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mit dem Kreis blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: JllnstrirteS Sonntaasblatt,

' JK 167

VirrteljLhrltcher Bezugspreis: btt der Erp'zditio« 2 Mk, bet allen Postämtern 2,25 M. (t$cL Bestellgeld).

InserttonSgebühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Pfg.

Reclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Freitag, 20. Juli 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Berlage Joh. Aug. Koch, UmversitSts-Buchdruckerei

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

41. Jahrg.

Neueste Telegramme.

D Hamburg, 19. Juli. Di« Oberschulbehörde Arbeitet eine Vorlage aus, wonach die Abitu­rienten des Realgymnasiums zum Studium der Jurisprudenz zugelassen werden sollen.

, Petersburg, 18. Juli. (Vetersb. Telegr.-Ag.) Der Minister des Innern Stolypin beaufsichtigt hie Aufhebung des Kriegszustandes und des ver­stärkten Schutzes in vielen Gegenden des Reicys sofort nach Beendigung der Feldarbeiten anzu- Stegen.

Moskau, 18. Juli. Im Garde-Regiment zu Pferde in Kraßnoje Sselo sind Unruhen ausge- orolben, welche besonders in der i. Schwadron ernste Formen annebmen. Die Schwadron wei­gert sich Dienst zu tun, und stellte eine Reihe Forderungen, darunter die Entfernung des Kommandeurs der Schwadron sowie des Feld­webels. Die Ermahnungen des Regimentskom­mandeurs Fürsten Koslowsky waren erfolglos.

Sewastopol, 18. Juli. Heute Mittag wurde während der EerichtsMung über die int No­vember stattgehabten Meutereien, als der Kom- mandeur des Brestschen Regiments den Saal verließ und auf den Hof trat, in den Hof aus h«r Kaserne der Flottenequipage eine Bombe Heworfen, die ihn jedoch nicht verletzte.

j, London, 18. Juli. Der Marquis Ito hat, nach einer Depesche aus Söul, alle Mühe, die Habgier der japanischen Ansiedler in Korea in Schach zu halten, die durch die eigenmächtige und gewalttätige Besitzergreifung des fremden Grund und Boden es bereits dahin gebracht haben, daß der japanische Nam« heute in Korea ebenso verhaßt ist, wie er noch vor kurzem be­liebt war. Auch das Willkür-Regiment der ja- öanischen Gendarmerie trägt mit dazu bet, daß die anfangs als Befreier begrüßten Japaner heute als Unterdrücker verwünscht werden. Der Kaiser steht unter ständiger japanischer Polizei­aufsicht. Seine Familie hält man von ihm ge­trennt und ebenfalls unter strenger Bewachung. Es ist zweifelhaft, ob der ehrliche Reformeifer des Marquis Ito dem passiven Widerstand der untergeordneten Bureankratie gegenüber durch­dringen wird.

Newyork, 18. Juli. (Priv.-Tel.) Salvador beschuldigt Guatemala, die Waffenruhe ge­brochen zu haben. Der Präsident Cabrera fiel in Salvador ein, wurde aber bei Metapan und Planatar unter großen Verlusten zurückgewor» fen. Das Eros der Armee Guatemalas ist bei Jutiapa umzingelt.

Deutschland und Rußland.

.<* Bei den russischen Staatsmännern und in den dem Zaren nahestehenden Kreisen herrscht srin mit Entrüstung gemischtes Befremden über die Haltung des größten Teiles der deutschen «Presse gegenüber Rußland. Man versteht es I dort natürlich, daß die ausgesprochenen Lemo- i kratenblätter in Deutschland mit der Revolution

24 (Nachdruck verboten.);

V Die Kette.

Roman von Hans Schulz«.

\§|FT (Fortsetzung.)

*' Eine komplizierte Diät mit reichlicher An­setzung von Stärkungsmitteln wurde aufgestellt und die Kranke, um ihren gesunkenen Kräften zu Hilfe zu kommen, zu den verschiedensten Tagesstunden mit Essen und Trinken gequält.

I: Ruth fügte sich in alles, nur gegen das En­gagement einer geschulten Pflegerin hatte sie sich auf jede Weise gesträubt.

Sie wollte keinen fremden Menschen um sich haben, allein Herta sollte sich beständig in ihrer Nähe halten; ein fast krankhaftes Verlangen nach der Tochter schien plötzlich in ihr erwacht.

Mutter und Tochter waren in den letzten Monaten, in denen sich die Gräfin entweder ganz für sich oder nur zu dem Gatten gehalten, fast ganz fremd geworden; kaum, daß sie sich bet den gemeinsamen Mahlzeiten flüchtig gesehen pnd gesprochen hatten.

Jetzt auf einmal mußte Herta unausgesetzt um das Krankenbett sein; die Mutter und trank nur, wenn sie von ihr bedient wurde, und sie lag stundenlang, die Hand des Mädchens in der ihren, glücklich, allein den Pulsschlag dieses jungen, frischen Lebens fühlen zu können.

- Herta, die schon lange unter der Entfrem­dung der von ihr leidenschaftlich verehrten Mut­ter gelitten hatte, widmete sich ihrem neuen Be­rufe mit dem ganzen Feuereifer ihrer siebzehn Jahre; sie wich den Tag über kaum auf kurze Minuten aus dem Krankenzimmer und war ost erst in später Abendstunde und nur mit Anwen­dung sanfter Gewalt dazu zu bewegen, sich selbst ein wenig Ruhe zu gönnen.

So entspann sich in überraschend kurzer Zeit wieder ein außerordentlich herzliches Verhältnis .Zwischen den beiden Frauen,

sympathisieren. Unverständlich aber eria-eint es, daß so viele unbestreitbar vaterländisch gesinnte Blätter anscheinend nichts leidenschaftlilyer her­beisehnen, als daß möglichst bald eine blutige Revolution das ganze Zarenreich in den Grund­festen erschüttern und der Herrschaft des Zaren ein Ende machen möge. Man fragt sich in Ruß­land, ob denn eigentlich dieser Teil des deut­schen Volkes vollkommen blind sei und nicht be­greifen könne, ein wie gefährliches Feuer grade für Deutschland der vollständige Sieg der russischen Umsturzparteien sein würde. An­statt der russischen Regierung bei der Unter­drückung dieses Feuers gute Nachbardienste zu leisten, blase der gekennzeichnete Teil der deut­schen Presse tagtäglich in dies Feuer hinein.

Es muß dahin gestellt bleiben, ob die rus­sische Negierung durch ihre Begünstigung der Letten und ihre treulose Haltung gegenüber dem baltischen Deutschtum nicht selbst starken Grund zu der in Deutschland gegen alles Russische oe« stehenden Abneigung gegeben hat. Jedenfalls ändert dies aber nichts an der unglaublichen Torheit jener Haltung der deutschen Presie. An­statt in dieser Frage lediglich von der Rücksicht auf deutsche Interessen sich leiten zu. lassen, ge­fallen die unter der Suggestion demokratischer Anschauungen stehenden Blätter sich darin, die scheußlichen Attentate, die grade in den letzten Tagen wieder sich zugetragen haben, in einer so begütigenden Weise darzustellen, daß der ahnungslose Leser geradezu etwas wie eine Ge­nugtuung über diese Verbrechen empfinden muß. So wurde die Ermordung des Generals Tsmur- nin damit erklärt, daß dieser wegen seiner Strenge in der russischen Marine verhaßt ge­wesen sei; kein Wort der Entrüstung ctiet fiel über die Meutereien von Sewastopol usw., zu deren Unterdrückung die beklagte Strenge des ermordeten Admirals dringend nötig war. Kaum aber hat sich die Gruft der Wladimir- Kathedrale über Tschuknin geschlossen, als im Parke von Peterhof, dem durch alle erdenkbaren Vorsichtsmaßregeln geschützten Zufluchtsorte des Zaren, der General Koslow von einemanstän­dig gekleideten" Manne durch drei Revolver- schüsie getötet wurde. Anstatt dies ruchlose Ver­brechen mit der Entrüstung zu brandmarken, die es verdient, erklären die gekennzeichneten Blät­ter es damit, daß der Anschlag auf einem Miß­verständnisse beruht und dem General Trepow gegolten habe. Dieser sei alsBluthund" den Revolutionären besonders verhaßt.

Einigermaßen komisch wirkt gegenüber die­ser mehr nichtsnutzigen als gedankenlosen Vor­arbeit für die russische Revolution die plötzlich erwachte Empörung, mit der die gleichen Blatter das Attentat gegen den Schnellzug auf der Eisenbahnstrecke KoblenzTrier verurteilen, in dem augenscheinlich die Verbrecher den Groß­fürsten Wladimir von Rußland vermuteten. Ge­wiß war dieser Anschlag ruchlos und seine Fol­gen hätten, wenn er gelungen wäre, unter allen Umständen viele Unbeteiligte in schweres Leid versetzt. Wo um des Himmels willen aber liegt

Ruth, die Herta noch immer mehr als ein halbes Kind behandelte, sah mit Erstaunen, wie sich gerade in letzter Zeit, von ihr fast unbe­merkt, Gemüt und Geist der Heranwachsenden Tochter entwickelt hatten; und zugleich erkannte sie mit einer gewissen Beschämung, wie wenig sie des starken Anlehnungsbedürfnisies geachtet, das dieses junge, liebevolle Herz gerade für sie, die Mutter, gehabt hatte.

In ihrer egoistischen Einschränkung auf das eigene Leid war sie an all dieser Liebe vorbeige­gangen, die sich, von der kühlen Herbheit ihres Wesens verscheucht, überhaupt gar nicht an sie herangetraut hatte und sie jetzt in nimmermüder Zärtlichkeit das peinvolle Angedenken der Ver­gangenheit vergessen zu machen trachtete.

Wie ein wüster Traum erschien ihr zuweilen die ganze Fahrt nach Sinderode und die nach­folgende nächtliche Unterredung mit dem Gatten.

Gleichsam instinktiv wehrte sie vorläufig ihrem Vorstellungsleben, sich diesem noch wohl­tätig verschleierten Erinnerungsgebiete zuzu­wenden, dessen leisestes Anklingen ihre Brust wie mit einem drückenden Alp belastete.

Darum sah sie Georgs Krankenbesuchen fast mit einem heimlichen Bangen entgegen und at­mete jedesmal erleichtert auf, wenn er das Zim­mer wieder verlassen hatte, da fein Anblick sie immer von neuem an das noch ungelöste 'und ihr auch noch unlösbar scheinende Problem der Zukunft gemahnte.

Georg blieb diese Unsicherheit und Zurück­haltung der Mutter nicht verborgen, vielmehr empfand er es ebenso wie sie, daß der Ton der Herzlichkeit zwischen ihnen seit langer Zeit eine starke Einbuße erlitten hatte.

Die eigentümliche Stimmung des ganzen Hauses hatte ihm gleich in den ersten Tagen einen großen Teil der Unbefangenheit geraubt, mit der er den heimatliche» Bodett Wieder be­treten hatte. _ -

denn der Unterschied zwischen einem von russi­schen Anarchisten gegen einen russischen Groß­fürsten in Deutschland versuchten oder verübten Attentate und dem gleichen Falle in Rußland? Ist es vom Standpunkt der Schrittmacher der russischen Revolution weniger verdienstvoll, solche Verbrechen int Ausland« als in Rußland zu begehen? Oder kommt hier jene Feigheit zum Ausdrucke, die an dem Feuerbrande int Nachbarhause sich grinsend ergötzt, aber sofort nach der Polizei und der Spritze schreit, wenn die Funken aufs eigene Dach fliegen?

Es läßt sich gar nicht verkennen, daß dies« Unterstützung der russischen Revolution seitens eines Teiles der deutschen Presse und der irr« geleiteten öffentlichen Meinung die Gefahr für das Kaiserhaus in Rußland wesentlich verstärkt. Im Lager von Kraßnoje Sselo ist jetzt ein Be­fehl des Generals Danilow erlassen, nach dem das Gardekorps sich bereit halten soll, einen Uebungsmarsch nach Oranienbaum zu unterneh­men. Man spricht davon, daß dort der Zar mit seiner Familie demnächst sich einschiffen wolle, um auf dem Seewege Rußland zu verlassen und in Darmstadt Aufenthalt zu nehmen. Seine Vertretung würde er stärkeren Händen über­tragen, die mit größerer Entschlossenheit die Be­ruhigung in Rußland durchführen konnten. Für Deutschland würde dies jedenfalls eine Ver­stärkung jener anarchistischen Treibereien mit sich bringen, die in dem geplanten Attentate gegen den Großfürsten Wladimir in Erscheinung getreten sind. Hoffentlich verfehlt dies weithin leuchtende Warnungszeichen nicht die nötige Wirkung auf den gesunden politi|u,v. . erstand der vom russischen Revolutionsfieber angesteckten Kreise in Deutschland.

Deutsches Reich.

Berlin, 19. Juli.

Seine Majestät der Kaiser ist gestern Nachmittag 3 Uhr, wie schon gemeldet, an Bord derHamburg" in Drontheim angekommen, wo voraussichtlich ein zweitägiger Aufenthalt ge­nommen wiro. Vorgestern ankerte dieHam­burg" bei Anger, wo der Swartissengletscher be­stiegen wurde. An Bord ist alles wohl.

Die Kaiserin, in Begleitung der Prinzes­sin Viktoria Luise und des Prinzen Joachim, ist heute Donnerstag Morgen 7 Uhr 52 Minuten in Cassel angekommen und hat auf Schloß A-ilhelmshöhe den üblichen Sommerauf­enthalt genommen.

Ueber den Kurs der auswärtigen Politik des Reiches mehren sich auch in der rechtsstehen­den Presse die unzufriedenen Stim­me n. Das konservative Hauptorgan in Schle­sien, dieSchles. Ztg.", mahnt ernstlich zur Selbstbesinnung, indem sie schreibt:

Mit der Selbstbesinnung würde auch mehr Ruhe in unsere auswärtige Politik kommen. Die leidige Neigung, in aller Welt Angelegen­heiten mitzureden, würde sich vermindern. Ge­rade diese Neigug war es ja, die in anderen Ländern jene Gegenströmung erzeugt hat, von

Dazu erschien ihm die merkwürdige Verän­derung int Wesen der Eltern immer unerklär­licher.

Der Stiefvater, der ihn sonst mit Vorliebe an sich gezogen hatte, um ihm einen tnöghuirt tiefen Einblick in den komplizierten Mechanis­mus der Landwirtschaft des umfangreichen Gutes zu geben, wich ihm sichtlich aus und war in den kurzen Momenten des Zusammenseins von einer solchen Reserviertheit, daß auch Georg unwillkürlich zurückhielt.

So strich er denn meist ohne Weg und Steg int Walde umher, segelte auf dem Redingsee oder fuhr zuweilen nach Rahnfeld hinein, um sich dort in der Regel mit ein paar jungen Guts­besitzern der Nachbarschaft an den Stammtischen bei Eemballa oder inGoldenen Löwen" zu treffen.

Käthe Sinderode sah er nur selten, einmal an einem weiteren Morgen auf der ..Insel" und dann ein zweites Mal zusammen mit Tante Ul­rike in der Rogalskischen Konditorei zu Rahn­feld, woselbst er zufällig im Vorbeigehen die beiden Damen hatte am Fenster sitzen sehen; das junge Mädchen hielt nach wie vor noch an ihrem alten Prinzip fest, ehe nicht eine endgül­tige Entscheidung gefallen, so wenig wie möglich hinter dem Rücken des Vaters zu unternehmen, und Georg, der ihre Unbeeinflußbarkeit in die­sem Punkte kannte, machte erst gar keine An­strengungen, sie in ihrer Entschlossenheit zu er­schüttern.

Freilich trug diese Charakterfestigkeit Käthes nicht gerade zur Verbesserung seiner allgemei­nen Stimmung bei, zumal auch sie ihm über das Resultat des Besuchs der Mutter, von dem er nur wußte, daß er stattgefunden, keinerlei Aus­kunft zu geben vermochte und Tante Ulrike jede Andeutung in dieser Richtung geflissentlich hatte unter den Tisch fallen lassen.

Unter dem Einfluß all dieser Faktoren ent­wickelte sich bei ihm in dem ewigen Schwanken

der der Kaiser in seiner letzten Thronrede sprach: die Neigung auswärtiger Mächte,Angelegen­heiten, in denen auch das Deutsche Reich In­teressen zu wahren hat, ohne unsere Mitwirkung zu erledigen". Hieraus könnte uns auf bi« Dauer ein schwerer wirtschaftlicher Nachteil er­wachsen, denn mit unserer industriellen Pro­duktion sind wir nun einmal auf den Welt- markt angewiesen. Wir laufen Gefahr, auf ben vereinigten Widerwillen anderer M ä ch t e zu stoßen. Inzwischen scheint sich das ausländische Kapital nach den Erfahrungen, die es mit unseren Reichs- und Staatsanleihen ge­macht hat, von diesen fern zu halten. Hingege t können die Italiener, die den Kurs ihrer Pa piere fortwährend verbessert haben, auf fraw zösisches und englisches Geld eher rechnen, so das wir mit unserer Finanzpolitik uns nicht nut finanziell schaden, sondern auch das uns verbllw bete Italien in die Arme anderer uns nicht im> mer wohlgesinnter Mächte treiben. Mag mar unsere Politik weitsichtig, oder, wie neuerd nql der beliebtere Ausdruck lautet, weitschauenl nennen, besser täten wir, unsere Augen auf das Naheliegende zu richten und, um sie dem anzu­passen, uns eine Konvexbrille anzuschassen.

Deutsche Kolonien.

Kamerun. Zur Lage in Kamerun wird in der neuesten Nummer des amtlichenKol. Bl." bemerkt: Die Unternehmungen gegen den Häuptling Ngute haben endlich zu einem vollen Erfolg geführt. Der Häuptling Ngute hat sich am 6. April mit seinem Sohne Dukwa bei Haupt­mann Dominik im Feldlager vor Ngute einge­funden, um seine bedingungslose Unterwerfung anzuzeigen. Nach dem Abmarsch der 2. bezw. 4. Kompagnie haben keine Gefechte mehr stattge­funden und auch Dominik ist auf keinen Wider­stand bei seinem Marsche auf Ngute gestoßen, wo er am 3. April mit 75 Farbigen der Jaunde- Vesatzung eintraf. Hier übernahm er den Be­fehl über die Expeditionsabteilung von Joko, trat durch Eingeborene mit dem flüchtigen Häuptling in Verbindung und erreichte dessen Gestellung, ohne daß es vorher nochmals zum Kampfe gekommen wäre. Am 7. April wurde Ngute mit einem persönlichen Gefolge nach Jaunde geschickt, wo er vorläufig gefangen ge­halten wird. Als Nachfolger kommt Dukwa in Betracht, dessen Einsetzung als Häuptlino e» folgen wird, falls keine Bedenken des Stations­chefs von Joko dem entgegenstehen.

Südwestafrika. Aus dem Kaplande wird berichtet, daß die britischen Behörden jetzt viel kräftiger gegen die Hottentotten auftreten als bisher. Sie nehmen die Ueberläufer meist fest und haben die an der Grenze neuerdings seßhaft gewordenen Hottentottenfamilien in großer An­zahl weiter nach dem Innern, von Steinkopf nach Springbockfontein gebracht. Dieses Ver­fahren, welches den deutschen Wünschen ent­spricht und den berechtigten Forderungen der­selben nachkommt, wird vor allem auf den Ein­fluß des Aufstandes der Eingeborenen in Natal F' - ' = ...........

zwischen Furcht und Hoffnung allmählich ein Zustand quälender Nervosität, der ihn ungerecht und reizbar machte und insbesondere mit einem sich mehr und mehr steigenden Mißtrauen gegen seine gesamte Umgebung erfüllte.

Georg hatte sich in früheren Jahren wenig oder gar nicht um die Verhältnisse seiner Ver­gangenheit, vor allem nicht um die seines ver­storbenen Vaters gekümmert .sich vielmehr ganz daran gewöhnt, seinen Stiefvater Lohn« dem leiblichen Vater, an den et auch nicht die ge­ringste Spur einer Erinnerung besaß, voständig gleichzustellen.

Jetzt auf einmal fiel es ihm auf, daß, so­lange er zurückdenken vermochte, eigentlich von keinem der beiden Eltern jemals aus eigenem Antrieb über den Toten zu ihm gesprochen, im Gegenteil, wie er nun glaubte, absichtlich jede Erinnerung an ihn verwisckt worden war.

Bis zu seinem zwölften Lebensjahr hatte er überhaupt kein Bild des Vaters besessen und erst auf langes Bitten seinerzeit von der Mutter das zufällig in ihrem Nähtisch gefundene und jetzt seinen Schreibtisch schmückende Pastell als Andenken erhalten.

Der alte Verdacht, der ihn am ersten Abend seiner Ankunft überkommen, ward plötzlich wieder in ihm rege. i

Barg sich irgend ein Geheimnis hinter die- sei Ignorierung der Vergangenheit, lastete viel-, leicht irgend ein Makel auf dem Namen des Vaters oder der zweiten Verbindung der Mutter?

Das Blut strömte ihm jedesmal schneller durch die Adern, wenn er, auf der Chaiselongue' seines Zimmers einsam dahinträumend, all diese Eventualitäten durchdachte.

Seine aufgeregte Phantasie spiegelte ihm dann die mannigfachsten Verwickelungen vor, wie sie aus Romanen oder den Schicksalen von Bekannten aus aller Herren Länder geläufig waren.