Sonntaasbeila-e: AMrAr^Les
,ä>
4
xs
’S»
r'j?
V;
19
6.
K
•-tw
'M
W Hk
7»
M
6|^
J2 163
—-»— uts—E BgncCTnwBMmama Vierteljährlicher Bezugspreis: bet ver Expeditiim 2 Mtz, bet allen Postämtern 2,25 Mk. (kxcl. Bestellgeld). Insertlvnsgebühr: die gespaltene Zelle oder seren Raum 10 Pfg. Reclamen: die Zeile 25 Vfg.
Marburg Sonntag, 15. Juli 1906. EHMMSKHHÄHSHMÄBSBMKZZQKÄSBaeHei
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck imb Verlag' Joh. Äug. Loch, UniberfitätS^vuchdruckerel 41. Jahrg. Marburg, Markt 2L - Telephon 55. ”
Zweites Blatt.
Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.
Neueste Telegramme.
Berlin, 14. Juli. Wie bestimmt verlautet, beabsichtigt König Eduard, erst bei seiner Reise nach Marienbad im August d. I. mit Kaiser; Wilhelm zusammenzutrefsen, der um diese Zeit in Wilhelmshöhe bei Cassel weilen wird. Der Honig hat den Vorschlag gemacht, den Besuch auf Schloß Friedrichskron bei Homburg stattfinden zu lassen. Daraus ergibt sich von selbst, daß Hr zur Taufe des Sohnes des Kronprinzen nicht nach Berlin kommen wird.
Hamburg, 14. Juli. Das hiesige Generalkonsulat der Republik Guatemala erhielt von seiner Regierung folgendes Telegramm: Die Regierung von San Salvador ist in das Gebiet von Guatemala eingedrungen und zwingt uns zu energischer Verteidigung. Vollständiger Sieg des Heeres von Guatemala über das einfallende Heer von San Salvador. Gestern fiel bei Ji- daro der Oberbefehlshaber der Truppen von San Salvador, Thomas Regalado.
Petersburg, 14. Juli. Der Besuch des englischen Geschwaders in den Ostseehäfen ist nach gegenseitigem Uebereinkommen auf eine günstigere Zeit, wahrscheinlich nächstes Jahr, verschoben worden.
Petersburg, 14. Juli. Der Eeneralgouver- neur der Baltischen Provinzen, General Solo- 'gub, hat an das Ministerium des Innern beunruhigende Telegramme gesandt, die darauf hindeuten, daß die Ruhe in den Provinzen nur vorübergehend sei. Die revolutionäre Bewegung werde durch die Ernte- und andere Feldarbeiten abgelenkt. Im Herbst würden sicher neue Unruhen eintreten. Revolutionäre Agitatoren durchzögen die Dörfer, ohne daß es gelinge, sie zu fassen.
' Rewyork, 13. Juli. Aus New Orleans wird der New Porker Tribüne gemeldet, ein Vertreter der mexikanischen Zentraleisenbahn berichte, daß eine Geheimgesellschaft mexikanischer Arbeiter in den Grenzstädten Plakate habe anschlagen lasten, in denen die Amerikaner aufgefordert werden, das Land vor dem 4. September zu verlosten. Der genannte Vertreter erklärt, wie uns aus Nswyork telegraphiert wird, die zu Beginn des Monats Juni in Cananea stattgehabten Unruhen seien der Anfang einer Bewegung gewesen, die sich weit auszubreiten und den Tod
K, ■ (Nachdruck verboten.)
„Studio auf einer Reis...
Eine heitere Geschichte aus dem Leden, von Hans Albrecht-Eastel.
t Da stand er nun an einem prächtigen Früh- lingsmorgen inmitten des Gedränges und bunten Durcheinanders des Großstadtbahnhofs und blickte sich nachdenklich um. Auf seinem frischen, jugendlich männlichen Antlitz, zu dem der starre, keck aufgewirLelte Schnurrbart, sowie die noch recht frischen „Schmiste" auf der Wange trefflich paßten, malte sich deutlicher Mißmut.
Ueberall herrschte Geräusch und Bewegung, und der junge Akademiker, der da so ernst und nachdenklich auf dem Bahnsteige stand, kam sich vor wie ein Fels im brandenden Meere. Züge fuhren ab und trafen ein, hier Hüte- und Tücherschwenken, dort Händedrücke, Umarmungen und Küste — hier Scherzen und Lachen,dort tränenreiche Abschiedszenen — überall paarte sich die Freude mit dem Ernste des Lebens. Rur er stand so abgesondert da, als ginge ihn dies alles im Grunde gar nichts an. Und er war doch nicht zwecklos hier! Im Gegenteil, der heutige Tag war ihm wichtig erschienen und er hatte ihn sehnlich herbeigewünscht.
Dort das Schild mit der weithin lesbaren Aufschrift: „Sangerhausen—Nordhausen" kündete ihm den Weg zur Heimat an. Ja, dort hinaus lag das Städtchen im schönen Harz, mit dem Elternhause und den beiden guten, treuen .Alten und dem trauten Schwesterlein. Es mußte den Lieben daheim ja schon in den Ohren klin- sgeln, da er so sehnlich an sie gedacht.
. Wenn er sie doch heute sehen könnte! Er Hatte sich alles so hübsch vorgestellt! Plötzlich dnd unerwartet vor der Tür der elterlichen {filia stehen, ein Klingelzeichen, ein froher Will- ommenruf — und dann die Begrüßung. Des Oauses Sohn und Erbe war wieder daheim! Es var kein« Heimkehr vom „verlorenen Sohn",
zahlreicher Amerikaner in den außenliegenden Provinzen nach sich zu ziehen drohe. Präsident Diaz und die Regierung seien bemüht, den Ee- heimbund zu unterdrücken, und es sei in der Stadt Mexiko bereits eine Anzahl Personen verhaftet worden.
„Nationale" Finanzpolitik.
Wir haben es erst noch vor kurzem erlebt, daß die neuen Reichs- bezw. Staatsanleihen nur mit Mühe und Not vom Markte „ausgenommen" wurden. Seit dieser Zeit kann man in der Börsenpreste tagtäglich als ihrer Weisheit letzten Schluß die Behauptung verkündet finden — und der Kursstand unserer Reichs-, Staats- und Kommunalpapiere scheint ihr Recht zu geben —, daß derartige Anleihen in Zukunft nur noch zu einem erhöhten Zinsfuß unterzubringen feien. Die gespannte Lage des Geldmarktes wird als der Hauptgrund ins Feld geführt, wenn in letzter Zeit bereits eine Reihe von größeren deutschen Städten wie München, Mannheim und Düsseldorf bei der Befriedigung ihres Anleihebedürfnistes zum 4prozentigen Zinsfuß zurückkehren mußten. Und von neuem verlautet, daß auch ein deutscher Bundesstaat, nämlich die freie Reichs- und Hansasiadt Lübeck, eine Anleihe von 20 Millionen Mark zu 4 Proz. mit einem Bankenkonsortium abgeschlosten habe, „Wenn man sieht," so bemerkt hierzu das „Derl. Tagebl.", daß zu gleicher Zeit, in der ein deutscher Bundesstaat eine Anleihe ä. 4 Prozent; aufnehmen muß, das schwächere Italien seine Anleihen auf 3% beziehungsweise 3% Prozent herabsetzt, und wenn man bedenkt, daß dieses Land noch vor etwas mehr als 10 Jahren seinen Gläubigern eine zwangsweise Zinsreduktion zumuten mußte, so muß man zugeben, daß die Welt und besonders der Geldmarkt reich an Problemen ist." Man steht allerdings vor einem Rätsel, wenn man dieses sieht. Doch löst sich dieses Rätsel sehr leicht für jeden, der weiß, daß Geldmarkt und Hochfinanz sich zu einander verhalten wie Wirkung und Ursache, und daß gerade sehr häufig schon die deutsche Hochfinanz die Interessen des Auslandes über die des eigenen Landes gestellt hat. Auch zu der italienischen Rentenkonversion haben deutsche Großbanken insofern mitgcwirkt, als sie zusammen mit anderen großen ausländischen Banken der italienisch- n Regierung die Mittel zur Durchführung der Rentenkonversion bereitwilligst zur Verfügung stellten. Ueberhaupt scheint die „Ausländerei" ein hervorstechender Gbaraktcrzug unserer Hochfinanz zu sein. Das gilt für die heutige Zeit mindestens ebensosehr wie für jene Zeiten, da die Diskontogcsellschaft mit der deutschen Bank
bewahre! Man hätte eher singen dürfen: „Seht, er kommt mit Preis gekrönt" Im Vollgefühle des Bewußtseins, ein gefährliches Staatsexamen glücklich bestanden zu haben, als angehender Rechtsgelchrter vor Eltern und Schwester hin- trcten und sagen dürfen: „Run, hier bin ich und staunt mich nur an — ein ganzer Mann, der nach froh verlebten Studentenjahren mutig eintritt ins Philisterium —" das war ein solch prächtiger Gedanke! Und dann ihn nicht ausführen können, weil — ja, weil es am schnöden Gelds gebricht: Das ist jammervoll und erbärmlich!
Und daß er so in der Klemme steckte, war doch ganz seine Schuld. Daß er von dem bestandenen Examen nichts gemeldet und statt desten das Reisegeld schon vorher auf die hohe Kante gelegt hatte, war lobenswert, wenn er eine gänzliche Ueberraschung plante. Nicht minder lobenswert war entschieden auch die Tatsache, daß er unter das Schuldenregister der Studentenzeit einen dicken Strich gemacht und sich gelobt hatte, keinesfalls noch irgend einen „Pump" anzulegen. Selbst die Abschiedskneipe ward bei Heller und Pfennig bezahlt. Da mußte heute noch, als er, den Neisekoffer in der Hand, seine Wohnung verlosten wollte, die miserable Schneiderseele ihm den Gerichtsvollzieher auf den Hals schicken, und in der Tasche dieses gestrengen Herrn war das Reisegeld verschwunden — bis auf ganze fünfundsiebzig Pfennige! Es hatte also gerade gereicht, um die Freude zum Leide werden zu lasten! Und nun rächte sich die Heimlichkeit, daß er keinen der Kommilitonen in sein Vorhaben eingeweiht, um dem sonst unvermeidlichen „Abschiedsschoppen" zu entgehen. Nun war kein rettender Helfer zu sehen, und es blieb ihm nichts anderes übrig, als nach Hause zu depeschieren und um telegraphische Anweisung des Reisegeldes zu bitten.
Ein trauriges Ende der schönen Illusion. „Am Eolde hängt, nach Eolde drängt doch alles" und vor dem Mammonsdienst schwindet die Poesie.
den Vollswohlstand durch Emistion von Argentiniern, die Nationalöank und die Darmstädter Bank durch die von Griechen bezw. Portugiesen zu fördern suchten. Noch immer nimmt das Auslandsgeschäft in der Emistionstätigkeit der großen Banken den breitesten Raum ein und erst kürzlich wieder haben unsere leitenden Banken große Beträge amerikanischer Eisenbahnaktien und Obligationen am deutschen Markte eingeführt. Für alle diese zweifelhaften exotischen Werte fühlt sich der Markt stets stark genug; sobald es sich aber um die Unterbringunng einer deutschen Anleihe handelt, dann kann das die gespannte Lage des Marktes nicht ertragen, dann heißt es plötzlich: „Wir sind ein so kapitalarmes Land, daß wir uns den Luxus Sy2 oder gar Zprozentiger deutscher Renten nicht leisten können und wenn unser Reich, unsere Bundesstaaten und Städte Geld haben wollen, dann müsten sie eben zu dem 4prozentigen Zinsfuß zurückkehren."
Aber Italien ist anscheinend reif dazu, um eine Zinsherabsetzung seiner Renten auf 3% Prozent vorzunehmen, nicht so das „industrielle" Deutschland, welches vielmehr in Zukunft nach dieser Richtung hin hinter seinem lateinischen Bundesgenosten zurückstehen soll. Denn so will es die Hochfinanz, dieselbe deutsche Hochfinanz, die, wie einmal der „Deutsche Oeko- nomist" ausführte, es in der Hand hat, die Kurse unserer Staatsanleihen nach Belieben J steigen oder fallen zu lasten und die auch von dieser Macht entsprechend ihrem jeweiligen Vorteile Gebrauch macht. Solange diese Macht nicht gebührend beschränkt ist, werden auch die vielfach unternommenen und geplanten Mittel • zur Hebung des Kurses unserer Staatsanleihen wie z. V. auch die soeben in Kraft getretene Stempelbefreiung in Umsätzen von deutschen Reichs- bezw. Staatsanleihen nichts nutzen, sondern im Gegenteil die deutsche Volkswirtschaft durch die Schmälerung der Reichsein- kiinfte schädigen!
Zur Lage in Rußland.
Von der Reichsduma.
Den „Münch. Reuest. Nachr." wird aus Rußland geschrieben, daß sich die Radikalen und ein Teil der „Kadetten" bezw. „konstitutionellen Demokraten" im Parlament nichts weniger als taktvoll, sondern sehr exzessiv aufführen. Es wird nun das Gerücht laut, daß eine Spaltung der jetzt 153 Deputierte, d. h. 34,4 pCt. des Parlaments umfastenden Kadettengruppe, beinahe unvermeidlich geworden sei. Damit würden diejenigen, die ernsthafte politische Arbeit tun wollen, zu erkennen geben, daß sie hinfort mit
Ach, wenn er doch nur noch einen von all' den blauen Neichskastenscheinen, die seine Studentenjahre verschlungen, jetzt besäße. —
„Fliegende Blätter, Lustige, Ulk, Kladderadatsch!" schreit ihm jemand in die Ohren. Der fliegende Buchhändler ist's, der mit beschwingten Sohlen zu dem dort bereit stehenden Schnellzuge hineilt. Unmutig und aus seinem grübelnden Sinnen gestört, schreitet der nachdenkliche Bahnhofsbesucher mechanisch hinter ihm her. Richtung Sangerhausen — sein Zug! Wenn man mit dem fuhr, hatte man beste Verbindung. Andernfalls blieb noch um vier Uhr der Personenzug mit den langen Ausenthalts- zeiten. Aann war die Mittagsstunde längst vorüber und der Magen knurrte schon jetzt. . . .
Also zum Telegraphenamt! Und gepriesen seien bei allem Malheur noch die fünfundsiebzig Pfennig Restbarbestand!
Schon wollte er sich in das Bahnhofsgebäude begeben, als sein Blick auf zwei Damen fiel, die eilig auf dem Bahnsteig daherkamcn, beide mit Packen und Päckchen beladen und beide erhitzt und atemlos von schnellem Gange. Die Ankömmlinge strebten dem zur Abfahrt bereit stehenden Zuge Richtung Sangerhausen—Nordhausen zu. Sofort schritt der Akademiker mit ehrerbietigem Gruße den Damen entgegen.
„Ich habe die Ehre. Frau Juftizrat Heimberg . . . gnädiges Fräulein . . ."
Auf dem gutmütigen, runden Gesicht der älteren Dame malte sich ehrliche, freudige Ueberraschung, während ihre junge Begleiterin mit plötzlicher, ersichtlicher Verwirrung kämpfte.
„Sehr erfreut, Sie zu sehen, Herr Winkler! Sie wollen wohl auch mit jenem Zug . . ."
„Es ist noch Zeit bis zur Abfahrt, gnädige Frau. Sie hätten sich nicht zu übereilen brauchen! Aber ich darf wohl behülflich sein.....
Galant belud er sich mit einigem Gepäck der Damen.
„Ein ganz unerwartetes, erfreuliches Zusammentreffens warf er hin, während man ge-
Radaubrüdern und Schwadroneuren nicht il einer Partei rangieren möchten. Die Konstellation der politischen Bekenntniste würde sich durch einen solchen Schritt verschieben; die extrem« Linke würde verstärkt werden durch den Zuzug des linken Flügels der „Kadetten" und verschiedene Parteilose. Die Folgen eines solchen Zu- sammenschlustes wären höchst verhängnisvoll: könnte sich doch die russische Regierung niemals dazu entschließen, Mitglieder der radikale» Gruppe zu einem Koalitionsministerium heranzuziehen; ein konstitutionell-demokratisches Ministerium dürfte jedenfalls als äußerste ihrer Konzessionen gelten.
Petersburg, 13. Juli. Die Gerüchte über einen bevorstehenden Ministerwechsel erhalten sich in sonst unterrichteten Kreisen hartnäckig. Feststehen dürfte, daß der Abgang des bestehenden Ministeriums grundsätzlich beschlosten ist, jedoch die Schwierigkeiten der Neubildung noch nicht überwunden sind. Man spricht heute wie« der mit Bestimmtheit von einem Koalitions Ministerium. Andererseits erklären die Kadet. ten, nur ein Ministerium aus ihrer Partei an> nehmen zu können.
Die Folge« der Ausstande.
Durch die fortgesetzten Streiks und die maßlosen Forderungen der Arbeit! hat sich eine belgische Gesellschaft, die in der Nähe Warschaus eine mechanische Schuhfabrik betrieb, veranlaßt gesehen, den Betrieb einzustellen und zu liquidieren. — Die Bandfabrikanten haben groß« Bestellungen in die Schweiz gegeben, um über, nommene Lieferungen ausführen zu können, da in ihren Fabriken die Arbeiter feiern. Das sink besonders drastische Beispiele dafür, wie dai Kapital durch die Unvernunft ins Ausland getrieben wird. Dennoch erkennen die Arbeitei nicht, daß sie selbst den Ast absägen, auf dem st« sitzen. Gewalttätigkeiten gegen Arbeitswillig« und Arbeitgeber sind an der Tagesordnung: Den Schneidern, die nicht an den Ausstände« teilnehmen, begießt man die Stoffe mit Säure^ in den Gerbereien verdirbt man die Felle, di« Fabrikanten werden bedroht und belagert. I« Lodz wurden die Bandfabrikanten, die sich zu einer Besprechung versammelt hatten, von de« Ausständigen bis 11 Uhr nachts eingeschlosten gehalten und nur gegen das Versprechen, di« Forderungen der Arbeiter zu erfüllen, heraus- gelosten. — Der Verband der Industriellen i« Warschau veröffentlicht einen Aufruf, in dem er darauf hinweist, daß durch die grundlosen und willkürlich in die Länge gezogenen Streiks die polnische Industrie dem Ausland und dem übrigen Rußland gegenüber konkurrenzunfähig gemacht würde. Großen Erfolg wird der Aufruf nicht haben.
Warschau, 13. Juli. Die Ruhe beginnt sich wieder einzustellen, die Flüchtlinge kehren zurück. Gegen das Mitglied des Kriegsgericht», General Schweikowski, wurde heute ein Attentat verübt. Der General blieb unverletzt, seine Ge
meinsam dem Zuge zuschritt. Und während er dies sagte, ruhte sein Blick mit sprechender Bewunderung auf dem bildhübschen Antlitz der jüngeren Dame.
„Allerdings," gab die Frau Justizrat wohlwollend zurück, „seit Ihren letzten Ferien habe« wir Sie nicht mehr gesehen, Herr Winkler. Sie wollen nach Hause reisen, nicht wahr? Die Eltern werden sich freuen! Werden Sie erwartet?'*
„Doch nicht — ich entschloß tr"' "■*- plötzlich, Frau Justizrat. Eine Ueberraschung . .,
„Ah! Ja, es geht nichts über die Heimat! Meine Tochter freut sich auch bereits sehr auf die Ankunft daheim und das Wiedersehen mit dem Papa . . .“
„Gnädiges Fräulein war längere Zeit verreist?" erkundigte sich Winkler.
„Ja, ich war in einer Genfer Pension. Ich war lange fort. Nun hat Mama mich von dort abgeholt. Es war ein so schönes Jahr, und doch bin ich glücklich, bald wieder zu Hause z« sein!"
Wie natürlich und herzlich sie sprach! Forschend blickte er sie unverwandt von der Seit« an. Potztausend, war die Kleine hübsch geworden!. Er kannte sie bereits, als er noch Gymnasiast — in der kleinen Stadt ist dies ja sehr erklärlich — und als Student hatte er ihr recht lebhaft den Hof gemacht. Seine Familie verkehrte ja mit „Jtchizrats". Nun war aus dem Kinde eine bildhübsche, junge Dame geworden! Die blauen, glänzenden Augen, das reiche, entzückende Blondhaar, die reizvoll entwickelte Gestalt — ein echt deutsches Gretchen! Und di« schelmischen Grübchen in Wange und Kinn . . ,
Man war schon am Zuge. Dienstfertig öffnete der Schaffner ein Coups zweiter Klasse und schnell waren die Gepäckstücke geborgen.
„Tausend Dank, Cie gütiger Helfer," sagt« die Justizrättn wohlgelaunt . . . „Da Sie denselben Zug benutzen, darf ich Sie wohl einladend unser Coups zu teilen? Es reist sich immer angenehm in Gesellschaft. Wie denkst Du, Elly?7i