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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

SonntagsbeUaaer ZUuftrkteS Sanntaasblatt.

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M 164

Vierteljährlicher Bezugspreis: bet ver Expedition 2 Mk, bei allen Postämtern 2,25 M. ttxcl. Bestellgeld).

ZnserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Neclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Dienstag. 17. Juli 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Iah. Kug. Koch, UnivrrfitStS-Buchdruckerei

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

41. Jauig.

Neueste Telegramme.

Berlin. 15. Juli. Die Meldung desL.-A.", -atz Schloß Friedrichskron als Treffpunkt des Kaisers und des Königs von England ausersehen fei, scheint den Tatsachen vorauszueilen. Auch die Nachricht von der Entsendung des Herzogs von Eonnaught als Vertreter König Eduards zu den Tauffeierlichleiten am lronprinzlichen Hofe scheint verfrüht. DieN. E. C." erklärt, daß über den Tag der Taufe des neugeborenen Prin­zen, die Taufpaten und die Taufgäste bis zur Stunde immer noch gar keine Bestimmungen ge­troffen seien.

Berlin, 15. Juli. Da der Besuch der engli­schen Flotte in den russischen Gewässern laut telegraphischer Meldung auf Wunsch der russi­schen Regierung aufgeschoben ist, hält man es, wie derB. C". erfährt, für wahrscheinlich, das! auch der Besuch in den deutschen Gewässern un­terbleiben wird. (Desto beffer, denn die Tage von Swinemünde und Danzig sind ohnedies noch in unangenehmer Erinnerung.)

Kiel, 15. Juli. Admiral von Senden-Bibran ist von seiner Stellung als Chef des Marine­kabinetts entbunden, unter Belassung als Eene- raladjutant des Kaisers und Admiral ä, la suite der Marine.

Cuxhaven, 15. Juli. Entgegen den bisheri­gen Bestimmungen beginnen die großen Som­merübungen der Flotte Montag früh mit einer kriegsmäßigen Durchfahrt durch den Kaiser Wil­helm-Kanal von 8 Linienschiffen, 7 Kreuzern und 11 Torpedobooten. Diese Schiffe treffen Montag nachmittag in Cuxhaven ein und fah­ren von hier nach der norwegischen Küste, wohin der andere Teil der Uebungsflotte über Skagen geht.

Hags«, 14. Juli. DieWestdeutsche Volks­zeitung", das Organ des Abgeordneten Fus- angel, fordert die Nationalliberalen auf, statt Moldenhauer einen anderen Kandidaten der Richtung Bassermann aufzustellen, für den das Zentrum schon in der Hauptwahl unter Verzicht auf einen eigenen Kandidaten mit 6000 Stim­men eintreten würde. Der Freisinn würde dann für die Stichwahl ausscheiden. Wenn die Na­tionalliberalen ablehnen, sei die Wahl des So­zialdemokraten sicher. Für den Freisinnigen werde keine einzige Zentrumsstimme abgegeben werden. (Vergl. unter Deutsches Reich.)

Konstantinopel, 14. Juli. Der persische Bot­schafter richtete im Auftrage seiner Regierung an die Pforte die Anfrage, ob die Konzentra­tionen von türkischen Truppen an der persischen Grenze ein Zeichen von Kriegsabfichten der Türkei seien. Die Pforte verneinte dies auf das entschiedenste. Nach türkischer Angabe stehen an der strittigen Grenze in Paffowah 14 Bataillone und 5 Batterien, in Mosul Kerkuk 20 Bataillone der Reserve, wogegen auf der persischen Seite in Sondjbulak gegen 6000 Mann standen.

21 l (Nachdruck verboten.);

Die Kette.

Roman von Hans Schulz«.

1 Fortsetzung.)

9. Kapitel.

> Als Ruth wieder zu sich kam, lag sie auf einer Chaiselongue in Ulrikens Boudoir.

Im ersten Moment wußte sie überhaupt nicht, wo sie sich befand.

Wie durch einen Schleier sah sie die hell­blauen Atlasbezüge und die schimmernden Gold- leisten der zierlichen Rokokomöbel in der mat­ten, rosigen Dämpfung einer florverhüllten Ampel.

Eine zarte, kühle Hand tastete über ihre kühle Stirn, und die liebe Stimme der Cousine fragte in kummervollem Tone, ob sie sich nun endlich ein wenig beffer fühle.

Die Gräfin bejahte mit einem ganz leisen .Neigen des Kopfes, sie kam sich in der sorgenden Obhut Ulrikens wundersam geborgen vor.

1 Nur vorläufig nicht sprechen, nicht denken!

Sie zog die Cousine zu sich herab und dankte ihr mit einem innigen Kuffe.

; Dann sank sie wieder in einen dämmerhaften Halbschlaf zurück, indes Ulrike mit leisen, be­hutsamen Bewegungen im Zimmer hin und her glitt, den Samowar ansteckte und das Teeservice herrichtete.

So ging eine stille Stunde dahin.

Kein Laut störte die friedliche Ruhe des ein­samen Schlosses.

Durch die weit offenen Fenster flutete die linde Rachtluft mit schmeichelndem Atem und trug zuweilen verschwommene Vogelstimmen in das traurige Schweigen des kleinen Raumes.

Da fuhr die Gräfin plötzlich mit einem Weh­staut in die Höhe.

UNZMK.

Ungarns Unabhängigkeit in der Form der teilten Personalunion mit Oesterreich", das ist das Programm der Koffuthpartei, die seit den letzten Wahlen im ungarisiqen Reichstage die absolute Mehrheit besitzt. Klerikale, Liberale und Antisemiten haben sich unter diesem Schlag­wort geeint, unter dem populärsten politischen Kampfrufe, den Ungarn zurzeit besitzt.Los von Oesterreich", das war der Grundgedanke bei dem Kampf gegen die deutsche Kommandosprache, Los von Oesterreich" war der Sinn der viel verspotteten Tulpenbewegung,Los von Oester­reich" klang es auch aus der Proklamierung des selbständigen ungarischen Zolltarifs durch Dr. Wekerle. Und es ist kein Zweifel, daß es der Mehrzahl der koffuthistischen Parteigänger zumal den älteren Führern der Fraktion, die eine schwere Oppositionszeit hinter sich haben um die Unabhängigkeit Ungarns bitter ernst ist. Aber nur die wenigsten unter ihnen haben sich über die unumgänglichen Folgen der Tren­nung der beiden Donauländer Gedanken ge­macht. Kaum einer ist sich darüber klar, daß ein selbständiges Ungarn ein viel stärkeres Heer brauchte als heute das Ungarn auf der Basis von 1867. Denn nur unter schweren Opfern könnte der unabhängige Kleinstaat Ungarn seine Süd- grenze vor den Serben und das walachische Sie­benbürgen vor den Rumänen schützen, zumal da die unverständige Madjarisierungspolitik es den Nationalitäten schon jetzt immer näher legt, sehnsüchtig über die Donau und den Karpathen­rand zu den freien Volksgenossen von Belgrad und Bukarest hinüberzuschaucn. Bisher stellte Ungarn entsprechend seiner Bevölkerungsziffer 42,4 Proz. der gemeinsamen Armee, aber es be­zahlte nur 34,4 Proz. der gemeinsamen Kosten. Als vor einigen Wochen die österreichische Quo­tendeputation forderte, daß Ungarn künfttg auch 42,4 Proz. für die Zwecke des Reichsheeres zah­len sollte, da brach ein Sturm der Entrüstung in der ganzen koffuthistischen Preffe los. Ja, glauben denn diese Politiker wirklich, daß sie imunabhängigen" Ungarn auch nur annähernd so billig ihren Militärbedarf befriedigen werden?

Ganz ähnlich steht es mit den Zollfragen. Ein selbständiges Zollgebiet" ist hier das Schlagwort und die bewegliche Klage, daß Un­garn infolge der gemeinsamen Zollgrenze die Schutzzölle für die österreichische Industrie mit tragen muffe, hört man allerorten. Dabei scheint man ganz zu vergeffen, daß ein selbständiges un­garisches Zollgebiet sofort noch viel höhere Jn- dustriezölle einführen müßte, um die bisher so kümmerliche Industrie des eignen Landes eini­germaßen zu kräftigen. Trotzdem könnte man auch dann noch auf Jahrzehnte hinaus die Ein­fuhr österreichischer Jndustrieprodukte nicht ent­behren. Oesterreich dagegen könnte sich mit rus-

Auf einmal war die Erinnerung an die Un­terredung mit dem Baron Sinderode mit uner­bittlicher Klarheit wieder in den, Kreis ihres Bewußtseins getreten, hatte sich die wohltätige Lähmung ihres Denkens wieder zu grausamer Geistesschärfe erhellt.

Georg! Das Kind!"

In stummmem Brüten saß sie ein paar Augenblicke und preßte den schmerzenden Kopf, der ihr fast zu zerspringen drohte, in die beben­den Hände.

Was sollte nur werden, was sollte nur werden?

Die feierlichen Wotte des Barons standen immer wieder in ihr auf und weckten in ihrer Seele den Widerhall quälender Gewiffensangst.

Sie hörte kaum auf den mitleidigen Zu­spruch, mit dem die Cousine sie zu trösten suchte; wie automatisch irrten ihre Gedanken immer in dem gleichen Kreislauf und endeten stets wieder da, von wo sie ausgegangen.

Bei Georg dem Kinde!

Gerade der Begriff des Kindes war so ganz in den Vordergrund ihres Bewußtseins ge­schoben, daß der des erwachsenen Mannes, der aus diesem Kinde allmählich herangereift war, vollkommen dahinter zurücktrat.

Eie dachte nur an das Kind, das ihr als Nachlaß aus dem Ruin ihrer ersten Ehe geblie­ben war, sie sah sich im Geiste wieder an seinem Lager sitzen und den röchelnden Atemzügen lau­schen, in denen er sich einst gegen die Fitttche des Todesengels, die das kleine Bettchen schon tief umschattet, in zäher Lebensenergie gewehtt hatte.

Und plötzlich schaffen alle diese Eedanken- reihen wie blitzarttg in einer neuen Vorstellung zusammen.

Was waren all die Anklagen des akten Man­nes gegen jene entsetzliche Selbstanklage, die sie

sischer und rumänischer Hülfe von dem ungari­schen Weizen völlig unabhängig machen. Heute strömen alljährlich Millionen von Zentnern un­garischen Getreides und Mehls ohne Zoll nach Oesterreich hinüber. Ein geringer Schutzzoll rn der Leitha und der ganze Strom stockt augen­blicklich. Der arme ungarische Bauer aber, der exportieren muß, fände keine Käufer mehr und hätte die ganze Zeche zu bezahlen. Auch den Export nach Deutschland, der Schweiz und an­dern Staaten des Westens könnte ja Oesterreich durch Durchfuhrerschwerungen dem selbsiändigen Ungarn völlig unterbinden. Klammert sich doch die österreichische Grenze von der Bukowina bis Cattaro so undurchdringlich fest um Ungarn, daß die einzigen Erenznachbarn, die Ungarn zu freiem Verkehr noch blieben, Serbien und Ru­mänien wären. Und diese Länder hätten für den ungarischen Weizen keinen Bedarf, find die doch in der Landwirtschaft von jeher und natür­licherweise nicht Ungarns Abnehmer, sondern seine Konkurrenten auf den Märtten des Westens.

Was wäre also das Ergebnis? Der Ruin der ungarischen Landwirtschaft, die in ihrem eignen Fett ersticken müßte. Die Landwirtschaft aber ist die einzige Quelle des ungarischen Wohl­standes, neun Zehntel der Bevölkerung leben von ihr und müßten mit ihr zugrunde gehen. Darüber sollten sich die madjarischen Politiker sobald als möglich klar werden. Wenn einmal ganz OesterreichLos von Ungarn" ruft, dann ist es zu spät. B.

Zur Lage in Rußland.

Petersburg, 15. Juli. Der gestrige Beschluß des Reichsrates, den von der Regierung gefor­derten Kredit von 50 Millionen Rubel zur Linderung der Hungersnot abzulehnen und dem von der Duma angenommenen Gesetzentwurf zu­zustimmen, nach welchem nur 15 Rubel durch Anleihe, der Rest durch Abstriche beim Aus­gabenbudget aufgebracht werden sollen, wird in der Preffe als Mißtrauensvotum des Reichsrats gegen das Kabinett Eoremykin betrachtet, das geeignet sei, den Rücktritt des letzteren zu be­schleunigen.

Petersburg, 15. Juli. (Von einem beson­deren Korrespondenten.) Im Peterhofer Park tötete gestern ein anständig gekleideter Mann vor den Augen des promenierenden Publikums einen General Koslow durch drei Revolver- schüffe. Vom Publikum verfolgt feuerte der Mörder noch drei Schöffe ab, er wurde aber den­noch festgenommen.

Petersburg, 15. Juli. Der ermordete Ge­neralmajor Koslow stand dem politischen Leben ganz fern. Man behauptet, daß der General, der große Aehnlichkeit mit General Trepow hatte, das Opfer eines Irrtums geworden ist. Der Mörder, ein junger Mann von 26 Jahren, habe geglaubt, Trepow vor sich zu sehen.

so lange schon im geheimsten Innern ihres Her­zens verborgen hielt!

Sie selbst, die Mutter selbst hatte ja einst auf das hilflose kleine Wesen den Tod herabgefleht, sie hatte den Mord gegen ihr eigenes Kind im Herzen getragen:

O, möchte es sterben!"

Wie Donnerlaute klangen ihr die Worte auf einmal wieder in den Ohren.

Der Wunsch, der schreckliche Wunsch, der ihr vom ersten schwachen Aufblitzen des Gedankens Ruhe und Frieden geraubt, der sie so oft jwon aus nächtlichem Schlummer aufgeschreckt, der ihr immer wieder die glücklichsten Momente ihres Lebens vergällt hatte!

Ein Gefühl vollkommener Vernichtung durch­drang ihr ganzes Wesen. Wie sollte sie jemals ihrem Sohne diese Schuld gestehen!

Würde er sich nicht schaudernd abwenden von einer Mutter, die dessen fähig gewesen war!

Ulrike stand der Verzweiflung der Cousine gänzlich ratlos gegenüber.

Vergebens wiederholte sie immer wieder ihre Bitte, doch ein Glas Tee, einen Schnitt Portwein zu sich zu nehmen.

Die Gräfin hatte auf all ihr freundliches Drängen nur ein müdes Kopfschütteln.

Erst als ihr Ulrike erklärte, sie unter keinen Umständen heute Abend noch nach Dormbrowo fahren lassen zu wollen, »ich die lähmende Schlaffheit.

Ruth bestand mit solcher Energie auf ihrer Absicht einer sofortigen Heimkehr, daß die Baro­nin aus Furcht, durch weiteren Widerspruch die hochgradige Erregung der Cousine zu einem er­neuten Ohnmachtsanfall zu steigern, endlich nachgab und den Befehl zum Anspannen er­teilte.

Sie ging selbst mit ihr bis zum Wagen hin­ab und bot hier nochmals all ihre Ueberredungs-

Petersburg, 15. Juli. Nach einer Meldung der Petersburger Telegraphenagentur sind di« Angaben der Blätter, nach denen die ruffn.n« Regierung eine neue Anleihe int Auslande auf« zunehmen beabsichtigt, vollkommen unbegründet. Sie beruhen wahrscheinlich auf einer fallen Auslegung der Erklärung des Finanzministers über die Notwendigkeit der Beschaffung neuer Mittel zur Deckung der Ausgaben für die Volks­verpflegung. Die Regierung wird sich wegen der Aufbringung neuer Mittel nur an den in« neten Markt wenden.

Baku, 15. Juli. (Petersburger Telegr.-Ag.) Der Ausstand in den Naphthawerken nimmt größeren Umfang an. Die Besitzer lehnen vte Mehrzahl der Forderungen der Ausständigen ab. Zn Bibi Eibad wurde der Verwalter eines Naphthawerkes ermordet.

Nikolajew, 15. Juli. (Petersb. Telegr.-Ag.) Der Vertreter einer Zuckerfabrik wurde gestern auf dem Wege zur Bank von Bewaffneten um 30 000 Rubel beraubt. Ein Räuber wurde er­griffen, ein anderer von Soldaten erschossen, die übrigen entkamen.

Petersburg, 15. Juli. Die gesamten ordent­lichen Staatseinnahmen betrugen in den ersten vier Monaten laufenden Jahres 688,6 Millionen Rubel gegen 625,8 Millionen Rubel int gleichen Zeiträume des Vorjahres, das sind also 62,8 Millionen Rubel mehr als im Vorjahre. Die aus dem Amurgebiete, von Sachalin und von ausländischen Bankiers eingelaufenen Ein­nahmen sind hierbei nicht einbegriffen.

Moskau, 15. Juli. Sämtliche Bäckereien sind geschlossen; zur Versorgung der Stadt mit Brot sind die Militärbäckereien, die Bäckereien in den Gefängnissen und die städtische Bäckerei heran­gezogen. Der Stadthauptmann hat den Bäcker­verband, welcher den Streik inszeniert hat, auf­gelöst. Der Vorsitzende des Verbandes sowie die Mitglieder, die für den Ausstand agitiert ha­bet, wurden aus Moskau verwiesen. Die Ar­beitswilligen werden von der Polizei geschützt. Streikende, die die Arbeitswilligen belästigen, werden sofort aus der Stadt abgeschoben. Di« Maßregeln des Stadthauptmanns richten sich auch gegen die Arbeiter, die durch Nichterfüllung der int Dezember übernommenen Verpflichtun­gen den Streik heraufbeschworen haben.

Kattowitz, 15. Juli. Die polnisch-sozialistilche Partei proklamiert für den Dombrowaer Grenz­bezirk einen allgemeinen Bäckerstreik und gibt gedruckte Verhaltungsmaßregeln für die Ein­wohner heraus. Die Abnehmer von Brot aus den Militärbäckereien werden mit dem Tod« bedroht. Die Einfuhr wird nur in äußerst ge­ringen Mengen für den persönlichen Bedarf ge­stattet, der Handel verboten.

Berlin, 15. Juli. Aus Petersburg wird ge­meldet, der Minister des Innern habe erklärt, daß et eine längere Fortdauer des Kriegszu­standes in den baltischen Provinzen für über­flüssig halte, und ihn daher zunächst für das estnische Gebiet (Estland und Nordlivland) auf­zuheben gedenke, während er ihn für den let­tischen Teil noch eine Weile aufrecht erhalten

kunst auf, Ruth zum mindesten persönlich nach Dombrowo hinüberbringen zu dürfen.

Doch die Gräfin lehnte jede Begleitung freundlich ab: Ulrike möge es ihr nicht verargen, aber nach den seelischen Erschütterungen bet letzten Stunden sei ihr fürs erste gerade absolut Einsamkeit Bedürfnis.

So nahm denn die kleine Baronin endlich mit schwerem Herzen Abschied und gab den Weg frei.

Die Pferde zogen an, und der Wagen rollte durch das verfallene Parttot.

Die Nacht war von bezaubernder Schönheit

In geheimnisvoller Märchenstimmung lag die weite Waldlichtung.

Gleich einem zarten Seidenflor schwebte das blasse Mondlicht über den tauigen Wiesen, aus denen ein schweres, süßes Gedüste, wie mit Händen zu greifen, berauschend emporstieg.

Schwarz, gespensterhast stand die hohe, dunkle Wand des Forstes gegen den mattsilber- nen Himmel.--

Wie im Traum fuhr Ruth durch das groß«' Schweigen der stillen Sommernacht.

Sie achtete kaum auf bett Weg, der jetzt aus dem zitternden Mondesdämmer in das schwül«, blauschwarze Dunkel der Waldlinie eintauchte.

Mit geschloffenen Augen lag sie in einer Eck des Wagens halb zurück.

Die Empfindung einer leeren Gleichgültig­keit webte in ihr, und sie suchte sich absichtlich durch Ausschluß jedes aktiven Denkattes darin' zu erhalten, weil sie mit der Wiederkehr bet quälenden Vorstellungen instinktiv einen aber­maligen Zusammenbruch ihrer geistigen Per­sönlichkeit befürchtete. /

(Fortsetzung folgt);