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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage; Alluttrirtes Sonntaasblait, *

M 165

Bierteljährlicher Bezugspreis; bet der Elprdition 2 Mk» bet allen Postämtern 2,25 M. vtzcL Bestellgeld).

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Reclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Mittwoch 18. Juli 1906.

Erscheint wöchentlich siebe» mal.

Druck tmb Verlag' Joh. Aug. Koch, UnivcrsitätS-Buchdruckeret Marburg, Markt 21. Telephon 55.

41. Jahrg.

Erstes Blatt.

Reueße Telegramme.

Kiel, 16. Juli. Die attive Schlachtflotte ist heute vormittag zu ihrer diesjährigen Uebungsreise, die sie nach den norwegischen Ee- wäsiern führt, ausgelaufen. Das zweite Ge­schwader fährt um Skagen, während das erste Geschwader und das Eros der Aufllärungs- fchiffe sowie die Schul- und Torpedobootsflotille durch den Kaiser Wilhelm-Kanal gegangen sind.

Leipzig, 17. Juli. Im Reichstagswahlkreise Döbeln, der durch den Tod des seitherigen so­zialdemokratischen Vertreters Grimberg erle­digt ist, soll als gemeinsamer Kandidat der Liberalen der frühere Vertreter Leipzigs im Reichstag, Profesior Dr. Ernst Hasse-Leipzig ausgestellt werden.

Amsterdam, 16. Juli. Anläßlich der Rem- brandtfeier wurde der Generaldirektor der Kö­niglichen Museen in Berlin, Dr. W. Bode, zum Großoffizier des Ordens von Oranien-Rassau ernannt.

Paris, 16. Juli. Der Kriegsminister teilte km heutigen Ministerrat mit, daß er den Eska­dronchef Alfred Dreyfus dem 12. Artillerie-Re- gement zugewiesen hat, dessen Garnison der Pariser Vorort Vincennes ist. Ueber die Zu­weisung des Generals Picquart ist noch keine Bestimmung getroffen.

Paris, 16. Juli. Aus Rom wird gemeldet, daß die außerordentliche Kongregation der kirchlichen Angelegenheiten den Bericht des Monsignore Easparri gebilligt und dem Papste überreicht hat. Es heißt, daß die Kardinäle der Kongregation zwar nicht die Ansicht ge- siußert haben, daß das Trennungsgesetz anzu­nehmen sei, daß sie aber entschieden den Ge­danken abgelehnt haben, dem französischen Episkopat offene Auflehnung gegen das Gesetz zu empfehlen. Der Papst dürste denselben Standpunkt einnehmen,- er dürfte seinen Ein-, sprucy gegen das Gesetz nicht zurückziehen, aber auch nicht zum direkten Kampfe gegen dasselbe treiben.

Madrid, 16. Juli. Der italienische Gesandte in Tanger Malmust traf heute hier ein und Überreichte dem Minister des Auswärtigen das kn Fez vom Sultan von Marokko unterzeichnete Protokoll der Konferenz von Algeciras.

Rewyork, 16. Juli. Ein Telegramm aus San Salvador vom 15. ds. Mts. meldet: Am Samstag abend griff die Armee von Salvador die von Guatemala bei Platana an. Die Eua-

lNachdruck verboten.)

Studie auf einer Reis..."

Eine heitere Geschichte aus dem Leben, von Hans Albrecht-Cassel.

V (Schluß.)

In Ellys Antlitz war jedoch von einer stum­men Richtermiene nicht das Mindeste wahrzu­nehmen. Im Gegenteil ihre Blauaugrn strahlten in sonniger Heiterkeit, als sie den Blick auf den Zerknirschten richtete, und dar schalkhafte Lächeln verstärkte die Grübchen in Wange und Kinn.

Aus Winklers Worten entnahm Fräulein Elly mit untrüglichem Scharfblick, daß dem Reisebegleiter sehr viel an ihrer Meinung über ihn gelegen sein mußte. Und wenn er ihre Ge­danken hätte erraten können! Sie sand sein Wesen energisch und entschlossen, seine Persön­lichkeit gewinnend und ritterlich .... Ah, es war ein reizendes Abenteuer, das ihr das Lehen nach der Pensionszeit bot! Sollte sie etwa in jungferlicher Prüderie die Erzürnte spielen? Fiel ihr nicht ein?

In plötzlicher Bewegung streckte sie Herrn Winkler die Hand entgegen. Er sprang, aufs höchste freudig überrascht, empor und erfaßte ihre kleine Rechte mit festem Druck, während er sich wie vor einer Fürstin verneigte.

Sie können mir vergeben," sagte er, und seine Stimme bebte merklich vor innerer Erreg­ung,und ich verdiene es kaum, mein Fräulein, daß Sie so gütig sind!"

Ihr glockenhelles Lachen unterbrach ihn.

Finden Sie? Run, wenn man aufrichtige Reue sieht, so soll man immer Nachsicht walten .lassen. Ich möchte also für Ihr Vergehen Par­don gewähren. Doch nur unter einer Beding­ung? Ihnen brauche ich ja nicht zu sagen, daß

temalaner verloren an 2000 Mann an Toten, Verwundeten und Gefangenen. Die über Santa eindringende guatemalcrische Armee wurde zurückgeschlagen.

Tientsin, 16. Juli. Rußland zieht laut Telegramm derFrkf. Ztg." im Oktober die Eesandtschaftsschutzwache in Peking zurück und 25 Mann Ordonnanzkosaken bleiben zurück.

Großbritannien.

Die Möglichkeit einer Kabinetts- und Par­lamentskrise in England ist durch die bevor­stehenden Entscheidungen über wichtige politische Fragen näher gerückt. Da ist zunächst der Birrelsche Schulgesetzentwurf, dessen Annahme im Unterhause gewiß ist, der aber durch seine Bestimmungen über den fakultativen Religions­unterricht einen Charakter erhalten hat, der den Gesetzentwurf dem Oberhause unannehmbar er­scheinen lassen dürfte. Die Möglichkeit, daß es infolge dieser Vorlage zu einem schweren Zu­sammenstöße zwischen beiden Häusern des Parla­ments kommen kann, haben nicht nur die Mit- glieder verschiedener Parteien des Unterhauses, unter denen sich besonders die Konservativen in einer recht unangenehmen Lage befinden, be­reits ins Auge gefaßt. Auch ein Mitglied der liberalen Negierung hat kürzlich einen unver­blümten, in seinem Ernste nicht mißzuverstehen­den Appell an das Oberhaus gerichtet, dessen Inhalt namentlich deshalb eigentümlich berüh­ren mußte, weil er das Oberhaus für den Fall, daß er gegenüber der Schulvorlags sich ableh­nend verhalte, als eine politisch stagnierende, längst überlebte Institution hinstellte und dem Vertrauen Ausdruck gab, daß der englische Li­beralismus über etwaige Widersprüche von die­ser Seite zur Tagesordnung übergehen werde. Irgendeine Verlautbarung seitens des Ober­hauses ist in der letzten Zeit nicht erfolgt. Blei­ben c -T die Lords bei ihrer in dem ersten Sta- otur -er Verhandlungen über das Schulgesetz angekündigten Stellung, so wird zu dem Gegen­sätze gegenüber dem anderen Hause, der sich be­reits bei der Beratung der Trade Disputes Bill ergeben hat, ein neuer und schärferer geschaffen, und -er offene Ausbruch eines schweren Zer­würfnisses wäre dann kaum zu vermeiden.

Eine vielleicht noch ernstere und in ihren Folgen bedeutsamere Sachlage kann sich aus der Meinungsverschiedenheit über den Flotten- bauplan des laufenden Jahres ent­wickeln. Die liberale Regierung will durchaus das Versprechen, das in den Januarwahlen bei­nahe mehr noch als die Tarifreform-Frage die Situation beherrscht hat, das Versprechen einer Herabsetzung der Staatsausgaben einlösen und sie hat demgemäß nicht nur eine dem Gedanken einer allgemeinen Abrüstung sympathische Haltung eingenommen (allerdings unter dem Vorbehalt, daß andere

jede Straftat eine Sühne finden muß, denn Sie sind ja Jurist. And so sollen auch Sie Gelegen­heit finden zur Sühne."

Mit tausend Freuden!" fiel er hastig ein. Befehlen Sie ganz über mich!"

Fräulein Elly sann einen Augenblick nach.

Run wohl," sagte sie dann,in einigen Woche', gedenken wir zu Hause wie Mama bereits initgeteilt hatfür einen größeren Kreis von Freunden und Bekannten ein Fest zu ver­anstalten. Dazu bedürfen wir bestimmt eines Herrn, der es versteht, für gesellige Abwechse­lung und Unterhaltung zu sorgen, der allerlei Gesellschaftsspiele und zum Schluß einen Ball zu arrangieren weiß. Ungeahnte Schwierigkeiten dürfen nicht bei dem Arrangement in Verlegen­heit versetzen, sondern müssen durch schnelle Ent­schlüsse beseitigt werden. Nicht jeder Herr ist zu solchem Amte geeignet, und nicht Jeder be­gehrt es wohl. Sie, Herr Winkler, wären viel­leicht in dieser Hinsicht ganz am Platz! Und da Sie selbst mir die Machtbefugnis eingeräumt haben, über Ihre Dienste verfügen zu dürfen, so ernenne ich Sie Deine Genehmigung, liebe Mama, natürlich vorausgesetzt für unser Fest zum maitre de plaisir."

Die Heimbergsche Besitzung erstrahlte im Lichterglanz. Farbenbunte Lampions zogen sich in langen Reihen durch den Garten-hin, und einschmeichelnde Melodien tönten hinaus in die herrliche, duftige Juninacht.

Bei Justizrats war große Gesellschaft. Sämt­liche Fenster der luxuriösen Villa waren er­leuchtet und ebenso die große, mit tropischem Pflanzenschmuck ausgestattete, mit Elasbe- dachung versehene Veranda, wo sich's die älteren Herren, in Gemeinschaft mit dem jovialen, be­liebten Justizrat, bei einem Glase Wein und einer Zigarre in behaglicher Plauderecke bequem gemacht hatten.

Eben waren die letzten Klänge eines flotten Rheinländers" verhallt, und die Paare zer- 1

streuten sich aus dem schwülen Tanzsaale zu ebener Erde in die verschlungenen Gartenwege. Auch die Jünger der edlen Musika begaben sich mit ihren Instrumenten in den Park hinaus und nahmen im Pavillon Platz, um, auf Vorschlag eines frohgelaunten Referendars, der das burschikose Wesen der Studentenjahre noch nicht abgestreift hatte, den des Tanzes entwöhnten Herrschaften auf der Veranda ein Studenten- lieder-Potpourri als Ständchen darzubringen.

Auf einem etwas abgelegenen Parkwege wandelte in eifrigem Geplauder ein junges Paar.

Wie ist die öffentliche Meinung über das Arrangement des heutigen Abends, mein Fräu­lein?" erkundigte sich Herr Winkler bei seiner Begleiterin, der Töchter des Hauses, die, noch vom eifrigen Tanzen erhitzt, sich bei dieser Pro­menade mit einem Fächer Kühlung zuwehte.

Es würde Sie gewiß eitel machen, wenn ich's verriete," entgegnete die Gefragte lächelnd,doch vielleicht ist es Ihr gutes Recht, dies zu erfah­ren. Sie werden zufrieden fein, wenn ich Ihnen sage, daß man allseitig von Lob erfüllt ist über die Leistungen des Herrn Vergnügungs-Arran­geurs. Mama ist begeistert von dem gelungenen Fest, und selbst Papa hätte so Großes nicht er­wartet . . ."

Herr Winkler stimmte in den Ton dieser er- ermutigenben Worte ein.

Vielleicht war das Schönste des Abends das Theaterstück," meinte er.Wie flott doch alles auf der kleinen, improvisierten Bühne von stat­ten ging! Und ich darf Ihnen das Kompliment machen, gnädiges Fräulein, daß Sie als meine Partnerin ganz prächtig gespielt. Es herrschte ja eine recht gerührte Stimmung, da wir uns endlich als ein glückliches Brautpaar dem Publi­kum empfehlen konnten."

Er blickte sie prüfend von der Seite an und bemertte zu feiner Freude, daß sie in leichte Ver­wirrung geriet.

Wir hatten sehr dankbare Zuschauer", warf sie hin und versuchte, ihren Arm aus dem sei-

Siaaien den Anfang machen), sondern hat auch die Absicht zu erkennen gegeben, die Ausgaben für Flotte und Heer tatsächlich und nicht uner­heblich zu beschränken. Die Flotte ist aber für die englische Nation nicht nur das, was für das deutsche Volk gegenwärtig das Heer ist, sondern weit mehr. Seit Jahrhunderten ist es in Eng­land ein feststehendes Dogma, daß die Größe und die Sicherheit des Reiches mit der Flotte steht und fällt. Durch feine Flotte ist England die erste Weltmacht geworden, und es ist bezeich­nend genug, daß von dem Augenblicke an, wo andere Mächte einen angemessenen Platz neben der bis dahin allein herrschenden Nation be­anspruchten, die Stärke, Schlagfertigkeit und Organisation der englischen Flotte in einer Weise gesteigert und verbessert wurde wie nie­mals zuvor. Ein Ausfluß dieser der Flotte bei­gelegten Wertschätzung sind auch die noch von der konservativen Regierung beschlossenen und soeben beendeten allgemeinen Seemanöver. Die Betrachtungen in der Presse über ihren Verlauf und ihre Lehren klingen fast ausnahmslos in dem Rufe aus: Mehr Schiffe! Und nun kommt die liberale Regierung und will das zweite für das laufende Jahr in Aussicht genom­mene Riesen-Schlachtschiff vom Dreadrrought- Typ streichen. Sofort hat nicht nur die Flotten­liga, sondern auch, was erheblich mehr ins Ge­wicht fällig die Admiralität gegen eine solche Absicht protestiert. Der erste Lord der Admira­lität, Sir John Fisher, und die drei anderen ständigen Mitglieder des obersten Marinerates haben ihren Rücktritt angedroht, falls die Ab­sicht des Kabinetts zur Ausführung gelangt. Im Kabinett selbst herrscht keine Einigkeit über diese Frage. Wie es scheint, haben sich der Kriegsminister Haldane, der Schatzkanzler As­quith und der Lordkanzler unbedingt für Beibe­haltung des ursprünglichen Flottenbaupro- gramms erklärt. Soll also eine Kabinettskrisis sowie ein offener Gegensatz zwischen Admiralität und Regierung vermieden werden, so wird der Flottenplan unverändert bleiben müssen. Selbst­verständlich müssen dann die pekuniären Erleich­terungen im Marine-Etat, die auf 40 Millionen Mark veranschlagt waren, in Fortfall kommen.

Endlich kann die Heeresreform zu einem verhängnisvollen Zankapfel werden. Auch hier will der Kriegsminister Haldane eine Er­sparnis gleichfalls von 40 Millionen Mark be­werkstelligen, ohne daß dadurch die Schlagfertig­keit und Leistungsfähigkeit der territorialen Wehrmacht beeinträchtigt würde. Kein Ge­ringerer als Lord Roberts hat dagegen, unb nicht erst seit gestern, eine Vermehrung der Streitkräfte und schließlich den Uebergang zur allgemeinen Wehrpflicht, die das Deutsche Reich politisch und wirtschaftlich groß gemacht habe, nachdrücklichst gefordert. So ist auch in dieser Frage ein Zustand geschaffen, der widerspre­chenden Anschauungen freiesten Spielraum er­schließt und jedenfalls nicht dazu beitragen kann, die ohnehin kritische Lage zu bessern.

Zur Lage in Rußland.

Aus Paris wird über eine Unterredung mit einem Mitglieds des Kabinetts Goremykin be­richtet, das sich über die Lage sehr unverblümt äußerte. Dieser Staatsmann hält eine baldige Militärdiktatur für wahrscheinlich und fügte hinzu, sechs Wochen würden genügen, alle Ka­dettenchefs, Minister und Bauernführer aufzu­hängen. Minder kategorisch äußerte sich der in Aix-les-Bains weilende Graf Witte, wenngleich auch et der Ansicht ist, daß die Minister nur die Werkzeuge eine Uebergangs-Epoche seien. Kein Röntgenstrahl könne das Dunkel durchdringen, welches Rußlands Zukunft umhülle.Die Zeit und die Menschen, welche guten Willens find, vermögen viel. Meine Sympathien gehöre« denen, die der schwer heimgesuchten Natton den inneren Frieden zu bringen vorhaben."

Kattowitz, 16. Juli. Auf offener Straße wurden gestern nachmittag in Cz-nftochau (Russ.-Polen) die Polizeiwachtmeister Archi­pow und Schepaniak von Sozialisten erschossen« Obwohl Kosaken die Straßen sofort absperrten, sind die Täter unerkannt entkommen. Infolge des Bäckerstreiks sind in den Städten Sosno- wice, Bendzin, Dombrowa und Sawierze alle Bäckereien geschlossen. Als in Sosnowice heut« ein Bäcker (ein Türke) feinen Laden öffnete, wurde et durch Revolverschüsse schwer verletzt. Er ist nach Kattowitz ins Krankenhaus gebracht worden.

Petersburg, 16. Juli. General Koslow ist in Peterhof das Opfer einer verhängnisvolle« Verwechslung geworden. Bei dem Mörder wurde eine Photographie des General Trepow gefunden. Vor dem Morde zog der Täter dis Photographie hervor, um sich zu vergewissern, daß er sich nicht irre. Koslow hatte eine ge­wisse Ähnlichkeit mit Trepow. Die Gemahlin des Erschossenen, eine geborene Fürstin Suwo­row, fragte den Mörder, dessen Persönlichkeit noch nicht konstatiert werden konnte:Warum töteten Sie meinen Mann, der Ihnen doch nichts getan hat?" Der Verbrecher schwieg, zeigte sich aber sehr erregt. Im Arrestlokal äußerte er, et kenne keinen Koslow und habe keinen Mann dieses Namens ermordet, sonder« nur den Mann, der aus der Welt geschafft wer­den mußte. General Koslow kümmerte sich wenig um Politik. Das Bedauern über die un­glückliche Verwechselung, der Koslow zum Opfer gefallen ist, ist allgemein. Der General war 52 Jahre alt. Es besteht kein Zweifel, daß die verhängnisvolle Kugel General Trepow galt.

Baku, 16. Juli. Die Anarchisten verbreite« Proklamationen, welche die Arbeiter auffor­dern, die Spraye der Kugeln und Bomben z« nigen zurückzuziehen, was er jedoch mit einem festen Drucke verhinderte. ,

Schon der Titel war so interessant," fuhr Herr Winkler scherzend fort,Jugendliebe! Ich muß eingestehen, daß gerade diese Bezeich­nung mich bei der Wahl des Stückes leitete.

Elly Heimberg erwiderte nichts.

Es ist alles so vergänglich," sagte Herr Winkler leise,die Prosa des täglichen Lebens wird auch diese Erinnerung vielleicht bald wie­der verwischen."

Sie blickte voll zu ihm auf. .....

Ich glaube, nicht bei jedem wird es so fein, betonte sie,doch lassen wir die elegischen Be­trachtungen, sie erhöhen festliche Stimmung nicht!" .

Er senkte seinen Blick tief tn ihre glanzende« Augen.

Ja, freuen wir uns einiger glücklicher Stun­den," gab er zur Antwort.Fräulein Ell^ das Leben ist doch so schön!"

Es war das erste mal, daß er sie bei ihrem Vornamen nannte. Sie schwieg und sentte wieder das Köpfchen. In tiefen Atemzuge« hob sich ihre Brust. ,

Ellys Begleiter betrachtete sie mit Entzücken.

Lassen Sie uns in den Saal zurückkehren* sagte Elly nach einer kurzen, stummen Paus^ der Tanz wird gleich wieder beginnen? Herr Winkler . . !"

Sie blickte ihn betroffen an, denn er war dicht vor sie hingetreten und streckte mit einer dringenden Bewegung den Arm gegen ein« Eartenbank am Wege aus.

Fräulein Elly," bat er mit bebender Stimm«, gönnen Sie mir nur noch eine kurze Unter­redung unter vier Augen. Ich bitte, höre« Sie mich an ..." j

In liebreizender Verwirrung folgte Ell»; der Anforderung und nahm auf der Eartenbanr Platz. Er setzte sich neben sie. Beide fühlten, daß jetzt ein wichtiger Augenblick nahte. Rings, um sie her breitete sich die köstliche Sommernacht