaupten."

Der Vorfall, der in diesem Briefe erwähnt wird, war folgender: Im März 1831 sollte der Bürgergardenkapitän Weiß, der Erbauer des Europäischen Hofs wegen polittscher Umtriebe arretiert werden. Die Vürgergarde war noch nicht lange errichtet und die 1. Kompagnie war hierzu ausersehen, Weiß gefangen zu nehmen. Dieser aber zog mit seiner 3. Kompagnie der 1. Kompagnie entgegen, und so kam es in der Wettergasse bei dem Hause des Metzgers Brauer und Bäckers Zeiß zu einem Zusammenstoß, wo Bürger gegen Bürger mit gefälltem Bajonett sich gegenüberstanden. Schließlich mußte das Militär eingreifen und die Ruhe herstellen, in­dem Weitz arretiert »nd auf das Schloß gebracht

I druck. Die nächste Folge war eine Reduktion I der fünf Jahre auf zwei, und nun berichtet dic IB. Z." wie folgt:Das Gesetz über die Mu­tungssperre beim Kohlen- und Steinsalzberg­bau vom 5. Juli 1905 ist eben ein Jahr alt und

I wird jetzt schon, nicht nur in den Kreisen der Privatbergbautteibenden, sondern auch in berg- amtlichen Kreisen als vollständig verfehlt be­zeichnet, da es gerade das Gegenteil von dem bewirkt hat, was es bewirken sollte. Die Bohr­tätigkeit in der Umgebung der bis zum 31, März 1905 noch schwebenden Mutungen wurde so fieberhaft betrieben und beschleunigt, daß di« Zahl der seit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Verleihung gelangten Erubenfelder eine ungewöhnlich große ist. Außerdem haben die Bohrgesellschaften infolge dieses Gesetzes ihre ganze Tätigkeit auf die von dem letzteren nicht betroffenen preußischen Gebiete sowie auf die angrenzenden Bundesstaaten verlegt, so daß von einem Nachlassen des Aufsuchens von Koh­len und Steinsalz gar nicht die Rede sein kann. Wie dieB. Z." aus zuverlässiger Quelle er­fährt, stht man in der Ministerialabteilung für Bergwesen der Frage einer Verlängerung der Lex Gamp nach ihrem im Jahre 1907 ersolgsn- denAblauf vollständig ablehnend gegenüber, so daß eine solche vollständig ausgeschlossen fein dürfte. Dagegen betreibt man die Revision des Berggesetzes mit allem Eifer, so daß die Lex Gamp überflüssig wird. Das Berggesetz wird in seiner veränderten Gestalt dem Landtage demnächst seitens der Regierung zur Annahme unterbreitet werden." Berghauptmann Vo­gel aus Bonn schied aus dem Staatsdienst vor kurzem wegen der Lex Eamp aus und trat in die Dienste des Schaaffhausenschen Bankvereins.

Der 6. Kongreß der christlichen Gewerk­schaften tritt am morgigen Sonntag, den 22, Juli, in Breslau zusammen. Verhandlungs­gegenstände bilden: 1. Bericht des Ausschusses des Eefamtverbandes; 2. Die Betätigung de: Ortskartelle in der christlichen Gewerkschaftsbe­wegung; 3. Die christlichen Gewerkschaften in der Arbeiterbewegung, in der Volkswirtschaft und int öffentlichen Leben; 4. Die gewerkschaftliche Agitation unter den Arbeiterinnen.

Ueber deutsche Handelskammern fürs Ausland lesen wir in derPost":Die Einrich- tung der kaufmännischen und landwirtschaftlichen Beiräte bei deutschen Konsulaten hat unzweifel­haft recht gute Resultate gezeitigt, doch müßten diese aber zahlreicher und im Range gehoben sein. Es fehlen noch an verschiedenen wichtige Plätzen solche Sachverständige, die vor den mit Juristen besetzten Generalkonsulaten den Vor­zug der Unparteilichkeit haben. Wenn die Zahl dieser Beiräte nicht größer ist, so liegt die Schuld sicherlich nicht an dem Reichstage, denn dieser hat jede derartige Forderung ohne Debatte an­standslos bewilligt. Aber weshalb sträubt fich du Regierung gegen die Errichtung deutscher Han­delskammern im Auslande? Es muß ihr doch

wurde. Einem Tambour, der Alarm schlug, wurde die Trommel entzwei geschlagen. Weiß kam später auf die Festung Spangenberg.

Von einem Marburger Professor namens Vollgraf war int Jahre 1831 eine Vro,cyüre er­schienen:Die Täuschungen des Repräsentativ- Systems", in welcher die kurhessische Verfassung nicht gelobt wurde, am Schlüsse des Buches hieß es:Was nützt der Kuh Muskat, es tuts auch Haferstroh." Dieses Buch hatte bei den Mar­burger Bürgern, welche den Vater der Verfas­sung, den Professor Jordan, abgöttisch verehrten, vielen Unwillen erregt und Vollgraf wurde Rache geschworen, die man in folgender Weise zur Ausführung brachte. Am dritten Pfingst­tag 1831 brachten einige Bürger eine Anzahl Jungen, wohl an hundert, zusammen, jeder mit einem alten Besen. Am Plätzchen unter der Schloßtrepxe war der Versammlungsort uni hier wurden die Besen auf einen Haufen ge­worfen und angezündet. In dem gegenüber­liegenden Eckhause befand fich die Buchhandlung von Chr. Garthe, in dessen Verlag die Broschüre erschienen war. Ein Vürgergardist brachte aus seinen Säbel aufgespießt eine Anzahl davon aus der Buchhandlung und übergab sie den Flammen. Run zog Alt und Jung zur Mainzer­gasse, wo in dem jetzt städtischen Hause Vollgras wohnte, und brachten diesem nun eine regel­mäßige Katzenmusik. Die Polizei ließ sich wäh­rend des ganzen Skandals nicht hören und sehen. Erst einige Tage später wurden einige verdäch­tige Personen zum Polizeidirektor Hast vorge­laden, um vernommen zu werden. Unter diesen befand fich auch der Bäckermeister Helfrich Schott, bekannt wegen seiner patriotischen Gesinnung unter dem Namen derKurfürsten-Schott" oder wegen feinet entsprechenden Redensart auch Sorneroeg genannt. Bei seiner Vernehmung