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schon das kaiserliche Automobil an den linken Flügel der 1. Division heran. Hier stand das Earde-Jäger-Regiment, von dem die Revolu-

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seine Bitte, an einer Tennispartie teilzunehmen, wagte er bei dem müden, abgespannten Aus­sehen der Schwester erst gar nicht vorzubringen.

So wandte er sich schließlich wieder in die Bibliothek; er beschäftigte sich seit einiger Zeit mit Agrikulturchemie, um die unfreiwillige Muße in Dombrowo nicht ganz ungenutzt zu lasien, und hatte sich in dem hohen, kühlen Raume an einem der Parkfenster einen eigenen behaglichen Arbeitsplatz hergerichtet.

Heute indes vermochte ihn nichts auf die Dauer zu fesseln.

Eine fast krankhafte innere Unruhe trieb ihn schon nach kurzem Verweilen wieder auf; wie ein irrender Geist durchwanderte er rastlos die weite Zimmerflucht des unteren Stockwerks.

Erst in dem Boudoir der Mutter machte er Halt und ließ sich dort an dem altgewohnten Nähtischplatz in dem auf den Park hinaus gehen­den Erker nieder.

Wie oft hatte er hier nicht als Knabe zu den Füßen der Mutter gesessen und sich nicyt satt hören können an den wunderbaren Ge­schichten und Märchen, die sie in unerschöpflicher Fülle zu erzählen wußte indes sich die kleine Herta mit ihrer dicken Eummipuppe auf dem riesigen, silberigen Bärenfell an dem niedrigen Treppenaufgang herumkugelte.

Georg war immer ein eigentümliches Kind gewesen, eine merkwürdige Mischung von zah aufflammendem Trotz und träumerischer Weich­heit, mit Gewalt nur sehr schwer, ost gar nicht zu regieren, dagegen durch ein freundliches Wort eine leise Bitte meist mit den Augen zu lenken.

Mutter und Sohn hatten sich stets besonders nahe gestanden, so nahe, daß Herta in späterer Zeit viel bittere Tränen der Eifersucht vergossen hatte.

Es gab kaum einen Gegenstand, einen Vor­gang seines Lebens, an dem die Mutter nicht

Meinung eingeholt hätte; wie ein aufgeschlag«, nes Buch hatte bisher seine Seele vor ihr g« legen.

Seine feinfühlige Natur trug darum an de« Entfremdung der letzten Wochen doppelt schwer; es erschien ihm geradezu unnatürlich, daß er si< jetzt tagsüber oft nur flüchtige Minuten sah, während er in früheren Jahren bei Erkran­kungen der Mutter nicht von ihrer Seite ge* wichen war.

So woben sich seine Gedanken immer enger um die Gestalt der Mutter unter jenem eigen­tümlichen Einfluß, der uns in einem von einem geliebten Wesen bewohnten Raum unwillkürlich zwingt, uns auch mit seiner Persönlichkeit zu beschäftigen.

Die Dämmerung hockte bereits in allen Ecken des kleinen Raumes, als Georg sich endlich aus seinen versunkenen Träumereien wieder auf- raffte.

Er durfte sich nicht länger so vollständig sei­nen grüblerischen Stimmungen hingeben, daß diese ihm alle Ruhe und das ganze Gleichgewicht seiner Seele nahmen.

Trennten ihn ja doch nur noch vierzehn Tag« von dem Zeitpunkt, von dem ab ihm der Gras volle Handlungsfreiheit zugestanden hatte.

Mit einem Gefühl geheimen Grauens dacht« er daran, wie er über die quälende Spanne die­ser vierzehn Tage hinwegkommen würde, deren jeder einzelne sich ihm zu einer Ewigkeit zu deh­nen schien. Reiten, Segeln, Lektüre! 3ptmei die gleiche, abstumpfende Variation der Dinge!

Er hatte doch wohl die Tragweite seines Ver­sprechens nicht richtig übersehen, als er sich mit dem Vorschläge des Stiefvaters einverstanden erklärte; es dünkte ihn auf einmal eine unsäg­liche Härte, in dieser Gebundenheit in nächster i Nähe Käthes dahinleben zu müssen. !

ladine gefällt. Die Komödie ist aus und der Vorhang gefallen. Das Todesurteil ist ausge­sprochen worden, jedoch nicht ein Urteil, wie es an Leutnant Schmidt vollstreckt wurde, sondern ein Urteil auf dem Papier. Hat Rußland ©lütt, wird Roschdjestwensky noch einmal eine neue §lotte an der Doggerbank vorbei einem neuen usima entgegenführen. Und solch ein Urteil fällt das Gericht zu einer Zeit, wo fast jeden Tag Menschen erschossen werden, Menschen, die oft selbst nicht wissen, wessen sie angeklagt sind. Ist es da ein Wunder, daß die Gärung in der Flotte und auch in der Armee mit jedem Tage ernster wird. Und dabei macht die Propaganda noch riesenhafte Anstrengungen, ja Aladjin be­hauptet sogar, daß die Gewehre der Soldaten sich vor ihm senken. Ob dieses nun doch nicht übertrieben ist, kann dahingestellt bleiben. Aladjin muß es ja wissen, da der Militärpro- kureur bei den meuternden Soldaten des Preo- braschenski-Regiments Briefe und Photogra­phien mit Widmungen dieses edlen Deputierten und Volksfreundes gefunden hat. Aladjin geht sogar soweit zu behaupten, daß Rußland über­haupt keine Armee nötig hat und denkt dabei natürlich nur daran, wie bequem er und seine Genossen es dann haben würden, der Regierung allerlei Schnippchen zu schlagen. Daran aber, was aus dem Lande werden würde, daran denkt er nicht. Nun er wird es eines Tages erfahren, daß die Propaganda das Eros der Arme« nun doch nicht so vergiftet hat, wie ei es hoffte und vielleicht sogar glaubt. Jedenfalls ist die Garde treu und wird es bleiben, und das ist genug. Im Preobraschenskiregiment wollen die Soldaten fast nichts essen vor lauter Trauer darüber, daß sie sich hatten verleiten lassen, ihrem Kaiser die Treue zu brechen, und als vor einigen Tagen sich zwei Agitatoren dort einfan­den, wurden sie nur durch die Dazwischenkunft eines Offiziers vor dem Tode gerettet, so er­bittert waren die Soldaten. Und jetzt hat sich der Kaiser im Lager gezeigt. Es war Montag gegen Mitternacht. Das ganze Lager bet Krasnoje Sselo (28 Kilometer von Petersburg) schlief, als sich plötzlich aus dem Lager der Avant­garde, die von allen Regimentern der Linie ge­bildet wird, die das Sommerlager beziehen, ei« sonderbares Geräusch weiterpflanzte, ein Ge­räusch, das, immer stärker werdend, allmählich in ein deutliches brausendes Hurra überging und bald den linken Flügel des Hauptlagers, das von der Garde bezogen wird, erreichte. In einem Augenblick waren die Soldaten und Offi­ziere aus ihren Zelten heraus; der eine hatte die Hosen, ein anderer die Stiefeln in der Hand und ein jeder versuchte, so schnell als möglich Toilette zu machen. Alle wußten es, was das Hurra zu bedeuten hatte: der oberste Kriegsherr war im Lager. Immer näher und näher brauste der Ruf, schon hörte man, wie der Kaiser mit tönender Stimme die Regimenter der 2. Garde- Division begrüßte und die jauchzende Antwort

In Schweiß gebadet, an allen Gliedern zit­ternd, erwachte er endlich und schaute verstört um sich.

Im ersten Moment wußte er überhaupt nicht, ob er gewacht oder geträumt hatte; erst nach längerer Pause kehrte ihm das Bewußtsein der Wirklichkeit in vollem Umfange wieder.

Er richtete sich halb auf und schaute auf die Uhr.

Halb fünf! Er hatte doch länger ge­schlafen, als er gedacht!

Im ganzen Hause regte sich noch immer kein Laut, nur die Fliegen summten eintönig an den Fenstern herum.

Durch die schräggestellten Jalousiestäbe war­fen die Sonnenstrahlen fütternde Streifen in das dämmrige Halbdunkel des schmalen Gemachs; unzählige aufgewirbelte Staubatome tanzten in den schimmernden Lichtbändern.

Georg badete, um sich abzukühlen, seinen Kopf mit ganzen Wasserfluten in dem geräumi­gen Waschbecken und ging dann, nachdem er seine Toilette gewechselt und einen ganz leichten lei­nenen Anzug angelegt hatte, in das Parterre des Schlosses hinunter.

Es war noch immer unerträglich schwül; auf der Eartenterrasse lag die blendende Sonnen- grelle mit solcher Glut, daß er die Wärme der Steinfliesen durch die Stiefelsohlen spürte.

Weiter hinten unter den unbeweglichen Bäumen des Parks verschwamm die zitternde Atmosphäre in Grau und Grau, in Hitze und Dunst.

Georg stieg die große Freitreppe zum Gar­ten hinab und strich ein paarmal planlos um die weiten Rasenrundells.

Doch die Sonne trieb ihn bald wieder ins Schloß zurück.

. Ich Speisesaal begegnete er Herta, die ihm mttteilte, daß es der Mutter etwas besser ginge und - sie soeben^rin " '' ' " '

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck imb Verlag' Iah. klug. Koch, UniversttätS-Buchdrnckerck 41«

Marburg, Markt 2L Telephon 55. °

Reformen in China.

Die chinesischen Gesandten im Auslande haben vor einiger Zeit, wie kurz berichtet, dem Throne eine Denkschrift unterbreitet, worin sie unter Hinweis auf die Gefahren, die China ringsum bedrohen, um die Einführung einer Verfassung zur Ordnung des staatlichen Lebens bitten. Die Denkschrift liegt jetzt im Wortlaut vor. Es wird darin zunächst darauf hingewiesen, daß die mo­dernen Staaten, ob groß oder klein, ob mächtig oder schwach, früher oder später alle einmal aus­nahmslos sich dazu verstehen müssen, eine Ver­fassung einzuführen. Daraus könne man ein für die ganze Welt geltendes Entwicklungsgesetz herleiten. Es komme hinzu, daß die Einführung einer konstitutionellen Staatsform sowohl zur das Staatsoberhaupt wie für das Volk ersprieß­lich ist, und lediglich für die Schar der Unterbe­amten Unbequemlichkeiten in sich birgt. Bei den Gefahren, die auf dem großen Welttheater von allen Seiten drohen, sei eine Verfassung das einzige Mittel, Staat und Regierung zu retten. Aber für dieses große Werk müsse erst durch Er­lasse, in denen auf seine Bedeutung hingewiesen wird, im voraus der Boden geebnet werden. Drei Punkte bedürften am dringendsten der Er­ledigung:

Erstens muß ein Erlaß erscheinen, in dem auf die Bedeutsamkeit der Sache im allgemeinen hingewiesen wird. Als Japan die neue Regie­rungsform einführte, opferte man dem Gott des Himmels, und Hof und Volk schworen, sich daran halten zu wollen. Dieses Beispiel sollte nach- geahmt werden. Man sollte nach Maßgabe der vom Hofe für die Verfassung aufgestellten grund­legenden Prinzipien ein geordnetes Gesetz ma­chen und dieses als Freudenbotschaft dem Volke verkünden, und Beamte und Volk im ganzen Reiche veranlassen, in jeder Beziehung gehorsam zu sein; ohne Ausnahme müsse sich jedermann nach dem Sinne und Geiste des Verfassungsge­setzes richten, und auch nicht den geringsten Ver­stoß dagegen begehen.

In zweiter Linie muß eine örtliche Selbst­verwaltung geschaffen werden. Zu diesem Zwecke wird eine Verkleinerung der heutigen Verwal­tungsbezirke (Chou) und Kreise lHfien) und die öffentliche Wahl der Gemeindebeamten emp­fohlen. Das beste ist, aus den Gesetzen der an­deren Länder über örtliche Selbstverwaltung das Geeignetste auszuwählen, daraus einen be­sonderen Kodex zu machen und diesem Gesetzes­kraft zu verleihen. Es wäre alsdann baldigst den Eeneralgouverneuren und Gouverneuren der Provinzen bekannt zu geben mit dem Er­suchen, eine Frist zu bestimmen, in der sie die nötigen Vorbereitungen treffen könnten.

Als dritter Punkt kommt in Betracht der Erlaß von Gesetzen über Vereins- und Versamm- lungs- und Redefreiheit und Preßwesen. Bei Vereins- und Versammlung- und Redefreiheit und Preßwesen sind drei Gesichtspunkte zu be­herzigen. Wenn auch in allen Ländern das dem Volke eingeräumte Selbstbestimmungsrecht vom Volke selbst als glückliches Besitztum geschätzt wird, so unterliegen doch die Vereine und Ver-

Marburg

Sonnabend, 21. Juli 1906.

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init dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

SoNHtagSbeUag«: Jlluftrirtes

Neueste Telegramme.

f' Berlin, 19. Juli. Nach einem Bericht des Hauptmanns Freiherrn v. Wangenheim vom 89. Juni ist die Unterwerfung des Bezirks Ma- fcenge vorläufig abgeschlossen und durch fünf militärische Posten gesichert. Aus Jraku liege nichts neues vor. Da die Rebellenführer noch nicht ergriffen sind, ist die Haltung der Bevöl- ßerang noch nicht gewährleistet.

Karlsruhe, 20. Juli. Der badische Ober- kirchenrat hat den Entschluß gefaßt, die Abi­turienten der Realgymnasien und Oberreal­schulen zum Studium der Theologie zuzulassen.

Karlsruhe, 19. Juli. Die Erste Kammer beschäftigte sich heute mit der Heidelberger Schloßfrage und nahm mit allen gegen 2 Stimmen den Antrag der Kommission, die An­forderungen des Budgets (ebenfalls wie die 2. Kammer) abzulehnen und die Regierung zu ersuchen, alles zu tun, um den Ottheinrichbau in seiner jetzigen Gestalt zu erhalten, an. Finanzminister Becker erklärt, daß sich die Re­gierung den Beschlüssen des Landtages fügen, aber an ihrer Ansicht, daß der Wiederaufbau das schönste Verfahren zur Erhaltung de§ Baues sei, festhalten werde.

Hagen, 19. Juli. Bei der heute stattge­habten ReichstagSersatzwahl in Hagen- Schwelm wurden bis 11 Uhr abends gezählt: für Prof. Moldenhauer - Köln (nationallib.) 4545, Bürgermeister Cuno-Hagen (fteis. Dolksp.) 11172, Arbeitersekretär Becker - M. - Gladbach (Zentrum) 5266, Lizentiat Mumm - Berlin (christlich-soz.) 2149 und Arbeitersekretär Max König-Dortmund (Soz.) 16110 Stimmen. Danach findet also Stichwahl zwischen Cuno und König statt.

Rom, 19. Juli. Mitglieder der Expedition des Herzogs der Abruzzen nach dem Berge Ru- wenzori haben die bedenkliche Nachricht nach Rom gelangen lassen, daß in Uganda ernste Un­ruhen zu erwarten sind. Die Eingeborenen sollen sich in großer Erregung befinden und einen allgemeinen Aufstand gegen die Englän­der vorbereiten. Die männliche Bevölkerung übe sich im Gebrauche der Feuerwaffen. Man erwarte ernste Entwicklungen gegen Ende August.

f Aden, 19. Juli. Der DampferKronprinz" der Ostafrikalinie mit den Reichstagsabgeord­neten an Bord ist gestern hier angekommen. An Bord alles wohl.

London, 20. Juli. Die interparlamentarische sozialistische Arbeiter-Konferenz beschäftigte sich fast allein mit Rußland. Der russische Sozialist Anikin, Mitglied der Reichsduma, hatte in einet langen Rede die russischen Zustände ge­schildert und die Hilfe der europäischen So­zialisten angerufen, welche die Konferenz auch versprach. (?)

sammlungen der polizeilichen Ueberwachung und die Druckschriften der behördlichen Zensur. Damit ist tatsächlich ein für alle Fälle ausrei­chendes Unterdrückungsmittel geschaffen. Frei­lich darf es sich hierbei nicht, wie es jetzt der -rall ist, um bloß auf dem Papier stehende Verbote handeln, deren ungeachtet man sich eine dem Ge­setz zuwiderlaufende Selbständigkeit anmaßt. Sonst ist es schon besser, man gewährte schran­kenlose Freiheit, weil sie kaum so schwere llebel- stände im Gefolge hat. Man mutz eben in jeder Beziehung auf genaue Befolgung dessen, was sein soll, achten. Es empfiehlt sich, in Anlehnung an die gesetzlichen Bestimmungen, die jetzt in den monarchisch regierten Ländern England, Deutsch­land und Japan gelten, Gesetze über das Ver­eins -und Versammlungswesen, die Redefreryett und die Presse zu erlassen und sie schnell bekannt zu geben, um das Volk beizeiten an die Neue­rungen zu gewöhnen.

Die Kette.

Roman von Hans Schulze.

' (Fortsetzung.)

Georg suchte in der Bibliothek des Stief- vaters ein Buch und ging damit nach seinem Zimmer hinauf, um den Nachmittag mit Lektüre und Hindämmern auf dem Sofa zuzubringen. 1 Draußen eine Glut zum Ersticken, der Him­mel nach allen Seiten mehr grau als blau.

In Schloß und Park eine brütende Stille, als würde ein jedes Geräusch von den sengenden Strahlen der Sonne gleichsam im Keime erstickt.

Georg ließ die Jalousien herab und streckte sich auf den weichen Polstern seiner Chaise­longue aus.

Doch sein gesamtes Nervensystem befand sich noch in einem zu hochgradigen Schwingungszu­stande, als daß ihn die banale Welt eines Unter­haltungsromans dauernd zu fesseln vermocht hätte. -

Nach kurzer, flüchtiger Lettüre schon legte er das Buch wieder beiseite.

Aber auch der ersehnte Schlummer wollte sich lange Zeit nicht einstellen; ttotzdem Georg be­reits Rock und Weste abgelegt hatte, peinigte ihn ein unerträgliches Hitzegefühl.

Erst nach und nach übte die mittägliche Stille (bes kleinen Raumes ihre Wirkung, doch bis in den Schlaf hinein verfolgten ihn die bunten ,Bilder seiner aufgeregten Phantasie und form­ten ^sich zu quälenden Traumvorstellungen.

1 . ^hm wars, als verfolge ihn unausgesetzt ein entsetzliches, glotzendes Untier; wohin er sich ,auch wandte überall schlich es ihm nach auf lei­sen, geräuschlosen Sohlen, und plötzlich hockte es 'hm auf der Brust und preßte ihm die Kehle mit «irchtbaren Krallenhänden zusammen, daß ihm die Sinne vergingen. . - --------

senden von Bauern ziehen von Gut zu Gut, jagt die Gutsbesitzer fort, zerstört die Ge­bäude, raubt das Vieh und äschert die Wirt- schaftsgcbäude ein. Trotzdem die requirierten militärischen Hilsstruppen scharf schießen, wüsten die Bauern weiter. Hunderte sind bereits ge­tötet worden. Schwerverwundete Eutsoegtzer flüchten und nehmen nur das AllernotwendMe mit. Artillerie soll aufgeboten werden. Im Gouvernement Tambow, Kreis Koslow, hielten 3000 Bauern ein Meeting ab. Als Dragoner heranrückten und die Bauern sich der Verhaf­tung widersetzten, hieben die Dragoner mit dem Säbel drein. Die Bauern wehrten sich. Darauf schossen die Dragoner scharf, 80 Bauern wurden getötet. Leutnant Baron Buxhövden und meh­rere Soldaten wurden verwundet.

Petersburg, 19. Juli. Der Gouverneur von Orel ersuchte den Minister des Innern telegra­phisch um Entsendung einer starken Militär­macht zur Unterdrückung der agrarischen Un­ruhen im Gouvernement, wozu die dortigen Kosaken nicht ausreichen; diese können nicht ein­mal verhindern, daß die Bauern tagtäglich auf­rührerische Zusammenkünfte in den Wäldern abhalten. Der Gouverneur traf besondere Maß­regeln, um die Güter des Großfürsten Michael, eines Bruders des Zaren, im Bezirk Sjewfk, wieder den Bauern zu entreißen. Die dortigen Bauern hatten die dem Großfürsten gehörigen Besitzungen in ihre Gewalt gebracht uiü> beretts begonnen, seine Ländereien unter sich zu ver­teilen.

Aus Petersburger Offizierkreisen wird der N.-Ztg." über die

Treue in der russischen Armee geschrieben:Das Marinegericht hat das Urteil über Admiral Roschdjestwensky und feine Pa-

Vierteljährlicher Bezugspreis: bet bei Expedition 2 ML, tqz» 1 ßü bet allen Postämtern 2,25 Mk. (exel. Bestellgeld).

v12* IvO JnserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Ptz, Reclamen: die Zeile 25 Pfg.

Zar Lage in Rußland.

Bauernnnruhen.

Die furchtbaren Agrarunruhen im vernement Woronesch dauern bereits Woche an. Eine Bande von